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M. 55 GOes Blatt. BNttwoch den 7. März

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Amts- und Anzeigeblatt fnv den Kreis Giefzen.

Schwurgericht.

W. Gießen, 6. März 1900.

Heute vormittag 9 Uhr eröffnete der Vorsitzende, Land­gerichtsrat Seeger, die Verhandlungen des Schwurgerichts. Nach Bildung der Geschworenenbank wurde in die Ver­handlung gegen die Therese Speckmann von Flöteu- stein, zuletzt in Utphe als Dienstmagd in Stellung, angeklagt wegen Meineid, eingetreten. Die Anklage vertritt Staats­anwalt Zimmermann. Die Verteidigung führt Rechts­anwalt Dr. Stahl. Es sind im ganzen 10 Zeugen zu hören. Die unverehelichte Angeklagte ist am 21. März 1875 in Ostpreußen geboren und befindet sich seit 29, Sep­tember v. I. in Haft. Sie ist geständig, vor dem Amts­gericht Hungen am 2. September v. I. einen falschen Eid geleistet zu haben. Der Staatsanwalt stellt hierauf den Antrag, wegen Gefährdung der öffentlichen Sittlichkeit die Oeffcntlichkeit bei dieser Verhandlung auszuschließen. Der Gerichtshof beschließt, da der Verteidiger erklärt, keinen Antrag stellen zu wollen, vorerst öffentlich zu verhandeln.

Die Angeklagte, welche 3 Jahre bei Landwirt Rühl im Dienst war, glaubte die Beobachtung gemacht zu haben, daß ihr Dienstherr Rühl mit seiner kaum 14jährigen Stief­tochter ein unerlaubtes Verhältnis unterhalte, sie hat darüber zu dritten Personen nicht nur Verdacht ausgesprochen, sondern auch Thatsachen erzählt. Rühl behielt dieser Nachrede ungeachtet die Angeklagte im Hause; er lud dieselbe zum Sühnetermin ein und später zu einem Rechts­anwalt nach Nidda, wo er einen Vergleich mit derselben abschloß, wonach die Speckmann ihre Behauptung über ihren Dienstherrn als unwahr zurück nahm und eine Buße von 20 Mk. zu zahlen sich verpflichtete. Außerdem wurde eine diesbezügliche Ehrenerklärung in mehreren Blättern abge­druckt. Vor dem Amtsgericht Hungen in der Strafsache gegen Rühl als Zeugin vernommen, beschwor die Angeklagte wie sie heute glatt zugibt, war dieser Eid falsch sie habe zu niemand gesagt, daß Rühl in einem unsittlichen Verhältnis zu seiner Stieftochter stehe, weiter hat die An­geklagte beschworen, auch nichts gesehen zu haben, was den gegen ihren Dienstherrn ausgesprochenen Verdacht bestätige. Die Angeklagte erklärt aber, sie habe heute noch den Ver­dacht, daß es mit Rühl und dessen Stieftochter nicht richtig gewesen sei.

Bei der nun folgenden Zeugenvernehmung wird die Oeffentlichkeit ausgeschlossen.

Der Dienstherr der Angeklagten, Heinrich Rühl, als Zeuge vernommen, wird nicht vereidet, da er dringend ver­dächtig ist, die Speckmann zu dem von derselben ge­schworenen falschen Eid angeftiftet zu haben. Das von diesem Zeugen der Angeklagten erteilte Leumundszeugnrs

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* Vom Kriegsschauplatz.

London, 5. März. Nach einer Meldung deS Times- korrespondenten aus Osfontein rückt die Armee durch das Land immer weiter vor. Pferdefutter ist auf dem Marsche fast gar nicht aufzutreiben. ES ist nicht genau bekannt, wo der Feind steht, doch tauchen sehr bewegliche Kommandos ringß um die englische Armee auf, und man erwartet, auf Widerstand zu stoßen bei Abrahams Kraal, 30 Meilen östlich von Paardeberg, wo Joubert eine Ar­mee zusammenziehen soll, die aus allen Truppen von Lady­smith und den nordöstlichen Freiftaatern besteht. Präsi­dent Steijn kam am 27. Februar in Abrahams Kraal an. Er hielt eine Ansprache an die Burghers, sie möchten des Majubatages gedenken und Cronje befreien. Man schätzt die Zahl der Burentruppen auf 5000.

