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5.8.1900 Zweites Blatt
 
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Sonntag den 5. August

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wn 181 Zweites Blatt

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Nrb0«( wee Anzeige« zu der ««chrnittagS für taa jrt|T^ leg «fcheineuden Nummer M »»nn. K) HK AWeßeLnngeu spitesten- **M >«N«-

Die Russen unter General Ssacharow haben die be­festigte Stadt Ssansin am Ssungari genommen. Diese Stadt liegt in einem kleinen, nicht tiefen Thal an dem Ein- fluß des Mutan in den Ssungari, etwa 370 Klm. von der Mündung des letzteren. Da außerdem der Fluß Kunho vorbeifließt, ist die Stadt von drei Seiten von Wasser um­geben. Eine Mauer umzieht nur einen kleinen Teil der Stadt auf eine Länge von 2i/2 Klm. (?) Die meisten Einwohner wohnen außerhalb der Stadtmauern. Die Gebäude be­ginnen unmittelbar am Ufer und liegen hier zerstreut. Die Hauptstraße wird, wie die Aufschrift über dem Triumph-

(Futudung.) ,

General Grodekow telegraphierte an den Kriegs- minister am 1. August aus ChaborowSki: Am 27. Juli lud General Sacharow den Kommandanten von Ssansin zu Unterhandlungen ein. Da dieser nicht erschien, nahmen die Truppen die nördliche und westliche Seite der Festung und bombardierten Ssansin am 28. Juli drei Stunden lang. Mittags durchschwammen die Kosaken den Fluß, attakierten die Stadt und vertrieben die Chinesen aus allen Punkten. Die Chinesen unterhielten eine starke Kanonade und hielten dell Angriff hartnäckig aus, bis die Infanterie eingriff, worauf sie flohen, Geschütze sowie eine Menge Gewehre und Patronen zurücklassend. Die Waffen waren unbrauchbar gemacht. Erbeutet wurden 2 2 Geschütze, darunter 14 Hotschkiß. Die Chinesen waren 4000 Mann stark und erlitten große Verluste. Die Bevölkerung flüchtete. Unsere Truppen haben sich brav gehalten. Beim Aufruf der Freiwilligen traten alle vor. Oberstleutnant Gornostajew wurde verwundet, einer ist tot, sechs verwundet.

Daily Telegraph" meldet aus Shanghai vom 1. August: Die chinesischen Truppen rücken beständig nördlich im Iangtsethale vor und dürften die Flanke der verbündeten Truppen angreisen.

Rüstungen.

Am Donnerstag nachmittag trafen Vertreter des Bremer Senats und der Direktion des Lloyd und der Ham-

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Der Gouverneur von Schantung telegraphierte heute an die Konsuln in T s ch i f u. Ein soeben eingegangenes Schreiben des Tsungli Damen vom 30. Juli besagt, daß die Gesandten und der deutsche Geschäfts- träger in Peking mit dem Stabe wohlbehalten und mit Lebensmitteln versehen seien. Es bestehe ein gegenseitiger fteundschastlicher Verkehr. Die Verhand­lungen wegen desAbzugs der Gesandten nach Tientsin unter Schutz zu zeitweiligem Aufenthalt daselbst seien dem Abschluffe nahe.

Standard" meldet aus Tientsin vom 26. Jun, daß die Unruhen sich im Norden von Kwantung auSbreiten. Die Berliner Mission in Namon ist von Pöbelhausen zerstört worden.

Rußland und die Mandschurei.

Aufschriften; eS herrscht dort das gewöhnliche lebhafte chinesische Treiben. Die Einwohnerzahl wird verschi.dent- lich angegeben und mag 15»20000 betragen. Die be­lebteste Zeit fällt in den Juni und Juli, wenn die in der Umgegend lebenden Jäger sich sammeln, um ihr Beute um­zuhandeln. Ssansin hat bis jetzt eine wichtige Rolle als Handelsvermittler zwischen dem Amur und den Getreide­bezirken des Ssungari gespielt; im Jahre 1896 waren etwa 60 Dschunken vorhanden, auf denen die Waren nach dem Amur und Ussuri geschafft werden. Die S adt und der Bezirk stehen unter einem militärischen Untergouverneur

