des Landes über die erbärmliche Nachgiebigkeit gegenüber! England in allen kolonialen Fragen und das völkerrechts- widrige Verhalten gegen die Buren den Sturz des Kabinetts veranlaßt. Wenn das neue Kabinett Hintze Ribeirv jetzt erklärt hat, daß es in der Kolonialpolitik andere Wege ein schlagen werde, so kann das freilich den Buren nichts mehr nützen.
In Italien hat sich das neue Kabinett Saracco der neuen Kammer mit einer Programmrede präsentiert, die zu allgemein gehalten ist, um daraus auf die Leistungen und auf das Schicksal des Kabinetts zu schließen. Wenn für irgend jemanden, so gilt für die italienischen Kabinette das Wort: Nicht an ihren Reden, an ihren Thaten sollt ihr sie erkennen!
Politische Tagesschau.
Gegenüber dem Gefühlsdusel, der in dem gegenwärtigen Kampfe das moralische Recht aus Seiten der Chinesen sucht, möchten wir auf die nachstehenden sehr richtigen Ausführungen der „Kreuzzeituug" Hinweisen:
-Man hört in der Gesellschaft und liest wohl auch, baß die Chinesen doch nur in ihrem guten Recht seien, wenn ste sich der Fremden zu erwehre» suchen, die sie nicht gerufen haben. Aber diese aus falscher Sentimentalität und Unkenntnis erwachsene Ansicht läßt sich in keiner Weise behaupten. Der chinesische Staat hat in den letzten Jahrzehntm eine Entwickelung durchgemacht, die seine völlige innere Fäulnis ans Licht zog. Während deS Krieges mit Japan wurde die Probe darauf gemacht. Alles, was staatliche Institution und Staatsorgan war, versagte. Es war in Chi»a weder an sitllich-r noch an materieller Kraft etwas vorhanden, was Beachtung verdient hätte, und überall trat zu Tage, daß Recht und Sicherheit nicht anders zu erlangen waren al« durch Gewalt. Die Regierung zeigte sich völlig unfähig zu regieren. Das habgierige Beamtentum der Provinzen, die unruhigen Instinkte der SR afft waren ihr über den Kopf gewachsen; wohin man blickte: Willkür, Treulosigkeit, List und Schwäche. Ein Staat aber, der sich nicht selbst regieren kann, ist auch unfähig, die Beziehungen aufrecht zu erhalten, die der Weltverkehr, d'en wir als eine historische Thatsache doch acceptteren müssen, fordert. Er kann nicht Schutz und nicht Recht bieten, und wo diese unerläßlichen Garantieen nicht geboten werden, ist man genötigt, sie sich zu holen. So erklärt und so rechtfertigt man sich auch das Vorgehen der Mächte gegen China. Man mag gegen die Methode, die diese oder jene Macht dabei in Anwendung gebracht hat, noch so triftige Einwendungen erheben, die Thalsache bleibt, daß daS Eingreifen und die Selbsthilfe notwendig waren. Darüber kommt man nicht hinweg, sobald man den Mut findet, ehrlich zu denkm. Wir wissen sehr wohl, daß es auch unter den Chinesen viele vortreffliche Menschen giebt, die Zuverlässigkeit deS chinesischen Kaufmannes könnte sogar vielen europäischen und christlichen Kaufleuten als Muster dienen, aber daS ändert die Thatsache nicht, daß die Nation als Ganze- heute alS ein kulturfeindliches und gefährliches Element betrachtet werden muß. Sie bedarf der Vormundschaft, und da die Regierung in Peking ein schlechter und gewissenloser Vormund ist, wird es ohne europäische Vormünder nicht abgehen."
Aus MM Md Land.
(Unsere ständigen und gelegenllichen Herren Mitarbeiter werden gebeten, bei Einsendungen stets nur eine Seite ihres Manuskripts zu beschreiben und die Rückseite frei zu lasten im Interesse der schnelleren Druckherstellung.)
Gießen, 2. Juli 1900.
