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3.1.1900 Erstes Blatt
 
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Werfer", 19 Personen, welche sich sonstiger Übertretungen schuldig gemacht, und fünf besonders hervorragendeRadau­macher"; gestochen wurden zwei Personen.

** Die neuen Postwertzeichen. DieBerliner Börsen­zeitung" übt an den neuen deutschen Postwertzeichen eine scharfe, aber zutreffende Kritik. Sie schreibt:Wenn wir uns das vielbesprochene neue Opus betrachten, so müssen wir sagen, daß die Künstler der Reichspost sich damit keinen besonderen Ruhm erworben haben. Die Zeichnung der Vorderseite, diese wie von Kinderhand gestrichelten Wolken, die charakterlose Zahl1900", all das erinnert in

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Kiel, 29. Dezember. Die Stadtvertretung beschloß, dem Prinzen Heinrich, der seit zwei Jahren im Dienste des Vaterlandes fern von Haus und Heimat weilt, bei seiner bevorstehenden Rückkehr durch eine festliche Begrüßung die Sympathieen der Stadt auszudrücken.

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Lokales und Uroonyielles.

Gießen, 2. Januar 1900.

* Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der Groß­herzog haben Allergnädigst geruht, dem Bürgermeister Heinrich Seng zu Lehnheim, sowie dem Bürgermeister Theodor Schmitt zu Ohmes das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift:Für langjährige treue Dienste" am Bande des Philipps-Ordens zu verleihen.

* Aus dem Gerichtsdienst. Durch Entschließung Groß« herzoglichen Ministeriums der Justiz wurden mit Wahr­nehmung der Dieastverrichtungen eines Amtsrichters beauf­tragt: bei dem Amtsgericht Mainz der Gerichtsassessor Börckel in Mainz, bei dem Amtsgericht Oppenheim der Gerichtsassessor Dr. Gebhardt in Mainz, bei dem Amts­gericht Offenbach der Gerichtsassefsor Gill er in Darm­stadt und bei dem Amtsgericht Bad Nauheim der Gerichts­assessor Schulz in Darmstadt.

** Stadttheater. Wegen plötzlicher Erkrankung des Fräulein Hammer muß die für heute angesetzte Vorstellung vonZaza" ausfallen, und wird dafür das LustspielJugendfreunde" zur Aufführung gelangen. Morgen Mittwoch, 3. Januar, bringt das Stadttheater wiederum eine Novität, und zwar das dreiaktige Lustspiel: Auf Strafurlaub" von Gustav von Moser und Thilo von Trotha. Die Novität hat in der kurzen Zeit ihres Bestehens sich doch schon einen Platz in den Repertoirs sämtlicher namhaften Bühnen gesichert und wurde allüberall

Vermischtes.

* Marburg, 2. Januar. Heute nacht feuerte ein Student auf der Straße einen Schuß ab. Die Kugel traf einen Familienvater und verletzte denselben tötlich.

* Haag, 1. Januar. Die Marine-Präfektur berichtet, daß der englische DampferEmily" in der Nähe des Leuchtturms Euihem mit Mann und Maus ge­sunken ist. Der englische Konsul ist davon benachrichtigt worden. Bis jetzt wurden keine Leichen geborgen.

* Havre, 1. Januar. Der französische Dampfer St. Jean, von Antwerpen nach Lissabon unterwegs, ist an der nordfranzösischen Küste gesunken. Ein Teil der Mannschaft wurde gerettet. Die Zahl der Umgekommenen ist unbekannt.

i Mann der zur weiteren Hebung dieses VerkehrsinstitutL- I hervorragend beigetragen hat; sodann tn Bad Nauheim, I 88 Jahre alt, der Senior der dortigen Aerzte (und viel- I leicht der des Großherzogtums), Geheimer Medizinalrat I Dr, Friedrich Bode, dessen bedeutender Verdienste um Bad I und Stadt bei verschiedenen Anlässen in dieser Zeitung ge- I dacht wurde. D. Z.

