Ausgabe 
7.2.1900 Erstes Blatt
 
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bie Rotekreuzschwestern, die Herborner Diakonieschwcstern und die katholischen barmherzigen Schwestern fanden charakterisierende Erwähnung. Die dem Vortrag folgende Diskussion zeigte, daß man dem Redner mit Interesse ge­folgt war. Nachdem noch der zweite Vorsitzende, Herr Ritsert über die Delegierten-Bersammlung des Mittel­rheinischen Verbandes evangelischer Arbeitervereine Bericht erstattet, schloß der Vorsitzende Herr Pfarrer Dr. Grein gegen 11 Uhr die Versammlung.

** Gießener Baukunst. Im letzten Jahrzehnt haben unsere Architekten mit Erfolg sich bemüht, in den Fronten der zahlreich neu entstandenen Häuser eine wahre Musterkarte von Abwechslung in dem architektonischen Schmuck der Gebäude sowohl, als auch in Betreff des dabei verwendeten Materials hervorzurufen. Manch gefälliges und vornehm wirkendes Bauwerk ist entstanden, aber auch manch in seiner Frontwirkung plump, schwer oder aber monoton ausgefallenes Haus fordert zu einer abfälligen Kritik heraus. Neben dem Fassadenputz, dem roten und gelben Ve-rblendziegel ist speziell in den letzten Jahren der grun-graue Sandstein als Baustoff für Gießener Häuserfronten stark herangezogen, der vom Bildhauer be­handelt, teilweise überaus künstlerische Effekte erzielt. Das ' Bemalen der Häuser mit ornamentalen und figuralen Kom­positionen in wetterbeständigen Farben hat außer ver- einzelten Anfängen bei uns keinen Anklang gefunden. Recht hübsch und im Straßenbild Abwechslung schaffend, nehmen sich die allerdings nur in der Altstadt und in außergewöhn­lichen Fällen vereinzelt zugelassenen neu errichteten Holz­fachwerk-Bauten aus, an denen teilweise der Holzbildhauer reickie Gelegenheit fand, sein künstlerisches Leisten zur An­wendung zu bringen. Eine besondere Sorgfalt widmet man in neuester Zeit der besseren und künstlerischen Aus­gestaltung der Hausbedachung, es hat dies wohl seinen Grund, daß, nach dem vor etlichen Jahren erlassenen Orts­statut, betreffs der zulässigen Höhe der Gebäude an der Straße, man gezwungen war, den Dachstock noch für Wohn­zwecke benutzbar herzurichten und hierdurch das Dach mehr wie früher in die Frontwirkung der Gebäude mit hinein­gezogen werden muß. Im Großen und Ganzen steht die Baukunst bei uns auf einer Höhe, deren wir uns nicht zu schämen brauchen, auf welche wir im Gegenteil stolz sein können. Es ist ja bekannt, daß hervorragende Lei­stungen unserer Baumeister Veranlassung gegeben haben, diese häufig mit Arbeiten weit über die Grenzen der Vater­stadt hinaus zu betrauen. Wir haben darum nicht nötig, uns aus der Großstadt einen Architekten kommen zu lassen, um einen nach jeder Richtung wohlgelungenen Bauplan zu bekommen, wie dies früher vereinzelt vorkam, wenn ein Gießener Bürger ein recht vornehmes und behaglich eingerichtetes neues Haus bauen wollte.

