Ausgabe 
6.12.1900 Drittes Blatt
 
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viele heitere und ernste Ereignisse voll Wichtigkeit und Interesse für die kleinen Leser, daß diese aus der Spannung gar nicht mehr herauskommen.

Tante Aurores Erbin. Ene Erzählung für junge Mädchen von Käthe van Beeker. Mit einem Titelbild von E. Keppler. Verlag von Levy u. Müller in Stuttgart. 328 Seiten. Preis eleg. geb. Mk. 4.50. Tie Verfasserin bietet den jungen Mädchen eine Erzählung, die bei spannendem Inhalt und kunstvollem Aufbau eine prächtige Charakterzeichnung aufweist. Sie führt ein junges, leidenschaftliches Mädchen vor, das als Schlag­schatten vieler tüchtiger Eigenschaften eine blinde Eifer­sucht und ^vilde Herrschbegier in sich trägt. Was es liebt, das soll ihm allein gehören, ohne Einschränkung und Teilung, soll sich seinem Willen fügen und seine Wege gehen. In welche Konflikte Ruth von diesen heftigen Leidenschaften geführt wird, und wie kluge, liebevolle Führung die wilde, kleine Stürmerin allmählich in die richtigen Bahnen lenkt und ihr im Kampfe mit sich selbst hilft, das ist im Verlaufe der Erzählung mit frischem, urwüchsigem Humor geschildert. Neben der Heldin der Geschichte hebt sich die Figur der Tante Aurore lebensvoll und sympathisch hervor. Man liebt sie trotz und mit all ihren wunderlichen Eigenschaften, die zu ihrem Wesen

gehören wie die Federn zum Vogel. Mit gleicher Liebe sind die übrigen Gestalten der Erzählung gezeichnet.

Hamerlings Werke. Volks-Ausgabe in vier Bänden. Ausgewählt und herausgegeben von Dr. Michael M. Rabenlechner. Mit einem Geleitwort von Peter Rosegger. Lieferung 1. Vollständig in 35 Lieferungen zu je 50 Pfg. Verlagsanstalt und Druckerei A.-G. (vorm. I. F. Richter) in Hamburg. Die neue Ausgabe entspricht allen berechtigten Wünschen durch gute Ausstattung, schönen klaren Druck auf gutem, holzfreiem Papier und modernen Buchschmuck, bei relativ billigem Preise. Es wird so auch dem minder Bemittelten Gelegenheit ge­geben, sich die Werke des österreichischen Dichters anzu- schaffen, der besonders in Norddeutschland manchem un­bekannt geblieben ist. Die neue Ausgabe bringt an erster Stelle die Dichtung, die zuerst Hamerlings Namen bekannt gemacht hat, das EposAhasver in Rom"; diesem sollen sichKönig von Sion",Germanenzug",Amor und Psyche" undHomunkulus", weiter das DramaDan­ton und Robespierre" und das ScherzspielDeut", geschrieben zur Verherrlichung der deutschen Einheit, an- reihen. Dann soll die Lyrik kommen:Sinnen unt> Minnen",Blätter im Winde",Venus im Exil". Den Schluß bildet der RomanAspasia".

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M. 286 Drittes Blatt. Donnerstag den 6. Dezember. 150. Jahrgang SVOG

Gießener Anzeiger

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Eisenbahnen in Südafrika.

