Flotlenvorlage. Eine weitere Thätigkeit ist von ihm schwerlich noch zu erwarten, und auf ihren dringenden Wunsch, auch das Reichsseuchengesetz noch in dieser Tagung unter Dach und Fach zu bringen, wird die Reichsregierung verzichten müssen. — Von einer Aenderung des ReichstagS- wahlgesetzeS nach der Richtung hin, daß den Abgeordneten Diäten gezahlt werden sollen, daß aber dafür die Wahlfrist erheblich abgekürzt werde, ist jetzt viel die Rede; wir glauben aber nicht, daß diesen „frommen Wünschen" irgend welcher Erfolg blüht, wenn auch zu bedauern ist, daß die Diätenfrage nicht schon längst in einer den Wünschen der Reichstagsmehrheit entsprechenden Weise geregelt worden ist. — Im preußischen Landtag ist keinerlei größere Thatig- keit mehr zu erwarten. Die Seeschlange der preußischen Politik, die Kanalvorlage, wird in diesem Sommer trotz aller entgegengesetzten Versicherungen nicht mehr an den parlamentarischen Gestaden austauchen, und es bleibt abzuwarten, ob der Unternehmungsmut der Regierung bis zu der mehrfach angekündigten Herbsttagung des Landtags so weit gewachsen sein wird, wie eS zu dem Kampf um den Kanal erforderlich wäre. Wir wollen hoffen, daß der sagen- und kompensationSumwobene Mittellandkanal bei diesem Hin- und Herzerren nicht doch noch einmal „zu Wasser wird", aber im körperlichen und nicht etwa im figürlichen Sinne. Der hessische Landtag hat in der letzten Woche außerordentlich fleißig gearbeitet und eine ganze Reihe von Vorlagen unter Dach und Fach gebracht, so vor allem die Volksschullehrergehälterfrage durch die Annahme des Antrages Backes auf das beste beantwortet und zur Förderung des Kunstgewerbes im Lande eine stattliche Summe bewilligt, die hoffentlich reiche Früchte tragen wird. Nun ist er in die Sommerferien gegangen, die voraussichtlich bis zum Oktober dauern werden.
Im Ausland steht noch fast allenthalben die politische Hochsaison in vollster Blüte. In Oesterreich hat die chronische Krisis abermals eine außerordentlich akute Form angenommen. Trotz aller Beschwichtigungsversuche des Kabinetts Körber haben die Tschechen sich nicht bewegen laffen, von ihrer Obstruktion, die den Gang der parlamentarischen Maschine völlig ins Stocken gebracht hat, abzu- laffen. Die Schuld an dieser Haltung des Tschechentums tragen freilich in erster Reihe die übrigen Parteien der Rechten, die trotz aller tönenden Redensarten nichts gethan haben, um den Tschechen die Sinnwidrigkeit ihrer jetzigen Haltung vor Augen zu führen. Vielmehr mußten die Tschechen aus dem passiven Verhalten der Mehrheit des Reichsraths die Ueberzeugung gewinnen, daß die Rechte im Herzensgründe mit ihnen sympathisiere. Unter diesen Umständen ist es nicht zu verwundern, wenn das Kabinet Körber die Auflösung des Reichsraths ins Auge faßt und bereits allen Ernstes davon gesprochen wird, daß der berühmte § 14, der Notverordnungsparagraph, wieder in Thätigkeit treten werde. DaS wäre allerdings keine Lösung, sondern ein Durchhauen deS gordischen Knotens mit recht zweifelhaften Aussichten.
Wie der von dem italienischen Kabinet Pelloux unternommene Versuch der Auflösung der Kammer ausgehen wird, wird sich alsbald zeigen, denn bereits am Pfingstsonntage haben die Neuwahlen für daS Parlament stattgefunden, deren Resultate unS noch nicht bekannt sind. DaS Kabinet rechnet anscheinend mit Bestimmtheit darauf, baß auch die neue Kammer ihm eine sichere Mehrheit bringt. Für diese Annahme spricht der Umstand, daß die Regierung gewohnheitsgemäß einen starken und vielfach wenig legalen Einfluß auf die Wahlen ausübt, sodaß eine regierungsfeindliche Mehrheit dort zu den verschwindenden Seltenheiten gehört. Erst im Verlauf der Session pflegt dort die Regierungsmehrheit abzubröckeln, da gar mancher Kandidat als „Ministerieller" sein Mandat erzielt, um nach einer gewissen Anstandsfrist in das Lager der Opposition abzuschwenken. Wenn also das Kabinet Pelloux auch eine Mehrheit erzielen sollte, so würde das doch nichts für eine längere Lebensdauer des Kabinets beweisen.