§ Bleichenbach, 4. Februar. Wie schon in Nr. 1 d. Bl. erwähnt, wurde die Quelle unserer alten Röhren- leitung neu gefaßt, und in die neuerbaute Quellwasser­leitung geführt. Bei der Fassung entdeckte man sogar noch eine Quelle, deren Wasser sich seither einen anderweitigen Ausgang suchte, aber jetzt die neue Leitung speisen hilft. Daß man schon vor beinahe zweihundert Jahren an diesem Platze Quellen entdeckte, beweist folgender Abschnitt unserer Dorfchronik aus dem Jahre 1704. Am 13. Mai d. I. hat man einen Gesundbrunnen auf dem Acker des Gerichts­schöffen Hans Emrich dahier in demLehgraben" hinter dem Dorf, nach dem Walde zu, gefunden, der etwa fünf Wochen lang Wasser gab, wodurch mehrere kranke Personen gesund geworden sein sollen. Dem Eigentümer Hans Em­rich, spendete jeder, der den Brunnen benutzte, eine frei­willige kleine Gabe, sodaß/er in-erwähnter Zeit zwei Gulden zusammenbekam, die er der lutherischen Kirche als Geschenk beließ. Johs. Ewald, ein reformierter Einwohner, der dies vernahm, zankte sich mit Hans Emrich, verlangend, er solle einen Teil des erhobenen Geldes zur reformierten Kirche abgeben, und als Emrick dies nicht gethan, so habe Ewald mit gräßlichen Worten oen Brunnen verflucht, und so sei alsbald die Quelle ausgeblieben.

S. Darmstadt, 5. Februar. Wie wir hören, ist der Aufenthalt der Großherzoglichen Herrschaften in Italien auf ca. 3 Monate vorgesehen, doch können noch Abänderungen eintreten. Die Abreise wird voraus­sichtlich am nächsten Samstag bestimmt erfolgen. Die MarineAusstellung war gestern und heute sehr stark besucht. Um Ueberfüllungen vorzubeugen, wurde der Zu­gang sogar zeitweise gesperrt und die Besucher nur gruppen­weise eingelassen, sobald wieder Luft geschaffen war; es sind schon eine ganze Anzahl Schüler zum Besuch gemeldet, was sehr erklärlich ist, da die Kinder nur 10 Pfg. Eintritt bezahlen.

** Darmstadt, 4. Februar. Der Akademische Ver­ein an der Technischen Hochschule dahier hielt gestern und heute sein 28jährigeS Stiftungsfest durch einen Feftkommers, Festessen rc. unter zahlreicher Beteiligung der Professoren, Gästen und alten Herren. Den Vorsitz auf dem Festkommers führte cand. Fischer, der auch die Fest­rede hielt. Der durch anderweite Abhaltungen verhin­derte Rector Magnificus wurde vertreten durch Geh. Rat Professor Berndt. Die meisten Korporationen der Tech­nischen Hochschule halten Vertreter gesandt. Das Fest ver­lief sehr hübsch.

** Darmstadt, 5. Februar. Marine-Ausstellung. (Fortsetzung.) Unter diesen nehmen unser ganz besonderes Interesse in Anspruch der SchnelldampferFürst Bis­marck", 153.2 Meter lang, 17,5 Meter breit und 1,5 Meter Tiefgang; 10 Kessel dienen zur Dampferzeugung und ver­brauchen jeden Tag 62 00 Zentner Kohlen. Das Schiff ist eingerichtet für 440 Passagiere 1. Klasse, 240 Passagiere 2. Klasse, 680 Passagiere 3. Klasse,, daru kommt die Be­satzung mit 320 Personen, zusammen 1680 Personen. Man kann sich unmehr von der Ausdehnung des Dampfers einen Begriff machen. ES folgt der von den Eng­ländern zeitweise beschlagnahmt gewesene Reichspostdampfer Herzog" von 122 Meter Länge und 14,3 Meter Breite. Sehenswert auch für jeden Laien ist der LängSdurchschnitt des DampfersF ri sia" der Hamburg Amerika Linie. Man kann an diesem sehr lehrreichen Modell die ganze Schiffs

