Ausgabe 
6.7.1900 Erstes Blatt
 
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reicher Leben.

Bei ihrem Ausscheiden aus dem Staatsdienste wurden durch Aller­höchste Gnade die Herren Bose und Laspeyres zu Komthuren 2. Klaffe des Philipps-Ordens ernannt. Das Ritterkreuz erster Klaffe des Philipps- Ordens wurde den Profefforen Frank, Haupt, Netto, Winkler ver­liehen. Profeffor Dr. Naumann erhielt den Charakter als Geh. Hofrat; der Hausbeschließer Friedrich Wilhelm Storck den Charakter als Verwalter. Dem Universitäts-Forfigärtner Karl Dörmer wurde das allgemeine Ehrenzeichen für langjährige treue Dienste am Bande des Philipps-Ordens verliehen. Durch auswärtige Orden wurden aus­gezeichnet die Profefforen Löhlein, der zum Komthur 2. Klaffe des Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausordens, und Oncken, der zum Komthur des Großherzoglich Sachsen-Weimarschen Ordens vom weißen Falken ernannt wurde. Profeffor Dr. Wilhelm Spengel wurde zum korrespondierenden Mitglieds der Kgl. Preußischen Akademie der Wissenschaften gewählt.

An Stiftungen und Zuwendungen habe ich mit freudigem Gefühle des Dankes zu nennen: für die Universitätsbibliothek seitens des Her­zogs von Loubat in Paris drei Bände, enthaltend die photochromo­graphische Nachbildung von drei mexikanischen Handschriften in Bilder­schrift; seitens des Prof. Dr. Sticker eine größere Anzahl älterer medizinischer Werke; seitens des Dr. Karl Ritter von Scherzer, Exc., 16 Bände seiner geographischen und naturwiffenschastlichen Ver­öffentlichungen.

Die Hundeshagen-Stiftung routbe von der im Dezember 1899 verstorbenen einzigen Tochter Hundeshagens mit einem Legate von 1000 Mk. bedacht. Durch dieses hochherzige Geschenk ist das Stiftungs- Vermögen auf mehr als 5000 Mk. gewachsen.

Am 19. Februar ging die Einweihung der Neubauten für das physikalische und das physikalisch-chemische Institut in Gegenwart von Vertretern hoher Behörden des Staates, der Armee und der Stadt vor sich. Die Feier begann mit einem Festakte im großen Hörsaale des phyfikalffchen Institutes; daran schloß sich die Besichtigung der Räume beider Institute, und es folgte ein Festmahl. Mtt freudigem Danke vernahmen wir die Worte Sr. Exc. des Staatsministers Rothe, der die feste Absicht der hohen Großh. Regierung betonte, den weiteren un- abwtislichen Bedürfniffen der Landes-Univerfität gerecht zn werden.

Längs der Umfaffungsmauern dieser Neubauten war es den Studierenden unserer Hochschule vergönnt, am 10. Mai, bei Gelegenheit der Einweihung des Kriegerdenkmals, chrem erhabenen Fürsten, dem Rector Magnifioentißsünue der Lndoviciana, begeisterte Huldigungen darbringen zu dürfen.

Bei der Hundertjahrfeier der technischen Hochschule zu Charlotten- bürg, sowie bei der Zwechundertjahrfeier der Akademie der Wiffenschafteu zu Berlin war die Universität durch ihren Rector vertreten, auf dem Orientalisten-Kongreß zu Rom durch den Profeffor der vergleichenden Sprachwiffenschaft Dr. Bartholomae. An der großartigen Guten- bergfeier zu Mainz nahm außer dem Rector und den Dekanen eine

.Deputation der Studentenschaft teil. Ihrem scheidenden Lehrer Prof. Dr. Frank veranstalteten die Studierenden als Zeichen ihres Dankes und ihrer Verehrung einen AbschiedscommerS.

