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m. 128 Viertes Blatt. Sonntag den 3. Juni
1900
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
Alle Lnzrigen-BermittlungSstelleo beS In« und Ausland«» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.
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Erscheint täglich mit Ausnahme de-
MontagS.
Die Gießener »NMitleuSlLtter »erden dem Anzeiger hn Wechsel mit „Hess. Sandwirt- *. „Blätter Mr Hess. Volkskunde- »Tchtl. 4 mal beigelegt.
Amts- und Anzeigeblntt für den Areis Gieren.
NebaAisn, Expedition und Druckerei:
Achnkstratzr Ar. 7.
Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Kandwirt, Mütter für hessische Volkskunde.
Adresse für Depeschen: Anzeiger Hietz«.
Fernsprecher Nr. 51.
Amtlicher Zeil.
Gießen, 1. Juni 1900. Betr.: Verminderung der Herbstzeitlose.
Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen
arr die Großh. Bürgermeistereien deS Kreises.
Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 1. April l. IS. (Gießener Anzeiger Nr. 79) noch nicht «achgekommen sind, werden an deren Erledigung erinnert.
v. Bechtold.
An die Herren N-rßtzenden der Ortsinchtvereiue fir das Vogelsberger Rind.
Auf die Aufforderung zur Beschickung der Jungvieh- aoeide zu Hungen sind noch wenige Anträge eingegangen. Ich möchte Ihnen nochmals empfehlen, Ihre Vereins« Mitglieder und andere Viehbefitzer zu veranlassen, recht zahlreich von der Einrichtung Gebrauch zu machen. Die Bedingungen sind billig und die Erfahrungen günstig. Es werden junge Rinder im Alter von Va-2 Jahren und Bullen von Vi—1 Jahr ausgenommen; den Vorzug haben event. Tiere, die von Herdbuchtieren abstammen. Das Weidegeld beträgt pro Stück 35 Mk. für den Viehbesitzer. Der landwirtschaftliche Provinzialverein versichert die Tiere gegen Unfall und Tod und trägt die Kosten für tierärztliche Aufsicht. Beim Auftrieb muß ein Gesundheitsschein der Bürgermeisterei vorgelegt werden. Anmeldungen find sofort an Herrn Pachter v. Oven in Hungen zu richten. Die Weide ist heute eröffnet worden. Es ist doch ein Desentlicher Vorteil für die Viehbesitzer, für 4 —5 Monate die Pflege, Wartung und Fütterung des Jungviehs los zu fein und in guten Händen zu wissen. Die Gewichts- veränderungen werden durch Wiegen festgestellt. Das einzige, was der Landwirt entbehrt, ist der Dünger, doch wird dies durch die anderen Vorteile reichlich aufgewogen.
Gießen, 1. Juni 1900.
Der Direktor des Kreiszuchtvereins. Boeckmann.
Gefunden: 1 goldener Ring, 1 Taschenmesser, 1 Geldbeutel, 1 Damengürtel, 1 Kindertäschchen, 1 Peitsche und 1 Pack Fensterblei.
Gießen, den 2. Juni 1900.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler.
Politische Tagesschau.
Ueber die Ursachen der Verstimmung des' Prinzen Ludwig von Bayern werden noch fort-, dauernd Mutmaßungen angestellt. Da erscheint es der Straßburger Post" nicht länger angebracht, mit einer Vermutung hinter dem Berge zu halten, die möglicherweise das Richtige treffe. Bekanntlrch hat aus Anlatz des Anlaufens der Torpedobootdivision in Ludwigshafen emi Depeschenaustausch zwischen dem Prinzregenten Luitpold und dem Kaiser stattgefunden. Der Prinzregent telegraphierte an den Kaiser:
Seiner Majestät Kaper Wilhelm in Wiesbaden. Einer mir gewordenen Mitteilung zufolge hat ein Teil der von Eurer Majestät auf den Rhein gesandten Torpedobootdivision auf der Fahrt nach Straßburg auch den bayerischen Rheinhafen angelaufen. Es drangt mich, für den ersten Besuch deutscher Kriegsfahrzeuge in Bayern, den ich wohl auf Euerer Majestät eigene Initiative zurückführen kann, meiner Freude nsit dem auf^ richtigen Wunsche Ausdruck zu verleihen, daß das Ver-, ständnis für die nationalen Aufgaben des Deutschen' Reiches zur See in immer weitere Kreise dringt.
