Ausgabe 
6.4.1900 Erstes Blatt
 
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Kaiser Wilhelms anläßlich des Todes JoubertS, welche der LondonerCentral News- aus Hamburg zu­gegangen war, wird in einem Berliner Telegramm des Hamb. Korresp." dementiert mit dem Bemerken, in Berlin sei von einem Telegramm deS Kaisers an Dr. Leyds nichts bekannt.

Das Entlassungsgesuch des burensreund- lichen Gehilfen des amerikanischen Unterstaatssekretärs des Auswärtigen, Davis, ist ncKh Meldungen aus New- Aork angenommen worden. Davis sprach sich einem Berichterstatter deSNew-Aork Herald" gegenüber aus, er halte Pretoria für uneinnehmbar, er glaube nicht, daß die Engländer über die die Stadt umgebenden Hügel, die von Krupp'schen und Creuzot-Kanonen starren, kommen werden.

Zum deutsch-englischen Afrika-Abkommen schreibt diePost", daß das Abkommen durch den Delagoa- bahn-SchiedSspruch nicht berührt wird, da es ja für den Eintritt gewisser Eventualitäten geschlossen ist; es bestehe vielmehr nach wie vor in voller Kraft. Zugleich bezeichnet diePost" die Meldung der BrüsselerJndependance", Deutschland werde den Wortlaut des Afrika Abkommens demnächst veröffentlichen, als irrig.

Die Herzogin von Fife hat ein Album angelegt, in das die Mitglieder des englischen Königshauses und der hohen Gesellschaft Sentenzen über den Präsidenten Krüger eintrugen. Würdig lautet der Spruch der Königin: Möge Gott ihn und uns alle aus unseren Schwierigkeiten führen." Dagegen schrieb der Prinz von Wales: Mr. Krüger ist ein guter Kenner des Tabaks, aber ein schlechter Kenner des englischen Volkes." Der Herzog von Kambridge bemerkte:Ich bin ein alter Mann wie Krüger. Wie dieser bin ich alter Soldat. Ich habe selbst fd" viele Fehler, wie kann ich da über andere richten?"

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Telegramme des Gießener Anzeigers.

Loudon, 5. April. Aus Bloemfontein wird vem 3. April, 9 Uhr 45 Min. abends gemeldet: Die Buren befinden sich in großer Anzahl am jenseitigen Ufer des Modder-River östlich von Bloemfontein. Unsere Infanterie war während des ganzen heutigen TageS bei Bushmanskop im Kampfe. Aus Wepener wird gemeldet: Vier­hundert Mausergewehre, die von den Buren ver­graben waren, sind von den Engländern aufgefunden worden. Dieselben bemächtigten sich einer Anzahl dem Feinde gehöriger Pferde.

Loudon, 5. April. Lord Rosebery hielt gestern in einer Versammlung eine Ansprache und gab dabei Erklärungen über den südafrikanischen Krieg ab. Er betonte, daß Eng­land, da es von Transvaal angegriffen sei, keine andere Haltung einnehmen konnte, wie eS gethan habe. Eng­land beabsichtige keinesfalls sein Kolonialreich zu vergrößern, sondern wolle nur seinen jetzigen Besitz erhalten. Fernerhin gab Rosebery die Erklärung ab, daß England angesichts der Kundgebungen der öffent­lichen Meinung in den verschiedenen Staaten sich in den Stand setzen müsse, allen Ereignissen vorzubeugen.

London, 5. April. Wie aus Kapstadt gemeldet wird, richtet Diphtheritis und Typhus unter den am Modder­fluß stehenden englischen Truppen große Verheer­ungen an.

Berlin, 5. April. Nach Telegrammen aus London ist dort eine Meldung aus Bloemfontein eingegangen, wonach verschiedene Buren-Korps an der von Bloemfontein nach Süden führenden Eisenbahn erschienen find. General Gatacre sei bemüht, jeder Unternehmung deS Feindes entgegen zu treten, die darauf gerichtet ist, die Ver­bindung mit Lord Roberts zu unterbrechen.

