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Marburg, 2. Mai. Eine schöne Sitte hat sich hier eingebürgert: die Feier beim Eintritt des Monats Mai. Gestern nacht punkt 12 Uhr erscholl auf dem Marktplatz mit Musikbegleitung das Lied „Der Mai ist gekommen". Die Führung hierbei hatte das Korps „Haffo-Naffovia". Auf den zahlreichen Studentenkneipen unserer Umgebung wurde der Eintritt des Monats festlich begangen. Als es Zwölf schlug, flammten rings auf den Bergen mächtige Feuer auf, hie und da erschienen buntfarbene Sonnen dazwischen, Raketen stiegen in die lauwarme Nacht, und über dem Ganzen thronte der Siegeöturm auf Spiegelslust in prächtiger Illumination. Selbst das hoch über der Stadt gelegene Schloß war illuminiert.
** Kleine Mitteilungen aus Hesse« uud den Nachbarstaaten. Bei der jüngsten Verpachtung der fiskalischen Fischereien (Forellenwasser) in den Oberförstereien Thiergarten (Rhön) und Fulda, den Haunfluß betreffend, sind fabelhafte Preise erzielt worden. Gewässer, für welche seither 60 Mark Pacht gezahlt wurden, sollen auf 1600 Mark getrieben worden sein. — In Bad-Nauheim sind Prinz und Prinzessin Neuß VII. zur Kur angekommen. — In Rodenbach wurden dem Taglöhner Jakob Herrmann, Drillinge, drei Mädchen geboren. Frau und Kinder sind gesund. — Die Gemeinde Altenschlirf ernannte den Geh. Kirchenrat D. Thomas Stock zu Stockhausen aus Anlaß seines Amtsjubiläums zum Ehrenbürger. — Feuerlärm machte vergangene Nacht ein Mann auf dem Marktplatze in Marburg. Es stellte sich aber heraus, daß nur ein Mann in Weidenhausen seine Frau geprügelt hatte. Diese hatte in ihrer Bedrängnis „Hilfe" und jedenfalls auch „Feuer" gerufen und dadurch war wohl das Mißverständnis entstanden. — Der Schullehrer i. P. Heinrich Baumann in Lampertheim hat seiner Schrift „Aus Notwehr" eine zweite Broschüre „Herrn Karg's glänzende Rechtfertigung" folgen laffen, in der er die hessischen Schulbehörden, insbesondere den Kreisschulinspektor Karg, auf das Heftigste angreift. Das Ministerium des Innern hat deswegen Strafantrag wegen Beleidigung gestellt, so daß die Angelegenheit zu gerichtlichem Austrage kommen wird. — Bei St. Goarshausen wurde die Leiche des sind. Ostern aus Geisenheim, die des Studenten Prinz bei Lorch geländet. — An der Fähre bei Offenbach wurde die Leiche des Ar- : oeitcrs .'ntzinger, der am Sonntag vor acht Tagen in den Main gesprungen war, geländet, - In Seligenstadt sah man einen Handwerksburschen der mit dem Zweirad I
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I .. P^g, 2. Mai. Der Landtag nahm mit allen gegen die Stimmen der Deutschen den Antrag KramarS an, alb Ehrlich 20000 Kronen zum Ankauf von Kunstwerken zu bewilligen. Der Antrag Steiner betr. die Aufhebung des Zuckerfabrik-Kartells in Nordwest- Böhmen wurde der Landeskultur-Kommission überwiesen. Der Antrag Jawsch betr. die Unterstützung von Getreidelagerhäusern, wurde nach längerer Debatte, in der sowohl die Deutschen als die Czechen auf den Niedergang des Bauernstandes hinwiesen, in zweiter Lesung einstimmig angenommen.
Konstantinopel, 1. Mai. Ismael Kemal hat heute an Bord des englisch-egyptischen Dampfers „Tewfik Rabani" Konstantinopel verlassen. Ismael macht den Sultan für seine Flucht nicht verantwortlich, aber seine Ratgeber werden für die Zukunft eine fürchterliche Verantwortung auf sich laden, wenn sie in dieser ziellosen Weise, wo jede Sicherheit der Person und des Eigentums immer mehr schwindet, und der Ausdruck einer ehrlichen patriotischen Ueberzeugung einem Verbrechen gleichgehalten wird, weitergehen. Der Sultan bot Ismael heute den Botschafter-Posten in London an, allein Ismael glaubte in seiner gegenwärtigen Lage sich nicht entscheiden zu sollen.
