Ausgabe 
6.3.1900 Zweites Blatt
 
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Dienstag den 6 März

1900

Nr. 54 Zweites Blatt

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Gießener Anzeiger

Heneral-'AHeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren.

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ütiMI«, Expedition und Druckerei: Nr. 7.

Graüsbeüagrs: Gießener Familienblätter, Der hestische Landwirt, Mütter für hessische Uolkskunde.

Adresse für Depeschen: Nuzeiger Hieß«« Fernfprecher Nr. 51.

Amtlicher |ttl

Gießen, am 3. März 1900. Betr.: Die Revision der Bierdruck-Apparate.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

a« die Grofth. Bürgermeistereien des Kreises.

Wir erinnern Sie, soweit Sie noch rückständig sind, an sofortige Erledigung der Verfügung vom 5. v. Mts. (Anzeiger Nr. 31).

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Vom 1. April ds. IS. ab tritt ein neues Mobil­machung-'Einberufungsverfahren in Kraft. Hierzu ist es notwendig, daß sämtliche Mannschaften des Be­urlaubtenstandes (Reserve, Landwehr 1. und 2. Aufgebots und Ersatzreservisten) ihren derzeitigen Wohnort bei ihrem zuständigen Bezirksfeldwebel gemeldet haben müssen. Etwaige noch nicht vollzogene An- und Abmeldungen haben daher sofort zu erfolgen.

Zuwiderhandlungen werden bestraft.

Gießen, den 28. Februar 1900.

Großherzogliches Bezirks-Kommando.

Detring, Oberstleutnant und Kommandeur.

Gießen, am 3. März 1900.

DaS Großherzogliche Kreisamt Gießen

«» Mit Gßrvtzh. Bürgermeistereien des Kreises.

Vorstehendes wollen Sie in Ihrer Gemeinde zwei- bis dreimal ortsüblich bekannt machen lassen.

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Betr.: Bezug von Saatkartoffeln.

Ich bitte um alsbaldige Aufgabe von Bestellungen auf Saatkartoffeln, und bemerke dabei, daß der Bezug aus Schlesien beabsichtigt ist, unter Garantie frostfreier Lieferung.

Gießen, den 4. März 1900.

Der Direktor des landw. Bezirksvereins.

v. Bechtold.

Ein harter Schlag.

(D böse Kunde, die mit einem mal

Hoffnung verwandelt hat in schweres Bangen: Gefangen ist der Löwe von Transvaal, Held Tronje ist mit seiner Schar gefangen. Das ist ein Schlag, der auf die Herzen fällt, Daß aller Freude er ein Lude mache. Lin traurig Schauspiel steht bevor der Welt, So scheint's: der Sieg der ungerechten Sache.

Lin tapfres Volk, das sich so schön geschmückt Schon hat mit Ruhm, mit ehrenvollen Siegen, Soll es nun doch, durch Uebermacht erdrückt, Im Kampf um seine Freiheit unterliegen?

Lin kleines Volk ist's und der Feind ist groß, Großherzig nicht, er trachtet nach den Schätzen Des kleinen Volks; als Sieger schonungslos Wird er den Fuß auf den Besiegten setzen. Bedauern scheint so wenig, wenn verwehrt Zu helfen ist; was kann Bedauern frommen! Ls regt sich keine Hand und blitzt kein Schwert, Zu Hilfe dem bedrängten Volk zu kommen. Ö tapfres Volk, wir hoffen immer noch, Daß du nicht sollst an deinem Heil verzagen. Und wenn du unterliegst, so haben doch Zu deinem Trost wir etwas dir zu sagen.

Nimmt dir der Feind auch alles sonst, was dein, Ls wird von dir doch die Geschichte melden, Daß du im bösen Kampfe standst allein Und dich gewehrt hast als ein Volk von Helden. Und Lines bleibt dir doch für alle Zeit, Mb auch mit Unglück deine Sache endet: Rein ist der Kranz, den du erwarbst im Streit, Doch Lnglands Lorbeer ist durch Schmutz ge­schändet.

Kladderadatsch".

Die Studentenausschreitungen in Glasgow gegen den deutschen Professor Tille.

Man schreibt aus Glasgow zu den Pöbelhaften Exzessen der Studentenschaft gegen den Professor Tille:

Erst jetzt läßt sich in vollem Maße übersehen, daß die Demonstration gegen den deutschen Dozenten an der hiesigen Universität nur ein Einzelfall ist, in dem sich einmal schlagend der Haß entladen hat, der von der hiesigen Lokal­presse dauernd gegen Deutschland genährt wird. Das wird jetzt auch allgemein zugegeben. Der fragliche Aufsatz war hier zurzeit des Tumultes weder im Wortlaut noch dem Inhalt nach bekannt. Man wußte nicht einmal, daß es sich um einen Aufsatz über die Volksstimmung in England handelte. Erst am Tage nach dem Tumult hat Dr. Tille den Aufsatz in englischer Uebersetzung durch einen Kollegen im Glasgow Herald wiedergeben lassen. Die Glasgow Evening News vom 26. Februar bemerken darüber wörtlich: Es steht kein Wort darin, das nicht bereits freimütig vom Daily Chronicle, vom Manchester Guardian, den Edinburgh News, dem Speaker und dem Labour Leader ausgesprochen worden wäre. Betrübend daran ist nur, daß der größte Teil davon auch noch wahr ist." Dasselbe Blatt fügt hinzu, die Angaben des Aufsatzes seien wunderbar maßvoll im Ton. Im Glasgow Herald vom 27. Februar erzählt ein Student offenherzig, die Studentenschaft habe persönlich nicht das mindeste gegen ihren deutschen Dozenten und habe vorher kaum gewußt, daß er sich irgendwie über den Krieg geäußert habe. Sie sei nur von einigen Deutschenhetzern aufgewiegelt worden, die er leicht mit Namen nennen könne. Ein solcher Hetzer behauptet im Glasgow Herald vom 26. Februar, in Deutschland werde jeder Fremde, der über­haupt eine Meinung äußere, von einem Offizier auf offener Straße niedergestochen. Aehnliche Räuberphantasien über deutsche Zustände finden sich täglich in der hiesigen Presse, werden von gebildeten Menschen weiter verbreitet und dienen natürlich nicht zur Förderung einer deutsch freundlichen Stimmung. Ueber die sofortige Niederlegung seiner Dozentur seitens Dr. Tilles herrscht das allgemeinste Erstaunen und Bedauern. Man findet es in schottischen Kreisen ganz un­begreiflich, wie er diesen Schritt thun konnte; denn man mißt diesen Tumulten hier eine sehr geringe Bedeutung bei. Bei der Installierung des jetzigen Universitätsrektors Story vor zwei Jahren verhinderten die Studenten mit Gewalt die gesamte Jn- stallierungSfeier, ohne daß dieUniversitätirgendwieeingeschritten wäre. Der davon Betroffene aber ist heute noch Rektor. Wenn sich britische Universitätslehrer von ihren Studenten das bieten lassen wollen, so ist das ihre Sache. Bei einem Deutschen liegen die Verhältnisse aber doch wesentlich anders. Da handelt es sich um eine nationale Ehrensache. In ihm wird zugleich seine Nation angegriffen. Augenblicklich werden von verschiedenen Seiten Versuche gemacht, Dr. Tille der hiesigen Universität zu erhalten. Bisher aber hat er, soweit bekannt ist, jeden solchen Versuch abgelehnt. Im Ausland wird der Zwischenfall, für den allein die Deutschen­hetze der Presse verantwortlich ist, bedauerlicherweise nur wieder dazu beitragen, die Stimmung gegen Großbritannien zu verschärfen, die ohnehin schon keine allzu freundliche ist. Dabei beklagt man sich hier über die geringe Teilnahme, die die deutsche Presse für Englands gegenwärtige kritische Lage zeige!"

Wie richtig übrigens Professor Tille gehandelt hat, indem er sein Amt niedergelegt hat, zeigt ein zweiter Vor­fall, bei dem nicht mehr Studenten, sondern Werftarbeiter dem von jenen gegebenen Beispiel der Deutschenhetze folgen. Vom 1. März wird aus London depeschiert:

Aus Glasgow wird gemeldet, vierhundert Ar­beiter der Clyde-Schiffswerfte, welche wegen des Ent­satzes von Ladysmith feierten, marschierten nachmittags, mit Spitzeisen und Schaufeln bewaffnet, nach der Uni­versität, und verlangten die Auslieferung Pro­fessor Tilles, um ihn ins Wasser zu werfen. Die Universitätsbehörden, sowie mehrere Professoren par- lamentierten mit den Arbeitern und versicherten, daß Tille sein Amt niedergelegt und Glasgow verlassen hätte. Der rohe Pöbel gab sich nicht mit der Erklärung zufxieden, zertrümmerte das Hauptthor der Universität, und richtete noch weiteren Schaden an. Die Tumul­tuanten konnten aber noch vor der Ankunft der Polizei entwischen.

Wenn sich solchen empörenden Vorgängen gegenüber die englische Presse noch über die unfreundliche Haltung des deutschen Volkes beklagt, so ist das nur eine neue Ab­art der englischen Heuchelei. DaS deutsche Gefühl für Recht

und Gerechtigkeit wird stets Front machen gegen eine Na, tion, die für eine Gruppe von Spekulanten fremde Volks' rechte durch ihre Söldner bekämpfen läßt, und deren an­gemaßte Kulturmission im Zeichen des Knüppels, des Rowdys und Gassenhelden steht. England ist es heute nicht mehr wert, daß deutsche Gelehrte ihre Thätigkeit der Ausbildung seiner studierenden Jugend^widmen.

