Ausgabe 
3.8.1900 Erstes Blatt
 
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Äallsten weisend) voran. Wir müssen uns dieHelden der Feder" bei guter Stimmung erhalten, sonst sind wir verloren!" Der König hatte damals der Presse auch ein Gartenfest im Quirinal zugedacht, das aber infolge Ein­tritts schlechter Witterung ausfallen mußte.

In früheren Jahren pflegte das italienische Komgs- paar alljährlich einmal und zwar im August Venedig zu besuchen. Während seiner Anwesenheit in der Lagunen­stadt ließ es sich die Königin Margherita nicht nehmen, u. a. eine Gondelfahrt nach dem Ghetto zu machen, um die Wohlfahrtseinrichtungen der dort seßhaften Israeliten zu besichtigen. Nach, einem solchen Besuche wurde stets der Rabbiner von der Königin, die sich lebhaft fürs He­bräische interessiert, zur Audienz befohlen. Als gelegent­lich einer solchen Audienz der König einmal die Gemächer seiner Gemahlin betrat, meinte er lächelnd zu dem Prie­ster:Meine Frau interessiert sich so lebhaft für das alte Testament, daß ich Lust hätte, sie auszuquartieren und ihr im Ghetto ein Palais zu bauen." Thatsache ist, daß das Königspaar den venezianischen Ghetto-Bewohnern allezeit ein warmes Interesse bewahrt hat.

Und zum Schluß noch ein für die T-enkart des ver­blichenen Monarchen außerordentlich charakteristisches Ge- schichtchen, das freilich zeitlich sehr weit zurückliegt. Gleich nach dem Tode Victor Emanuels war es, als König Hum­bert mit unserem Kronprinzen, dem nachmaligen Kaiser Friedrich, in Pegli bei Genua das erste Zusammentreffen gehabt hatten. Die beiden Fürsten waren auf einer ge­meinsamen Spazierfahrt begriffen, als ein junger Mensch ein Bitgesuch in den königlichen Wagen warf. Der König öffnete es sofort und gab seinem hohen Gaste von dem Inhalt Kenntnis. Darin ersuchte ein junger Korporal den König um Beförderung, weil er sonst mit seiner jungen Frau hungern müsse.Ja, ja", meinte Kronprinz Fried­rich Wilhelm, .die Liebe geht durch den Magen!"Auch die der Völker zu ihren Herrschern nimmt keinen andern Weg", ergänzte König Humbert.....

Politische Tagesschau.

In der Komtzer Mordaugelegenheit ist es gegenwärtig ziemlich still geworden. Das letzte bemerkenswerte Er» eignis war die Entlastung des Fleischermeisters Hoffrnann, der bekanntlich dis vor einiger Zeit noch immer in dem Verdacht der Täterschaft an dem Verbrechen stand. Wie weit die Angelegenheit Lewy augenblicklich gediehen ist, weiß man nicht, da der Prozeß gegen den jungen Lewy wegen Meineides noch schwebt und der alte Lewy sich noch aus Reisen befinden soll. Fleischermeister Hoffmann ist seit langen Jahren Mitglied des Stadtverordneten-Kollegiums zu Könitz. In der Sitzung vom 26. Juli nahm nun der Vorsitzende des Magistrats Kollegiums Veranlaffung, folgende Erklärung an Hoffmann zu richten:

In den Mauern unserer Stadt ist der Mord an dem Gym­nasiasten Winter verübt worden, der die ganze gesittete Welt noch heute in Aufregung erhält. Ewer unserer geachtetsten Mitbürger und langjähriges Mitglied der Stadtverordneten Versanmlung, Herr Fleischermeister Gustav Hoffmann, und seine 14jährige Tochter Anna Hoffmann sind der Thäterschaft an diesem Verbrechen beschuldigt wo-den. Durch die pflichtgemäßen, eifrigen und unparteiischen Nach­forschungen btt Behörden ist amtlich festgestellt, daß die Anfchuldig- ungcu gegen Herrn Hoffmann und Tochter vollständig grundlos waren. Die Thatsache, daß der auf unser StadtverordneNnmttglied gelenkte Verdacht an die O ffeMUchkett ganz Deutschlands gelangt ist, legt uns, den von der Bürgerschaft gewählten Vertretern der Stadt, die Pflicht auf, ebenfalls in öffentlicher Form zur Wieder- herst Kling der Ehre unseres Stadtverordneten und seiner Tochter be<zu-ragen. Wir versickern Ihnen, Herr Hoffmann, daß die Mit­glieder der städtischen Körperschaften, daß die gesamte Bürgerschaft unserer Stadt Könitz von vornherein, ganz unabhängig von den amtlichen Feststellungen, stets von Ihrer und Ihres Fräulein Tochter vollständiger Schuldlosigkeit überzeugt gewesen sind. Ihre Mit­bürger, Herr Hoffmann, haben sofort erkannt, daß Sie und Ihr Fräulein Tochter lediglich der Zielpunkt freier Erfindungen waren. Nehmen Sie, Herr Stadtverordneter Hoffmann, nebst Fräulein Tochter die Gefühle unserer vollkommenen Hochachtung entgegen."

Hieraus ergriff der Stadtverordneten-Vorsteher das Wort, wobei er ausführte, daß die Stadtverordneten sich der Erklärung des Magistrats nur anschließen könnten. Er sprach den Wunsch aus, daß die Mörder Winters doch noch entdeckt werden möchten. Hoffmann dankte bewegt mit einigen Worten.

Der Oberbürgermeister Bender von Breslau ist seit einiger Zeit vielfachen Angriffen von Innungen und gewerblichen Bereinigungen ausgesetzt weil er in einer von ihm ge­haltenen Herrenhausrede den gewerblichen Mittelstand alsmoralisch gesunken, weniger wahr, neidisch, zu übler Nachrede geneigt und unehrlich" be­zeichnet. Nun hat der Befehdete Stellung genommen in einem Schreiben, das er dem Ausschuß der vereinigten Innungen zu Breslau zukommen ließ. Herr Bender weist die gegen ihn erhobenen Angriffe zurück und bemerkt dann am Schluffe:

Den Vorwurf der Judenfreundschaft, von antisemitischer Seite erhoben, nehme ich hin. Ich teile ihn mit vielen guten Männern. Wer sich bemüht, gerecht zu sein, kann nicht auf den Beifall derer rechnen, die aus Grundsatz ungerecht find. Das Christentum aber hätte der Referent aus dem Spiele lassen sollen; das hat mit der Mittel­stand sagitation so wenig gemein wie mit dem Antisemitismus. Wer den Juden haßt, blos weil er Jude ist, verstößt gegen das Hauptgebot Christi, und wer seinen Nachbar, den Warenhausbesitzer, hoch besteuern will, um selbst demnächst einen Teil des Steuerertrags gut geschrieben zu erhalten, der begehrt seines nächsten Gut. Er mag das vor seinem Gewißen bemänteln wie er will; er mag von ausgleichender Gerechtig­keit sprechen, den Nachbar reich, gewissenlos und Schwindler, sich selbst aber tugendhaft, gedrückt und arm nennen; aber auf das Christentum sollte er sich nicht berufen. Wer verführt wird, statt im eigenen Hause vertrauensvoll vorwärts zu streben, vielmehr neidisch auf das Haus des Nachbars zu sehen, wer sich dauernd damit beschäftigt, wie der Kon­kurrent gehemmt, geschätzt und niedergehalten werden möchte, und wer sich mehr und mehr daran gewöhnt, sein Heil von dieser Schwächung der Konkurrenten, anstatt von der eigenen Kraft zu erhoffen, der muß schließlich schlechter werden.-_______________ __________

Aus Stadt und Kund.

Gieße», 2. August 1900.