/X Seligenstadt, 1. Januar. Das Eis auf dem seit I 14. Dezember zugefrorenen Mainstrome setzte sich gestern I vormittag gegen 9 Uhr langsam in Bewegung. Gewehr- I salven verkündeten der Bewohnerschaft dieses großartige I Naturschauspiel. Das Wasser stieg rasch um 40 Centimeter und trieb mit mächtigem Rauschen die krachend berstenden Eismassen vorwärts. Später aber stellte sich das Eis wieder und verursachte eine bedeutende Stauung der Fluten, die alsbald um weitere 60 Centimeter wuchsen. Gewaltige Eis­schollen türmten sich auf, bis der riesige Druck des Wassers mit voller Wucht das lautbrausende Eis vorwärts trieb. Der aus seinen Ufern getretene Fluß zog sich bald wieder in sein Bett zurück und hinterließ an beiden Ufern gewaltige Eismassen. Der mehrfach unterbrochene Eisabgang dauert heute ständig fort. Das für Auge und Ohr gleich intereffante Spiel des Eises und der Fluten lockte eine Menge Schau- I lustiger an das Ufer. Anläßlich der Jahrhundert» wende intonierte um die Mitternachtsstunde der hiesige Musikverein auf dem RathauSturme einige Choräle. Auch wurde an derselben Stelle ein großartiges Brillantfeuerwerk abgebrannt. Während der erhebenden Feier bewahrten die auf dem Marktplatze dicht gedrängten Menschenmengen eine würdig ernste Haltung.

Mainz, 1. Januar. Die schon seit einer Reihe von Jahren projektierte strategische Bahn MainzMetz soll nach einer Blättermeldung demnächst gebaut werden. Zu drei früher bestandenen Projekten soll von einem ein­flußreichen Industriellen der Stadt Forbach eine vierte vor­teilhafte Linienrichtung in Anregung gebracht worden sein, die große Aussicht auf Durchführung habe. Die neue Linie verfolge folgende Richtung: MainzObermoschel- KuselHomburgSt. IngbertSt. Arnual mit Einmün­dung in die Strecke SaarbrückenMetz vor Forbach. Wie verlautet, soll dieser Plan im Verwaltungsrat der be­teiligten Pfälzer Bahnen gutgeheißen, und beschlossen worden sein, falls der Reichstag seine Zustimmung giebt, sofort mit Beginn des Frühjahrs den Bau der Strecke auf pfälzischem Gebiet in Angriff zu nehmen. Die Kosten der Bahn seien auf 22 Millionen Mark veranschlagt, hiervon sollen der baye­rischen Staatskasse 2 Millionen und der Reichskasse die Hauptsumme von 20 Millionen zur Last fallen. Das Maineis hat sich verflossene Nacht in Bewegung gesetzt und ist heute den ganzen Tag in halber Strombreite hier vorübergetrieben. Die Eismassen waren am Morgen so stark, daß der Trajektverkehr zwischen hier und Kastel ein­gestellt werden mußte und die Schiffe, die die Häfen bereits verlassen, eiligst sich auf die linke Stromseite flüchteten.

Anstand.

Wien, 1. Januar. Die Neujahrsbetrachtungen der Blätter sind ziemlich reserviert gehalten. Sie rekapitulieren nur in Kürze die wichtigsten Ereignisse des abgelaufenen Jahrhunderts und sprechen die Hoffnung aus, daß das neue Jahr den Oesterreichern den inneren Völker- frieden bringen möge.

Wien, 1. Januar. Nachdem dieWiener Zeitung" die bereits angekündigte kaiserliche Verordnung, betreffend die Bewilligung der Staatsnotwendigkeiten auf Grund des § 14 publiziert hat, ist die Aufgabe des Kabinetts Wittek erfüllt. Sofort nach Neujahr dürfte ein neues Beamtenministerium gebildet werden.

Prag, 1. Januar. Von morgen ab stellen die tschechischen Gemeinden die Besorgung der ihnen übertragenen Wirkungskreise ein.

Budapest, 1. Januar. Ministerpräsident Coloman Szell begiebt sich morgen nach Wien, um mit der öster­reichischen Regierung für die weitere Lösung der schweben­den Fragen zu beraten. Die regierungsfreundlichen Organe besprechen die Entscheidung der Krone in der Quotenfrage in zustimmender Weise und bezeichnen dieselbe als die einzige derzeit mögliche Lösung.

Budapest, 1. Januar. Das Gesuch der Slowenen Ungarns um Errichtung eines slowenischen Gymnasiums wurde vom Unterrichtsminister neuerdings abgelehnt.

Rom, 1. Januar. Der König erließ auf Vorschlag des gesamten Ministeriums die bereits angekündigte Am­nestie für sämtliche politischen Vergehen.

