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7.2.1900 Erstes Blatt
 
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Mittwoch den 7. Februar

Erstes Blatt.

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Herde aufgehoben.

Gießen, den 6. Februar 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.

Lokales und NroviiyieUes.

Das Wählt hätigkeitskonzert, welches am Sonntag der Kronbaner'sche Quartett-Verein im großen Saale des Gesellschaftsvereins veranstaltete, hatte sich trotz der so zahlreichen, musikalischen Veranstaltungen in dieser Saison, dennoch eines außerordentlich starken Besuches zu erfreuen; ein Beloeis nicht nur für die große Beliebtheit, deren sich der konzertierende Verein allenthalben erfreut, sondern auch für den Wohlthätigkeitssinn der Einwohner-- schaft Gießens. Was die Leistungen des Quartetts be trifft, so verbietet uns die Form, unter welcher das Konzert stattfand, eingehendere Kritik zu üben. Erwähnen möchten wir nur, daß die Darbietungen des Chors durch­

Die Kanalvorlage soll, wie nach der Meldung eines parlamentarischen Berichterstatters aus Regierungs­kreisen verlautet, Ende dieses Monats, spätestens anfangs Mürz dem Abgeordnetenhause zugehen. Die Verzögerung ist vornehmlich durch Herrn v. Miquels Krankheit herbet- qeführt, wegen deren wiederholt Ministerkonferenzen Unter­bleiben, bezw. aufgeschoben werden mußten. Auch der, Staatsniinisterialsitzung, welche heute nachmittag 3 Uhr unter dem Vorsitz des Fürsten Hohenlohe im Abgeordneten- hause stattfand, tonnte Herr v. Miquel nicht beiwohnen. Der behandelnde Arzt hofft, daß der Finanzminister bei milder Witterung Ende der Woche wieder ausfahren kann, parlamentarischen Kreisen wurde heute, wie derselbe Be­richterstatter meldet, mit großer Bestimmtheit tme an­gebliche Aeußerung des Herrn von Miquel erzählt, wo-, nach er nach Erledigung der Kanalvorlage beabsichtige, sich in das Privatleben zurückzuziehen, und in Frankfurt a. M. Wohnung zu nehmen. .

Der Kaiser sprach heute vormittag urt Aus­wärtigen Amte vor und hatte mit dem Staatssekretär Grafen Bülow eine Unterredung. Von 10 Uhr ab hörte der Kaiser die Vorträge des Chefs des Zivilkabinetts von Lucanus, des Staatssekretärs Tirpitz und des Chefs des Marinekabinetts von Senden-Bibran.

Die ReichspostdampferKanzler" undGeneral" sind dieser Tage ohne weitere Behelligung in Lourenco Marquez eingetroffen.

Dr. L e y d s wird, wie dieDtsch. Tgsztg." hört, sich noch bis zum Donnerstag in Berlin aufhalten, um dann nach Brüssel zurückzukehren. Der Aufenthalt in Berlin hat sich so verlängert, daß die Weiterfahrt nach Petersburg vorerst aufgegeben werden mußte.

Rach einer Meldung desBerl. Tgbl." aus Aachen scheinen dei Aussichten für eine baldige Beilegung des Wurmrevierausstandes jetzt günstig, weil die Zahl der Aus­ständigen auf der GrubeMaria" bedeutend herunter­gegangen ist, und auch aus anderen Gruben eine Besserung zu verzeichnen ist, ausgenommen in der holländischen WurmreviergrubePrick", wo 57 Mann ausständig sind. Auf dem Eschweiler Bergwerksrevier ist kein Ausstand vor­handen.

