Ausgabe 
3.5.1900 Drittes Blatt
 
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-mit der Fahnenweihe des Kriegervereins zu Altenschlirf zu verbinden und am 24. Juni abzuhalten.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die großherzoglich hessische Oberförsterei zu Homburg v. d. H. wird demnächst nach Obereschbach verlegt. Bei Kaub wurde die Leiche des bei dem Bootunglück ertrunkenen Dr. Berberich Wiesbaden gelandet. Den für die Auffindung ausgesetzten Preis von 1000 Mk. erhält der Wirtzur Engelsburg" in Kaub. Ferner ist in Bingerbrück die Leiche der Frau Erb geländet. In Mainz sind zwei Konfirmanden abenteuerlustig durchge­gangen. Sie haben einige hundert Mark mitgenommen. Ihr nächstes Reiseziel ist die Schweiz. Der in Kassel verhaftete Arbeiter Pfläging hat ein umfassendes Geständnis abgelegt, daß er seine Schwägerin Änna Fuhrmann er­mordet habe. Der Vorsitzende der Armendeputation in Mainz, Beigeordneter K. Schmidt, hat an sämtliche Mainzer Armenbezirke ein Rundschreiben erlassen, in dem er die Armenpfleger ersucht, sich in der öffentlichen Armen­pflege der Mitwirkung der Frauen zu versichern. Lehrer Grünewald aus Lorsbach ist an die Präparandenschule nach Herborn berufen. Sein Nachfolger wird Lehrer Weiß­gerber von Hambach. Am 31. Mai findet eine größere Bezirks tierschau für die Kreise Friedberg und Büdingen statt. An Preisen gelangen zur Verteilung 5010 Mark und zwar: für Rindvieh 3660 Mark, für Schweine 800 Mark, für Ziegen 150 Mark, für Pferde 400 Mark. An­meldungen der auszustellenden Tiere haben bis spätestens zum 20. Mai zu erfolgen. In Nieder-Florstadt ist es dem Gendarm Kaiser aus Friedberg gelungen, den Thäter der in letzter Zeit verübten verschiedenen Baumfrevel auf der Chaussee zwischen Offenheim und hier dem Arm der Gerechtigkeit zu überliefern. Der Gardist der 10. Kompagnie Großh. Jnf.-(Leibgarde-)Regiments Nr. 115 Wilhelm Heinz aus Erzhausen wurde auf dem Wege von Erzhausen nach Darmstadt um 11% Uhr von dem von Frankfurt a. M. kommenden Eisenbahnzuge erfaßt und so­fort getötet. Beider Katzen-Ausstellung in Darm­stadt wurden vermutlich am letzten Ausstellungstage bös­willigerweise etwa 30 Katzen vergiftet, worunter sich mehrere sehr wertvolle Exemplare befanden. Eine Unter­suchung einiger Kadaver soll Strychninvergiftung er­geben haben. Hoffentlich gelingt es, den oder die rohen Thäter ausfindig zu machen. Herr Heinrich Merz, Besitzer großer Farbwerke in Newark bei New-Aork, hat für das in Bensheim geplante Kaiserdenkmal 1000 Mark gestiftet. Herr M. ist ein gebürtiger Bensheimer. In dem Besitz der Wittwe Heß in Schornsheim be­findet sich ein junges Gänschen mit vier vollkommen ausgebildeten Füßen. Das Tierchen ist ganz munter und gebraucht zum Gehen drei Füße, während es den vierten Fuß nachschleppt. Eine ähnliche Abnormität ist in Sulz- heim bei Wörrstadt beim Landwirt Karl Dörrschug zu sehen. D. besitzt ebenfalls ein Gänschen mit vier Füßen, das aber beim Gehen nur die zwei Borderfüße benutzt. In Meßbach bei Wirt Schmuck ist heute nacht ein Kalb zur Welt gekommen, das zwei gleichmäßige Köpfe besitzt, sonst aber ganz normal ist und sich gesund und munter befindet. Bei der Löschung des Waldbrandes in Marburg, Über den wir gestern berichteten, hat sich das Jägerbataillon mit seinen Offizieren rühmlich hervorgethan. Dem Buchdruckereifaktor David Maas in der Schnitz- ler'schen Buchdruckerei in Wetzlar ist aus Anlaß seines 50jährigen Berufs-Jubiläums das Allgemeine Ehr en - zeichen verliehen worden._________________________

Vermischtes.