Die Kinder hat fidp diesmal auch Max Liebermann erkoren, der nur ein einziges BildBadende Jungen" ausgestellt hat. Mit Freuden ist zu vermerken, daß sich der Berliner Meister neuerdings eine reichere Farben­gebung angelegen sein läßt. Tie ausgezeichnete Behand­lung des Meeres ist uns von anderen Bildern Liebermanns her bekannt. Freilich die Enge der Perspektive ist nicht völlig überwunden. Die weiten Dimensionen sind mehr der Phantasie des Beschauers überlassen, als daß sie auf dem Bilde selbst ihren großzügigen Ausdruck fänden. Schon die Gestalt des Bademeisters, der, den Stock in der Hand, die Knaben beaufsichtigt, ist durch den Rahmen zerschnitten worden. Die souveräne Raumbehandlung ist eben nicht die stärkste Seite der Neueren. Umso rühmlicher verdient die Abwechslung hervorgehoben zu werden, die Liebermann in den an sich trockenen Gegenstand wenn man das pom badenden Jungen sagen darf gebracht hat. Ganz vorne steht ein Knirps, der mit der Fußspitze das Wasser prüft. Ein anderer kommt gerade bibbernd heraus. Wieder andere lassen sich von den schäumenden Wogen begießen. Und zwei besonders Mutige sind weit ins Meer hinausge­schwommen. Je häufiger man das Bild betrachtet, umso lieber gewinnt man es, obwohl es keine neuen Schönheiten zu erschließen vermag. Aber das ist immerhin ein Vorzug, der nicht allen sezessionistischen Werken eignet. Beispiels­weise nicht dem Berliner Ludwig von Hofmann, einem Farbensymphoniker, der mit acht Gemälden vertreten ist. Der Reichtum seiner Farben frappiert, doch er erwärmt vicht Eine gewisse Uebersättigung bleibt nicht aus. Seine leuchtenden Farben sind ohne vermittelnde Uebergänge nebeneinander gesetzt. Anfänglich wird man von diesem Uhnen Spiel geblendet; ein innigeres Verhältnis stellt sich nicht ein.

Zwei Berliner und zwei Münchener Künstler mögen den Reigen beschließen. Walter L e i st i k o w hat mit be­kannter Meisterschaft wieder dem Grünewald seine Themen abgewonnen. Er ist der Grunewald-Maler par excellence und weiß landschaftliche Schönheiten zu entdecken wie keiner vor und neben ihm. Besonders seine Sonnenuntergänge sind von einem schwermütig poetischen Reiz. Franz S k a r - bina findet seine Stoffe im Gewühl des Großstadtlebens. Wie Hans Baluschek bevorzugt er Darstellungen der Straße und ihres belvegten Lebens. Hier liegen die Keime einer neuen Großstadtkunst, die die zeitgenössische Lyrik bis jetzt vergeblich zu gestalten bemüht war. Der Münchener Franz Stuck hat nur zwei Bilder eingesandt, die sein gewaltiges Können weder erschöpfen noch von der vorteilhaftesten Seite erscheinen lassen. Das Porträt des verstorbenen General-Musikdirektors Hermann Levi, das pietätvoll ein Lorbeerkranz mit Trauerschleise ziert, ist nicht frei von Manier. Ein schwärmerischer Zug, der sich in dem milden Gesicht ausprägt, tritt vielleicht allzusehr hervor. Und die Bacchantin, die der lüsterne Centaur davonträgt, leidet unter einem gequälten, nicht frei genug quellenden .Humor. Hier ist Stuck der kleinere Schüler des großen Böcklin. Alle guten Geister des Humors entfesselt wieder der famose Thomas Theodor Heine, der populäreSimplrcissimus - Zeichner, der heute als der genialste Satiriker in deutschen Landen gelten darf. Im brillantesten Plakatstil hat er zwei Zigarettenpärchen hingeworfen. SeinFrühlingserwachen ist eine übermütige Verspottung modern jungfräulicher Liebestriebe. Ein dicker, grimmiger Ochse wird von zwei überschlanken Dämchen an Blumenketten über einen Rasen­teppich geleitet. Sanft schmiegen sich, die plattbusigen Schönen an den gutmütig-dummen Vierstißler. >zn diesem pikanten Gegensatz steckt eine überwältigend komische Kraft.

