Tod König Humberts tief beklagen, aber teils die Hoffnung durchblicken lassen, als werde die Politik des neuen Königs eine andere werden, als habe insbesondere Frankreich Aussicht, daß sich, ihm Italien unter Viktor Emanuel mehr nähern, als dies unter Humbert geschehen sei. Sowohl was die innere Politik anbelangt als die äußere, so ist freilich der junge König von Italien noch ein völlig unbeschriebenes Blatt. Er ist bisher sehr wenig in die Oeffentlichkeit getreten, und von seiner politischen Gesinnung Zeugnis abzulegen, dazu hat er noch keine Gelegenheit gehabt. Vielleicht giebt sein Manifest darüber Aufschluß, das hoffentlich die Erwartungen unserer Freunde von der Seine vernichten wird.
Der jetzige König ist bekanntlich mit der Prinzessin Helene von Montenegro vermählt. Daraus schließt man in Frankreich, daß zwischen den Höfen von Rom und Petersburg sich eine ganz besondere Intimität entwickeln werde, die unbedingt ihre Rückwirkung auch auf das Verhältnis Italiens zu dem Rußland alliierten Frankreich haben müsse. Ja, die Hoffnungen der Politiker an der Seine gehen noch weiter! Der momentane Thronfolger ist mit einer Prinzessin von Orleans vermählt, und da die Ehe des Königs bisher kinderlos geblieben ist, so liegt die Annahme nahe, daß eine Prinzessin aus dem Hause Orleans'einmal Königin von Italien wird. Man hofft nun, daß der Einfluß des Thronfolgers schon jetzt so weit reichen werde, um Italien der Dreibundpolitik zu entfremden und das Land in die Arme Frankreichs zu treiben.
Daß sich alle diese Hoffnungen erfüllen werden, glauben wir nicht. Insbesondere von dem jungen König dürfen wir voraussetzen, daß er ein treuer Freund Deutschlands ist und im Interesse des Ansehens seines Landes die Dreibundpolitik unentwegt fortsetzen wird. Im letzten Dezennium haben in Italien die leitenden Staatsmänner aller Parteirichtungen dieselbe auswärtige Politik verfolgt, die sich auf den Dreibund stützt, die maßgebenden Kreise müssen also durchdrungen sein von der Notwendigkeit dieser Politik. Ein Rütteln an derselben würde für hert Staat verhängnisvoll sein, und wir dürfen uns deshalb der Zuversicht hingeben, daß König Viktor Emanuel III. in die Fußtapfen seines Vaters treten und
auf Erhaltung des europäischen Friedens hinzielende Bündnis mit Deutschland und Oesterreich nicht lösen wird.
Auf Einladung des Kaisers wird der Graf von Turin, ein Neffe des ermordeten Königs von Italien, an den diesjährigen Kaiser Manöver n teilnehmen. Im Einverständnis der beidersei- ckcgen Heeresverwaltungen wird eine kleine Abordnung des rtalienischen Lancier-Regiments „Novara" dem Prinzen auf das Manöverfeld vorauseilen. Dieses Detachement, bestehend aus einem Offizier (Leutnant Boselle), zwei Unteroffizieren und zwei Lanciers, das den gewaltigen Dauerritt $ Ö..IL <flvrenzbisNachSch testen i n voller feld- mäßiger Ausrüstungzu leisten hat, wird nach Durch- chrerung der Alpen von seiner letzten Etappe in Tirol, Lermoos, aus, am 27. ds. in Weilheim eintreffen. Das Detachement wird in Weilheim von einem Offizier (Leutnant Graf Tattenbach) und einigen Mann des 1. schweren Reiterregiments eingeholt und am 28. ds. nach München! geleitet werden, wo Mannschaften und Pferde in der Kaserne gedachten Regiments untergebracht und verpflegt werden. Das Offizierkorps des 1. schweren Reiterregiments wird am 29. ds., Rasttage des Detachements, zu Ehren dessen Führers ein Diner in der Offiziers-Speiseanstalt geben, zu welchem Einladungen u. a. auch an den italienischen Generalkonsul v. Oldenbourg und an den italienischen Gesandtschaftsattachee, Herrn Montagna, ergangen Md. Es ist ferner angeordnet worden, daß Leutnant Graf Tattenbach dem Detachement auf seinem ganzen Ritte durch Bayern bis zur Grenze bei Hof das Ehrengeleite gebe.