* Der weibliche Arzt in Italien. Die Aus­übung der ärztlichen Kunst durch Frauen ist in Italien zu

frankfurter Aries.

Origtnalbertcht für denGießener Anzeiger".

(Nachdruck verboten.)

Das alte Schauspielhaus bei Gastspielen z« erhöhten Preisen. Das Repertoire der Eleonore Düse. Die Nachwirkungen deS Gastes.

Daß das alte Schauspielhaus bei außerordentlichen Gelegenheiten räumlich nicht mehr die Bedürfnisse deckt, ist eine längst bekannte Thatsache. Ein bis unters Dach «msverkaustes Haus macht sogar bisweilen einen etwas bänglichen Eindruck. Beim Anblick der nicht eben breiten Äolztreppen und der vielen Portieren kann man sich oft eines gewissen unbehaglichen Gefühls nicht erwehren, wenigstens geht es dein Fremden so: denn der in den Heimischen Theaterverhältnissen bewanderte Frankfurter weiß, daß gerade in dieserSchauburg" um einen ganz modernen, erst kürzlich von G. Fuchs in Kurs gegebenen Ausdruck zu gebrauchen die umfassendsten Vorsichts-! maßregeln bestehen, daß bis an die vordersten Kulissen heran, die Spritzenmänner postiert sind, daß der Bühnen- und Zuschauerraunr binnen weniger Minuten unter Wasser gesetzt werden kann, und davon,' daß der eiserne Vorhang tadellos funktioniert und die ^cotthüren ausgehcn kann fich nach Schluß jeder Vorstellung das Publikum selbst überzeugen. Man ist also im alten Schauspielhause noch' immer sicherer aufgehoben als in der großen Pariser Welt­messe. Aber schön wird's doch sein,' wenn sich die un­vergleichliche Mraft der Düse in einem neuen Rahmen Präsentiert! Und das dauert ja nun nicht mehr lange!

Eleonore Düse gastiert jetzt zum dritten Male in Frankfurt, und sie gehört nicht zu den Mimen, die man immer gesehen hat, sobald man sie ein Mal sah. Stets ist sie neu und berührt sie ganz unmittelbar. Es giebt kaum eine dramatische Künstlerin, die in dem Grade ihre Persönlichkeit mitreden ließe wie das bei der Düse der Fall ist, und dennoch wäre es grundfalsch, wollte man fugen: sie spiele nur sich selbst. Nicht sich selbst, wohl aber das Weib in der ganzen Fülle der exotischen Möglich­reiten. Ueber diese Sphäre hinaus existiert das Weib für

