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7.6.1900 Erstes Blatt
 
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M. 130 Erstes Blatt.

1900

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für -en "Kreis Gieszen

Donnerstag den 7. Juni

Uejugsprei» vicrlcljährl. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholcstelle» vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Psg.

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MMn, Gffpedition und ® ruderet: >4*f0r«6e Nr. 7.

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tratet ttgNch mit Ausnahme des

Montag«.

Die Gießener »«mitienvt-tler »erden dem Anzeiger b* Wechsel mitHess. BOTbrnirt* m. Matter Mr heff. volkrkunde- »SchU. 4 *! beigelegt.

U»»«ch»e Anzeigen zu der nachmittag» für bee Mfenbca Lag erscheinenden Nummer bi» vorm. 10 ttchr. RbbesteLungen spätesten- oben*» vorher.

Bekanntmachung.

Zur Verhütung der Verschleppung der Maul- und Klauenseuche wird die Abhaltung des auf den 7. Juni d. I. ia Leun anstehenden ViehmarkteS an die Bedingungen ge­knüpft, welche durch die untenstehende diesseitige Bekannt­machung vom 4. Oktober 1898 angeordnet worden find. Für die Einführung von Händlervieh in den Kreis Wetzlar gilt jedoch die in Nr. 110 des Wetzlarer Anzeigers vom 12. Mai dsS. IS. veröffentlichte polizeiliche Anordnung des Herrn Regierungspräsidenten vom 27. März 1900. Aus der Provinz Oberheffen des Großherzogtums Hessen und den preußischen Kreisen Biedenkopf und Usingen dürfen Rindvieh, Schweine und Schafe nicht aufgetrieben werden.

Wetzlar, den 31. Mai 1900.

Der Landratsamtsverwalter.

Amtliche Teil.

Bekanntmachung.

Betr.: Beurlaubung des Großh. KreisveterinärarzteS Herrn Prof. Dr. Winkler zu Gießen.

Der Großherzogliche Kreisveterinärarzt Herr Profeffor Dr. Winkler zu Gießen ist vom Heutigen ab auf sechs Wochen beurlaubt. Als sein Vertreter ist der veterinär- ärztliche Assistent, Herr Christof Hollerbach aus Darm­stadt, ministeriell bestellt worden, der seine Wohnung hier ia Gießen, Frankfurterstraße 5, im Hause des Herrn Photographen Uhl, hat. Wir bringen dies zur allgemeinen Kenntnis.

Gießen, den 1. Juni 1900.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Der Krieg in Südafrika.

In England wird Viktoria geschossen; zehn Tage früher, als Lord Wolseley zu. Anfang des Krieges voraus­gesagt, hat Lord Robertsin Pretorias ei nenEin- zug gehalten. Die Depesche, durch die der. Feldyiar- schall ankündigt, daß die -Hauptstadt Transvaals gefallen sei, ist iam 5. Juni, vormittags 11 Uhr 40 Min. in Pretoria aufgegeben und lautet:Wir sind im Besitzes von Pretoria, der feierliche Einzug erfolgt um 2 Uhr nachmittags." Etwa 9 Kilometer südwestlich von Pretoria war Lord Roberts am zweiten Pfingsttage auf hartnäckigen Widerstand gestoßen. Er berichtet darüber in einer aus Six Miles Spruit datierten Depesche folgender­maßen :