Ein weiteres Telegramm besagt, daß Major Albrecht und mehrere Burenoffiziere am Freitag beim Kommandanten von Modderriver bas Frühstück einnahmen. Major Albrecht machte einen sehr niedergeschlagenen Eindruck.

Nach Meldungen aus Ladysmith vom letzten Freitag hat die berittene Infanterie, welche kürzlich auf den Bul- wanaberg ausgerückt war, gefunden, daß die Buren ihre schweren Geschütze Donnerstagnacht entfernt hatten. Man entdeckte nur noch einige Zelte mit Munition und Vorräten aller Art, ferner ein Buch mit Aufzeichnungen, daß der «Lange Tom" während der Belagerung 8000 Schüsse ab- geseuert hat. Ein anderes Buch enthielt die Einteilung der Burentruppen, sowie die Namen aller Buren, die in Natal gefochten haben.

London, 5. März. Nach einer Meldung aus Mol- keew wurde General Gatacre beim Angriff auf den Rootkop zurückgeworfen und erlitt schwere Verluste.

Brüssel, 5. März. Hiesige Transvaalkreise bezeichnen die Londoner Meldung über eine Zusammenkunft der Präsi­denten Krüger und Steijn behufs Anrufung der Frie­densvermittelung für völlig unglaubwürdig. Sollte die Zusammenkunft wirklich stattfinden, so könnte dieselbe nur der Besprechung des gemeinsamen Widerstandsplanes gewidmet sein.

London, 6. März. Ein Telegramm aus O st f o n t e i n vom 3. März berichtet, daß General French eine Buren- Abteilung entdeckte, welche sich in nordwestlicher Richtung fortbewegte. General French sandte während der Nacht eine Schwadron Kavallerie und eine Abteilung Artillerie ab, um mit dem Feinde Fühlung zu nehmen. 150 Buren wurden plötzlich bemerkt, als sie einen Hügelrücken über­schritten. Dieselben zogen sich aber sofort zurück, als wir anfingen, sie zu bombardieren. Darauf eröffneten die Buren, unterstützt von einem Maximgeschütz ein heftiges Gewehr-Feuer, während die Truppen des Generals French die Buren-Abteilung mit weittragenden Geschützen bom­bardierten. Der einzige Erfolg der Engländer war der, daß sie das Vordringen der Bureu-Abteilung verhindert hatten. Die Kaiserin-Mutter von China hat der Königin Viktoria anläßlich der Entsetzung von Ladysmith ihre Glückwünsche übersandt. (DieKaiserin-Mutter von China" hat gerade noch gefehlt!)

London, 6. März. Das Unterhaus beriet bis einein­halb Uhr nachts die verschiedenen Regierungs­anträge betreffend Besteuerung von Spiritus, Bier, Thee und Tabak. Sämtliche Regierungsanträge wurden mit einer großen Majorität von 200 Stimmen angenommen.

London, 6. März. In diplomatischen Kreisen wird versichert, daß trotz aller Dementi die Botschafter mehrerer Großmächte im Sinne eines baldigen Friedensschlusses fort­gesetzt energisch thätig sind, und daß die K ö n i g i n ihre geplante Auslandreise aufgegeben habe. An­geblich soll die Königin und Lord Salisbury den Friedens­bestrebungen nicht mehr abgeneigt sein.

London, 6. März. Aus Kapstadt wird von gestern gemeldet: Eine Extra-Ausgabe des Amtsblattes veröffent­licht eine Proklamation Millners, in welcher dieser erklärt, angesichts der Rebellion und teilweisen Besetzung des Distriktes von Westgriqua-Land verhänge er den Be- lagerungszustand über diesen Distrikt.