Paris, 5. April. Hier geht neuerdings das Gerücht von einer bevorstehenden Friedensvermittelung des Zaren im südafrikanischen Kriege.

Deutsches Keich.

Berlin, 4. April. Der Kaiser hatte heute vor-, mittag im Auswärtigen Amt eine Besprechung mit dem Staatssekretär Grafen v. Bülow und hörte später im Schloß den Vortrag des Chefs des Zivil-Kabinetts v. Lu- canus und empfind darauf den Kultus-Minister Dr. S t u d t, den Wirklichen Geheimrat Dr. Schöne und den Geheimen Baurat Dr. Meydenhauer.

Bei der heutigen Audienz legte der Geheime Ober­baurat Dr. Meydenhauer dem Kaiser die Photographieu der Aufnahmen der S a a l b u r g bei Homburg v. d. H. vor.

Der sozialdemokratische Reichstags- und Lattktags- Abgeordnete Oertel ist heute in der Heilanstalt Her- zogenhöhe im Alter von 36 Jahren gestorben. Oertel besaß und redigierte die in Nürnberg erscheinende sozial­demokratischeFränkische Tagespost"'. In der sozialdemo­kratischen Partei bildete sich ein Ring, der von Oertel das' Blatt Umsonst verlangte. Als Oertel darauf nicht einging, ging man zu dem Ansinnen über, Oertel zur Abtretung des Verlags derTagespost" für 5000 Mark Entschädigung ui veranlassen, wobei man zuletzt Oertel auch noch zur Verzichtleistung der Papierlieferung bewegen wollte. Kein Wunder, daß er nun ausrief:Die Genossen drehen mir den Kragen 'rum!" Man drohte schließlich Oertel mit der Gründung eines Konkurrenzblattes. So hatte man den Reichs- und Landtagsabgeordneten Oertel vor die Al­ternative einer Parteispaltung gestellt, oder vor die Not­wendigkeit der Verlagsabgabe derFränkischen Tagespost". Dabei nahm Oertels Nervenkraft und geistige Energie mehr und mehr ab, und er mußte in die genannte Heilanstalt gebracht werden, in der er nun gestorben ist. So ist, wie aus Nürnberg geschrieben wird, ein Mann behandelt wor­den, der zweifellos die Seele und der intellektuelle Mittel­punkt der ganzen Nürnberger Parteibewegung war. Die deinotratischeFranks. Ztg." bemerkt dazu, daß auch innerhalb der sozialdemokratischen Unternehmungen wirt- Zchaftliche Vorkommnisse sich zutragen, die an rücksichtsloser

Härte denen der bürgerlich-kapitalistischen Wirtschaftsweise nichts nachgeben.

Zu der badisch-welfischen Verlobung schreibt das hannoversche Welfen-Organ:Der Verlobung Ihrer königl. Hoheit der Prinzessin Marie Louise von Haniwver, Herzogin von Braunschweig und Lüneburg, mit Sr. Großh. Hoheit dem Prinzen Max von Baden, Herzog von Zähringen, ist eine unmittelbare politische Bedeutung nicht beizumessen, eine mittelbare nur insofern, als die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Königlichen Hause Hannover und anderen deutschen Fürstenhäusern eine Verstärkung erfahren. Se. Königl. Hoheit der Herzog von Cumberland, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, hat durch Höchstseine offiziellen Kundgebungen nach dem Tode Sr. Majestät des Königs Georg V. von Hannover, seines erhabenen Vaters, und nach dem Ableben Sr. Hoheit des Herzogs Wilhelm von Braunschweig längst das Deutsche Reich" anerkannt, unter Aufrechterhaltung seiner Rechte auf Hannover und Braunschweig. Bon feiten Sr. Königl. Hoheit des Herzogs ist somit alles ge­schehen, was möglich ist, eineVersöhnung" herbei­zuführen. Dementsprechend hat das hocherfreuliche Ereig-, nis auf die Haltung der deutsch-hannoverschen Partei keinerlei Einflu ß." (Selbstverständlich! Sehr hübsch ist übrigens der Hofberichtston, in dem der erste Teil der Erklärung gehalten ist.)

