Er gedachte in warmen Worten der hohen Verdienste des Entschlafenen, seiner Güte und seines frohen, freudebringenden Wirkens. Nach dem Gebet trat Herr Bürgermeister Wörner vor und schmückte das Grab unseres Ehrenbürgers mit einem prächtigen Strauß lebender Blumen. Nach ihm spendeten Kränze: Herr Dr. Baur (im Namen deS ärztlichen Vereins), Herr Medizinalrat Dr. Lorenz von Friedberg (im Auftrag des ärztlichen Kreisvereins Friedberg), Herr Lehrer Wagner (für den Kur- und Verschönerungsverein) und zum Schlüsse widmete Herr Georg Hartmann seinem alten Freunde einen Kranz und einen herzlichen Nachruf. Neben dem Grabe häuften sich bald die Blumen und Kranzspenden von nah und fern, welche zumteile auf langen Bandschleifen Widmungen trugen. Auf dem Heimwege konnte man unter den sich entfernenden Leidtragenden noch manches gute Wort über den Verstorbenen hören. Möge er unvergeßlich ruhen in Nauheims Erde!
Bad'Nauh. Anz.
BadNauheim, 3. Januar. Die Großh. Handelskammer erhielt von der Königl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. folgendes Schreiben: Wir danken Ihnen für die in dem nebenbezeichneten Schreiben enthaltenen Mitteilungen und werden nicht verfehlen, auf Beseitigung der auf Station Nauheim vorhandenen dringenden Mißstände thunlichst Bedacht zu nehmen. Ein Teil derselben wird schon beim Umbau der Gleisanlagen, wofür die Geldmittel im Betrage von rund 140 000 Mk. bereits bewilligt worden sind, beseitigt werden können. Inwieweit den durch die unerwartete Verkehrszunahme während der Badesaison veranlaßten Mißstände des Empfangsgebäudes in zweckmäßiger und ausreichender Weise dauernd abzuhelfen ist, unterliegt noch einer näheren Prüfung. Von einer vollständigen Verlegung des Güterbahnhofs und des Empfangsgebäudes auf die Ostseite der Bahn haben wir endgültigen Abstand genommen, weil diese Verlegung mit ganz unverhältnismäßigen Kosten verknüpft sein würde, und im Interesse des Bahnverkehrs auch nicht erforderlich erscheint.
Lampertheim, 2. Januar. Vielversprechende Jugend. Ein Akt größter jugendlicher Verrohung trug sich hier am zweiten Feiertage zu. Zwei Bürschchen von 16 Jahren gerieten bei der Tanzmusik wegen eines Mädchens in Wortwechsel. Gegen 11 Uhr nachts feuerte der Eine von Beiden auf offener Straße einen Revolverschuß auf seinen Gegner ab, an welchem dieser am folgenden Tage nach qualvollen Schmerzen erlegen ist. Der Thäter wurde sofort nach dem Bekanntwerden des Todes des Opfers gefesselt nach Darmstadt abgeführt. Ohne die geringste Niedergeschlagenheit und Reue legte das saubere Früchtchen, das die Mordwaffe von seiner Mutter zum Christgeschenk erhalten hat, den Weg nach dem Bahnhofe zurück. Im Wartesaale daselbst soll der Thäter dem dort anwesenden Geistlichen seiner Konfession auf dessen Befragen die kurze Antwort gegeben haben, daß er es wegen eines Mädchens gethan habe. Allgemeine Entrüstung herrscht in der ganzen Gemeinde ob dieses Bubenstücks. Eine exemplarische Strafe sollte der rohen That folgen.
Marburg, 2. Januar. Zu der bereits mitgeteilten Schußaffaire, wonach ein angeblicher Student einen Kutscher tötlich verwundete, ist noch nachzutragen, daß der Thäter kein Student ist, sondern ein beschäftigungsloser Kaufmann aus Hanau namens Hony, der sich als Student ausgab. Unter dem Einfluß allzu reichlichen Genusses alkoholischer Getränke stehend, hatte der junge Mensch diese Waffe mit scharfen Patronen geladen und als er gestern morgen kurz vor 7 Uhr in der Nähe des Mönchbrunnens in Wortwechsel mit einigen Passanten geriet, zog er den Revolver hervor und schoß blindlings um sich. In diesem Augenblick ging zufällig der bei Herrn Fuhrwerksbesitzer Eckstein beschäftigte Kutscher Möhl von hier vorbei. Von zwei Kugeln getroffen, sank, wie die „Oberhess. Ztg." meldet, Möhl schwerverletzt zu Boden.