Weimar, 4. Februar. Wie dieWeimar. Ztg." mit­teilt, hat der Großherzog aus der Bildung eines Landes­ausschusses des deutschen Flottenvereins für das Groß­herzogtum und der Nebernahme des Protektorats durch den Erbgroßherzog Anlaß genommen, dem Kaiser folgende telegraphische. Mitteilung zu machen:

Sr. Majestät dem Deutschen Kaiser, Berlin. Ich melde Dir, daß heute der Flottenverein unter dem Pro tektorate Meines Enkels, des Erbgroßherzogs, für Mein ganzes Land gegründet ist. Möge Gottes Segen über Absicht und Ausführung dieses Vereins zum Besten des Vaterlandes walten. Du aber weißt, wie herzlich Ich dies meine, gez. Earl Alexander".

Die Antwort des Kaisers lautet:

Großherzog von Weimar, Königliche Hoheit, Wei­mar. Es ist für Mich eine große Freude, am Abend des heutigen Tages durch Dich zu erfahren, wie auch bei Deinen Landeskindern das Verständnis für die heutigen großen Aufgaben des deutschen Volkes sich kund thut durch die Gründung eines Flottenvereins, und daß es Dein Enkel, der Erbgroßherzog, ist, der sich an die Spitze dieses patriotischen Unternehmens gestellt hat. Von ganzem Herzen danke Ich Dir für diese Mitteilung, gez. W i l h e l m".

Erstaufführung des LustspielsDas fünfte Rad" von Hugo Lubliner, findet, trotz der hohen Premwrenkosten, zu einfachen Preisen statt. Auf die entsprechende Rollen­verteilung und die Proben wurde von Seiten der Direktion die größte Sorgfalt verwendet, so daß die Premiere eine abgerundete, befriedigende Vorstellung werden dürfte. Freitag findet die Benefizvorstellung für die erste Liebhaberin, Fräulein Agnes Hammer, statt. liebet DaS fünfte Rad" lassen wir nachstehend noch eine Kritik folgen, welche derBerliner Lokal-Anzeiger" brachte; Im Königlichen Schauspielhause wurde Samstag das neueste Werk von Hugo LublinerDas fünfte Rad" mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Der Autor erschien immer wieder vor der Rampe. Es war so nett, so gemüt­lich auf der Bühne, wie in einer behaglichen guten Stube, in der sich eine liebenswürdige Gesellschaft eingefunden hat. Die Arbeit zeigte wieder den -scharfen Blick Lubliners für die Momentwirkungen auf der Szene, sie offenbarte alle Vorzüge dieses Autors in dem Auffinden und Aufbauen guter Ideen. Die Handlung unterhält durch frische Schil­derung, durch eine anziehende und anheimelnde Natürlichkeit und den guten Humor, mit dem die Personen, besonders Geering und der Maler gezeichnet sind. Vortrefflich ge­lungen ist die Szene, in der diese beiden mit einander be­kannt werden und rasch Freundschaft schließen. Diese Szene ist das Beste im Stück und vielleicht auch das Beste, was Lubliner geschaffen hat. Sie machte den Erfolg.

* Unfall. Heute morgen wurde der Maurerparlier Georg Stein aus Hattenrod, welcher am hiesigen Bahn­hofe mit Maurerarbeiten beschäftigt ist und über die Schienen nach der Werkstätte gehen wollte, von einer Maschine eines Zuges erfaßt und zur Seite geschleudert. Er erhielt er­hebliche Verletzungen an Kopf und Arm, und mußte in die chirurgische Klinik verbracht werden.

* * R. Der am Sonntag im Cafö Leib stattgefundene Maskenball desGießener Zitherklub" war sehr gut besucht. Saal und Gallerie waren voll besetzt. Der Verein hatte auch keine Mühe gescheut, um den Abend zu einem be­sonders glänzenden zu gestalten. Auch der finanzielle Erfolg war ein sehr befriedigender. Die Gruppen Aufführungen wurden sehr exakt ausgeführt; besonders die Burengruppe war eine wohlgelungene.