Die Behauptung, daß das geheime deutsch- englische Abkommen über Südafrika nächstens veröffentlicht werden soll, entbehrt der Begründung. Es liegt im ganzen Charakter dieses Abkommens, das ein Eventualvertrag ist, daß es nicht eher veröffentlicht werden kann, als bis es durch den Eintritt der darin vorge­sehenen Eventualität in Kraft gesetzt wird. Diese Even­tualität, zu der wohl in erster Linie eine Pachtung oder Besitzergreifung der Delagoabai durch England gehört, ist bis jetzi nicht eingetreten, und wenn Portugal die von dem Berner' Schiedsgericht bestimmte Summe ohne englische Hilfe bezahlt, wird sie nocfy weiter hinausgerückt, als man vielleicht beim Abschluß des Vertrags erwartet hatte. Die Kreuzztg." glaubt, auf Grund Londoner Berichte, daß Portugal sich die Verschaffung des erforderlichen Betrages durch Mithilfe von befreundeter^ Seite gesichert habe.

Das preußische Staatsministerium hat beschlossen, die Realgymnasial-Abiturienten zum medi­zinischen Studium zuzu lassen.

Wie dieBert. Miss. Korr." von angeblich zuver­lässiger Seite erfährt, ist man an maßgebender Stelle jetzt definitiv entschlossen, die Medizinalverwal­tung, welche bisher zum Kultusministerium gehörte, dem Ministerium des Innern einzuverleiben. Die Frage sei jetzt dadurch aktuell geworden, daß dem Ministerium durch die vom Kaiser so dringend gewünschte Schulreform eine so außerordentliche Arbeitsleistung zufällt, daß es den leitenden Persönlichkeiten im Kultusministerium dringend wünschenswert erschien, sich durch die Abttennung der Me­dizinalabteilung einigermaßen zu entlasten.

Dresden, 4. April. Staatsminister Dr. Schurig empfing als Vorsitzender im Gesamtministerium heute eine Abordnung von Künstlern, Gelehrten, Schriftstellern, Journalisten und Kunstfreunden Dresdens. Der Führer der Abordnung, Oberst Frhr. p. Mansberg, überreichte dem Minister eine von den hiesigen Kunstinstituten, Kunst­hochschulen, Litteraturvereincn, Preßvereinen, Künstlern, Gelehrten rc., zusammen 17 Körperschaften mit 2000 Mit­gliedern, ' unterzeichnete Bittschrift, die königlich sächsische Staatsregierung möge sich im Bundesrat gegen die Lex Heinze aussprechen und gegen deren Annahme stimmen.

Leipzig, 4. April. Vor dem Reichsgericht ge­langte gestern der bekannte Erpressungsprozeß Joachim,' G e h l s e n s, des Herausgebers desCharlottenburger Wochenblattes", zur Verhandlung, der am 22. Dezember v. I. vom Landgerichte II in Berlin wegen Erpressung in zwei Fällen zu einem Jahre sechs Monaten Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust verurteilt worden ist. Die Beschwer­den, die der Angeklagte in seiner Revision erhob, waren prozessualer und materieller Art. Der Reichsanwalt be­antragte die Verwerfung der Revision, da das Urteil keinerlei Bedenken errege. Es unterliege keinem Zweifel, daß die Absicht des Angeklagten von vornherein darauf gegangen sei, Geld zu erpressen. Er habe sich der Presse bedient, wie der St raßen räuber sich der Pi - stole oder des Messers bediene, er habe so lange seinen Opfern Wunden beigebracht, bis sie geängstigt und in die Enge getrieben dem Angeklagten gaben, was er haben wollte. Das Reichsgericht verwarf die Revision! als Unbegründet.

Ausland.

