Ausgabe 
7.7.1900 Drittes Blatt
 
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London, 6. Juli. Daily Mail meldet aus Shanghai vom 5. ds., man erwarte stündlich« das Eintreffen der Nach- ridjt von der Ermordung sämtlicher Europäer in Peking. Der Tao Tai erklärte, seiner Ansicht nach sei die Lage derselben eine absolut hoffnungslose und wenn sie noch!'sticht getötet worden seien, so sei dies nur eine Frage kürzester Zeit.

London, 6. Juli. Daily 'Expreß berichtet auf Grund von Mitteilungen aus bester chinesischer Quelle, die in Tientsin, Tschifu und Shanghai eingegangen sind, daß die englische Gesandtschaft in Peking am 30. Juni resp. 1. Juli den Boxern in die Hände gefallen sei-

London, 6. Juli. Die Birmingham Post versichert, der Zar habe der Königin Viktoria dieser Tage einen eigenhändigen Brief über China geschrieben, und die Königin habe in die friedfertigen Absichten des Zaren anerkennenden Worten geantwortet.

London, 6 Juli. Die Tientsin einschließenden Chinesen zählen jetzt 80 000 Mann. Nur die Ankunft von 9000 Japanern rettete Tientsin vor dem Fall. Der Ort ist mit Verwundeten angefüllt. Der Fall der Chinesen-Stadt in Tientsin erfolgte zwischen Q und 8 Uhr morgens am 30. Juni. Die Verluste der internationalen Truppen werden als sehr schwer bezeichnet, namentlich, bei den Russen und Japanern.

Paris, 6. Juli. DemJntransigeant" zufolge find äußerst ernste Nachrichten aus China im hiesigen Auswärtigen Amt und im Marineministerium eingetroffen. Man hat beschlossen, Verstärkungen an Kriegsschiffen und Mannschaften nach China zu entsenden. Es sollen vier neue Kreuzer und 15000 Mann Truppen so schnell wie möglich dahin abgehen.

Rom, 6. Juli. Der Papst ließ durch die Vermittelung des Kardinal-Fürstbischof Dr. Kopp dem Kaiser seinen Glückwunsch zu dem energischen Vorgehen in China übermitteln und die Hoffnung ausdrücken, daß das 23ei> gießen christlichen Blutes baldigst aufhören möge.__________

Politische Tagesschau.

Bei dem Festessen, das die amerikanische Kolonie in Leipzig zur Feier des Uuabhängigkeitstages veranstaltete, hielt Botschafter White eine Rede, worin er aus die Friedens­liebe des Präfidenteu Mac Kinley im allgemeinen, sowie im besonderen aus das Bestreben des Präsidenten hinwieS, die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland auf daS freundlichste zu gestalten. Des näheren führte er aus:

Von Anfang an bis jetzt hatten die Anweisungen, die ihm von der gegenwärtigen Regierung zugegangen feien, darauf hingezielt, jeden Unfrieden im Keime zu unterdrücken, jeden Keim deS Friedens weiter zu entwickeln. Man habe in Washington gefühlt, und das mit Recht, daß, was auch immer für Meinungs­verschiedenheiten zwischen Deutschland und den Vereinigten (Staaten auftreten mögen, doch daS Rechte zur richtigen Zeit geschehen würde, und daß es von größter Bedeutung sei, die beiden großen Völker in den guten Beziehungen zu erhalten, die traditionell gewesen find seit dem Entstehen der amerikanischen StaatSversassung. Mau fühlte, daß deshalb jede zwischen beiden Ländern austretende Frage leiden­schaftslos erörtert werden müßte. Und diese freundliche Gesinnung der Regierung Mac Kinleys gegenüber der deutschen Regierung be­schränkt sich nicht auf die Nebenbuhlerschaft in Handel und Gewerbe. Verschiedene andere Fragen traten auf, z. B. die samoanische Frage, die ihrerzeit so drohend war und doch jetzt vergessen ist. In dieser ganzen Frage habe Mac Kinley ein freund­liches Gefühl gegen Deutschland gezeigt, das alle Feindseligkeit ent­waffnete.

Auch die deutsche Reichsregierung ist bemüht,das Rechte zur richtigen Zeit" zu thun. Sie hat durch ihren landwirtschaftlichen Attache in Washington der amerikanischen Preffe eine Schrift zugehen lassen, worin der sanitäre Charakter des Fleischbeschaugesetzes betont und das Reich vor der Annahme verwahrt wird, als habe es durch das Gesetz Amerika treffeu wollen.