Wolken, die vorüberziehen" sind in ihrer symbolischen Bedeutung nickst so klar enthüllt. Dieser Thomas Theodor verfügt über ein respektables Können; das beweist, wenn es bei ihm überhaupt noch eines Beweises bedurfte, auf3 neueDie Blume des Bösen". Wir dürfen uns beglück­wünschen, daß uns ein solcher kleiner Rabelais rnun,erem die Satire so vielfach! herausfordernden Zeitalter in ihm erstanden ist. Wie weit übertrifft der Maler den ihm in "manchen Punkten wesensverwandten Dichter Otto Erich. >)art^pen. mit dieser spärlichen Auszählung daS Sehenswerte der Sezessions-Ausstellung keineswegs. Aufs Geratewohl sind einige hervorragende Namen herausge- ariffen die auch außerhalb der Kunstzentren einen guten Klang haben. Dabei haben weder die Werke ausländischer .Künstler unter denen der Schwede Anders Z o r n an erster Stelle genannt zu werden verdient, die ihnen gebührende Berücksichtigung gefunden noch die plastischen Werke einer Adolf Hildebrand und Constantin e§ fan<

nicht so sehr darauf an, absolute Vollständigkeit zu er­zielen wie von einzelnen ein Bild ihres Schaffens zu geben. Wir dürfen die zuversMliche Hoffnung he§-n und sie hier zum Schluß nussprqchen daß die Berliner

zur weiteren gedeihlichen Entwickelung der deutschen Kunst ihr Sckerflein beitrage. Möge sie, unbeirrt durch klein- lülves Parteigezänk und durch die Anfeindungen aus geg- Eischem Lager, ihren Weg gehen. Allen kann und wrN sie genügen9 wenig Edlen" genug zu thun ist em Meres Ziel Wir aber dürfen dieser Kunst nachrühmen, waA Goethe von der Geschichte gesagt hat:Das Beste, was wir von ihr haben, ist der Enthusiasmus, den sie erregt. xtz

Aus Stadt und Land.

(Unsere ständigen und gelegentlichen Herren Mitarbeiter werden ge­beten, bei Einsendungen stets nur eine Seite ihres Manuskripts zu beschreiben und die Rückseite frei zu lassen im Interesse der schnelleren Druckherstellung.)

Gießt«, 5. Juli 1900.

** Provinzialtag. Gestern fand eine außer­ordentliche Sitzung des Provinzialtages der Provinz Oberhessen statt, in der lediglich die Frage der Errichtung einer Provinzial-Siechenanstalt behandelt wurde. In dieser Sache war von einer seitens i des Provinzialtags im vorigen Jahre ernannten Kom- I Mission beantragt gewesen, die Siechenanstalt in Grün- berg zu erbauen, wogegen die Vorlage des Provinzial- Ausschusses dahin ging, unter Ablehnung dieses Kom­missionsantrages zu beschließen, die fragliche Anstalt in Gießen zu errichten. Während der Verhandlung kam im allgemeinen zum Ausdruck, daß ein Bedürfnis zur Er­richtung einer Siechenanstalt in der Provinz Oberhessen schon lange empfunden sei, daß es sich jetzt nur darum handle, an welcyem Orte dieselbe erbaut werden solle. Gleich nach Eröffnung der Sitzung wurde eine weitere Bewerbung der Stadt A l s f eld um die Anstalt ver­lesen und diese später auch vom Bürgermeister von Alsfeld vertreten. Herr Weidner von Herchenhain sprach zu