Kassel, 2. Januar. Gestern abend gegen 7 Uhr wurde die Komtesse von Königsdorfs, Tochter des Polizeipräsidenten, drei Häuser vom Polizeigebäude entfernt, auf ihrem Wege zum Theater von einem Menschen, der direkt auf sie zuging, so heftig mit der Faust auf die Brust geschlagen, daß im ersten Augenblick ein Messerstich vermutet wurde, was sich glücklicherweise nicht bestätigte. Dieser Vor- fall verursacht in der Stadt große Aufregung und um so mehr Teilnahme für die Komtesse, als sie bereits s. Z. in Veranlassung ihrer Verlobung mit dem Grafen zu W. u. P., welche in der Folge auf ihren Wunsch von ihrem Vater gelöst wurde, das Opfer böswilliger Verläumdungen geworden ist, deren strafgerichtliche Verfolgung damals eingeleitet, später aber auf Bitten der Angezeigten beruhen gelassen wurde, nachdem dieselben die Böswilligkeit der Ver- läumdung schriftlich anerkannt und um Verzeihung gebeten halten. — Einer der geachtetsten und bekanntesten Aerzte in Kassel, der frühere Generalarzt des 11. Armeekorps, Herr Dr. med. Wilhelm Kuckro, ist hente im Alter von 87 Jahren gestorben. — Herr Regierungsrat Friedrich Wilhelm Maximilian v. Kehler in Kassel ist zum Geh. Regierungsrat und Vortragenden Rat bei dem Rechnungshof des Deutschen Reichs in Potsdam ernannt.
Hanau, 2. Januar. Der Portefeuiller Iller aus Fechenheim, ein unverheirateter Mann von etwa 30 Jahren, geriet in der Neujahrsnacht, abseits gehend, an das Main- ufer bei Fechenheim, fiel ins Wasser und ertrank.__________
Kunst und Wissenschaft.
Auf dem Pariser Ausstellungsgeläude soll eine große Musikhalle errichtet werden, in welcher ein internationaler mili- ärischer Musikwettstreit während der Dauer der Ausstellung geführt werden soll. Die hervorragendsten Regimentsmusiken aller zivilisierten Nationen sollen dort konzertieren. — Bekanntlich fand auf der ersten Pariser Weltausstellung ein ähnlicher Wettkampf statt, in dem die deutsche Militärmusik siegte.
Petersburg, 3. Januar. Der Schriftsteller Dimitrie Grigoro- witsch ist heute gestorben.
Karl Millöcker •$•<>
„Ach ich hab sie ja nur auf die Schulter geküßt!" Wer hat nicht diese Worte des Walzers aus dem „Bettelstudent" gesummt oder sich nach seinen Tönen im Tanze gedreht? Neben der „schönen blauen Donau" und den beliebten Melodien der „Fledermaus" von Strauß und einigen einschmeichelnden Melodien von Suppee hat sich Karl Millöckers „Bettelstudent" die Welt erobert. Der Schöpfer der wahrhaft populären Musik aber ist mit der Jahrhundertwende dahingegangen, woher es keine Rückkehr giebt, nachdem seine Verwandten schon seit einiger Zeit das Schlimmste befürchtet hatten. Millöcker stand erst im 58. Lebensjahr, und seine Schaffenskraft, die zeitweilig unter dem körperlichen Verfall gelitten hatte, war noch lange nicht erschöpft, das zeigt besonders eine seiner letzten Schöpfungen, die Operette „Der arme Jonathan". Wenn sie auch den „Bettelstudent" bei weitem nicht erreicht, so bringt sie doch eine Fülle reizender Melodien. Neben den beiden genannten Operetten trat „Gasparone" den Siegeszug über die Bühnen an. Auch mit der Volksoper hat Millöcker Versuche gemacht, seine „sieben Schwaben" legen davon Zeugnis ab. Millöckers Musik war Wiener Volksmusik, denn als geborener Wiener kannte Millöcker Wiener Leben und Wirken von Jugend an. Wenn auch im neuen Jahrhundert neue Komponisten kommen und wenn sie auch auf dem etwas zurückgegangenen Gebiet der Operette Gutes leisten sollten, Millöckers „Bettelstudent" wird fortleben und Kinder und Kindeskinder entzücken und nie wird Oberst Ollendorf, diese charakteristische Figur des „Bettelstudent", zu sagen nötig haben „Schwamm drüber!"
Kirche und Schule.
Der Zentral-Ausschuß für die Innere Mission der deutschen evangelischen Kirche in Berlin erläßt folgenden Aufruf:
An das evangelische deutsche Volk.
