Ausgabe 
4.3.1900 Zweites Blatt
 
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Sonntag den 4. März

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Zweites Blatt

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Amtlicher Teil.

Bekanntmachung.

Betr.: Ausbruch der Maul- und Klauenseuche.

In Bellersheim ist in einem Gehöfte die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöftsperre angeordnet worden.

Gießen, den 3. März 1900.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Der am Dienstag dem 6. März und Mittwoch dem 7. März l. I. hier stattfindende Vieh markt beginnt an beiden Tagen um li/i Uhr vormittags.

Gießen, den 3. März 1900.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Muhl.

Gefunden: 10pernglas, 1 Kravattennadel, 1 Herren- Regenschirm, 1 Hut, 1 seidenes Taschentuch, 1 Bettvorlage, 1 Kopftuch, 1 Aufsteckkamm und 1 Packet Drahtstifte.

Gießen, am 3. März 1900.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Muhl.

* Politische Wochenschau.

Gießen, 3. März.4900.

Die Erkrankung des Centrumsführers Dr. Lieber ist nicht ohne Einwirkung auf die Entwickelung unserer innerpolitischen Lage gewesen, insofern nämlich, als die Kommissionsberatungen hinausgeschoben worden sind, um eventuell den als Flotten-Sachverständigen geltenden Ab­geordneten für Montabaur Gelegenheit zu geben, sein Licht leuchten zu laffen. Wir wollen wünschen, daß dies recht bald geschehen kann, denn vor der Entscheidung über die Flottenfrage bleibt die Situation dunkel. Die Regierung sollte möglichst jeden Anlaß vermeiden, es mit dem Reichs­tage zu verderben, sie sollte auch den Wünschen des letzteren nachkommen, insbesondere wenn sie eine große Majorität hinter sich haben, wie es z. B. mit dem Anträge auf Auf­hebung des Diktaturparagraphen in Elsaß-Lothringen der Fall ist. Aber die Regierung glaubt der Forderung noch nicht stattgeben zu können, und läßt erklären, daß sie sich durch diefen Beschluß des Reichstages in ihrer Auffassung von der Unentbehrlichkeit jenes Paragraphen nicht könne irre machen laffen. Die Beratungen deS Reichstages bewahren fortgesetzt ihren ruhigen Charakter, und selbst bei der Erörterung des Militäretats, die schon oft recht erregte Debatten zeitigte, plätscherten die Wellen sehr sanft. Im preußischen Abgeordnetenhaus nahm die erste Lesung des Gesetzes über die Warenhaussteuer mehrere Tage in Anspruch Welches Schicksal die Borlage, die auch über Preußens Grenzen hinaus von Interesse ist, nach der Kom­missionsberatung haben wird, steht noch nicht fest: Freunde und Gegner der Umsatzsteuer hielten sich ungefähr die Wage.

Ganz besondere Aufmerksamkeit zogen im Laufe der letzten Woche die Ereignisse auf dem südafrikanischen Kriegs­schauplätze auf sich, und man darf wohl sagen, daß die ganze gebildete Welt der Nachrichten aus Südafrika harrte. DaS Schicksal Cronjes und seiner tapferen Armee hat aller­orten Teilnahme erregt, aber es ist verständlich, daß er einen unnützen Widerstand aufgab, nachdem er sein Mög­lichstes geleistet hatte, ebenso daß die Buren von der weiteren Belagerung von Ladysmith Abstand nahmen. Ihre Auf­gabe ist ja jetzt, ihr Heimatland vor dem Eindringen der Engländer zu schützen, und daß sie daran all' ihre Kraft setzen werden, bezweifelt gewiß niemand. Es war selbst­verständlich, daß die gesamte nichtenglische Presse den Augen- blick zur Einleitung des Friedens gekommen erachten würde, am bemerkenswertesten ist aber die Sprache, welche die russischen Blätter führen, die aus ihrer Antipathie gegen England gar kein Hehl machen und einer Intervention das Wort reden. Es wäre zu wünschen, daß die englischen Machthaber recht bald die Hand zum Frieden reichen; sie würden dadurch schwere internationale Ver­wickelungen vermeiden, die nach unserer Ansicht zu befürchten sind, falls England Sieger bleibt und «ls solcher rücksichtslos gegen die Freiheit der Burenstaaten L orgeht. Trotz aller Friedensverficherungen ist Zündstoff