Dublin, 4. April. Die Königin ist heute hier ein­getroffen und am Weichbild der City mit großem Zeremoniell vom Lordmayor empfangen worden. Die Königin erwiderte aus die Begrüßungsansprache, es bereite ihr große Genug- thuung, daß sie im stände sei, wieder einmal das Vaterland so vieler wackerer Männer zu besuchen, die bei der Ver­teidigung der Krone des Reiches hervorragende Tapferkeit bewiesen hätten, wie nur je in ihrer glorreichen Ver­gangenheit.

Paris, 4. April. Im Senat hielt der Minister des Aeußern Delcassv eine bedeutungsvolle Rede, in der es u. a. heißt: Der mit den Vereinigten Staaten abge­schlossene Handelsvertrag ist vorteilhaft für unsere In­dustrie und unsere Landwirtschaft. Die Verhandlungen in Be­treff der Konzession bei Shanghai haben zur Anerkennung unserer Rechte geführt. Der Zwischenfall auf den Antillen ist zu unserer Befriedigung geregelt worden. In Afrika be­ginnen wir in methodischer Weise unsere Herrschaft aus­zudehnen. In Aegypten sind wir zu einer Erneuerung des Gesetzes bezüglich der gemischten Gerichtshöfe gelangt. Diese Ergebnisse sind, wie auch vom Auslande anerkannt wird, ausgezeichnet; in Frankreich bestreitet man es aber, weil man das Kabinett stürzen will, sollte auch das Land dabei in Mitleidenschaft gezogen werden. Sie haben die gehässigen Angriffe gesehen, die gegen unsere auswärtige Politik gerichtet worden find; wie Tartuffe die Maske der Tugend, so hat eine Partei die Maske des

PattiotiSmus vorgenommen. Sie wird aber ebenso wenig wie Tartuffe zum Ziele gelangen, und das Land wird sich in seiner Arbeit nicht stören laffen. Frankreich ist eine europäische Großmacht und ist wieder eine Kolonial­macht geworden. In letzterer Hinsicht ist unsere Aus­dehnung mit wunderbarer Schnelligkeit vor sich gegangen, jetzt aber müffen die Reichtümer der neuen Kolonien mit dem Kapital des alten Frankreich ausgenutzt werden. Von den Mächten, die sich ehemals die Vorherrschaft streitig machten, find die einen gewachsen, die anderen, die jünger sind, bestreben sich, an die Spitze zu kommen. Wir müffen kämpfen und mannhafte Generationen heranbilden; unsere wirtschaftliche Organisation muß weiter entwickelt werden; durch intelligente Arbeiten muß erreicht werden, baß Frankreich die große Straße der Welt büibt- unsere Flotte muß wieder die Stärke erreichen, die nötig ist.

Liffabou, 4. April. Deputiertenkammer. Der Minister des Auswärtigen erklärt, die Beförderung von englischen Soldaten und Kriegsmaterial mit der Eisenbahn auf portugiesischem Gebiet zwischen Beira und Umtali sei seitens Englands nachgesucht und von Portugal zugestanden worden. England habe von diesem, in Staatsverträgen anerkannten Recht Gebrauch gemacht. Der gegenwärtige Krieg hebe diese, vor dem Kriege abgeschlossenen Verträge nicht auf. Portugal habe loyalerweise seinen Entschluß der Regierung der südafrika­nischen Republik mitgeteilt, und sei vollkommen korrekt den ihm obliegenden Neutralitätspflichten nachgekommen (?). Der Minister beendete seine Rede mit der Erklärung, daß die großbritannische Regierung mit Portugal Beziehungen unterhalte, deren Herzlichkeit und Loyalität nicht übertroffen werden könnten.

Rom, 4. April. Ueber die gegenwärtige innerpolitische Situation äußerte sich ein Minister recht zuversichtlich. Die Regierung werde, nachdem die Obstruktion nieder­geworfen sei, die Notverordnungen fallen lassen und ver suchen, eine Beruhigung der Gemüter anzubahnen, damit die dringenden wirtschaftspolitischen Gesetzentwürfe rasch erledigt werden können.

