Ausgabe 
2.12.1900 Zweites Blatt
 
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150. Jahrgang

Sonntag den ?. Dezember

UMeßenerAnzeiger

beigelrgl.

Heneral-Anzeiger

Aints- und 2lnzeigeblcrtt für den Ttveis Greszen

Unternehmungsgeist damit ei« Werk wieder auf­

eröffnen, deutscher

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nimmt, das von der englischen Flagge nach miß­lungenen Versuchen aufgegeben worden ist. Die Arbeiten an der deutschen Bahn und in den Berg­werken von Schantung im Hinterlande von Kiautschou sind unter offiziellem chinesischem Schutz wieder ausgenommen worden.

Auf Betreiben der deutschen Gesandtschaft hat Prlnz Tsching die Absetzung des Magistrats von Tschanglo wegen christenseindlicher Agitationen veranlaßt.

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Ustkskunde._________________

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London, 1. Dezember. DieTimes" meldet aus Schanghai: Die Expedition nach Kalgan hat eine Niederlage erlitten. Eine deutsche Abteilung, die sich isoliert befand, soll gezwungen worden sein, chre Toten und Verwundeten zurückzulassen.

Petersburg, 1. Dezember. Gestern verbreitete sich hier ein, wie eS scheint, von der chinesischen Gesandtschaft aus­gehendes Gerücht, in Peking sei volle Einigkeit zwischen den Forderungen der Mächte und den chine­sischen Unterhändlern erzielt. Darnach stehe Deutschland, daS mit seinen allzu strengen Ansprüchen schließlich fast isolirt gewesen sei, nachdem auch England sich einer milderen Auffassung zuneigte, von der For­derung der Todesstrafe für die Prinzen ab. Die von den Gesandten als Urheber der Boxerbewegung bezeichneten Prinzen und Würdenträger würden für immer an entlegene Orte des Reiches verbannt und dürfen nie mehr ein öffentliches Amt bekleiden. Die Entschädigungs­ansprüche sollen vor eine internationale Kommission gebracht werden, die in Peking zusammentreten und eventuell in Jahr und Tag verhandeln soll. (Diese ganze Nachricht klingt ein wenig abenteuerlich.) DieNowoje Wremja" läßt sich aus London melden, daß Feldmarschall Graf Walde',r° see telegraphisch angewiesen sei, keine weitere Ex­pedition zu unternehmen.

MMm, Expedition und Druckerei:

Ich.l-r.tze Ar. 7.

Wt 283 Zweites Blatt

Die Volkszählung.

Gießen, 1. Dezember. (Samstag) findet die allgemeine Volkszählung praktische Bedeutung derselben klarzulegen, de­in einem Aufsatz Regierungsrat Dr. Friedrich

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ers preiswürdig: ganzer Zimmer, asst in div. Qua1;

, Gobelins, Tuch

SpitZeL Bände,, Ruschen.

Bekanntmachung.

In der Zeit vom 24. November bis 1. Dezember 1800 find in hiesiger Stadt:

gefunden worden:

1 Arbeitsbeutel und 1 Schraubenzwinge.

Die Empfangsberechtigten dieser Sachen belieben ihre Hechte alsbald hier geltend zu machen.

Gieß en, den 1. Dezember 1900.

Gwßherzogliches Polizeiamt Gießen.

Hechler.

Zahn. Eingehend legt er dar, wie dringend notwendig nicht nur zur Feststellung der Bevölkerungsziffer, über­haucht, sondern auch in Rücksicht auf die Bedürfnisse der Manzverwaltung, des Heerwesens, der Vertretung der einzelnen Gebiete und Orte in Selbstverwaltungskörpern, die Einteilung der Orte in Servisklassen, die Festsetzung desi Minimalgehalts der Beamten nalch der Einwohner- zah,l der Gemeinden, für das Münzwesen, für die Reichs- ^'werbeordnung und zahlreiche politische und volkswirt- lcl)ciftliche Untersuchungen die nächste Volkszählung sein ivivd. Vor allem aber beschäftigt die Volkszählung sich 'in gehend mit der Staatsangehörigkeit, Religion, Mutter­sprache, Gebürtigkeit und Militärzugehörigkeit, worüber »ei Aufsatz sich wie folgt äußert :

Die Nachweise über Staatsangehörigkeit im Mammenhalt mit denen, die im Weg des Austausches von fteimden Staaten über die im Ausland vorhandenen Deut-

ber deutsche DampferHuischang" zum erstenmale die Reise nach Tschungking unternehmen und damit den regulären Dampfschiffahrtsverkehr auf dem Yangtse- kiang über die berühmten Stromschnellen oberhalb Jtschangs Dieses Ereignis ist um so bemerkenswerter, als

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»Hygiene Bllllse Preise.

