Ausgabe 
6.4.1900 Zweites Blatt
 
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Siegen, den Givtzhe

Lokales und Vrovinsielles.

(Änonr-me Einfenvungeu, gleichviel welcher; Inhaltes, Werder» grundsätzlich nicht ausgenommen.)

Gießen, 5. April 1900.

* Geschicht-kalen-er. (Nachdruck verboten.) Bor 16 Jabren, am 6. April 1884, starb ln feiner Vaterstadt Lübeck der Dichter Emanuel Geibel. Der Dichter wurde am 17. (nicht 18) Oktober 1815 zu Lübeck geboren.

** Auszeichnung. Der Großherzog hat dem Haupt­mann Flies, Mitglied des Bekleidungsamtes 3. Armee­korps, seither ä la suite des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm (2. Großherzogl. Hessisches) Nr. 116, das Ritter­kreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Groß­mütigen verliehen.

** Personalnachrichten, v. Ploennies, Hauptmann und Batteriechef im 2. Großh. Hess, Feldart.-Regiment I Nr. 61, wurde zum Ehrenritter des Johanniter-Ordens ! ernannt. Bigge, Oberst und Kommandeur des 7. Rhein. Jnf.-Regts. Nr. 69, erhielt die Erlaubnis zur Anlegung des Kommandeurkreuzes des König!, ital. St. Mauritius- und Lazarus Ordens.

O** Befihwechfel. Der Frankfurter Hof am Lindenplatz wurde von seinem seitherigen Besitzer Emil Schwall mit der darin betriebenen Obstwein-Kelterei an den Brauer und Küfer Seip aus Bad-Nauheim für 75000 Mark verkauft.

- Lotterie. Am 7. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, findet in dem bis auf weiteres zum Ziehungsraum be­stimmten Saale des RestaurantsZum Schützenhof" in Darmstadt die Einlegung und Mischung der gesamten Losnummern der 1. Großherzoglich Hessischen Landes­lotterie, sowie der Gewinne der ersten Klasse statt. Un­mittelbar vor dieser Einlegung wird auf Wunsch ins- | besondere jede beliebige Losnummer zum Nachweise dafür, I daß sie in das Losnummerrad eingelegt wird, vorgezeigt werden. Am 9. April werden dort sodann von 8 Uhr vor­mittags ab die Gewinne der ersten Klasse gezogen. Alle diese Handlungen werden öffentlich unter Mitwirkung und Kontrolle von Notaren vorgenommen, und ist jedermann der Zutritt gestattet.

§ Butzbach, 4. April. Gestern abend fand im Hessischen Hof wieder ein großes Konzert statt von der Kapelle des Großh. Inf. Regts. Nr. 168 aus Offenbach und dem Klaviervirtuosen G. Hetzel aus Frankfurt a. M. GesangS- vorträge bot Frau Dr. Siebert. Es wurde reicher Bei­fall gespendet. Den hiesigen Flurschützen wurde auf ihr Gesuch um Gehaltserhöhung eine Zulage von jährlich 50 Mark vom Stadtvorstand bewilligt.

Darmstadt, 4. April. Der Großherzog verlebte den gestrigen Abend bei dem Staatsminister Rothe. Der Kaiser hat dem Königlich preußischen Gesandten in Darmstadt, Legationsrat Prinzen zu Hohenlohe- Oehringen die Erlaubnis zur Anlegung des ihm ver- I liehenen Großkreuzes des Kaiserl. österreichischen Franz- I Joseph Ordens verliehen.

bm. Mainz, 4. April. Von verschiedenen Seiten war I es dem vorzubereitenden Komitee zur Gutenbergfeier l arg verübelt worden, daß in dem Programm zu dem I historischen Festzug die Reformation nicht als irgend eine I Zuggruppe aufgeführt wurde. Obgleich der Festzug schon I eine übergroße Ausdehnung anzunehmen droht, hat man I sich um allen Anschauungen gerecht zu werden, nun noch I nachträglich entschlossen, dem Zug eine Gruppe einzuverleiben, I die auf die Reformation Bezug hat. Zwar soll in der I Gruppe nicht Luther zur Darstellung kommen, sondern nur I dessen Bibeldrucke versinnbildlicht werden.