Luitpold.
Der Kaiser antwortete:
Wiesbaden, Schloß. An Seine Königliche Hoheit den. Prinzregenten von Bauern. Eurer Königlichen Hoheit spreche ich Meinen wärmsten Dank für die freundlichen Wünsche anläßlich der Anwesenheit Meiner Torpedobootsdivision in dem bayerischen Rheinhasen aus. Ich habe Mich sehr gefreut, auch Eurer Königlichen Hoheit und dem schönen Bayernlande Gelegenheit geben zu können, einen Teil der deutschen Flotte zu beherbergen, und hoffe, daß der Anblick der Kriegsfahrzeuge im bayerischen Volke, das unter der Führung seines erlauchten! Landesfürsten den nationalen Aufgaben des Vaterlandes aur See so viel Verständnis entgegenbringt, Swlz und Freude verursacht hat. Wilhelm
Man beachte, so schreibt das genannte Blatt, daß in dieser Antwort einmal der Ausdruck „meine Torpedo^
bootsdivision" gebraucht wurde. In dem Abdrucke dieser Depesche in der in München erscheinenden „Allg. Ztg." war, wenn uns die Erinnerung nicht trügt, der Ausdruck beseitigt und durch „d i e Torpedobootdivision" ersetzt. Es leuchtet hieraus ein, daß, falls der erste Wortlaut richtig! war, er in Bayern als ein Mißgriff empfunden und daher abgeändert wurde. In der That erscheint er nach der Verfassung des Deutschen Reiches, auf die ja Prinz Ludwig ausdrücklich verweist, unhaltbar. § 53 bezeichnet die Flotte als „Kriegsmarine des Reiches unter dem Oberbefehl des Kaisers" und die preußischen Häfen Kiel und Wilhelmshafen als „Reichskriegshäfen". Selbst die angestrengteste Deutung und Dehnung dieser Bestimmung kann den im Telegramme des Kaisers gebrauchten Ausdruck „Seiner Majestät Schis f", der außerdem noch — als sklavische Nachahmung des Ausdrucks „Her Majesty's ship", wie er sich in England historisch herausgebildet hat — sich höchst geschmacklos ausnimmt. Wenn der König von Preußen vollauf berechtigt ist, von der preußischen Armee als „seiner Armee" zu sprechen, so liegt nach der Reichsverfassung die Sachlage für den Kaiser bezüglich „der Kriegsmarine des Reiches" ganz anders, und es roäre1 zu wünschen, daß bei solchen Anlässen die verantwortlichen^ Ratgeber ves Kaisers sich zur Pflicht machten, die Ausdrucksformen korrekt zu wählen, umsomehr, als genügend bekannt sein sollte, wie sehr man in Bayern auf die Beobachtung korrekter Formen in dieser Richtung hält. In der Sache können sich ja die Bayern nicht beklagen.
Der Krieg itt Südafrika.