Newyork, 2. Mai. In Washington ist man nicht erbaut über das aus Berlin gemeldete Kompromiß betreffs des Fleischbeschaugesetzes; man betrachtet es aber doch als ein Zugeständnis, und als eine Grundlage für einen gütlichen Ausweg.
Aus Stadt und Kund.
(Anonyme Einsendungen, gleichviel welchen Inhalte-, werde« grundsätzlich nicht ausgenommen.)
Gieße«, 2. Mai 1900.
** Don der Universität. Der Großherzog hat am 27. April den ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Universität zu Greifswald Dr. Magnus Biermer zum ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Landesuniversität mit Wirkung vom 19. April ernannt.
** Knllstvereiu. Die Aquarelle von Prof. A. M a enn- chen aus Danzig sind gestern in der Gemäldeausstellung im Turmhaus am Brand eingetroffen, und gelangen am nächsten Sonntag zur Ausstellung. Infolgedessen bleibt am Freitag die Ausstellung geschlossen.
bm. Aus Rheinhessen, 2. Mai. Auf der Bahnstrecke Mainz warf sich gestern abend unfern der Station Bodenheim ein anscheinend dem Arbeiterstande angehörender Mann vor die Lokomotive eines Güterzug es. Der Kopf wurde dem noch jungen Manne durch die Maschine von dem Rumpfe getrennt. Bei der Leiche wurde nichts gefunden, woraus sich die Persönlichkeit des Selbstmörders erkennen ließe. — In Gaualgesheim bei Bingen wütete gestern nachmittag ein großes Schadenfeuer. Dasselbe war in einer Holzhandlung ausgebrochen, und wurde durch den starken Wind auf ein nebenliegendes Anwesen getrieben, wo es in einem großen Holz- und Kohlenlager reiche Nahrung fand. ES bedurfte großer Anstrengungen mehrerer Feuerwehren, um des Feuers Herr zu werden. Der entstandene Schaden ist beträchtlich, doch ist er durch Versicherung gedeckt.
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Wen-Einfuhr verboten wird. Die übrigen Beftim- änungen der Verständigungen untren den Umrissen nach 'bekannt. Die „Deutsche Tagesztg." ist von der Veröffentlichung überrascht, weil sie von konservativer Seite nicht gewünscht worden sei. In seiner persönlichen Stellungnahme bedauert das Blatt, erklären zu müssen, daß es Zu den Regierungen das Vertrauen nicht hegen lönne, daß sie die vorgeschlagenen Bestimmungen mit der durchaus notwendigen Festigkeit und Schärfe handhaben werden. Deshalb trägt das Blatt lebhafte Bedenken, auf den Boden des Kompromisses zu treten. Roch durchschlagender seien aber die grundsätzlichen Bedenken, die auf sanitärem Gebiete liegen. Keine Untersuchung könne nachweisen, ob das Pökelfleisch von einem verendeten Tiere herrühre. Weil ein solcher Nachweis unter keinen Umständen möglich ist, glaubt die „Deutsche Tagesztg." an dem Ausschlüsse von Pökelfleisch unbedingt festhalten zu müssen. - Die „Nationalztg." schreibt: Läßt die Regierung sich aus dieses Kompromiß ein, so übernimmt sie die Verant- wortung für alle Folgen in Bezug auf die Fleischversorgung Des Inlandes und auf die handelspolitischen Beziehungen. Sie beruhigt sich jetzt vielleicht mit der Erwägung, daß in Bezug auf Pökel- und zubereitetes Fleisch alles auf die Art der Anwendung der zweideutigen Bestimmungen an-" kommen würde, aber die agrarische Agitation würde die Regierung bald darüber belehren, daß die Herren Graf Klincwwström und Genossen so wenig wie die Herren Dr. Rösicke und Katen gesonnen sind, eine der Einfuhr günstige Interpretation zu gestatten. Die Regierung würde geradezu eine neue agrarische Agitation herausfordern und für sie die Waffen selbst liefern.