Die englische ZeitschriftSouth Afrika" hat, wie wir o o «Brei. N. N. entnehmen, eine neue Karte der geplanten Msinbohnen in Südafrika veröffentlicht, die höchst lehrreich isst und beweist, mit welcher Kraft die Engländer den Eisen- bUnu in Afrika förbertf. Den Grundstock aller Bahnen o ibtt iete transafrikauische, die vom Kap nach Kairo gehen wiB; ihc Bau hat, wie es heißt, auch während des süd- a Manischen Krieges keine Unterbrechung erfahren. An bi'sfc große Bahn schließen sich viele Abzweigungen an, billig welche die Hauptbahn erst ihren richtigen wirtschaft- li^chil Wert erhält. Nach dem atlantischen Ozean ist bisher NLreive Nebenlinie geplant, nämlich jene, die vom portu- giiefischm Moffamedes durch Deutsch-Damaral and n.llch Ahodesia führen wird. Da diese Gebiete wenig ertmicftlt sind, verspricht man sich dort keinen großen Ver- *e£r. (Sanz anders sind die Verhältnisse im Osten nach dbM indischen Ozean hin, an verschiedenen Stellen sind cki on Bahnlinien im Bau, die sich an die große Bahn an- jcks liehen sollen. Die großen Kohlenbecken von Wankie sacken durch eine Bahnlinie zugänglich gemacht werden, etMo die bedeutenden Zuckerplantagen zwischen Durban pjub bet Mündung des Tugela; eine Abzweigung soll nach dm Bo i von Sta. Lucia hergestellt werden, die zu einem gyußrn Hafen ausgebaut werden soll. Dann hat Lord WÄert» auf den Vorschlag des Oberst Girouard den Bau ciMl L inie genehmigt, die den ganzen Witwatersrand durch- fdi)iE(ib(ia und weiter südlich bis Natal gehen soll. Schon

12 000 Kaffern dabei beschäftigt. Sie wird dem Gold- jciÄjbuin hauptsächlich zu Gute kommen und soll namentlich ei M Mttbewerbsbahn für die niederländische bilden, um beetn ssehr hohen Tarif herab zu drücken. In Rhodesia hcuüniM die Bahn von Beira nach Salisbury, die als eine fchsmlspurige angelegt war, in eine normalspurige umge- w'm'cklt.. Sobald der Frieden hergestellt ist, will man danmn gehen, in ganz Südafrika ein einheitliches Tarif- syißm «inzuführen, was man innerhalb eines Jahres zu ernten hofft. Den größten Nutzen würde der Bergbau bauten haben, namentlich bei der Zufuhr von Maschinen ui* sonstigen Bedürfnissen. Nach Ansicht der Zeitschrift wiiiltie sich der Goldbergbau in Transvaal bald verdoppeln, in iModesia aber verzehnfachen.

Diese Pläne find nicht nur sehr interressant, sondern auch recht nachahmungswert. Wir Deutschen können in dieis« Beziehung noch manches lernen und sollten auch Lia-ciii! bedacht sein, namentlich in Deutsch-Ostafrika durch ErÄmmg von Bahnen für Aufschließung des Hinterlandes intb kessere Verkehrswege zu sorgen. Nebenbei bemerkt, ist 'n deutsch Südwestafrika seitens des Eisenbahn-Regiments schineine nicht unbedeutende Bahnstrecke von Swakomund bisl! ßroß-Windhoek ----- 489,7 Kilom. fertig gestellt.

A»s Stadt und Kaud.

Gießen, 5. Dezember 1900.

" Patente wurden verliehen auf eine Presse zum M'rfrrn von Leder an Jul. Thomson in Offenbach, auf

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Weiynachts Fitteratur.

heideblumchen. Eine Erzählung für Kinder von icftt biä zwölf Jahren von Agnes Hoffmann. Mit oicrsnrrbdruckbildern von Fritz Bergen. Verlag von Levy u. 'Dhi Iler in Stuttgart. 224 Seiten. Preis eleg. geb. Mikl 4. Agnes Hoffmann hat imHeideblümchen" ein MM'rßtück geliefert, sowohl was spannenden Inhalt, als auch ivos Charakterzeichnung ihrer jungen Helden und feihtv Verständnis für die Freuden und Leiden der KiiMh erzen ' anbetrifft. Heideblümchen ist ein heiteres, foittniged Waldkind, das einzige Töchterchen eines Försters, daüi winen Namen dem Umstande zu verdanken hat, daß es geraibe in der Zeit geboren wurde, wo die Heide in vovltt Llüte stand. Innige Liebe verbindet sie mit ihrem äWhtn Bruder, und als dieser in die Stadt ins Lehrer- feriinüt: kommt, fühlt sich das Kind vereinsamt. Ihn es w r. feinst freien Zeit zu beschäftigen und das spärliche

