Ausgabe 
3.11.1900 Zweites Blatt
 
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Ähnliche Anschauungen hegten. Seither habe bezüglich der au verfolgenden Ziele zwischen allen beteiligten Nationen oie erfreulichste Harmonie gewaltet und nur wenig Mein­ungsverschiedenheit über Einzelheiten des einzuschlagen­den Weges geherrscht. Sodann fährt Hay fort: Mit großer Genugthuung weist mich daher der Präsident an. Sie von der vollen Uebereinstimmung der amerikanischen Regierung mit der englischen und der deutschen Regierung in den in jenen Artikeln niedergelegten Grundsätzen in Kenntnis zu setzen. Bezüglich des dritten Artikels setzt der Staats­sekretär Hay sodann hinzu: Ta dieser- ein wechselseitiges Abkommen zwischen den beiden hohen vertragschließenden Mächten betrifft, so hält sich die Regierung der Vereinigten Staaten nicht für berufen, ihre Meinung über denselben auszusprechen. Wie ferner dem Wolffschen Bureau aus Paris gemeldet wird, spricht auch die französische Re­gie r u n g in ihrer Antwortnote die Uebereinstimmung mit den in Artikel 1 und 2 des deutsch-englischen Ab­kommens dargelegten Grundsätzen aus und betont, daß sie dieselben auch bisher bei jeder sich bietenden Gelegen­heit anerkannte. Für die im Artikel 3 behandelte Mög­lichkeit behält sich die französische Regierung freie Hand vor. Diese Antworten Amerikas und Frankreichs ent­sprechen durchaus den Zielen und Absichten, die Deutsch­land und England durch Abschluß des Abkommens zu ver­wirklichen suchten.

Die Frage der Verkehrswege wird, wie Reuter aus Peking vom 30. Oktober meldet, im kommenden Winter wahrscheinlich einige Schwierigkeiten bereiten. Man be­fürchtet, daß die Wiederherstellung der Eisenbahnlinie nicht bis zu Hem Zeitpunkt beendigt sein wird, wo durch Zufrieren des Peiho die Zufuhr von Lebensmitteln auf dem Flußwege unmöglich wird. Die Eisenbahnlinie ist in gutem Zustande von Schanhaikuan bis Langfang 48 Kilometer von Taku. Zwischen Langfang und Peitsang, welche beiden Orte 38 Kilometer von einander entfernt sind, ist die Eisenbahnlinie völlig zerstört. Die Russen tragen für die Wiederherstellung dieser Strecke die Ver­antwortlichkeit, aber sie bleiben völlig unthätig. Tie Un- thätigkeit giebt zu Besorgnissen Anlaß. Es ist sehr wahr­scheinlich, daß die Wiederherstellung der ganzen übrigen Eisenbahnlinie nach Peking in einigen Wochen beendigt sein wird. Tie Briten stellen die Strecke zwischen Peking und Huangtsun, die gegen 29 Kilometer beträgt, wieder her. Die Japaner fangen ihre Arbeiten bei Huangtsun an, um mit den Deutschen zusammenzutreffen, die' von Aangtsun aus vorgehen. Laut einer Meldung desselben Bureaus aus Tientsin vom 31. Oktober wird in den Tang- schan-Werkstätten der n o r d ch in e s i sch e n Staats­bahn unter russischer Leitung Eisenbahnmaterial her­gestellt. Zwischen Tangschan und Tongkn ist der Bahn­körper auf 45 Kilometer gänzlich zerstört. Der Schan- Haikuan-Niutschwang-Linie konnten nach Meldung eng­lischer Ingenieure kleine Transporte rollenden Materials zugeführt werden.

Aus Schanghai wird derDaily News" unter dem 30. Oktober gemeldet: Die chinesischen Zeitungen fügen die folgenden Einzelheiten über die Friedens- bedingungen, die in Peking vereinbart worden sind, hinzu: Die Vizekönige und Gouverneure sollen Chinesen sein, aber von fremden Ratgebern unterstützt werden. Die Gesandtschaftswachen werden auf chinesische Kosten aufrecht erhalten. Die Regierung hat die Boxer in einer beschränkten Zeit zu unterdrücken. Der Friedens­vertrag ist vom Kaiser in Peking zu zeichnen.