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Wöchentliche Uebkrsicht der Todesfälle in Gießen.

13. Woche vom 25. März bi« 31. März 1900.

(Einwohnerzahl: angenommen zu 24 800, inkl. 1600 Mann Militär ) Sterblichkeitsziffer: 39,84%», nach Abzug der Ortsfremden 25,16°/«.

Kinder

Finsternis herrschte. Nun habe Hinz auch auf die.Klara losgeschlagen in der Annahme, Frau Schultze vor sich zu haben. Als Loeww dann ins Zimmer gekommen sei und Licht änigezündet habe, hätten beide Frauen erschlagen am Boden gelegen. Hinz habe gemeint, er wisse selbst nickst, wie er dazu gekommen sei. Man habe die Leichen erst im Keller einmauern wollen, sich dann aber anders besonnen. Am Abend des 16. August hätten Loewy und Hinz die Leichen in schwarze, im Gönczischen Laden Vorgefundene Wachsleinwand gehüllt, sie in den Keller getragen und in die dort befindlichen Kisten gelegt. Ueber diese Erzählung der Schwester des Loewy sei dieser selbst im Pschorrbräu hinzugekommen, und als er, der Angeklagte, ihn gefragt

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Die Buchhandlung von Krüger & Co., Leipzig, Km. prtnzstr. 12. versendet gratis und franko ihren Antiquariats- Katalog XX, worin 4648 Werke über Massage, Heilgymnastik Elektrotherapie, Wasser- und Naturbeilkuzide, Vegetarismus, Diätetik' Homöopathie, HeilmaguetismuS, Spiritismus rc.. verzeichnet sink' Durchsicht dieses reichhalttgen Katalogs dürfte bestens zu empfehlen sein.

Kunst Md Wissenschaft.

In einem Rückblick auf das Theaterjahr 1896 schreibt die Heimat": Tantieme nkönig sämtlicher deutscher Bühnen ist im verfioffenen O. Blumenthal geworden: er gelangte mit seinen Stücken maJ.iur Aufführung. Da«Weihe Röhl" allein hat 1692 Abende erntet kommt Stabeiberg mit 2926 Aufführungen, bann n langem Abstand Hauptmann, dessen 9 Stücke 1294 mal g-geben

wurden. Jetzt erst kommt Schiller, dessen 17 Werke nur inSaesm» 1102 mal im Spielplan standen. Weiter Schbnthan 971 Mche? 9U Shakespeare 788, Sardou 472, Goethe 326. Lessina 231 mal Da- Ä* fe'*re $l6 bie iMen füt » Ä

Professor Heinrich Dernburg, der hervorragende Jurist be S'ng das 50iährrge Doktorjubiläum. Er wurde am 3 Mär» 182, m Mainz geboten, feine akademische Lehrtätigkeit begann er 1851 h Heidelberg, drei Jahre später erwarb er dis außerordentliche bald darau die ordentliche Professur in Zürich. 1862 wurde er an die UniverstlL Halle berufen, deren Vertretung im Herrenhause er 1866 erhielt 187 kam er als Nachfolger Rudorffs an die Universität Berlin, von der et seitdem eine der leuchtendsten Zierden bildet. In das Herrenhaus QJ dem er durch seine Berufung nach Berlin auöschied, trat er bald barau; durch königliche Ernennung wieder ein. Seine bedeutendsten Werke in denen er juristischen Scharfblick mit einer gewissermaßen künstlerischen Intuition und Formenbeherrschung vereint, sind das Pfandrecht bat Lehrbuch des preußischen Privatrechts und seine Pandekten. Gegenwärtig ist er mit einer systematischen Darstellung des neuen Bürgerlichen beschäftigt. Professor Dernburg weilte an seinem Jubiläumstage inh^

Kriminal-Kommissar v. Kracht hat die Wohnung Gonczis in der Mühlenstraße durchsuchen lassen. Er hat dort nur die Rafalski vorgefunden, die ihm gesagt, daß Gonczi nach Augsburg abgereist sei. Ihr sei es aufge- sallen, daß das Gönczischc Ehepaar einen Zug über Inster­burg benutzte, Frau Gönczi habe aber gesagt, sie fahren1 über Innsbruck nach Augsburg.

