Ausgabe 
2.10.1900 Zweites Blatt
 
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Die Wirren in China.

Das Pariser Blatt derFigaro" bespricht dieChina - Deutschlands und kommt, nachdem er aus- gefuhrt, die Rolle, die Deutschland spiele, werde Überall etwas mißtrauisch angesehen, zu dem Schlüsse, daß Ole Ausgaben und Truppensendungen den Eindruck pachten, daß Deutschland ü b e r P r o j e k t e, die es Leute ^sflärell emgesteht, hinausgehen könnte. Auf dieser 5. »Ajj 9 e _n Bahn werde ihm niemand folgen. Deutschland habe nach der Ermordung v. Kettelers gewiß eine besondere Stellung China gegenüber, aber das .seien Je i n e A ngelegenheitcn, nicht die der europäischen Gesamtheit. ' '

uni d er das .Seinige ithut, urnj es W stören und zwischen beiden Staaten Mißtrauen zu säen. Nur tritt diese Absicht hier so start und unverkennbar hervor, daß sie sofort erkannt wird ^und überall den Eindruck verfehlen muß den ^.i-yung-Tschang Hervorrufen will. Er begeht auch den taktischen Fehler, gleich'zu viel ,Umstünde und Vorgänge ^Bewerfe des Antagonismus zwischen Deutschland und Rußland heranzuziehen; hätte er sich mit einer Angabe begnügt, so würde er bei harmlosen uiid schlecht unter­richteten Gemütern vielleicht bis zu einem gewissen Grade Glauben gefunden haben. Da er aber gleich künstliche durchsickstch löirb die ganze Sache doch gar zu

DemStandard" wird aus Shanghai den 27. Sep­tember telegraphiert: Hiesige chinesische Beamte behaupten Rußland verspreche China, Geldmittel vor- zustrecken zur Rückzahlung der englischen An- lerhe. In Shanghai weiß man viel, wenn der Tag lang ist. Aus allerlei offen zutage liegenden Gründen kann dieses Gerücht ohne weiteres in das Reich der Fabeln verwiesen werden.

WNHelm verlieh dem Höchstkomman- dierenden der an den Gefechten von Taku und Tientsin rnMs!?^nrnLernationalen Truppendetachements, dem M ^neralmaior v. S t ö s s e l, den R o t e ir A d l e r- e mit dem Stern und Schwertern:

^as PetersburgerAmtsblatt" veröffentlicht eine rn der die Blättermeldung, daß Rußland die iddHp hurrf L^^dktiert habe oder annektieren wolle, als durchaus der Begründung entbehrend ^b^lchuet wird. Die Note fügt hinzu, daß die bisher auf kaiserlichen Befehl publizierten Noten die öffentliche Mein­ung über die Haltung Rußlands in der chinesischen An­gelegenheit und insbesondere in Betreff der Mandschurei, genügend aufgeklärt haben.

Der vom russischen Generäl Reweuvenkampf am 22', September besetzte Ort Girin ist der Hauptpunkt des reichsten und fruchtbarsten Teiles der Mandschurei, das Centrum des mandschurischen Handels. Girin hat eine große Gewehr- und Pulverfabrik. Mit der Besetzung von ®mn bumste der mandschurische Feldzug endgiltig abgeschlossen fein. Der Schiffskapitän DobrovolSki, der hervorragenden Anteil an der Schlacht bei Taku ge­nommen hat, berichtet über die glänzenden militärischen Leistungen der Japaner, zugleich aber über ihre Grausam­keit selbst waffenlosen Chinesen gegenüber. DobrovolSki er­zählt, daß in Tientsin die Japaner sofort alle Kreditinsti­tute und Pfandämter besetzten, indem sie den Russen die Arsenale überließen. Der allgemeine Aufstand sollte dem Plane der chinesischen Regierung gemäß erst im September proklamiert werden. Die Boxer konnten jedoch ihre Unge­duld nicht zähmen, und schlugen los. Sie haben dadurch ihre Niederwerfung wesentlich erleichtert. Rußlands Auf­gabe betrachtet DobrovolSki als erfüllt.

