Dienstag den 6. März
MSes Blatt.
1900
M. 54
Zlints- und Anzeigeblatt fflt den Areis Gieren
iS.
tien, sehr
UM
*
au.
>nto,»-an'
utigtich, kräftigen.
Ifonenj:
W
ZZezugsprei» vrrrteljahrl. Ml. 2,26 monatlich 75 Psg. mit Bringerlohn; durch die Abholestellc, Vierteljahr!. Mk. 1,96 monatlich 65 Psg.
Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl mit Bestellgeld
’2en.
ien
L
10 Pt 70 ,
t, ab Bei.
L hm eckend
Alle Anzeigen-BermittlungSstellm btS An- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg
RfMtiM, Expedition und Druckerei:
Ich.kßraße Kr. 7.
JO, 'pe und lut und
M, eiU'Fadril.
;inzelbe«t«1W
iltersf^Lj
Gratisbeilage«: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde.__________________
Adrrff« für Depeschen: Anzeiger OießtL, Fernsprecher Nr. 51.
Bord des Dampfers Doris untergebracht worden. Bor einer Abfahrt aus Modder River ersuchte Cronje den hn begleitenden General Pretyman, telegraphisch einen Dank für die vortreffliche Behandlung, rie ihm und seinen Truppen zuteil geworden, der Königin auszudrücken. Die übrigen 4000 Ge- angenen sind bei Modder River untergebracht worden.
Der Kommandant Wolmarans hat den ihn begleitenden Offizier ebenfalls ersucht, seinen Dank auszudrücken für die gute Behandlung der gefangenen Buren.
Berlin, 5. März. Das „Kl. Journ." meldet aus Brüssel: Die Vereinigung der gesamten Burenstreitmacht im Oranje-Freistaat ist vollendet. 5000 Buren okkupierten die Makaws Hügel gegenüber dem Lager des Marschalls Roberts. Die Stellung der Buren ist ausgezeichnet. Nach einem Telegramm aus London wollen die „Central-News wissen, daß die Engländer den Hundertpsünder der Buren vor Ladysmith erbeuteten.
♦ Vom Kriegsschauplatz.
London, 4. März. Nach einer Depesche aus Simons- town kam Cronje, begleitet von seiner Gattin, seinem Enkel und zwei Offizieren, am Freitag dort an. Eine Wache von der Kapgarnison, Artillerie und vom Flottenkontingent war ausgestellt, ihn zu empfangen. Nur wenige Einwohner waren beim Bahnhof, und eS fand keine Demonstration statt. Cronje sah sehr deprimiert aus. Die Gesellschaft wurde sofort unter Eskorte an Bord des Kriegsschiffes „DoriS" gebracht.
Loudon, 4. März. Hier geht das Gerücht, daß augenblicklich ein Treffen zwischen den Truppen Roberts und den Burenabteilungen unter Befehl der Kommandanten De Wet und De la Rey im Gange ist. Die Buren bedrohten schon seit gestern die Flanken der englischen Stellung bei Ostfontein durch Plänkeleien. Man ist überzeugt, daß es Roberts mit einer gewaltigen Burenstreitmacht zu thun hat, da das Gros der Armee Jouberts seit vorgestern durch die Pässe Natals jenseits der Grenze zurückgeführt ist.
Berlin, 3. März. Vom Kriegsschauplätze wird heute nach London telegraphiert: Es verlautet, die Burentruppen, welche sich östlich von Roberts befänden, ständen unter dem vereinbart enKommando von Botha, De la Rey und De Wet. Sie erwarteten weitere Verstärkungen aus Natal, möglicherweise unter dem Befehle des Generals Joubert.
Den „Central News" wird aus Rensburg vom Freitagfrüh gemeldet: Die Buren haben sich jetzt noch weiter zurückgezogen. Unsere Vortruppe hat Achtertang besetzt. Der Feind verschanzt sich bei Norvalspont, wo er zu kämpfen beabsichtigt.
Einem Londoner Telegramm des „Berl. Lok.Anz." zufolge wurden am Majubatage in der ganzen Transvaalrepublik Dank- und Bittgottesdienste abgehalten. Präsident Krüger sprach in der holländischen Kirche vor einer ungeheuren Gemeinde. Er sagte, noch bedeckten dunkle Wolken das Land, aber das Vertrauen auf den Allmächtigen und die Gerechtigkeit der Sache würden das verbündete Heer zum Siege führen.
