Ausgabe 
5.9.1900 Zweites Blatt
 
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Servelatwurst rc. mitgenommen. Möller zeigte dem Kauf­mann in Gegenwart des unbekannten Begleiters mehrere Zwanzig- und Zehnmarkstücke und ließ sich ein Zwanzig­markstück wechseln. Möller bemerkte, daß er die Goldstücke in seine Heimat senden werde, um damit seiner verstorbenen Frau einen Grabstein setzen zu lassen; auch ließ sich Möller von dem Kaufmann Walther eine Postkarte an seinen letzten Arbeitgeber in Hattersheim schreiben. Gleich nach Bekannt­werden des Namens durch daS staatsanwaltliche Ausschreiben, machte Walther Anzeige bei der Frankfurter Polizei, die der hiestgen Polizeibehörde darüber weiter berichtete. Die Leiche Möllers wies nach einer Untersuchung auf der hiesigen Anatomie 17 Schädelsprünge auf. Der Mord geschah, wie sich jetzt herausgestellt hat, nicht im Kloppenheimer Wäldchen, sondern in dessen Nähe, die Leiche wurde nach der That dorthin geschleift.

** Ein Heiratskandidat mit wunderbaren Augen. In Nr. 35 desManufakturist" vom 1. September finden wir folgendes Inserat:

Ein hübscher, junger Kaufmann (eogl.), mit wunderbaren Augen, sucht junge Dame, am liebsten Jüdin, im Alter von 1724 Jahren, mit größerem Vermögen, da Suchender sich selbständig machen will. Fr.-Offerten mit Photographie und Vermögensangabe unter A. T. 8984 an die Exped. ds. Bl. Diskretion Ehrensache.

Wir wünschen dem thörichten Jüngling eine verständige Frau, die ihm seinewunderbaren" Augen gründlich und energisch öffnet.

X Lich, 3. September. Gestern wurde hier das Jugend fest gefeiert. Infolge deS am Samstag nieder­gegangenen Regens war das Wetter kühl, ein frischer Wind blies, hielt aber den Himmel bis gegen Abend heiter. Kurz nach dem Schluß des Nachmittagsgottesdienstes stellte sich der Festzug vor dem Rathause aus. Außer den Schülern sämtlicher Volksschulklassen nahmen die Vereine, darunter auch die Damenriege des Turnvereins daran teil. Allge­mein bedauert wurde, daß die Schüler der Präparanden­anstalt an dem Zuge nicht beteiligt waren. Unter den Klängen der Licher Kapelle bewegte sich dann der Zug durch die Stadt nach dem nahegelegenen Hardberge. Hier hielt Lehrer Alt die Festrede. Nach dem begeistert aufgenom­menen Hoch auf Kaiser und Großherzog wurde:Deutsch­land, Deutschland über alles gesungen, dann zerstreuten sich die Festteilnehmer über den Festplatz. Wer ein schönes Volksfest im eigentlichsten Sinne gerne sieht, hätte sich an dem fröhlichen Treiben ergötzen können, hier Gruppen spielender Kinder, dicht umstellt von einer Menge Schau­lustiger, dort eine stattliche Anzahl derer, die das Tanzbein zu seinem Rechte kommen lassen, hier frische Turnerinnen, die durch kunstvoll geschlungene Reigen das Auge des Ken­ners erfreuen, und überall fröhliche Zecher an langen Tischen im Schatten breitästiger Eichen und Linden. Sämt­liche Spiele wurden schön ausgeführt, doch am meisten er­regte das Rennen mit Schubkaren Schaulust und Heiterkeit. Ernstlich angestrengt haben sich die Knaben, galt es doch um dieMeisterschaft von Lich". Der erste Reccord ist nun geschaffen, der Sieger erhielt als Preis «ine Touristentasche. Hier und da gab es auch wohl Ver­druß, namentlich wenn der Karren so störrisch war, nicht über die Hinderniffe zu springen, und trotz aller Stöße und Püffe nicht wankte und nicht wich. Die große Zahl der Festteilnehmer auch von außerhalb bewies am besten wie willkommen eine solche Feier in unserer Gemeinde ist.

Butzbach, 3. September. DieB. Ztg." veröffentlicht folgendes Schreiben:

An die Einwohnerschaft Butzbachs!