. Sn der Wohnung ist ein Hemd Gönczis mit Blut- fpritzen beschlagnahmt worden, ebenso das vom 18. August datierte Telegramm aus Hannover, welches besagte:Wir fahren nach Paris, verwalten Sie meine beiden Häuser, feien Sw sparsam und ziehen Sie die Mieten ein, lassen jWlten, Gruß an die Hausbewohner.

Angnste Schultze, geb. Lutze." Der Angeklagte suchte in hrtlhIt?rf1^r0^Cn ?^tschwall darzulegen, daß Loewy, der ihn? daß die beiden Frauen tot waren,

ihm dies Telegiamm geschickt habe, um ihn irre zu führen al* ob die Damen wirklich nach Paris gerE sei^n ^Die Vehanptung feiner Frau, daß er dieser an i nm Tnne jcholl das Eintreffen einer Depesche angekündiat hab? be streitet er. Die Kriminalschutzmänner ^Wille Tauer und Hirsche machen Mitteilung über die Recherchen in her Gönczischen Wohnung in der Mühlenstraße. Nach Ver­lesung des Augenschein-Protokolls wird die Verhandlung nm 4 Uhr auf heute 9 Uhr morgens vertagt. 9

Nach weiterer längerer Zeugenvernehmung wird Ge- rickstscherniicr Dr. Jeserich als Sachverständiger ver­nommen. Er hat das Hemd des Angeklagten, ferner einen Läufer, den Ladentisch Gönczis und den unter dem Laden- ttsche stehenden kleinen Karton untersucht. Bezüglich des

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habe: Aber um Gotteswillen, was ist denn vorgegangen? habe Loewy einige französische Worte an die Schwester gerichtet und ihm bann die ganze Geschichte ebenso erzählt. Sie seien bann beide zu Hinz gegangen und hätten über­legt, was nun zu thun sei. Man habe ihm gesagt, daß er selbst in den Verdacht der Thäterschaft geraten würde, weil die Leichen in seiner Leinewand gefunden wurden und Hinz habe ihm nahegelegt, daß er Kinder habe und seine Frau ihrer Niederkunft entgegensetze, während er, der An­geklagte, kinderlos sei. So habe er sich überreden lassen, schleunigst die Flucht zu ergreifen. Es seien ihm 10 000Mk. Schweigegelder geboten, auch sollte er in Brasilien eine gute Stellung erhalten. Kurz vor seiner Abreise auf dem Bahnhofe Friedrichstraße habe ihm Loewy acht ober neun Stück Mexikanische Anleihe unb eine Anzahl Schmucksachen als Abschlagszahlung für bas versprochene Schweigegelb­gegeben. Nach ber Behauptung bes Angeklagten sei Loewy auch nach Brüssel mitgereift, habe sich aber vor Frau Gönczi nicht sehen lassen. Loewy habe ihm auch bas Quartier in Brüssel besorgt. Obwohl ber Präsibent wie ber Staats­anwalt dem Angeklagten vorhalten, wie wenig glaubwürdig seine Erzählung sei, bleibt Gönczi doch bei seinen Angaben stehen. Der Verteidiger, Dr. Fränkel, sucht durch eine An­zahl Fragen festzustellen, daß Gönczi sich nicht in über­schuldeten Verhältnissen befand.