Deutsches Wich.

Berlin, 5. Juli. Aus Cuxhaven wird gemeldet: Der Kaiser traf gegen 11 Uhr an Bord des Schnell­dampfersDeutschland" ein, und wurde von den Ver­tretern der Hamburg-Amerika-Linie und dem Admiral Hollmann, der als Passagier die Fahrt nach England mit- macht, empfangen, von den vielen hundert Passagieren jubelnd begrüßt. Der Kaiser hatte bereits vorher vom Sleipner" aus dieDeutschland" eingehend besichtigt. Der Kaiser besichtigte das Schiff in allen Teilen und sprach wiederbolt seine Anerkennung aus. Nach- der Besichtigung nahm der Kaiser einen Imbiß in der Kapitänskajüte ein.

DieDeutschen Verkehrsblätter", das Organ des Deutschen Nsenbahnbeamten-Vereins, bringen folgende Meldung:

Gegen das schlechte Grüßen der Eisen­bahnbediensteten. Nachdem Sr. Majestät dem Kaiser in der jüngsten Zeit auf den Eisenbahnfahrten das schlechte Grüßen der nicht zum Tragen einer Dienst­kleidung berechtigten Eisenbahnbediensteten (Hilfsbeam­ten und Arbeiter) aufgefallen ist, hat der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten unlängst eine entsprechende Er­gänzung der Bestimmungen für die Reisen allerhöchster und höchster Herrschaften angeordnet, worauf die Herren Präsidenten der Eisenbahndirektionen mit dem Ersuchen aufmerksam gemacht worden sind, die Inspektions-Vor­stände alsbald nochi und zwar, soweit angängig, mündlich dahin zu verständigen, daß auf die genaueste Beachtung dieser Bestimmungen ihrerseits hinzuwirken sei".

Eine orthographische Konferenz hat, wie verlautet, am letzten Samstag stnter dem Vorsitze des Mi­nisterialdirektors Dr. Mhoff getagt. An der elben haben außer mehreren Räten des Ministeriums der Geh Re­gierungsrat Dr. Wilmanns-Bonn, der Vorsitzende des Allgemeinen deutschen Sprachvereins Geheimrat S a r r a - zin-Friedenau, Gymnasialdirektor Dr. Duden-Hersfeld und Studiendirektor Professor Dr. Rehrmann-Groß- Lichterfelde teilgenommen. Es handelte sich um die a m t - liche Einführung der bisherigen Schul-Or­thographie bei allen preußischenund Reichs­behörden.

Zur Zusammensetzung des Reichsmilitär­gerichts schreibt dieAugsb. Abendztg.".

EinPräsident" des baierischen Senats und ein ,,Senats Präsident" werden nicht existieren. Für den baierisck>en Senat werden ernannt: Ein etatsmäßiges militärisches Mitglied, der Oberst, Oberst mit Brigade- Kommandeursrang oder Generalmajor sein kann und das betreffende Gehalt bezw. die Gebührnisse bezieht, ferner vier außeretatsmäßige militärische Mitglieder, die aus den z. Z. nach Berlin kommandierten baierischen Offizieren entnommen werden und je 600 Mark Zulage erhalten. Senatspräsident wird ein Militärjurist mit 12 740 Mark Gehalt. Außerdem werden ernannt: vier Reichsmilitärgerichtsräte mit je 10 986 Mark und ein Mi­litäranwalt mit demselben Gehalt.

Mülhausen i. E., 5. Juli. Nach weiteren Meld­ungen über die Reichstags-Ersatzwahl erhielt Schlumberger 17 670 Stimmen, Emmel (Soz.) 7688 Stimmen. Schlumberger ist somit gewählt.

