Donnerstag den 6. Dezember
150. Jahrgang
1900
Heneral-Anzeiger
Zlints- und Anzeigeblntt fnv den Akveis Gieszen
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Gieße«, 5. Dezember 1900.
LU. Von der Universität. Das neue Personalverzeichnis ist im Druck. Die Zahl der immatrikulierten Studierenden beträgt 8 4 7, das sind gegenüber dem Winter« semester 1899/1900 mehr 45, rund 5 Prozent. Die Frequeuz- ziffern der Wintersemester 1895/96—1899/1900 sind der Reihe nach: 558, 626, 674, 717, 802. Es ist also ein andauerndes Steigen zu konstatieren.
*• Verlängerung der Giltigkeitsdauer der Rückfahrkarte« ans Anlaß des Weihnachtsfestes. Zur Erleichterung des Weihnachtsfestverkehrs wird die Geltungsdauer der am - 18. Dezember und den folgenden Tagen gelösten gewöhnlichen Rückfahrkarten von tarifmäßig kürzerer Dauer auf den preußisch hessischen Staatseisenbahnlinien bis einschl. den 8. Januar 1901 verlängert. Die Rückfahrt muß bis um 12 Uhr Mitternacht des letzten Geltungstages angetreten und darf nach Ablauf dieser Frist nicht mehr unterbrochen werden. Eine Ausnahme macht: 1. Der Verkehr mit den bayerischen, württembergischen und den badischen Staats« eisenbahnen, den Reichseisenbahnen in Elsaß Lothringen und den pfälzischen Eisenbahnen, sowie der Durchgangsverkehr über diese Bahnen hinaus. Auf den Strecken dieser Bahnen erhalten die direkten Rückfahrkarten von kürzerer GeltungS-
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Bekanntmachung.
3etc.: Die Abhaltung landw. Vorträge.
2m Sonntag dem 9. Dezember, nachmittags wird Herr Oekonomierat Leithiger von AlS- fÄ iv Annerod in der Wirtschaft von Philipp Mohr VIII. ? m Vortrag über Züchtuugsgrnudsätze halten, zu ich jedermann, der sich dafür interessiert, einlade.
D»ie Herren Bürgermeister von Annerod und der Nachbar- . bitte ich um Bekanntmachung.
Gießen, den 4. Dezember 1900.
Der Direktor des landw. Bezirksvereins, v. Bechtold.
886 Erstes Blatt.
Isrtwährenb ntrdf» von ässe« ^ostavstatte«, Landvriefträgern, 1 aifritrn Agenten und Trägerinnen Abonnements entgegengenommen.
Bekanntmachung.
-•SM: Die Veranstaltung von Verlosungen innerhalb des GroßherzogtumS.
Ctr Verein für Vogel- und Geflügelzucht zu Offenbach HMfichtigt mit der am 9. bis 12. März 1901 stattfindenden und Geflügel-Ausstellung eine Verlosung von Nutz- ge?ftgel und Gegenständen der Geflügelzucht zu verbinden.
Großh. Ministerium des Innern hat die nachgesuchte EfUkckniS zur Veranstaltung dieser Verlosung erteilt, und deÄnVertrieb der Lose zum Preise von 50 Pfg. im Groß- heßlMum gestattet.
Sießen, den 1. Dezember 1900.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.: Dr. Wagner.
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Polltifche Tagesschau
Der Vor st and der Deutschen Kolonialgesellschaft hielt am Samstag seine Winterversammlung in Berlin. Aus den Verhandlungen ist hervorzu- hebsn, daß der Präsident, Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, wiedergewählt wurde, ebenso der geschäftsführende Vicepräsident Viceadmiral z. D. Valois. In den Vorstand wurden Generalleutnant z. D. P o t e n - Leipzig und Major a. D. S i m 0 n-Charlottenburg, letzterer auch in den Ausschuß gewählt. Für die Vorarbeiten zur Errichtung der zu begründenden Auskunftsstelle für deutsche Auswanderer wurden 5000 Mark bewilligt. Bei Erstattung des Berichtes über die Ausführung früherer Beschlüsse zur B a u m w o l l f r a g e wurde das Bedauern darüber ausgesprochen, daß die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes einer Anregung der Gesellschaft und der Baumwollinteressenten, eine Besprechung der letzteren über die Baumwollkuttur in den deutschen Schutzgebieten zu veranlassen, nicht Folge gegeben hat. Em Antrag der Abteilung Meiningen auf Unterstützung o£t zu errichtenden deutschen Schule in Keetmannshoop (Deutsch-Südwestafrika) gab zu folgendem Besckfluß Anlaß: ,
"In voller Anerkennung der dem Anträge zu Grunde liegenden vaterländischen Gesinnung den Reichskanzler I
Mavakzoll- und Tabaksteuer-Erhöhung.