London, 6. März. Aus Lorenzo Marquez wird gemeldet: Dem Vernehmen nach fand die Unterredung zwischen dem Präsidenten Krüger und Stein auf Anregung des letzteren statt, und zwar war der Haupt­grund die Niederlage Cronjes. Es sind zahlreiche Anzeichen vorhanden, die darauf schließen lassen, daß die Bürger des Freistaates des Krieges überdrüssig sind, und so ist es nicht unwahrscheinlich, daß die Unterredung einer bevorstehen­den Friedens-Aktion seitens des Freistaates galt.

London, 6. März. Die öffentliche Meinung ist seit der Entsetzung von Ladysmith chauvinistischer als je zuvor, und die große Masse des englijchen Volkes fordert Äie völlige Vernichtung der beide n Buren-

Armeen, bedingungslose Unterwerfung der beiden Repu­bliken und Zerstörung des Einflusses der holländischen Rasse in Südafrika.

London, 6. März. Das Kriegsamt begann gestern eine Liste der Verluste Bullers in den Gefechten vom 14. bis 27. Februar herauszugeben. Darnach sind 129 Mann tot, 942 verwundet und 41 werden vermißt. Einzelne Regimenter, von denen man weiß, daß sie besonders stark gelitten haben, sind noch nicht in der Liste, sodaß das End­ergebnis wahrscheinlich enorm sein wird.

K a p st a d t, 6. März. Die Kommandeure Albrecht, W o l m e r a n und andere gefangene Offiziere sind in Sonderzügen nach Kapstadt unterwegs. Die Gefangenen werden auf Transportschiffen untergebracht.

K a p st a d t, 6. März. Von gestern wird gemeldet, daß eine starke Kolonne Kimberley verließ und in nördlicher Richtung fortzog mit der Absicht, den Vaalfluß, die Scheide­grenze zwischen Freistaat und Transvaal zu überschreiten. Man erwartet ein h e f t i g e s Z u s a m m e n t r e f f e n mit den Buren bei Fourteeu-Stroom, wo die Buren die Eisen- bahnörücke zerstört haben.

Deutsches Mich.

Berlin, 5. März. Der Kaiser hat an den Papst zu dessen 90. Geburtstage ein Glückwunschtelegramm ge­richtet, auf welches der Papst telegraphisch dem Kaiser seinen Dank aussprach. DieNordd. Allgem. Ztg." ver­öffentlicht den Wortlaut dieser in französischer Sprache ge­haltenen Telegramme.

Der Kronprinz übersiedelte gestern nach dem Stadtschlosse in Potsdam.

Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe hat den deutschen Landwirtschaftsrat zu Dienstag abend 6 Uhr zu einem Bierabend eingeladen.

Dr. Leo Arons will, demBerl. Tagebl." zu­folge, sich gänzlich der Parteithätigkeit widmen und in die Redaktion einer großen sozialdemo­kratischen Zeitung eintreten. In sozialdemokratischen Kreisen gelte es als zweifellos, daß Dr. Arons bei der ersten sich darbietenden Gelegenheit als Kandidat für ein Reichstagsmandat auftreten wird.

Am 9. und 10. März tritt hier eine Ko Mission des deutschen Apothekervereins zusammen, um wieder über die reichsgesetzliche Regelung des Apo­thekenwesens zu beraten. Von der überwiegenden Mehr­heit der Apotheker wird auch jetzt noch daran feftgehalten, daß die frei erwerbliche und veräußerliche Realkonzession die geeignetste Grundlage für die reichsgesetzliche Regelung bildet. Andererseits wird von den Apothekern nicht ver­kannt, daß die maßgebenden und zuständigen Behörden des Reiches nach wie vor auf dem Standpunkte stehen, daß zwar eine reichsgesetzliche Regelung des Apothekenwesens notwendig sei, daß sie aber nur erfolgen dürfte unter Ein­führung der Personalkonzession für alte Apotheken, mit Ausnahme der privilegierten.