Evangelische Christen, die auS ganz Deutschland zum Kongreß für Innere Mission in Straßburg versammelt waren, haben uns den Auftrag erteilt, bei dem Beginn des neuen Jahrhunderts ein Wort an unser Volk zu richten. In ihrem Namen reden wir, wie die feierliche Stunde des abschließenden und anfangenden Jahrhunderts es uuS aufS Gewissen legt. Gott hat in dem abgelaufenm Jahrhundert Großes an unserem Volk wie an der Kirche der Reformation gethan. Vor hundert Jahren war das deutsche Reich zerrisien und zerklüftet, von dem französifchen.Welteroberer mit Vernichtung bedroht. Heute sind wir, in dem Feuer siegreicher Schlachten zusammengeschmiedet, ein einiges Volk. Damals lag der Protestantismus unter dem Bann einer öden Weltanschauung, die keinen lebendigen Gott und keinen wahrhasten Erlöser kannte. Heute wissen wir wiedef, was für das deutsche Herz, Haus und Volk das evangelische Christentum bedeutet. Aus der Not und Hilfe der Fceiheitskriege wurde der Geist weltüberwindenden Glaubens geboren. Eine Erweckung zu neuem Leben in Gott hob die Geister aus dem Staube empvor. Gewaltige Prediger drangen mit ihrer Glaubensmacht in das innerste Herz deS Volkes, und fromme Christen aller Stäube halfen das heilige Feuer schüren. Immer reicher entfaltete die theologische Wissenschaft die in der heiligen Schrift verborgenen Schätze der Weisheit und Erkenntnis zur Vertiefung des Glaubenslebens. Und die lebendig gewordenen Christen legten Hand an's Werk, zuerst der Aeußeren, bann der Jnnrren Mission. Mit Fug und Recht heißt das 19. Jahrhundert das Mifstonsjahrhundert der evangelischen Christenheit. Alle die Erinnerungen und Errungenschaften müssen unsere Seele mit demütigem Dank erfüllen. Auch an dem friedlichen Wettbewerb der Nationen hat unser Volk durch emsige Arbeit in Stadt und Land, in W:rkstatl und Fabrik unter Gottes S.'gen erfolgreich teilgenommen. Wie in keiner anderen Zeit zuvor hat die Menschheit in Erfüllung deS göttlichen Befehls: „Machet sie euch unterthan!" die Erde und ihre Kräfte zu beherrschen gelernt. Dazu haben deutscher Geist und deutsche Kraft ihren reichen Anteil beigetragen und den Stand menschlicher Wohlrhat erhöhen helfen. So bietet da8 alte Jahrhundert am Schluß den Anblick eines wunderbaren Aufschwungs des gesamten Kulturlebens, das neue bei seinem Anfang die Verheißung gewaltigen Weiterstrebens. Und während die Völker, in denen einst die Gegenreformation am erfolgreichsten gewirkt hat, immer schwerer um ihre staatliche und nationale Existenz ringen, weiß die evangelifche Christenheit Gott Dank, daß alles Große und Herzliche, was sie erreicht hat, ihr zu Teil geworden ist als der Erbin und Hüterin der Güter, die ihr in der Reformation der Kirche Christi gefchenkt sind. Dies glänzende Bild hat freilich seine dunkle Kehiseite. Dir Entfaltung der Weltkräfte hat den Wellsinn zu einer unheimlichen Stärke anwachsen lasten. In der Beschäftigung mit den Naturmächten ist die Pflege deS Seelenlebens verkümmert. Ueber der Arbeit an der Schöpfung hat ein Teil der Kinder des 19. Jahrhunderts den Schöpfer vergessen, und ein Abfall von Gott und allem Göttlichen, wie er entschiedener nicht sein kann, ist über weite Kreise gekommen. Auch bei Vielen, die zur Kirche halten, hat der christliche Charakter gelitten und der Geist der Hingebung abgenommen; sie stellen weder ihre Person roch ihr Hab und Gut in den Dienst des Reiches Gotlls. Schwere Gebrechen nagen an dem Marke unseres Volkslebens: Zuchtlosigkeit, Fleischeslust und Ueppigkeit überwuchern bei Alt und Jung, in allen Ständen den Sinn für Si tten reinbeit und zerrütten das Familienleben, desfen Pflege ein ft der Schmuck unsereS deutschen Volkes war. Und der öffentliche Geist, losgelöst von der göttlichen Offenbarung, schützt nicht mehr, wie er sollte, die ewigen Ordnungen GotteS gegen ihre Verwüster