genug in der Welt vorhanden, und bei der großenAb­rechnung", die freilich immer wieder hinausgeschoben, aber doch einmal kommen wird, dürfte England wohl den Kürzeren ziehen. Schon mehr als ein Weltreich ist zu Grunde gegangen, und das Schicksal, welches Spanien erfahren hat, muß immer wieder die Wahrheit des Satzes bestätigen, daß Hochmut vor dem Fall kommt.

Lokales und VrovinMes.

** Kirchliche Dienstnachrichten. Ernannt wurden: Pfarrvikar Schweickert zu Pfungstadt zum Verwalter der Pfarrstelle zu Hahn und der Diakonatstelle zu Pfung­stadt, Dekanat Eberstadt; Pfarrvikar Marx zu Wolfs­kehlen zum Pfarrverwalter in Lißberg, Dekanat Büdingen; Pfarrverwalter Hotz zu Maar zum Pfarrvikar in WolfS- kehlen, Dekanat Eberstadt; Pfarrverwalter Landmann zu Hahnheim zum Pfarrverwalter in Burkhards, Dekanat Schotten; Pfarrvikar Linck zu Brauerschwend zum Pfarr­verwalter in Dudenhofen, Dekanat Offenbach. Zur Wiederbesetzung werden ausgeschrieben: die evangelische Pfarrstelle zu Hahn und das damit verbundene Diakonat Pfungstadt, Dekanat Eberstadt; die evangelische Pfarrstelle zu Griedel, Dekanat Hungen.

*> Kuustvereiu. Neu ausgestellt sind u. a. folgende Bilder: von D. Mastaglio-MünchenMozart als Kind am Kaiserhof in Wien", von E. Compton-FeldafingAnsicht der Berner Alpen vom Brienzer Rothhorn", von C. Breit­bach-Berlin.Blick auf Sterzing in Tyrol", von A. As- mußen-Hamburg, zwei Winterlandschaften, von E. Lougot- MünchenHeranziehendes Gewitter",Heuernte", von N. v. Astudin-WieSbadenPorta Ischia" von F. Hermesdorff- MünchenGesangsprobe",Abschied", von T. Schütz- DüsseldorfBauernbrautfahrt auf der schwäbischen Alp", von C. Le Feubure TölzEichmühle bei Tölz",Am Chiemsee",Abend an der Würm", von L. Corregio- MünchenDorfpartie",Winter", von P. Greeff- DüsseldorfAm Tümpel", von I. Gehrig-München Gebirgsmotiv",Stadtmauer in Roveredo",Abend in Tyrol", von A. Weinberger - WiesbadenHirsche am Waldbach",Fuchs mit seiner Beute" von F. Ulrich- BerlinJunge Füchse in banger Erwartung vor dem Bau", von M. Correggio-MünchenKämpfende Spielhähne", von F. v. Amerongen-Cronberg i. T.Straße in Hall, Tyrol",Im Wald", von P. Riepert-DarmstadtWinter­abend" u. s. w. Auch das Kunstgewerbe ist diesmal ver­treten und zwar mit einem Bilderrahmen und zwei Leuchtern, Kunstschmiedearbeit von C. Stohr I. Gießen, sowie fünf Glas­bildern, moderne Verglasungen, von O. Hirz jun. Gießen.

