Ausgabe 
5.5.1900 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Verbrüderung der Kampfgenossen auS Nord und Süd in einfacher, und darum wohl allgemein verständlicher Form zur Darstellung. Und wie heute jedes Dorf seine Friedens- <:iche oder Linde zur Erinnerung an die großen Tage be­sitzt, so ist auf jeder der beiden Seitenflächen des Sockels ein dem Steinrelief entsprechend stilisierter Baum angebracht, an dessen Besten nach den Sitten unserer Vor­fahren Schilder aufgehängt sind, aus denen die Namen und Daten der Schlachten rc. verzeichnet sind, in denen sich die Krieger des Gießener Regiments ruhmreich hervorgethan haben.

Darmstadt, 4. Mai. In der Mittwochabend statt- aebabten Monatsversammlung des Kriegervereins Darmstadt wurde eine Anfrage aus der Versammlung, betreffend die Einladung zur Teilnahme an der Denk- malS-Sinweihung in Gießen am 10. Mai, dahin beantwortet, daß der Festausschuß in Gießen nur diejenigen Kameraden eingeladen habe, welche den Feldzug 1870/71 bei dem Infanterieregiment Nr. 116 mitgemacht haben.

Darmstadt, 3. Mai. Der Großherzog wird am Samstag, 5. Mai, Vorträge entgegennehmen; Erteilung von Audienzen und Entgegennahme von Meldungen finden an diesem Tage nicht statt.

w. Frankeuberg, 3. Mai. Die Einweihung und Betriebseröffnung der Teilstrecke Corbach-Franken­berg, das bisher fehlende Verbindungsglied der Gesamt­strecke Warburg-Marburg, ist nunmehr erfolgt. Mit dem 9 Uhr 35 Min. früh in Corbach abgelassenen Zuge, dessen Lokomotive 'reich bekränzt war, wurde die eigentliche Weihe der besagten Strecke vollzogen. Der Fahrt hatten sich in Corbach Kteisamtmann Waldschmidt, die Baubehörde und viele andere Herren angeschlossen. Auf den Haltestellen Itter, HerzhaUftn, Schmittlotheim, Ederbringhausen, Vier- milnden und Schraufa waren die Lehrer mit den Schul­kindern, die Bürgermeister und Beigeordneten und eine große Anzahl freudig gestimmter Interessenten versammelt, die überall mit Hellem Jubel den Festzug begrüßten. In Frankenberg wurde zu Ehren des Tages ein Festessen ver­anstaltet, das sich einer recht zahlreichen Beteiligung zu er­freuen hatte, bei dem auch eine ganze Reihe heiterer Toaste gehalten wurde. Auf der Gesamtftrecke Warburg-Marburg verkehren vorerst in jeder Richtung leider nur drei Züge. Die Fahrzeit zwischen den beiden Endstationen beträgt über 5 Stunden.

* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der frühere Hofschauspieler Mendel in Darmstadt, dessen Aufnahme in das städtische Krankenhaus vor einigen Tagen sich notwendig machte, ist dort verstorben. In der Ge­markung Zellhausen bei Hanau wütete ein großer Wald­brand, der sich auf eine Fläche von 150 hessischen Morgen erstreckte und etwa gegen 60 000 Mk. Schaden anrichtete. Der erste katholische Pfarrer in Rüdesheim ist durch die bischöfliche Behörde zu Limburg plötzlich auf ein Jahr vom Amt suspendiert worden. Man erzählt sich, daß der im übrigen bei der Gemeinde beliebt gewesene Geistliche gegen gewisse Pflichten seines Amtes verstoßen habe. Offiziell wird seine Suspension mit Ungehorsam motiviert. In Breitenworbis brach Dienstagabend Großfeuer aus, welches 10 Wohnhäuser und 26 Hintergebäude zer­störte; 6 andere Gehöfte sind mehr oder weniger beschädigt. Viel Vieh ist verbrannt. Der Schaden ist sehr bedeutend. Das Feuer ist vermutlich durch spielende Kinder entstanden. In Etzenborn wütete Montagabend eine furchtbare Feuersbrunst. Ein Gasthaus und 5 Gehöfte wurden ein. geäschert. Biel Vieh ist in den Flammen umgekommen. Da seitens des Regierungspräsidenten ein Staatszuschuß zu den Kosten für die Erhaltung der Ruine Reichen- bach beantragt ist, trafen gestern im Auftrage des Ministers der Geheime Oberbaurat Reimann aus Berlin und Re gierungö-Baurat Seligmann aus Kassel in Hesi. Lichtenau ein, um in Begleitung des Ortsausschusses die Ruine Reichenbach einer Prüfung und Besichtigung zu unterziehen. Die Herren schienen von den bisher zur vorläufigen Sicherung der Trümmer geleisteten Arbeiten recht befriedigt zu sein.