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Aus Tschifu wird vom 2. August gemeldet: Der I Gouverneur von Schenkung telegraphierte heute an die hiesigen Konsuln, ein soeben eingegangenes Schreiben des Tsungliyamen vom 30. Juli besage, daß die Ge s a n d t en I und der deutsche Geschäftsträger rn Peking mit ihrem Stabe wohlbehalten und mrtLebenv- mittel» versehen seien. Es bestehe ein gegenseitiger freundschaftlicher Verkehr; die Verhandlungen wegen des Abzugs der Gesandten nach Tientsin unter Schutz zu zeit­weiligem Aufenthalt daselbst seien dem Abschlüsse nahe. Die Regierungscouriere legten die 450 Kilometer lange | Strecke zwischen Peking und Tsinanfu in zwei Tagen zuruck. Aus verlogenem Chinesisch ins Deutsche übersetzt, be­deutet diese Meldung, daß es auch am 30. Juli der chinesi­schen Armee noch nicht gelungen war, die Gesandten und Ausländer zu bezwingen. Möglich ist immerhin, daß die Machthaber in Peking infolgedessen Verhandlungen mit den Belagerten angeknüpst und diesen freien Abzug ange­boten haben, denn es ist keineswegs ausgeschlossen, daß sie schließlich in der Hoffnung, dadurch den Marsch aus Peking abwenden zu zu können, die Gesandten wirklich ziehen lassen. Wahrscheinlicher aber ist, daß diese Ver­handlungen auf eine Verräterei der Chinesen abzielen, die die Gesandten als Geiseln in ihre Hände bringen soll. Die Belagerten selbst sind jedoch, wie aus ihren letzten Briefen hervorgeht, auf der Hut Md werden es sich hundert Mal überlegen, ehe sie ohne genügende Bürgschaft aus die Vorschläge der Chinesen eingehen. Wenn es wahr ist, daß die chinesischen Tcheschenträger eine Strecke von 4oO Ki­lometern in zwei Tagen zurücklegen, so müssen zwischen vr_,-----, .. . . ,

Peking und Tsinanfu eine große Zahl Relais aufgestellt sein, I bogen besagt,Handelsstraße der großen-Ruhegenannt; und das wäre ein neuer Beweis dafür, daß das Land nicht besteht aus Läden mit vergoldeten Aushängeschildern und im Aufruhr gegen die Pekinger Regierung ist, daß die - - ' " 1 c

Bevölkerung vielmehr der Beförderung der Regierung^- ! depeschen allen möglichen Vorschub leistet, ^m Wider- I spruch zu dieser Darstellung Duans'chikais, der fetzt den Anschein erwecken möchte, als ob in Peking Fremde und Chinesen ein Herz und eine Seele seien, stehn übrigens die neuesten Aeußerungen Liukunyis und Schengs, die laut einer Reutermeldung aus Shanghai beide wieder einmal ausstreuen, die Gesandten würden in Peking als Geiseln gehalten werden und würden getötet werden, falls die ver­bündeten Streitkräfte auf Peking vorrückten.

TerCentral News" wird aus Tientsrn vom | 29. Juli gemeldet: Der Vormarsch hat begonnen. Die Vorhut machte heute ihre erste Bewegung. Eine kleine Abteilung Rebellen zog sich vor den Russen zuruck und ihr I Lager wurde genommen. Der Vormarsch der Japaner aus I dem rechten User ging ungehindert vor sich Innerhalb zwei. Tagen wird die gesainte Kolonne der Verbündeten I ausgerückt sein. Im russischen Lager herrscht etwas Un­sicherheit. Es heißt, die russischen Offiziere tragen Be­denken, sich dem Vormarsche gegen Peking anzuschließen, obwohl ein Teil ihrer Truppen schon ausgerückt ist Es soll auch vom Hauptquartier der Befehl gekommen sein, daß die russischen Truppen wegen des Regens nicht aus- I rücken sollten. Sie werden aber wahrscheinlick) doch an dem Zuge teilnehmen. Die hier für den Vormarsch ver- füabaren Truppen sind 2300 Engländer, 1600 Amerikaner, 58 Oesterreicher, 53 Italiener, 12 000 Japaner und 4500 Russen. General Gaselee hat beschlossen, so weit als mög­lich den Peiho als Marschlinie zu benutzen. Der amerita- I nische Kommandant hat denselben Entschluß gesaßt, und beide Truppen werden zusammen vorgehen

I Dem Bureau Dalziel wird aus Shanghai Mittwoche abend gemeldet: Die Russen haben nördlich von Nrut- schwang eine schwere Niederlage erlitten und die Eisenbahn zwischen Niutschwang und Port Arthur auf- qeben müssen. Fünftausend Russen versuchen sich mit der I Gruppe zu vereinigen, welche -rafhichow (?) besetzt halt.