frühester Zeit aufgekommen. Schon im kaiserlichen Rom gab es außer den Hebammen weibliche Aerzte, die als medicae und clinicae bezeichnet wurden. Der berühmte Naturforscher Plinius nennt sie oft, und sogar der große Meister der Heilkunde Galenus hat manchen ihrer Rezepte seine Anerkennung ausgesprochen. Nach dem römischen Recht stand der weibliche Arzt auf gleichem Fuße mit seinen männlichen Kollegen, und in der Nechtssprache konnte medicus sowohl männlich als weiblich verstanden werden. Im 11. Jahrhundert waren die Frauen von Salerno wegen ihrer medizinischen Gelehrsamkeit berühmt. Ein weiblicher Magister Namens Trotula veröffentlichte zahlreiche Ab­handlungen über Fragen aus fast dem ganzen Gebiet der Heilkunde. Eine Dame Namens Mercuriada schrieb über Fieber, Rebecca Guarna und .die emanzipierte Abella schrieben wissenschaftliche Gedichte und Abhandlungen. Im 16. Jahrhundert lehrte Alexandra Gigliani Anatomie an der Universität Bologna, und Laura Bassi erlangte 1731 an derselben Hochschule den Doktortitel. Vor 100 Jahren finden wir Anna Mazzolini als Fräulein Professor für Anatomie in Mailand und eine andere Dame als Ver­treterin desselben Lehrfaches in Ferrara. Im Jahre 1842 hie^ Anna Maria delle Tonne Vorlesungen über Geburts­hilfe in Bologna. Man sollte nach diesen ehrwürdigen Ueberlieferungen glauben, daß auch heute das ärztliche Studium unter den italienischen Frauen besonders gepflegt würde, aber dies ist im Verhältnis zu der umfassenden Gelegenheit, die dazu geboten ist, nicht der Fall. Die italienischen Universitäten, über 20 an der Zahl, stehen seit 22 Jahren den Frauen offen! In der ersten Zeit trat allerdings eine Periode der Begeisterung ein, in der eine große Zahl von Frauen in Rechtsknnde, Heilkunde und Philosophie sowie in den Schönen Künsten den Doktor­grad erwarb, dann aber trat eine Pause ein. Es stellte sich heraus, daß die Studien zu keinen praktischen Erfolgen führte-- Nach einer glänzenden akademischen Laufbahn in der Rechtskunde dürfte z. B. Signorina Lidia Poet ihren Beruf als Advokat nicht ausüben. Die weiblichen. Aerzte Hieben allerdings weit günstiger gestellt, undi konnten sich um alle Stellen bewerben, aber die italienische Frau von heute scheint für das aufreibende Studium der Medizin keine Liebhaberei mehr zu besitzen. Es giebt gegenwärtig in Italien kaum 140 weibliche Studenten der Medizin, also im Durchschnitt noch nicht sieben auf jeder Universität des Landes.

Universität und Hochschule.

Berschiedeuesr Wie vcilauter, hat Professor Gustav Ruh- land, einer der Dozenten, der nach dem Exodus der reichsdeutschen Professoren an die römisch-katholische Universität in Freiburg in der Schweiz berufen wurde, die Osterferien dazu benutzt, um in Berlin die Zurücknahme der bekannten Verordnung zu erwirken, mit der ausge­sprochen wurde, daß das schweizerische Freiburg niemals in Preußen als Universität anerkannt worden sei. Man hat allen Grund, anzunehmen, daß es Profeffor Ruhland, wenn er die Mission wirklich übernahm, in Berlin nicht gelungen ist, Gehör zu finden. Man schreibt aus Zürich vom 28. ds.: An der hiesigen Hochschule sind nachstehende Themata zu neuen Preisaufgaben für das Jahr 1900/1901 gestellt worden, und zwar in den Staatswissenschaften:Die Rechtsverhältnisse des Kirchen­gutes im Kanton Zürich von der Reformation bis zur Jetztzeit", in der Medizin:In welchen akuten Krankheitszuständen darf nach unseren jetzigen Kenntnifien eine Verabreichung von Alkohol erfolgen?" Die Einlieferungsfrist schließt am 31. Dezember 1901. Der o Profeffor der Philosophie an der Wiener Universität, Hofrat Dr. Ernest Mach, der vor zwei Jahren schwer erkrankte, ist wiederhergestellt und wird seine akademische Thätigkeit wieder aufnehmen.

Kunst und Wissenschaft.