** Elektrisches Licht. In der letzten nichtöffent­lichen Sitzung der Stadtverordneten genehmigte die Ver­sammlung einen zwischen der Stadt Gießen und der König­lichen Eisenbahn-Direktion Frankfurt a. M. abgeschlossenen Vertrag, wonach die Stadt sich verpflichtet, vom 1. April 1901 die gesammte Bahnhofsanlage mit elektrischem Licht zu versehen. Zur Erzeugung desselben wird die durch Turbinenanlage verstärkte Wasserkraft der Neumühle be­nutzt werden, außerdem aber noch eine Gaskraftmaschinen­anlage an der Neumühle errichtet werden. Um diese Maschinen zu treiben, wird ebenfalls dort an Ort und Stelle eine Bereitungs-Anstalt für ein besonders billiges Gas hergestellt. ,

§ Butzbach, 3. März. (Eine Familie auf der An­klagebank.) Wegen Unterschlagung eines gefundenen Körb­chens von unbedeutendem Werte bezw. Hehlerei hatte sich eine von auswärts stammende fünfköpfige, im nächsten Ver­wandt- und Schwägerschasts-Verhältnis unter einander stehende Gesellschaft, die per Wohnwagen häufig unsere Provinz geschäftlich zu bereisen pflegt, gestern vor dem hiesigen Schöffengerichte zu verantworten. Dieses ver­urteilte jedoch nur den angeblichen Finder des Körbchens zu drei Tagen Gefängnis und zur Kostentragung, während die vier Mitbeklagten freigesprochen wurden. In dem benachbarten Ostheim findet demnächst B ü r g e r m e i st e r- wahl statt, da die Amtsperiode des seitherigen Stelle- Inhabers wieder abläuft.

Aus der mittleren Wette rau, 2. März. Der Lenzmonat März hat uns böse in den April geschickt! Die drei letzten Februartage mit ihrer ungewöhnlichen Wärme trieben Schneeglöckchen und Krokus hervor, und bei 10 Grad Reaumur sangen Amsel, Buchfink, Staar und Lerche um die Wette. Heute morgen zeigten sich Eisblumen an den Fenstern, und die Erde war mit einer weißen Schnee­decke überzogen. Bleibt der Winter zu fern, nachwintert es gern, sprach Nachbar Konrad und schob einen derben Buchenknüppel in den Ofen. In unseren größeren Marktflecken und Städtchen haben die Leute tapfer Karneval gefeiert, sogar Umzüge kamen vor, in denen der Humor

keine üble Rolle spielte. Das Mißgeschick des treff­lichen Burenführers Cronje wird überall mit größter Teilnahme besprochen, aber auch ganz ausnahmslos herrscht die Ansicht, daß die gute Sache doch noch siegen müsse. Die Erkältungskrankheiten Influenza, Katarrh und dergleichen nehmen eher zu als ab, was bei diesem Witterungswechsel ganz begreiflich erscheint.