gunsten des Kommissionsantrages und bemerkte, daß keiner der in Gießen angebotenen Plätze der lebhaften Lage wegen für die Anstalt geeignet sei. Auch sonstwo seien derartige Anstalten nicht in Städten, sondern auf dem Lande unter- gebrac t, wie auch überhaupt das Land und nicht die Stadt von Erholungsbedürftigen aufgesucht werde. Geh. Regierungsrat Dr. Braden aus Friedberg hielt Gießen seiner Lage wegen, und da sich! hier alles ver­einige, was zum Besten der Siechen diene, für den ge­eignetsten Ort. Der Vorsitzende machte darauf aufmerk­sam, daß der Antrag des Provinzialausschusses aus ein­stimmigen Beschluß desselben beruhe, und daß der Pro­vinzialausschuß nicht das Interesse des Ortes, sondern dasjenige der Sache im Auge habe. 9hir hieraus sei der Beschluß, die Anstalt in Gießen zu errichten, hervor- gegangen. Oberbürgermeister Gnauth bemerkte, daß er nicht geleitet sei von etwaigen materiellen Vorteilen, die der Stadt durch! das Siechenhaus, wenn es nach Gießen komme, erwachsen könuten, sondern daß er als Mitglied des Provinzialausschusses nur im Interesse der armen Siechen sich habe bestimmen lassen, für den Platz in Gießen einzutreten. Die Erörterungen in der Frage waren um­fangreich; noch mehrere Mitglieder des Provinzialtages sprachen zur Sache. Nach Schluß der Diskussion ließ der Vorsitzende zuerst abstimmen über die Frage:Soll die Provinzialsiechenanstalt in Grünberg errichtet werden?" Von 19 Abgeordneten waren 7 dafür, 2 enthielten sich, der Abstimmung. Bei der Gegenprobe waren 9 Abgeord­nete dagegen. Hierauf wurde mit 13 Stimmen be­schlossen, die Provinzial-Siechenanstalt auf dem von der Stadt Gießen angebotenen Ge­lände zu errichten. Die Anlagekosten sind auf 600000 Mark veranschlagt; an Pflegekosten sollen von den ver­pflichteten Armenverbänden 120 Mark, von Selbstzahlern 360 Mark pro Jahr erhoben werden.

** Personaluachrichleu. Ernannt sind: der Ober-Post- direktionssekretär Brümlees in Bingen zum Postkassierer, der Postsekretär Klingelhösser in Darmstadt zum Ober- PostdirektionSsekretär, der Ober-Postsekretär Seel gen in Lauterbach zum Postmeister, der Postsekretär Krenzien in Darmstadt zum Ober-Postkassenbuchhalter und die Post- sekretäre Schmidtgen in Mainz und Schonebohm in Offenbach zu Ober-Postsekretären; versetzt find: die Ober- Postasfistenten Alm anritt er von Offenbach nach Darm­stadt, Sack von Weinheim nach Bingen, der Postasfistent Grau von Iserlohn nach Mainz; angenommen find als Postagenten: der Krankenwärter Großmann in Hosheim und der Ober-Postassistenti. R. Zimmermann inPsaffen- schwabenheim; als Postagentin: die Witwe des Postagenien Lang in Angersbach; in den Ruhestand übergetreten find: der Postdirektor Ritsert in Gießen, der Postsekretär Schreiber in Bensheim und der Ober-Postassistent Zimmermann in Mainz; gestorben sind: der Postassistent

Neeb in Alsfeld, der Postagent Lang in AngerSbach und der Poftsekretär i. N. Drescher in Mainz.

* Statistik der akademisch gebildete« Lehrer Hessens.. Der Landeslehrerverein der akademisch gebildeten Lehrer Heffens hat eine sehr sorgfältig ausgearbeitete Liste der an den höheren Lehranstalten Hessens thätigen Lehrer seinen Mitgliedern zugestellt. Hierüber entnehmen wir dem katho­lischenMainzer Journal" folgende Mitteilungen auS Darmstadt:

Die Lifte enthalt zum ersten Make auch Angaben über die Kon­fession der Lehrer, und gerade diese Rubrik dürfte auch für weitere Kreise im Hinblick auf bestimmte Zeitfragen besondercs Jntereffe bieten. Sie ermöglicht nun folgende Zusammenstellungen: Unter dm 17 Direktoren der Gymnasien, Realgymnasien und Lehrer* seminarien sind 4 als katholisch bezeichnet, unter dm 10 Direktoren, der Realschulen und Progymnasirn 1, unter den 5 höheren Mädchen­schulen 0, insgesamt sind also unter 32 Direktoren 5 KathoUken- An den Gymnasim, Realgymnasien, Realschulen, Oberrcalschulm wirken 298 definitiv angeftellte Lehrer, 51 find katholischer Konfession, darunter 5 Geistliche; an dm Lehrerfeminarlen sind 14 akademisch gebildete Lehrer thätig, drei find katholisch und zwar zwei Theologen; von den 16 Lehrern höherer Mädchenschulen sind zwei katholisch, unter den 14 Lehrern höherer Bürgerschulen finden wir drei Katho- ltkm, worunter eir en Geistlichen. Von den 352 akademisch gebildeten Lehrern Hessens gehören also 59 der katholischen Konfession, darunter acht dem Klerus an, die Zahl der Katholiken beträgt also Ve- die Geistlichen mitgezählt, ohne dieselben V?; tat Beoölkerungsstand Hessen bilden die Katholiken bekanntlich etwa Vs- Die Zahl der katholischen Direktoren entspricht, infolge der jüngsten Ernennungen, dem konfesfionellen Verhältnis der übrigen Lehrer: ob sich ein Unter' schied ergäbe, wenn wir die Bethätigung des kirchlichen Bekenntnisses in Betracht zögen, entzieht sich unserer Beurteilung. Die Ver­wendung der Geistlichen beider Konfessionen deckt sich, man muß es anerkennen, ziemlich mit den konfessionellen Verhältnisse« der Be­völkerung, neben dm acht katholischen Geistlichm sind 20 evangelische Theologen im höheren Lehramte verwandt. Im Nachwuchs der akademisch gebildetm Lehrer scheint das katholische Element etwaS schwächer vertreten zu sein; denn von dm 99 Affefsorm und Accessisten gehörm nur 12 der katholischen Konfession an. Die Afslssoren- und Acc-ssistenliste weist dagegen auch drei Israeliten auf, während wir unter dm definitiv angestellten Lehrern keine An-^ gehörige israelitischer Konfession finden.

DaS Publikum kann dem Vorstand des Vereins aka-< demisch gebildeter Lehrer nur Dank wiffen, daß er durch seine detaillierten Angaben der allgemeinen Statistik eine sichere Grundlage gegeben hat, wenn auch die Publikation zunächst nur für die Mitglieder des Vereins bestimmt ist.

Grüntagen, 3. Juli. Grau in Grau hing der Himmel am Sonntag. Dies konnte aber nicht verhindern, die alten und jungen Soldaten in großer Zahl unserem sonst so ruhigen Dörfchen zuzusühren. Aus den Gefilden der Wet­terau, vom Fuße des Taunus und des Vogelsberges waren sie herbeigeeilt, um der Fahnenweihe unseres Kriegervereins verbunden mit Bezirkssest des Kriegervereinsbezirks Butzbach- Bad-Nauheim in echt kameradschaftlicher Weise beizuwohnen- Wenn auch die Sonne nicht gleich schweiß- und dursterzeugenk aus die Erschienenen niederstrahlte, so klärte fich aber doch nach und nach der Himmel in das schönste Blau, und der erste Festtagsnachmittag und Abend waren noch recht vom Wetter begünstigt. Nach den Schulkindern, von denen dtr Mädchen Schärpen an hatten und die Knaben Fähnchen trugen, folgten die Festjungfrauen, die die noch mit ber schützenden Hülle versehene neue Fahne in ihrer Mttte trugen. Der Zug setzte sich aus den folgenden Vereinen zusammen: Bezirks-Vorstand, die Kriegervereine Ober-Morlen, Nieder-Mörlen, Langenhain, Ziegenberg, Fauerbach, Hoch­weisel, Ostheim, Rockenberg, Niederweisel, Butzbach, Pohlgons^ I Kirchgöns, Langgöns, Griedel, Gambach, Münzenberg, Trais- Münzenberg, Oberhörgern, Holzheim, Eberstadt, Dors-Grll, Muschenheim, Watzenborn, Steinberg, Gießen, Marme-Verem Gießen, Kriegerverein Grüningen, Gesangverein ^ünmgen. Die Festredner, die Festjungfrauen mit der Fahne, die Musik und die Mitglieder des hiesigen Kriegerverems nahmen auf dem Podium Platz, vor demselben die Vereine und eme dichtgedrängte Menge. Der Vorsitzende deS hiesigen Krieger­vereins, Herr Bingel, ergriff zunächst das Wor^ um die Kameraden und sonstigen Gäste aus das herzlichste will­kommen zu heißen. Im Namen der Frauen und Jung--. frauen von Grüningen übergab nun Frl. E. Marställer die von diesen gestiftete Fahne mit klaren weihevollen Worten, die mit einer schwungvollen Dichtung schloffen, au den Verein. Herr Bingel nahm die Fahne, ein Pracht­stück in ihrer Art, unter herzlichen DankeSworten im Namen