Einen recht schweren Stoß hat die Lebensfähigkeit des französischen Kabinets Waldeck-Rousseau durch den Rücktritt des Kriegsministers Galiffet erlitten, und ob der Nachfolger GaliffetS, Andrö, der Mann sein wird, der das erschütterte Gleichgewicht des Kabinets wieder herstellen kann, daS wird als einigermaßen fraglich erscheinen müssen. Daß das Kabinet kurz nach seinem Siege über die Nationalisten durch sein eigenes Mitglied diese Schlappe erlitt, ist merkwürdig genug, aber die Nationalisten täuschen stch, wenn sie glauben, daß sie berufen sein werden, die etwaige Erbschaft des Kabinets Waldeck-Rousseau anzutreten.
In der gleichen Hoffnung sind die Liberalen in Belgien getäuscht worden. Das klerikale Kabinet ist aus den Wahlen als Sieger hervorgegangen. Ob das Regiment der Klerikalen dem heillos verfahrenen Zustand und den politischen Wirren in Belgien ein Ende machen wird, muß die Zukunft lehren.
In Spanien hat das Ministerium Silvela ein Vertrauensvotum der Königin-Regentin eingeheimst und damit feine Stellung befestigt.
Im Zustande einer heillosen Verwirrung und vollkommener Auflösung befindet sich das chinesische Riesen- reich. Der Aufstand der Boxer-Sekte hat einen derartigen Umfang angenommen, und die chinesische Regierung sich ote so macht- und willenlos erwiesen, daß die Großmächte sich zum militärischen Einschreiten gezwungen sahen, und auch Deutschland zum Schutze seiner bedrohten Interessen militärische Schutzmaßnahmen getroffen hat. Die Ereignisse in China laffen keinen Zweifel daran, daß wir uns bereits wieder mitten in der Aufrollung der chinesischen Frage befinden, bei der man jedenfalls auf etwelche Komplikationen gefaßt "sein muß.
Seinem nahen Ende geht dagegen das blutige Kriegs- drama in Südafrika entgegen. Nach anfänglich so rühmlich bewiesener Tapferkeit ist die Widerstandskraft der
Buren unerwartet schnell gebrochen. Die in ihren Hoffnungen auf die Hilfe anderer Mächte getäuschten Buren haben erkannt, daß ihre Sache verloren ist, und die Welt wird sich mit der Thatsache abfinden müssen, daß zwei freie Staaten zu englischen Provinzen degradiert werden.
Heffisther Landtag.
Zweite Kammer der Larrdstäude.
M. G. Darmstadt, 2. Juni 1900.
Abg. Ulrich erstattet Bericht über die Stellungnahme und Beschlußfassung des ersten Ausschusses zu dem Antrag Schmitt und 49 Genossen, betreffend den Ankauf der Jsenburg-Bir st ein'scheu Wald ungen. — Der Regierung wird die beantragte Ermächtigung erteilt.
Präsident Haas teilt mit, daß von der Witwe und dem Sohne des Prinzen Wilhelm für die seitens der Kammer erfolgte Niederlegung eines Kranzes am Sarge des Prinzen Wilhelm von Hessen gedankt worden sei. — Das Einladungsschreiben des Oberbürgermeisters von Mainz zur Gutenbergfeier ist eingelaufen.