Die Kopflosigkeit, die in den leitenden chinesischen Regierungskreisen herrscht, und die schon oft in den widerspruchsvollen, erst in aller kürzester Zeit selbst wider- rufenen Edikten Ausdruck gefunden hat, findet eine be- zeichnende und komische Illustration in einer Mitteilung desJournal deShangha i". Danach erhielt der B i - zekorng der Provinz, in der diese Stadt belegen ist w einer einzigen Woche vier kaiserliche Edikte zugestelltz Das eine kündigte seine Verurteilung zum Tode wegen seiner verdächtigen Haltung den Europäern gegen­über an, das zweite verlieh ihm eine Hohe Auszeich --

9 wegen seiner diplomatischen Geschicklichkeit, das te meldet ihm die bevorstehende Ankunft des kaiser­lichen Kommissars und drohte ihm Degradierung Mi und das vierte versicherte ihn der öulb und des Vertrauens des Kaisers.

«amerikanische Konsul in Dhanghar hat dem Staats­departement Mitgeteilt, daß Prinz Tsching ihm ein des Kaisers und der Kaiserin, datiert den 25. Septem- ^er/ öorgelegt habe, in dem die Minister, die die Borer unterstützt haben, getadelt werden. Vier Prinzen L^ degradiert und dem Prinzen Tuan seine ?^uge sowie feine Dienerschaft entzogen wor- I JS* Tua " werde von einem aus Mitgliedern des SlrhpTC$en ^a.uIe§ bestehenden Gerichtshof abgeurteilt mrfSoldHen^^sfs Dekret bezieht sich wohl in Wahrheit 1 die gegen die Boxer gekämpft haben.

. geheimen Gesellschaften im Yangtse - Gebiete ^bhmen immer mehr zu. 5000 Schwarzflaggen kehren mach 5)05 beutsche Geschwader bleibt wahrscheim iiu) in ^grpisu.

Nach einem Telegramm desNew York Herald" aus Zerkautet aus zuverlässiger chinesischer Quelle saß die den Ausländern freundlich gesinnten Vize-

1 9L..,ber üblichen Provinzen, Liukunyi, I Tschangschitung und Yuanschikai, in einer an den Thron I Serlchteten Denkschrift gegen den Prinzen Tuan und

Ermngli und Tungfuhsiang schwere Anklagen I v J-Un?.fe^iaÜ.S bat noch immer den Oberbefehl

Gruppen. -Das amerikani s che Staatsdepartement ließ dem Kaiser von China durch seinen Kesandten in Peking benachrichtigen, daß es die Er - I «roßendes 5Um Präsidenten des

cht billige und erwarte, daß sie rück- I Der amerikanische Gesandte dn I verständigte das Staatsdepartement, daß die I *11 f JR e g I e r u n g wahrscheinlich betreffs der I Weüeren Behandlung der China-Politik Hand in Hand I gehen werde mit der Unions-Regierung I

Journal" erzählt, der Kaiser von a p a n werde bei seiner Europa-Reise der englischen 'I»^^ol9enden Vorschlag bezüglich der chinesischen Angelegenheit unterbreiten: Privilegium Ruß - L0? a ?be/11 Meinet, Besitzergrei fung Koreas seitens Japans, Überlassung der Provinz ohantung an Deutschland und des Yangtse-! Thales an England, Abtretung der Sangsun- [ V n nnb ber Provinz Y u e N a N an Fr a N k- I ber Provinz Petschili und Peking an me Vereinigten Staaten. Die Zusage der letzteren I bei bberm$räHhPn?9e^Mbe @i(?9e b^r Republikaner

Präsidentenwahl abhangen.Dailv Mail" I : Das japanische Ministerium hat demissioniert. Marquis Ito, der voraus- | rT ^^en Kabinett präsidieren wird, ist ein I ^/^Aufteilung Chinas. '

DerStandard" meldet aus Tientsin, daß eine Zu - ! Lir^rm2hUnft zwischen Graf Waldersee dem Ad- ^ft-ndenUnb bem General Chaffee statt- I

ist in Peking eingetrossen (?).