einteilung von oben bis unten deutlich ersehen. In der sechsten Gruppe, See-Frachtdampfer, fällt ein Petroleum-Tank-Dampfer von 81,5 Meter Länge auf. Charakteristisch ist hierbei, daß das Petroleum einfach in die hohlen Räume des Schiffes verladen (ohne Fässer) und auf diese Weise von Amerika herübergebracht wird. Die siebente Gruppe zeigt uns eine ganze Reihe Fluß- dampfer, wie sie auf dem Rhein, der Donau, der Elbe rc. laufen, auch schwere^ Kettenschleppdampfer für den Schlepp­dienst auf dem Masst. In diese Gruppe gehören auch ein Greif Apparat für Kettendampfer, sowie die Flußdampfer Rovouma",Rufigi" für den Dienst in Deutsch-Ost­afrika, sowieNachtigall" für Kamerun. Auch ein Mississippi-Passagier-Raddampfer ist hier zu sehen. An vergangene Zeiten erinnern die meisten Modelle der achten Gruppe, Segelschiffe. Hier fällt auf Potosi", das fünfmastige größte Segelschiff der Welt, von 110 Meter Länge, dessen Mittelmasthöhe 61 Meter über dem Wasserspiegel liegt. Die Nummern 115 bis 120 sind aus der Sammlung Seiner König!. Hoheit des Prinzen Heinrich von Preußen geliehen. Bei der neunten Gruppe, Lu st Yachten, bildet große An­ziehungskraft der deutsche RennkutterIrene", das bis 1893 niemals geschlagene deutsche Rennboot, mit 500 Zentner Bleibalast am Kiel. Hier befindet sich auch die RennyachtKlein Polly", welche jetzt erst fertig gestellt wurde, und sich bei den Probe-Erst­fahrten als unüberwindliches Segelboot erwiesen hat; sie wird in den nächsten Monaten die deutschen Farben an den französischen Regatten an der Riviera zeigen. Für den Fachmann- d. h. den Schiff- und Maschinenbauer bieten die Gruppen 10, 11 und 12 außerordentlich viel Wissens­wertes. Schiffseinrichtungen aller Art, wasserdichte Schotte, 1 Panzerturm und Pumprohrleitungen, Schiffsmaschinen älteren und neueren Datums, Maschinensteuerungen, Koffer- und Cylinderkessel rc. rc. sind in sehr hübschen Modellen zu ehen. Auch das neueste System der sogen. Dürr-Wasser- rohrkessel ist in einem Model vorgeführt. Eines der hüb- chesten und wertvollsten Stücke der Ausstellung enthält die dreizehnte Gruppe: Schis söge sch Ütze, es ist dies ein Prachtgeschütz, kein Modell, sondern Original, von S. M. JachtHohenzollern". Das ausgestellte Geschütz bildet mit einem zweiten ebensolchen ein Geschenk des verstorbenen Geheimrat Krupp an den Hochseeligen Kaiser Wilhelm für >ie damalige KaiseryachtHohenzollern". Bewundernswert ist bei diesen Geschützen außer den fein ziselierten Lafetten aus Goldbronze die reiche Silbereinlegearbeit an den Guß- tahlrohren, auch Schnelllade- und Maschinenkanonen in natürlicher Größe sind sehr sehenswert, ebenso Patronen Granaten aller Kaliber. Den Schrecken der Seeleute »ildet die vierzehnte Gruppe, Torpedos, Seeminen und Interseeboote. Ein Torpedogeschoß in Originalgröße erregt allgemeines Staunen, doch wird in Friedenszeiten nur jähr- ich einmal nach Schluß der Marinemanöver ein solches Geschoß abgelasien, da die Ladung eines solchen nur 7500 Mark kostet. Schiffs- und Mannschaftsausrüstungen bilden die 15. Gruppe. Man sieht hier den Schiffskompaß, Chro­nometer, Sextanten, Loggen, Pumpen, ein Destillier-Ap- rarat, um in Notfällen Trinkwasser aus Meerwaffer zu »estillieren rc. rc. Die 16. Gruppe umfaßt das Rettungs­und Betonnungswesen mit Rettungsbooten rc., Raketenge- wehren, Baken und Bojen, wie man sie an unseren Küsten ehen kann. Die 18. Gruppe gibt einen Ueberblick über )ie verschiedenen Flaggen und Wimpel, Standarten rc., so sie Kaiserstaudarte, diejenige unseres Großherzogs, Reichs- riegsflagge, Breitwimpel des Kaisers, Heimatwimpel rc. Den Schluß bilden in der 18. Gruppe Schiffspläne, Bilder und Photographien aller Art aus dem Marinewesen. Aus vorstehender, sehr' zusammengedrängter Schilderung in der nur das allerwichtigste aufzunehmen möglich war, ist klar ersichtlich, daß diese Ausstellung in ihrer Größe und Vollständigkeit einzig in ihrer Art das größte Interesse edes BaterlandfreundeS erregen muß, und gebührt dem Flottenverein sowohl, wie dem Hauptleiter der ganzen Ver^. anstaltung, in erster Linie Herrn Geh. RegierungSrat Prof. Busley, für die große Mühe herzlicher Dank. Im übrigen können wir jedem Verehrer des Vaterlandes, ob er Laie oder Fachmann, ob er Militär oder nicht gewesen, den Be­uch der Ausstellung nur empfehlen, er wird die geringen Ausgaben doppelt belohnt finden.

