Ausgabe 
4.2.1900 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

9se, '> r Oute,.

»». . Bek«

6 80 pfgi

:ert

* «hii

»hl

»

'/i W:

Mi

utifleti.

der werde« sehr

vorftM

?w, Sitten.

efjen.

W

LcMi* leeH1 iM

»<

* f

5Ws TtnU rumalr- ^aLnahMt oM *** )N

soi

Ml« s'ä* lt,0Je°flnfid)|en ?

IM-K

18 Seit-"'

M. 29 Awettes Blatt

Sonntag den 4. Februar

1900

Gießener Anzeiger

Henerat-UHeiger

Me;uqspreis ttietteljätirl. Mk. 2 LS monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholeftelle» »ierteljährl. Mk. 1,9t monatlich 65 Pfg.

Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährt. mit Bestellgeld.

Alle AnzeigeN'BermittlungSstellen deS In« und AuSlandeA nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.

»«nähme von Anzeigen zu der nachmittag- für den ;«lgenden Tag erfcheinerMn Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätesten- abend- vorher.

Grfcheink täglich mit Ausnahme des

Montag-.

Die Gießener Mnmttienv kälter werden dem Anzeiger im Wechsel mit Landwirt" h.Blätter für Hess. Volkskunde" wbchtt. 4 mal beigelegt.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen.

JlAelti»«, »xpedttion und Druckerei:

Kchnkstraße Ar. 7.

Gratisbeilagen: Gießener Familienbtätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde._________________

Adreffe für Depeschen: Anzeiger

Fernsprecher Nr. 51.

Die Vermehrung der franzöfischen Flotte.

Der vom Marine-Minister Lanessan ausgearbeitete Flottenplan, welcher freilich dem Referenten in der Depu­tiertenkammer Lockroi noch lange nicht weit genug geht, sieht den Bau großer Schlachtschiffe sowie die beschleunigte Fertigstellung der im Bau begriffenen Schiffe vor. Es sind zu liefern für 1900: zwei Panzerschiffe, ein Panzerkreuzer, ein Kreuzer 1. Klasse, drei Kanonenboote, sechs Torpedo- jäger, sechs Torpedosahrzeuge, d. h. Torpedodivisionsboote, neun Torpedoboote 1. Klasse, ein Turbinenboot, d. h. ein mit einem Turbo-Dampfmotor ausgestattetes Torpedoboot nach dem Vorbilde des amerikanischen Torpedobootes Turbinia" und drei Unterseebote. Für 1901: ein Pan­zerschiff, fünf Panzerkreuzer, neun Torpedoboote 1. Klasse, Vier Unterseeboote; für 1902: drei Panzerkreuzer, vier Torpedojäger, sechs Unterseeboote; für 1903: drei Panzer­kreuzer. Zwei gewaltige Schlachtschiffe von etwa 15 000 Tonnen Deplacement sollen im nächsten Jahre auf Stapel gesetzt werden. Ihre Länge wird 133,8 Meter, die Breite 24,25 Meter und das Deplacement bei 8,37 Meter Tiefgang 14 865 Tonnen betragen. Sie werden drei Schrauben und drei Tripel-Expansionsmaschinen von 17 465 indizierten Pferdekräften erhalten, welche den Dampf aus Wasserrohr­kesseln zugeführt erhalten. Das normale Kohlenfassungs- Dermögen, d. h. in den Kohlenbunkern dieser Schiffe, soll 905 Tonnen betragen, sie werden aber die doppelte Anzahl an Bord nehmen können, wodurch ihnen bei voller Maschinenkraft ein Aktionsradius von 930 Seemeilen, mit 18 Knoten Fahrtgeschwindigkeit ein solcher von 1800, und frei ökonomischer Fahrt, d. h. 1012 Seemeilen die Stunde das Durchdampfen von 8390 Seemeilen, d. h. etwas mehr als die Entfernung von Bremerhaven nach Kalkutta (Ost­indien), gesichert wird. Die Armierung wird aus vier 30,5 Zentimeter-Geschützen, achtzehn 16 Zentimeter-, sechsund­zwanzig 4,7 Zentimeter-, zwei 3,7 Zentimeter-Schnellfeuer­kanonen und fünf Torpedo-Lancierrohren bestehen, von denen zwei unter Wasser eingebaut werden. Der Be­satzungsetat dieser neuen Schlachtschiffe ist auf 42 Offiziere and 780 Mann festgesetzt worden. Die Herstellungskosten find auf 35 einhalb Millionen Francs veranschlagt.