Wir brachen heute bei Tagesanbruch auf und marschierten etwa 16 Kilometer bis zu diesem Spruit, dessen Ufer vom Feind besetzt waren. Die berittene In­fanterie und vier Kompagnien Aeomanry vertrieben den Feind vom südlichen User und verfolgten ihn eine Meile weit, bis sie sich heftigem Feuer der in Verstecken geschickt verborgenen Geschützen der Buren ausgesetzt sahen. Unsere schweren Geschütze eilten über die Pretoria um­gebenden großen Hügel der Infanterie zu Hilfe und ver­trieben, unterstützt von der Brigade Stevenson und der Division Pole-Carew, nach einigen Schüssen den Feind aus seinen Stellungen. Die Buren versuchten sodann unsere linke Flanke zu umgehen, was die berittene In­fanterie und die Peomanry verhinderten. Da die Buren unfern Nachtrab auf dem linken Flügel fortgesetzt^ be­drängten, sandte ich dem drei Meilen links von mir vorrückenden General Hamilton den Befehl, zu mir ein­zuschwenken und die Lücke zwischen den beiden Kolonnen auszufüllen. Der Feind wurde sodann in der Richtung auf Pretoria zu getrieben. Der Einbruch der Nack)t ver­hinderte die Verfolgung. Die Gardebrigade steht ganz in der Nähe des südlichsten Forts von Pretoria (Schanz- Eopfort) und kaum 5 Kilometer von der Stadt entfernt. French und Hutton stehen nördlick) von Pretoria, die Brigade Breadwood zwischen den Kolonnen French und Hamilton. General Gordon schützt die rechte Flanke unserer Hauptarmee bei der Station Irene, welche vom Feinde zerstört ist. Ich hoffe, daß unsere« Verluste ge­ring sind".

Aus frühern Berichten wissen wir, daß gerade an der Stelle, von der Lord Roberts telegraphiert, an der Brücke des Six Mile Spruit 10 000 Buren Stellung genommen hatten, um ihm den Eingang in die Stadt zu verwehren. Sie haben, wie es scheint, tapfer Stand-' gehalten, dann aber keinen bemerkenswerten Versuch gemacht, den Eng­ländern den Weg zu verlegen.

Lord Roberts telegraphiert darüber: Gestern drängte ich, den Feind auf allen Linien zurück. Die berittene In­fanterie des Generals Hamilton verfolgte den Feind bis auf 2 Kilometer von Pretoria. Die Buren ergriffen die Flucht. Kommandant de Liste wurde mit einer weißen Fahne in die Stadt geschickt, um in', meinem Namen die Uebergabe zu fordern. Kommandant Botha ließ mir mitteilen, die Stadt würde nicht verteidigt wer­den und er hoffe, daß den Frauen und Kindern Schutz ge­währt werden würde. Drei hohe Transvaalbeamte kamen mir mit einer weißen Fahne entgegen und- drückten den Wunsch aus, die Stadt zu übergeben. Es wurde beschlossen, daß die englischen Truppen um' 2 Uhr von der Stadt Besitz ergreifen sollten. Die Gemahlinnen des Kommandanten! Botha und des Präsidenten Krüger befinden sich in der Stadt.

So hat also auch Botha, der bis zuletzt die Seele deS Widerstandes war und einen Ausschuß zur Aufrechterhal­tung der Ruhe und Ordnung in Pretoria eingesetzt hatte- den Kleinmnt seiner Leute nicht emzudammen und das Unvermeidliche nicht abzuwenden vermocht: Lord Ro­berts ist als Sieger in Pretoria eingezogen, und damit ist der Krieg, sowohl was seine politischen Zwecke rote auch

Flüchtlingen abgegangen war, hatte ein scharfes Gefecht mit den Boxern und brachte ihnen schwere Verluste bei. Von den Russen wurde ein Offizier und drei Mann ver­wundet, von den Boxern 16 getötet und viele verwundet. Dieselbe Quelle meldet aus Tientsin, daß der britische Missionar Robinson, Mitglied der Nord China- Mission, nebst fünf eingeborenen Christen ge­tötet worden und daß Norman, derselben Mission ange­hörig, in Wuchiayung, zwei Meilen von Henching, in Ge­fangenschaft geraten sei und sich in großer Gefahr befinde. Auch sind beunruhigende Berichte über die Lage der ame­rikanischen und englischen Missionare aus Paotingfu inj Tientsin eingelaufen. Drei belgische Ingenieure sind dort angekommen; nach Mitteilung des französischen Konsuls werden noch elf von ihnen vermißt, doch besteht die Hoff-, nung, daß fünf gerettet werden. In Peking ist nunmehr auch das deutsche Detachement in Stärke von 1 Offizier und 50 Mann des Seebataillons eingetroffen.