Lord Roberts verweilt in Johannesburg; das hat offenbar seinen Grund in der Erschöpfung seiner Truppen. Man muß sich vergegenwärtigen, daß sie seit dem Ausbruch aus >vroonstad am 22. Mai bis Johannesburg eine Strecke zurückgelegt haben, die an der Bahn, allso der kürzesten Linie gemessen, 180 Kilometer beträgt, d. h. im Durchschnitt an jedem der neun Marschtage bis zum 30. Mai mindestens 20 Kilometer. Dabei haben aber die Flügel beständig weite Umgehungsmärsche zu machen gehabt, sodaß sich für sie eine viel höhere Tagesleistung ergiebt. Zu heißen Kämpfen ist es freilich erst vor Johannesburg gekommen, während die meisten andern Stellungen der Buren durch Umgehungsmanöver unmöglich gemacht wurden. Dieser Kampf am 29. Mai muß aber gerade wieder an die bisher auf den Flügeln operierenden Truppen Frenchs und Hamiltons, die nunmehr als linker und einziger Flügel die Aufgabe hatten^ Johannesburg von Westen zu umfassen, große Anforderungen gestellt haben, in Bezug sowohl auf die Marschleistung, asts and) auf die Gefechtsleistung. Hamilton, der nach Roberts Angabe den größten Anteil an dem Kampfe hatte und den energischsten Widerstand am Wit- watersrand fand, hat den ganzen Tag über int Feuer gelegen bis in die sinkende Nacht, und erst ein letzter Ansturm der Gordonhochländer brachte die Buren zum Weichen. Seine Truppen zum mindesten müssen sehr erschöpft sein und auch erhebliche Verluste erlitten' haben. Endlich kommt für alle Truppen, int Zentrum wie auf dem Flügel, als Grund der allgemeinen Erholungsbedürftigkeit hinzu, daß sie seit Ueberschreiten des Vaal bei Vereeniging auf halbe Rationen gesetzt worden sind, weil die Ausbesserung der Bahnlinie mit der Beschaffung von Lebensmitteln nicht Schritt halten konnte. Alle diese Gründe haben, wie wir glauben, Lord Roberts veranlaßt, in Johannesburg selbst feierlich einzuziehen und wie es! scheint, eine, wenn auch jedenfalls nur kurze Pause zu machen. Denn Johannesburg selbst hat keine strategische Bedeutung und verdankt nur dem Golde das Interesses das es im Laufe dieses Krieges erregt hat. Die Goldminen sind unversehrt, und um einen verspäteten Versuch, sie zu zerstören, zu vereiteln, hätte eine kleine Besatzung genügt, zumal da auch die Minenpolizei, die sich bisher vortrefflich bewährt hat, noch besteht und durch einen Beschluß der Schntzvereinigung der Besitzer von Aktien und Schuldverschreibungen von Goldminen und anderen industriellen Unternehmungen am Witwatersrand am 4. Mai in Kapstadt beschlossen hat, die Minenpolizei auch über den 31. Mai aufrechtzuerhalten.
Diese Pause werden die Buren ohne Frage zur Vorbereitung weiteren Widerstandes benutzen. Denn wenn sie schon vor Johannesburg durchaus tapfer standgehalten und Hamilton bis in die Nacht den Sieg, streitig gemacht haben, so werden sie vor Pretoria mindestens gleich entschlossen kämpfen. Jedenfalls sind die Meldungen über die Ausgabe Pretorias und die Flucht Krügers aus der Stadt oder gar seine Gefangennahme sehr verfrüht. Wenn wir auch nicht glauben möchten, daß, wie dem New-Bork Herald aus Pretoria vom 31. Mai gemeldet wird. Die Buren am Vormittay dieses Tages die Engländer zurückgeworfen haben, so sind wir doch der Ansicht, daß sie sich vor Pretoria noch einmal stellen werden, vielleicht schon gestellt haben.
Mau meldet noch von Krüger: Der Präsident, dessen
Aufenthalt geheim gehalten wird, beabsichtigte anfänglich' nach Hollano zu gehen, doch soll dies die holländische Re-- gierung der Buren-Delegation ausgeredet haben. .Krügers persönlichem Wunsch entspricht es mehr, sich in Deutsch- Südwestafrika niederzulassen. — Auch diese Nachricht: scheint rein Erfindung. .
Eine Meldung der „Daily Mail" besagt, datz se.it der Flucht Krügers und der meisten übrigen Mitglieder der Regierung in Pretoria der Bürger-Ausschuß die Verwaltung der Stadt vorläufig übernommen hat, bisl sie den britischen Truppen, „die sich rasch nähern", übergeben werden kann. Der in der Delagoa-Bai angekommene frühere Militär-Attachee Frankreichs erklärte, Pretoria könnte dem britischen Bombardement nicht zwei ^age Widerstand leisten. Ein Telegramm des „Daily Expreß' aus Lorenzo Marquez meldet, Krüger sei in' Middelburg. Da Pretoria nicht verteidigt würde, werden die Buren weiteren Widerstand bei Michadodorp leisten. Bei Kaalfontein, vier Stationen von Pretoria, . wurde gekämpft. .