Schiller, Dr. Georg Pflug, der Geh. Redizmalrat Dr. Hein­rich Bose, der Geh. Hofrat Dr. Etienne Laspeyres. Ferner verließen uns die ordentlichen Profefforen Dr. Reinhard Frank, der einem Rufe nach Halle a. S., und Dr. Wilhelm Wien, der einem Rufe nach Würzburg folgte.

In die Lücken traten als ordentliche Profefforen für die Tierheilkunde Dr. Wilhelm Pfeiffer als Direktor des Tierspitals und Dr. Friedrich Eichbaum als Direktor der Veterinüranstalt; für die Chirurgie Dr. Peter P o p p e r t, für die Nationalökonomie Dr. Magnus Biermer, für Strafrecht Dr. Ernst Beling und für Physik Dr. Paul Drude.

Der langjährige Leiter des neusprachlichen Seminars Profeffor Karl Pichler legte seine Stelle nieder; an seiner Statt wirken jetzt der französische Lector Albert Goetschy und der englische Lector John Shawcroß.

Mit der Verttetung des für das Sommersemefier beurlaubten ProfefforS in der theologischen Fakultät, Dr. Heinrich Adolf K ö st l i n wurde der Pfarrer Sic. Karl Eger betraut.

Der außerordentliche Professor an der juristischen Fakultät, Dr. Ludwig Günther wurde zum ordenllichen Honorarprofeffor be­fördert.

Der Privatdozent Dr. Julius Reinhard Dieterich wurde zum Haus- und Staats-Archivar deS Haus- und Staats-Archivs in Darmstadt ernannt

Dr. Bruno Henneberg und Dr. Friedch Best hablli- tierten sich bei der medizinischen Fakultät und Dr. Wilhelm E i d - mann bei der philosophischen Fakultät.

An der Universitäts-Bibliothek wurde der Volontär Licentat Bernhard Willkomm zum zweiten Assistenten befördert, und als Lolontär trat Pfarr- und Lehramtskandidat Georg Koch ein.

Des Todes harte Hand hat uns auch im verfloffenen Jahre schmerzliche Verluste zugefügt. Nur kurze Lebenszeit nach seiner auf­opfernden Thätigkeit war unserem ehemaligen Kollegen Prof. Dr. Bose gegönnt; er ging, von schweren Leiden erlöst, am 23. April 1900 zur ewigen Ruhe ein. In Oberheffen war er geboren, in Gießen hatte er eine zeitlang studiert, hier wurde er promoviert; vom Jahre 1878 ab war er hier als ordentlicher Profeffor und Direktor der chirurgischen Klinik thätig; hier hat er seinen Ruf als Gelehrter, als Lehrer, als Arzt gegründet. Tief ttauernd haben ihn Kollegen, Schüler und Freunde ein Stücklein auf seinem letzten Wege geleitet. Sein Andenken wird unter uns bleiben.

Die Jugend wurde nicht geschont: auch unter unseren jungen Kommilitonen hat der Tod Ernte gehalten. Es starben Hermann Orbig, stad, ehern, aus Gießen, Hermann Böhmer, stad. phil. aus Weisenheim in Bayern, und Karl Werner, etnd. ehern, aus Schlangen­bad, der in den Wellen des Rheines durch ein tragisches Geschick umkam. Wir beklagen mit den Hinterbliebenen den frühen Abschluß hoffnungs-