Polizei-Leutnant Höpfner wird als Zeuge ver­nommen. Er wurde zu Nachforschungen veranlaßt, weil Hausbewohner Bedenken gegen das Verschwinden ber i beiden Frauen, gegen die Verwalterschaft des Gönczi unb I namentlich gegen bie Einfuhr bes Sanbes in beH Keller geäußert hatten. Dazu hatte auch ber Bankier Gumpert, ber bie Gelbgeschäfte ber Frau Schultze besorgte, seinen Bebenken Luft gemad)t, ba er bie beiben Frauen als sehr säuberlich und geizig kannte und nicht annahm, daß die­selben plötzlich eine Reise nach Hannover, Brüssel und Pans antreten würden. Die beiden Frauen, deren Leichen in der Kiste unter dem Saude vorgefunden wurden, waren I nut ihren Hauskleidern bekleidet, -die jüngere hatte Leder- I Muhe an den Füßen, die alte hatte nur Strümpfe an.

der Wohnung ber Frau Schultze sah es aus, wie bei I einem Trödler, die Scheiben waren wohl Wochen lang nicht I geputzt gewesen, die Berliner Stube war nur mit Zeitungs- I blättern tapeziert gewesen; wahrscheinlich war Frau I Schultze mit dem Tapezierer nicht einig geworden und I hatte das Zimmer in dem unfertigen Zustande gelassen. I

Nach jeder Zeugenaussage wird Gönczi vom Präsi- I deuten befragt, was er dazu sage, und antwortete stets I mit vollkommener Unbefangenheit:Da kann ich gar nix zu.sagen, ich weiß von nix!" Dr. meb Köhler, der I gleich nach Auffiuden der Leichen hinzugezogeu wurde, I schätzt, daß dieselben vielleicht acht bis zehn Tage in den | Kisten gewesen sein können. Kriminalkommissar Thiel | hat in dem zum Göuczi'schen Laden gehörigen Zimmer I zwei Blutflecken vorgefunden, ebenso haben sich an einem! I Karton, ber in einem Fach bes Labentisches stand, Blut- I spritzen vorgefunden. Der Beamte hat auch die Schultze- I sche Wohnung besichtigt; ber Gelbschran kwar geschlossen, zum Untergestell besselben fanb sich ber Schlüssel in einem kleinen Korbe vor. In biesem Untergestell fanbcii sich neine Kartons, in benen offenbar Schmuckgegenstänbe, I bie jetzt verschwunben waren, sich befunben hatten. Der I obere Teil des Geldschraukes mußte durch einen Kunst- I schlosser geöffnet werden, der dazu mehrere Stunden ge- I brauchte. In der oberen Abteilung lagen mehrere Do- I fumente, Hypothekenbriefe und andere Papiere, und eine I Anzahl wertvoller Silbersacheu in voller Ordnung. Im I übrigen herrschte in ber Wohnung eine kolossale Unorb-, I nung, namentlich fanben sich auch in großer Menge ver- I borbene Nahrungsmittel vor, bie einen sehr üblen Ge- I Tuet) verbreiteten, ebenso würben, in ber Wohnung ver- I streut, etwa 53 Mark in bar aufgefunben. Der auf dem I Korridor angebrachte Briefkasten enthielt zwei an Frau I Schultze gerichtete Briese vom 14. und 18. August. Im | Innern des Briefkastens war ein Stück Leder, von einem 1 Portemonnaie stammend, so vor die Oeffnug geschoben, I daßman nicht sehen konnte, ob ber Kasten Briefe enthielt ober nicht. 1

Es starben an:

Lungenschwindsucht Lungenentzündung Influenza Herzleiden Nierenentzündung Gehirnentzündung Krebs Krämpfen Rhachitis Lebensschwäche

Summa: 19 (7) 14 (6)

Gerichtssaal.

