Ausgabe 
3.5.1900 Erstes Blatt
 
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Rr. 10 Z Erstes Blatt.

Donnerstag den 3. Mai

1900

Meßmer Anzeiger

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Henerat-AHeiger

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Amts- Hiib Anzeigeblatt für den "Kreis Gieren.

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Kcjugsprcis Vierteljährl. Mr 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohnx durch die Abholestell« vierteljährl. Mk. 1,9» monatlich 65 Pfg.

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Tagesordnung:

Prüfung der Rechnung für 1899/1900.

Jahresbericht.

Beschickung der Bezirkstierschau in Schotten.

Beschickung der BerbandStierschau zn Marburg am 14./15. Juli d. I.

Plan für die Schauen deS Jahres 1900/1901.

Statutenänderung.

Verschiedenes.

Gießen, den 1. Mai 1900.

Der Direktor des Kreiszuchtvereins. Boeckmann.

1.

2.

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Telegramme deS Giesteuer Anzeigers.

London, 2. Mai. Die Königin überreichte gestern dem General White, dem Verteidiger von Ladysmith, im Schlosse zu Windsor das Großkreuz des Viktoria- Ordens, den höchsten militärischen Orden Englands.

London, 2. Mai. Im Unterhause teilte der Staats­sekretär des Kriegsministeriums mit, daß die Kriegs- Ausgaben sich augenblicklich auf 23 250 000 Pfund be­laufen.

London, 2. Mai. Aus Mafeking wird vom 19. April durch Spezial-Courier über Otts gemeldet: Mafeking ist hart bedrängt. 3000 Buren mit zahlreichen Ge­schützen verhindern jede Verbindung mit der Außenwelt. Die Versuche der Garnison von Kimberley, Mafeking zu entsetzen, haben uns große Freude gemacht. Wir envarten, daß unsere Stadt mindestens in ber Zeit vom 20. bis 24. Mai entsetzt wird. Aus Mafeking wird

ungünstig lauten: sämtliche Weiße und der größte Teil der Schwarzen sind mehr oder weniger schwer ver­wundet. Morgen geht alles, was sich in Viktoria noch an Soldaten auftreiben läßt, unter Führung des Polizei­meisters Brückner Herrn v. Besser zu Hilfe, doch beträgt der Nachschub kaum hundert Mann. Der Bote des Haupt­manns von Besser hat 14 Tage zum Marsche hierher ge­braucht, ebenso lange mindestens dauert der Marsch der Hilfsexpedition, so daß wir mit Sorgen um unsere Kolonie in die Zukunft sehen. Es wird des energischen Eingreifens bedürfen, des Aufstandes der Eingeborenen Herr zu werden.

vom 20. April gemeldet: Soeben erhalten wir eine Mit­teilung von Lord Roberts, worin dieser die Garnison auf­fordert bis zum 18. Mai auszuhalten. Die Garnison: ist niedergeschlagen, aber bennodj entschlossen. Die Buren haben die Absicht, die Eisenbahn zu zerstörerr und halten die Stadt noch immer eng umzingelt. Ihre Belagerungsarbeiten werden täglich fortgesetzt. Sie ver­suchten heute die Stadt im Sturme zu nehmen, wurden pber zurückgeschlagen. Es wird gemeldet, Oberst Plumer habe sich bis auf 60 Meilen der Stadt genähert.

London, 2. Mai. Die Morgenblätter sprechen die. Hoffnung aus, daß die Anregungen des Lord Roberts- die Umzingelung der Truppen des Kommandanten Dewet zur Folge haben werden. Durch die Bewegungen des Generals Maxwell werde nach Ansicht der Blätter wenigstens einem Burenkommando der Rückzug abge­schnitten werden. Man glaubt allgemein, daß die großen Truppenbewegungen und Kriegsoperationen nun­mehr von neuem beginnen werden. In militärischen Kreisen hat man das größte Vertrauen zu der bevorstehen­den Aktion.