Der Ort ist von vierzigtausend Chinesen mit vielen Kanonen umzingelt. Der Transport über die russische ^ffenbahn ist unmöglich und die Wahl des Seeweges unvermeidlich. Es heißt, daß die Chinesen m großer Zahl nach Korea hinübergehen, um die russischen Verbindungen zu bedrohen. Auf dem Amur wurden vier mit russischen Truppen be­ladene Dampfer durch Feuern der Chinesen zum Sinken I gebracht oder beschädigt. .

I Der Central News" wird aus S h a n g h a i gemeldet.

Der berüchtigte ehemalige Gouverneur von Schantung, Lipinqheng, ist in Peking angekommen. Ter französische Konsul in Shanghai hat die bestimmte Nachricht daß der­selbe auf seiner Reise nordwärts zwei französische katho­lische Geistliche und 3000 chinesische Christen umgebracht hat. Li-Hung-Tschang, welcher Lipinghengs wilde Natur kennt, telegraphierte dem Tsungli Damen, Lipmgheng möge in Ruhe gehalten werden. Zur Antwort darauf ist Liping- heng zum 2. Kommandanten der kaiserl. Truppen unter ^stinglu ernannt worden. Man hofft, Dunglu werde im stände sein, Lipinghengs Wut im Zügel zu halten, doch wird Lipinghengs Ankunft in Peking von allen Europäern in Shanghai als böses Omen betrachtet.

Dir Breklamation ite Könizs IJihlor (?mmuitl III. 1 y r Rom, 3. August. I

Heute wurde die Proklamation des Königs I ungeschlagen. Sie ist kurz, feurig, kernig und liberal ge- I halten zugleich aber kündigt sie einen ernsten Kamps I gegen alle Feindeder jetzigen V e r f a s s u n g und E i n - I heit an. Daraus, daß der König besonders betont, daß I Rom als Unterpfand der Einheit unantastbar I sei, geht hervor, daß mit diesen Feinden nicht nur die I Anarchisten gemeint sind.

Die Proklamation lautet:

Der zweite König Italiens ist tot. Er, der tapfere I Soldat, der den Stürmen der Schlachten entging, der I nach! dem Willen der Vorsehung unversehrt aus Ge- I fahren hervor ging, denen er mit gleichem Mute trotzte, I um die allgemeinen Leiden zu lindern, der gute, edle I König ist als Opfer eines fluchwürdigen Verbrechens I gefallen, während er ruhigen und furchtlosen Herzens I an der Festesfreude des Volkes teilnahm. Mir war es I nicht vergönnt, den letzten Seufzer des Vaters zu ver- I nehmen, ich fühle lafcer, daß es meine erste Pflicht sein I wird, den väterlichen Bahnen zu folgen und seinen I Tugenden als König und erster Bürger Italiens nach- I zueifern. In diesem erhabenen Augenblicke tiefen I Schmerzes stärkt mich das Beispiel meines erlaiicksten I Vaters, des gwoßen Königs, welcher es verdiente, der I Vater pes Vaterlandes genannt zu werden, und ge­währt mir Trost die Kraft, die ich aus der Liebe und I Ergebenheit des italienischen Volkes empfange.

Den geliebten und beweinten König überleben seine I staatlichen Einrichtungen, die er treu wahrte und in den 22 Jahren seiner fleckenlosen Regierung zu unerschütter- I lichen machte. Diese Einrichtungen, welche mir heilig I sind durch die Traditionen meines Hauses und weil 'ich I sie als Italiener glühend liebe, werden mit fester und starker Hand gegen jede Antastung und Ge- i waltthätigkcit, woher sie auch kommen möge, ge­schützt werden. Des bin ich! sicher, das Glück und die Größe Italiens zu verbürgen. Es war der Ruhm meines Großvaters, Italien seine Einheit und Unabhängigkeit gegeben zu haben; es war der Ruhm meines Vaters, über die Erhaltung derselben mit Eifer gewacht zu haben. | Das Ziel meiner Negierung ist durch diese unvergäng- ' lichen Erinnerungen vorgezeich.net. ;