und die Heiligtümer des Glaubens gegen ihre Verächter. In einer Welt, die mehr als je zu ihrem Bestände und Fortschritt der Lebens- kräfie des Evangeliums bedarf, ist das Evangelium von vielen, sonst tüchtigen Menschen verkannt, verurteilt und verachtet. Am schwersten machen sich die Wirkungen dieser Notstände auf dem Gebiete der Dateien Bewegung fühlbar. Ohne Zweifel ist der Eintritt der arbeitenden Klaffen als mttbestimmender Macht in die christliche Dölkerwelt die folgenreichste Erscheinung, die das scheidende Jahrhundert darbietet, und die Ueberwindung der daraus erwachsenen. Kämpfe die schwerste Aufgabe, die eS dem aufsteigenden Jahrhundert: hinterläßt. Noch fehlt dem Staate für dirfe Kämpfe die wirksame Waffe, den führenden Klaffen das klare Verständnis, der Kirche das rechte Wort des Friedens. Große Verschuldungen aus allen Seiten haben die Geister verwirrt, die Herzen verbittert, daS gegenseitige Vertrauen durch Uebermut und Neid ertötet. Deutschland, im Herzen Europa« gelegen und im Laufe der Jahrhunderte in die Mitte aller entscheidenden Geisteskämpfe gestellt, wird auch an der Durcharbeitung der durch die soziale Bewegung geschaffenen Fragen in erster Reihe teilnehmen müssen. Von seiner Begründung an hat sich das neuerstandene R eich vor diese Aufgabe gestellt gefehen und zü ihrer Lösung neue Wege betreten. Die deutsche evangelische Kirche aber ist schon um die Mitte des Jahrhunderts durch die prophetische Stimme WichernS aufgerufen worden, in allen ihren lebendigen Gliedern durch Gebet und Arbeit mitzuhelsen an der Heilung der Schäden und Nöte des VolklebenS. Dieser Ruf ist nicht ungehört verhallt. Eine reiche Liebesthätigkett, die im Glauben wurzelt, ist in der evangelischen Kirche erblüht, hat manche Wunde am Volks- körper geheilt und dm Weg zur Versöhnung der Stände unter einander gewiesen. Aber größeres ist not, als bis jetzt geschehen ist. In der evangelischen Chrtftmheit muß das Bewußtsein mächtig werden, daß das Evangelium das einzige Heilmittel ist zur Gesundung unseres Volkslebens wie zur Herbeiführung eineS dauernden Friedens in unseren sozialen Kämpfen. Der Opfersinn, der unsere Väter im Glauben dazu trieb, Gut und Blut freudig binzugeben, muß wieder erwachen. Wer in dem Evangelium von Christo das ewige Gut gefunden hat, wird daS irdische Gut als ein anvertrautes Pfund ansehen, für deffen Verwendung zu höheren Zwecken und im Dienste des Nächsten er seinem Gott verantwortlich bleibt. Wer erkannt hat, daß wir alle, durch Christum mit Gott versöhnt, Brüder find, wird sorgen, daß aller treuen Arbeit ihr Lohn werde, daß der Starke dem Schwachen biene und jede Not rechtzeitige Hilfe finde. Wer die Gnade GttteS, die unS in Christo selig macht, am eigenen Herzen erfährt, wird in Demut sich zu dm Gefallmen und Verlorenen herabneigen, um sie wieder auf den rechten Weg zu führen. Gottesfurcht und deutsche Treue, Zucht und Sitte im Haufe, Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit im öffentlichen Leben gedeihen nur auf dem Boden des Glaubens, der im Evangelium den Frieden des Gewissens und die Kraft eines neuen Lebens gefunden hat Thut Buße und glaubet an das Evangelium! Mit diesem Wort, schärfer denn kein zweischneidig Schwert, hat JesuS Christus seine Verkündigung deS Himmelreichs begonnen. ES weift allen Jahrhunderten den Weg der Rettung und des Heils. Daß jeder Stand und Beruf seine Schuld ernennt und seine Pflicht erfüllt, am Reiche Gottes mitzuarbeiten, ist der Anfang zur Besserung. Gott sei Dank, noch sind in unserem Vaterlande blühende Stätten evangelischen Glaubens und freudigen kirchlichen LebmS. Wir brauchen nicht zu verzagen, sondern sollen hoffen. Auch wo eS nicht gut steht, kann eS durch Gottes Gnade wieder beffer werden. Alle evangelischen Deutschen, Hoch und Niedrig, Reich und Arm, rufen wir auf zum heiligen Kampf und .'zur ernsten Arbeit für die hohen Güter des evangelischen Glaubms und Lebens. Wenn alle, die an die Wahrheit des seligmachenden Evangeliums und an die Zukunft des Volkes der Reformation glauben, sich zufammenthun und dafür mutig im öffentlichen Leben eintreten, fo wird Gott unsere Gebete erhören und neue Ströme deS heiligen Geistes ausgießen, der allein eine Erneuerung unseres Volkes zu wirkm vermag. Im Reich« Gottes ist es nie zu spät zur Umkehr. Aber es ist hohe Zeit. Darum zurück zum alten Evangelium und vorwärts mit Gott!