München, 2. Mai. Am Vormittag fand die standesamtliche Trauung der Prinzessin Mathilde von Baiern mit dem Prinzen Ludwig von Coburg -statt. Anwesend waren alle Mitglieder des bairischen Kö- I mgshauses, Herzog Alfred von Coburg-Gotha, die Prin- I Se/ftn Clementine und die übrigen fürstlichen Hochzeits- I koburgischen Hauses. Nach der standesamtlichen I Eheschließung durch Freiherrn v. Crailsheim hielt dieser I eine Ansprache, in der er die Verbindungen der Käufer I unb Coburg feierte. Hierauf begaben sich die I c «'• !?feüen. im feierlichen Zuge in die Allerheiligen- Hoskirche, wo in Anwesenheit der obersten Hof- und Staats- I beamten der Generalität usw., der Erzbischof von München I oie kirchliche Trauung vollzog. Das neuvermählte Paar I rst gestern abend nach Wien abgereist, um sich von dort I nach schloß Ebenthal zu begeben.
r.— Die Abgeordnetenkammer ist über die Petition des I hiesigen Vereins zur Gründung eines Mädchen-Gy rn-I n a s i u m s zur Tagesordnung übergegangen. Der I Kultusminister berief sich bezüglich der Frage der Zulassung I der Frauen zum medizinischen Studium aufdas l gegen die Zulassung gerichtete Gutachten des Obermedizi- I nalausschusses und der Aerztevereinigung. Im übrigen I chgte er, er nehme keinen Anstand zu erklären, wenn etwa I
Zuverlässige, leistungsfähige Korporation, wie die I etnbt München, den Antrag stellen würde, im Anschluß I jn die höheren Töchterschulen Gymnasial-I klasjen zu genehmigen, so Würderer keine Schwierig-, I leiten machen. Er meine auch, die meisten Mädchen I waren froh, wenn sie mit 16 Jahren den Schulstaub I abschütteln und sichaufsRadsetzen könnten.
Anstand.
Stockholm, 2. Mai. Die erste Kammer beriet über den Antrag des VerfaffungS-AuSschuffes des Reichstages, die Regierung wegen Verletzung des § 107 der Verfassung unter Anklage zu stellen. Der Ministerpräsident gab zu, daß das Geschehene nicht verfassungsmäßig sei, da aber die Verfaffung älter sei als die Union, müsse eine konstitutionelle Praxis neben der Verfaffung sich entwickeln. Beide Kammern des Reichstages beschloffen, über den Antrag des Verfaffungs-Ausschusses auf Ver- setzung des Ministeriums in den Anklagezustand wegen Verletzung der Verfaffung zur Tagesordnung überzugehen.
Loudon, 2. Mai. Dem „Daily Expreß" wird aus Petersburg gemeldet, der Zar habe persönlich einem englischen Syndikate die Konzession erteilt, die 8000 englische Quadratmeilen großen Goldfelder von Nertschinsk in Sibirien auszubeuten, deren Gold bisher nur durch Waschungen- aus den Flußbetten gewonnen worden sei. Diese Goldfelder sind das persönliche Eigentum des Zaren, und haben für 4i/t Millionen Pfund Sterling Gold ergeben. Die Konzession ist auf 24 Jahre erteilt, und kann dann auf weitere 24 Jahre erneuert werden. Ein Garantie-Depositum von 30,000 Pfd. Sterl. ift schon dem Kabinette des Zaren einbezahlt. Zahlreiche französische und deutsche Anerbietungen, im ganzen 37, sind dem Privatkabinett des Zaren gemacht, aber ftetö abgeschlagen worden. Der Zar hat nun dem eng- "'chen Syndikat die Konzession erteilt, um einen praktischen greifbaren Beweis dafür zu geben, daß er mit England gut stehen will, und er ist in der Absicht, diesen Kurs einzuschlagen, besonders bestärkt worden durch das Tele- 8ramm des Deutschen Kaisers an den „Daily Expreß". 7
Lissabon, 2. Mai. Die Kammer verwarf fast ein« stimmig den Antrag Costa'S, wegen des Durchmarsches englischer Trappen durch das portugiesische Gebiet von Beira heute eine Anfrage an die Regierung zu richten. ö b
Rom, 2. Mai. Wie verlautet, wurde dem Fürsten von Bulgarien, der bei seinem Hiersein die mace- donische Grenzfrage in Anregung brachte, die Auskunft zu teil, daß der Dreibund an dem Standpunkte des status quo auf dem Balkan festhalte.