London, 2. Mai. Lord Roberts meldet aus Bloem­fontein von gestern: General Jan Hamilton marschierte gestern von Thabanchu aus mit berittener Infanterie und. der Brigade Smith Dorrten von der 7. Division in nörd­licher Richtung bis Houtney. Dort traf er auf eine starke Streitmacht der Buren, die von Generah Botha persönlich befehligt wurde und während ds ganzen Tages noch weiteren Zuzug erhielt. Ich befahl daher demt General French, während der Nacht von Thabanchu aus; Hamilton zu unterstützen. Außerdem wird Hamilton heute durch Bradwoods Kavallerie-Abteilung, die 7. Batteris und Bruce Hamiltons Infanterie-Brigade verstärkt werden, Harnilkon meldete gestern, daß seine Verluste etwa 301 Mann betragen. Die Brigade Maxwell von der 7. Di­vision besetzte gestern Vlakfon tein, Scham kraal und eine Reihe von Kopjen, ohne auf Widerstand zu stoßen.

Deutsches Keich.

Berlin, 1. Mai. Der Kaiser traf heute früh pünkt­lich 7 Uhr 15 Min. in Goldstein ein; dort fand Ma­schinenwechsel statt, und nach 5 Minuten Aufenthalt fuhr Kaiser nach Cronberg weiter. Die Ankunft fand schon 8 Uhr 10 Min. statt. Am Bahnhof wurde der Kaiser von dem Prinzen und der Prinzessin Adolf von Schaumburg- Lippe empfangen. Der Kaiser unternahm um 10 Uhr eine Ausfahrt mit seiner Mutter nach der alten Cronberger Burg und in die nächste Umgebung der Stadt. Mittags fand Familientafel im engsten Kreise statt. Um 3 Uhr 30 Min. begaben sich der Kaiser, die Kaiserin Friedrich, Prinz und Prinzessin von Schaumburg-Lippe, sowie Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen nach der Saalburg, bei Homburg. Nach Ankunft auf der Saalburg be­sichtigte der Kaiser unter Führung des Baurates Jacoby die Restaurationsarbeiten. Darauf erfolgte die Rückfahrt nach Schloß Friedrichs Hof. Heute abend ist der Kaiser nach Station Wildpark abgereist. Bei der Abreise von Cronberg hat der Kaiser sein Wiederkommen für Mitte Sommer bestimmt in Aussicht gestellt.

Die Ankunft des Kaisers im Schloß Ur Villa ist auf den 8. Mai festgesetzt worden. Der Aufenthalt des Kaisers dauert bis zum 15. Mai. Die Kaiserin bleibt dort mit den beiden jüngsten Prinzen und der Prin­zessin Viktoria einige Tage länger.

Prinz und Prinzessin Heinrich werden sich heute von Kiel aus in Begleitung des Prinzen Waldemar nach Berlin begeben, um an der Feier der Großjährigkeits­erklärung des Kronprinzen teilzunehmen. Hierauf reist das prinzliche Paar zum Besuche der Kaiserin Friedrich nach Schloß Fr i e d r ich s h o f; dort ist ein etwa vier­zehntägiger Aufenthalt vorgesehen.

Für die Feier des 6. Mai haben noch ihren Besuch am hiesigen Hofe angemeldet: Der Großherzog von Hessen, der Herzog-Regent von Mecklenburg- Schwerin , der Fürst von Waldeck, der Erbgroß- herzog von Aachs en-Weimar und Prinz Ernst von Sachsen-Altenburg.

Der frühere deutsche Botschafter am italienischen Hofe, Freiherr von Saurma-Jeltsch ist auf Schloß: Brauchitzschdorf bei Lüben im Alter von 64 Jahren ge­storben.

Regierungs-Asssssor v. Miquel, ein Sohn des Finanzministers, ist als Nachfolger des Reichstagsabgeord­neten von Löbell zum Landrat des Kreises Rathenow er­nannt worden.

DieKreuzztg." hält die Meldung, daß das preu­ßische S t a a t s m i n i st e r i u m mit den Grundzügen des Kompromisses zum Fleisch b e schau gese tz sein Ern- Verständnis ausgesprochen hat, sowie die wertere Nach­richt, daß über die Einbringung der Kanalvorlage rn der gegenwärtigen Session des Landtages und die werteren sich daran knüpfenden Fragen die Regrerung noch kerne Be-

Politische Tagesschau.