Saarbrücken, 5. Juli. In der gestrigen Sitzung der Handelskammer wurde die Stellungnahme der Kammer zur Saar- und Moselkanalisierung dadurch zum Abschluß gebracht, daß folgender Antrag des Vorsitzenden zur einstimmigen Annahme gelangte: Die Kammer hält in der Kanalfrage grundsätzlich! an dem bisherigen ab­lehnenden Standpunkt fest, vermag deshalb auch nicht, sich bedingungslos zu Gunsten der Kanalisierung der Saar und Mosel auszusprechen. Sollte aber der M i t t e l l a n d - kanal und ein damit zusammenhängendes Kanalprojekt zur Ausführung gelangen, so betrachtet die Handelskammer die Saar- und Moselkanalisierung als notwendige Ergän­zung derselben und schließt sich deshalb den Bestrebungen derjenigen an, welche die Aufnahme der Kanalisierung der Saar und Mosel in dieses Netz wüirjchen.

A»ÄÄN-.

L o n d o n, 5. Juli. U n t e r h a u.fv Balfour teilt mit, daß eine aus drei Mitgliedern, dem PrasideMen des Aerzte- kollegiums, Dr. Church, dem Professor der Anatomie Cun­ningham-Dublin und dem Lordrichter Romer bestehende Kommission zur Untersuchung übe r' d i e Behand­lung der Verwundeten unb Kranken in Süd­afrika ernannt worden sei. Nach längerer Debatte wil­ligt Balfour ein, die Kommission durch zwei weitere Mit­glieder zu ergänzen. Chamberlain verliest ein Tele- gramnr aus Fumen vom 4. Juli, worin dieser mitteilt, daß Gouverneur Hodgson am 23. Juni mit 600 Eingeborenen unter Major Morris Kumassi verlassen, nachdem er dort 100 eingeborene Soldaten mit Rationen bis zum 15. Juli reichend zurückgelassen und sich nach Cape Count Castle begeben habe. Oberst Borroughs sei mit 400 eingeborenen Soldaten am 1. Juli in Dompoasi ein­getroffen. Der Feind sei völlig überrumpelt worden und habe die Pallisaden geräumt. Borroughs habe 40 Kanonen, und eine Menge Schießpulver erobert. Dreißig Mann vom Feinde seien getötet, auf britischer Seite ein eingeborener! Soldat getötet, drei verwundet. Das Oberhaus nahm die zweite Lesung der Vorlage an, durch die die Haft­pflicht der Arbeitgeber auf die Landwirt- ch a f t ausgedehnt wird, sowie die dritte Lesung der Vor­lage betr. den australischen Bund.

Brüssel, 5. Juli. Prozeß Sipido. Aus dem Zeugenverhör ist hervorzuheben, daß sämtliche Aussagen über die vier Angeklagten, besonders über Sipido ganz vorzüglich günstig lauten. Volkaert sagt aus, daß Meert aus der inzwischen aufgelöstenAvant-garde sozialiste" einen jungen Menschen wegen Verbreitung anarchistischier Ideen habe ausschließen lassen. Die Angeklagten seien Sozialisten ulnb nicht Anarchisten. Die Aussagen der Ent­lastungszeugen lauten derart günstig, daß die Verteidigung die Vernehmung der Mehrzahl für überflüssig erachtet. Das Gericht verkündet: Nichts chuld i g fürdrei Ge­nossen Sipibos; dieser selbst habe ohne Vorbedacht gehandelt. Das Urteil gegen Sipido lautet dahin, daß er bis zum Alter von 21 Jahren unter Auf- icht der Regierung gestellt und sofort in Frei­heit gesetzt wird. Sipido wird von Hunderten um­armt und geküßt. Die Menge äußert ihre Freude auf alle Weise. Sie johlt, bringt Hochs auf die Jury, die Ver­teidigung und Sipido aus. Die Freisprechung Sipidos erfolgte mit Stimmengleichheit. Im Publikum waren zahl- rerche Engländer sichtbar, die düs'Urteil durchaus zu billigen schienen.

Paris, 7. Juli. Die Kam m.ßH 2hÄhm in der heu­tigen Sitzung den Gesetzentwurf bejr. die Schaffung einer Kolonialarmee mit den vom Senat vorgenommenen Aenderungen an. Der Gesetzentwurf ist damit endgiltig angenommen. ( w

Aus Stadt und Land.

Gießen, 6. Juli 1900.

* Burschenschaft Germania. Die Jahressammlung des Ehrenmitglieder-Vereins der BurschenschaftGermania" in Gießen findet am 15. Juli zu Frankfurt a. M. statt. Es wird hauptsächlich über Gründung und Unterhaltung eines Germanenhauses beraten werden.