Möge Gott mir helfen, und die Liebe meines Volkes mich stärken, damit sich, meine gesamte Fürsorge als König dem Schutze der Freiheit und der Verte r - diqung der Einheit widmen kann, welche durch unlösliche Bande zum Heile des Vaterlandes vereinigt sind. Italiener'. Weihet dem geheiligten Andenken Hum­berts von Savoyen Thränen, haltet es in Ehren, Ihr, die Ihr bei der bitteren Trauer meines Hauses gezeigt habt, daß Ihr auch diesmal dieselbe als Trauer in Euerem Hause betrachtet. Diese Gemeinschaft der Ge­danken und Enipfindungen wird wie bisher auch in Zukunft der sicherste Schutzwall meines Königtums und die beste Bürgschuft der Einheit des Vaterlandes sein, die sich ausdrückt in dem erhabenen Namen des un­antastbaren Rom, des Sinnbilds'der Größe und des Unterpfandes des unversehrten Bestandes Italiens. Dies ist mein Glaube und mein Streben als Bürger und als König.

Die Wirren in China.

Die -guten Nachrichten aus Peking finden in der Presse aller Länder ihren Widerhall darin, daß nun allgemein auf schleünigen Vormarsch der verbündeten Truppen gedrängt wird. Tiefe Nachrichten machen es jetzt ciud)' verständlich, weshalb die Chinesen die Gesandten so ängstlich von der Außenwelt absperrten und deren Bot­schaften so sorgfältig abfingen: denn diese Botschaften hätten der Welt da draußen erzählt, daß es der gesamten Armee der chinesischen Hauptstadt samt ihrem Generalissi­mus nicht gelinge, der paar Ausländer Herr zu werden, hätten die Feigheit dieser Soldateska in das gebührende Licht gerückt und vermutlich zur Folge gehabt, daß der so lange verzögerte Vormarsch auf Peking längst eine That- fache geworden wäre. Das aber zu hindern, war das einzige Streben der Chinesen. Dr. Morrison spottet in seinem Bericht vom 21. Juli an die Times mit Recht über die chinesische Feigheit. Er teilt mit, daß die Generäle Dunglu und Tungfuhsiang in kaiserlichen Erlassen wegen ihrer Tapferkeit belobt worden seien und fügt ironisch hinzu:Ihre Tapferkeit bestand darin,, daß sie einen Monat lang wehrlose, in den Gesandtschaften zufammen- gepferchte Frauen und Kinder bombardierten". Und selbst dieser traurige, nur auf respektable Entfernungen geeichte Mut fiel den Zopfträgern in die Unaussprechlichen, als die Kunde eintraf, daß die Verbündeten Tientsin erstürmt hätten. Den Truppen der Mächte, die hoffentlich fetzt schon eine beträchtliche Strecke auf dem Wege nach Peking vorgerückt sind, werden diese Nachrichten ein mächtiger Ansporn zur Eile sein.

burg-Amerika-Linie in Bremerhafen ein. Die Truppen nahmen nach 2 Uhr in einem offenen Viereck zwischen der Lloydhalle und dem festgemachten Rhein Aufstellung. Bei dem Ofsizierkorps befanden sich die Feldgeistlichen, bei den Mannschaften Leute der Feldpost. Der Andrang des Publikums war gewaltig; auf der Weser hatten sich mehrere geschmückte Vergnügungsdampfer eingefunden. Gegen 3 Uhr ging, nachdem es schon vorher in kurzen Schauern geregnet hatte, ein schweres Gewitter nieder, svdaß die Ausstellung wieder aufgelöst werden mußte..Nachdem der Regen nachgelassen, nahmen die Mannschaften auf dem Rhein und der Adria zwanglos auf Deck und in oen Wanten Aufstellung. Um dreiviertel vier Uhr kamen oer Kaiser und die Kaiserin mit den

und Adalbert und ihrer Umgebung, der sich der General v. Äahnke und der württembergische Militarattachee Ob | v. Merchthaler angeschlossen hatten arl Land^ xer nf trug Admiralsuniform mit Umhang. Die . l ' von den Truppen und dem Publikum mit stürmischen