Pola, 4. April. Zwischen Marinesoldaten und Arbeitern des Arsenals fand nachts ein Zusammenstoß statt, dem politische Motive zu Grunde liegen. Sieben Arbeiter wurden dabei schwer verletzt.

Lokales und PromnMes.

*' Die Militarmusterung hat mehreren Rekruten, unter denen sich natürlich auch Raufbolde befanden, kritische Tage 1. Ordnung gebracht. In einer Stehbierhalle gab c- eine Schlägerei, wobei mit Stühlen gearbeitet wurde, und es blutige Köpfe und zerrissene Kleider absetzte. In einem anderen Lokal kam eS zwischen Rekruten gleichfalls zu einer Schlägerei. Einer der Beteiligten trug am Auge und auf dem Kopfe stark blutende Wunden davon. Einige Radau­brüder mußten verhaftet werden. In der Nacht vom Sonntag auf Montag zertrümmerten zwei junge Leute in einer Wirtschaft eine Fensterscheibe, die sie dem Wirt be­zahlen mußten. Aus Aerger hierüber vernichteten sie Zier­pflanzen, Weinreben rc. im Garten, und verübten noch allerhand Unfug. Anzeige wurde in allen Fällen erstattet.

Darmstadt, 5. April. (Telephonmeldung.) Bor der hiesigen Zivilkammer wurde heute vormittag das Urteil in der bekannten Klagesache des Beigeordneten Wolff aus Offenbach gegen den VereinGroßes Kolleg" verkündet. Die in der Generalversammlung des Großen Kollegs vom 21. September vorigen Jahres beschlossene Ausschließung des Beigeordneten Wolff wird für un - giftig erklärt, da nach den Zeugenaussagen nicht erwiesen ist, daß der Kläger in der vorausgegangenen Stadtverord­netensitzung ein Mitglied des Großen Kollegs durch seine Aussagen mit Absicht beleidigen wollte. Der Beigeordnete Wolff ist auch fernerhin als Mitglied des Großen Kollegs zu betrachten. Die weiter gestellten Ansprüche des Klägers wurden abgewiesen. Das Urteil wird gegen eine Sicherheitsleistung von 2000 Mark für vorläufig voll- stteckbar erklärt. Der Anwalt des Großen Kollegs hat dem Vernehmen nach sofort Berufung eingelegt.

* Kleine Mitteilungen au8 Hessen und den Nachbar­staaten. In Bad-Nauheim wurde in einer Billa ein totes neugeborenes Kind im Bette versteckt aufgefunden. Ein Dienstmädchen hatte das Kind geboren, ohne daß eS von jemand bemerkt worden war. Das Kind soll nach ärztlicher Aussage gelebt haben. In Mainz brach am 3. d. M. in der Kunstdruckaustalt Scholz Feuer aus, dem der Dach' stock zum Opfer fiel. Ein Fabrikpenfionär wurde schwer verletzt._________________________________________ ____________

Uermisthtrs.

Zu der rätselhaften Mordaffaire in Könitz wird weiter berichtet, daß die abendlichen Ruhestörungen gegen die jüdischen Einwohner durch dortige Fortbildungsschüler und Gesellen ungehindert ihren Fortgang nehmen, trotzdem schon wiederholt davor amtlicherseits gewarnt worden ist. Die Polizei und Gendarmerie hat große Mühe, die Massen zu zerstreuen und die Ordnung einigermaßen aufrecht zu er­halten. Fast täglich kommen in Könitz Flugblätter an. Die geschickt verteilt, die Leidenschaften aufs äußerste erregen. Die Untersuchung in der Sache selbst hat bisher trotz der ausgesetzten Belohnung von 6700 Mk. noch keine Spur ergeben, die zur Ergreifung des Mörders des Obertertianers Winter führen könnte.

Paris, 4. April. Gestern abend ist der Rechts­anwalt Davrille des Essarts, ehemaliger Ge meinde« rat von Paris und früherer Herausgeber des ^.Soir", verhaftet worden. Er soll als Vormund eines jgngen Mannes Namens Gellimard gegen zwei Millionen Franken Mündelgelder veruntreut haben. <.

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