Dre offiziöse Ankündigung, daß die preußische Regierung beabsichtige, demnächst erneut den Versuch zu machen, dre Unterhaltungspflicht der Volksschule auf gesetzlichem Wege zu regeln, giebt der „Preußischen Lehrerzeitung" Veranlassung, dazu Stellung zu nehmen. Das Blatt vermag nicht, sich etwas Gutes von der Absicht der Regierung zu versprechen. — Der „Pädag. Ztg." wird aus Leipzig über eine Maßregelung von Lehrern folgendes berichtet: Anläßlich der letzten Gehalts- r e g e l u n g erließen die 16 Mitglieder der von den Lehrern gewählten Gehaltskommission in der „Leipz. Lehrer- zeichng" eine Erklärung, worauf gegen sie das Disziplinarverfahren eingeleitet und ihnen eine drei Jahre gütige „Ermahnung" erteilt wurde. Schlimmer ist es dem Redakteur der „Leipz. Lehrerztg.", dem Lehrer Ernst Beyer, ergangen, der auf der Kölner Lehrerver- »Emlung den mit so großem Beifall aufgenommenen Vortrag über „Rückblicke ünd Ausblicke an der Jahrhundertwende" hielt. Ihm Hat der Rat der Stadt Leipzig die Genehmigung zur Führung der Redaktion ent- n;a.$ie 8^9 " bemerkt zu dieser Maßregelung: „Man ist gewohnt, daß Märtyrer geschaffen werden in den allertrubsten Zeiten der Reaktion und an Orten, an
?e-lnEronäre Geist besonders stark zur Herrschaft Altte das m Leipzig der Fall sein? Berlin Hatte seinen Diesterwea, Wien seinen Dittes, die Hessen die Bayern ihren Pfeiffer und sonder. Soll Leipzig nun seinen Ernst
Aus Stadt und Kand.
Gieße«, den 3. August 1900.
« Die Landk-umversitiit hatte anläßlich des Ablebens de» Herzogs Alfred von Sachsen-Koburg und Gotha folgendes Telegramm an den Großherzog gerichtet:
Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog Ernst Ludwig von Hessen.
Tief erschüttert von dem neuen Schicksalsschlage, welcher ihr erhabenes Herrscherhaus erlitten hat, naht sich die LandeSuniverfität Eurer Königlichen Hoheit, um
dem schmerzlichen Gefühle wahrer Trauer Ausdruck zu geben, welches unser Aller Herzen erfüllt.
Der Rektor der LandeSuniverfität: E. Netto.
Daraus ging die folgende Antwort aus OeSlau ein: Dem Rektor der LandeSuniverfität.
Ich spreche Ihnen meinen wärmsten und aufrichtigsten Dank aus für die freundliche Teilnahme an Unserer Trauer. Bitte dieses der LandeSuniverfität mitzuteilen.
Ernst Ludwig.
** Persoualnachrichten. Der Steuerkommissär des Steuer- kommissariatS Nidda, Regierungsrat Adolf Schmitt, wurde in gleicher Diensteigenschaft in das Steuerkommissariat Groß-Gerau versetzt, der Steuerkontrolleur Regierungs- asfessor Ludwig Korsmann zu Friedberg wurde zum Steuerkommissär des Steuerkommissariats Nidda, der Steuer- kommisfariatsassiftent Regierungsassessor Wenzel zu Worms zum Steuerkommiffär des Steuerkommissariats Grünberg, der Domanialkommisfär zu Fischbach, Forstassessor Ernst Mettenheimer unter Belassung des ihm verliehenen Charakters eines Oberförsters und unter dem Vorbehalt der Regelung seiner Anciennetät zum Forstassistenten ernannt, der Steuerkommissär des Steuerkommissariats Butzbach, Regierungsrat Karl Klingel Höss er, wurde aus sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß das Ritterkreuz 1. Kl. des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
** Landeslotterie. Die Ziehung der 5. Klasse der 1. LandeSlotterie findet am 7., 8., 9., 10., 13., 14., 16., 17. und 20. d. M. in dem bis aus weiteres als Ziehungslokal dienenden Saale der Brauerei „Zum Schützenhof" in Darmstadt unter notarieller Kontrolle statt.