Nach einem der „Volks-Zeitung" zur Verfügung ge- ftetChen Schreiben des Deutschen Tabakvereins soll, wie wmmiitteilten, der Abgeordnete v. Hehl kürzlich in der LcÄtides.oersammlung der hessischen Nationalliberalen es olMeiN'e „Pflicht der nationalliberalen Fraktion des Reichs- twU b,«'zeichnet haben, eine Erhöhung des Tabak- L'i'lls herbeizuführen, um den deutschen Tabakbau vor be-ta linttergange zu schützen". Vor wenigen Wochen wollte ci'Ä rhsnnisches Blatt wissen, daß der Abg. Bassermann ei'm:?! in dieser Richtung sich bewegenden Antrag schon ve^iramlich angekündigt habe. Das offizielle Organ der ri^vWalliberalen Partei, die „Nat.-lib. Korresp.", bestritt di' :War, ließ aber durchblicken, daß bei der Beratung beinernen Zolltarifs im Reichstage allerdings wohl brtie Frage der Revision des Tabakzolles nv-ch mimgangen werden würde. Die demokratische „Kl. $Wn' bemerkt dazu:
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Aeitr.: Die Maul- und Klanenseuch?
Nachdem die Seuche in Strebendorf, Kreis Als- «ld ealofchen ist, find die angeordneten Sperrmaßregeln cnsgchoben worden.
Die Seuche ist in Michelbach, Nordeck und Sinnen, Kreis Marburg, in Klein-Rechtenbach und Hochelheim, Kreis Wetzlar, erloschen.
An Hörnsheim, Kreis Wetzlar, ist die Seuche aus- gisfachen.
Gießen, den 1. Dezember 1900. .Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.
Gießen, den 3. Dezember 1900.
L S ttr.: Erhebungen über die im Großherzogtum domizilierten Blinden im schulpflichtigen Alter.
M Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Schulvorstände des KreiseS.
Unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom - 2'. Januar 1899 (Gießener Anzeiger Nr. 24) sehen wir 'j 'iBJcibe des MtS. Ihrem Bericht darüber entgegen, ob in Mm Gemeinden blinde und halbblinde Kinder im schul- MMigen Alter vorhanden sind.
v. Bechtold.
Gesuch i 1. gaiwat e« £ ohwg, W1111' an talung uniiW* g ,zz m bii Sgglb-
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zu ersuchen, für die dringend nottvendige Begründung von Schulen in Deutsch-Südwestafrika, zunächst in Keeb- mannshoop, baldmöglichst in den Etat die erforderlichem Mittel einzustellen."
lieber den durch die angeblichen Aeußerungen Sir Gordon Spriggs uno Cecil Rhodes' veranlaßten Antrag derselben Abteilung erstattete Exzellenz Valois Bericht. Der Redner hob hervor, daß die Regierung durchaus int stände sein werde, Dagegen einzuschreiten, wenn die South West Africa Co. den Verkauf von Farmen are Buren in ihrem Konzessionsgebiet verweigern sollte. Er sei zu der Erklärung ermächtigt, daß die Regierung von dieser Berechtigung erforderlichenfalls auch Gebrauch machen werde. Es werde dies aber schwerlich notwendig werden; denn Redner könne die verantwortliche Mitteilung machen, daß Dr. Lepds infolge einer Korrespondenz mit der South West Afrika Co. von letzterer die Versicherung erhalten habe, daß Buren bereitwilligst in das Gebiet ausgenommen werden würden. Zum Schluffe seiner AuZ- führilngen gab Viceadmiral Valois dem Vertrauten üt den seitens des Reichskanzlers und seines Adlatus in Kolo- nial-Angelegenheiten Dr. Stuebel eingeschlagenen Kurs unter allseitiger, lebhafter Zustimmung beredten Ausdruck. Der Vorstand beschloß, dem Anträge des Ausschusses gemäß, „im Vertrauen, daß die kaiserliche Regierung alles, was notwendig ist, thun wird, um die deutschen Interessen in Südwestafrika zu wahren, zur Tagesordnung überzugehen." Senator O'Swald regte bei dieser Gelegenheit an, die Deutsche Kolonialgesellschaft wolle bei sich! bietender Gelegenheit dafür wirken, daß der Hafen für die zu erbauende O t a v i - E i s e n b a h n auf deutschem Gebiets läge. Einstimmige Annahme fand sodann der u. a. von Geh. Justizrat Professor Dr. Gar eis in Königsberg (früher bekanntlich in Gießen) warm befürwortete Antrag der Abteilung Berlin: „Die Europäer in Deutsch-Ost- afrika wünschen eine weitergehende Mitwirkung bei der Kommunalverwaltung und bei der Verwendung der Steuereinkünfte. Es wird beantragt, die Maßregeln für Einführung einer den Verhältnissen entsprechenden kommunalen Selbstverwaltung zu beschleunigen. Ein Antrag des kolonial-wirtschaftlichen Komitees:
„Im Hinblick auf die Zwecke der Deutschen Kolonialgesellschaft ist dem kolonial-wirtschaftlichen Komitee für Fortführung und Ausgestaltung folgender, die wirtschaftliche Erschließung der Kolonien fördernder Arbeiten: 1. Beschaffung und Verteilung von Saatmaterial an die Kolonien behufs Einführung neuer bezw. Verbesserung vorhandener Plantagen- und Volkskulturen: 2. chemische und technische Prüfung von Rohstoffen aus den Kolonien zwecks Wertbestimmung und Nutzbarmachung für den heimischen Handel und die heimische Industrie eine Beihilfe von je 9000 Mark für die Jahre 1901, 1902, 1903 zu bewilligen"
wurde befürwortend dem Verwaltungsrat der Wohlfahrtslotterie überwiesen. Der von dem Verwaltungsrat &>ev Wohlfahrtslotterie mit der Auflage der Beteiligung an dem zu begründenden Schäferei-Unternehmen für Deittsch-Süd- westafrika überwiesene Betrag von 300 000 Mark wurde einmütig angenommen. Als Termin für die Vorstands- sitzung und Hauptversammlung zu Lübeck wurden der 31. Mai und der 1. Juni festgesetzt. Vor Schluß der Sitzung widmete Se. Hoheit dem dahingeschiedenen Vorkämpfer der kolonialen Sache, Exzellenz v. Kusferow, Worte der Erinnerung. ,
„Die Initiative zu einer Erhöhung des Tabakzolles scheint nach der obigen Meldung von der nationalliberalen Partei auszugehen, die durch einen solchen Antrag ihre pfälzischen Wahlkreise gegen den Ansturm der Agrarier sichern will. In dem erwähnten Schreiben heißt es weiter, daß es ziemlich zuverlässig feststehe, „daß die Reichsregierung sich auf eine Erhöhung des Tabakzolles ohne | gleichzeitige Erhöhung der Steuer nicht einlassen wird". I Nach Informationen der „Lib. Korr." hat die Negierung I bis vor kurzem sich überhaupt jeder Aenderung der bisherigen Zollsätze mit Rücksicht auf den hiervon befürchteten * Rückgang der Zolleinnahmen ablehnend verhalten. Wenn das richtig ist, so scheint die Regierung inzwischen leider ihre Auffassung geändert zu haben, worüber wir uns nicht gerade sehr wundern würden. Mit Recht beklagt sich die „Lib. Korr." darüber, daß nunmehr unsere blühende Tabaksindustrie nach kürzer Schonzeit wohl wieder den schwersten Beunruhigungen preisgegeben sein werde. Das ist in der That zu beklagen. Im übrigen möchten auch wir uns bis auf weiteres der Hoffnung hingeben, daß es noch gelingen werde, durch energische Protestkundgebungen der Interessenten die drohende Gefahr abzuwenden. Freilichswerden die Tabaks-Interessenten sich kräftig rühren müssen. Die Tabakbauer, die Tabakfabrikanten, die Tabakarbeiter und die Rancher bilden einen gewaltig großen Kreis von außerordentlicher wirtschaftlicher Bedeutung, da die deutsche Tabakindustrie gegenwärtig die Tabakindustrien aller anderen europäischen Länder übertrifft und etwa 130 000 Menschen beschäftigt. Würde diese Industrie in eine Krisis hineingetrieben, was durch eine Zoll- und Steuererhöhung ganz unzweifelhaft geschehen würde, so würde sich deren unselige Wirkung weiter erstrecken auf mehrere mit der Tabakindustrie in engster Verbindung stehenden Industrien, z. B. die Kisten-, Karton-, Papier-, Leder-Industrie u. a. m., deren Gedeihen in weitem Umfange von dem guten Gange der, Tabak-Industrie abhängig ist.
Die Thatsache selbst, daß Zoll- und Steuererhöhung (Ulf die Tabak-Industrie schwer schädigend einwirken muß, ist bei den wiederholten Beunruhigungen, denen gerade dieser Industriezweig im Laufe der letzten Jahre ausgesetzt gewesen ist, fast bis zum Ueberdruß nachgewiesen worden, man wird sich aber unter den gegebenen Umständen dieser unerfreulichen Aufgabe wohl oder übel von neuem unterziehen müssen. Für heute sei nur im allgemeinen bemerkt, daß die deutsche Tabakindustrie auf den ImportausländischenRohmaterialsun- bedingt angewiesen ist. Eine Zollerhöhung würde daher eine Verteuerung des Produkts und voraussichtlich eine Verminderung des Absatzes des deutschen Rohmaterials zur Folge haben, den deutschen Tabakbauer also eher s ch'ä d i g e n als „schützen". Durch das Hinzutreten einer Erhöhung der Tabak steuer würden diese üblen Wirkungen nur noch gesteigert und unsere Tabakindustrie mit allem, was drum und dran ist, wie gesagt, einer höchst gefährlichen Krisis entgegengeführt werden. Mögen sich also die von dem Unheil Bedrohten recht bald und möglichst nach^- drücklich zur Wehr setzen". r
So das genannte demokratische Blatt. Wie gestern von Agrarischer Seite aus Berlin geschrieben wurde (siehe unsere gestrige Nummer, 2. Bl., 2. Seite, 2. Spalte), hat sich in Berlin eine „deutsche Tabaksbau-Konferenz" gebildet, die wohl in erster Linie die Agitation für die Zollerhöhung betreiben wird.
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