Buren und Engländer.

Ueber die Verfolgung De Wets wird von Reuter aus der Farm Helvetia (halbwegs zwischen Dewetsdorp und Smithfield) vom 27. November gemeldet:Die Abteilung des Obersten Pilcher, die unter dem Oberkommando des Generals Knox mit der Abteilung des Obersten Barker zusammen operierte, hatte heute während der Verfolgung De Wets von Dewetsdorp aus ein kleines Gefecht mit den Buren. Der Gegner beschoß eine britische Batterie mit einem Fünf zehn Pfänder, der bei Dewetsdorp von den Buren erbeutet worden war. Die Buren waren augenscheinlich völlig überrascht. Präsident Steijn und De Wet brachen eilig nach Westen auf. Tie Engländer nahmen zwei Wagen mit Lebensmitteln und Kleidern weg, die zweifellos in Dewetsdorp erbeutet worden waren, des­gleichen dreihundert herrenlos herumschweifende Pferde. Aus feiten der Engländer fiel ein Sergeant, und wurden sechs Mann verwundet. Verschiedene verwundete Buren wurden aufgefunden. Wie gemeldet wird, befindet sich das Lager De Wets und Steijns jetzt zwischen den Eng­ländern und der Bahnlinie. Das englische Lager befindet sich 38 Kilometer nördlich von Smithfield, wohin, wie berichtet wird, die Buren marschieren wollten; aber das. heutige Gefecht hat anscheinend De Wets Kommando in drei Teile zerrissen. Die Garnison von Smithfield nimmt eine sehr gute Stellung auf den nördlichen Kopjes ein. Viele Farmer des Bezirks haben sich De Wet angeschlossen." Demnach scheint es thatsächljch, daß De Wet seine Marsch­richtung verändert hat. Die Meldung ist übrigens nicht ohne Widersprüche; denn es ist nicht recht glaubhaft, daß die Buren überrascht worden sind, wenn sie mit dem einen Geschütz eine englische Batterie unter Feuer nehmen konn­ten. Dagegen spricht das Zurücklassen mehrerer Wagen dafür, daß die Buren bis zum äußersten stand hielten und sich dann erstin drei Teile zerrissen", die sich natür­lich außerhalb des Gesichtskreises der Engländer alsbald wieder vereinigen werden davon machten. Der mo­ralische Erfolg von De Wets Operationen im Süden geht daraus hervor, daß sich ihm zahlreiche Farmer wieder angeschlossen haben. Auch sonst sind die Buren an der Arbeit. Zwischen Ladybrand und Thabanchu haben sie eine befestigte Linie ein­gerichtet, die sie nach Westen, also auf Bloemfontein zu, auszudehnen suchen. Selbst ins Gebiet der Kapkolonie sind sie wieder eingebrochen. Kommandant Bosman hat sich bei Phokwane im Bezirk Taungs festgesetzt und einen Polizeiposten aus Schaapfontein nach Taungs zurückge­trieben. Auch bei Vorder Siding nördlich von Fourteen Streams wurde ein Polizeiposten angegriffen. Zu alledem werden die holländischen Elemente in der Kap­kolonie wieder unruhig. Englische Meldungen sprachen