** Für die Truppen in China stellte ber Selterssprudel „Augusta Viktoria" (Inh. Grünwald u. Konsorten) in Selters a. d. Lahn dem Roten Kreuz in Berlin einen Waggon tropensicheres Mineralwasser zur Verfügung.
** Die Kreiskonferenz der evangelischen Geistlichen Ober- heffens, die gestern in „Steins Garten" tagte, trug einen besonderen Charakter. Es galt, das 25jährige Jubiläum des Prälaten D. Habicht als Ober-Konsistorialrat und Superintendent von Oberhessen zu feiern, daher erklärte sich die außerordentlich starke Beteiligung von Geistlichen, Laien und sonstigen Bekannten und Freunden des Herrn Jubilars. Es sind wohl 200 Personen anwesend gewesen. Die Versammlung wurde um 11 Uhr mit dem Gesang des Liedes: „Ach bleib mit Deiner Gnade" eröffnet, woran sich ein Gebet des Pfarrers Röschen-Winnerod schloß. Den Reigen der Begrüßungen eröffnete der dienstälteste Dekan der Provinz, Herr H o smey er-Nidda, im Namen der oberhessischen Dekane und Geistlichen. Geheimrat Provinzialdirektor von Bechtold-Gießen begrüßte den Jubilar im Namen der Provinz Oberhessen, Geh. Kirchenrat Pros, v. Kattenbusch im Namen der theologischen Fakultät, Direktor D. Weissenbach- Friedberg im Namen des Predigerseminars, Kommerzienrat Georgi-Gießen im Namen der Stadt Gießen, Pfarrer Schrimpf-Butzbach im Namen des hessischen Psarrvereins, Pfarrer Dr. Naumann-Gießen im Namen des hiesigen PsarrkollegiumS und Kirchenvorstandes. Auch die erste Gemeinde des Jubilars, Echzell, ließ ihre Grüße durch ihren OrtSgeistlichen, Pfarrer Hildebrand darbringen, die benachbarte Kreissynode Wetzlar durch Pfarrer Lindenborn-Odenhausen, die Oberhesfische Lehrerschaft durch Lehrer Schweitzer- Odeuhausen. Ties gerührt dankte der Jubilar allen aufs herzlichste. Hieran schloß sich der Vortrag des Herrn Prälaten über das kirchliche Leben der letzten 25 Jahre in Hessen, worin besonders für die Entwickelung der Kirche tief einschneidende Gesetze und deren Folgen für das kirchliche Leben hervorgehoben wurden. Mit den beiden letzten Versen des zu Beginn gesungenen Liedes wurde die Konferenz geschlossen. Bei dem darauf folgenden Festessen wurden noch verschiedene Trinksprüche ausgebracht.
** Der Gießener Historiker Professor Dr. W. Oncken schildert in seiner „Allgemeinen Geschichte in Einzeldarstellungen" (herausgegeben 1878—1894) das erste Attentat auf König Humbert, das zu Neapel am 17. November 1878 verübt wurde, folgendermaßen : Am 17. November hielt das Königliche Paar in Neapel seinen Einzug. Dem König gegenüber im Wagen saß der Ministerpräsident Cairoli, gegenüber der Königin der Prinz von Neapel. Mehrere Bittschriften wurden dem König in den Wagen gereicht. Plötzlich schwang sich ein Mensch auf den Wagentritt, zog ein langes Messer aus dem Roch, und führte damit einen heftigen Stoß nach der Brust des Königs. Dieser fuhr in die Höhe und stieß dem Mörder die Säbelscheide entgegen. Dieser Gegenstoß lenkte die Waffe in der That von der Brust des Königs ab und bewirkte, daß nur der linke Oberarm gestreift ward. In dem Augenblick, da der Mörder einen zweiten Stoß führen wollte, warf sich Cairoli über den König, um den Stoß, der diesem galt, mit dem eigenen Leibe aufzufangen, und packte, während ihm das Messer in den linken Oberschenkel fuhr, den Mörder bei den Haaren und am Rockkragen. In demselben Augenblick erhielt der Mörder durch einen Kürassierosfizier von ber Begleitung einen Säbelhieb über den Kopf, der ihn zu Boden streckte. Auf die Polizei verbracht, ward er sofort einem ernsten Verhör unterworfen, in dem sich ergab, daß er Giovanni Passanante hieß, seines Zeichens ein Kochi aus Calabrien unb seiner Gesinnung nach ein ganz roher, frecher Anarchist war, den augenscheinlich das Beispiel Hödels angefeuert hatte, denn er erklärte offen, er sei Anarchist und habe» den König erinorden wollen, weil Kaiser und Könige überhaupt ermordet, die Monarchie abgeschafft, alle Obrigkeit vernichtet werden müßte, um der Armut auf ber Welt ein Ende zu machen.