** Süddeutsches Mämrerfextett. Auf seiner großen Kon­zert-Tournee wird Ernst Bleichers süddeutsches Männer­quartett, Opernsänger-Ensemble, auch Gießen be­rühren und, tote aus dem Inseratenteil ersichtlich, am Dienstagabend inSteins Garten" ein Konzert mit viel­versprechendem Programm geben. Ein vorzüglicher Rus geht dem Ensemble voraus.

Zigeuner-Transport. Gestern eskortierte unsere Schutzmannschaft einen Trupp Zigeuner durch die Stadt. Am Marienberg übernahmen Gendarmen die Eskorte. Die Zigeuner kamen aus der Gegend von Worms und werden nach Berlin geschafft, wo sie sich vor dem Landgericht wegen eines Kindesmords, dessen sie verdächtig sind, u verantworten haben.

Schotten, 6. Juli. Anläßlich des am Sonntag den 8. Juli ftattfindenden Kriegerfestes wird ein Son­der-Personenzug in nachstehendem Fahrplan ge- ähren: Nidda ab 11 Uhr 45 Min. vorm., Kohden 11 Uhr 53 Min., Unterschmitten 12 Uhr 1 Min., Oberfchmitten 12 Uhr 8 Min., Eichelsdorf 12 Uhr 16 Min., Rainrod 12 Uhr 25 Min., Schotten an 12 Uhr 38 Min.

-ö- Hartmannshain, 4. Juli. Hier befinden sich

seit einigen Tagen schon wieder drei Familien mit etwa 20 Köpfen aus Frankfurt auf Sommerfrische. Für später sind noch 35 Personen angemeldet. Seit etwa achx Jahren wird unser Ort als Luftkurort von Städtern sehr besucht.

Darmstadt, 5. Juli. Gegen eine größere Anzahl Studenten an der Technischen Hochschule ist, wie bereits mitgeteilt, ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden wegen des flegelhaften Betragens, das sie sich gelegentlich der Mainzer Gutenbergseier haben zu schulden kommen lassen. Der Hergang ist nach einer uns heute vorliegenden Schilde­rung kurz folgender: Die Herren waren wegen ihrer Be­teiligung an dem historischen Festzug von der Stadt aus auch zur Teilnahme an den übrigen festlichen Veranstaltungen eingeladen worden. Statt sich nun alsGäste der Stadt" eines besonders gesitteten Benehmens zu befleißigen, faßten sie ihre Aufgabe von vornherein so auf, als ob man das Andenken des Erfinders der Buchdruckerkunst nur durch maßloses Saufen würdig feiern könne. Das führte schon an den ersten beiden Festtagen zu mancherlei unliebsamen Szenen und stellte die traditionelle Gutmütigkeit und Gast­lichkeit der Mainzer Bevölkerung aus eine harte Probe. Die Krone der Unverschämtheit errangen sich die Jünglinge aber auf der Festschifffahrt nach Bingen. Die Fahrt rhein­abwärts benutzten sie zu einem organisierten Zechgelage, das sich auf der Burg Klopp, wo die Stadt Bingen den Festgästen mehrere hundert Liter Erdbeerbowle kredenzen ließ, in ein wildes Wettsaufen verwandelte. Sie belagerten förmlich die Brunnen, aus denen das edle Naß geschenkt wurde, und da es nichts kostete, so soffen sie den Wein wie Wasser aus Gläsern, Hörnern und Eimern. Das Publikum sah erstaunt und entrüstet diesem Treiben zu; ein trink­weiser Mann aber recitierte ahnungsvoll aus Faust:Gieb nur erst acht, die Bestialität wird sich gar herrlich offen­baren". Der W.eingott kehrte rasch den Spies um und be­zwang seine Bezwinger. Kaum war man wieder aus dem Wasser, da kam es auf dem SchiffGutenberg", wo mit den Spitzen der Behörden auch ein großer Teil der Hoch­schüler untergebracht worden war, zu den skandalösesten Ausbrüchen der Besoffenheit. Wüstes Gegröhle und Ge­schrei entstieg den Kehlen und bei manchem quoll noch anderes heraus, die Kleider der Nächstftehenden besudelnd. Mit- sahrende Damen mußten vor Zoten und zärtlichen Hand­greiflichkeiten geschützt werden. Dieses Treiben wurde dann in Eltville, wo man einige Stunden verweilte, fortgesetzt, so daß sich der Oberbürgermeister Dr. Gaßner genötigt sah, den Hochschülern eines der anderen Schiffe zur Weitersahrt anzuweisen. Darob ergrimmten die jungen Leute natürlich sehr. Im wilden Zorn suchten sie sich den Eingang auf denGutenberg" zu erzwingen. Der Versuch scheiterte aber an der muskulösen Energie der Schiffsmannschaft, die, als das Zureden nichts half, die Herren mit Gewalt zurück­schleuderte. Daß auch manchem aus dem übrigen Publikum der Geduldfaden dabei riß, läßt sich denken; es setzte Püffe und Ohrfeigen. Das half denn endlich, man hatte Ruhe bis Mainz. Man darf gespannt sein, was bei dem Dis­ziplinarverfahren herauskommt.