Den im Jahre 1895 und 1896 vom Stapel gelaufenen neuen Schlachtschiffe desCharlemagne"-Typus:Cbarle- enagne",Gaulois" undSaint Louis", welche eine Länge »on 118 Meter, eine Breite von 20 Meter und bei einem Tiefgang von 8,4 Meter ein Deplacement von 11 275 T. besitzen, macht man in Fachkreisen den Vorwurf, daß der leichte Panzer, welcher den Schiffskörper schützen soll, zu Gunsten des Gürtelpanzers vernachlässigt worden ist. Dem­zufolge läuft ein solches Schiff Gefahr, durch ein wohl- gezieltes und genährtes Feuer mit Zündergranaten aus 15 Zentimeter-Geschützen bald in eine schwimmende Ruine verwandelt zu werden, von welcher nur die Türme, und die durch den Panzergürtel geschützten Teile Halbwegs un­beschädigt bleiben werden, wie es einigen der chinesischen Panzerschiffe im letzten Kriege gegen Japan in der See- fchlacht von Weihaiwei ergangen ist.

Die französische ZeitschriftLe Yacht" hebt noch her­vor, daß die Schiffe desEharlemagne"-Typus wegen ihres großen Obergewichts Gefahr laufen zu kentern, wenn bei ihnen oberhalb des Gürtels ein Wassereinbruch erfolgt. Gerade diese Schiffe sind aber im Gefecht dieser Gefahr |ef)r ausgesetzt, da sie über dem Gürtelpanzer nur einen niedrigen, 76 Millimeter dicken Kofferdammpanzer führen, der gegen die Granaten der mittleren Artillerie keinen ausreichenden Schutz gewährt, lieber diesem Kofferdamm­panzer befindet sich ein ungeschützter Bordwandstreifen, der bis zum Deck hinaufreicht, welches die'mittlere Artillerie trägt, die durch einen 76 Millimeter dicken Panzer ge- ßchützt ist. Auf dem noch im Bau befindlichen Panzerschiff Jena", welches noch etwas größere Dimensionen als die Schiffe desCharlemagne"-Typus hat, ist über dem Gürtel Panzer ein bis zum Batteriedeck reichender Seitenpanzer von 76 bis 120 Millimeter Dicke angebracht. Derselbe bietet jedoch keinen ausreichenden Schutz gegen die Gra­naten der 15 Zentimeter-Geschütze und entkräftet daher Euch für dieses Schiff nicht die Einwürfe, welche gegen die neuen französischen Schlachtschiffe erhoben werden. Ter Unterschied in der Widerstandsfähigkeit von 76 und 152 Millimeter-Panzerplatten ist enorm. Wären beide Platten aus derselben Stahlgattung hergestellt, so würden sich ihre Widerstandsfähigkeiten wie die Quadrate ihrer Dicken, d. h. »ie 4:1 verhalten. Dies ist aber nicht der Fall, denn Platten, deren Dicke weniger als 125 Millimeter beträgt, können dem Harvey-Härtungsprozeß nicht unterzogen wer­ben, weil sie sich dann verkrümmen würden. Daher kann heutzutage jede Panzerplatte, deren Dicke 125 Millimeter Nicht übersteigt, als ungehärtet angesehen werden, eine gehärtete 150 Millimeter-Panzerplatte besitzt aber neun­mal so viel Widerstandsfähigkeit als eine gewöhnliche 75 tzentimeter-Platte. Diese 150 Millimeter starken gehär­teten modernen Panzerplatten widerstehen allen Geschossen b»r Schnellfeuer- und Schnellladekanonen, während die

75 Millimeter-Platten von den 15 ZentimeterPanzergra- naten durchschlagen werden.

Mit Bezug auf den dem Deutschen Reichstage in den nächsten Tagen zugehenden Plan zur Vermehrung der deutschen Flotte dürste der französische von Interesse sein, weil er sich in für Deutschland weniger unerreichbaren Grenzen hält als der englische. Deutschlands Regierung und Volksvertreter werden aus demselben Schlüsse ziehen können, da eine Koalition der drei großen Kontinental­mächte Rußland, Deutschland und Frankreich gegen das erdrückende Uebergewicht der beiden angelsächsischen Na­tionen England und Nordamerika auf dem Meere wohl kein utopisches Hirngespinst mehr ist, sondern auch von ernst zu nehmenden Politikern immer mehr ins Auge ge­faßt wird.