**-h. Von den Rundreiseheften. Man schreibt unK_: Recht unpraktisch fstr beu Verkehr sind die von Nsrd-
deutschlanb aus in den Rundreiseheften nach Frankfurt a. M. enthaltenen Fahrscheine eingerichtet. Uns lag ein solcher Schein von Magdeburg nach Frankfurt dieser Tage vor. Auf demselben ist zwischen der Abgangsstation und Cassel jede nur halbwegs nennenswerte Station genannt, sodaß der Reisenoe hier ohne weiteres seine Fahrt beliebig unterbrechen kann, während von Cassel bis Frankfurt a. M. nur Marburgder bevorzugte Platz ist, wo der Passagier einfach Aufenthalt nehmen kann, inoem dessen Billet nur zum Beweise dessen an der Billeffperre beim Verlassen des Bahnsteigs und ebenso vor ber Abfahrt beim Betreten desselben durchlocht wird. Will ber Reisende, welcher von Norddeutschland aus ein Billet hat, aber das größere Gießen oder das als Badeort bedeutende Nauheim besuchen, ehe er nach Frankfurt fährt, so hat er nötig, bei Ankunft sich beim Vorsteher der Station gleich nach Verlassen des Zuges &u melden. Mit diesem begiebt man sich, wenn der Beamte erst den Zug abgefertigt, in das Stationsbureau, wo dann mittelst Stempel und Unterschrift die Fahrtunterbrechung des Reisenden auf der Rückseite des Scheines vermerkt wird. Ohne einen solchen Vermerk wird der Schein bekanntlich! auf Station Gießen oder Bad- Nauheim zur Weiterfahrt ungiftig. Dieser ganze, das: reisende Publikum belästigende und zeitraubende Umstand wird unnötig, wenn auf den Rundreisescheinen jedeSta- tion, auf der Schnellzüge halten, als solche bezeichnet steht, wo die Fahrtunterbrechung ohne weiteres gestattet ist. Wenn dies doch für Marburg angeht, warum nicht auch für Gießen und Nauheim? An beiden Orten würde der diensthabende Stationsbeamte um eine Arbeit erleichtert, die auch für diesen belästigend fein muß. Man muß nur einmal gesehen haben, wenn in der Reisezeit mehrere Personen dem Stationsvorsteher auf Schritt und Tritt nachtaufen, um ihre Scheine verlängert zu bekommen, und frnan wird es begreiflich finden, wenn! dabei der eine loder andere Reisende ungemütlich wird. Cs bedarf wohl nur dieses Hinweises, um die Großh. Ho - delskaMmer Gießen, die sich im Interesse des V*.c- kehrs schon so häufig verdient gemacht hat, zu veranlassen, der entsprechenden Ergänzung dieser Rundreisescheine ihre Aufmerksamkeit zu widmen.