Worms, 5. Juli. Die hiesige Lutherde nkmal- Stiftung vergiebt in diesem Jahre an neun Kandidaten der evangelischen Theologie deutscher Nationalität, die ihr. Examen bereits mit Auszeichnung bestanden haben, Sti­pendien für ein Jahr in Höhe von je 860 Mark, damit sie ihre Studien noch ein weiteres Jahr auf einer deutschen Universität fortsetzen können. Das Stipendium kann nach Belieben in dem Zeitraum vom 1. Oktober 1900 bis 1. Oktober 1903 benutzt werden. Gesuche müssen bis spätestens zum 1. September d. I. bei der Kommission ein­gereicht sein. Näheres ist durch den Dekan Dv. Smend zu erfahren.

Mainz, 5. Juli. Es liegt in der Absicht unserer Stadtverwaltung, die in unserer Altstadt gelegenen engen Stadtteile, zu denen besonders die Schlossergasse, Heugasse, Altschirn<u.sw. gehören, zu einem modernen und ge­sunden Stadtviertel umzugestalten. Verschiedene ältere Gebäude in diesen Straßen sind bereits angekauft und dem Erdboden gleich gemacht worden, sodaß heute schon mehr Luft und Licht in das enge StraßengewinkeL eindringen kann. Durch Erwerbung noch! anderer Ge­bäude will sich die Stadß: Mainz in den Besitz noch weiterer Grundflächen setzen, um schließlich eine vollständige Regu­lierung des ganzen Stadtteils vornehmen zu können. Die städtische Verwaltung hat nun vor einiger Zeit das Stadt­bauamt beauftragt, annähernd festzustellen, welche Kosten etwa die ganze Regulierung des oben angegebenen Stadt­teiles samt dem Ankauf der zu dieser Regulierung not­wendigen Gebäulichkeiten betragen würde. Diese, kürz­lich beendete Arbeit hat zu dem Resultate geführt, daß sich diese Gesamtkosten auf etwas mehr als eine halbe M i l l i o n M a r k belaufen werden. Da sich solche Regulie­rungsarbeiten aber auf eine Reihe von Jahren verteilen, so ist die Deckungsfrage keine schwierige.

Mainz, 5. Juli. Der geschäftsführende Ausschuß der 5. Führer- und Aerzte-Versammlung der deutschen freiwilligenSanitäts-Kolonnenvom Roten Kreuz, Konsul Felmer, Dr. Dörr, leitender Arzt der Sanitätskolonne des Mainzer Veteranen-Vereins, Dr. Wachenfeld, leitender Arzt der Sanitätskolonne des Mainzer Kriegervereins, waren gestern in Audienz in Darmstadt, u.m dem Großherzog für die Uebernahme des Protektorates ihren Dank abzustatten. Bei dieser Gelegen­heit sagte der Großherzog sein Erscheinen bei der ant 29. Juli hier stattfindenden großen Uebung der Sanitäts­kolonnen zu.

? R o d h e i m a. 23., 6. Juli. Mit einem neuen Sicher­heits-SprengstoffP l a st o m e n i t" (ein rauch­schwaches Schießpulver dieses Namens giebt es be­kanntlich schon seit Jahren. D. Red.) wurden gestern in Gegenwart zahlreicher in den Bieberbrüchen bei Rodheim a. d. Bieber Versuche angestellt, die aber ein abschließendes Urteil noch nicht zuließen.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen vnd den Nachbarstaaten. Der Verband der hessischen landwirtschaftlichen Genossen­schaften, ebenso der Verband der Allgemeinen deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften in Offenbach siedeln