— entgegen gehegten Befürchtungen als tadelloser „Freiballon-. Nach vierstündiger Fahrt begann sich der Ballon zu senken; es wird auszuklären sein, ob infolge Versagens des Motors oder wegen ungenügender Kraft desselben gegenüber dem in den erreichten höheren Luftschichten stärkeren Wind. Die Landung verlies ausgezeichnet. Das Fahrzeug schwamm gleich einem Boot und wurde nach allerdings schwieriger Nachtarbeit wieder auf sein Floß zurückgebracht. Die Landungsstelle lag einige Kilometer westwärts der Ballonhütte, die Absicht, wieder zum Aufstiegpunkt zurückzukehren, ist sohin nicht erreicht worden. Trotzdem sind für die Technik der Lustschiffahrt durch das Verdienst des Grasen Zeppelin neue Ausblicke gewonnen, ja neue Wege eröffnet. Bei fast allen bisherigen Freifahrten handelte es sich mehr oder weniger um eine Floß- fahrt, d. h. daS Fahrzeug „trieb- im Winde, heute hat Gras Zeppelin thatsächlich die Luft „durchschifft-. Bekanntlich ist der schwierige Punkt bei allen Freifahrten heute noch die Landung; daß diese hier so glatt verlief, ist der geistreichen Verwendung deS Laufgewichts zuzuschreiben, das allein ein überaus sachtes Aufsetzen des schweren Fahrzeugs auf die Wasserfläche ermöglichte. Leider verfing sich das Tragseil deS Gewichts mit einem aus dem See ausragenden Pfahle und machte so den Ballon sür einige Zeit bewegungsunfähig.
Dem kühnen Unternehmen brachte ein zahlreicher Zuschauerkreis lebhaftes Jntereffe dar, darunter die Prinzessin Therese von Bayern, die beiden Herzoge von Urach und zahlreiche preußische, bayerische und andere deutsche Offiziere. In den Gondeln befanden sich außer dem Grafen Zeppelin noch Baron BassuS aus München, der Weltreisende Eugen Wolf und zwei Maschinisten.
Aus Stadt und Land.
(Unsere ständigen und gelegentlichen Herren Mitarbeiter werden gebeten, bei Einsendungen stets nur eine Seite ihres Manuskripts zu beschreiben und die Rückseite frei zu lasten im Jntereffe der schnelleren Druckherstellung.)
Gießen, 6. Juli 1900.
** Prrsonaluachrichtea. Dem Psarrverwalter August Prätorius zu Blofeld wurde die evangelische Pfarrstelle zu Blofeld, Dekanat Nidda übertragen. Der Kreisamtmann Ludwig Matthias zu Alzey wurde mit Aushilfeleistung bei dem Sekretariate des Ministeriums des Innern beauftragt.
** Konzert der Berliner Domsauger am Montag. Mit dem geistlichen Volksliede: „Die arme Seele- von Albert Becker wird uns eine der köstlichsten Perlen der Muse des zu früh dahingeschiedenen Meisters geboten.
** Gießener Turuerfchaft. Am Samstag nachmittag 5 Uhr begaben sich Kampfrichter und Wettturner gemeinschaftlich mit denen der Nachbar-Vereine des Turngaues, Heffeu nach Kirchhain zum Gau turn fest. Die Anmeld
ungen der ^Wettturner sind, trotzdem Kirchhain an der äußersten Ostgrenze des Gaues gelegen, sehr zahlreich. Bis jetzt sind gemeldet für die Oberstufe 31, und für die Unterstufe 165, sowie 15 Muster- und Vereinsriegen und 2 Spielriegen.
” Kaufmännischer Verein. Auf das am Samstag abend tm eigenen Heim stattfindende Militärkonzert sei auch an dieser Stelle aufmerksam gemacht.
** Der Anatomie überwiesen worden ist die Leiche des Arbeiters Mößlein aus Kastel, der sich in der Montag Nacht in einer Arrestzelle in Mainz erhängt hat. Es war noch ein zweiter Arrestant in fraglicher Nacht in der betr. Zelle. Von dem Selbstmorde hatte er seines festen Schlafes wegen nicht das Geringste bemerkt. Der Anatomie-Diener hat gestern die Leiche vom Friedhöfe abgeholt, und mit der Bahn nach hier verbracht.
O Ein Studio als Bierkutscher. Ein Studio, der das „Bieberlieschen- durch Bremsen zum Stehen bringt, war schon da; ein Musensohn als Bierfahrer ist das Neueste. Der Ruhm des studentischen Bremsers ließ dessen Komili- tonen keine Ruhe, und so schwang er sich vorgestern am hellen lichten Mittag aus dem Lindenplatz auf ein dort stehendes Fuhrwerk der Brauerei Textor, dessen Führer es auf einen Moment verlassen hatte, und trat flott und vergnügt eine Rundfahrt über Kirchenplatz, Schulstraße, Neuen Baue, Ostanlage, Senkenbergstraße, Brandplatz an, um über die Markthallenstraße nach dem Ausgangspunkt seiner Fahrt zurückzukehren. Der Student soll die Gäule ganz vor- züglich gelenkt haben; dies dürfte ihn aber vor Strafe wegen groben Unfugs nicht schützen.
x Ettingshausen, 4. Juli. Heute wurde einer unserer ältesten Mitbürger, Johannes Keil XIII., zur letzten Ruhe geleitet. Es war ein in der Umgegend weit und breit bekannter Fuhrmann, der es durch Fleiß und Sparsamkeit aus kleinen Anfängen zu allgemeiner Achtung und zu einem ansehnlichen Vermögen gebracht hatte. Er erreichte das hohe Alter von 78 Jahren und war ein Veteran aus dem badischen Feldzug 1848—49, den er als Hess.-Darmstädter Soldat mitmachte.