Berlin, 5. März. Bei dem G a l a d i n e r zu Ehren der spanischen außerordentlichen Gesandtschaft brachte, wie derReichsanzeiger" meldet, der Kaiser einen Trinkspruch aus. In demselben dankte der Kaiser der Königin-Regentin und dem Könige von Spanien für die Verleihung des Ordens vom Goldenen Vließ an den Kronprinzen. Er erblicke in dieser Verleihung nicht nur den Ausdruck wohl­wollender Sympathie, sondern auch eine neue Bekräftigung der Bande gegenseitiger Freundschaft und Hochachtung, welche das ritterliche spanische Volk und sein erlauchtes Königshaus mit dem deutschen Volke und seinem Kaiserhaus verbinden. Nicht nur er, sondern auch das ganze deutsche Volk begleiteten mit vollstem Interesse und wärmster Sympathie die Königin in ihrem pflichtenschweren Amte und wünschten, daß in dem in nicht zu ferner Zeit zum Throne berufenen Sohn der sorgenden Mutter sowohl, wie auch dem hoffen­den Lande ein König beschert werden möge, der unter Gottes gnädigem Schutze sich würdig der Reihe großer spanischer Herrscher einfügen möge. Der Kaiser trank als­dann auf das Wohl der Königin Christine und des Königs Alphons XIII.

Kiel, 5. März. Der bisherige Rektor, Professor Brandt, teilte heute in der UniversilätSaula mit, daß die sonst übliche festliche Feier des Rektoratswechsels au «falle, da die gesetzlich erforderliche Bestätigung des neuen Rektors durch den Kultusminister aus- geblieben sei. Der bisherige Rektor und Prorektor ver­bleiben im Amte. Professor Quincke wohnte der Verkün­digung bei.

Straßburg, 5. März. Wie derStraßb. Bürger­zeitung" aus Mülhausen telegraphiert wird, beabsichtigt dec sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Bueb-Mülhausen, sein Mandat niederzulegen.

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Wien, 5. März. In hiesien parlamentarischen Kreisen zirkuliert das Gerücht, die Verständigungskonferenz werde nicht zusammentreten, da die Aussichten auf irgend­welches Resultat gänzlich geschwunden sind. Die Situation fei auf das Aeußerste gespannt.

Paris, 5. März. In der heutigen Kammersitzung in­terpellierte der Abg. Berry den Marineminister über die Ver ratsaffaire Philipp und warf demselben vor, er habe durch seine Unthätigkeit den Schuldigen entkommen lassen. Der Marineminister verteidigt sich und erklärt, die Sache werde augenblicklich untersucht, und den Schul­digen werde seine Strafe schon erreichen. Abg. Pellehan ergreift das Wort, und macht Enthüllungen über skanda­löse Machenschaften, die im Marineministerium an der Tagesordnung seien. Er beschuldigt die höheren Beamten dieses Departements, die schuldigen Subalternbeamten, welche ihre Stellungen mißbrauchten, um finanzielle Spekulationen zu treiben, zu schützen. Angesichts dieser Thatsache ersucht der Redner die Kammer, das Budget des Marineministeriums um 500 Franken herabzusetzen, um dadurch dieses Depar­tement zu tadeln. Wider Erwarten nimmt der Marine­minister diesen Antrag an, was allgemeines Gelächter her- vorruft. Waldeck-Rousseau suchte den schlechten Eindruck, den das Benehmen seines Kollegen hervorrief, abzuschwächen und erklärte, die Regierung fei nicht verantwortlich für die betreffenden Vergehen. Nach einigen weiteren Tadelserklä­rungen seitens Pelletans wird dessen Antrag mit 480 gegen 20 Stimmen angenommen.

Sofia, 5. März. Die Gerüchte von einer angeblich bevorstehenden Abberufung des russischen Gesandten Bachwotjeff sind vollständig unbegründet.