Die Anfrage des Abg. Wolf, die Erbauung einer Nebenbahn Undenheim-Armsheim betr. wird von der Regierung dahin beantwortet, daß sie ein allgemeines Verkehrsbedürfnis nicht anerkeuuen und einen Bau auf Staatskosten nicht in Aussicht stellen lönne. —, Aba. Wolf beschwert sich darüber, daß die Regierung nicht alsbald zu der Zeit, wo eine Deputation der interessierten Gemeinden vorstellig geworden, bestimmte Stellung genommen. Redner bittet weiter, der Präsident möge veranlassen, daß den Abgeordneten bis zum Herbst bei Beratung der Nebenbahnvorlage Eisenbahnkarten des Großherzogtums mit Aufzeichnung der ausgeführten und projezierten Linien in deutlicher Unterscheidung ausge- händiqt werden möchten, damit sie besser orientiert feien.. kDer Anlegung soll stattgegeben werden. Die Ausführungen des Abg. Wolf in ihrem ersten Teile werden von den Abgg. Schmitt und Schröder unterstützt. — Mit der Beantwortung der Anfrage des Abg. Weidner betr. die Nebenbahn Gedern-Grebenhain-Crain- selb, ist Abg. Schmalbach wenig zufrieden. Es handle sich um ein dringendes Bedürfnis. Man spreche immer nur noch von Vermessungen, bis wann an den Bau gedachv werde, erfahre man nicht. Wenn die Regierung die Linie nicht bauen wolle, möge sie es erklären. Man warte schon, feit 10 Jahren vergebens auf die Geburt des Kindes. —. Abg. Weidner entnimmt der Erklärung der Regierung, daß die Regierung wohl im nächsten Herbste, wenn sie sich im Besitze des neuen Projektes und der Mehrkosten befindet, dem Hause Vorlage machen werde. Er möchte»■ mit dem Vorredner.dringend darum ersuchen, daß alle noch zurzeit vorhandenen, seiner Ansicht nach geringes Schwierigkeiten im Laufe des Sommers beseitigt und darnach die Vorlage eingebracht werden möge. Redner wies, weiter auf die große Bedeutung der Bahn für den Vogelsberg (Verwertung der Produkte nach dem Süden, Per- fonenverkehrserleichterung rc.) hin. — Finanzminister Küchler erklärt, er beabsichtige nicht eher eine Vorlage zu machen, als bis die Bahn nach Frankfurt erbaut fei, da erst dann ihr wirtschaftlicher Wert fichergestellt fei. — Abg. Graf Oriola erkennt die dringliche Notwendigkeit der Bahnlinie und der Verbindung des Vogelsberges mit dem Süden an und kommt auf das von ihm feit Jahreü vertretene Projekt der Oberseementhalbahn zu sprechen. —i Abg. E r k schließt sich den Wünschen und Klagen der Vorredner an und bittet, die gesetzlich fistgelegte und einstimmig beschlossene, auch weit bedeutendere Linie Gedemi- Grebenhain nicht gegenüber einer Bahn in den Hintergrund zu drangen, tue man vorläufig nur wünschen könne. Durch die Erklärungen des Finanzministers sieht Abg. Weidner seine freudigen Hoffnungen ganz darmeder- geschmettert und bemerkt, daß, wenn feine Erwartungen sich bis nächsten Herbst nicht erfüllen sollten, er zur Stunde nicht wisse, welche Stellung er und feine Freunde gegenüber der Nebenbahnvorlage einnehmen würden. — Finanzminister Küchler verspricht eine Prüfung der vorhandenen Projekte nochmals anzuordnen und vornehmen zu lassen. Bei den großen Mitteln, die aufzuwenden seien, lasse sich die Linie wirtschaftlich nur rechtfertigen, wenn auch die andere Linie nach Vilbel zur Verbindung mit Frankfurt sicher gestellt sei. Das Projekt des Abg. Weidner brauche deshalb keine Verzögerung zu erleiden; zur Beratung werde es aber erst kommen können, -wenn der Anschluß nach dem Süden hergestellt sei. — Abg. Weidner will dem Finanzminister diese Stellungnahme nicht verübeln und verläßt .sich auf die gemachten Zusicher- Ungen. — An der Debatte beteiligten sich noch die Abgg. Graf Oriol a, David, Erb, zum Teil in persönlichen Bemerkungen. — Die Anfrage des Abg. Weidner, die Erbauung einer Nebenbahn von Stockheim nach Vilbel wird durch die Mitteilungen der Regierung erledigt, daß die Geländestellung vollständig gesichert sei, die Zeit des Baues aber nicht eher angegeben werden könne, als bis die Vorarbeiten abgeschlossen und die Mittel bewilligt seien. Die Regierung wolle die Arbeiten thun^ lichst beschleunigen. — Abg. Weidner ist mit der Erklärung zufrieden. Im Anschluß an diese Anfrage -ent- spinnt sich eine lebhafte Diskussion über die Vertagung der Nebenbahnvorlage. — Graf Oriola bedauert sie zum dritten Male auf das Nachdrücklichste, andere Abgeordnete schließen sich an. — Abg. Ulrich freut sich darüber; er kann höchstens bedauern, daß man sie mit anderen Nebenbahnvorlagen verquickt und deren Erledigung damit unmöglich gemacht habe.