Mit dem 1. September habe ich das Ehrenamt eines Bürger­meisters der Stadt Butzbach, welches ich 10 Jahre verwaltet hatte, ntedergelegt, und ich danke allen denjenigen, die mir in diesem Zeit­räume und auch noch im vorigen Jahre bet meiner Neuwahl einen Beweis ihrer Anerkennung für meine Bemühung, meiner Vaterstadt nützlich zu fein, gegeben haben. Die Verhältnisse liegen hier so, wie nur zu bekannt und der von meinen Gegnern mit solcher Gehässig­keit geführte Bürgermeisterwahlkampf gezeigt hat, daß ein allen Angehörigen der Gemeinde Nutzen bringendes fort­schrittliches Wirken mir zukünftig nicht so möglich sein wird, wie es für mich Bedürfnis ist. Ich hoffe meiner Vaterstadt und meinem Landtagswahlbezirk noch den Beweis liefern zu können, baß man auch ohne das aufreibende Amt eines Bürgermeister- von Butz­bach die vornehmen Interessen der Allgemeinheit heben kann, und b-tte sowohl meine Freunde und Wähler der Stadt als der Um­gegend, zu mir das Vertrauen zu haben, daß ich nach besten Kräften für sie weiter thätig fein werde.

Wilhelm Joutz, Landtags- und KreiLtagsmitglied.

d. Friedberg, 2. September. Wie alljährlich, so wurde such heute wieder mit der Sedan feier ein Jugend fest verbunden, das sich zu einem rechten Volksfeste gestaltete.

bewegte sich ein stattlicher Festzug vom Mamzer-Thor über die reichbeflaggte Kaiserstraße nach der Burg zu. Boran marschierte die gesamte hiesige Jugend. Außer den Volks, und Realschülern, sowie den Semina- risten, nahmen in diesem Jahre zum erstenmale auch die Gymnasiasten teil. Sämtliche hiesige Vereine und Klubs waren im Festzuge vertreten, der sich nach der städtischen Seewiese bewegte. In der Festrede wurde der Bedeutung des Tages gedacht, und die Jugend zu Vaterlandsliebe und Opfermut aufgefordert. Nachdem patriotische Lieder ge­sungen waren, entwickelte sich ein munteres Treiben auf dem Festplatze. Den Erwachsenen sorgte eine gut geschulte Mufik-Kapelle für Unterhaltung; doch zog Viele das fröh­liche Spiel unserer Jugend mehr an, die sich auf dem Rasen tummelte. Ueberall standen die Schüler in Klassen und nach Geschlechtern geordnet im Kreis oder in Vierer­reihen und führten Reigen oder Bewegungsspiele auf. Auch Volkswettübungen mit Preisverteilung fanden unter den Kindern statt. Am meisten zogen wohl die schönen Reigen, welche die obersten Mädchenklassen aufführten, die Zuschauer an. Nach den Spielen wurden die Kinder reichlich bewirtet.

+ Grunberg, 3. September. Wie schon seit Jahren üblich, wurde auch diesmal wieder der Sedantag in !i"^rer Stadt als Jugend- und Volksfest gefeiert. >um 2 Uhr bewegte sich gestern mittag der aus der Schul­

jugend und den Vereinen der Stadt gebildete stattliche Fest­zug unter Vorantritt des Musikvereins vom neuen Schul­hause aus durch die beflaggten Hauptstraßen der Stadt nach dem Festplatze an der Gießener Straße. Hier hielt Rektor Dr. Busch nach dem gemeinschaftlichen Gesang des Liedes Deutschland, Deutschland über Alles" die von patriotischem Geist getragene Festrede. Die eindrucksvolle Rede schloß mit einem begeistert ausgenommenen Hoch auf unseren all- verehrten Kaiser, worauf dann unter MusikbegleitungHeil dir im Siegerkranz" gesungen wurde. Auf dem schattigen Festplatze entwickelte sich bald reges, munteres Treiben. Die Jugend, welche sich durch gemeinschaftliche Spiele ergötzte, wurde später mit Bretzeln beschenkt, während die Alten den trefflichen Vorträgen des Musik- und Gesangvereins lauschten. Gegen 6 Uhr ordnete sich der Zug wieder zum Rückmarsch nach der Stadt. Auf dem Marktplatze gedachte Lehrer Laub er noch in patriotischer Ansprache unseres geliebten Landesfürsten, der sich als treuer Bundesgenosse des Kaisers erwiesen und dessen Sinnen und Trachten stets darauf ge­richtet sei, das Wohl seiner Unterthanen zu fördern. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Großherzog Ernst Ludwig und dem Gesang vonHeil unserm Fürsten, Heil" war die in jeder Hinsicht schön und würdig verlaufene Feier beendigt.