XX Vermischtes.

* Budapest, 3. Mai. Heute mittag ist die neue gynäkologische Klinik in Brand geraten und voll­kommen niedergebrannt. Glücklicherweise ist es ge­lungen, sämtliche Kranken und Wöchnerinnen zu retten, die teils in den Betten, teils auf dem Rasen des Spital-Terrains kampieren. Die Rettung der Kranken ist einem beim Ausbruch des Brandes gerade vorüberziehenden Regiment zu danken, das, trotzdem es in Paradeuniform war, sofort zu Rettungsarbeiten kommandiert wurde. Während des Brandes wurden an zwei Kranken lebens­gefährliche Operationen vollzogen, die gelangen. Mehrere Feuerwehrleute wurden leicht verletzt.

DemB. L.-A." zufolge kam es beim Empfang der

Mitglieder des Tuberkulose-Kongresses im Rathaus von Neapel zu unerhörten Exzessen. Mehrere Kongressisten, die statt des vorschriftsmäßigen Frackes den Gehrock trugen, wurden von dem Saaldiener am Ein­tritt verhindert. Als sie dagegen protestierten, wurden sie auf Befehl eines Polizeileutnants durch Schutzleute und Feuerwehrmänner mit Gewalt hinausgeworfen. Das Publikum in der Vorhalle ergriff für die schwer gekränkten Gäste energisch Partei. Sämtliche Kongressisten verließen sofort tas Fest, und verfaßten eine geharnischte Protest- note gegen das unwürdige Vorgehen der Polizei. In einem Briefe an dieRoma" erklärt Profeffor Gregoraci, jedem Neapolitaner sei die Schamröte ins Gesicht gestiegen über die schmachvolle Behandlung seiner gefeierten Gäste durch die brutalen Gardisten.

Das Kohlengruben-Unglück in Utah. Nach einer Meldung desMorning Leader" ist das Kohlengruben- Unglück bei Schofield in Utah eines der tragischsten und entsetzlichsten, welche man kennt. Allgemein wird ange­nommen, daß jemand heimlich Sprengpulver in die Grube gebracht habe, welches den Kohlenstaub und das Kohlengas entzündete, und so die -Explosion veranlaßte. Augenzeugen sagen, die ganze Spitze des Berges, in dem die Gruben sich befinden, sei scheinbar emporgehoben worden. Bis jetzt sind 1 80 Leichen zu Tage gesördert. Besonders schrecklich ist der Umstand, daß der Tod der Opfer kein plötzlicher war. Sie hatten vielmehr Zeit genug, zu er­kennen, daß der Tod ihnen bevorstehe. Viele bedeckten ihre Köpfe mit ihrer Kleidung, andere nahmen eine betende Stellung an, und in einem Falle sah man, daß ein Vater sich mit seinen vier jungen Söhnen umschlungen hielt. Der auf die Explosion folgende Qualm verursachte^viele Todes- fälle, und der Rauch hinderte auch das Rettungswerk. Die Aerzte glauben, bau keiner der Verwundeten am Leben bleiben wird. Es werden noch weitere 150 Personen vermißt, und es ist wenig Hoffnung vorhanden, daß man diese am Leben findet. Somit wird die Zahl der Toten fich auf beinahe 400 belaufen.______________________________

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Sonntag den 6. Mai. Jubilate.

Gottesdienst.

In der Stadtkirche.

Bormittags 9»/, Uhr: Pfarrer Schlosser.

Bormittags 11 Ubr: Kinderkirche für die MatthäuSgemeinde.

Pfarrer Schlosser.

Abends 8 Uhr findet im Konfirmandensaal die Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der MatthäuSgemeinde statt.

°Ktt -er AastanneSkirche.

BormittagS 9*/i Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Bormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannes- gemeinde. Pfarrer Dr. Naumann.

Nächsten Sonntag, den 13. Mai, vormittags 8 Uhr, Gottes­dienst mit Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Johannes- gemeinde.

Am Sonntag, dem 13. Mai, wird nach allen Gottesdiensten eine Kollekte für die kirchliche Versorgung der evangelischen Glaubens­genoffen im Auslande erhoben werden.