Wirte Tfb*rb ?U£S gemeldet wird, er- I

^rke ^7'^vg-Tschang tn einer Unterredung, der Grund | be§ russischen Admirals Alexeje w, nach Port Arthur I |U gehen, sei in dem Wunsche zu suchen, eine Zusammen- I fünft mit dem Grafen Waldersee zu vermeiden- I ferner bemerkte er, daß aus seinen Rat die Chinesen' Lutai geräumt hatten, da die Russen versprochen hott I daß sie nicht weiter als 8 Kilometer von Ta n a s ch a u vorrucken würden. Die dortigen Gruben, so hob Li bervor seien emer deutschen Bank hypothekarisch verpsändet wori : den; sollten die Russen Tangschau besetzlu, so würde ^°es -re Angelegenheiten zwischen Deutschland und Rußland verwickeln, und außerdem die Zerstörung der englischen 'Eisenbahnarbeiten zur Folge haben. Es ist ja ganz verständlich, daß Li-Hung-Tschang von seinem Standpunkte aus ein befriedigendes Einvernehmen zwischen Rußland And Deutschland nur mit ungünstigen Augen sehen kann i

I m r3u ber Mitteilung derTimes", der russische I Gesan dte habe die Kaiserin von China a ufge- | ! 0 r der t , nach Peking zurückzukehren, schreibt das^ I |e^e Blatt, Deutschland habe gegen diese Verhand- I lungen mit der Kaiserin nichts einzuwenden und | werde auch auf einer Bestrafung derselben nicht bestehen, solange nicht durch ihr Verhalten der vollgültige Beweis | erbracht sei, daß sie sich auch jetzt noch mit den ver- | vrecherischen Großmandarinen aus ihrer Umgebung identi- | uziere und dadurch für jetzt und die Zukunft die Ver- | antwortung für ihre Thateu übernimmt.

| . Ein Telegramm derNew York-Times" aus Washing- | ton besagt, wenn der Einspruch der Vereinigten Staaten I gegen die Ernennung des Prinzen Tuan zum -Präsidenten I oes 2-taatsrats unberücksichtigt bleibe und Tuan in dieser I Stellung belasten werde, würden die Vereinigten Staaten es ablehnen, mit China in Verhand­lungen zu treten, es sei denn, daß Gewähr dafür ge- | 9^ben werde, daß das Verhalten der chinesischen Friedens- | Unterhändler nicht der Zensur des Kaisers unterliegen I o.sw- Nach Ansichtunterrichteter" Kreise wird Dem­nächst eine amerikanische Note an die in China be- WUigten Mächte erwartet. Diese Note wird sich vor-!

I aussichtlich mit der angeblichen Aufteilung Chinas I bezw. mit den etwaigen Grenzveränderungen in Ostasien I befassen. Man glaubt ferner in amerikanischen Kreisen i | daß England diese bevorstehende amerikanische Note ab- warten wird, ehe es eine definitive Antwort puf die Note des Grafen Bülow giebt. In Berlinermaßgebenden" .Kreisen erklärt man die Verzögerung der engli­sch e n A n t w o r t mit der Langsamkeit der telegraphischen Verbindung mit Peking, woher die englische Regierung noch Mitteilungen erwartet. Für die Langsamkeit dieser Verbindung spricht auch die Thatsache, daß noch immer I feine Meldung über die Ankunft des Feldmarschalls Grafen Waldersee in Tientsin vorliegt, obwohl die- I selbe nach Berechnungen bereits vor drei oder vier Tagen I erfolgt fein muß.

