Ausgabe 
3.11.1900 Zweites Blatt
 
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M. 258 Zweites Blatt. Samstag den 3. November 150. Jahrgang lf>oo

Heneral-AHeiger

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Amtlicher Heil.

Bekanntmachung.

Betr.: Die landw. Winterschule zu Alsfeld.

Die nachstehende Bekanntmachung veröffentliche ich mit der Empfehlung an die Landwirte des Bezirks, die Gelegen­heit zur Ausbildung ihrer Söhne nicht zu versäumen.

Gießen, den 1. November 1900.

Der Direktor deS landw. Bezirksvereins.

v. Bechtold.

Die laudw. Winterschule zu Alsfeld betr.

Die Landwirtschaftliche Winterschule zu Alsfeld beginnt ihren 29. Winterkursus Montag den 5. November ds. IS. vormittags 11 Uhr.

Indem wir zum Besuche der Schule einladen, be­merken wir, daß die Schule das Ziel verfolgt, jungen Land­wirten diejenigen Fachkenntnisse, welche heute zur rationellen Bewirtschaftung bäuerlicher Güter notwendig find, in zwei fünfmonatlichen Winterkursen zu vermitteln. Zur Er- reichung dieses Zieles lehren an der Schule drei Landwirt- Ichaftslehrer und vier Hilfslehrer. Die Schule ist mit einer reichen Lehrmittelsammlung zweckentsprechend aus­gerüstet.

Ausgenommen werden junge Leute im Alter von 14 bis 20 Jahren, welche das Unterrichtsziel an der Volks­schule erreicht haben; in den oberen Kursus nur solche, welche schon den unteren Kursus mit Erfolg besucht haben, oder welche nachweisen, daß sie die Kenntnisse, welche der untere Kursus vermitteln soll, bereits besitzen. Aeltere Landwirte können als Hospitanten ausgenommen werden.

Die jungen Leute stehen während ihres Hierseins unter Aufsicht der Lehrer und müssen sich der Schulordnung un­bedingt unterwerfen. Sie nehmen Wohnung in bürgerlichen Familien und können Wohnungen von 30 bis 40 Mk. per Monat von dem Vorsteher der Schule, Herr Oekonomierat Leithiger, nachgewiesen werden. Das Schulgeld beträgt für das Wintersemester 25 Mk.

Anmeldungen sind an den Aufsichtsrat oder an Herrn Oekonomierat Leithiger zu richten, welcher auch bereit ist, speziellere Anfragen zu beantworten.

Alsfeld, den 1. September 1900.

Der Aufsichtsrat der landw. Winterschule Alsfeld.

Bekanntmachung,

Die am 19. Oktober l. Js. angeordnete Sperre des von der Hammstraße nach der Neumühle zu führenden Weges wird hiermit aufgehoben.

Gießen, den 1. November 1900.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Hechler.

Die Preußische Hypotheken Aktienbank und die Deutsche Grundschuldbank.

In die Kreise der Besitzer von Hypotheken-Pfandbviefen dieser Banken ist seit ungefähr 14 Tagen eine tief­gehende Beunruhigung hineingetragen worden, sodaß ein noch nie dagewesener plötzlicher Verkaufsandrang stattfand, wodurch die Course durchschnittlich 10 bis 15 Prozent heruntergeworfen worden sind. Man mutz bedenken, daß beide Banken zusammen ungefähr 460 Millionen Pfandbriefe im Umlauf haben, die in allen Schichten des deutschen Kapitalistenpublikums seit langen Jahren als eine gute, sichere Anlage gekauft wurden. Da die Verkäufe immer stärker wurden, so sahen sich die beiden Banken veranlaßt, die Aufnahme an der Börse zu ver- tveigern. Daraufhin kamen die anderen großen Berliner Hypothekenbanken den Instituten zur Hilfe, indem sie denselben vorerst 15 Millionen bar gegen Abtretung von Hypotheken zur Verfügung stellten. Von diesem Kapitale sind bis heute ungefähr vier Millionen zum Rückkäufe von Pfandbriefen ausgebraucht. Dieses Beispringen der übrigen Banken liegt in deren eigenem Interesse, denn es konnte leicht sein, daß der ganze Hypotheken- und Pfandbrief­markt in starke Mitleidenschaft gezogen wurde.