•• Persoualuachrichten. Der provisorische Assistent Dr. Bernhard Müller aus Hannover wurde zum Assistenten für die Kunst- und historischen Sammlungen und der provisorische Assistent Dr. Ernst Wittich aus Neu-Isenburg zum Assistenten für die mineralogische Sammlung des Museums zu Darmstadt ernannt. Der KreiSamtmann bei dem Kreisamt Bensheim, Regierungsrat Dr. Ferdinand Wüst, wurde zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Darmstadt, der Kreisamtmann bei dem Kreisamt Worms, Dr. Otto Heinrichs, zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Gießen, der Kreisamtmann bei dem Kretsamt Heppenheim, Heinrich Gräf, zum KreiSamtmann bei dem Kreisamt Bensheim, der Kreisamtmann bei dem Kreisamt Alzey, Dr. Ernst Merck, zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Mainz, der Polizeikommifsär bei dem Polizeiamt Darmstadt, Polizeiamtmann Hugo Scriba, zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Heppenheim, der Regierungsafsesfor Dr. Wilhelm Bernd eck aus Nieder-Wöllstadt zum KreiSamtmann bei dem Kreisamt Erbach, der Regierungsasfessor Dr. Karl Lös lein aus Heppenheim a. d. B. zum KreiSamtmann bei dem Kreisamt Worms, der Regierungsassesior Ernst Werner aus Darmstadt zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Lauterbach und der Regierungsasfessor Ludwig Matthias aus Echzell zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Alzey ernannt.
** DomfaugerKonzert. Die „Metzer Ztg." urteilt: Es waren zwei weihevolle, herrliche Stunden, so ganz und gar- geeignet, das arme Menschenherz einmal gründlich emporzuheben aus dem Staube des Alltagslebens! Wie schöne, volle Orgeltöne, so schwebten die Klänge von den Lippen der acht Männer durch den schönen Saal. Keine Stimme drängt sich da hervor, alles löst sich aus in der Unterschiedslosen Allgemeinheit. Auf und ab fluten die Tonwellen vom zartesten pianisfimo in prächtigem vollkommenen crescendo bis hinauf zu gewaltiger Fülle und Macht; dann zurück in ergreifendem diminuendo bis zum leisesten Verklingen, daß das Ohr noch zu hören glaubt, wenn der Mund sich längst geschloffen! Ja, das ist des Gesanges gewaltige Macht, deren ergreifender, packender Wirkung sich wohl niemand entziehen konnte! Das Konzert hier in Gießen findet am 9. Juli in „Steins Saalbau" statt.
-ff. Historisches Mikitärkonzert. „Sie haben mir mit Ihren altdeutschen Stücken eine große Freude gemacht. Ich wünsche, daß Ihr leuchtendes Beispiel tu meiner Armee Nachahmung finde." Mit dieser Anerkennung hat der Kaiser den Kapellmeister, Musikdirektor Adolf Boettge, und die Kapelle des 1. Bad. Leib-Grenadier-Regiments Nr. 109 (Karlsruhe) ausgezeichnet. Wir versäumen nicht, unser mufikliebendes Publikum schon jetzt aus den Kunstgenuß aufmerksam zu machen, der uns von dieser Kapelle am Mittwoch in Steins Garten bevorsteht. Die Hauptnummern des hier wohl noch nie gebotenen Programms sind aus den Inseraten ersichtlich. Die erste Nummer, eine Fanfare für Trompeten und Pauken aus der Ritterzeit, mußte vor dem
Kaiser auf dessen Wunsch gleich wiederholt werden. Hieran schließt sich eine eigenartige LandSknechtSmufik für Schweizer- flöten, Zinken, Trommeln u. f. w. Außer Nr. 5, der Militärmarsch von seinen Anfängen bis auf unsere Zeit und Nr. 7, von Lully bis Wagner beliebte Kompositionen berühmter Meister aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert, dürfte das Schlußstück, Wiener Volksmusik, wegen seiner Originalbesetzung mit Violinen, Mandolinen, Guitarren und Harmonika besonderes Interesse erregen.
* * Die 500. Jahresfeier ihres Meisters Gutenberg begingen am gestrigen Sonntag die Buchdrucker Gießens. Im Hinblick aus die allgemeine, inzwischen großartig verlaufene Gutenbergfeier in Mainz war, wie in anderen Mittelstädten, auch in Gießen von umfangreicheren Vorbereitungen abgesehen werden. Die Feier sand im Saale der LiebigShöhe statt, und bestand aus Konzert, Vorträgen und Tanz. Daneben wurde in Rede und Lied Gutenberg und seine Werke gepriesen, selbstverständlich auch das „Innere" nicht vernachlässigt. Die schön verlaufene Feier sand nach 11 Uhr ihren Abschluß.
* * Jubiläum. Am 1. Juli feierte Frau Katharina Weniger aus Leihgestern das Fest ihrer 25 jährigen Thätig- keit als Gärtnerin des Herrn Kommerzienrat Heichelheim.