München, 30. April. Ueber die Titelrechte der technischen Hochschulen hat sich Kultusminister Dr. v. Landmann in der Kammer bemerkenswert geäußert. Er sagte: Die technische Hochschule hält an dem Wunsch, daß die Verleihung des Promotionsrechtes an sie erfolgen möge, fest, und zwar in der Form, daß sie das Recht er­halte, den Titel:D o k t o r d e r t e ch n i s ch e n Wissen­schaften" zu verleihen; nur eventuell würde sie auch dem Dr. Jng. zustimmen können. Praktisch viel wichtiger als der Dr. Jng. oder der Doktortitel derDiplom-Inge-

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«teure", wie die preußische Terminologie lautet, ist aber die Verleihung eines besonderen Titels an diejenigen, welche die technische Hochschule absolviert haben. Es ist ein Mißstand, daß jetzt jeder Techniker, der eine niedere technische Schule besucht hat ober vielleicht gar keine, son­dern lediglich in der Praxis sich einige technische Kenntnisse ungeeignet hat, sich Ingenieur oder Architekt heißt. Viel­leicht noch vor einem Jahrzehnt hätte man dem oorbeugen können, indem man unter gesetzlicher Strafandrohung ver­boten hätte, daß Jemand, der nicht eine Hochschule absol­viert hat, sichArchitekt" oderIngenieur" heißt. Aber das wird jetzt kaum mehr gemacht werden können. Man wird daher an den Ausweg denken müssen, daß diejenigen, welche die Technische Hochschule hinter sich haben, auch einen gewissen bevorzugten Titel bekommen. Dafür hat Man in Preußen denDiplom-Ingenieur" eingeführt, bet aber auch keine recht glückliche Erfindung ist. Es wird also zu erwägen sein, ob man nicht, wenn man auch hier im Prinzip das Vorgehen Preußens selbstverständlich nach­ahmen wirb, nicht in Bezug auf bie Ausführung seine eigenen Wege zu gehen haben wird.

Jagd und Sport.

Turnerisches. Der 61. Mittelrheinische KreiSturntag zu Mainz fand am Sonntag, 29. April in der Turnhalle des Mainzer Turn­vereins statt, der von 165 Vereinen mit 272 Abgeordneten beschickt war, wozu noch 24 Ausschußmitglieder und 9 Gauturnwarte kamen, sodaß zusammen 305 Stimmen vertreten waren. Der Vorsitzende 6e« richtete von dem Ableben folgender hervorragender Kreisangehörigen: Andreas-Bad-Nauheim, Prof. Dr. Büchner, Leist und L Müller, sämtlich aus Darmstadt, Brotz - Hillesheim, Kalbel-Osthofen, Bastian-Budenheim, Bauer-Kaub, Kohl-Flörsheim, Stiebing Ober- stein, Schideck-Frankfurt a. M., Ritzel-Bieber, Henkel-Offenbach und Schramm-Kloppenheim, zu deren Andenken sich die Anwesenden von den Sitzen erhoben. Er teilte ferner mit, daß der Vorsitzende der deutschen Turnerschaft, Dr. Götz-Leipzig und Kreisvertreter Bier-Dres den, das Ritterkreuz erster Klasse des Sächsischen Andreasordens er­halten hätten, als Ehrung und Anerkennung ihrer Thätigkeit im deutschen Turnwesen.

sie nicht. Von bei* Kraft bet Düse gilt, was Betty Paoli von ihrer Lyrik sagte: sie ist ein lautes Offenbaren üoit; all' ben tiefen Schmerzen, bie bes Weibes Seele kann er­fahren. Von biesen Gesichtspunkten aus bestimmt sich auch das Repertoire ber Eleonore Düse.

Als bie große italienische Künstlerin bas zweite Gast­spiel in Frankfurt absolvierte, gab ihr ber btreiS ihrer Verehrer ben wohlgemeinten Wink, baß ein so eminentes Talent wie ähres auch gegen bie Kunst verpflichte, baß namentlich baS bieutsche Publikum etwas anberes als bie alte Kamelienbame erwarte.

Frau Düse hat sich bas gemerkt. Mit einem ganz neuen Programm ist sie vor bie Frankfurter hingetretew. Aber auch bieses zeigte sich gebunben und beschränkt auf bie romanischen Klischees, bie sich auf folgeube brei Grnnb- typen zurückführen lassen: 1. Tas Weib, bas sich aus tiefster (Srniebrigung zur bürgerlichen Ehrenhaftigkeit durchzu- arbeiten sucht (bie Ehrenrettung berGefallenen"). 2. Die Fvcm, bie skrupellos betrügt. 3. Die Frau, bie schamlos betrogen wirb.

