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4.1.1900 Erstes Blatt
 
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Nr. 2 Erstes Blatt. Donnerstag den 4. Januar

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* Vorn Kriegsschauplatz.

Es beginnt wieder Leben in die Bewegungen auf den verschiedenen Teilen des Kriegsschauplatzes zu kommen. Die wichtigste Meldung, welche alle anderen an Bedeutung über­ragt, ist die, daß die

Buren südlich von de Aar

und zwar weit nach Beaufort West hin an verschiedenen Punkten sich festgesetzt haben und energische Vorstöße machen, um die Bahn zu zerstören. Bei Viktoria Road sind Ver­suche gemacht worden, und bei Viktoria West, wo ein briti­sches Lager die Bahn deckt, hat ein Zusammenstoß mit den Buren stattgefunden, ebenso bei Deelfontein. Diese haben -also nicht blos Lord Methuen von dem wichtigen Proviant- und Munitionslager in de Aar abgeschnitten, sondern sind bereits an der Arbeit, die von Kapstadt erwarteten engli­schen Verstärkungen aufzuhalten, um sich in dem dort wieder gebirgig werdenden Terrain ähnlich zu verschanzen, wie sie eS auf der Straße von Oranjeriver-Station bis zum Modder -gethan hatten eine Gasse, durch welche Lord Methuen bekanntlich unter schweren Verlusten Spießruten laufen mußte. Es scheint, die Buren nehmen an, daß Lord Ro­berts, der neue englische Oberbefehlshaber, die im Norden der Kapkolonie zerstreuten Streitkräfte vereinigen, und sie mit der Hälfte der noch unterwegs auf dem Meere befind­lichen Ersatztruppen gegen den Modderriver werfen wird, um sie mit Lord Methuen zu vereinigen, Kimberley zu entsetzen und auf Bloemfontein vorzumarschieren. Vielleicht deutet darauf auch die

Rückwärtsbeweguug der Bure« hinter Colesburg hin, welche englische Quellen alseine völlige" Niederlage bezeichnen. Uns wird darüber berichtet:

London, 1. Januar. Die Blätter veröffentlichen folgendes Tele- -gramtu ou6 Rendsburg vom heutigen Nachmittage: General French brachte den Buren eine völlige Niederlage J6 e i, nahm Colesberg ein und bedrängte den Feind am Samstag und Sonntag so heftig, daß er ihm keine Zeit dazu ließ, längern Wider­stand zu leisten. Am Morgen hielten die englischen Truppen die Ent­fernung für genügend, um einen Angriff zu unternehmen. Gegen Abend brach die ganze Kavallerie, Artillerie und Infanterie zu einem Nacht­marsche auf. Es handelte sich um eine llm gehung des rechten Flügels der Buren. Dieses Unternehmen gelang ausge­zeichnet. Infanterie und Feldbatterien entwickelten einen Fronfim- grifi auf die Buren, während gleichzeitig die Kavallerie und die leichte Artillerie den rechten Flügel umgingen. Die Buren waren, als sie ihre RückzugSlinie bedroht sahen, völlig überrascht und flohen in Un­ordnung nach Osten zu, indem sie Colesberg in den Händen -er Engländer ließen.

Von diesem englischenSiege" weiß das Kriegsamt Dorläufig noch nichts. General French berichtete nur, die Buren hätten ihre verschanzten Stellungen bei Rendsburg verlassen, und sich nach Colesberg zurückgezogen. Wir nehmen an, daß die neuerliche Operation nur in der Fort- -setzung des Rückganges der Buren besteht, dem aller Wahr­scheinlichkeit nach der strategische Plan, Konzentrierung nach dem westlichen Kriegsschauplätze zu Grunde liegt. Nördlich von Colesberg bleibt der Kolonne French, wenn sie in den Oranjefreistaat eindringen will, noch der Oranjefluß zu überschreiten. Vielleicht wollen die Buren den General French nur zu diesemBravourstück" verlocken, um ihm dann das Bad in gleicher Weise wie Buller am Tugela Zu segnen. Die Uebergänge über den schwer passierbaren Strom sind natürlich von den Buren entsprechendprä­pariert".