* * Evangelischer Arbeiterverein. In der Versammlung des evangelischen Arbeitervereins am 4. dS. Mts. sprach Herr Pfarrer Schlosser überTheodor Fliedner und die weibliche Diakonie". Das zeitgemäße Thema war doch am 21. Januar der hundertjährige Geburtstag FliednerS, des Begründers des evangelischen Diakonissenwesens unsrer Zeit wurde in ansprechender Weise unter meisterhafter Beherrschung des Stoffes behandelt. Auf die eingehende und interessante Schilderung des Lebensganges und LebenS- werkeS jenes großen Mannes folgte eine klare und fesselnde Darstellung des Diakoniffenwesens der Gegenwart. Auch

* Vom Kriegsschauplatz.

London, 5. Febr. Aus amtlicher Quelle verlautet, daß das Kriegsamt keine Meldung über das angebliche Ueberschreiten des Tugela durch Buller erhalten hat. Buller 1 st bis jetzt noch nicht weiter vorge­drungen.

London, 5. Februar. Die sensationelle Durbaner Drahtung derZentral News", die gestern abend spät meldete, Buller habe in der Nacht auf Freitag den Tugelcr überschritten und marschiere über Acton Homes zum Ent­sätze von Ladysmith, das er Montagabend erreichen dürfte, verdient wenig Glauben gegenüber den Drahtungen des Daily Telegr." und desStandard" aus Spearmanslager vom Sonntagabend, die über einen neuen Vorstofi auf Ladysmith nichts zu melden wissen.

Daily Chronicle" berichtet aus Ladysmith vom 4. d. M. nachmittags: Eine heftige Kanonade in der Rich­tung auf Colenso wurde gestern den ganzen Tag gehört. Gerüchtweise verlautet, eine Brigade habe den Tugela über­schritten. Vom Beobachtungsflügel wird gemeldet, daß die Buren sich rund um L a d y s m i t h wie zu eine m neuen Angriff sammeln. DasBerliner Tagebl." erfährt aus Brüssel, daß man in dortigen Burenkreisen den Zusammenstoß Bullers mit dem Heere Jouberts noch heute erwarte.

Nach einer Londoner Meldung erfährt dieDaily Mail" aus M a r i tz b u r g , das General Joubert durch eine Granate bei Willow Grange ernstlich verletzt worden sei. Das Geschoß habe ihn mit seinem Pferde zu Boden geschleudert, und der Fall sei so schwer gewesen, daß der General das Pferd nicht mehr besteigen konnte. Gr soll sich vom Operationsfelde zurückgezogen haben. Eine Bestätigung dieser Nachricht bleibt abzuwarten.

Amtlicher Teil.

Bekauntmachuust.

Betr.: Die Maul- und Klauenseuche.

Deutsches Keich.

Berlin, 5. Februar. Der Kaiser von Oe st er­reich hat dem Obersten von Schwartzkoppen beim Scheiden aus dein Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment seine Photographie mit eigenhändiger Unterschrift zukommen lassen.

Professor Adolf von Menzel wird infolge des ihm verliehenen Schwarzen Adler-Ordens auch ein Adels Wappen führen. Wie dieNat.Ztg." erfährt, hat der Kaiser ihm gestattet, das Wappen sich selbst zeichnen zu dürfen.

Zum Besuche des Prinzen Heinrich in Wien erfährt diePost",,^ die Anwesenheit des Prinzen da­selbst nur einen Tag dauern und dieser ganz dem Kaiser Franz Joseph gewidmet sein wird.

Ueber das Befinden des Finanz - Ministers von Miquel berichtet noch derLok. Anz.", daß der Minister sich am Samstag von seinen Räten verschiedene Vorträge halten ließ, wobei er trotz des noch immer un­vermindert starken Bronchialkatarrhs nicht darauf ver­zichtete, seine Ansichten über die in den Vorträgen behan­delten Gegenstände nachdrücklich zur Geltung zu bringen. Die Folge davon war eine erneute Verschärfung seines Leidens. Herrn v. Miquel ist nunmehr von dem behan­delnden Arzte absolute Enthaltung von allen Amts-Ge­schäften, bei denen die Abgabe mündlicher Erklärungen in Frage kommen kann, zur Pflicht gemacht worden. Es dürften wohl drei Wochen vergehen, ehe eine Milderung dieser ärztlichen Verordnung erwartet werden kann.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Anstand.