Jagd und Sport.
— Im Beniheimer Walde zeigte sich unter den Hasen eine eigentümliche tätliche Krankheit, die sich zuerst darin äußerte, daß die Leber allmählich zusammenschrumpfte. Die Obersörsterei des Fürsten hatte infolge deffen Hasen aus Rußland zur Blutauffrischung eingesetzt, aber auch diese Maßregel hat nicht geholfen, da nach wie vor sehr häufig verendete Hasen gefunden werden. In Jägerkreisen nimmt man an, daß die künstliche Düngung der dem Walde benachbarten Wiesen, welche die Hasen zur 2kjung aufsuchen, diesen schädlichen Einfluß auf das Wild hervorbringe. Interessant würde es fein, zu erfahren, ob auch an anderen Orten derartige Beobachtungen gemacht sind.
— Was sind Treibjagden'? Die Kunstmaler W. und Genossen aus Berlin waren angeklagt, die Polizeiverordnung des Oberpräsidenten von Brandenburg vom 4. Juli 1898 übertreten zu haben, weil sie im vorigen Jahre eine Treibjagd an einem Sonntag veranstaltet hatten. Rach der Polizeiverordnung sind an Sonn- und Festtagen Hetz- und Treibjagden verboten. Die Angeklagten, die vom Schöffengericht und der Strafkammer verurteilt wurden, hatten in Abrede gestellt, eine Treibjagd veranstaltet zu haben. Es war festgestellt worden, daß sie am 26. November v. I. ihr Jagdgebiet teilweise eingelappt hatten und am Sonntag, 27. November, das Wild gegen die Lappen trieben. Die Angeklagten, die in Entfernungen von 50 Schritt von einander gingen, schossen bann auf das durch die Lappen zurück- grscheuchte Wild und brachten drei Rehe und acht Hirsche zur Strecke. Zur Zeit des Gottesdienstes hatte man gefrühstückt Gegen das Urteil der Strafkammer legten die Angekagten Revision beim Kammergericht ein und suchten nachzuweisen, daß die Straskammer den Begriff einer Treibjagd verkannt habe; von einer Treibjagd könne nur dann die Rede sein, wenn den Jägern das Wild durch Treiber zugetrieben werde, oder aber, wenn die Jäger sich das Wild gegenseitig zutreiben. Das Kammergericht erkannte auch auf Freisprechung der Angeklagten, da eine Hetz- oder Treibjagd im Sinne der Oberpräsidialverordnung nicht vorliege.
Aus der Mett der Technik.
Mit der soeben erfolgten Vergebung des Schiffsbaues für die in Vorbereitung befindliche deutsche Südpolar-Expedition an die Howaldtwerke in Kiel ist das Unternehmen in das erste Stadium seiner Ausführung getreten. Das Schiff wird ein Holzbau sein, weil nur ein solcher die genügende Festigkeit und Elastizität für die Eisschifffahrt erhalten kann. Die Form des Schiffes wird etwas voller und nicht in der Weise abgeschrägt sein, wie es bei Dr. Nansens „Fram" der Fall war, deren Form für die schweren Stürme und den hohen Seegang der südlichen Meere ungeeignet fein würde, wie es Nansen selbst auf dem internationalen Geographenkongreß zu Berlin aussprach. Daß das Schiff so stark wie nur möglich gebaut wird, ist selbstverständlich. Es wird zur Aufnahme eines Kohlenvorrats und der gesamten Ausrüstung für drei Jahre eingerichtet und behagliche Wohn- und Arbeitsräume für 5 Gelehrte, 5 Offiziere und etwa 20 Mann Schifisbesatzung erhalten. Die Werft ist kontraktlich verpflichtet, das Schiff bis zum 1. Mai 1901 abzuliefirn, so daß darnach die wissenschaftliche und praktische Ausrüstung desselben bis zum Abgang der Expedition Ende August 1901 noch fertiggestellt werden kann.
THEE-MESSMER
Berühmte Mischungen Mk. 2,80 und 3,50 per Pfund. Probepackete 60 und 80 Pfg. Zu haben bei den Niederlagen von Meffmers Thee