Sechste

ordentliche evangelische Landessynode.

Darmstadt, 3. Mürz^l900.

Eröffnung der Sitzung 9 Uhr vorm.

Oberkonsistorialpräsident Buchner schildert in An­knüpfung seiner vorgestrigen Mitteilung der Erklärung Großh. Ministeriums des Innern, daß die Erhöhung des Staatsbeitrags für die nächstfolgenden Jahre den Betrag von 70 000 Mk. voraussichtlich nicht würde übersteigen können, die zwischen Oberkonsistorium und Staatsmini­sterium vorher gepflogenen Verhandlungen. Die erstere Behörde habe im Laufe der letzten Monate Kenntnis er­halten, daß man die Wünsche der Synode und des Ober­konsistoriums nach Erhöhung der Pfarrgehalte durch weitere Staatsbeiträge vielfach als absonderlich auffasse. Um den Nachweis zu liefern, daß diesen Wünschen nichts Absonder­liches anhafte, daß vielmehr überall in deutschen Ländern eine wenn auch nicht juristische, Verpflichtung des Staates, die Gehalte der Geistlichen aufzubessern, anerkannt werde, habe sich das Oberkonsistorium an verschiedene Kirchenregierungen (Preußen, Württemberg, Baden, Sachsen, Sachsen-Weimar) gewandt und um ziffernmäßige Angaben gebeten, welche auf Grund der Vorwärtsbewegung in der Gehaltsaufbesserung der Beamten für die Gehaltserhöhung der Geistlichen aus Staatsmitteln bewilligt worden seien. Es habe sich er­geben, daß in diesen sämtlichen Staaten mit gemischter konfessioneller Bevölkerung die betr. Regierungen Zuschüsse zur Erhöhung der Pfarrgehalte bewilligt hätten, die aller- wärts als zu niedrig betrachtet würden. Man habe zahlen­mäßig hieraus nachgewiesen, daß eine Erhöhung des Staats­zuschusses erfolgen müsse, wenn die in den anderen Staaten bestehenden Verhältnisse erreicht werden sollten. Während das Oberkonsistorium bei seinen Vergleichen nur die Auf­besserung der letzten Jahre zu Grunde gelegt habe, habe das Ministerium auf alle Bewilligungen früherer Zeit zu­rückgegriffen. Das Oberkonsistorium habe in seinem letzten Schreiben auf die Irrigkeit dieser Auffassung hingewiesen, und erklärt, daß die von dem Ministerium zur Begründung seiner Auffassung herangezogenen Beträge nicht als frei­willige Leistungen des Staates zu Gunsten der Kirchen in Betracht kommen könnten. Dieses Schreiben habe sich mit der jüngst verlesenen Entschließung Großh. Ministeriums gekreuzt. Er gebe die Hoffnung nicht auf, daß das Mini­sterium doch noch von seiner Stellung abgehen, und bei Besserung der Finanzlage einen höheren Betrag als 70000 Mk. einstellen werde.

Präsident Dr. Weber dankt namens der Synode für die ausführlichen Mitteilungen.

Die Vorlage betr. die geistliche Wittwenkasse wird in zweiter Lesung angenommen, und hierauf zur zweiten Lesung der Vorlage, betr. Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben geschritten.

Ein Antrag Eck-Offenbach, zu Position 6 der Aus­gaben die die ursprüngliche Vorlage Großh. Oberkonsisto­riums, die eine Wohnungsvergütung von 800 Mk. für einen Professor am Friedberger Seminar vorgesehen hatte, wieder herzustellen, wird abgelehnt, nachdem das Kirchenregiment erklärt hatte, daß die zuerst vorgesehene Erhöhung von 500 Mk. auf 800 Mk. einer falschen Auffassung der Ver­hältnisse entsprungen war.

Ein zu pos 14 der Ausgaben, Studienunterstütz­ung von Synodalem Stamm-Gießen eingebrachter Antrag, das Oberkonsistorium zu ersuchen, dafür Sorge tragen zu wollen, daß ein Teil der aus dem Unterstützungsfond zu entnehmenden Stipendien in Zukunft an wissenschaftliche Leistungen geknüpft werde, wird angenommen.

Ein Antrag des Synodalen Kl ein-Mainz, der von vielen Synodalen mitunterschrieben ist, bezweckt Wahl eines Ausschusses aus der Mitte der Synodalen, der be­auftragt werde, eine Denkschrift abzufassen, in der alle Gesichtspunkte materieller und idealer Natur niedergelegt werden sollen, die eine Erhöhung des Staatsbeitrags recht­fertigen und begründen. Zugleich sollen alle Pfarreien des Großherzogtums angewiesen werden, einschlägige Unter­suchungen anzustellen, insbesondere darüber, welche Beträge aus kirchlichen Mitteln zu nicht kirchlichen Zwecken ver-