Nachdem diese allgemeine Eifenbahndebatte ausae- klungen war, beantwortet Ministerialrat Deisler die Anfrage des Abg. Dr. Schmitt und Gen., die Befrei- |i n g der Rekruten von Kastel und Ko st heim vom Brückengeld im ablehnenden Sinne.
Der Antrag Ulrich, die Entschädigung unschuldig Verhafteter betr., wird von der Tagesordnung abgesetzt, der Antrag des Abg. Häusel, den Bau von staatlicheii Dienstwohnungen betr., der gelegentlich der Budgetberatungen gestellt worden war, wird angenommen. Er bezweckt eine Einschränkung der Aufwendungen für Dienstbauten. Nach Mitteilungen des Ministerialrats von Biegeleben sieht die Regierung in dem Antrag eine Direktive für die staatliche Bauverwaltung, neben den Rücksichten der Schönheit und des Geschmacks auch weise Sparsamkeit walten zu
lassen. Nach der Schablone freilich werde man nicht verfahren können. Die Staatsbauten müßten Musterbaute" fein, ein Spiegelbild der Kulturentwickelung der Zeit Grundsätze wie vor 30 oder 40 Jahren könnten nicht mehr maßgebend fein. Der Antrag des Abg. Diell u. Gen. die Regulierung des Salzbachs betr., wird für erledigt erklärt.
Das Haus vertagt sich auf unbestimmte Zeit »(voraussichtlich bis. Mitte Oktober). ,
Herr Landtagsabg. Bürgermeister Köhler-Langsdorf sendet uns den Wortlaut einer Rede vom 31. p. M. mit der Bitte um Abdruck. Wir geben die Rede hien wieder:
Meine Herren, wie es bei vielen Anträgen im Reichstage öfters seitens der Regierung heißt: der Beschluß ist für uns unannehmbar, — so heißt es auch hier wieder seitens der Regierung:> unannehmbar. Das Wort;gefällt mir nicht. (Heiterkeit.) Es kann für uns vieles unannehmbar fein, aber ich würde es ganz unangebracht finden, wenn man bei jedem „unannehmbar" der Regierung dann ohne weiteres seine Mappe zufammenklappen und nachgeben wollte; dann könnten wir überhaupt einpacken und unserer Mitberatung bedürfte es nicht mehr. Ich im eine, meine Herren, wir, das heißt meine politischen Freunde, sollten auch! tvarurn hier auf unserem alten Schein bestehen bleiben und für den Antrag Backes ein- treten. Ja im Namen meiner näheren Freunde kann ich nun feststellen, daß wir trotz der Ausführungen des Herrn Ministerialrats fest bleiben und auf oem Anträge Backes bestehen bleiben wollen. Meine Herren Sie wissen, daß ich! der einzige von unserer freien Vereinigung war, der beim Bamtenbesoldungs-Ge- s e tz für die Annahme der Vorlage eingetreten ist. Ich habe damals erklärt: wir wollen uns nicht lumpen lassen, die Herren Beamten sollen dafür auchi unseren Bauernforderungen mehr gerecht werden, als seither — nun in diesem Falle den Volksschullehrem gegenüber, wollen wir uns erst recht nicht lumpen/ lassen. Diese Leute müssen endlich einmal, meine ich, zu ihrem Recht kommen und endlich/ muß diese sprichwörtlich gewordene Hungerleiderei einmal aufhören. Aber dabei soll ich. im Namen meiner politischen Freunde erklären, daß man von! Seiten der Regierung mehr darauf halten solle, daß die Volksschiullehrer keine Neben geschäfte treiben, wie z. B. Weinhandel, Weinspekulation, Sßer- sicherungs- und Kastenwesen und dergleichen, und daß außerdem stramm darauf geachtet werden möge, daß die Sperren fich nicht so sehr im Dorfe auch in parteiischer Hinsicht maßgebend machen. Ich habe die Erfahrung aus Oberhessen, daß einige Herren Volksschullehrer voll ständig die Bürgermeistereigeschäfte führen und das ganze Dorf oezw. die andere Partei terrorifiem. Ich bin sehr dafür, daß die Herren Lehrer ihr volles Gehalt bekommen, aber sie sollen dann auch hübsch in ihrer Ordnung bleiben und keine anderen Götter oder Teufel neben ihrem Amte haben. (Heiterkeit^) Ich möchte an diese Äusführungen noch etwas anschließen, was eng mit der vorliegenden Materie zusammenhängt. Es aeyv in; der Stadt Lich die Rede, man wolle die dortige Prä- paraudenaustalt fortnehmen. Es wäre mir sehr angenehm, wenn ich vom Regierungstifche darüber etwas hören könnte, am liebsten, daß ich hörte, daß sie bestehen bleiben soll. Denn würde die Präparandenanstalt aufgehoben, so würde die ganze dortige Gegend und namentlich die Stadt Lich bedeutend geschädigt. Meine Herren! Wir treten alle für den Antrag Backes ein .und laffen uns durch nichts irre machen.