* Vom Kriegsschauplatz

Eine Londoner Zeitung wußte zu melden, General Buller habe den Tugela neuerdings an drei Stellen über­schritten und stehe im Gefecht mit den Buren. Gegenüber dieser an sich schon höchst unwahrscheinlichen Meldung er­klärt das Kriegsministerium, es habe gestern keinerlei Nach richt vom Tugela erhalten. Das Londoner Blatt hat sich vielleicht durch eine unterwegs verzögerte Depesche irreführen lassen, die vor vierzehn Tagen aufgegeben worden ist; das Trostbedürfnis des englischen Publikums ließe eine solche Täuschung allenfalls erklärlich erscheinen. Thatsächliches liegt vom Kriegsschauplatz in Natal nicht vor, außer einer wetteren Ergänzung der Verlustliste vom oberen Tugela, welche berichtet:

London, 2. Februar. Das KriegSministerum ver­öffentlicht weiter folgende Liste über Gefangene aus der Schlacht beim Spion Kop: Vom zweiten Royal-Lancaster- Regiment 50, von ThorneycroftS berittener Infanterie 12, vom zweiten Bataillon des Middlesex Regiments 16, zu­sammen beträgt somit die Zahl der Gefangenen, die Warrens Korps auf dem Spion Kop verlor, soweit sie bisher be­kannt gegeben ist, 215. Ob diese Liste die früheren Ver­luste an Gefangenen einschließt, ist nicht zu ersehen.

Der Oberbefehlshaber der Transvaal-Buren, General Joubert, wird jetzt von englischer Seite zum vierten oder fünften Male tolgesagt. Ein Telegramm aus Spearmans Camp vom 30. Januar besagt:Die Kaffem bleiben bei der Behauptung, Joubert sei bei Ladysmith durch eine Granate getötet worden." Nach dem alten Volksglauben, daß mehrmals totgesagte Leute dann um so länger leben, ist dem tapferen Burengeneral hoffentlich noch eine lange, ersprießliche Wirksamkeit beschieden.

Im englische« Uuterhause wurde gestern die Adreßdebatte fortgesetzt, ohne bisher ein positives Resultat zu zeitigen. Mancherlei peinliche Er­eignisse der letzten Zeit kamen zur Sprache, so die Ent- Hüllungen eines belgischen Blattes über Chamberlains Ver­halten in der Jameson-Angelegenheit und die von uns mitgeteilte Mißhandlung eines Deutschen auf der Londoner Börse.

London, 1. Februar. Auf eine Interpellation von Evans erklärte der Kolonialminister Chamberlain, er habe die Briefe und Telegramme über seine Person in der Jntöpendance beige gesehen. Seine persönliche Kenntnis erstrecke sich nur auf zwei oder drei der Dokumente, die dem Inhalte nach, wenn auch nicht wörtlich, korrekt seien. Was den Rest anbeträfe, so seien sie Hawksley durch einen Schreiber gestohlen worden, welcher summarisch entlassen worden sei. Hawslcy sagte nicht, ob sie korrekt seien. Er, Chamberlain, habe vorher keine Kenntnis von ihnen gehabt und sei erst wenige Tage, ehe sie in einer aus­ländischen Zeitung erschienen, von ihrer Existenz in Kennt­nis gesetzt Warden; er habe die Briefe von Fairfield an Hawksley vielleicht nicht gesehen, doch seien sie zweifellos in seinem, Chamberlains, Auftrag geschrieben worden.

London, 1. Februar. Auf eine Interpellation des irischen Abgeordneten Mac Neill wegen der seiner Zeit ge­meldeten Mißhandlung eines Deutschen in der Londoner Börse erwiderte der Minister des Innern, der Mißhandelte möge selbst die Klage anstrengen. Die Börse sei ein Pri­vater Ort, und die Aufsicht über die Ordnung darin liege den Börsenbehörden ob.

London, 1. Februar. In Erwiderung auf DilkeS Angriffe gegen das KriegSministerium pries der Unterstaats­sekretär des Krieges Wyndham Dilkes militärische Kenntniffe und erwähnte, zwischen den Buren-Republiken habe früher nur ein Defensivbündnis bestanden, dasselbe sei aber am 27. September 1899 in ein OffensivbündniS umgewandelt

worden. Die Regierung habe darauf die Truppen in Südafrika um 25 000 Mann verstärkt, was zur Verteidigung der Kolonien für genügend gehalten wurde. Die Regierung habe sich darin geirrt; aber sie habe mit Recht geirrt, um der Diplomatie eine gute Chance zu geben. Nunmehr würden in etwa drei Wochen 180000 Mann in Südafrika stehen, darunter 38 000 berittene Truppen.