!om:men zu erhöhen, entschließt sich der Vater, das gcEaunrige Forsthaus zur Sommerszeit an Gäste zu ver- mtiitlin. Nicht lauge dauert es, so stellen sich die ersten Lärme-cftischler ein, und zwar eine Gouvernante mit

kränklichen Kinde ihrer Herrschaft. Bald darauf romiUim noch mehr Kinder in das Forsthaus, und aus oeM ^Msammenleben dieser Gesellschaft entwickeln sich so

einen in einer Dilatationszange angeordneten Pulverbläfer an Dr. A. Schwan in Gedern, auf ein Verfahren zur elektrolytischen Darstellung v. Tropinon an die Firma E. Merk in Darmstadt, auf eine Daubenfügemaschine an Gebr. Schmaltz in Offenbach, und auf ein Verfahren zur Herstellung unlöslicher Gelatinefolien, erste Offenbacher Gelatine-Folien-Fabrik, an Koch & LiDmann in Offenbach.

-t- Postalisches. Wie bereits mitgeteilt wurde, ist Grüningen dem Landbestellbezirk der Postagentur Stein­berg zugeteilt worden. Briefe nach Grüningen sind deshalb nicht mit 5, sondern mit 10 bez. 20 Pfg. zu frankieren, Postkarten mit 5 Pfennig. Zum Landbestellbezirk Gießen zählen jetzt nur noch folgende Orte z. B.: Hardt, Philosophenwald, Feldschlößchen, Lindenburg, Liebigshöhe, Schützenhaus, Braunsteinbergwerk, Braunsteinwäsche, Hardt­hof, Klein linden, Forsthaus Hochwart, Teufelsmühle, Thonwerk, AllendorfLahn,Alten-Buseck, Annerod, Trohe, Rödgen, Lützellinden, Belzermühle, Mittels­mühle. Im Landbestellbezirk beträgt das Porto wie im Ort selbst: für Briefe bis 250 Gramm 5 Pfg., für Post­karten 2 Pfg., für Postkarten mit Antwort 4 Pfg, Druck­sachen bis 50 Gramm 2 Pfg., über 50 bis 100 Gramm 3 Pfg., über 100 bis 250 Gramm 5 Pfg., über 250 bis 500 Gramm 10 Pfg., über 500 bis 1000 Gramm 15 Pfg., GeschästSpapiere bis 250 Gramm 5 Pfg., über 250 bis 500 Gramm 15 Pfg., über 500 bis 1000 5 Pfg., Waren­probe bis 250 Gramm 10 Pfg., über 250 bis 350 Gramm 10 Pfg. Die von den Besatzungen der Kriegsschiffe in Ostasien zur Auflieferung kommenden Postanweisungen sollen von jetzt ab, gleich den Postanweisungen von den mobilen Landtruppen des Heeles und der Marine, als Feld­postanweisungen portofrei befördert werden. Im Verkehr mit der deutschen Postanstalt in China und im Schutz­gebiete Kiautschon, soweit sie am internationalen Post- anweisnngSdienst sich beteiligen, sind Nachnahmen auf Ein­schreibbriefen bis 800 Mk. zulässig. Die Nachnahmebeträge müssen in Mark und Pfennig angegeben werden-

** Vermieter und Mieter. Im Interesse der großen Menge derer, die zur Miete wohnen, muß der Kenntnis deS § 574 des Bürgerlichen Gesetzbuches die größte Ver­breitung gewünscht werden; denn danach kann ein Mieter, der dem Hauswirt für längere Zeit Vorschüsse geleistet hat, leicht infolge einer durch den Vermieter vorgenommenen Veräußerung des Hauses erhebliche Verluste erleiden. Rechts­geschäfte nämlich, die zwischen dem Mieter und Vermieter in Ansehung der Mietzinsforderung abgeschlossen werden, so z. B. die Entrichtung des Mietzinses, sogen. Zahlungen pränumerando, oder Aufrechnungs-, Erlaß- und Stundungs­verträge, sind dem neuen Erwerber gegenüber nur soweit wirksam, als sie sich nicht auf den Mietzins für eine spätere Zeit als das Kalendervierteljahr, in dem der Mieter von dem Uebergange des Eigentums Kenntnis erlangt, und daS darauf folgende Vierteljahr beziehen. Ein vorsichtiger Mieter wird demnach jetzt gut thun, niemals mehr als den Mietzins für ein Kalenderjahr im voraus zu bezahlen.