Ilhen erholt werden, ermöglichen ein, insbesondere in poli­tischer Hinsicht, wichtiges Bild über die Ausländer in lemtschland und die Deutschen im Auslande. Bemerkt sei, daß im Jahre 1900 auch Oesterreich-Ungarn, Serbien ivcihrscheinlich auch Rumänien), die Schweiz, Dänemark, Lckiweden, Belgien, Portugal, die Vereinigten Staaten von Amerika, Mexiko, im Jahre 1901 Italien, Frankreich, Nor- Ez;cn, Großbritannien Volkszählungen veranstalten, und daß die Niederlande 1899, Spanien und Rußland 1897 solche vorgenommen haben. Eine wertvolle Ergänzung dazu sind die Daten über Geburtsort und Mutter­sprache, umsomehr, als sie in ihrer Art völlig neues liefern werden. Denn die Muttersprache wurde bisher nur für einzelne Bundesstaaten, von Reichswegen über­haupt noch nicht erhoben; man wird Anhaltspunkte be­kommen über das Eindringen von Polen, Tschechen, Fran­zosen, Dänen, Norwegern, Italienern re. in Gebiete, wo sie noch nicht oder nur vereinzelt waren. Die für die kerfo^gung der inneren Wanderungen so wichtige irnge nach dem Geburtsort, die allerdings auch schon bei früheren Volkszählungen (1871, 1880, 1885) gestellt war, i'irb diesmal in ihrem Ergebnis mehr als früher ai^- lenützt, indem man für die verschiedenen Teile des Reichs larstellen wird, woher deren Bevölkerung stammt, und zivar mit Unterscheioung von verschiedenen Altersklassen (unter 16 Jahren, 1630, 3050, 5070, 70 und mehr) Md unter näherer Spezialisierung der Herkunftsgebiete, bandelt es sich bei diesen letzteren Nachweisen um die, Feststellung, in welchem Maß' und in welcher Richtung definitive Abwanderungen sich vollziehen, so will eine andere, zum erstenmal von Reichswegen gestellte Frage ]i genaueren Aufschluß über die Beziehungen des Wohn-und bc£i Beschäftigungsortes erbringen. Es wird nämlich bei den Volkszählung auch gefragt nach der Gemeinde, in der der Wohnort (Familienwohnsitz verheirateter Personen) be­legen ist, und nach der Gemeinde, in der der Berus zurzeit msgeübt wird, bezw. wo er zuletzt ausgeübt wurde. Die Ermittelung dieser Fälle, in denen der Ort der täglichen Beschäftigung vom Wohnort verschieden ist, hat besondere Dichtigkeit für die Verwaltungen der Großstädte und für jomstige Judustrieorte, die damit ihre wirtschaftlichen Be- m hunqen zu dem umliegenden Land klargelegt erhalten. Ti»e ausgearbeiteten Nachweise werden willkommene Unter- laaett Bieten für die Fragen über Verbesserung der kerkebrs und Wohnungsverhaltnisie. Aus­dehnung der Nahversehrszonen und die x ü e u e r v c r s ch i e b n n g zwischen den Gemeinden und ft« Fragen über die sittlichen Verhältnisse der sink- luiierenden Bevölkerung. .. , ~ ..,f

Der Nutzen, der auf diese Werse von der Volkszählung zu erwarten ist, erfährt noch dadurch eine Erweiterung, daß maan bei der Bearbeitung der Volkszählung ev nicht bei ien Feststellung der auf das Individuum bezüglichen ^.hat- süMen bewenden läßt, sondern auch die Haushaltung, dieses unterste soziale Gebilde, belfer zur ®eltung bringt Wl, Umfang und Zusammensetzung der drei Artm von mushaltungen Familien-, Einzel- und Anstaltshaus-

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Haltungen wird ersichtlich werden. Insbesondere sollen die Familienhaushaltungen spezialisiert werden nach Haus­haltungen mit 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11 und mehr Per­sonen und für jede einzelne Gruppe neben der Zahl der Personen die Familienangehörigen im engeren Sinne, die häuslichen Dienstboten und sonstige Personen zum Nach­weis gelangen. Auch sind Schritte eingeleitet, die dar­auf abzielen, gewisse Verhältnisse der Bevölkerung, Wohn­ungen und Grundstücke für einige Großstädte, z. B. Berlin, Frankfurt a. M., nicht bloß in Beschränkung auf das Weichl- bild der Stadt, sondern im Zusammenhang mit den Vor­orten, die mit ihnen ein wirtschaftliches und soziales Ganze bilden, festzustellen. Das betreffende Material wird für diese Fragen der Kommnnalverwaltung sich als zweck­dienlich erweisen. . . ,