„Daily Mail" melden aus Kapstadt: Oberrichter de Villiers, sowie Hofmeyer und Dr. te Water werden nach England gehen, angeblich in Privatangelegenheiten, doch chatsächlich, um die Ansichten des Afrikanderbonds über den
Telegramme des „Gießener Anzeiger".
Loudon, 5. März. Aus Rensburg wird vom 3. März berichtet, daß die englischen Späher bis auf zwei Meilen vor Norvalspont gelangt sind. Sie berichten, daß alle Buren den Oranje-River überschritten haben mit Ausnahme eines kleinen Kommandos von 200 Mann. Die starke Brücke ist unbeschädigt, die Eisenbahn nach Colesberg frei.
Bonbon, 5. März. Ein Telegramm aus Dordrecht vom 4. März 5 Uhr abends berichtet, daß die Division des Generals Brabant die verlassenen Stellungen des Feindes eingenommen haben, nachdem er denselben heftig mit Geschützfeuer bombardiert hatte. Ein Versuch der Buren, die verlassenen Stellungen wieder zu erobern, scheiterte. Die Engländer verloren etwa 20 Mann.
London, 5. März. Nach einer Meldung aus Kapstadt ist Cecil Rhodes gestern daselbst eingetroffen und wird sich am Mittwoch nach England einschiffen.
London, 5. März. General Clements berichtet, daß seine Avantgarde sich Achtertangs bemächtigt hat und daß die Eisenbahn-Verbindungen wiederhergestellt sind. Der Feind steht immer noch vor Norwalpont. — General Gatacre teilt mit, daß die Zahl der bei Stormberg versammelten Buren abnimmt.
London, 5. März. „Morning Post" berichtet aus Mafeking, daß am 15. Februar in der Stadt alles gut ging. Der Feind gebe sich zwar große Mühe, die Garnison zu überraschen, alle seine Pläne scheitern jedoch an der Wachsamkeit unserer Truppen. Die Lage habe sich nur insofern geändert, als die Weideplätze unter den letzten Regengüssen bedeutend gelitten haben.
London, 5. März. Das Kriegsamt hat spät nachts von Lord Roberts folgendes Telegramm erhalten: Ostfontein, 4. März, 11 Uhr 20 Minuten vormittags: General Cronje und sein Gefolge sind am 2. März an
künftigen Friedensschluß dem englischen Volk und Parlament zu unterbreiten.
Dem „Berl. Tgbl." wird aus London telegraphiert, daß der Korrespondent des„Chronicle" erzähle, die Frauen im Lager CronjeS hätten außerordentlichen Mut gezeigt, und während des furchtbaren Bombardements Hymnen gesungen. Nach den Erzählungen Gefangener hätten die Burgher sich schon acht Tage früher ergeben wollen, doch soll Cronje sich geweigert haben, und acht Burgher, welche remonstrieten, als warnendes Beispiel haben erschießen lassen. Die Gefangenen sollen im Glauben erhalten worden sein, daß, wenn sie in englische Hände fielen, sie erschaffen würden.
Nach einem Londoner Telegramm der „Voss. Ztg." hat der Vorstoß bei Bloemfontein bereits begonnen. Das englische Hauptquartier ist nach Osfontein verlegt worden. Unweit des englischen Lagers ist ein starkes Burenkorps aufgetaucht, das heute noch angegriffen werden dürfte.
Berlin, 4. März. DaS „Berl. Tgbl." meldet aus Brüssel: Die Konzentrierung der gesamten Burenstreitmacht im Oranje-Freistaate nimmt einen guten Fortgang und dürfte jetzt schon vollzogen sein. Hier wird die Depesche Bullers, welche von einer gänzlichen Niederlage der Buren bei Ladysmith spricht, für durchaus falsch angesehen; von einer Niederlage kann gar nicht die Rede sein, weil kein Kampf stattfand. Die Buren räumten einfach in bester Ordnung die Stellung, welche angesichts der Vorgänge im Oranje-Freistaate unhaltbar geworden war. Die Gesandtschaft des Oranje- Freistaates in Amsterdam bemerkt, daß die Kapitulation Cronjes keineswegs als eine entscheidende Kalamität, sondern nur als eine Episode betrachtet werden könne, wie sie jeder Krieg mit sich bringt.