Wien, 5. Febr. Die heutige Verständigungs­konferenz unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten, v. Körber dauerte von 2 bis 4 Uhr und hatte lediglich einen informatorischen Charakter. Vertreten waren alle gemäßigten Parteien aus beiden Lagern.

New Jork, 5. Febr. DieTribüne" behauptet, daß den europäischen Mächten eine Konvention unterbreitet werde, in der erklärt werde, daß der Nicaragua- Kanal neutral sein soll. England stimmte der Aufhebung des Clayton-Bulwer-Vertrages zu.

Bekanntmachung.

In meiner Bekanntmachung vorn 1. ds. Mts., betr. Stallschau in Heuchelheim, find zwei Druckfehler enthalten: Ph. Hofmann VI. erhielt Anerkennung und 5 Mk. (nicht 10 Mk.),

Ph. Reuschling II. erhielt Anerkennung und 5 Mk. (nicht 3 Mk.).

Gießen, den 5. Februar 1900.

Der Direktor des Kreiszuchtvereins.

Boeckmann.

Volks Vorstellung" erfolgende Aufführung des Shakesspeare'schen LustspielesDer Kaufmann von Venedig" sei hiermit nochmals hingewiesen.

* Stadttheater. Die morgen Mittwoch statthabende

gängig höchst befriedigende waren; nicht minder boten die olistisch veranlagten Mitglieder des Vereins hervorragen­des. Reicher Beifall wurde jeder einzelnen Nummer des schönen Programms gespendet. Als auswärtige Solisten waren die ^Konzertsängerin, Fräulein Marie Dietz und Herr Chr. Gerh. Eckel, Pianist, beide aus Frankfurt a. Main gewonnen worden. Fräulein Dietz sang außer der Solo­partie in Zöllners TondichtungMeerfahrer", Lieder von Liszt, Brahms und die Arie der Rose Friquet aus Maillart's Operdas Glöckchen des Eremiten". Die junge Dame ift eine temperamentvolle Sängerin; ihre verschiedenen Vor­träge ließen eine wunderschöne Tonbildung erkennen, und auch die Aussprache zeugte von tüchtiger Schulung. Dem Wunsche des Publikums entsprach sie in liebenswürdiger Weise durch Zugabe des Liedes von SäubertIch muß nun einmal fingen". Herr Eckel führte sich in vielver­sprechender Weise als Pianist ein. Eine ganz besondere Anerkennung gebührt ihm schon um deswillen, wett er nach! anstrengender Thätigkeit als Begleiter der Lieder, und Chöre seine solistischen Darbietungen noch in vor­letzter Nummer des Programms in so vortrefflicher Weise zum Ausdruck bringen konnte. Feinsinnige Auffassung und ein verständnisvolles Herausarbeiten der musikali­schen Details sind neben einer vorgeschrittenen Technik die ins Auge springenden Vorzüge des begabten Künstlers. Besondere Anerkennung verdient zum Sck)luß noch Herr Leopold Geller, der verdienstvolle Dirigent des Quar­tetts, für die umsichtige Einstudierung und Leitung der verschiedenen Chöre.

* * Stadttheater. Auf die am Dienstag, den 6. ds.

Zu Langd, Hungen und Steinbach ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und Aushebung aller angeord­neten Sperrmaßregeln verfügt worden. Danach ist die Sperre der Gemarkungen, Gehöfte und der Langder Schaf«

Asnohme von Anzeigen zu der nachmittags für den fetjcnbm Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher.

Nr. A

Erscheint täglich mit Ausnahme des

Montags.

Die Gießener MamtkienvtLtter »erden dem Anzeiger im Wechsel mitHess- Landwirt" u.Blätter Mr heg. BolkSkunde- wSchtl. 4 mal beigelegt.