! Laubach, 2. September. Die für heute in unserer Stadt geplante Sedanseier fiel wegen des Ablebens des Grafen Friedrich aus.

Lehrerheim Vogelsberg, 3. September. Die diesjährige Hauptversammlung findet Samstag den 6. Oktober zu Frankfurt statt. Lokal und Tagesstunden werden noch bekannt gegeben. Vorläufige Festsetzung der Tages­ordnung: 1. Jahresbericht, 2. Rechnungsablage, 3. Be­ratung über Ausgabe von Anteilscheinen für das Lehrer­heim, 4. Beratung über einen dem Bürgerlichen Gesetzbuch angepaßten Satzungsentwurf, 5. Beschlußfassung über An­träge, 6. Verschiedenes, 7. Borstandswahl.

Darmstadt, 3. September. Der Großherzog reist heute mittag zur Jagd nach dem Viernheimer Walde und wird von da morgen abend hierher zurückkehren. Am Mitt­woch wird sich der Großherzog zur Beisetzungsfeier nach Laubach begeben. In den Tagen um den 14, September wird der Großherzog aus Anlaß der Manöver in Limburg Wohnung nehmen. Das 2. Batailon des 6. und die 9. Kompagnie des 4. ostasiatischen Infanterie-Re­giments trafen 1% Uljr vom UebungSplatze in Griesheim hier ein und traten die Abreise nach Bremerhaven um 3 Uhr mit Extrazug an. Vor der Abreise brachte der Bataillonskommandeur Major Lidl auf den Großherzog, der erste Vorsitzende der Kampsgenossenschaft Darmstadt auf die abreisenden Kameraden ein Hoch aus. DaS Osfizier- korps der Garnison war beim Abschied anwesend. Vor dem Bahnhof konzertierten die Kapellen des 117 und 118. Jn- fanterie-RegimentS und die Kapellen der beiden hessischen Dragoner-Regimenter. Die Abfahrt erfolgte unter brausen­den Hochrufen und Tücherschwenken einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge.

Darmstadt, 3. September. Die Großherzogin, die zurzeit noch bei ihrer Mutter auf Jagdschloß Oberhof bei Koburg weilt, wird am Freitag wieder von da zurückkehren und der gemeinsame Hofhalt alsdann wieder nach Jagd­schloß WolfSgarten verlegt werden.

Mainz, 2. September. Für den sozialdemo­kratischen Parteitag, der vom 16. bis 18. September hier tagt, werden jetzt schon große Vorbereitungen seitens der hiesigen Genossen getroffen. Die Festreden an dem Empfangsabend werden von Bebel und dem hessischen Land­tagsabgeordneten Dr. David gehalten werden. Der Kom­ponist Wendelin Weisheimer, ein Freund und großer An­hänger von Richard Wagner, hat für den Parteitag eine Neukomposition zu dem Herwegh'schen LiedeBet und arbeite" vom Stapel gelassen, dessen Chöre die hiesigen Genossen schon seit Wochen einstudieren. Nach einem Beschluß des in Gera abgehaltenen Verbandstags des Zentral­verbandes deutscher Uhrmacher wird der im Jahre 1903 abzuhaltende 10. Verbandstag, durch Einladung des Uhrmachers A. Ott aus Mainz, in Mainz abgehalten werden. Der in Gera abgehaltene Verbandstag hat u. a. beschloffen, an den Reichstag eine Eingabe zu richten mit dem Ersuchen, die Gewerbeordnung in der Weise umzu­ändern, daß auch das Verauktionieren und Hausieren mit Wanduhren in derselben Weise verboten sein soll, wie es schon mit den Taschenuhren der Fall ist.

Mainz, 3. September. Gestern abend sprang von der Rheinallee aus ein italienischer Arbeiter in den Floßhafen. Eine Stunde später wurde die Leiche des Lebens­müden geländet. Andere Italiener erklärten, daß ihr Kollege sich wegen Obdachlosigkeit ertränkt habe. In der Samstagnacht hat der Taglöhner Josef Rauch in der Rentengasse einem hiesigen Fuhrmann drei Messerstiche in den Kopf versetzt. Der Verletzte kam ins Rochushospital und der Thäter in Hast. Ein 82jähriger Landwirt aus Effenheim, der gestern hier auf Besuch weilte, wurde Plötz­lich in einer hiesigen Wirtschaft irrsinnig. Der alte Mann wurde von seinem Sohne ins Vincenz-Hospital ver­bracht.