** Militärisches. Oberstleutnant Frhr. Rüdt v. Collenberg, beauftragt mit der Führung des

1. Großh. Hess. Inf,- (Leibgarde-) Regts. Nr. 115 zum Obersten befördert. Moser, Kgl. Württ. Major, bisher im Generalstabe der 27. Division, kommandiert nach Preußen unter Ueberweisung zum Generalstabe des 18. Armeekorps, in den Generalstab der Armee emgeteut; Frhr. Treuschv. Buttl ar-Branden fels, Haupt­mann im großen Generalstabe, zum Generalstabe des 18. Armeekorps; Lt. Lungcrshausen im 2. Großh. Hess. Drag.-Regt. (Leib-Drag.-Regt.) Nr. 24, unter Versetzung in das 1. Großh. Hess. Drag.-Regt. (Garde-Drag.-Regt.) Nr. 23 zum Oberleutnant befördert; v. Zangen, Haupt­mann, bisher persönlicher Adjutant des verstorbenen Prinzen Wilhelm von Hessen und bei Rhein, als Batterie- Ehef in das 2. Großh. Hiess. Feldart.-Regt. Nr. 61 versetzt; Lt. v. Heyne im Großh. Hess. Train-Bat. Nr. 25, zum Oberleut., vorläufig ohne Patent, befördert; Hauß, Major z. D. und Bezirksoffizier beim Landw.-Bezirk I Cassel, unter Enthebung von dieser Stellung und Erteilung der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des 1. Großh. Hess. Inf.- (Leibgarde-) Regts. Nr. 115, mit seiner Pension der Abschied bewilligt; Becker, Lt. im 1. Großh. Hess. Inf.- (Leibgarde-) Regt. Nr. 115, ausgeschieden und zu den Offizieren der Land'w.-Jnf. 1. Aufgebots übergetreten; v. Otterstedt, Komp.-Chef im 4. Großh. Hess. Jnf.-Regt. (Prinz Carl) Nr. 118, in das Jnf.-Regt. von Winterfeldt 2. Oberschles.) Nr. 23 versetzt; v. Oppeln - Broni- kowski, Hauptm. und Komp-Chef im 1. Großh. Hess. Inf.- (Leibgarde-) Regt. Nr. 115, scheidet behufs Ueber- tritts zur Marine-Inf. aus und wird gleichzeitig mit seinem Patent beim 2. Ersatz-See-Bat. (Wilhelmshaven) angestellt; die Oberlts. v. Kropff im 1. Großh. Hess. Inf. (Leib­garde-) Regt. Nr. 115, v. Pestel im 4. Großh. Hess. Jnf.- Regt. (Prinz Carl) Nr. 118 zu Komp.-Chefs ernannt unter Beförderung zu Hauptleuten, vorläufig ohne Patent; zu Oberlts. befördert die Lts.: Hermann, Sun th eim im 4. Großh. Hess. Jnf.-Regt. (Prinz Carl) Nr. 118, Fonck im 5. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 168, dieser unter Ver­setzung in das Jnf.-Regt. Nr. 135; v. Werder, Major und Kommandeur des 1. Großh. Hess. Drag.-Regts. (Garde- Drag.-Regts.) Nr. 23, zum Oberstlt. befördert; v. W a ch t e r, Hauptmann a la suite des 4. Großh. Hess. Jnf.-Regts. (Prinz Carl) Nr. 118 und Eisenbahn-Kommissar, zur Dienst­leistung bei der Eisenbahn-Linienkommission in Frankfurt a. M. kommandiert; Frhr. v. Rechenberg, Oberlt., bis­her im Ostasiat. Feldart.-Regt., im 2. Großh. Hess. Feld- art.-Regt. Nr. 61 wiederangestellt.