* * Oeffentliche Lesehalle. Im Juni wurden 1669 Bände ausgeliehen: Illustrierte Zeitschriften 481, Erzählende Litte- ratur 720, VerSdichtungen 12, Jugendschriften, Märchen, Sagen 276, Litteraturgeschichte 8, Geschichte und Bio- graphieen 42, Länder- und Völkerkunde 40, Naturwissenschaft, Technologie 69, Land- und Hauswirtschaft 7, Philosophie 6, fremdsprachliche Litteratur 8 Bände. An Männer: Handwerksmeister 224, akademisch Gebildete 30, Kaufleute 158, Beamte 28, Unterbeamte 79, Techniker, Schriftsetzer 132, Arbeiter, Tagelöhner 57, Diener, Burschen, Kellner 54, Lehrlinge, Gehilfen 233, Schüler 17, Studenten 58, Soldaten 6, zusammen 1076 Bände; an Frauen: Ehefrauen, Witwen, ältere Unverheiratete 165, Gewerbetreibende 130, Dienstmädchen, Lauffrauen 32, Arbeiterinnen, Ladenmädchen 66, Beamtinnen 26, Pflegerinnen 9, junge Mädchen, Lehrmädchen 165, zusammen 593 Bände. Nach auswärts kamen 14 Bände.
* * L a n d t a g. Die Mitglieder der E r st e n K a m m e r Freiherr von Heyl und von Riedesel hatten einen Antrag eingebracht über die Erweiterung des Zwecks der Landeskreditkassen und Errichtung gesunder, kleiner und billiger Wohnungen. Die Regierung hat sich bei der Beratung dieses Antrags im Finanzausschuß der Ersten Kammer bereit erklärt, den Fragen näher zu treten, und erachtet es für notwendig, die Verbesserung der Wohnungsverhältnisse und die Beschaffung gesunder und billiger kleiner Wohnungen für Minderbemittelte im allgemeinen und ohne Unterschied der Berufsstellung ins Auge zu fassen. Sie ist bereit, alsbald Gesetzesvorschläge wegen Ausgestaltung der Landeskreditkasse zu machen, damit diese an der Lösung der Aufgabe mitwirken könne. Auch sollen die Voraussetzungen gesetzlich! geregelt werden, unter denen die Gemeinden und. Kommunalverbände Darlehen zu dem bezeichneten Zweck gewähren können. Ebenso bedürften die durch Hergabe der Darlehen begründeten Rechtsverhältnisse einer wenigstens grundsätzlichen Regelung, nicht minder die Frage der Höhe und Sicherstellung der Darlehen, für die bei dem niedrigsten Zinsfuß auch Amortisationszwang vorzusehen sei. Endlich müsse Vorsorge dafür getroffen werden, daß die aus öffentlichen Mitteln hergestellten Wohnungen nicht Gegenstand der Spekulation würden. Weiter will die Regierung der Prüfung der Frage nähertreten, ob und in wie weit es sich empfehle, die Vorschriften des Gesetzes über die Beaufsichtigung der Mietwohnungen und Schlafstellen' auch, auf Gemeinden unter 5000 Seelen, sowie auf alle Wohnungen, nicht nur die mietweise, auszudehnen. Für wiclftig erklärt sie ferner die Regelung der Frage, was mit Wohnungen zu geschehen habe, deren Benützung untersagt ist, und ob und nach welcher Richtung das Ertt- eignungsverfahren zur Erwerbung von Baugeländen für Wohnungen der hier fraglichen Art auszuwählen sei. Endliche erscheint ihr $ie Einleitung von Verhandlungen mit der preußischen Regierung wegen Vermehrung der Wohnungen für die Angestellten und Arbetter der Eisenbahn- gemeinschaft und die Beschaffung einer Statistik über die Zunahme der Wohngebäude im Vergleich-zu der Bevölker? ungsvermehrung für geboten. Mit dieser Auffassung der Regierung ist der Ausschuß in jeder Hinficht einverstanden und beanttagt, daß vorerst die Vorlagen der Regierung abzuwarten seien und den Antrag Heyl-Riedesel vorläufig für erledigt zu erklären. — Der Zweiten Kammer der Landstände ging ein Anttag des Abg. Schmeel, betteffend die GehaltederRealschul -Direktoren, zu. Die Gehalte der Realschul-Direktoren sollen danach mindestens so normiert werden, daß kein Realschul-Direktor schlechter gestellt ist, als ein ihm im Dienstalter gleichstehender akademisch gebildeter Lehrer.