** Kleine Mitteilungen aus Hesse» uud den Nachbarstaaten. Dem Postmeister Schröder von Herborn, der am 1. Oktober nach 50jähriger Dienstzeit in den Ruhestand treten will, ist der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen worden. In verflossener Woche hat ein ungnädiges Ge­schick über den Bergleuten deS Oberschelder Bezirks ge­waltet. Auf der GrubeNeue Lust" zerschlug ein nieder­gehendes Gesteinstück einem Bergmann aus Eiershausen das Rückgrat und auf der GrubePrinzkessel" zerschmet­terte ein herabfallender Stein einem Bergmann aus Eisen- ro th den Kopf, sodaß der Tod sofort eintrat. Ein anderer Bergmann aus Frohnhausen wurde gleichzeitig schwer

verletzt. Auch der Fürst v. Reuß j. L. ist aus Schleiz auf Schloß Braunfels eingetroffen.

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Vermischtes.

*ZweiFällevon So ldatentötungendurch Vorgesetzte werden heute gemeldet. In Koblenz erstach ein Unteroffizier des Telegraphen - Ba­taillons einen Gemeinen mit einem Brodmesser. Ter Mann starb bald daraus. Der TriesterPiccolo" mel­det aus Ratet am Karst bei Adelsberg: Als aus dem Rückmarsch von der Uebung ein Soldat nach von einem Leutnant eingeholter Erlaubnis Wasser trinken wollte, er­hielt er von einem Hauptmann einen Säbelhieb, auf den Kopf. Der Soldat starb bald darauf; er hinterläßt eine Witwe und drei Kinder. Der Hauptmann flüchtete, wurde jedoch in Laibach verhaftet.