Im Interesse der Durchführung der Volkszählung ser noch darauf hingewiesen, daß nach ausdrücklicher Bundes­ratsvorschrift für die bei der Zählung über die Persön­lichkeit des Einzelnen gewonnenen Nachrichten das Amts­geheimnis verhängt ist. Alle diese Nachrichten dürfen nur zu statistischen Zusammenstellungen, nicht aber zu anderen Zwecken benutzt werden. Demgemäß werden die Daten über die einzelnen Personen weoer veröffentlicht, noch an andere Stellen hin, auch nicht an Behörden mitgeteilt. Die Hausverwaltungsverzeichnisse und Zählkarten werden nach beendigter Auszählung eingestampst.________________

Der Krieg in China.

Es ist leider kein Zweifel mehr möglich, daß der Oberst G r a f Y o r k v. W a r t e n b u r g auf dem Rückmärsche von Kalgan durch Einatmen von Kohlenoxydgas während der Nacht erstickt ist. Damit hat ein preußischer Offizier sein Ende vorzeitig erreicht, der zu den tüchtigsten uild hervorragendsten Offizieren der Armee zählte. Ein Enkel des berühmten preußischen Feldmarschalls, hat eine rasche und glänzende Laufbahn im preußischen Generalstab zurück­gelegt. Er galt als einer der gelehrtesten Offiziere, und sein zweibändiges Werk über Napoleon als Feldherr kann als mustergiltig bezeichnet werden. Noch vor Jahresfrist hat er eine Schrift herausgegeben, in der er das Vor­dringen der russischen Macht in Asien und die gegenseitigen Interessen und Aussichten Rußlands und Englands im Kampfe um Indien geistreich und überzeugend darlegte. Auch hat er 90 Bismarckbildnisse in einem Prachtwerke ver­einigt, um auch für die äußere Erscheinung des ersten deutschen Reichskanzlers eine urkundlich sichere Grundlage der Nachwelt zu überliefern. Einen großen Teil seiner militärischen Dienstzeit hat Graf York im Auslande ver­bracht, indem er von 1885 bis 1888 als Generalstabs­offizier zur Botschaft in Wien und von 1888 bis 1892 zur Botschaft in Petersburg als Militärattache kommandiert war. Nachdem er dann kurze Zeit als etatsmäßiger Stabs­offizier im Leib-Mrassier-Regiment und als Kommandeur der 15. Ulanen in Straßburg Frontdienst gethan hatte, kehrte er 1896 in den Großen Generalstab, und zwar als Chef der ersten Abteilung zurück. Im August dieses Jahres wurde er als Generalstabsossizier dem Oberkom­mando in Ostasien beigegeben. Es war ihm noch be- schieden, die ihm unterstellten Truppen auf der jüngsten großen Expedition nach Kalgan zu führen. Jetzt hat ihn in so trauriger und beklagenswerter Weise im Schlafe der Tod erreicht. Graf York ragte an Körpergröße weit über den großen Haufen empor.. Er ist erst im Laufe dieses Sommers 50 Jahre alt geworden und war seit elf Jahren mit einer esth ländisch en Dame in kinderloser Ehe ver­heiratet. Seine Mutter ist die Tochter des früheren Ge­neral-Direktors der königlichen Museen, v. Olfers.

Graf Waldersee meldet vom 29. November: Die aus Kalgan zurückkehrenbe Kolonne setzt morgen unter bem Kommando des Generals Gayl den Rückweg von Tschatao fort. Der Gesundheitszustand der Expedition ist fort­gesetzt gut.

DieAgenzia Stefani" meldet aus Peking vom 29. November: Nach dem Tode des Grafen York über­nahm bas Kommando über die deutsch-italienische Kolonne in Kalgan Oberstleutnant Salsa. Die Kolonne dürfte am 3. Dezember in Peking eintreffen.

DerReichSanz." bringt Verlustliste Nr. 4. In dem Gefecht bei Tsekingkwan am 29. Oktober wurde Major v. Förster leichtverwundet und dreiSoldaten ge­tötet. An Krankheiten sind gestorben: Hauptmann Henel v. Cronenthal und 22 Unteroffiziere und Mannschaften. Ein Kanonier wird vermißt.

Man meldet aus Schanghai: Am 12. Dezember wirb