Vermischtes.

* Der Tod des ehemaligen Leutnants v. Brüsewitz, der auf Seite der Buren bei der Verteidigung des Spionkop gefallen ist, wird nicht verfehlen, Aufsehen zu erregen. Brüsewitz hatte seinerzeit in trauriger Weise von sich reden gemacht, indem er bei einem Wirtshausstreite in Karlsruhe :inen Zivilisten tötete. Nach Verbüßung seiner Strafe war ein einziger Wunsch, daß es ihm vergönnt sein möge, sich zu rehabilitieren. Er wollte in die Dienste der Transvaal- Republik eintreten und wandte sich demzufolge an deren Vertreter, Dr. Leyds in Brüssel. Der Eindruck, den er bei einer persönlichen Vorstellung in Brüssel machte, war der eines gebrochenen Menschen. Es konnte ihm nicht verhehlt werden, daß bei seiner Bewerbung nach Prätoria auch über eine Verfehlung berichtet werden müsse. Er bat, man möge raun auch seiner guten Vorsätze gedenken. Schließlich konnte v. Brüsewitz ermutigt werden, die Reise nach Südafrika an­zutreten. Er legte sie in Begleitung des Obersten v. Braun und des Grafen Rothkirch zurück. Als er sich auf dem Meere befand, kam der Krieg zwischen England und der Republik zum Ausbruch, v. Brüsewitz wurde nach seiner An­kunft von der Republik als Offizier eingestellt; er erhielt Waffen und ein Pferd. Der ehrwürdige Präsident empfing ihn zwei Mal und sprach ihm Mut auf dem neuen Lebens­wege zu. v. Brüsewitz schildert dies alles in einem Briefe, den er aus Prätoria mit Worten innigen Dankes an den

I Legationssekretär der Gesandtschaft in Brüssel, v. Hoefer, richtete, der ihm die Bahn geebnet hatte. Er berichtet in diesem Schreiben über die weihevolle entschlossene Stimmung der Bürgerschaft. Auf der Gesandtschaft der Republik war man aufrichtig betrübt über das neue Opfer.Er hatte die besten Vorsätze; alles ließ sich gut an, und jetzt ist auch I er, wie so viele andere Deutsche in diesem furchtbaren Kriege geblieben!" Wie der Herr Legationssekretär noch er­wähnte, hat er seinerzeit von den Kameraden des Verstor­benen, die diesen keineswegs als einen verlorenen Menschen aufgegeben hatten, ein Dankschreiben erhalten, das mit den Worten schloß:Wir danken Ihnen für alles, was sie an Brüsewitz gethan haben!"