* Der Gymnasiaste n mord in Könitz in West­preußen, der nun schon fast volle sechs Monate die Oefsent- lichkeit in Aufregung hält, wird am 8. September, in Form einer Anklage wegen Begünstigung, die Ferienstrafkammer des Konitzer Landgerichts beschäftigen. Der Botenmeister des Landgerichts, Fiedler, hatte der Behörde mitgeteilt: er habe am Eharfreitag vormittags gegen 10 Uhr den früheren Abdecker I s r a e l s k i mit einem Sack auf dem Rücken beim Landgericht Vorbeigehen sehen. Jsraelski, der in dem Sack einen runden Gegenstand trug, sei die Schützen­straße entlang, in die Gegend des Stadtwaldes gegangen. Rach etwa einer Stunde sei Jsraelski mit leerem Sack und schmutzigen Stiefeln zurückgekehrt, während er auf dem Hinwege saubere Stiefel hatte. Eine sofort bei Jsraelski vorgenommene Haussuchung hatte keinerlei Ergebnis. Jsraelski soll sich aber in Widersprüche verwickelt haben, auch soll seine Frau wesentlich andere Aussagen wie er gemacht haben. Jsraelski wurde deshalb unter dem Ver­dacht, den Kops des ermordeten Winter an die erwähnte Fundstelle geschasst, mithin den oder die Thäter nach der That begünstigt zu haben, um sie der Bestrafung zu ent­ziehen, verhaftet. Jsraelski bestreitet entschieden, mit dem Morde in irgend welcher Beziehung zu stehen und ebenso, am Eharfreitag .'mit einem Sack auf dem Rücken die Schützenstraße entlang nach dem Stadtwalde zu gegangen zu sein. Allein Fiedler hält seine Wahrnehmung mit voller Bestimmtheit aufrecht. Da dem Vernehmen nach die Fiedlersche Aussage von mehreren anderen Zeugen unterstützt wird, so wurde der von dem Verteidiger Js- raelskis gestellte Haftentlassungsantrag abgelehnt und die Anklage gegen ihn auf Grund des § 257 des Strafgesetz­buchs erhoben. Dieser Paragraph lautet:Wer nach Be­gehung eines Verbrechens oder Vergehens dem Thäter oder Teilnehmer wissentlich Beistand leistet, um ihn der Bestrafung zu entziehen oder um ihm die Vorteile des Verbrechens oder Vergehens zu sichern, ist wegen Be­günstigung mit Geldstrafe bis zu 600 Mark oder mit Ge­fängnis bis zu einem Jahre und, wenn er diesen Beistand seines Vorteils wegen leistet, mit Gefängnis zu bestrafen. Die Strafe darf jedoch, per Art oder dem Maße nach, keine schwerere sein, als die auf die Handlung selbst angedrohte. Die Begünstigung ist straflos, wenn sie dem Thäter oder Teilnehmer von einem Angehörigen gewährt worden ist, um ihn der Bestrafung zu entziehen. 'Die Begünstigung ist als Beihilfe zu bestrafen, wenn sie vor Begehung der That zugesagt worden ist. Diese Bestimmung findet auch auf Angehörige Anwendung". Jsraelski,ist 1848 zu Lichnau bei Könitz geboren, jüdischer Religion und wegen Dieb­stahls, Unterschlagung und Bedrohung bestraft. Er ist verheiratet und Vater von sechs, zum Teil schon er­wachsenen Kindern. Er soll früher auf einem Dorfe bei Könitz eine Schankwirtschaft betrieben haben. In dieser soll Fiedler, als er noch Exekutor war, viel verkehrt haben, so daß ihm, wie er behauptet, Jsraelski genau bekannt sei. Jsraelski ist ein durch hen Trunk vollständig herunter­gekommener Mann. Er mußte deshalb seine Gastwirt­schaft aufgeben. Später wurde er Abdecker. Allein der Schnapsgenuß zwang ihn schließlich, auch diese Thätigkeit einzustellen, so daß er von öffentlicher Unterstützung und von dem geringen Verdienst lebte, den seine sehr fleißige und ordentliche Frau und seine sich ebenfalls des besten Rufes erfreuenden Kinder erwarben. Jsraelski stand, ehe er verhaftet wurde, in Könitz auf der öffentlichen Säufer­liste. Er behauptet: er habe niemals Stiefel, sondern nur immer aus Bändern hergestellte Schuhe getragen. Da er sehr schlecht zu Fuß sei, könne er gar nicht den weiten Weg binnen einer Stunde zurückgelegt haben. Es sind bisher von der Staatsanwaltschaft 19, von der Vertei­digung 10 Zeugen geladen. Die Anklage wird der Erste Staatsanwalt Dr. Settegast vertreten. Die Verteidigung haben Justizrat Dr. v. Gordon (Berlin) und Rechtsanwalt Maschke (Könitz) übernommen.

* Glasgow, 3. September. Am letzten Samstag fand man in einem Hause, dicht an der pest verseuchten Straße, dessen Bewohner seit Montag nicht gesehen wur­den, nach Erbrechung der Hausthür ein junges Mädchen tot und die Mutter im Fieberdelirium. Letztere erklärte, ihre Tochter, die der Leichenwache bei der an der Pest gestorbenen Frau eines Quai-Arbeiters beigewohnt hatte, sei bereits am Donnerstag gestorben, sie selbst sei zu krank gewesen, um Hilfe herbeizurufen. Die Leiche ist bereits so verwest, daß die Feststellung der Todesursache bisher unmöglich war. Mehrere Personen wurden deshalb unter Beobachtung gestellt, im ganzen 93.

* Wien, 3. September. Der Dragoner-Oberleutnant Millanich ist bei dem Offiziersrennen zu Stettel- dorf so unglücklich gestürzt, daß er seinen Verletzungen erlag.

* Ein neuer Konitzer Mord. In Könitz in Mähren (nicht an Westpreußen) wurde vor einigen Tagen die frühere Pfarrers köchin verhaftet, weil sie ihr uneheliches Kind ermordet hatte, dessen Vater, der Pfarrer, vor kurzem gestorben ist. DerNaprzod" bringt über diesen Fall folgenden Bericht: Dem Gen­darmeriepostenführer Helman in Könitz kamen Gerüchte zu Ohren, daß (der unlängst verstorbene) Pfarrer Navra til zwei Kinder, die seinem Verhältnis mit seiner Köchin Hrabal entsprossen waren, umgebracbt und im Garten vergraben habe. Der Gendarm stellte genaue Nach­forschungen an und erfuhr von den Leuten in der Nähe der Pfarre, daß der Pfarrer thatsächlich zMi Kinder bald