ES wird wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß der kirch­lichen Trauung auch ein kirchliches Aufgebot vorherzugehen hat, und wird dringend gebeten, es rechtzeitig spätestens eine Woche vor der Trauung bei dem zuständigen Pfarrer zu bestellen.

Katholische Gemeinde.

Samstag den 6. Mai.

Nachmittags um 4«/, Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte.

Sonntag den 6. Mai. 3. Sonntag nach Ostern. Vormittags von 6«/, Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht.

, um 7 Uhr: Die erste heil. Messe;

vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion.

um 8 Uhr: Die zweite heil. Meffe.

um 9Va Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um 2«/, Uhr: Andacht.

Dienstag und Freitag abend 6>/, Uhr ist Maiandacht.

GotteÄirnst m der Hylwgoge.

SamStag den 5. Mai 1900.

Vorabend 7" Uhr, morgens 8N Uhr, nachmittags 4 Uhr

SabbathauSgang 8 Uhr.

Gottrsdirnst der israelitischen ArligilMSpßMschgft.

Sabbathfeier am b. Mai 1900.

Freitag abend 7« Uhr, SamStag vormittag 8 Uhr, nach- mtttagS 4 Uhr, Sabbatbausgang 8" Uhr.

Nachmittag 8»3 Uhr Schrtsterklärung.

Wochengottesdienst morgenS 6»° Uhr, avends 8" Uhr.

tuu& 0TLaa» in eigener

dtvtcken-plale, 11 eJGtz&tnplat» 11.

eidenstoffe, Sammle von Elten & Keussen und Velvets

Arbeiterbewegung.

iiSZ bm. Mainz, 4. Mai. In der Lohnbewegung der Metall-- arbeitet ist heute morgen der Versuch gemacht worden, feine gütliche Verständigung herbeizuführen. Der Oberbürgermeister hatte die Firmen der Beleuchtungsindustrie und die Lohnkommission zu einer gememschast- lichm Besprechung eingeladen. Die Besprechung verlief resultatloS, doch sollen weitere Versuche zu einer gütlichen Verständigung unter­nommen werden.

Neueste Meldungen.

Depeschen bc3 BureauHerold".

Berlin,4.Mai. (Priv.-Teleph -Meld.desG.A." 1.30Uhr.) Die Ankunft des Kaisers Franz Josef auf dem Potsdamer Bahnhofe erfolgte heute vormittag 10 Uhr. In Frankfurt a. O., wo der Sonderzug um 8 Uhr cinge- troffen war, hatte bereits gro'ßerEmpfang stattgefunden. Nach kurzem Aufenthalt setzte der Zug die Weiterfahrt nach Berlin fort. Auf dem Potsdamer Bahnhofe hatten sich vor der Ankunft des Kaisers Franz Josef zum Empfang eingefunden: der Kaiser, der Kronprinz, die übrigen hier anwesenden Fürstlichkeiten und die Generalität, die Leib- Kompagnie des ersten Garde-RegimentS mit Fahnen und Regimentsmusik. Auf dem Bahnsteig stand die Ehrenwache. Als der Sonderzug auf dem Bahnhofe ein- gelaufen war, ging Kaiser Wilhelm auf den Kaiser Franz Josef, der sofort dem Salonwagen entstiegen war, zu. Die Begrüßung war überaus herzlich. Beide Monarchen küßten sich wiederholt. Es wurden sodann die beiderseitigen Gefolge vorgestellt, worauf beide Kaiser sich mit einigen Herren des Gefolges unterhielten. Nach kurzem Aufenthalt im Fürstenzimmer bestiegen die Monarchen den bereitstehenden vierspännigen Wagen und fuhren unter Eskorte der Leib - Eskadron der GardeS-du-CorpS und unter lebhaften Ovationen der vieltausendköpfigen Menschenmenge bei herrlichstem Wetter über den Potsdamer Platz durch die Bellevuestraße und die Siegesalle zum Brandenburger Thor. Auf dem Wege bildeten die Krieger­vereine Spalier. Auf dem Pariser Platz verkündeten gegen 101/z Uhr brausende Hochrufe das Herannahen der kaiserlichen Wagen. Kaiser Wilhelm trug österreichische Uniform, Kaiser Franz Josef hatte preußische Generals­uniform angelegt. Als der kaiserliche Wagen am Triumph­bogen angelangt war, trat Oberbürgermeister Kirschner an den Wagen heran und hielt eine längere Ansprache, in der er den Kaiser Franz Josef namens der Berliner Bürgerschaft begrüßte. Als der Oberbürgermeister geendet, reichte ihm Kaiser Franz Josef die Hand und dankte ihm mit herzlichen Worten für den ihm von der Bürgerschaft bereiteten warmen Empfang. Nunmehr überreichte die Tochter des Oberbürgermeister- dem Kaiser Franz Josef einen Blumenstrauß. Die beiden Monarchen, die inzwischen den Wagen verlassen hatten, bestiegen denselben abermals, und setzten die Fahrt, durch die Linden nach dem könig­lichen Schloß fort, woselbst die Kaiserin, umgeben von den Prinzessinnen des königlichen Hauses, den hohen Gast begrüßte. Vorher hatte noch im Lustgarten ein Vorbei­marsch einiger Garde - Regimenter stattgefunden. Die Leibbatterie des 1. Garde-Feldartillerie-Regiments feuerte 101 Salutschüsse ab.