Friedberg, 30. Juni. In der letzten Gemeinderatssitzung kam u. a. die Eingabe des Vorstandes des Bürgervereins zur Beratung, bezüglich Errichtung eines Volks- bades in Friedberg. Eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung soll das nötige Kapital aufbringen und soll dann die Stadt in größeren Zeitabschnitten die Aktien nach und nach übernehmen, ähnlich, wie eS in Gießen auch eingerichtet ist; als direkte Beihilfe von der Stadt wird die kostenlose Ueberlaffuug von Wasser und Gas verlangt. Der Vorsitzende steht der Sache im allgemeinen sympatisch gegenüber, glaubt aber nicht, daß sich dieselbe in der geforderten Weise erledigen lasse. In Gießen z. B. stellten sich die Selbstkosten für das Wasser auf weniger als die Hälfte als hier, außerdem kämen dorten kaum die Betriebskosten heraus, auf jeden Fall müßten wir hier bezüglich des Wassers äußerst vorsichtig sein, vielleicht ließe sich das Volksbad durch Inanspruchnahme eines Brunnens eher erreichen. In ähnlichem Sinne äußert sich Gem. Falck, der außer der Wafferfrage, die er sür sehr ernst hält, besonders die finanzielle Seite betont. Die kostenlose Abgabe von Wasser und Gas bedeute für die Stadt eine jährliche Ausgabe von Mk. 3000.—, eine Summe, die die Gemeinde nicht leisten
könne. In der beigelegten Statistik sei keine Stadt von der Größe Friedbergs, die eine ähnliche Anstalt besitze, man könne eben nicht alles haben, wenn es noch so wünschenswert sei, es müsse vor allem mit der Steuerkrast gerechnet werden. Gem. Hanstein fragt an, ob eS richtig sei, daß die Bahn Wasser von der Stadt nicht mehr beziehen will, und wie hoch das genommene Quantum war. Wenn die Bahn, die täglich ca. 150 cbm Wasser brauche, solches nunmehr nicht mehr abnähme, so sei, da das VolkS- bad nur 50 cbm täglich in Anspruch nehme, die Wasser- srage ja vorerst gelöst. Nach teilweise erregter Debatte wird beschlossen, die Entscheidung der Eingabe einstweilen zurückznstellen bis volle Gewißheit bezüglich des Wassers geschaffen sei. — Gem. Falck macht die Mitteilung, daß in Kürze im Provinzialtag, deffen Mitglied er ist, die Frage zur Entscheidung käme, wohin und ob ein Pro- vinzial-Siechenhaus gebaut werden solle. Gießen wünsche es in die Provinzial-Hauptstadt und will, wenn solches nicht beschlossen wird, ein eigenes bauen; Gießen glaubt sich dann von dem Beitrage zu einem anderen entbunden. Da nun unsere Stadt bezüglich der ArmensondS in dem Versorgungshaus schon eine ähnliche Anstalt besitzt, so glaubt Gem. Falck, wenn Gießen auf seinem. Standpunkt beharrt, einen gleichen einnehmen zu sollen. Der Gemeinderat erklärt sich zustimmend.
- lt. Darmstadt, 29. Juni. Im „Britannia-Hotel" tagte gestern eine aus allen Teilen des Großherzogtums zahlreich besuchte Versammlung, in der nach dem Vorgänge anderer deutscher Staaten die Gründung eines hessischen Hilfs-Ausschusses zur Unterstützung der evangelischen Bewegung in Oesterreich! definitiv beschlossen wurde. Bon den 400 Herren, an die die Aufforderung zum Eintritt in den Hilfs-Ausschuß erging, haben etwa 300 ihre Bereitwilligkeit dazu dargethan, so daß die Sache sogleich einen vielverheißenden Anfang genommen hat. Es wurde aus der Mitte der Versammlung ein geschäftsführender Vorstand von sechs Herren gewählt, und nach, dem orientierenden Vortrage eines Mitgliedes, das die Lage der Evangelischen in Oesterreich, aus eigener Anschauung kennen gelernt hat, einigte man sich über die zunächst zu erstrebenden Ziele. Der Hilfs-Ausschuß hat die Förderung der evangelischen Bewegung in Oesterreich zum Zweck. Er wird daher überall im Lande das Verständnis und das Interesse für dieselbe zu wecken und zu verbreiten suchen durch Veranstaltung von Vorträgen, Versandt und Verteilung von Flugblättern und Flugschriften, Bedienung der Presse mit Nachrichten rc. Sammlung von Geldmitteln zur Unterstützung der Bewegung ist natürlich eine der Hauptaufgaben des Ausschusses. Ein Aufruf mit möglichst zahlreichen Unterschriften, der im Wortlaut vorlag, dessen endgiltige Redaktion aber dem geschäftsführenden Vorstände übertragen wurde, soll im September zur Verteilung im ganzen Großherzogtum gelangen. Eine größere Anzahl namhafter Beträge ist bereits gezeichnet worden, so daß zu hoffen steht, das nächste praktische Ziel des Hilfs-Ausschnsses: die Entsendung eines jungen hessischen Theologen nach Oesterreich werde in nicht zu ferner Zeit erreicht werden können.