Gerichtssaal.
Halle a. d. €♦, 1. Juni. Der Fall Hoensbroech lag bei Strafkammer zur Prüfung vor. Es handelte fich um die bekannte Heiratsvermittelungs-Affaire des Grafen Paul v. Hoensbroech, wozu- der hiesige Profeffor Dr. theol. Willibald Beyschlag in den „Deutsch- Evangelischen Blättern" Stellung genommen hatte. Er warf dem m Betracht kommenden Heiratsvermittler Ladislaus v. Pokorny Er- presiungsversuche vor, worauf dieser gegen Profeffor Beyschlag eine Privatklage angestrengt hatte. Der vom Profeffor B. verfaßte Attnc. beginnt mit den Worten: „Ein Skandal erster Größe -c." und stellt die Heiratsvermittlungsgeschichte etwa folgendermaßen dar: Graf Hoensbroech, der 13 Jahre dem Jesuitenorden angehört hatte, fei bei der Heiratsvermittelung das Opfer einer Jntrigue und nach feinem Austritt aus jenem Orden noch Jahr und Tag Katholik gewesen, er habe allo noch priesterliche Funktionen verwalten können, und so sei es möglich, daß ihm noch in dieser Zeit unter dem Beichtsiegel ein Geständnis gemacht worden sei. Am 13. Januar 1895 sei Graf Hoensbroech zur evangelischen Kirche übergetreten. Das bekannte Heiratsmserat datiere aber vom 14. September 1894. Dann wird gesagt: Der Herr^sver- mittler sei von Hintermännern, denen daran gelegen war, den Grafen auf den Weg zu locken, auf dem man ihn moralisch tot machen tonne, veranlaßt worden, dem Grafen seine Dienste anzubieten. Dieser fei, in der Hoffnung, die Hintermänner „dadurch faffen zu können , auf vm Vorschlag des Heiratsvermittlers, ihm eine reiche Frau verschaffen zu wollen, .scheinbar" eingegangen. Graf Hoensbroech habe ferne tfro* nicht durch v. P. kennen gelernt und daher die 12 000 ^tt. für di- Vermittelungsbemühungen nur gegeben, weil v. P mit Beroffmi- lichung drohte und der Graf es vermeiden wollte, daß seine Frau uno seine Schwiegereltern von der Sache etwas erführen. Die Verterdigmig des Grafen sei gewiß ungeschickt gewesen, aber niemand werde ch einen Borwurf machen, daß er von einem furchtbaren SAaze ko - werter Arglist und Gemeinheit betäubt, keine hinreichende Abwehr gefunden habe. - Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Keil macht geltmd daß die Sache verjährt sei, da Preßdelikte nach 8 32 deS PreM in 6 Monaten verjähren. Der Artikel sei am 1. Dezember 1898 v öffentlicht und am 7. August 1899 fei gegen den Beklagten ew richterliche Handlung unternommen worden. Der Vertreter von Pviv ist der Meinung, daß bei der periodffchen Druckschrift Nicht der erst« der Verbreitung maßgebend ist. Das Gericht "ar aber gegen 9 Meinung und verwarf aus formellen Gründen d,e Berufung Klägers. __
Auszug aus de» KirchendSchrru der Stadt Gieße«.
E » a u g e l i i ch e 8-meiude.
Getraute.
Markusgemeinde.
Sen 26. Mui. August Kehl Fuhrkn-cht ,u s,eß-n unk Wat » Birkensteck, Tochter des Spezereihändlers Hemrich Birkenstock r Arnshaim Karl Pitz, Taglöbner zu Gießen und Elise Hav»
mann, Tochter des verstorbenen Webers Heinrich Hartmann i Grünberg.