(!) Grünberg, 5. Juli. Unserem gestrigen Berichte über das G u st a v - A d o l f - F e st ist noch hinzuzufügen, daß auch ein Huldigungstelegramm an den Großherzog abgesandt wurde. Zur Freude der Festteilnehmer traf noch gestern abend eine Dankes-De- pe s ch e ein, die von dem Prälaten Dr. Habicht verlesen wurde, worauf die Anwesenden in das auf den geliebten Landesfürsten ausgebrachte Hoch begeistert einstimmten.
(!) Mücke, 5. Juli. Der frühere Besitzer des Dampfsägewerks, das bekanntlich an eine Genossenschaft verkauft wurde, beabsichtigt in Grünberg eine Holzschneiderei mit Dampfbetrieb zu errichten und hat bereits das hierzu nötige Gelände in der Nähe des Bahnhofs käuflich erworben.
-e- Bermuthshain, 4. Juli. Einem alten Krieger, Schuhmachermeister B a l t h a s a r G ö tz, der die Feldzüge
1866 und 18/0—71 mitgemacht Hat und bei Gravelotte durch eine Kugel im Rücken verwundet wurde, wurde heute die letzte Ehre erwiesen. Der Kriegerverein Grebenhain und Krainfeld gaben ihm ebenfalls das Geleit mit Fahnen. Der hiesige Kriegerverein gab drei Ehrensalven über das Grab ab.
O Ortenberg, 5. Juli. Vor einiger Zeit ging ein Teil des Gutes Breitenheide, etwa 80 hessischeNormalmorgen Feld, Wiesen und Oedland, in die Hände des hessischen Staates über. Ueber 1000 Obstbäume, darunter auch Kirschbäume, wurden in geschützter Lage angepflanzt und man verspricht sich, da das Land für Obstplantagen sehr geeignet ist, von dieser Anlage sehr viel.
V. Vom hohen Vogelsberge, 5. Juli. Während anderwärts schon längst alle Holzversteigerungerr stattgefunden haben, hat man bei uns in letzter Zeit noch! zweimal Gelegenheit gehabt, seine Holzvorräte zu ergänzen. Die Preise hielten sich in mäßiger Höhe und erreichten! in der Oberförsterei Feldkrücken die Taxe, in den Distrikten bei dem Hoherodskopf blieben sie ca. 15 Prozent unter dem Anschlag.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Frankfurter Börse vom 5. Juli.
Wechsel auf New-York zu 4.20%-21Vb.
Prämien auf Kredit per ult Juli 2.60%, do. per ult Äug. 4.00%, Diskonto-Kommandit per ult Juli 2.60%, do. per ult. Äug. 4.15°/o, Lombarden per ult Juli 0.70%, do. per ult Äug. 1.00°/ . Deutsche Bank per ult. Juli 0.00 %.
Notierungen : Kreditaktien 209-208.60-209,50 208.80, Diskonto-Kommandit 171.90-60-172.50-171.70, Staatsbahn 136.30- 136-136-20, Gotthard 134.00, Lombarden 25.90-20, Ungar. Goldrente 96.10, Italiener 93 30, Bproz. Mexikaner 25.40, Oesterr. Coupons 84.00, Amerik. Coupons 4.18%, Privat-Diskont 4$ 16% G.
1% bis 2% Uhr: Kreditaktien 208.90-210.20 bz., Dig- konto-Kommandit 171.70-173.10 bz., Staatsbahn 136.20-137 20 bz., Lombarden 25.30-24.80-25.30 bz., 3proz. Portugiesen 00.00, Deutsche Bank 000.00 bz., Harpener 175 bz.
Märkte.
Friedberg, 5.Juli. Der gestrige Schweinemarkt war gut befahren und es wurde fleißig gekauft, wenn auch nicht sämtliche Ware an den Mann gebracht werden konnte. Die Preise sind denen der letzten Märkte ziemlich gleich geblieben. Dies hat seinen Grund darin, daß alle Futter- und Knollengewächse ein gutes Aussehen zeigen. Milchferkel wurden zu 25 bis 36 Mk. pro Paar verkauft; ältere Tiere erzielten je rach QualitSt 40 bis 60 Mk.
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auf hiesigem Örtsgericht einer nochmaligen öffentlichen Versteigerung ausgesetzt werden.
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von Gießen nnd Umgegend.
Laut Beschluß letzter Versammlung ersuchen wir unsere Mitglieder und richten die ergebene Bitte an die dem Verein nicht angehörenden Herren Kollegen, fernerhin 4651
Fleischwaren jeder Art
nicht bei denjenigen Metzgern zu entnehmen, die selbst Mittag- und Ab en dtisch (sogen. Privatkostgeberei) veranstalten.
Metzger, welche konzessionierten Wtrtschaftsbetcieb haben, sollen selbstredend von dieser Maßnahme nicht betroffen werden.
Wir verweisen des Wetteren auf die allen Wirten zugehende Liste.
Samstag den 7. Juli l. J., nachmittags 2% Uhr, sollen die den Georg Brömer Erbe« zustehenden Grundstücke der Gemarkung Gießen:
Flur 26 Nr. 266%0 — 578 qm Hofraite am untersten Riegelpfad zwischen den Wegen,
, 26 Nr. 2678/io — 458 qm Hofraite daselbst,
, 28 Nr. 180 — 1300 qm Acker zwi- scheu dem Sandkauter- und Erd-
Gießen, den 2. Juli 1900. Großherzogl. Ortsgericht Gießen.
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