D a r m st a d t, 29. Juni. Für das diesjährige Jahresfest des Hessischen Hauptvereins des Evangelischen Bundes, das an einem Sonntage Ende September in Darmstadt gefeiert werden soll, wurde in der Vorstandssipmg des Landesvereins folgendes vorläufige Programm aufgestellt. Am Vormittag soll ein Festgottesdienst in der Stadtkirche, worin Direktor D. Weisfenbach-Friedberg die Predigt hatten wird, das Fest einleiten. Am Nachmittag wird im Saalbau eine Volksvorstellung des Devrientschen Gustav Adolf-Festspiels folgen und am Abend eine große öffentliche Versammlung statt- finden, worin außer musikalischen und deklamatorische^ Borttägen usw. zwei Ansprachen über ein historisches und ein aktuelles Thema gehalten werden sollen. Am Montag werden in geschlossener Mitgliederversammlung die geschäftlichen Verhandlungen stattfinden, und dabei zwei Referate über die Agitationsfrage und das Thema: „Was kann der Evangelische Bund für die evangelische Gemeindepflege thun?" erstattet werden. — Mit dem evangelischen Diakonieverein wurde seitens des Hauptvorstandes letzthin ein Vertrag abgeschlossen, wodurch jener für die Gemeinde- Pflege in Hessen drei Schwestern zur Verfügung stellt. Zur Ausarbeitung eines Traubüchleins für in gemischte Ehen tretende Brautpaare wurde eine Kommission eingesetzt. — Wie die „Hess. Volksbl." schreiben, hören bte Regimentsschneider auf zu existieren. In den Korpsbekleidungsämtem der preußischen Armee wird eine bedeutende Betriebserweiterung vorbereitet. Bisher wurden in diesen vollkommen fabrikmäßig betriebenen Anstalten nur die Schuhwaren angefertigt. Künftighin sollen aber in allen Bekleidungsämtern sämtliche Umformen yer- gestellt werden, und aus diesem Grunde erfahren bte Anstalten allenthalben bauliche Erweiterungen. Diese Umänderung wird allmählich durchgeführt, um den betden Truppenteilen befindlichen Regimentsschneidern, teren Stellen dann ebenso wie vor Jahren schon die der Regr- mentsschlnhmacher aufgehoben werden, eine Übergangszeit au gewähren Mit den Regimentsschneidern Horen natur- lich Vdie von ihnen betriebenen Werkstätten, zu denen jetzt nod) 24 Militärschneider bei jedem Regiment gehören, auf zu existieren
Darmstadt, 30. Juni. Wie ""^geteilt, hat das hiesige Landgericht die von Amtsrichter Eckstern gegen den Fiskus erhobene Klage auf Auszahlung des Richter gehaltes ab gewiesen. Mlv Gericht hat hiermit entschieden, daß die hessischen Richter, auch ohne daß eine Disziplinar-Untersuchung gegen fie eingeleitet wird, innerhalb der ersten fünf Dienst;ahre nach dem int hessischen Richtergesetze vorgeschriebenen Verfahren auf eine nichtrichterliche Stelle versetzt werden können Gegen diese Entscheidung, die für den hesfisclM» Richterstand von prinzipieller Deutung ist, hat der Klager nunmehr durch Rechtsänwalt Dr. Hoffmann Berufung an das Oberlmidesgencht einlegen lassen. - Vedug^w Nacht wurde der 26chhnge Schneider Bachard von dem Sekundaner Leib ecke des hiesigen königlichen Progym- nafiums erschos en. Der Thäter wurde ms hiesige Amtsgerichtsgefangnis eingetiefert Der That liegt cm