Hamburg, 4. März. In Privatbriefen aus Transvaal wird die Zahl der Anfang Januar im Felde befindlichen Buren ungefähr auf 45 000 angegeben. Das Jnformations-Departement beider Republiken hat jedem im Felde stehenden Kämpfer eine Signalementskarte ausgestellt. Bis zum 15. Januar waren 46 500 solcher Karten ausgegeben worden.
Marseille, 4. März. Der deutsche Dampfer „Bundesrat" ist hier eingetroffen. Der Kapitän erzählt, daß der Schadenersatz, welchen seine Gesellschaft wegen der Beschlagnahme verlangt, eine Million beträgt. Bezüglich der Fortführung des Krieges äußerte der Kapitän, die vereinigten Republiken verfügen noch über sehr bedeu-
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
,er 0ar-R=batt'
.. Garantie'
K.-“• ermie‘en’
tr(«ehd U«n» ■hi tulMbmt des
Ätnkig».
Die GNßener MOWttteNötLtter txttai dem Anzeiger hm Wechsel mit „Hess Mnfcwirt* ■- „Blätter Mr Hess Volkskunde" mSchtl. 4 m«U beigelegt.
Deutscher Reichstag.
169. Sitzung vom 3. Marz. 1 Uhr.
Fortsetzung der Etatberatung, Etat der Zölle und Verbrauchssteuern, zunächst derjenigen der Zölle.
Hier beantragt die Kommission eine Resolution zugunsten der Aushebung der für Schiffs - AuSrüstungs - Gegenstände bestehendm
Speck (Zentr.) befplicht d-S neue Regulativ für AuS- iubr-Beraünstigungen bei Mühlenfabrckaten, beklagt die an Spanien gewährte Meistbegünstigung, und empfiehlt lebhaft die Resolution der Romnüffton.®^ Schwerin-Löwitz (kons.) ist von dem neuen Mühlen Regulativ und deffen Wirkungen sehr befriedigt. Dasselbe werde allen irgendwie berechtigten Forderungen gerecht. Redner wünscht völlige Aushebung der Mühlen - Konten oder gemischten ^Abg^Brö mel (frs. Vg.) nimmt die Transitläger in Schutz, so- öi< bk Einrichtung der Zollkredite, und bekämpft alsdann die Resolution der Kommission. Redner ermahnt den Reichstag, einen derartigen Vorschlag reiflich zu überlegen. Er bittet dringend, daS Hau» möge die Resolution ablehnen. t m ,,„e
Abg. v. Ravborff (Rp.) sucht nachzuweisen, daß die Beschas- iiüuna der Werften heute eine Seit größere fei als 1879, und deshalb fSrine sehr wohl die Zollfreiheit für Schiffsausrüstungs-Gegenstände fallen, und wendet sich dann scharf gegen die Regierung in der Frage der Mühlen-Konten. .
Abg. o. Wangenhetm (kons.) konstatiert, daß der Staatssekretär auf Anfrage seiner Partei wegen der Transiiläger nicht ge» eMwortet habe.
Staatssekretär Thielmann erwidert, er könne keine andere Antwort geben, wie im Vorjahre.
Der Titel wird bewilligt.,
Die Abstimmung über die Resolution wird bi« zur dritten Üesung vertagt. „ „
Es folgt der Titel Zuckersteuer. ,
qu demselben beantragt die Kommission eine Resolution, betreffend den Verkauf künstlicher Süßstoffe nur in Apotheken und nur aus ärztliche Anordnung. , e
Aus eine Anfrage erklärt brr Staatssekretär Thielmann, daß die Verhandlungen mit Amerika bezüglich der Beh-ndluna des deutschen Zuckers deutscherseits mit allem Nachdruck geführt würden, so lange, bis dem deutschen Zucker sein Recht werde.
Nach kurzer Debatte wird die Abstimmung über die Resolution bis zur dritten Lesung ausgesetzt
Der Etat der Stempelabgaben wird genehmigt.
Dienstag 1 Uhr: Zweite Lesung der Vorlage, betreffend die Konsular-GcrichtSbarkett im AuSlande, und Petitionen.
Schluß nach 6 Uhr.
Deutsches Wich.
Berlin, 4. März. Die Beratung der Flotten-- vorlage in der Budgetkommision des Reichstages wird, wie man in Kommissionskreisen annimmt, in etwa zwei Wochen ihren Anfang nehmen.