Company »erschien kt sei. Die Ausrede, daß inan ja politisch Herr über das Land bleibe, daß man das Ver­kaufsrecht besitze, und daß überhaupt das verschleuderte Land keinen besonderen Wert habe, zeige, wie unsicher man sich im Kolonialamt fühle. Man wisse dock) ganz genau, welche großen politischen Pläne Cecil Rhodes mit Südafrika verfolge, und müsse ihm nach dieser Richtung hin leider einen größeren Patriotismus nachrühmen, als ihn deutsche Großkapitalisten von der Art des Herrn von Hansemann u. a. an den Tag legten. Eine über­aus traurige Rolle spielten bei den Minen-Kon- zessionen die angeblich deutschen Mitglieder der in Betracht kommenden Gesellschaften, die in Wahr­heit ganz im Solde Englands ständen. Redner greift schließlich den als Vertreter der Abteilung Ham­burg im Saale anwesenden Rechtsanwalt Dr. Schar­lach-Hamburg, der einer der Direktoren der in London residierenden South-West-African-Company ist, in sehr heftiger Weise an und ruft ihm schließlich, zu: Sehen Sie mich mal an, Herr Dr. Scharlach, wenn Sie den Mut haben! Dr. Scharlach (in höchster Erregung): Das werde ich nicht thun: Das ist ja eine Frechheit, eine Unverschämtheit! (Allgemeine Ohorufe und große Bewegung.) Herzog Johann Albrecht: Ich ersuche dringend, alle Zwischenrufe und beleidigenden Bemerkungen zu unterlassen. Dr. Passarge erklärt, er habe nichts mehr hinzuzufügen.

Dr. Scharlach berief sich darauf, daß er bei den Kv- lonialdirektoren Kayser, v. Ri-chthofen und v. Buchka immer als koloniale Autorität gegolten habe und betonte beson­ders, daß man die Kolonialpolitik mehr vom geschäftlichen, als vom politischen Gesichtspunkte aus behandeln müsse; übrigens säßen im Vorstande der South-West-African-Com­pany sieben Deutsche, darunter Freiherr von dtordenflycht, v. Brand, Woermann, Wichmann und er, so daß die Ge­sellschaft deutschen Bestrebungen huldige, wenn auch ihr Kapital englisch sei.

Staatsminister v. Hofmann: Er müsse Namens der ganzen Gesellschaft gegen den Vorwurf protestieren, als ob irgend ein Mitglied weniger Patriotismus und weniger Mut besitze, als Dr. Scharlach (Lebhafter Bei­fall.) Trotz der langen Rede des Dr. Scharlach bleibe doch im allgemeinen die Ansicht bestehen, daß durch die Konzessionen an die South-West-African-Company eine erhebliche Beunruhigung in den inter­essierten kolonialen Kreisen hervorgerufen sei und trotz der Erklärungen Scharlachs bestehen bleiben werde. (Beifall.) Bei aller Hochachtung vor dem Ko­lonialamt und seinen Leistungen müsse man doch sagen, daß diese Konzessionen Muster von solchen seien, wie keine Regierung sie je erteilen sollte. (Stürmischer Beisall.) Wenn die South-West- African-Company einen angeblich ganz harmlosen Ver­trag mit der Debeers-Company über die Ausbeutung der Minen abgeschlossen habe, so soll sie ihn doch einfach veröffentlichen. (Sehr richtig.) Dr. Scharlach-Ham­burg: Dem stehe Herr Woermann entgegen, weil er nicht wolle, daß die Gesellschaft in eine Verteidigungs­stellung 'geraten solle.

Der A u s s ch u ß a n t r a g, der hierauf einstimmig zur Annahme gelangte, lautet:

Die Hauptversammlung wolle beschließen, den Reichskanzler zu ersuck)en, nur solche Gesellschaften auf Grund von Land- oder sonstigen Konzessionen zur wirt- schastlichen Erschließung unserer Kolonien zuzulassen, in deren Verwaltung der deutsche Einfluß ausschlaggebend gesichert ist und auch dauernd gesichert bleibt. Bei Er­teilung von Konzessionen für bergbauliche Betriebe, ins­besondere auf Edelmetalle und Edelsteine, soweit solche Konzessionen nach der kaiserlichen Verordnung vom 15. August 1889 überhaupt noch zulässig sind, wolle die Regierung außerdem Vorsorge treffen, daß mit dem Bergbaubetriebe binnen einer bestimmten Frist begonnen und die Gewinnung abbauwürdiger Lagerstätten bei Ver­lust der Genehmigung mit ausreichendem Kapital nach technisch bewährten Grundsätzen gesichert werde".