** Behandlung der Po st packet e. Das Reichs­postamt hat infolge wiederholter Beschwerden über un- behutsame Behandlung der Packete durch die Unter­beamten soeben eine sehr scharfe und dankenswerte Vr- fügung erlassen. Es heißt darin: Den Postanstalten wird erneut zur Pflicht gemacht, mit Nachdruck darauf zu halten, daß die Unterbeamten mit den Packeten behutsam umgehen, dieselben insbesondere nicht werfen, gegen einanderstoßen oder zu Boden fallen lassen, sondern von Hand zu Hand geben und vorsichtig niederlegen. . Im Eisenbahnpost­betriebe ist zur Abkürzung der Uebergabe in möglichstem Umfange von Packetkörben oder Packetsäcken Gebrauch zu machen, damit auch bei kurzem Aufenthalte der Eisenbahn­züge genügende Zeit bleibt, um die Packete ordnungsmäßig aus- und einladen zu können. Von den Vorstehern der Postanstalten und Bahnpostämter wird erwartet, daß sie durch persönliche Einwirkung und dauernde Aufficht für eine schonende Behandlung der Packete sorgen.

Bad-Nauheim, 1. August. In der letzten Stadtverord- netensitznng machte Bergrat CheliuS die erfreuliche Mit­teilung, daß im Herbst d. I. ein kleines BadehauS mit ca. 20 Zellen zwischen BadehauS I und III für den neuen Sprudel XIV gebaut werde, das am 1. April n. I. schon benutzt werden könne. Die junge Dame, die, wie wir gestern meldeten, auf dem Bahnhofe überfahren wurde, ist nach demBad-N. Anz." eine Nichte des Friseurs Hirsch­häuser hier, aus Weilburg gebürtig, die zur Pflege ihrer schon seit Ostern erkrankten Tante während mehrerer Wochen hier weilte.

Selzerbruunen, 30. Juli. Gestern tagte hier der 2. Delegiertentag des Kriegervereinsbezirks Vilbel. Sämtliche Vereine, mit Ausnahme des Vereins Holzhausen v. H., waren recht zahlreich vertreten. Nachdem die Beträge sowohl für das Jahrbuch, als auch für die Providentia" - Versicherung ausgezahlt waren, eröffnete Kamerad Lehrer Will von Rendel die Versammlung und brachte sein Hoch Seiner Majestät dem Kaiser und Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog, dem Allerhöchsten Pro­tektor derHassia". Nach Feststellung der Präsenzliste erteilte er im Namen des erkrankten Vorsitzenden Völker dem Delegierten Kamerad Mohr das Wort, der über die Delegiertenbeschlüsse in Osthofen in ausführlicher Weise referierte. Bei der Bezirksvorftandswahl wurden Kamerad Will von Rendel zum Bezirksvorsitzenden und Kamerad Mohr von Ober-Eschbach zum Bezirksschristführer gewählt. Aus Vorschlag des Kameraden Fritzel wurde der seitherige Vorsitzende Völker, der 18 Jahre ausgezeichnet seines Amtes gewaltet, zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Nachdem der nunmehrige Vorsitzende Will noch unseren Kameraden im fernen Osten ein Hoch gewidmet, wurde der geschäftliche Teil geschlossen und der gemütliche trat in sein Recht. Die Singabteilung des Vereins Vilbel erfreute uns durch mehrere hübsch vorgetragene Lieder, wofür sie reichen Dank erntete.

(Darmst. Ztg.)

Schotten, 31. Juli. Am Sonntag, 5. August d. I., findet seitens des Vogelsberger Höhen-Klubs der Herbst- ausflug auf den Hoherodskopf statt. Beginn des Festes: 12 Uhr mittags. Konzert und geselliges Zusam­mensein. Letzte Züge: Schotten ab 8 Uhr 20 Min. abends, Gedern ab 8 Uhr abends. (Anschluß nach

Gießen, Friedberg), Mücke ab 9 Uhr 5 Min. nach Gießen, 9 Uhr 22 Min. nach Fulda.