— Von angeblich unterrichteter Seite erfährt der „Lok.-Anz.", daß die durch die englischen Blätter laufende Nachricht, der Kaiser habe die Engländer zu ihren Waffenerfolgen in Südafrika telegraphisch beglückwünscht, durchaus unbegründet ist. Der Kaiser habe weder an die Königin von England, noch an irgend jemanden sonst in England eine solche Gratulations- depesche gerichtet.
— Das sozialdemokratische Centralwahlkomitö von Calbe-Aschersleben beabsichtigt, einen Wahlprotest gegen die Wahl des Herrn Placke einzureichen. Die bisher bekannt gewordenen Ungesetzlichkeiten und Beeinflussungen seien so zahlreich, daß sie voraussichtlich zu einer Kassierung der Wahl Plackes führen würden; namentlich sollen, nach dem „Vorwärts", in den Kriegervereinen Drohungen und Beeinflussungen ganz krasser Art vorgekommen sein.
Berlin, 4. März. Eine imposante Kundgebung hatte heute mittag zahlreiche Künstler, Schriftsteller, Gelehrte und Politiker freiheitlicher Richtung, zusammen etwa 2000 Personen, nach dem Handwerkersaal in der Sophienstraße gerufen. Man bemerkte, u. a. Professor Reinhold Begas, Max Liebermann, den greisen Forscher Mommsen, Eberlein, Hermann Sudermann, Hermann Rissen, die Reichstagsabgeordneten Dr. Barth, Schrader, Rickert, Müller-Meiningen, ferner Ernst Wildenbruch und Ernst Wichert. ReserategegendieLexHeinze hielten Abgeordneter Schrader, Professor Eberlein, Rissen und Sudermann. Zunächst ergriff der Reichstagsabgeordnete Karl Schrader das Wort, der die Vorlage vom Rechts- standpunlte aus behandelte. Er führte aus, daß die im jetzigen Gesetz vorhandenen Strafbestimmungen vollständig ausreichten. Wenn die „Lex Heinze" Gesetz werde, sei keine , Gewähr, daß die Auslegungsfähigkeit, die das neue Gesetz biete, das Maß innehalten würde. Theater und freie Künste würden so sehr geschädigt, daß man entschieden Protest erheben müsse. Alsdann sprach Professor Eberlein für die schaffende tfunft, Bildhauer und Maler. Die Künstler protestierten dagegen, daß ihre Werkstatt der Willkür der Polizei ausgeliefert werde, die weit abseits der Kunst stehe, und der das Verständnis für die Kunst fehle. Die Bildhauer setzten ihre Hoffnung auf den genialen, kunstsinnigen deutschen Kaiser. Hermann Rissen, Vorsitzender der deutschen Bühnengenossenschaft, erhob namens der Schauspieler Protest, daß man dieselben mit dem Kuppelparagraphen und dem Zuhältertum in einen Topf werfen wolle. DaL neue Gesetz sei nicht allein für das Volk, sondern auch für dessen Führer beschämend. Hermann Sudermann, welcher beim Erscheinen minutenlang stürmisch durch Händeklatschen ünd Hochrufe begrüßt wurde, spracht für die Dichter und Dramatiker. Gerade die deutschen Dichter und namentlich Werke wie „Die Weber", „Die Jugend", „Die Haubenlerche" seien es, die getroffen würden mit der „Lex- Heinze", durch die man den Kampf gegen die moderne Zeit führe. Die Künstler müßten sich aufraffen und nicht ruhen, bis man aufhöre, gegen die deutsche Kunst und gegen tue deutsche Litteratur mit dem Kuppelparagraphen anzukämpfen. Reichtagsabgeordneter Müller-Meintngen versprach, im Reichstage im Verein mit den liberalen Abgeordneten alle Hebel in Bewegung zu setzen, nm die Vorlage zu Fall zu bringen. Zum Schluß gelangte folgende Resolution zur einstimmigen Annahme: Versamm
lung protestiert entschieden gegen die vom Reichstag^ beschlossenen, äußerst dehnbaren, der verschiedensten Auslegungen fähigen, für ein großes Kulturvolk demütigend n
Mahr!
Epaliucn, SB# Fach
enbeln^
billig
titoNtw
T*% erscheinenden Rümmer bt8 vorm. 10 Uhr. Umstellungen spätestens ebewM vorher.
tenbe Machtmittel.
*