DieNordd. Allgem. Ztg." meldete am Montag, daß der bekannte Zentrumssührer und Münchener Universi­tätsprofessor Dr. Freiherr v. Hertling seinen Aufent­halt in Rom abgebrochen habe, um seinen seit mehreren Monaten verweisten Lehrstuhl wieder einzunebmen. Aus dem Artikel des halböffiziösen Blattes spricht deutlich das Bedauern darüber, daß das deutsche Reich beim' Vatikan nicht ständig vertreten sei. Bekannt­lich bestand bis zum Jahre 1874 eine deutsche Botschaft bei depr Inhaber des Stuhles Petri, die aber sert dem ge^ nannten Jahre unbesetzt blieb, als der von der Reichs­regierung als neuer Vertreter vorgeschlagene Prinz Hohenlohe, der Bruder unseres jetzigen Kanzlers, vorr der römischen Kurie nicht acceptiert wurde. Erst in spä­teren Jahren, als der Kulturkampf seine Schärfe verloren hatte, richtete Preußen eine Gesandtschaft beim Vatikan ein, und seit dieser Zeit datieren die verhältnismäßig guten Beziehungen zwischen dem Berliner und dem päpstlichen Diofe. Immer wieder ist jedoch von der Zentrumspartei der Wunsch ausgedrückt worden, daß das Reich eine eigene Vertretung beim Vatikan erhalte. Prof. v. Hertling war bekanntlich in Rom thätig wegen Errichtung einer katho­lischen Fakultät an der Universität Straß­burg. Seine Bemühüngen scheinen noch nicht abgeschlossen zu fein, wenigstens geht dies aus dem erwähnten halb- offiziösen Artikel hervor. Interessant ist jedenfalls das darin ausgesprochene Bedauern, daß das Deutsche Reich keine immerwährende Vertretung beim heiligen Vater habe, und man will daraus schließen, daß etwa an die Reichs­regierung herantretenden neuerlichen Wünschen auf Er­richtung einer Botschaft beim Vatikan von amtlicher deut­scher Seite kein Widerstand entgegengesetzt würde. Der Post" erscheint allerdings diese Ansicht für unbegründet.

Diese Angelegenheit wird nun vielfach in Zusammen­hang gebracht mit der F l o t t e n v o r l a g e und mit den guten Diensten, die das Zentrum in dieser Angelegenheit der Regierung geleistet hat. Denn wie wir bereits gestern meldeten, hat das preußische Staatsministerium den in der Flottenfrage gestellten Anträgen des Zentrums zu­gestimmt, also die' Kommissionsbeschlüsse acceptiert.

Selbstverständlich läßt sich nicht kontrollieren, inwie­weit jene Vermutungen, als ob die Errichtung einer Bot­schaft beim päpstlichen Stuhle als Zugeständnis für das Entgegenkommen des Zentrums in der Flottensrage ge­plant fei, richtig sind. Aber diese Art politischerHandels­geschäfte" ist ja längst bekannt.

Die letzte amtliche Mitteilung über die Expedition des Hauptmanns v. Besser, die im nördlichen Teil Kameruns von den aufständischen Bangwa an­gegriffen worden war, datiert vom 1. April. Das amtliche D. Kol. Bl." meldete damals, daß über die Einzelheiten der stattgehabten Kämpfe, bei denen Hauptmann v. Besser, die Leutnants Buddeberg und v. Petersdorfs und der Assistenzarzt Dr. Dittmer verwundet wurden letzterer ist inzwischen seinen Wunden erlegen noch keine Mit­teilungen vorlägen. Jetzt liegen in derFrkf. Oderztg." nähere Angaben vom 28. März vor, die aus privater Quelle stammen und e r n st e B e s o r g n i s s e einzuflößen -geeignet sind: sie lauten: Endlich sind sichere Nachrichten bon Hauptmann v. Besser eingetroffen, die freilich recht

Bekanntmachung.

Betr.: Generalversammlung des KreiSzuchtvereinS für Vogelsberger Vieh.