AuS Peking wird vom 31. Oktober gemeldet: In der gestrigen Sitzung der fr'emden Gesandten wurde Über das vom französischen Minister des Auswärtigen vor­geschlagene Verbot der Einfuhr von Waffen nach China, sowie über die Frage der Bestrafung des Kaisers und der Kaiserin beraten. Es wurde indessen kein Beschluß gefaßt und die nächste Sitzung auf den 1. November anberaumt.

Aus London wird vom 1. November gemeldet: Nach denCentral News" fand am Montag in Schanghai die erste öffentliche Hinrichtung eines chine« fischen Reformers statt. Derselbe war vorher so ge­foltert worden, daß er außer Stande war, zum Richtplatze zu gehen.

Aus Peking wird vom 30. Oktober telegraphiert: Nachdem die auf Paotingfu vormarschierten Kolonnen nach der Einnahme dieser Stadt den Rückmarsch auf Peking und Tientsin angetreten haben, sind in Paotingfu die deutsche 2. Brigade, eine Schwadron und die 2. Abteilung des Feldartillerie-Regiments versammelt. Aunpingfu (etwa 80 Km. westlich Schavhaikwan am Tsingtungho) ist durch Engländer und zwei Kompagnien deutscher Infanterie des 2. ostasiatischen Regiments besetzt worden.

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Nach einer Meldung aus Berlin sind zur Weih- nachtsbescherung unserer Truppen in Ostasien durch den Berliner Verein vom Roten Kreuz und den hiesigen Zwelgverein des vaterländischen FrauenvereinS LlebeSgaben im Werte von mehr als 150000 Mk. hinüber- worden, außerdem sind die gespendeten Aepfel, NUssl° '»nd Pfefferkuchen durch AnkLufe fo weit ergänzt, daß slir l-den einzelnen deutschen Soldaten ein reich be= Mr W-ihnachtSteller bereit stehen soll. Der kaiserliche M'litarinspekteur der sre.w.lligen Krankenpflege Gras SolmS- Baruth hat in G-memschaft mit dem Reichskanzler und dem Kriegsminifter eine besondere B-rsügung sur die ord- nungsmaß.ge und rechtzeitige Verschiffung der Spenden und die schnellste Auslieferung an die Truppenteile getroffen

Nach einer Bekanntmachung des General. kommandoS des 18. Armeekorps hat Gras Walder- fee neuerdings aus seiner Fahr, nach China auch des zu seiner Armee Inspektion gehörenden 18. Armeekorps gedacht und von Pehang aus dem malahischen Archipel aus eine Botschaft gesandt, in derer sein Wohlbefinden milteilt und der Hoffnung Ausdruck gibt, daß sich auch bei dem 18. Armeekorps alles wohlbefinde.

Telegramme des Gietzerrer Anzeigers.

London, 2. November. AuS Shanghai wird ge­meldet: Gerüchtweise verlautet hier, daß eine starke Ko­lonne verbündeter Truppen auf dem Marsche längs des großen Kanals sich befindet. Die chinesischen Be­hörden in Shanghai sind davon benachrichtigt worden, daß die verbündeten Truppen nach Nanking entsendet werden.

London, 2. November. Aus Washington wird ge­meldet: Cockhill hat Befehl erhalten, sich nach Shang­hai zu begeben, wo er dem amerikanischen Vertreter als Legationsrat bei den Verhandlungen mit China zur Seite stehen soll.

Rom, 2. November. Mehrere Abgeordnete und Sena­toren werden die Regierung beim Wiederzusammentritt des Parlaments über die den verbündeten Truppen zur Last gelegten Grausamkeiten in China interpellieren.

Südafrikanisches.

Aus Newcastle in Natal wird derCentral News" unterm 30. Oktober gemeldet, daß in der Gegend zwischen Dundee und Vryheid nicht ein Haus der Buren stehen geblieben ist. Alle sind von den britischen Truppen niedergebrannt als Strafe für ver­räterische Akte dort ansässiger Buren. Die Frauen und Kinder der Buren finden in den Schuppen der britischen Patrouillen Schutz und sie werden von den Engländern auch mit den notwendigsten Lebensbedürfnissen versorgt.