* Ein sogenannter versteinerter Wald befindet sich in Arizona, östlich von Holbrook in Apache County. Dort liegen auf einer weiten Fläche, in Erdschichten, die den mesozoischen Formationen (vom Perm bis zur oberen TriaS) angehören, die verkieselten Stämme von Nadelbäumen der Gattung Araucaryoxylon, die mit den heute lebenden Arau- carien verwandt waren. An einigen Stellen finden sich diese Stämme viel dichter beisammen, als sie im Leben ge­standen sein können und thatsächlich liegen sie nicht an ihrer UrfprungSstätte, sondern sind durch starke und rasche Ströme in mesozoischer Zeit an ihre heutige Lagerstätte geführt und dort rasch in Sand eingebettet worden. Die Bäume sind vollständig verkieselt und so gut erhalten, daß der mikros­kopische Bau genau erkannt werden konnte. Durch die Touristenbesuche kam es dahin, daß die schönern Stücke be­ständig weggeschleppt oder zerstört wurden, ja, man hatte ganze Wagenladungen davon weggeführt, um Zierstücke daraus zu verfertigen. Wegen der außerordentlichen Härte der verkieselten Stämme war auch beabsichtigt, sie zur Her­stellung eines Ersatzstoffes für Schmirgel zu benutzen, und man hatte bereits eine Mühle dazu errichtet, die aber wegen der Entwicklung der Korund-Industrie in Canada nicht in Thätigkeit trat. Bereits 1895 wurde bei dem Kongreß der Vereinigten Staaten beantragt, den bemerkenswerten Teil dieses versteinerten Waldes zum Nationalpark zu erklären.

Universität und Hochschule.

Ernannt: Di« juristische Fakultät der Berliner Universität den Justizminister Schönstedt zum Ehrendoktor.

Gestorben: Dr. Altum, Professor der Zoologie an der Forstakademie in Eberswalde im Alter von 76 Jahren Einer der ältesten und beliebtesten Lehrer an der Universität Jena, Dr. Hermann Schäffer am 3. Februar im Alter von 76 Jahren. Seit seiner Habili- tation, Ostern 1850, ist Schäffer ununterbrochen an der Universität thätig gewesen. Am 6. August 1824 in Weimar geboren, bezog er 1844 die Universität Jena, wo er zwei Preisaufgaben löste. Später bezog er die Universitäten Leipzig und Berlin, kehrte dann aber nach Jena zurück, wo er seine akademischen Studien beschloß. Durch rege Teil­nahme Studierender und früherer Schüler unterstützt, gründete Schäffer kurz nach seiner Habilitation als Privatdozent der Mathematik und Physik die mathematische Gesellschaft, die damals den Zwecken diente wie die jetzigen mathematischen und physikalischen Seminare. 1852 trat er als Lehrer der Geodäsie und Mechanik beim landwirtschaftlichen Institut ein und erteilte auch mit HUfe eines musterhaft eingerichteten physikalischen Privatkabinetts im Stoyfchen und Zenkerschen Institut Unterricht. Schäffers Privatkabinett im Universitätsgebäude, die Phyeica pauperum, ist eine Mustersammlung der brauchbarsten physikalischen Schulapparate, die er mit den allereinfachsten billigsten Mitteln selbst hergestellt hat. Hunderte von Lehrern verdanken Schäffer die Fähigkeit der Herstellung dieser Apparate. Mit Jena und seiner Bevölkerung war Schäffer eng verwachsen, alt und jung, hoch und niedrig war dem alten Schäffer ob seiner Einfachheit, seines geraden Charakters und unverwüstlichen Humors zugethan. Doch auch über Jena hinaus, in ganz Thüringen, besonders in Ilmenau und auf dem Wald, war der Jenaer Profeffor" eine bekannte und beliebte Persönlichkeit. Als er am 6. August 1894 seinen 70. Geburtstag feierte, nahmen Universität und Stadt Jena den regsten Anteil Die Stadt nannte nach ihm eine Straße,Schäfferstraße", die Studentenschaft brächet ihm einen Fackel­zug und der Großherzog ernannte ihn zum Hofrat. Trotz der bescheidenen Mittel, über die Schäffer verfügte, war er von nie ermüdender Opfer­freudigkeit erfüllt. Kein Jahr verging, daß er nicht zu Weihnachten dm Kindern in der Taubstummen- und Blindenanstalt in Weimar bescherte. Ein echter deutscher Mann von seltener Herzensgüte ist dahingegangen, ein Mann, von dem der verstorbene.Universitätskurator Seebeck sagte: Wer Profeffor Schäffer betrübt, d--r betrübt die Engel im Himmel."