(?) Bad-Wildungen, 1. März. Die arme, alte, buckelige Christine. Am heutigen Tage wurde im hiesigen Krankenhause Helenenheim eine Aufsehen erregende Operation vollzogen, durch welche eine alte Frauens­person von ihrem Buckel befreit wurde. Nicht von dem sicheren Messer des Chirurgen, sondern von der Hand des Kimnkenhausvaters ist die Operation ausgeführt und gelungen. Die alte, buckelige Christine, wie sie in ihrem Wohnorte, dem nahen Rh. allgemein genannt wird, wohnte seit langen Jahren im dortigen Gemeindehause. Vom Alter und ihrem Buckel gedrückt, humpelte sie an ihrem Stabe umher und erweckte das Mitleid ihrer Mitmenschen.Ach, das arme, ahle Mensche, wenn's nur de Komedie mit den Natten sin lossen kennte!" Die Menschen wollen es nur zu oft nicht begreifen, daß sich das Leid viel leichter trägt, wenn man an irgend etwas noch Freude empfindet, 's Christine hatte von jeher seine Freude an den Ratten. Die wurden von ihr noch mehr gepflegt und gehegt, als sie von den Mitbewohnern des Gemeindehauses verabscheut und verfolgt wurden. Die sonst so verfolgten Tiere sanden bei der a'lten Christine stets Schutz und machten einen so ausgiebigen Gebrauch davon, daß schon einmal von orts- polizeiwegen gegen die Ueberhandnahme der Schützlinge im Gemeindehause eingeschritten werden mußte. In letzter Zeit hatte Christinchen von ihrer Schutzberrschaft, woran sie niemand zu hindern vermochte, wieder so unbeschränkten Gebrauch gemacht, daß für sie auf einige Zeit der Aufent­halt im Helenenheim nachgesucht werden mußte, um der Ratten im Gemeindehause Herr zu werden. Im Helenen­heim sollte nun heute unter Assistenz der weiblichen Be­dienung die übliche Badeprozedur stattfinden, der sich aber die alte Christine mit solcher Energie widersetzte, daß schließlich der .Hausvater zu Hilfe gerufen werden mußte. Den vereinten Anstrengungen gelang es endlich, die alte, buckelige Christine nicht blos von ihren Kleidern, sondern auch von ihrem so lange getragenen Buckel zu befreien, denn derselbe bestand aus einem mit Bindfaden aus Lumpen, Papier und Werg sorgfältig zusammengeschnürten Bündel, das mit Stricken am Oberkörper befestigt war. Beim Hinfallen des glücklich amputierten Buckels ertönte aus demselben ein metallischer Klang, wodurch der Haus­vater jaustnerksam wurde und bas Messer an das verschnürte Bündel setzte. Was kommt zum Vorschein? Sorgfältig nach Jahrgängen geordnet und übereinandergeschichtet, enthält das Bündel den Mammon einer Armen in Papier­geld, Gold- und Silbermünzen, zusammen 485 Mark. Christine aber scheint froh zu sein, daß sie endlich ihre Bürde losgeworden ist, vielleicht nicht weniger als ein Mensch, der von einem wirklichen Gebrechen des Körpers, an dem er schwer getragen hat, befreit wurde. Christine liegt behaglich in ihrem Bette und lächelt vergnügt vor sich hin. Nur einmal zieht ein Schatten über ihr altes Gesicht und sie seufzt: Ach, die armen Ratten.

Sechste

ordentliche evangelische Landessynode.

Darmstadt, 2. März 1900.

Eröffnung der Sitzung 9 Uhr vorm.

Das Haus setzt die Beratung der Vorlage Großh. Oberkonsiftoriums, den Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben des evang. Zentralkirchenfonds für die Jahre 1900 1905 betr., fort.

Zu Punkt 6 der Ausgaben, Kosten des Prediger­seminars, hat der Ausschuß im Einverständnis mit dem Großh. Oberkonsistorium u. a. beschlossen:

Die Wohnungsvergütung für einen Professor, die statt mit seither 500 Mk. mit 800 Mk eingestellt worden ist, soll bei dem früheren Betrage von 500 Mk. belassen bleiben;

dem derzeitigen Seminardiener soll neben der Wohnungs­vergütung von 250 Mk. noch eine besondere Remuneration für außerhalb seiner eigentlichen Dienstpflichten liegende Dienstleistungen in Höhe von 76 Mk. gewährt werden;

die von der Direktion gewünschte Erhöhung des Be­trages für Unterstützungen der Kandidaten von 3500 Mk. auf 4000 Mk. glaubte der Ausschuß ablehnen zu sollen, einmal weil der bisher vorgesehene Betrag erfahrungs­gemäß völlig zureichend erscheine, sodann aber auch, weil eine Erhöhung der bisher gewährten Unterstützungen aus allgemeinen Gesichtspunkten nicht wünschenswert sei; ins­besondere wurde darauf hingewiesen, daß es nicht im In­teresse des Pfarrstandes gelegen sei, wenn durch allzu reich bemessene Unterstützungen Elemente dem geistlichen