. _ Mainz. 5. April. In einem gestern vor der Straskamma d?s hiesigen Landgerichts alSAppellsache verhandelten Beleidigung-:

die beiderseitigen Rechtsanwälte bei der Vertretom ihrer Parteien so heftig anetnanber geraten, daß ein weiterer Beiei. digunasprozcß daraus entstanden ist. Rechtsanwalt Dr. Soldan von Worms, der erst vor kurzer Zeit wegen thätlicher Beleidige eines dortigen Redakteurs in eine nennenswerte Geldstrafe aenomwv! wurde, Hst dem Gegenanwalt Dr. Zuckmayer von hier die Worle. infame Beleidigung" an den Kopf geworfen.

Wiesbaden, 4. April. EM Rad Unfall, der sich im November vor. Js. auf der Chaussee zwischen Hochheim und Castel ereignete, und einem jungen Manne daS Leben kostete, be­schäftigte heute die hiesige Strafkammer. Der Bauteckniker Ludwig Bremser-von hier, geboren 1880, ist angeklagt, als Radfahrer den Tod des Mannes fahrlässigerweise vei schuldet zu haben. Bremser war auf dem Hochheimer Markt, und fuhr abends in ziemlich scharfem Tempo dahin. Da die Chaussee sehr stark belebt war, blieb ein Zusammenstoß nicht au?. Der Küfer Karl Caspar aus Main, stürzte mit solcher Wucht rückllngs zu Loden, daß er einen Schöbel bruch, Gehirnblutung und Gehirn quetschungen davontrug. Stach zwei Tagen verstarb der Unglückliche. D-r unvorsichtige Radfahrer wurde h-ute wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Monaten <3c* fängnis verurteilt.

Läufers entwickelt sich gleich eine längere Erörterung. Auf bie Frage, wo ber Läufer gelegen hat, erroibert Gönczi: Das ist der Läufer, auf ben bie Dame hinge­stürzt ist. Präs.: Der Läufer hat ja aber im Laben gelegen. < Gönczi: Bitt' schön, bas ist ber Läufer aus bem Laben. Präs.: Gestern haben Sie doch ge­sagt, nach Loewys Mitteilung sei bie That im. Hinterzimmer vollführt. Gönczi: O bitt' schön, im Hinterzimmer mar auch ein Läufer. Präs.: Frau Gönczi, Sie sagen. Sie seien mit ihrem Manne am 16. August in bem Laben gewesen, haben Sie ba einen Läufer im Laben gesehen? Frau Gönczi: Ich habe burchaus keinen Läufer gesehen. Staatsanwalt Plaschke: Der Läufer ist im Laben zusammengerollt borgefunben worben, er muß also schon vor bem 16. zusammengerollt gewesen sein. Wer hat ihn zusammengerollt? Gönczi: I weiß von nix. Viel­leicht Hinz ober Loewy. Meine Ehefrau irrt sich auch, es war nicht ber 16. August, sonbern ein anderer Tag, als' sie Mit im Laben war. Staatsanwalt: Gestern haben Sie gesagt, nach Loewys Mitteilungen sei bie That im Hinterzimmer passiert. Angekl.: Ja gewiß, bie alte Frau ist im Hinterzimmer gepackt unb an ben dicht am Laden stehenden Ofen gepufft worden, sie hat dann einen Schritt vorwärts in den Laden gethan. Staats- an w alt: Also jetzt ist die Frau-im Laden totgeschlagen. Gönczi (sehr lebhaft): Ei freili! Staats-An­walt: Ich wiederhole, daß der Angeklagte gestern die That nach dem Hinterzimmer verlegt hatte. Gönczi: I bitt schön! Losgeschlagen ist schon im Hinterzimmer, dann ist die Frau in den Laden gedrängt worden.

Die Wirtschafterin Bra,ndt, die im Hause König- grätzer Straße 35 bedienstet war, hat sich, weil ihr die Sache von Anfang an sehr verdächtig vorkam, Notizen gemacht. Diese und die Bestimmtheit ihrer Aussagen sind für Gönczi direkt vernichtend, sodaß sein Schick­sal besiegelt erscheint.