** Die Zahl der aufgegebenen Ansichtskarten hat das Reichspostamt bei Gelegenheit her regelmäßigen Briefzählung während der sieben Tage vom 9. bis 16. August ermitteln

lassen. Es ergiebt sich daraus, daß fast die Hälfte aller aufgegebenen Postkarten Ansichtskarten sind. Von 20 808 313 aufgegebenen Karten trugen 10 128 569 Bilder. Im Durchschnitt wurden täglich l/z Millionen Ansichtskarten aufgeliefert. Unter den 1 iy2 Millionen Drucksachen waren ferner 559 219 Karten dieser Art. Der Portobetrag für den Tag stellt sich auf 69 010,76 Mark. Mit 2 Pfennig frankiert waren täglich 128 548 Ansichtskarten, mit 5 Pfennig 1 196 817, mit 10 Pfennig 41 625. Von den Universitätsstädten erhalten außer Berlin Leipzig 21 900, BreSlau 12 200, Halle 12 727, Kiel 9259, Heidelberg 8255, Bonn 7724, Straßburg 6368, Freiburg 5000, Gießen 3500, Münster 2800, Marburg 1160 Stück 2c. Von Orten mit starkem Fremdenverkehr seien genannt: Der Kyffhäuser mit 8901 Karten während der sieben Tage, Niederwald 3415, Saalburg (Curaus publicus- Agentur) 3543, Weißenburg 1071, Wörth 7769, Gravelotte 9769, Friedrichsruh 2022, Schönhausen 258, Barzin 32, Säckingen 2788, Wartburg 12 402, Rüdesheim 31 704, Königswinter 12 744, Drachenfels 12 969, Honnef 2793, Rolandseck 6691. Auf der Schneekoppe wurden 10 228 Katten mit Ansichten, aber keine einzigeohne" aufgeliefert? Wieviel Ansichtskarten aus das Jahr kommen, dürste sich aus der Zählung kaum berechnen lassen, aber auf etwa 300 Millionen Stück zu veranschlagen sein.

** Hausbesitzer, be^w. deren Stellver­treter, werden auf die in der heutigen Nummer ent­haltene Bekanntmachung des städtischen Gas- und Wasser­werks, betr.V o r f e i) r u n g,c n gegen das Ein­frieren der H a u s w a s j c r l e i t a n g e n" aufmerksam gemacht, um das Erforderliche zu veranlassen, bezw. Be­schädigungen an Gebäuden und Unannehmlichkeiten für die Mieter usw. vorzubeugen. Es empfiehlt sich für die Be­teiligten, sofern dies noch nicht angeordnet ist, dahin Für­sorge zu treffen, daß die Beaufsichtigung der Wasser­leitung während der kälteren Zeit gesichert ist. Gleiche Schutzvorrichtungen empfehlen sich für solche Gasmesser und an dieselben anschließende Teile der Gasleitungen, welche wegen ihrer Stellung und Lage leichter dem Frost ausgesetzt sind. Wenn das Gas- und Wasserwerk em­pfiehlt, in Fällen vorkommender Störung sich z u n ä ch st an dasjenige Jnstallationsgeschäft zu wenden, welches die betr. Leitung seinerzeit ausgeführt hat, so geschieht dies aus besonderen Gründen der Verwaltung. Es soll hier­mit nicht entfernt gesagt fein, daß die Gas- und Wasser- werksverwaltung derartige Abhilfe an von anderer Seite a u s g e f ü h r t e n Einrichtungen grundsätzlich ab- lehne.

Alzey, 3. Dezember. Der Großherzog hat dem Photographen I. Beckmann hier eine goldene Vor­st ecknadel mit Krone, Namenszug und mit Edelstein besetzt, zum Geschenk gemacht und gleichzeitig nach­folgendes Anerkennungsschreiben übersenden lassen:Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben sich gnädigst bereit erklärt, das unternr 24. d. M. von Ihnen eingesandte Älbum anzunehmen und uns beauftragt, Ihnen für das­selbe Allerhöchst seinen besten Dank auszusprechen. Uebri- gens haben Se. Königl. Hoheit der Großherzog sich über die durch die Dedikation dieses Albums bekundete freund­liche Absicht, sowie über die technisch-schöne, sehr gelungene Ausführung der Bilder in gnädigster Weife ausgesprochen und uns beauftragt, Ihnen als sichtbaren Ausdruck Aller­