Ob Lord Methuen sich noch bis zum Vorgehen General Roberts, d. h. noch gegen drei Wochen, wird halten können, erscheint zweifelhaft. Noch weniger dürfte Kimberley und

Mafekiug

sich halten. In dem letzteren Platze muß die Lage mittler­weile eine recht verzweifelte geworden sein, denn der jüngste Ausfall, welcher zu dem Gefecht bei Malopo führte, war offenbar die letzte große Kraftanstrengung der kleinen Garnison, um sich Luft zu verschaffen. Unter Baden-Powell standen nach der bisherigen Angabe in Maseking nicht ganz 2000 Mann; wenn nun, wie berichtet wurde, 109 Mann getötet und verwundet wurden, so ist das schon ein sehr er­heblicher Verlust.

General Gataere

ist nach seiner Niederlage bei Stormberg und seinem Rückzug nach Molteno und Sterkstroom mit den Buren wieder ins Han'^mcnge gekommen. Diese hatten sich aus Dordrecht zurückgezogen, wie es jetzt kaum noch zweifelhaft sein kann, um den Draufgänger Gataere aus seiner Unthätigkeit heraus- zumanövrieren. Es ist ihnen auch geglückt. Die Engländer haben Dordrecht besetzt und machen von dort aus häufig Vorstöße gegen die Stellungen der Buren in nördlicher Richtung. Dabei setzt es jedesmal blutige Köpfe, denn die

Engländer ziehen sich stetsin guter Ordnung" zurück, froh, wenn der Feind ihnen nicht folgt. Einen angeblichen Erfolg hat Gataere allerdings zu verzeichnen. Das Neuter'sche Bureau" läßt ihn eine englische Truppen­abteilung wieder heraushauen, die bei Unternehmungen am Tage vorherzurückgeblieben" war. Das heißt: sie war von den Buren weggefangen worden. Man sieht, diese haben es lediglich wieder darauf abgesehen, die Engländer zu unvorsichtigen Vorstößen zu reizen, um ihnen dann den Rückweg zu verlegen. General Gataere kann da noch recht erfreuliche Erfahrungen machen.

Aus Ladysmith

wird demDaily Chronicle" gemeldet, Bullers Mißerfolg in dem Entsatz von Ladysmith verursache große Enttäuschung. Das Bombardement richte jetzt erheblichen Schaden an, der Turm des Stadthauses sei zerstört und viele Gebäude be­schädigt. Durch eine einzige 96pfündige Granate seien am Montag vor acht Tagen sechs Soldaten getötet und drei verwundet, sowie mehrere Pferde getötet worden. Ein neuerlicher Ausfall ist nicht erfolgt. Die letzte Meldung von einem solchen wird dementiert.

Ueber die Persönlichkeiten der

in Natal verhaftete« Deutsche«

wird folgendes mitgeteilt:Harms (in den englischen De­peschen: Hartes. Red.) ist der Sohn des Pastors Harms, der in den 50er Jahren in Natal die Herrmannsburger Mission begründete, deren Direktor heute der jetzt Ver­haftete ist. Er hat seit Anfang 1897 seinen Wohnsitz auf der Station Ampangweni, zwei deutsche Meilen nord­östlich von dem vielfach genannten Estcourt. Sein Leidens­genosse Struck ist Anfang der 80er Jahre nach Südafrika ausgewandert. Er stammt aus Stralsund, wo seine Eltern noch heimisch sind. Er hat vor der Station Ampangweni ein großes Stück Land gepachtet, das er mit seiner Frau, einer geborenen Kolditz, bewirtschaftet. Harms und Struck wohnten kaum 15 Minuten von einander entfernt. Wie die Engländer dazu gekommen sind, diese beiden Männer so schnöde zu verdächtigen, dafür giebt es eine sehr einfache Erklärung. Es stehen nämlich im Burenheere, wehrpflichtig als geborene Transvaaler, vierzig Söhne von Missio­naren, von denen mehr als die Hälfte Herrmannsburger Missionsfamilien angehört. So dürften solche befreundeten Missionarsöhne im Borbeireiten bei den genannten Deutschen vorgesprochen, vielleicht auch ein wenig gerastet haben. Das haben die Kaffern gesehen, in ihrer Weise ausgelegt und es aufgebauscht den Engländern hinterbracht, die daraufhin zu der gemeldeten Verhaftung geschritten sind.