Meinet teerten Wlihm hiermit jur

3«

Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts natf Gießen gebrachte Kranke kommen. _________________________________

Weiterbericht. Dte gestern von den ortttschen Inseln heretn- rückende Depression bet rasch an Reum gewonnen, und von ihrem Zentrum, da« über Schotllend liegt, breitrt sich niederer Druck weit in den Kontinent hinein und nach Süden btS zur iberischen Halb­insel aus. DaS barometrische Maximum hat sich im Nordwesten erhalten und ein schmaler Rücken hohen Druckes zieht sich von ßtpplanb über die Ostsee und durch den Kontinent bis zum Miktelmeer- DaS Weiter war auf unserem Gebiete heute morgen im Norden trüb, im Süden heiter oder wolkenlos. Dte Tempera­turen sind vorerst im Steigen begriffen. Vorausfichiliche Witter­ung: Unbeständiges, meist trübe« Wetter mit zeitweisen Nieder­schlägen und später neuerdings Abkühlung.

Arbeiterbewrgirry.

Mainz, 4. April. Dem Beispiele vieler anderer Gewerbe folgend, sind dte hiesigen Wagnergeselten j tzt auch in eine Lohnbewegung eingetreten. Ihr« Forderungen sind: lOstündtge Arbeitszeit, 10 Prozent Lohnerhöhung und Vergütung der Ueber | stunden mit 33 Prozent Aufschlag.

Handel unö Uerlrehr. Dolkswirtschast.

Frankfurter Börse vom 3. April.

Wechsel auf New-York za 4.21,/r221/f

Prämien auf Kredit per ult April 1.20 o/o, do. per ult. Mai 2.10% Diskonto Kommandit per ult. April 1.15%, do. per ult Mai 2.10%. Lombarden per ult April 0.65%, do. per ult. Mai 0.95%, Spanier per ult. Mai 1.40.

Notierungen: Kreditaktien 284.10-233.50, Diskonto- Kommandit 192.10-191.73, Staatsbahn 134.90-00, Gotthard 142 00, Lombarden 27.90-00, Ungar. Goldrente 97.25, Italiener 94.60, 3proz. Mexikaner 26.00, Oesterr. Coupons 84, Amerik. Coupons 4.19% Privat-Diskont 4%% G.

1% bis 2%Uhr: Kreditaktien 233.30-233.50, Diskonto-Kommandit 191.80-10-30, Staatsbahn 134.80-50-60, Lombarden.

Mecklen bürg-Strelitz sche Hypothekenbank. In der am 4. April cr. zu Neustrelitz abgehaltenen General-Versammlung wurde der Abschluß für 1899 genehmigt, dem Vorstande und Aufsichtsrat Ent­lastung erteilt und die sofort zahlbare Dividende auf 7% festgesetzt. Die Bilanz pro 1899 befindet sich in dem Inseratenteile unserer heu­tigen Zeitung.

Märkte.

Marburg, 4. April. Zur Viehmarktfrage. Gestern fand hier eine Sitzung verschiedener Stadtverordneten und deS Viehmarkt- Komitees statt. Man einigte sich dahin, daß bezüglich des am 19. April angesetzten Schweinemarktes von einer event. Verknüpfung mit einem Rindviehmarkte abgesehen werden soll. Dagegen soll für den am 17. Mai stattfindenden Schweine- und Rindviehmarkt agitiert werden. Weiter gab man der Meinung Ausdruck, daß der jetzige Biehmarktplatz vollkommen genüge. Es sollen jedoch die Aufseher durch äußere Zeichen kenntlich gemacht werden.

Limburg rt, d. Lahn, 4. April. Fruchtmarkt. Durch­schnittspreis pro Malter Roter Weizen 13.31 Mk., Weißer Weizen Mk., Korn 11.20 Mk., Gerste 9.40 M., Hafer 7.10 Mk., Erbsen . Mk., KartoffelnMk.

Zusammen:

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