Betrachten wir nun den Grund zu den ganzen Vor­gängen, so ist heute von uns kurz folgendes mitzuteilen. Wir werden in den nächsten Tagen die Angelegenheit in weiteren Artikeln verfolgen. Tie Preußische Hypotheken- Aktien-Bank besteht seit dem Jahre 1864, arbeitet mit 21 Millionen Aktienkapital und ist berechtigt, Pfand­briefe auszugeben,zu dere n Sicherheiter st - st eilige Hypotheken in mindestens gleiche in Betrage erworben und verpfändet sind. Be­rücksichtigt man nun, daß auch diese beiden Banken von den staatlich bestellten Treu­händern bezüglich der vorhandenen Hypotheken und der Ausgabe der Pfandbriefe in gleicher Höhe kontrolliert wurden und daß diese Hypotheken sich unter dem Mit­verschluß dieser Beamten befinden, und daß ferner seit 1. Januar 1900 alle neu ausgegebenen Obligationen eine diesbezügliche Bescheinigung durch Aufdruck auf jedem einzelnen Papier erhielten, so kann es nicht überraschen, wenn Publikum wie auch Fachleute die Pfandbriefe für eine unbedingt gute Anlage betrachteten. Es war also bezüglich der Sicherheit der Pfandbriefe nichts einzu­wenden. Nun hat aber, wie es sich seit einiger Zeit heraus­stellte, die Verwaltung mit anderen flüssigen Geldern, wozu auch das Aktienkapital gehören sollte, in einer Weise gewirtschaftet, wie man es bei einem Institute, dem ein so riesiges Vertrauen aus soliden Kapitalistenkreisen ent- gegeugebracht wurde, nicht für möglich gehalten hätte. Die Direktoren haben die Bank in enge Beziehungen zu Terrain- und Baugesellschaften gebracht, be­sonders zu der Aktiengesellschaft für Grund­besitz und Hypothekenverkehr. Bei dieser Ge­sellschaft haben die beiden Banken darlehensweise fast ihre ganzen verfügbaren Mittel von ungefähr 29 Millionen sestgelegt. Sie haben also das ganze Aktienkapital, das nach dem Gesetze als weitere Sicherheit für die Pfand­briefe dienen soll, in gesetzwidriger Weise ver­wandt. Es ist allerdings nachträglich der Preußischen

Hypotheken-Aktien-Bank hierfür eine Hypothek bestellt worden.

Dies ist, kurz angedeutet, der Grund zu den in letzter Zeit in verschiedenen Zeitungen erfolgten Angriffen, wo­durch auch die Pfandbriefbesitzer beunruhigt sind, obgleich bis jetzt nur ein eventueller Verlust für die Aktionäre nachgewiesen werden kann; ob dieser so schlimm sich herausstellt, wie vielfach angenommen wird, muß abgewartet werden, denn es ist noch keine aus­gemachte Sache, daß die Gelder bei der Aktiengesellschaft für Grundbesitz verloren sind.

Wir werden, wie erwähnt, noch eingehender die Vor­fälle besprechen, möchten heute nur noch darauf Hinweisen, daß bei den jetzigen Coursen der Pfandbriefe ein event. Ausfall an etwa minderwertigen Hypotheken schon als berücksichtigt angesehen wird.

Die preußische Staatsregierung hat sich der Sache angenommen, und läßt durch Sachverständige die Hypotheken aus ihren Wert prüfen, und dadurch dürfte sich hoffentlich bald Herausstellen, daß die Pfandbriefe dürch die vorhandenen Unterlagen, deren Höhe von den Treuhändern genau kontrolliert ist, gesichert sind.