Wie aus Pretoria vom 31. Oktober berichtet wird, ist General Botha mit einer starken Streitmacht auf dem Marsche nach dem Kenhardt-Di st ritte, von wo aus eine Anzahl unversöhnlicher Buren einen neuen Trek be­absichtigt.

Reuter meldet aus Pretoria vom 30. Oktober: Die Kommission für die Prüfung der Konzessionen in Transvaal setzte heute die Zeugenvernehmungen in der Angelegenheit der Dynamit-Gesellschaft fort. Einer der Direktoren suchte die Bestechung von Mit­gliedern des Raads und anderer zu rechtfertigen. Aus den Büchern der Gesellschaft, welche bei der Besetzung Pretorias durch die Engländer beschlagnahmt sind, geht nach Aussage der mit der Prüfung der Bücher beauftrag­ten Sachverständigen hervor, daß die Rechnungen unter dem Gesichtspunkt aufgestellt waren, die Regierung ihres Anteiles am Gewinn zu berauben. Aus den anderen Rech­nungen geht hervor, daß die Gesellschaft in diesem Jahre Transvaal eine Quantität Kugeln mit weicher oder ge­spaltener Spitze geliefert habe.

Aus Kr o o n st a d wird vom 28. gemeldet: Ein Buren- kommando von 150 Mann umzingelte heute früh einen englischen Außenposten von 90 Mann in der Nähe von Geneva und nahm denselben gefangen, griff den Kap- städter Postzug an, plünderte denselben und zündete ihn an. Ein Panzerzug von Geneva verjagte die Buren. Zwölf Buren wurden gefangen genommen. Die englische Feld­wache wurde wieder freigelassen.

Telegramm des Gießener Anzeigers.

London, 2. November. Die Unterhandlungen mit dem General Botha sind nach einer Meldung aus Johannesburg vollständig gescheitert. Präsident Steijn weigert sich, den englischen Vermittler zu empfangen.

Amsterdam, 2. November. Das holländische Kriegs­schiffGelderland", an dessen Bord sich Präsident Krüger befindet, ist in Wubuchi an der Ostküste von Englisch-Afrika eingetroffen. Die Witterung ist sehr ungünstig, sodaß der Präsident sehr unter der Seekrankheit zu leiden hat.

Amsterdam, 2. November. Man glaubt, daß Präsident Krüger der Vermählungsfeier der Königin Wil­helmine beiwohnen wird. Da die Annexion Trans­vaals der holländischen Regierung noch nicht amtlich mit« geteilt ist, wird Krüger mit den einem regierenden Staats­oberhaupt gebührenden Ehren empfangen werden.

Deutsches Reich.

Berlin, 1. November. Zum Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt ist der Wirk!. Geh. Legationsrat Dr. von Mühlberg nunmehr ernannt worden.

Der neu ernannte Unterstaatssekretär ist Mitte der 40er Jahre in Danzig geboten und entstammt einer dortigen Patrizierfamilie. Am 9. Januar 1867 trat er in den preußischen Justtzdienst, machte den Krieg gegen Frankreich im Ziethmhusaren-Regiment mit und erhielt nach der Schlacht bei Mars-la Tour das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Im Jahre 1871 wurde er Gerichtsafsessor mit einem Patent vom 26. Juli. Bald darauf wurde er zum Auswärtigen Amte beurlaubt und trat im Januar 1873 vollständig in dessen Dienst über; er wurde zunächst Vizekonsul in London. Etwa acht Jahre war er im diplomatischen Dienst in England und in Amerika thätig und wurde Ende der siebziger Jahre als stän« diger Hilfsarbeiter ins Auswärtige Amt berufen. Im Jahre 1880 wurde er geadelt, 1883 zum Vortragenden Rat in der II. (handelspoli­tischen) Abteilung des Auswärtigen Amtes ernannt, 1889 zum Ge­heimen Legationsrat und Rat erster Klasse befördert. Er gehörte bis jetzt als zweitältester Vortragender Rat der Abteilung la des Auswärtigen Amtes an, d. h. der politischen Abteilung, die zugleich die Personalien bearbeitet; er hatte hier speziell das Referat über den Orient und Finanz­angelegenheiten. In den Kreisen, die Gelegenheit hatten, Dr. v. Mühl­berg näher zu treten, wird seine Sachkenntnis und sein verbindliches Wesen gerühmt; als Arbeitskraft ist er sehr geschätzt; das beweist auch die Berufung in sein neues, sehr arbeitsreiches Amt. In militärischer Beziehung ist er Rittmeister der Reserve des Regiments Zietenhusaren. Sein Bruder ist der die 4. Kavalleriebrigade befehligende Oberst von Mühlberg.