•* Billige Sommerfrische? Das von allen Seiten von Bahnlinien umzogene oberhessische Gebirge, der Vogelsberg, ist für den Touristen und Erholungsbedürftigen leicht erreichbar und vielen eine Gegend der Ausspannung und stillen Erholung. Wer infolge geistiger oder körperlicher Ueberanstrengung, als Nervenleidender oder Rekonvaleszent der Erholung bedarf, findet fie in der freien Höhenluft des Vogelsbergs weit eher als in teueren Modebädern. Wer tagsüber auf den Blumenwiesen des Gebirges oder in den ozonreichen Hallen des Hochwalds zugebracht und sich am rauschenden Spiel der Gebirgswasser und an vielstimmigem Vogelssang ergötzt hat, bei dem werden Nervenschwäche, Kopf- und Muskelschmerz, Herzklopfen, Schlaflosigkeit und Mißstimmung baldigst schwinden. Für Erholungsbedürftige und insbesondere Neurastheniker gibt es ja kein besseres Medikament, als Ruhe, gute Luft und guten Tisch. Wer in einem Gebirgsdorf des Vogelsbergs sich in Sommerfrische befindet, der ist fernab von den Aufregungen der Tagesereigniffe und atmet bakterien- und staubfreie Lust; dem Sonnenbrand des Tags kann er in die Schattenkühle des Hochwalds entfliehen. Schönheitssinn und Naturempfinden werden in günstiger Weise durch herrliche Land- schaftöbilder beeinflußt. Ohne Lustkurpreise gibt eS dort gute Verpflegung. Besonders sei in dieser Beziehung auf Ulrichstein, als günstigsten Zugangsort zu dem weiten Forstgebiet des OberwaldeS, hingewiesen. Infolge seiner Lage vor dem Oberwald, inmitten quellreicher Wiesen, ist die Temperatur auch in den heißesten Tagen erträglich. Von Station Mücke der Strecke Gießen-Fulda ist es über Ruppertenrod, Ober-Ohmen, Unter- und Ober-Seibertenrod oder auch über Ilsdorf, Groß-Eichen, Höckersdorf und Bobenhausen, malerischen Vogelsbergdörfern, in21/2ftünbigcr Wanderung erreichbar. Heber beide Linien führen auch Postverbindungen. Von Ulrichstein ist der Ausstieg aus den Taufstein und HoherodSkops ohne große Steigung an rauschenden Bächen entlang, durch tiefe Wälder und über blumige Matten, leicht und bequem ausführbar.
*• Um dem Ueberhandnehmeu der Wirtschaften einigermaßen entgegen zu steuern, ist soeben von den oberen Ber-- waltungsbehörden ein Ausschreiben an die Bürgermeistereien der Landgemeinden gerichtet worden, in welchem darauf hingewiesen wird, daß bei jedem Gesuch um eine Wirt- schastskonzession auch der Gemeinderat über die Bedürfnisfrage zu hören sei, um so eine schärfere Beaufsichtigung durch die Gemeinden selbst üben zu können. Es soll dies nicht allein bei Errichtung neuer Wirtschaften geschehen, sondern auch wenn in einer bestehenden Wirtschaft eine Aenderung in der Person des Wirtes eintreten soll.
An Branntweinsteuer hat der hessische FiskuS im abgelaufenen Jahre 1,238,632 Mk. gegen 1,155,616 Mk. vereinnahmt, trotzdem die Branntweinfabrikation von 18,097 Hektoliter aus 17,454 Hektoliter in diesem Jahre zurückgegangen ist.
*♦ Einziehung älterer SO Mark Scheine. Die Eisenbahndirektionen find beauftragt, die ihnen unterstellten Kaffen dahin mit Anweisung zu versehen, daß die bei ihnen vorhandenen und noch eingehenden Reichskaffenscheine vom 10. Januar zu 50 Mk. nicht wieder ausgegeben, sondern durch Vermittelung der Eisenbahnhauptkaffen in angemessenen Partieen an die preußische Kontrolle der Staatspapiere zum Umtausch gegen Scheine neuer Ausgabe vom 5. Januar 1899 abgeliefert werden.
x x Ne«-Ulrichstein, 1. August. In der Arbeiter- Kolonie sind Ende Juli stellen-, resp. arbeitslos 22 Mann. Seit Bestehen der Kolonie wurden ausgenommen 3737, entlassen 3715, mithin Bestand 22. Zugänge im Monat Juni 9, Abgänge im Juli 9. Die Abgänge verteilen sich: in Stellung durch eigenes Bemühen 1, auf eigenen Wunsch 4, wegen Kontraktbruchs 4.