Nächsten Montag, 7 Mai d. IS., nachmittags gi/4 Uhr, findet im CafS Ebel, oberer Saal, dahier die Generalversammlung des Kreiszuchtvereins für Vogelsberger Rindvieh im Kreise Gießen statt, zu welcher ich alle Mitglieder des Vereins, auch der jn ihn angeschlosfenen OrtSzuchtvereine, sowie jedermann, der sich dafür interessiert, hiermit einlade.

Der Krieg in Südafrika.

Bei Thab a n chu haben sich wieder heftige Kämpfe entsponnen. Die Buren stehen in einer sehr starken Stellung vor dieser von den Engländern be^ setzten Stadt und haben sogar einen Offensivvorstoß ver­sucht; der schließliche Ausgang der Kämpfe ist noch nicht bekannt. Nach einem Londoner Telegramm wird aus. Tchabanchu front 30. April gemeldet: ,Die Buren machten gestern einen entschlossenen Flankenangriff, um sich eines Bergpasses zu bemächtigen und einen Convoi abzu­schneiden. General French griff sofort die Flanke des Feindes .an und sandte Truppen auf die dort sehr steilen. Berge. Die Dunkelheit ermöglichte es den Buren, sich zurückzuziehen. Von anderer Seite wird darüber aus Lon­don telegraphiert: Nach Meldungen aus Thabanchu von heute nacht haben die Buren auf einem Streifzuge einen englischen Convoi zwischen Dewetsdorp und Thäbanchu, weggenommen. General Brabazon erschien gerade noch zu rechter Zeit mit der Yeomanry von Wepener her und befreite den Convoi. Die Buren halten immer noch den Bergrücken östlich von Thabanchu besetzt. Die Gene­rale Hamilton und Smith Dorrien haben feste Stellungen an Pern Wege nach Norden eingenommen; General Rundle steht den Buren in der Front gegenüber.

DieTimes" meldet aus Bloemfontein, Lord Ro­berts habe sehr strenge Maßregeln getroffen gegen die­jenigen Buren, die sich unterworfen haben. Diesen wird in Zukunft nicht mehr erlaubt, die von ihnen bewohnten Städte und Dörfer zu verlassen. Ebenso werden ihnen sämtliche Waffen und Pferde abgenommen.

Eine etwa 200 Mann starke Burenabteilung hab Windsor ton besetzt und drei Einwohner verhaftet.

In London verlautet, daß nach der Veröffentlichung der Kritik Lord Roberts über die Kämpfe am Spion- kop General Buller um seine Entlassung gebeten habe, die Lord Roberts jedoch nicht bewilligte.

In Kapstadt liegt ein halbes Dutzend englischer Kriegskorrespondenten schwer krank darnieder. Vier von ihnen sind körperlich so gebrochen, daß sie heimkehren.

Eine Maseru-Meldung vom 30. April lautet: Zum zweiten Male haben Ba s u t o s in Verwunderung gesehen, wie die Burenmacht in Frieden abzieht und ihre Viehherden mitnimmt, die nach Ansicht der Eingeborenen den Engländern zur Beute fallen mußte. Die Haupt­macht der Buren hatte gestern den L u w f l u ß westlich Ladybrand erreicht. Kleine Abteilungen bleiben in Zwischenräumen zurück, um ihre Nachhut zu schützen. Der Oberhänptling Lerothodi und Jonathan Malopo mit an­deren Häuptlingen befinden sich in Maseru. Der Zweck ihres Besuches ist unbekannt.

Die Stadt Wepener ist jetzt ganz verlassen; alle englischen Bewohner haben in Mafeking Zuflucht ge­sucht.

Wie derTimes" aus Bloemfontein gemeldet wird, ist dort eine englandfeindliche Vereini­gung entdeckt worden, die zahlreiche Mitglieder hat und mit dem Feinde in Verbindung stand, auch demselben unter heimlicher Mithilfe benachbarter Farmer Waffen lieferte. Eingehende Informationen über die Bewegungen der Eng­länder wurden den Buren durch Taubenposten und reitende Boten gegeben. Jetzt darf niemand die Stadt betreten oder verlassen.