Verschiedenesr Wie dieAllgemeine Zeitung" mitteilt, ist die Nachricht von einer neuerlichen schweren Erkrankung Max Müllers in Oxford erfreulicherweise unbegründet Aus Straßburg schreibt man: Die hiesige Universität hat zum Rektor für das nächste Studienjahr den Mathematiker Profeffor Heinrich Weber gewählt. Professor Weber ist schon zwei Mal Rektor einer Universität gewesen, in Königsberg und in Marburg.

Arbeiterbewegung.

Telegramme des »Gießener Anzeiger"'.

Berlin, 6. Februar. Ueber die Streikbewegung wird dem Berl. Tagebl." gemeldet: In dem der österreichisch-ungarische« Staats­bahn gehörigen Resiczaer Eisenwerk ist ein großer Streik ausgebrochen Es sind 1700 Arbeiter ausständig, weil die Direktton die Akkordlöhne um 10 Proz. herabsetzte. Die Arbeiter fordern kürzere Arbeitszeit, höhere Akkordpreise und allgemeine Lohnregulierung. Man befürchtet ein Uebergreifen des Ausstandes auf die Kohlenbergwerke in diesem Revier. Die Gendarmerie wurde verstärkt. Ein Vertreter der Behörde wird einen Vermittelungs-Versuch machen. In Zwickau in Sachsen erklärten die Gruben-Verwaltungen die von den Arbeitern beabsichtigten Lohnforderungen für unannehmbar und beschloffen die Ablehnung der selben. Der Ausstand im Zwickauer Kohlenrevier ist daher unabwendbar.

Wien, 6. Februar. DieArbeiter-Zeitung" erklärt, daß die Meldungen der von den Bergwerksbesitzern beeinflußten Presse, daß eine baldige Beilegung des Streiks bevorstehe, den Thatsachen nicht entspreche Nur wenn die Bergwerßsbesitzer ernste Konzessionen machten, wären die Arbeiter zu einem Vergleiche bereit

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Gieße», 6. Februar. Marktbericht. Auf dem heutige« Wochemnarkt kosteten: Butter per Pfd. X 0.800.90, Hühnereier per St. 79 4^, 2 St. 0000 H, Enteneier 1 St. 00 X Gänse- eier per St. 600 H, Käse 1 St. 58 H, Käsematte 2 St. 56 4« Erbsen per Liter 20 Linsen per Liter so 4, Tauben per Paar X O.OOl.tO, Hühner per St. X 1.001.20, Hahnen per Stück X 1.202.00, Enten per St. X 2.002.40, Gänse per Pfund 0.500.60, Ochfenflelsch per Pfd. 6874 4, Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 6264 4, Schweinefleisch per Pfd. 6072 4, Schweine­fleisch, gesalzen, per Pfd. 76 Kalbfleisch per Pfd. 6466 A, Hammelfleisch per Pfd. 5064 H, Kartoffeln per 100 Kilo 3.80 Ml 4.40 X, Weißkraut per St. 0000, Zwiebeln per Etr. X 6.507.06, Milch per Liter 16 4.

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