Wien, 2. Mai. Die Marineverwaltung wird von den Delegationen die erste Rate für den Bau des neuen Schlachtschiffes beanspruchen. Die Forderungen der Kriegsverwaltung haben die Fortsetzung organisatorischer Reformen zum Gegenstände. Für neue Geschütze wird für 1901 kein Kredit beansprucht.
die Welt bereist. Der R-,sende, der mit seinem Stahl. ' r°ffe Üblich von München kommend am j-nseitiq-n Main user anlangt-, ließ sich mit der .fliegenden Brücke- über-
'n Fahrtaxe nicht begleichen
konnte, hinterließ er als Psand sem Taschenmesser, woraus er m der Richtung nach Offenbach schleunigst weiterradelte =-x.®'L^alfc,er m Offenbach a. M. sand in ein- I facher Weise in der Grundsteinlegung des von den ver schiedensten Arbeitervereinigungen und der sozialdemokrati- I fchen Partei gegründeten Saalbaus statt. Ferner sand eine I ®on 800 Personen besuchte Festversammlung in der Turn I Halle statt. Am Festzug nahmen 2500 Personen teil. — I In Bad Salzschlirf hat die Saison begonnen.
Zum Kouitzer Mord.
I Die entsetzlichen Mordthaten von Könitz und (skurri I sind seit Bekanntwerden des am Gymnasiasten Winter I S£rüI)ten Mordes mit einander verglichen worden. Der I Mord in Skurz ist in der Nacht vom 21. zum 22. Januar I verübt worden, eine Thatsache, die für die Beurterlunq I des Falles — der schlankweg als „Oster-Ritualmord" bt I zeichnet wird — nicht unwesentlich ist.
I Am Morgen des 22. Januar 1884 fand man die grüß- I §ch verstümmelte Leiche des 14jcchrigen Knaben Onoftius I Czybulla unter einer Brücke außerhalb des Dorfes I Sturz (Kreis Pr.^Stargard). Die Schädeldecke des Er- I nrordeten zeigte tiefe Stichwunden, der Hals war durch. I ichnitten, der Unterleib durch einen langen Schnitt qeöffc I net die inneren Teile entfernt, beide Oberarme der Länge I nach aufgeschlitzt, beide Oberschenkel waren kunftaereG I ,,ausgelöst" und fehlten, die beiden Beine vom Knie ab I lagen neben dem Rumpf im Wasser. Ter Leichnam war I — wie in Könitz der des Winter — gänzlich entkleidet, I am Fundorte aber war — ebenso wie in Könitz — keine I Blut spur zu entdecken. Bis 8 Uhr am Abend des 21 Za- I nuar war Czybulla, der Sohn eines katholischen Schneiden I met)ter5 in Skurz, bei dem Kaufmann Czapa mit Flaschen-« spulen beschäftigt gewesen; die Eltern hatten fein langes
I Ausbleiben sich vorläufig damit zu erklären gesucht, daß I m Nch. unter den Zuschauern einer Hochzeit befände. Aw I Rachmittag des 1. Februar wurde der Lumpenhändler und I Pserdeschlächter Hermann Josephsohn in Skurz wegen I des Verdachts der Thäterschast oder mindestens der Mit- I Nnssenschaft am Morde verhaftet und dem Amtsgericht I ch Pr.-Stargard zugeführt. Josephsohn wurde verdäch- I ligt, daß er einen großen Haß gegen den Knaben Czybulla I gehabt habe, weil dieser ihm oft „Geschäfte hintertrieben" I ihstbe, z. B. beim Einkauf von Ziegenfellen. Ein 20jäh- I viger Knecht Mankowsky bekundete, er habe den Joseph- I svhn gesehen, wie dieser einen anscheinend schweren, ge- I füllten Sack getragen habe, und zwar am Abend des 21. Ja-- I nuar in der Nähe des Ortes, wo am 22. Januar die ver- I ftüinmelte Leiche des Czybulla aufgefunden wurde. Die I auf ihm lastenden Verdachtsmomente hatte Josephsohn noch dadurch wesentlich vermehrt, daß er versucht hatte, einen Zellennachbarn, der in kurzem aus dem Gefängnis entlassen werden sollte, dazu zu bestimmen, zu seiner Familie zu gehen und dieser Winke für den Beweis seines Mbi ?u geben. Der jüdische Kantor und Schächter Blumenheim in Lkurz geriet auch, in Verdacht; es wurde bei ihm Haus- gehalten, er konnte aber sein Alibi vollständig A'brner.wurden infolge einer Anzeige beim öenebt die beiden Mischen Kaufleute Boß, Vater und Mn,..als fluchtverdachtig verhaftet. Auf dem Lande lassen