Darüber hinaus scheint es nach ber Sittcratur ber Dumas unb Genossen keine Wirkungssphäre bes Weibes zu geben. In biesem Kreis eng begrenzter Sensationen unb Effekte entfesselt nun bie Düse eine unenbliche Skala von Gefühlstönen. Wir nehmen biefe alten, verblaßten Stücke, bie sich nicht einmal in ihrem Ursprungslanbe siegreich zu behaupten vermochten, burch bas Mebinm ihres Geistes wahr. Für bie Tauer eines Abenbs leiht sie ben Kieselsteinen ben Glanz echter Juwelen.

Ist bas bas richtige Verhältnis zur Kraft? Nein unb abermals nein! Größe gehört zu Größe!

Eine Eleonore Tuse hat etwas besseres zu thun, als bie altersmübe unb früherschöpfte Mache von Dumas zu galvanisieren. Tenn ein Belebungsprozeß ist bas bock; nicht. Warum läßt sie nicht bie Toten ihre Toten begraben?!

2{n b'AnnunziosG i o c o n b a" ist, nachdem ber Autor seinen RomanFeuer" veröffentlicht hat, bas Interesse des Publikums nicht rein objektiv. Es wittert überall neu­gierig persönliche Beziehungen. Es wäre ja auch nicht

bas erste Mal, baß eine Frau, bie als Künstlerin groß unb bewunbernswert basteht, als Weib bie schmählichste De­mütigung unb Niederlage erlitten hätte. Wir brauchen ja nur an bas Schicksal ber Malerin Ängelika Kaufmann zu benfen.

Eine bekannte Schriftstellerin schlug ber Düse kürzlich vor, sie möge boch bieMaria Stuart" in ihr Repertoir aufnehmen.Um Gotteswillen!" rief bie große Tragödin, biefe Jammergestalt! Ich will Siegernaturen spielen!"

Eleonore Düse wirb uns nicht ernstlich glauben machen wollen, bieGioconda", bie ihre Rechte an ben ihr an­getrauten Mann gegen ein Modell verteidigen muß, und der von diesem die Hände abgeschlagen werden, sei eine größereSiegernatur" als die schottische Königin auf ihrem letzten Gange.

Von einer großen Kraft verlangen wir nicht nur starke Augenblickswirkungen, sondern solche von nachhal­tiger, innerlicher Natur.

Die Tuse übt sie aus, kraft der ihr eingeborenen Ge­fühlsintensität unb Anmut. Von einerSchule" der Italienerin läßt sich nicht spreck)en: denn hier kann man sich kaum an etwas Erlernbares halten. Bei ben zwei großen Zeitgenossinnen: ber Pariser Sarah Bernharb unb ber verstorbenen Wiener Charlotte Wolter gab es immer­hin viele Aeußerlichkeiten, die sich, bei gewissenhafteff Studien, übertrugen. DerSchrei" der Charlotte Wolter unb- dieKunst zu sterben" gehörten z. B. unter bie Rubrik solcher Effekte.

Bei ber Düse läßt sich nur vom Gesamteindruck lernen. In ihren Fußtapfen vermögen nur diejenigen zu wandeln, welche die Technik dermaßen beherrschen, daß es feinenr Menschen mehr einfällt, an Technik oder Routine zu denken, daß sich alles wie bas vollenbetste, natürlichste Leben an­hört unb anschaut. Nur in Einem soll bie junge Schau-- schpielergeneration nicht von ihr lernen: in der Zu­sammenstellung des Repertoirs. In dieser Richtung waren die Pathosspielerinnen unb die Posenstellerinnen von Wilhelmine Schröder an, bis zur Klara Ziegler ihr meines Ermessens überlegen. Dr. M.