Laubach, 31. Juli. Die erste- Augustwoche, für die die 25jährige Jubiläumsfeier des hiesigen Gymnasiums geplant ist, ist herangekommen. Eifrigst ist man mit den Festvorbereitungen beschäftigt; eine größere Festhalle wird, anschließend an die Schützenhalle, erbaut. Donnerstagabend einhalb 9 Uhr stellt sich der Fackelzug am Steinweg auf. Nachdem findet in der Fest­halle eine gesellige Vereinigung statt, für die ein besonderes

Konzertprogramm (Kapelle Bauer aus Gießen) fest- gestellt ist. Für Freitag, 3. August, sieht das Programm am Vormittage einen Festaktus im Gymnasium vor, bei dem jedoch wegen Beschränktheit des Raumes der Eintritt nur gegen besondere Karten ermöglicht ist.

Büdingen, 1. August. Gestern nacht verschied hier im 84. Lebensjahre die verwitwete Gräfin Reinhard zu Solms-Laubach, geb. Prinzessin zu Isenburg und Büdingen. (Gräfin Ida, geboren am 10. März 1817, Dame des Malteser- und des König!, preuß. Luisenordens^ des verstorbenen Fürsten Ernst Casimir zu Isenburg-Bü­dingen in Büdingen Tochter (katholisch seit 1860); war ver­mählt mit dem am 29. Oktober 1870 verstorbenen General­major Grasen Reinhard zu Solms-Laubach seit 20. Ok­tober 1836.)

Darmstadt, 2. August. Wegen des Ablebens des Herzogs Alfred von S a chse n - Ko b ur g und Gotha ist eine Hoftrauer von vier Wochen, wegen des Ablebens des Königs Humbert von Jtalien eine Hoftrauer von drei Wochen vom 30. Juli an angeordnet worden. Von mehreren Seiten ehemaliger Mannschaften der 2. Kompagnie des 3. Großh. Hess. Jn^f.- Re­giments (jetzt Leib-Regiments) Nr. 11 < Jüuroe der Wunsch geäußert, ähnlich wie dies schon vielfach geschehen, einen sogenannten Kompagnietag iNi D a r m st a d t abzuhalten. Diese Anregung wurde hierorts mit großer Freude begrüßt, und man ist gerne bereit, diesem schönen Wunsche nachzukommen und dafür zu sorgen, daß dieser Tag ein vielfach würdiger, aber kame­radschaftlich bedeutungsvoller wird. Zur Abhaltung des erwähnten Kompagniefestes ist Sonntag der 26. August in Aussicht genommen, der Tag, an dem Oberstleutnant Diery als Hauptmann und Kompagniechef in die Kom­pagnie eingetreten ist. Man hofft, daß dieser Hinweis schon genügt, eine recht zahlreiche Beteiligung hervorzu- rufen. Es ergeht daher an alle ehemaligen Angehörigen, in erster Linie Kriegsteilnehmer der erwähnten Kompagnie die Bitte, sich recht zahlreich am 26. August hier ein­zufinden und ihre dahingehende Zusage bis längstens 15. l. M t s. an den Ständehausverwalter B r ü ck m ann zu Darmstadt gelangen zu lassen, damit die nötigen Vor­kehrungen rechtzeitig getroffen werden können.