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Der Warst des Kaisrrs non Rußland

das Verdienst, daß er durch eine rückhaltslose Anerkennung, die ?£ Änoli4 (Polygonum avlc) als Linderer qual- ausgesprochen hat, weite Kreise von der Heilkraft ^''^Pstanze überzeugt zu haben. ES besteht bekanntlich sowohl in bet Aerztewelt wie beim Publikum ein völlig ungerechtfertigtes Miß- Einfache Hausmittel. Ein gelehrte« R^cept und HA»«ffffSSSS* Dt«gnose wollen manche lieber als ein natür- Unb "d-t der Glaube aller Zeiten und ^^EE' roelche in den Pflanzen wunderbare Naturkräste vermuteten, eine deutliche Sprache. Es ist eines der erfreulichsten Zeichen unserer D-sisenschaft M mehr und mehr mit dieser Thatsache abzusinden sucht. Früher war man gewöhnt, hochmütig jede Leil- ^aft jier Pflanze zu leugnen, heute macht man nicht mehr den kt^^^iurbesträtbareS als nicht vorhanden anzusehen, sondern sucht dte Erschernungen wistenschaftlich zu erklären. Gerad die epochl! ÄMailWÄ ä

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iQiiten bes Saiferö, General-Feldmarschall Graf Blumenthal, und der Chef des Generalstabes der

«rmee, dre kommandierenden Generale des 1., 2, 3, 5

und 15 Armeekorps, die Inspekteure der Verkehrs­truppen und der Telegraphentruppen, sowie Abordnungen oer obengenannten Truppenteile. Kurz vor 12 Uhr fuhr das Kalserpaar nach dem Schloß. Der Kaiser, der Generals- untform und den Helm mit dem schwarz-weißen Federbusch trug, sowie dre Kaiserin sahen sehr wohl aus. Nach ihren Ettern trafen die kaiserlichen Prinzen ein. Aus einem ge­schlossenen Landauer winkten die jüngeren Prinzen vergnügt heraus, während der Kronprinz, Prinz Eitel Friedrich und Prinz Adalbert, die in Uniform mit Orangeband des ./.w.^äen Adler-Ordens in offenen Wagen folgten, stramm Militärisch die Grüße des Publikums erwiderten. Die Nagelung selbst verlief genau nach dem, von uns schon mit- geteilten Programm. Hierauf fand im Kapitelsaal des Schlosses die Weihe der Fahnen statt, die der evangelische, Feldpropst der Armee D. Richter unter Mitwirkung des I katholischen Feldpropstes D. Aßmann vollzog. Der Schluß der Weiherede lautete:Ein Reich, ein Volk, ein Gott!" 3=a, ber alte Gott und die alte Treue, sie sind ein unauf- I »Elches Band um Thron und Altar, um Kaiser und Reich, I um Kriegsherrn und Kriegsheer. So wars, so ist, und so I solls auch im neuen Jahrhundert bleiben. Das geloben I nur wieder angesichts der geweihten Fahnen, so wahr uns I Gott helfe im Leben und im Sterben! Amen. Senket | benn biefe Fahnen unb Stanbarten vor bem Herren ber I Heerscharen broben! Auf Befehl Sr. Majestät des I Kaisers und Königs und kraft meines Amtes weihe ich diese I Fahnen und Standarten, Pro Gloria et Patria, als Dank- | pichen für des alten Gottes Barmherzigkeit; als Wahrzeichen I non des alten Glaubens Festigkeit; als Wahrzeichen an der I alten Treue Beständigkeit den Truppenteilen hier für alle I unb allerlei Zeiten zu unverletzlichem Eigentum unb hehrem I Heiligtum, im Namen bes Vaters, bes Sohnes unb bes I heiligen Geistes. Amen!" Währenb bes Weihespruches I senkten sich bie Felbzeichen, von benen bie Fahnen rechts I vor bem Altar, bie Stanbarten gegenüber auf ber linken I Seite stauben. Die Felbzeichen würben bann noch im I 1 Laufe bes Nachmittags verpackt, um in bie Garnisonorte I i abzugehen, wo sie in feierlicher Weise ben Truppenteilen I i übergeben werben sollen. 1 1

feiner Dürftigkeit unb Kümmerlichkeit an bie Glückwunsch­karten, die uns zu Neujahr von Schornsteinfegern und anderen naiven Gratulanten vorgelegt werden. Trostlos und unter jeder Kritik ist vor allem bie neue Reichspostmarke, bie uns hier zum erstenmale in einem amtlichen Original vorliegt. Der Kops bet Germania ist gewöhnlich, geistlos unb ohne jebe Noblesse, der Druck so unklar, daß der Kopf sich nicht im Geringsten plastisch von dem viel zu roh schrasfierten Hintergründe abhebt. Der Postbeamte, der dieses Meister­werk schuf, muß ein Kindergemüt fein, das von künstlerischem Komponieren keine Ahnung hat. Sonst hätte er nicht auf bie einfach unglaubliche Jbee kommen können, bie Hand der Germania noch mit auf das Bild zu bringen. Man sehe sich diese verkümmerte Hand an, die da in die Ecke unten links eingequetscht ist, und man wird sich fragen, was biefe Hand und dieses schiefe Schwert eigentlich für einen Siun haben sollen. Es sieht aus, als ob die interessante Dame sich mit einem Dolch in der Magengegend herum- stochcrt. Die alte Reichspostmarke war ja gewiß etwas nüchtern und phantasielos, aber sie entsprach doch mehr der Wurde emes großen Reiches, als dieses schwächliche Werk, das im Auslande von deutschem Geschmack und deutscher Kunstfertigkeit ein merkwürdiges Zeugnis ablegen wird." (SKtr schließen uns dem Urteil derBörsenzeitung" nach feder Richtung hm an. D. R.) B