* *

London, 2. Januar. Nach einer Meldung aus Kapstadt ist man dort auf das Höchste erregt infolge des Gerüchtes, der Afrikander-Bond bereite ein Bondmeeting für den 30. Dezember in Paar! vor, wo der sofortige Auf st and, die Wegnahme von Kapstadt und die Gefangen- n a hin e des Oberkommissars M i l n e r als Geißel, beschlossen werden solle. Es sind umfassende militärische Schutzmaß­regeln getroffen; in der verflossenen Nacht fanden zahlreiche Haussuchungen und Verhaftungen bei den Bondleitern statt. Die Stadt wird militärisch besetzt.

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Telegramme desGietzeuer Anzeiger".

Berlin, 3. Januar. DasBerliner Tageblatt" meldet aus New-Aork: Der Präsident des holländischen Vereins in New-Aork teilt mit, daß, obgleich sich tausende gemeldet haben, es unmöglich sei, Leute nach Südafrika zu senden, weil die Buren keinen Seehafen haben. Vor 9 Jahren sei General Joubert nach Amerika gekommen, um über den Ankauf eines Kriegsschiffes für Transvaal zu unterhandeln, welches damals versuchte, Portugal dieDelagoa- bai abzukaufen. Da der Versuch erfolglos blieb, so habe General Joubert auch den Plan aufgegeben, ein Kriegsschiff anzukaufen.

Loudon, 3. Januar. Das Kriegsministerium macht bekannt, daß Oberst Pilcher eine Buren-Ab­teilung bei Sunnyside in der Nähe von Belmont geschlagen und ihr Lager erobert habe. 40 Buren wurden gefangen genommen. Drei englische Offiziere wurden verwundet.

London, 3. Januar. Aus Ladysmith wird ge­meldet: Die Beschießung dauert auf beiden Seiten fort. Die englische Brigade erhielt als Geschenk ein prachtvolles Feldzeichen, welches ihr die Gattin des Kom Mandanten Ehrhardt verehrt hat.

London, 3. Januar. Die heutigen Morgenblätter beglückwünschen den General French zu seinem

vorgestrigen Siege. Die amtlichen Meldungen über die Lage des Generals Buller rufen hier große Be­sorgnis hervor.

Brüffel, 3. Januar. Die Transvaal-Gesandt­schaft bezweifelt sehr, ob der angebliche Sieg des Generals French bei Colesberg gegen die Oranje-Buren wirklich so glänzend war, wie Berichte angeben. Die letzteren widersprechen ein­ander mehrfach. Es scheint sich nur um ein Schar­mützel gehandelt zu haben. Hier ist keinerlei Nachricht über die Einnahme von Colesberg durch die Engländer eingetrofien. Dagegen steht fest, daß General White an den beiden letzten Dezembertagen zwei fruchtlose Ausfälle aus Ladysmith machte. Es verlautet bereits mit Bestimmt­heit, General Buller werde bereits in den nächsten Tagen neuerdings zur Offensive übergehen. Im englischen Lager seien alle Vorbereitungen getroffen, sodaß eine Schlacht bei Ladysmith unmittelbar bevorsteht.

