Ausgabe 
4.12.1900 Zweites Blatt
 
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150. Jahrgang

Dienstag den 4. Dezember

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W. 284 Zweites Blatt

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

zeigte sich während seines viertelstündigen Aufenthaltes fort­während am Fenster seines Salonwagens und dankte ge­rührt durch Schwenken des Hutes. Kurz vor der Abfahrt des Zuges dankte Dr. LeydS für den herzlichen Empfang, den der Präsident beim Betreten deutschen Bodens gesunden habe. Sodann setzte sich der Zug unter brausenden Hurrarufen in Bewegung.

In Aachen war der Andrang bei der Ankunft des Zuges so groß, daß die Polizei mit blanker Waffe das Publikum vom Bahnhofe zurückhalten mußte. Auf dem Bahnhofe selbst waren nur die Spitzen der Be­hörden und der Aachener holländische Studenten­verein der Hochschule in vollem Wichs zugelasien. Ein Mitglied des Vereins hielt eine Ansprache, auf die Krüger lief bewegt dankte. In Düren wiederholte sich das­selbe Schauspiel.

Krüger sandte sofort nach Eintreffen des Zuges auf deutschem Gebiet ein längeres Telegramm an Kaiser Wilhelm, in dem er dem Monarchen seine Ankunft auf deutschem Boden mitteilte und ihm die ehrfurchtsvollsten Grüße sandte. Dr. Leyds sandte eine Anzahl von De­peschen an den Reichskanzler und die deutschen Bunde«, fürsten. , , . ,

In Köln traf unter dem Andrang einer nach vielen Tausenden von Personen zählenden Menge am Abend um 10 Uhr 40 Min. Krüger ein. Der Nordexpreßzug hatte mehr als eine Stunde Verspätung. Das Publikum hatte sich so zahlreich auf dem Bahnhof eingefunden, daß es dem Präsidenten zunächst unmöglich war, den Zug zu verlassen. Als dieses endlich erreicht wurde, brach ein unbeschreiblicher Jubel los und das Hochrufen wollte kein Ende nehmen. Der Sturm der Begeisterung pflanzte sich auf dem Wege zum Domhotel fort, wo der Präsident Wohnung nahm. Das Aufgebot von Polzeibeamten war so gering, daß es nichts gegen die Menschenmenge auszurichten vermochte. Die vor dem Domhotel befindlichen, mit einem starken Eisengitter versehenen Anlagen wurden zertreten und das Gitter "umgeworfen. Als die Menschenmenge nicht nachließ und oas Lied:Deutschland, Deutschland über alles" anstimmte, erschien Ohm Paul auf dem Balkon und zeigte sich der Menge, die erneut in Hochrufe ausbrach. Der Präsident verneigte sich und grüßte durch Abnahme des Hutes. Auf dem Centralbahnhof wird gegenwärtig eine neue Unterführung nach dem Geleise 1 gemacht. ES ist zu diesem Zwecke ein tiefer Schacht gegraben, der mit einem Bretterzaun umgeben ist. Der Letztere erwies sich als zu schwach, das Publikum wurde gegen denselben ge­drückt und 24 Personen stürzten in die Tiefe, die alle mehr oder weniger verletzt wurden. Verschiedene wurden sehr schwer verletzt und mußten durch die herbei- geeilte Feuerwehr verbunden und nach dem Hospital ge­bracht werden. Den leichter Verletzten wuroe auf der Samariterstation am Bahnhof die erste Hilfe geleistet. Ein Umzug, an dem mehrere hundert Personen teilnahmen, be­wegte sich bis in die Morgenstunde singend und hochrufend durch die Straßen der Stadt, bis es auf dem Heumarkte den Schutzleuten gelang, mit blank gezogener Waffe die Menge auseinander zu treiben. Der Domplatz war auch am Sonntag von einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge belagert, die dem Präsidenten begeisterte Ovationen darbrachte. Krüger machte am Nachmittag 3 Uhr eine Fahrt die neue Rheinpromenade entlang, bis zum Wasserwerk Altenburg, um dieses zu besichtigen.