Mainz, 31. Juli. Am Schluß des gestrigen Kongresses der 5. Führer- und Aerzte-Versammlung Deutscher frei­williger Sanitätskolonnen zum Roten Kreuz wurde be­schlossen, für die Folge die Versammlungen nur alle zwei Jahre einzuberufen. Dem Kongreffe reihte sich am Abend ein großer Kommers in der Stadthalle an, bei dem der Provinzialdirektor, der Gouverneur sowie die sonstigen Spitzen der Behörden anwesend waren. Im Anschluß an eine kleine Ausstellung und Besichtigung einer Reihe von dem verschiedenstem Krankenträgermaterial und sonstiger für Sanitätszwecke notwendiger Gegenstände neuesten Systems fand heute morgen in dem Stadthallegarten das Versuchs­vorführen eines dem bekannten Tiermaler Bongartz gehörigen sog. Kriegshundes statt. Das Tier, ein schottischer Schäferhund, war mit einer mit dem Genfer Kreuz versehenen Tasche ausgestattet, die Labemittel, allerlei Medikamente und Verbandzeug enthielt, so daß sich Per­sonen, die der Hund aufsucht, eventuell selbst bedienen können. Nach anfänglich vergeblichen Versuchen gelang es dem Hunde schließlich, mehrere in nahen Gebüschen ver­borgen gelegene Verwundete aufzufinden, vor die er sich in der Art hinlegte, daß der Verwundete leicht die Tasche öffnen und sich des Inhalts bedienen konnte. Hierauf eilte der Hund zu feinem Herrn zurück, um den Fund zu melden. Wegen der Anwesenheit einer großen Menschenmenge war der Hund etwas ängstlich geworden, weshalb der Versuch nur teilweise gelungen ist, immerhin aber gewährte es einen sehr intereffanten Anblick, wie das Tier die Verwundeten aufspürte und sich ihnen allmählich mit einer gewissen Für­sorge näherte. Eine Nheinfahrt nach dem Niederwald- Denkmal bildete heute nachmittag den Schluß der 5. Führer­und Aerzteversammlung.

Mainz, 31. Juli. Die während der hiesigen Guten- bergf estlichkeiten gestohlenen 18,000 Mark 4prozent. steuerfreie Elisabethbahn - Priori­täten wurden am Montag einem Kölner Bankhause prä­sentiert. Der derweilige Besitzer erhielt darauf 16,000 Mk° Von dem Verkäufer der gestohlenen Papiere fehlt trotz eifriger Nachforschung bis jetzt jede Spnr. Derselbe hat sich jedenfalls nach Holland gewandt.

Mainz, 31. Juli. Gestern nachmittag war ein hie­siger Wirt im Begriffe, eine kleine Rheinreise zu unter­nehmen. Die Gattin traute dem Wetter nicht und folgte von weitem ihrem Ehemanne. Plötzlich gewahrte sie, wie ihr Ehemann (am Rheine von einer auf ihn wartendes holden Schönen (einer Kellnerin) in Empfang genommen wurde. Als die Beiden sich zum Schiffe begeben wollten^ erschien plötzlich die betrogene Ehefrau auf dem Plane und schlug mit ihrem Regenschirm die Kellnerin in die Flucht. Bei dem Vorgänge hatte sich eine große Anzahl Neu<- gieriger angesammelt, welche den Wirt weidlich ausspotte­ten, sodaß auch ihm nichts weiter übrig blieb, als sich dem Gelächter durch £in Wettlaufen zu entziehen! Zu Hause hat er nun, wie derM. A." schreibt, seine Frau schwer mißhandelt, die deswegen wegen Körperverletzung An­zeige erstattet hat. ' , ,

lm. Mainz, 1. August. Eine Frau Bernhard von Oberingelheim und deren 18 jährige Tochter wurden heute unter dem Verdachte, die Absicht gehabt zu haben, den Privatmann Valentin Schmuck von Oberingelheim mit­tels Schwefelsäure zu vergiften, gefänglich emgezogen. Das Verbrechen soll ein Racheakt sein, da ^hmuck die Tochter Bernhard eines Diebstahls bezichtigt hatte, wes­halb gerichtliche Untersuchung gegen diese im Gange ge- ^o^bm^Aus Rheinhessen, 1. August. In Klein- Winternheim wütete gestern nachmittag eine großes Schadenfeuer, das in kurzer Zeit fünf Gehöfte mit wohlgefüllten Sck)eunen in Asche legte. Das Feuer war zu einer Zeit ausgebrochen, in der sich die meisten Bewohner im Felde befanden. Zur Bewältigung deS Feuers waren die Feuerwehren aus den Ortschaften wt weiten Umkreise herbeigeeilt, und glücklicherweise hatte sich