Es soll ferner eine Versammlung der Pfandbriefbesitzer stattfinden, wozu bereits Aufforderungen erschienen sind. Uns liegt heute eine solche Aufforderung vor, in welcher die Besitzer dringend vor überstürzten Verkäufen gewarnt werden, die die Verwirrung noch vergrößerten. Ein Nachteil, heißt es ferner, könne durch Festhalten an dem Besitze nicht entstehen, da die unter Verschluß der Treuhänder befindlichen Hypotheken unbedingt den Obligationären gesichert seien.

Der Krieg itt China.

Wie aus Washington und Paris gemeldet wird, haben sowohl die Vereinigten Staaten wie Frankreich ihre Zustimmung zu den Grundsätzen des deutsch-englischen Abkommens erklärt, die bekanntlich dahin gehen, daß die beiden Mächte für die offene Thür in China und für den unverminderten Territorialbestand des chinesischen Reiches ihren Einfluß einsetzen wollen. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat ihre Antwort auf die Mitteilungen der beiden Regierungen am 1. No­vember in einer Kundmachung veröffentlicht, die besagt, daß der Staatssekretär Hay am 29. Oktober an den eng­lischen Botschafter sowie an den deutschen Geschäftsträger eine Note gerichtet habe. Tarin bestätigt der Staats­sekretär zunächst den Empfang der Note, führt die beideck ersten Arttkcl des Abkommens an und betont, die Ver­einigten Staaten hätten bereits zu erkennen gegeben, daß sie die in diesem niedergelegten Grundsätze angenommen! haben. Im vorigen Jahre habe die Regierung der Ver­einigten Staaten die in China beteiligten Mächte einge­laden, sich einer Aussprache ihrer Ansichten und Ziele in der Richtung auf gleichberechtigten Handel mit China anzuscbließen, und sie habe von allen Mächten dahin­lautende befriedigende Versicherungen erhalten. Am 3. Juli habe die Regierung der Vereinigten Staaten nochmals! ihre Politik über gleichberechtigten Handel in China und den unversehrten Bestand Chinas bekannt gegeben und habe die Genugthuung gehabt, zu erfahren, daß alle Mächte

Hsieater-Merein.

Gastspiel von Auguste Krasch-Grevenöerg.

Die Reihe der diesjährigen Darbietungen eröffnete gestern em höchst genußreicher Theaterabend. Man gab zwei Stücke, von denen das eine auch allein wohl zur Ausfüllung des Abends genügt haben würde, C y p r i e n n e", derI e p h t a s To ch t e r" vorherging. Es wird viele Theaterbesucher aufrichtig gefreut haben daß sie mit diesem reizenden, seinen Einakter bekannt gemacht wurden. Der eine oder andere hatte ihn viel­leicht schon bei Gelegenheit eines Sorma-Gastspiels anderen Orts gesehen, aber der Mehrzahl war er sicher unbekannt. Das Cavalotti'sche Lustspielchen ist sür die deutsche Bühne von Alfred Hahn bearbeitet, und es wird diesem Freude machen, zu hören, daß es gerade in Gießen Kur Aufführung kam, denn an unserer Buhne hat er, jetzt Mitglied des Berliner Theaters in Berlin, Anfang der 80er Jahre seine Rekrutenzeit gedient. Jedenfalls war die Zusammenstellung von Jephtas Tochter mit Cyprienne nicht ohne Beziehung gewählt, denn die beiden Stucke sind gewissermaßen Pendants. In jenem erobert sich eme nirigfc Frau ihren Mann, in diesem gewinnt sich ein Ehe­mann seine Frau zurück. t _