Es waren zum Sonntag in Köln zahlreiche Buren- sreunde aus Rheinland, Westfalen, Süddeutschland und Holland eingetrosfen. Tie Anwesenheit des Oberpräsi­denten Nasse in Köln wird in Verbindung gebracht mit bezüglichen behördlichen Maßnahmen. Tie vierzehn Zimmer im Tomhotel liegen nach dem Domplatz zu. Viele französische, englische und holländische Berichterstatter sind in Köln. Sämtliche Pariser Blätter entsandten Spezial- berichterstatter. Ein Empfang durch die Behörden unter­blieb. Krüger empfing im Tomhotel ungefähr 25 Stu­dierende der Bonner Universität, die nicht als Delegierte der Studentenschaft, sondern aus eigenem An­trieb gekommen waren, um dem Präsidenten ihre Sym­pathie auszudrücken. Auch-Mitglieder des alldeutschen Verbandes nahmen an dem Empfange teil. Der Sprecher der Studenten gab in einer kurzen Ansprache den Ge­fühlen derselben für die Sache der Buren Ausdruck. In seiner Erwiderung betonte Präsident Krüger sein Interesse für alle dem Unterricht dienenden Bestrebungen. Infolge der Verhältnisse in Südafrika seien noch viele seiner Wünsche in dieser Hinsicht unerfüllt geblieben. Er sei aber gerade darum zu dem Bestreben gelangt, für die Zukunft sein größtes Interesse den Bildungszwecken zu widmen. Schon jetzt könne sich Transvaal jedem in ähn-

Ohm Krüger. #

Präsident Krüger verließ am Samstag um 1 Uhr mit der gewöhnlichen Eskorte und in Begleitung einer großen Anzahl von Mitgliedern des Buren Komitees das Hotel Scribe. Er fuhr direkt nach dem Nordbahnhof, wo der Zug um 1.20 Uhr anlangte. Aus allen Fenstern der Häuser in den Straßen, durch die sich der Zug bewegte, schwenkten Damen ihre Taschentücher, und warfen dem Piäsi enten Blumen zu, während eine tausendköpfige Menge auf dem ganzen Wege Spalier bildete. Nach der Ankunft am Bahnhofe bat der Präsident Krüger den Polizei Prä­fekten Lepine, in seinen Wagen zu steigen. Er dankte ihm für den ihm von Seiten der Stadt Paris und der Pariser Bevölkerung bereiteten begeisterten Empfang. Als der Präsident ausstieg, um sich nach dem Wartesaal zu begeben, wurde er von vielen Seit^z mit Blumen beworfen. Wäh­rend Krüger den Salonwagen bestieg, erschollen die Rufe: Schiedsgericht, Schiedsgericht. Der Vizepräsident des Pa­riser Stadtrates, Escnlier, begrüßte Krüger in dessen Salon­wagen mit folgenden Worten:Ich begrüße Sie im Namen der Stadt Paris, die Ihnen einen vollen Erfolg in der von Ihnen unternommenen Mission wünscht". Präsident Krüger dankte gerührt. Wie verlautet, drückte auch Prinz Heinrich von Orleans dem Präsidenten kurz vor dessen Abfahrt seine Sympathie als Franzose und Republikaner aus. Die nationalistische und royaltstische Presse kommen­tiert diese Kundgebung äußerst abfällig.

Nach einer Blättermeldung hat der deutsche Botschafter Fürst Münster in einem direkten Telegramm an Kaiser Wilhelm demselben die Abreise Krügers von Paris nach Berlin angekündigt.