General Rundle scheint bei Senekal am 28. Mar stark gelitten zu haben. Er verlor 45 Tote und viele Verwundete. Unter den letzteren befanden sich sechs Offiziere. Rundle hat am 31. Mai Lindley besetzt.
Laffans Büreau meldet aus Pretoria vom Montag: „Es herrscht enorme Thätigkeit, ein Extrazug steht Tag und Nacht für die Regierung bereit, alle Forts werden zur Verteidigung gerüstet; Dienstag: Die Regierung ist total desorganisiert, Steijn, Christian de Wet und 6000 Freiftaatler kämpfen an der Seite der Transvaaler."
Londoner Abendblätter veröffentlichen eine Depesche aus Kapstadt vom 31. Mai, derzufolge eine Anzahl Aufständischer eine kleine Abteilung englischer Truppen bei Douglas (Kapkolonie) überfallen und 16 von ihnen mit Einschluß des kommandierenden Obersten getötet hat.
AuS Brüssel wird vom 31. Mai gemeldet. Ein Sekretär der Transvaalgesandtschaft namens Reinhart befand sich gestern abend in einem Wirtshause der Mittelstadt, als drei in seiner Nähe sitzende Personen mit lauter Stimme gegen Dr. Leyds loszuziehen begannen. Reinhart stellte die Ansichten der Kritiker richtig und verließ dann das Haus. Die drei Unbekannten folgten ihm und versetzten ihm mit einem amerikanischen Totschläger einen derartigen Schlag auf den Kopf, daß er blutend niedersank. Der Verwundete wurde in der nächsten Apotheke verbunden. Die Polizei hat eine genaue Beschreibung der entflohenen Thäter.
Aus Colombo auf Ceylon wird der „Daily Mailberichtet, daß in dem 4368 Fuß hoch gelegenen sogenannten „glücklichen Thale" Diyatalawa auf Ceylon 50 eiserne Schuppen gebaut werden sollten. Unofsiziell hieß es, daß 6000 Buren dorthin deportiert werden sollten. Der Korrespondent erinnert daran, daß auf Ceylon bereits eine größere holländische Niederlassung von sogen. Burghers, die ihre Nationalität bewahrt hätten, bestehe.
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Telegramme deS Gießener Anzeigers.
London, 2. Juni. Die heutigen Morgenblätter beschäftigen sich mit der Frage der Entsendung von Alfred Miln er als Oberkommissar nach Pretoria. „Mormng Leader" widerspricht diesem Vorschläge mit der Bemerkung, Milner habe sich während seiner Anwesenheit in Südafrika nur den Haß und das Mißtrauen der englischen Bevölkerung zugezogen. „Morning Post" glaubt, daß die Buren, die sich nicht unterwerfen wollen, sich nach Lydenburg begeben werden, und daß man nicht eher den Krieg als beendet betrachten könne, bis sämtliche Buren, die augenblicklich gegen Methuen, Rundle und Brabant kämpfen, zerstreut sein werden.
London, 2. Juni. Die letzten Telegramme aus Lorenzo Marquez melden, daß zahlreiche flüchtige Buren- Familien aus Pretoria und dem Norden Transvaals dort eingetroffen sind, um geregeltere Zustände in ihrer Heimat abzuwarten. Die Flüchtigen sind sehr niedergeschlagen, halten aber den Krieg für noch nicht beendet. Das Gros der Buren-Armee ist auf dem Wege nach Lydenburg. Präsident Stein begleitet diese Armee, die sich anscheinend in die Berge zurückzieht und an eine Uebergabe nicht denkt.
London, 2. Juni. Eine Meldung aus Pretoria vom Dienstagabend berichtet, daß ein großer Teil der BurgherS von Panik ergriffen ist. Die Generäle thun ihr äußerstes, um die kämpfenden Kommandos zu vereinigen. In der letzten Exekutiv-Versammlung, die unter Helds Vorsitz statt- fand, wurde dem Staatssekretär Reitz die (Erlaubnis erteilt, sich am Morgen nach Lydenburg zu begeben. Von eng- lischer Seite wird berichtet, daß Stunderton beschlossen hat.