*

J Loudon, 2. Februar. Meldungen aus Spearmans Camp bestätigen nicht das Gerücht von einem nochmaligen Ueberschreiten des Tugela durch Bullers Korps.Daily Telegraph" zufolge haben die Truppen während der letzten drei Tage Extrarationen empfangen und sich erholt. Eine Abteilung Kavallerie mit Kanonen überwache die Trichardts Drift. Die SchiffSgeschütze unweit des Swartskop beschossen Montag den Feind, der Laufgräben und Verschanzungen PotgieterS gegenüber aufwirft. DieZentral NewS" berichten aus Durban vom 29. Januar: Die in den Ge­fechten vom 23. und 24. vorigen Monats verwundeten Soldaten der Bullerschen Armee beginnen von der Front in Durban mit der.Eisenbahn einzutreffen. Der erste Transport bestand aus 30 Offizieren und 115 Mann. Zu ihrem Empfange waren sechs Aerzte, 40 Krankenpfleger und fünf Hospitalschiffe bereit. Der Privatsekretär des Cecil Rhodes, namens Jordaan wurde von den Buren bei Kimber­ley gefangen genommen und nach Bloemsontain transpor­tiert. Er war der Träger mündlicher Botschaften. Die Zentral NewS^ erfuhren aus Durban vom Dienstag, daß es einem Volontär gelungen sei, die Burenlinien zu passieren und Nachrichten von White an Buller zu überbringen. Der Bote erklärte, Ladysmith sei in militärischer Beziehung völlig gesichert; die Truppen seien frohen Mutes, trotz vieler dort herrschenden Krankheiten. Ein Burenpiquet bezeichnete die Verluste des Feindes als schrecklich.

Paris, 2. Februar. DasJournal des DebatS" mel­det nach einer Information aus Kairo, daß die Lage da­selbst eine sehr ernste sei. Die gesamten Marinekanonen, sowie sämtliches Artilleriematerial und zahlreiche Offiziere sind nach Südafrika befohlen worden. Es befinden sich augenblicklich keine europäischen Truppen in Egypten. Die Lage ist um so ernster, als die Absendung der egyptischen Truppen nach dem Kriegsschauplätze ein Neutralitätsbruch von Seiten Egyptens ist.

Deutsches Keich.

Berlin, 2. Februar. Zur gestrigen Abendtafel beim Kaiserpaar war Staatssekretär Graf von Bülow ge­laden. Heute vormittag hörte der Kaiser den Vortrag des Staatssekretärs Grafen'von Bülow im Auswärtigen Amte, und besichtigte alsdann die Geweihausstellung.

Wie aus Stuttgart gemeldet, wird, wurde gestern der Schauspielerin Agnes Sorma nach der Vorstellung von Nora" im Stuttgarter Hoftheater vom Könige von Würt­temberg die goldene große Medaille für Kunst und Wissen­schaft überreicht. Am Abend vorher war der Künstlerin in Karlsruhe gleichfalls die große goldene Medaille vom Großherzog von Baden verliehen worden.

DerReichsanz." veröffentlicht einen Erlaß, des Kaisers an den Reichskanzler, datiert vom 1. Februar 1900, in welchem der Monarch seinen Dank ausspricht für die ihm zu seinem Geburtstage zugegangenen zahlreichen Glückwünsche, und für die zahlreichen Kundgebungen, die anläßlich des Hinscheidens der Herzogin Friedrich zu Schleswig-Holstein, der Mutter der Kaiserin, von Nah und Fern ihm zum Ausdruck gebracht wurden. Weiter heißt es in dem Erlaß: Mit besonderer Befriedigung sei er, der Kaiser, in den Kundgebungen dem Verständnis für die dringende Notwendigkeit begegnet, eine der Weltstellung des deutschen Reiches und seinen Handelsinteressen ent­sprechende Flotte zu schaffen, und habe er die vielfache« Versicherungen treuer Mitarbeit an dieser großen natio­nalen Aufgabe mit herzlicher Freude entgegengenommep.

Der aus Frankreich ausgewiesene frühere Haupt­mann Sidney O'Daune hat, wie dasBert. Tgbl." erfährt, dem hiesigen Polizeipräsidenten von Köln aus mitgeteilt, das; er sich der Behörde zur Verfügung stelle, und heute in Berlin eintreffen werde.

Der Abg. Graf v. K a n i tz - Podangen ist an In­fluenza erkrankt, und wird erst in 8 bis 14 Tagen sich, wiederum an den parlamentarischen Arbeiten beteiligen können. . t r t t ,

Wie aus Arolsen gemeldet wird» hat heute nach­mittag daselbst die Taufe der am 22. Dezember 1899^ge­borenen Prinzessin stattgefunden. Unter andern wohnte die Königin von Württemberg der Feier bei.