In den belgischen Städten Charleroi, Namur und Lüttich stürmten Tausende den Bahnhof. Polizisten und Bahnbeamte wurden von der Begeisterung der Menge mit- geriffen und beteiligten sich an den frenetischen Hochrufen. Petit bleu" ließ in Namur einen riesigen erleuchteten Luft­ballon steigen mit der Inschrift:Vivo Krüger! Der Lärm war zu groß, als daß Krüger hätte reden können. In Lüttich war die Bahnsperre strenger, dennoch erstürmten Tausende den Bahnhof, obgleich Gendarmen mit dem Bayonnett sich widersetzten. Heimziehende Demon­stranten manifestierten hernach vor dem englischen Konsulat und riefen:TS leben die Buren! ES lebe das Schiedsgericht!" Dann, als der Konsul demonstrativ rauchend auf dem Balkon erschien, ertönten Rufe:Nieder mit Chamberlain! Nieder mit England! Mörder!" Als sodann Geldstücke von oben niederfielen, zerbrach die Menge die Scheiben und warf mit Eiern, von denen eines den Sohn des Konsuls ins Gesicht getroffen haben soll.

Bei Station Herbesthal gelangte Krüger auf deutsches Gebiet. Dort wurde der alte Held von einer ungeheuren Menschenmenge mit nicht enden wollenden Hurrarufen empfangen. Ein Herr hielt eine kurze An­sprache, in der er sagte:Wir begrüßen Dich, edler Held, 1 der Du viel gelitten hast, auf deutschem Boden." Krüger

mundet, außerdem englischerseits 5 Offiziere, 50 Mann verwundet, 5 Mann getötet. Ein großes Gefecht zwischen Knox und Dewet soll in der Nähe von Rouseville statt­gefunden haben. Die FincmzzeitungStatist" regt an, die Regierung möge Unterhandlungen mit Botha und De Wet eröffnen, um den Krieg zu Ende zu bringen. Da die Burenführer die Beweggründe solchen Vorgehens mißverstehen könnten, wenn militärische Behörden die Ver­handlungen eröffneten, schlägt; das Blatt vor, einer der höchsten Z i v i l b e a m t e n in Südafrika möge die Ver­handlungen eröffnen, und erklärt, England verliere an Ansehen undschädige seinen Handel, wenn man sähe, wie seine südafrikanischen Besitz- ungenmehrundmehrinsVerderbenge stürzt werden. DerStatist" billigt den Vorschlag des Finanz­mannes I. B. Robinson, BolhaundDeWetSitzern dem zu errichtenden gesetzgeberischen Rate anzubieten.

Das Reutersche Bureau meldet aus Kapstadt vorn 30. November: Oberst Meyrick hat mit einem Bataillon der Momanry am 25. November Lichtenburg besetzt, ohne auf Widerstand zu stoßen ; er hatte indessen zehn Meilen von der Stadt entfernt ein h artnückiges Ge­fecht mit 400 Buren zu bestehen. Dasselbe Bureau meldet aus Äurban vom 1. ds.: Die Buren entfalten tm Bezirke von Standerton große Thätigkeit.

London, 1. Dezember. Amtlich wird gemeldet, daß Lord Roberts durch Lord Kitchener ersetzt worden ist, der zum Generalleutnant befördert wurde mit dem Titel: L o r d - G e n e r a l".

Amtlicher Heil.

Bekanntmachung.

Der auf Dienstag, 11. d. Mts. angesetzte Rindvieh- DMGrft zu Gießen wird wegen der Gefahr der Seuchen- v«kslhkppung verboten, dagegen die Abhaltung des an Hntjtnt Tag anstehenden Schweinemarkts mit der Be­dingung gestattet, daß die Zufuhr zu Wagen erfolgt und 0)318 verseuchten Gemarkungen nicht zugelaffen wird.

Jci gleicher Weise wird die Abhaltung eines Schweine- wmnkts in Hungen am Mittwoch, 10. d. Mts. gestattet.

Gießen, 3 Dezember 1900.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Boeckmann.

Der Krieg irr China.