Aus Hamburg wird gemeldet: Die Königin von Holland ist in Begleitung ihres Verlobten des Her­zogs Heinrich von Mecklenburg, und der Königin-Mutter heute nachmittag auf dem Venloer Bahnhofe eingetroffen. Nach kurzem Aufenthalt erfolgte die Weiterreise nach Lensahn.

DieNationalztg." meldet nunmehr, daß Prinz Prosper Arenberg zu 15 Jahren Gefängnis ver­urteilt ist.

DieNationalztg." schreibt: Aus Paris wird die phantastische, angeblich aus Tanger stammende Nachricht verbreitet, daß der Sultan von Marokko demnächst an sein Volk eine Kundgebung über eine politische Aktion

Deutschlands in jenem Land richten werde. Andeutungs­weise wird von einem deutschen Protektorat über Marokko , gefabelt und darauf hingewiesen, daß Deutschland einen Stützpunkt im Mittelmeer suche. An alledem ist kein wahres Wort. Es handelt sich, wie wir erfahren, lediglich darum, daß der deutsche Gesandte in Tanger, Frhr. v. Mentzingen, wie früher schon berichtet worden, sich an den Hof des Sultans von Marokko begeben soll, um bei diesem persönlich eine Reihe älterer materieller Reklamationen zur Erledigung zu bringen. Ein politischer Zweck wird mit dieser Reise nicht verbunden.

Heber die Beschlagnahme der von Südafrika an Bord des DampfersBundeSrat" eingetroffenen Goldbarren teilt dieHamb. Börsenhalle" folgendes mit: Bekanntlich verwandte die Regierung der südafrikanischen Republik während des Krieges die Ausbeute der Goldminen für ihre Zwecke und stellte dafür den Besitzern der Minen Bons aus. Da nun der Ausgang deS Krieges die Ein« lösung der BonS in Frage stellt, ist auf Anhalten eines internationalen Konsortiums von Beteiligten die Beschlag- nähme von 30 Kisten bewirkt worden. Zum Zwecke der Beschlagnahme begaben sich mehrere Beamte des hiesigen Gerichtsvollzieheramtes nach Cuxhafen, wo sie die Ankunft desBundeSrat" erwarteten. Sämtliche 30 Kisten wurden bei der Ankunft desBundeSrat" im hiesigen Hafen ge­öffnet und ihr Inhalt durch Sachverständige geprüft. Der Gesamtwert der Sendung wird auf etwa 3 Millionen Mark geschätzt. Die 30 Kisten wurden vom Hafen nach der Norddeutschen Bank gefahren und vorläufig dort unter­gebracht.

Oldenburg, 1. November. Der Zusammentritt des Familienrates des Großherzoglichen Hauses fand in Lensahn statt, wo Anfang November auch die Königin Wilhelmina von Holland eintreffen soll. Ihr Bräutigam ist bekanntiich der jüngste Bruder der Großherzogin Elisabeth vou Oldenburg. Im Hinblick auf die im Familienrate zu verhandelnde Apanagen- Angelegenheit dürften einige nähere Mitteilungen über die Neuregelung von Interesse sein:

Durch das Hausgesetz vom 1. September 1872 wurde eine Haus­stiftung gegründet, welche die Bestimmung hat, den Unterhalt der Fa- I milienglieder, wie es die Würde des Hauses erfordert, zu sichern. Um | die Hausstiftunz durch allmähliches Anwachsen ihrer Leistungsfähigkeit möglichst in Stand zu setzen, den in Zukunft an sie herantretenden An­forderungen gerecht zu werden, sind bisher nur an zwei Prinzen und zwei Prinzessinnen Apanagen oder Brautschätze geleistet worden. Vom 1. Januar 1901 an werden nun alle Prinzen des Groh- herzoglichen Hauses Apanagen beziehen und zwar erhält jeder Prinz, welcher nachgeborener Sohn eines regierenden Großherzogs ist, lebenslänglich 8 0 0 0 Thaler jährlich; jeder Sohn eines nicht regierenden Prinzen 6 0 0 0 Thaler jährlich. Dem Erbgroh- h erzog steht kein Anspruch auf Apanage gegen die Hausstiftung zu, da seine Bezüge im Staatsgrundgesetz festgelegt sind. Danach erhält der Erbgroßherzog vom 18. Lebensjahre an aus den zur Unter­haltung des Großherzoglichen Hauses vorbehaltenen Mitteln eine Dota­tion von mindestens !3500Thalern. Was die oldenburgischen Prinzessinnen betrifft, so steht diesen vom 1. Januar 1900 an im Falle ihrer vom Oberhaupt des Großh. Hauses genehmigten Ver­mählung der Brautschatz in Höhe von 10 000 Thlrn. zu. Die Aus­steuer usw haben jedoch die Eltern aus ihrem Vermögen zu verschaffen. Unvermählt bleibende Prinzessinnen haben keinen Anspruch auf Apanagen, für ihren Unterhalt haben die Eltern zu sorgen. Die Hausstiftung ist gebildet und dotiert worden besonders durch ^Ueberweisung eines Kapitals von 300 000 Thlrn. von dem verstorbenen Großherzog Niko­laus Friedrich Peter uud durch Ueberweisung einer jährlichen Rente von 15 000 Thlrn. aus den Erträgnissen des Krongutes von dem verstorbenen Großherzog.

München, 1. November. Der Generaladjutant deS Prinzregenten, Generalleutnant Graf Lerchen felb- Prennberg, ist zum General der Kavallerie befördert.

Ausland.

London, 1. November. Der Unterstaatssekretär deK Krieges, Wyndham, hielt gestern in Dover eine Rede, worin er, auf die anerkannte Notwendigkeit einer Militär- Reform hinweisend, sagte: Es wurde häufig auf dem Kontinent behauptet, daß die Engländer dadurch, daß sie sich der Pflichten des Reiches bewußt werden, eine feindliche Stimmung gegen die legitimen Bestrebungen der europäischen Mächte zu erkennen geben. Dies ist nicht . der Fall. Der Geist, der uns beseelt, entspringt dem großherzigen Antriebe zu erfahren, welches von den be­günstigten Völkern der Welt am besten die ihnen ob­liegenden Pflichten gegen die noch im barbarischen oder halbziviliserten Zustande befindlichen Länder erfüllt.

Die Blätter geben allgemein ihrem Erstaunen darüber Ausdruck, daß Lord L a n s d o w n e für den Posten eines Ministers des Aeußern in Aussicht genommen sein soll. Sie erklären, sein persönliches Ansehen uud seine amtliche Erfahrung genügten nicht für die Leitung der äußeren Politik des Landes, geben aber zu, daß er im Verkehr äußerst zuverlässig und verbindlich sei, und daß er nicht leicht die Empfindlichkeit irgend einer Macht reize. Die meisten Blätter meinen, daß Lord Salisbury die Leitung der Geschäfte thatsächlich selbst in der Hand behalte.

Paris, 1. November. Ter hier lebende Vertreter Aguinaldos, Agoncillo, hat eine Kundgebung an das amerikanischeVolk gerichtet, worin er betont, welchen materiellen und moralischen Schaden der gegen­wärtige Krieg auf den Philippinen Amerika bereits zugefügt habe uud uoch zufügen werde. Weiter erklärt Agoncillo, die Filipinos seien fähig, sich selbst zu regieren, und verlangt ein Plebiszit in der Ueberzeugung, daß alle Filipinos ihre Unabhängigkeit verlangen.

Madrid, 1. November. Ter Kriegsminister erklärt, nach amtlichen Depeschen seien die Kar listen in Kata­lonien gering an Zahl. Zu ihrer völligen Vernichtung werden neue Streitkräfte abgesandt. Aus Saragossa wird die A b r e i s e des Karlistenführers C a b r e r a ge­meldet. Sein Reiseziel ist unbekannt. Die militärischen Behörden von Valencia haben Vorsichtsmaßregeln ge­troffen. In Navarra und Biscaya herrscht vollkommene Ruhe. Die Negierung steht der carlistischen Bewegung optimistisch gegenüber.

Barcelona, 1. November. Ter Gouverneur ent­deckte zwei Niederlagen von Gewehren verschiedenster