Frankfurt a. M., 4. Mai. Rimsky-Korsakoffs dreiaktige OperDie Mainacht" wurde gestern abend hier vor dicht besetztem Hause zum erstenmale in Deutsch­land zur Aufführung gebracht. Trotz prächtiger Instrumen­tierung fand das Werk, welches an einem sehr langen und sehr ermüdenden Textbuch leidet, nur eine sehr laue Aufnahme.

Wien, 4. Mai. Der Zar trifft, nach einer Blätter- Meldung, Mitte Juli in Wien ein, und wird drei Tage in Schönbrunn Aufenthalt nehmen. Das Schloßtheater wird gleichzeitig in Stand gesetzt und dort ein Thöatre pare stattfinden. Von Wien begiebt sich der Zar nach Paris zur Weltausstellung. (?)

Sofia, 4. Mai. Die Bauern-Unruhen gegen die Regierungsbehörden führten im Dorfe Trestemib bei Rust- schuck zu ernsten Zusammenstößen mit dem Militär. Einige tausend mit Gewehren bewaffnete Bauern, die Tags zuvor die Polizei und Gendarmerie entwaffnet, mißhandelt und davongejagt hatten, leisteten auch den von Rustschuk heranrückenden zwei Kompagnieen Militär Widerstand. Auf beiden Seiten gab es Tote und Verwundete, deren Zahl noch unbekannt ist.

London, 4. Mai. Der Korrespondent desLloyd" in Manila telegraphiert über eine Meuterei, die an Bord des amerikanischen Dampfers Eskano aus­gebrochen ist. Die Besatzung tötete den Kapitän, die Offiziere sowie den Rheder. Sie bohrten als- dann den Dampfer an, sodaß dieser sank. Der Vorfall ereignete sich an der Lydeküste. Die Matrosen zogen dann ins Innere.

In dem W. Ullrich'scheu Laden, Schloßgaffe5, sind Gemüse- Konserve« zu ermäßigten Preisen zu haben.

Auch wird das ganze Lager en bloc rbgegeben. 3286

Die Konkursverwaltuug.

»L Schlachthaus.

Freibank. 3190

Heute and morgen:

SchseMch 50 Wg.

SchminMch 40 Ufg.

Zugjalousien

Fabrikat Bayer & Leibfried,

Eselingen a. N. 3277

Konstruktionen

empfehle za Fabrikpreisen,

Ernst Bhedtter.

Kkklimsche Lebens-Dtlßchtruugs-Gesellschaft.

gegründet 1836.

Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß wir unsere General- Agentur Frankfurt a. M. umfaßend Heffen-Naffau, Provinz Ober- heffen rc. vom 1. Mai d. I. ab

Herrn Gottfried Pütz in Irankfurt a. W.

übertragen haben.

Das Düreau der General-Agentur befindet sich nach wie vor im GesellschaftShause

Amnksurt a. M., Aoßmarkt Ar. 16.

Berlin, den 1. Mai 1900. 8279

Berlinische Lebens-Bersicherungs-Gesellschaft.

Täglich frisch gestochene

Spargel. |

Christian Pfeiffer,Settersweg 14.

Gutes Bratenfett

Pfund 50 Pfg., im Hotel Groft- herzog von Hessen zu haben. 3M

3n verbauten

Zwei Fahrräder, in noch sehr gutem Zustand, billig zu verkaufen. 01968

Näheres Kronprinz, Wolfstraße 21.