Wie dasB. T." erfährt, ist weder im preußischen Stmgsrninisteriurn noch im Auswärtigen Amt zu Berlin das gpringrite davon bekannt, daß die Kalgan-Expedition eiintn Mißerfolg erlitten habe. DerAgencia Stefani" wmid o us Taku vorn 30. November gemeldet: Nachrichten, bfliit dem Admiral Candiani zugegangen sind, bestätigen, daß dliiaTnuppenabteilung, die nach Kalgan abgesandt worden hti, am 2. oder 3. dS. wieder in Peking eintreffen dürfte.

DerTemps" wird aus London bestätigt, daß eine V) rrftiändigung zwischen den Mächten über die ähmsifiche Angelegenheit erzielt worden ist. Sie sei auf Gi-md einer französischen Note erfolgt. Die Züchtig- u>mss lund die Emschädigungssrage seien als Nebenfragen v ^chcalten, die übrigen Punkte würden den chinesischen D^llruächtigten übermittelt werden. Der französische Gßchudte Pichon ist beauftragt worden, die Beschlüsse, die viM allen anderen Gesandten angenommen werden, ebenfalls Merrzeichnen und die Note der chinesischen Regierung zuWßellen. Es geht hieraus hervor, daß man in Paris diie: Lage'lchon für soweit geklärt ansieht, daß die Not- tostnligfeit neuen Meinungsaustausches zwischen dem Ge- faNttn Frankreichs und seiner Regierung nicht mehr für ecüfmderlich gehalten wird. Das läßt schließen, daß auch bin anderen Mächte sich heute schon ober bald in ähnlicher L'W befinden werden. Es wird dann den Gesandten, wie eS8 Wnt, innerhalb neuer ihnen von den Regierungen ge- zoWer Grenzen eine gewisse Beschlußfreiheit wiedergegeben.

?ttlS Rom wird gemeldet, daß die Eisenbahn SZchnhaiku an-Peking, an deren Herstellung Deutsche, Erfinder und Japaner arbeiteten, Mitte Dezember dem Lckiöchr übergeben werden wird. Die englischen Alarm- beiiiiüle über den durch die Russen verschuldeten trostlosen ZiDmd dieser Bahn, namentlich der Strecke Tongkn- SÄH:nhaikwan, waren also sehr übertrieben. Der fran- zöWe Minister des Auswärtigen teilte dem Mmisterrat iwAdcuß die Lage in Südchma sich bedeutend gebessert haD In der Provinz Schantung sind die Christen unter BWckvmg französischer Kanonenboote und chinesischer Truppen tnii ihr« Dörfer zurückgekehrt. Maueranschläge teilen mit, basg, id enn weitere Christenverfolgungen stattfinden, die

ziitr Rechenschaft gezogen und die Verhandlungen ab« gei^ch'M würden. D e des Mordes von Christen schuldig beizeiten Chinesen sind in Gegenwart des französischen KuLchlS hin gerichtet worden.

Buren rrtrd Engländer.

ßime Depesche Kitcheners aus Bloemfontein vom 30H ^o-oember meldet: General Knox griff Dewets 9c t bei Beyersberg auf dem Wege Dewetsdorp- SiMklhifield an. Das Gefecht währte zwei Stunden. D.Äi^md wurde umgangen und zog sich nach sudlvck)er urm üidöstlicher Richtung zuruck. Den letzten Meldungen 3*1 e; bekam General Knox mit den Truppen Dewets RMnng in der Nähe Tafelberg zwölf Metten nördlich vcamdeethulie. General Settle geriet am 28. November mintbeini Kommando Hertzog m ein GefechtberKloof Ittö kr Nähe von Woolvekraal. Nachdem Settle die Buren ge^laggen, besetzte er Luck.)off. Paget geriet am 28. unb 29? Üoüfember mit vereinigten Kommandos unter Viljoen EiäoLmms in ein Gefecht. Der Feind wurde auf die ßlMnrg Riedfontein nordöstlich Rhenesterkop zurück- geliegen. Oberstleutnant Lloyd schwer ver-

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