Sardou hat das Ehe-Thema zu derselben Zeit (1880) i-n zwei Stücken behandelt. In dem RührdramaD a n i e l »o ch a t" steht die Frage: Civilehe oder kirchliche Trauung? i»ur Erörterung. Diesem, in seinem ganzen Aufbau an i nneren Unwahrscheinlichkeiten leidenden Stück steht als ein

echtes, gelungenes LustspielD i v o r c o n gegenüber, das noch immer nicht nur die französische Bühne beherrscht, sondern in allen Ländern viel aufgeführt wird, in Deutsch­land in der Bearbeitung von Blumenthal unter dem Titel C y P r i e n n e". Die gesetzliche Einführung der Ehe­scheidung in Frankreich bot Sardou den Anlaß zu diesem lustigen Capricco, dessen Inhalt wir hier nicht wieder- aeben wollen, ohne jedoch die Bemerkung zu unterdrücken, daß der ad absurduni geführte Liebhaber Cypriennes eine prachtvolle parodistische Vignette für die ganze französische Ehebruchsdramatik bildet. Um den ganzen Reiz von Sardous Lustspiel zu empfinden, dazu gehört freilich eine so ausgezeichnete Cyprienne, wie wir gestern in Ang u st e Prasch-Grevenberg kennen lernten. Sie vereinigte in sich alle Eigenschaften, deren Besitz für eine erfolg­reiche Darstellung der Cyprienne erforderlich ist, roma­nische Beweglichkeit, Witz, übersprudelnder Humor und tolle Laune, der sie im Schlußakt tüchtig die Zügel schießen ließ. Diese Restaurantscene ist ja besonders geeignet, die Jmprovisierungsfähigkeit einer Künstlerin zu zeigen. Was hat Frau Prasch als Cyprienne beimScheidungssonper" nicht alles in der Champagnerstimmung geplaudert, wovon natürlich im Regiebuch wenig zu finden ist! Diese Scene war einfach reizend durchgeführt; beschreiben läßt sich das nicht, man muß das gesehen haben.

Nicht minder entzückend war Frau Prasch alsJephtas Tochter". Wie köstlich war, um nur eins anzuführen, ihre Schilderung des Greisenalters, oder das neckische Spiel mit dem geritzten Finger!

Unsere einheimifchen Kräfte hatten einem solchen Gaste

gegenüber natürlich einen schweren Stand, hielten sich aber durchweg vortrefflich. Zunächst sei Herr di Balthyni genannt, der in dem Einakter den jungen Ehemann und in Cyprienne den Liebhaber Adhemar spielte und sich beider Rollen mit sehr großem Geschick und durchweg richtiger Auffassung entledigte, sodann Herr Ramsey e r (Herr von Prunelles), der diese große Rolle, wie wir hörten, zum ersten Male spielte. Seine Leistung wäre vollkommen ge­wesen, wenn nicht öfters ein Versprechen gestört hätte. Bedenkt man aber, wie viele große Rollen Herr Ramseyer in der letzten Zeit hat studieren müssen, so wird man diesen Mangel nur nachsichtig beurteilen können. Herr Lieb­scher, der den Doktor Sarchi und den Clavignac spielte, ist uns als gewissenhaft lernender und seine Rolle durch­denkender Schauspieler zur Genüge bekannt, von ihm er­warten wir im Voraus immer nur gutes. Die Undank­bare Rolle far gedemütigten Gräfin Arsenia gab $rl. Sch öl er mann Gelegenheit, sich uns als die tüchtige Schauspielerin zu zeigen, als die wir sie aus großen Rollen kennen. Die Nebenrollen waren passend besetzt. Frl. Eichenwald hätte wohl das französische Kammer­kätzchen Josepha ein gut Teil koketter spielen können, als guter Sprecher zeigte sich wieder Herr Marlitz (Bastien) und Herr L a ch m a n n war ein gewandter Oberkellner, indem er feine Rolle, der ganzen Situation angepaßt, möglichst komisch auffaßte.

Wenn der Theaterverein der gestrigen Vorstellung lauter gleich vortreffliche folgen läßt, dann dürften auch die wenigen Plätze, Die gestern noch frei waren, bald ihren Abnehmer finden. **