Die Situation in China verschlechtert sich fort­während. Die zur Unterdrückung des Boxeraufstandes von den Großmächten getroffenen Maßnahmen erwiesen sich leider als nicht ausreichend. Die internationalen Ge­schwader-Chefs sind daher neuerdings mit allen erforder­lichen Vollmachten versehen worden, um jeden Augenblick den Umständen entsprechend handeln zu können. Falls es erforderlich sein sollte, würde ein Oberbefehlshaber über das gesamte internationale Geschwader ernannt werden. Die Aufständigen stehen bereits in einer Entfernung von nur vier Meilen von Tientsin und rüsten sich zu einem Angriff auf die Stadt, die allerdings darauf vorbereitet sein soll. Inzwischen haben russische Truppen einen blutigen Zusammen st mit den Boxern gehabt. Eine Depesche des Reuter'schen Bureaus besagt: Eine Abteilung Kosaken, die zum Aufsuchen von

Bekanntmachung vom 4. Oktober 1898.

An die Abhaltung der im Kreise Wetzlar stattfindenden Biehmärkte werden zur Verhütung der Verschleppung der Maul- und Klauenseuche bis aus weiteres folgende Beding- uvgen geknüpft:

1, Für den Auf- und Abtrieb der Tiere ist je eine bestimmte Stelle zu schaffen. Die Benutzung anderer Stellen für den Auf- und Abtrieb, ebenso das Handeln mit Vieh außerhalb der Marktplätze ist verboten.

Der Auftrieb darf im Winter nicht vor 9 Uhr und im Sommer nicht vor 8 Uhr vormittags statt- fiuden.

2. Auf die Märkte dürfen nur Tiere aus seuchefreien Orten, deren Führer mit gütigen behördlichen Ursprungszeugnissen versehen sind, aufgetrieben werden, Tiere von Händlern aber nur dann, wenn in jenen Ursprungszeugnissen weiter bescheinigt ist, daß die Tiere sich die letzten sieben Tage in un­verseuchtem Zustande in seuchenfreien Orten be­funden haben.

Im Uebrigen gilt für die Einführung von Händler­vieh in den Kreis Wetzlar die in Nr. 109 des Wetzlarer Anzeigers vom 11. Mai 1897 veröffentlichte polizeiliche Anordnung des Herrn Regierungspräsidenten zu Koblenz vom 13. April 1897.

3. Bei dem Auftrieb der Tiere hat der Eigentümer oder Führer dem anwesenden Polizeibeamten das unter Nr. 2 erwähnte UrsprungSzeugniß vor­zuzeigen.

Außer von der Kontrolle der Ursprungszeugnisse ist der Auftrieb von der vorherigen Besichtigung uud Nichtbeanstandung der Tiere durch den Kreis- tierarzt abhängig.

4. Seuchenkrank und seuchenverdächtig befundenes Vieh unterliegt den vorläufigen Anordnungen deS Kreis- tierarztes.________________________________________________

Politische Tagesschau.

In der Hauptversammlung der Kolonialgesell- scha>t zu Koblenz brachte Dr Passarge die in der Presse viel besprochenen Land-Konzessionen in Afrika zur Erörterung. In dem uns vorliegenden Be­richte lesen wir über diesen Teil der Verhandlungen: W Dr. Passarge wandte sich in schärfster Weise gegen die Art und Weise, wie das Kolonialamü unter Herrn von Buchka große deutsche Gebietsteile sozusagen v e r - i ch l eube r t habe. Man könne wohl sagen, daß Deutsch- Südwestaftika zu zwei Dritteln an die Debeers-