, . Wiese«, I. Januar. Der hiesige Turnverein feierte die Sylvesternacht durch eine wohlgelungene Abend­unterhaltung. Nan gedachte hierbei auch der Buren unb bracht- di- Sammlung rund 18 Mk. ein, welche an das Hilfskomitee bereits eingesanbt worben sind.

W. Ans der Wetterau, 1.Januar. Das alte Jahr, unb mit ihm das alte Jahrhundert wie es nun einmal behebt wird sind mit Gottesdienst in allen unseren Dörfern, wo sich eine Kirche befindet, zu Grabe getragen, und das neue Jahr und das neue Jahrhundert mit Glocken- gelaute begrüßt worden. Das Schießen und Lärmen war sehr unbedeutend, und nimmt von Jahr zu Jahr ab. Bei der diesjährigen Sylvesterfeier herrschte unverkenubar eine ernstere Stimmung als sonst. Die Witterung ist völlig umgeschlagen, es ist milder geworden und dichter Nebel Fluren, als befänden wir uns in der zweiten Hälfte des Februar. Soeben streicht ein Flug Wild- baranVirib?* ba^n Ob bie wohl nicht zu frühe

Darmstadt, 2. Januar. 11,15 (Tel.) Se Kal

berD ®"äog verlieh dem Rektor der Techni^chen bcn TitelMagnifizenz" Ober-Bürger-

^/o^bwe g erhielt den Ritterorden 1. Klaffe Philipp des Großmütigen. 11

Darmstadt, 2. Januar. 11,15 (Tel.) In bem Gast- hi>C«vr "Fa!I?er- wurde in der Neujahrsnacht mSttT btt F^.chuß des Möb-ltranspoueurs » »"v r?KiÄ*

I mit freundlichstem Erfolge und großem Beifall ausgenommen. I Di- Besetzung der einzelnen Rollen geht aus dem ^nfe- ralC ''Herr Direktor PaSc-e hat auch ber letztvergangenen

I Weihnachtszeit den hiesigen Pfarrern Dr. Na , . t Schlosser wieder eine Gabe - jebem einige Hund Mark - überreichen lassen zurBerw en b » N kranke Kinber unb Erwachsene die Klemhnderfchule, bie Krankenpflege unb anbere LiebeSwerke. Die Freude und Wohlthat, die den vielen Bedürftigen durch diese Gab bereitet wurde, ist an sich der schönste Dank für de» gütigen wohlwollenden Geber. Es sei Herrn Direktor Pascoe aber auch hierdurch noch besonders der herzlichste Dank aus-

I 9e^r»?C^ie Sylvesterfeier verlief diesmal wieder in der herkömmlichen Weise, sodaß eigentlich Anderes darüber nicht zu berichten ist. Diejenigen, welche vielleicht aus

I Anlaß der Jahrhundertwende etwas Besonderes m P^cto I Radau erwarteten, wurden enttäuscht. Bis gegen 11 U£r war es auf den Straßen, wenn man von dem hier und 6 a beliebten Losbrennen vonFröschen" und vereinzelt ab­gefeuerten Pistolenschüssen absieht, ziemlich ruhig. Belebt wurden die Straßen erst, als nach V,12 Uhr die mächtigen

1 Klänge des ChoralsNun danket alle Gott" vom Turme der Stadtkirche hernieberschallten. Die augenblicklich we,he- I volle Stimmung machte nach Verklingen des letzten Tones I einem geräuschvolleren Treiben Platz, bad mit bem Glocken- I schlageZwölf" seinen Höhepunkt in bem allgemeinen I Profit Neujahr"-Rusen unb sein Enbe gegen 1 Uhr er­reichte. Der Rest bes Sylvesterfeierns verlegte sich in bie I Wirtschaften, von benen viele bis in den Morgen hinein I mit Gäste u gefüllt waren. Daß trotznormalen Ver- | laufes" des Sylvesterabends die Polizei Arbeit fand, beweist I die Liste der Strafanzeigen. Erwischt wurden 35Frosch- I