Pr'ätoria, 3. Januar. Drei Engländer, welche ge­fangen genommen worden sind, teilten mit, daß der Haupt­mann Wilson, der Gatte der bekannten Schrifstcllerin, sowie fünf Offiziere, deren Namen die Gefangenen nicht anzugeben vermochten, bei dem letzten Ausfall aus Mafeking schwer verwundet worden sind. Die Buren beschlagnahmten bei der Einnahme der Festung Wesselton in der Nähe von Kimberley neunzehn englische Pferde.

Deutsches Keich.

Berlin, 2. Januar. Am Sonntag begab sich der Kaiser um 5 Uhr nachmittags in stiller Andacht in das Mausoleum zu Charlottenburg. Um 8 Uhr abends fand im hiesigen Königlichen Schlosse Abendtafel und dora". an­schließend die Cour im Weißen Saale statt. Gestern nach­mittag fand im Beisein des Kaisers im Lichthofe des Zeug­hauses die neue Weihung der Fahnen und Standarte des Garde-Korps in feierlicher Weise statt. Hieran schloß sich eine Parade der Unter den Linden aufgestellten Garnison. Anläßlich der Feier im Zeughause hielt der Kaiser an die Offiziere eine Ansprache, in der "er einen Rückblick auf die militärische Entwickelung unseres Vaterlandes während des abgelaufenen Jahrhunderts gab, und seinen festen Entschluß aussprach, in Zukunft der Flotte eine der Landmacht gleich­wertige Stärke zu geben.

Berlin, 2. Januar. Der Kaiser hat aus Anlaß der Jahreswende eine Anzahl Auszeichnungen verliehen. Dem Oberpräsidcnten von Schlesien, Fürsten Hatzfeld, wurde die Herzogswürde verliehen. Der Botschafter in Wien, Graf Eulenburg, sowie Graf zu Inn und Knyphausen erhielten den Fürstentitel. Außerdem wurde an zahlreiche Personen der Adel verliehen.

Heute nachmittag tritt das Staatsministerium unter dem Vorsitze des Fürsten Hohenlohe im Dieust- gebäude am Leipziger Platze zu einer Sitzung zusammen. Vermutlich handelt es sich bei dieser Sitzung um die Thronrede zur Eröffnung des Landtages.

Karlsruhe,2. Januar. Dr. H ansjacob, der bekannte Schwarzwaldschriftsteller und Stadtpsarrer von Freiburg, hat das ihm am Neujahrstag verliehene Ritterkreuz erster Klasse vom Zähringer Löwen zurückgewiesen.

Augsburg, 2. Januar. Der erste Bürgermeister hiesiger Stadtgemeinde, Hofrat Ludwig v. Fischer, hat aus Gesund­heitsrücksichten sein Pensionsgesuch eingereicht, wie in heutiger Magistratssitzung bekannt gegeben wurde.

Ausland.

Wien, 2. Januar. Die Erhebung des Botschafters Eulenburg in den Fürstenstand findet hier die all­gemeinste und wärmste Billigung. DasN. Wiener Tage­blatt" sagt, man begrüße mit aufrichtiger Genugthuung diese Ehrung gerade hier, wo der Botschafter in fünfjähriger Wirksamkeit eine über das Gewicht seines diplomatischen Amtes hinausreichende persönliche Stellung sich geschaffen habe, und das reichste Maß von Sympathie und Ansehen genösse. Der Botschafter erhielt die Kunde durch ein per­sönliches Telegramm Kaiser Wilhelms am NcujahrSmorgen des neuen Jahrhunderts zugleich mit den herzlichsten Glück­wünschen des Monarchen.

Prag, 2. Januar. Ueber einen Vorfall bei der Sylvester-Unterhaltung im Saale auf der Sophien- insel wird authentisch gemeldet: Nach Mitternacht verlangte ein Teil der Gäste, daß die daselbst konzertierende Militär­kapelle dieHej Slovane" spiele. Da diesem Wunsch nicht