1 ft«) häufig einige Leute zusammen ein Stück Vieh schlachten, was a-uch bei Boß zurzeit der Mordthat geschehen war. Dieser Umstand hatte Anlaß gegeben zu einer An- jeige. Die b'eiben Boß wurden aber bald gegen Kaution l5^T.?ejanen. Bei den verschiedenen Haussuchungen war der Fleischermeister Joseph Behrendt (katholisch) immer zugegen und hatte sich sehr auffällig benommen und einen großen Eifer gezeigt, irgend einen jüdischen Einwohner von Skurz in Mordverdacht zu bringen. Mitte Februar wurde im Auftrage der Minister des Innern und der Justiz der Kriminalkommissar Höft aus Berlin (ein geborener Konitzer) in der Angelegenheit des Neustettiner Synagogenbrandes und auch dann in der Skurzer Mordsache nad)' Westpreußen geschickt. Höfts eingehende Ermittelungen führten zur Verhaftung des Behrendt und dieser kam als Angeklagter am 22. April 1885 vor das Schwurgericht in Danzig.
In den mehrtägigen Verhandlungen des Schwurge- richts bekundete der wichtigste Zeuge des Skurzer Pro-, zesses Mankowski, er habe um 6 Uhr morgens am 22. Januar, als er zu einem Termin nach Stargard unterwegs war, vor dem Thiessen'schen Gasthause in Skurz einen Mann getroffen, der ein großes Paket auf dem Rücken trug; tni der einen Ecke habe sich die Masse herausgedrückt, die er für einen Kalbskopf gehalten habe, wie er denn überhaupt angenommen habe, daß im Sack ein geschlachtetes Kalb gewesen sei. Der Träger des Sackes habe eine schwärzliche Mütze bis tief in die Augen gedrückt getragen, ein langer schwarzer Schnurrbart fei zu erkennen gewesen. An dem Bart und am Gang will Mankowski den Behrendt erkannt haben. Seine, Mankowskis, frühere Aussage, der Mann fei Josephsohn gewesen, sei gelogen gewesen; er habe von Anfang an Behrendt für den Träger gehalten. Freilich beftimmt könne er nicht sagen, daß er Behrendt erkannt habe; er glaube es nur! Bei der Begründung der Anklage führte der Vertreter der Staatsanwaltschaft Dr. Preuß u. a. aus:
Der Mord muß in einem geschlossenen Raume stattgefunden haben, am Fundorte sind keinerlei Spuren der Ausführung des Verbrechens vorhanden gewesen, und zu. der Zerlegung des unglücklichen Opfers war Beleuchtung erforderlich. Die Gründe.für die That sind schwer erkennbar, da der Knabe Czybulla arm und mit niemand verfeindet war. Die Verdachtsmomente gegen einige jüdische Bewohner von Skurz haben sich als unhaltbar erwiesen. Tie im Hause von Boß Vorgefundenen Blutspuren erwiesen sich als alt und, soweit sie noch erkennbar waren, als solche von Rinderblut. Alles, was gegen die Kaufleute Boß vorlag, hat sich als haltlos erwiesen. Auch Hermann Josephsohn kann nicht der Mörder gewesen sein; es ist u. a. bewiesen, daß Josephsohn vor der That eine schwere Wunde an der Hand hatte, welche ihn unfähig gemacht haben muß, die That auszuführen.
Der Staatsanwalt schilderte bann den Angeklagten;