Rach einer Meldung aus Schantung hat General Mey- I I kungyi auf Befehl des Gouverneurs Yuanschikai die Boxer I aus Schantung vertrieben und verfolgt sie nach Tschili. I 3n Shanghai sind Berichte über Einzelheiten der | Flucht des chinesischen Hofes aus Peking einge- I lausen. Hiernach soll die Kaiserin-Regentin von ihrer tk'm- 1 gebung über die wahre Sachlage fortwährend getäuscht | worden sein. Während die Verbündeten schon im Vor- | warsche auf Peking begriffen waren, wurden ihr täglich | un.9en "ber chinesische Siege gemacht, so daß sie, | steh in Sicherheit wähnend, ruhig im Palaste blieb. Erst | als die Verbündeten bereits in die Stadt leinrückten, I sloh sie am 15. August, begleitet vom Kaiser, in wilder | Hast aus der Kaiserstadt. Beide trugen baumwollene Ge- I wänder und reiften unter großen Entbehrungen. Drei | Tage lang waren sie ausschließlich auf Hirse als Nahrung | angewiesen und schliefen auf nacktem Lehmfoden in un- | sauberen Herbergen.

DerMorning Post" wird aus Peking telegraphiert: I Französische Truppen machten auf einem Streifzuge | in der Umgebung von Peking 200 Boxer zu Ge- ! fangenen. Dieselben werden vor ein Kriegsgericht ge- | stellt werden.Daily News" berichten aus Nanking, | daß dort große Not herrsche; 20 000 Arbeiter jeien ! brotlos. Ein französisches Bataillon, das von Peking I aufgebrochen war, besetzte Lukutiao und Tschang- I fintien auf der Linie nach Paotingfu.

Zur Abberufung des Taotai von Shanghai! und seine Ersetzung durch einen deutschfeindlichen Nach- | folger gab der Vizekönig von Nanking die Erklärung ab, | daß dieser Personenwechsel vorläufig nicht wirksam werden | würde. Der Vizekönig fügte hinzu, er werde nach Ein- | treffen der Urkunden mit den Konsuln in Verbindung | treten. Da diese Urkunden sobald wohl nicht eintreffen j dürften, darf angenommen werden, daß diese ganze Ange- | legenheit ad calendas graeeas vertagt ist.

Ein Telegramm vom 25. ds. meldet: Wie ein Bote j berichtet, wurden 13 schwedische Missionare im l Rorden der Provinz Schansi ermordet.

Die Ermordung des belgischen Oberstleutnants!' Fire in Nordchina wird bestätigt.

Der Seesoldat Karl S t a ch o w i a k vom ersten deut- | schen Seebataillon ist in Peking an der Ruhr gestorben. I

W' s'w' - »« M. -.. w,

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=*,*< >- rÄx, ssts».,? lÄÄta*n

a) von der Dlstrikts-Emnehmerei Gießen I die Pensionen der in Gießen wohnenden Invaliden: ' 9 1 ausbezahlt.

b) von der DistriktS-Einnehmerei Gießen II die übrigen ständigen Bezüge.

in E«pf^?'k/nchm-nVn^zu°d7-°n "" 6ei bcR (Unt°r°rh°bst-ll°n ober Distrik.s-Einnehmereien),

Gießen, den 28. September 1900.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

___ v. Bechtold.

? » *

Telegramme des Gieherrer Anzeigers.

I Berlin, 1. Oktober. Aus Paris wird gemeldet, | bccMalin" bringe eine offenbar inspirierte Note, I wornach nach einem eifrigen Meinungsaustausch | Zwischen den Kabinetten in Paris, Berlin und | Pet.er^burg jetzt jede, selbst die kleinste MeinungSver-- j schledenheit zwischen Frankreich, Deutschland und Rußland I beseitigt erscheine. Rußland habe eingewilligt, seine ge-> | samten Truppen solange in Peking zu belaffen, wie eS die Umstände erheischen. Dafür habe Deutschland zugegeben, | daß die Bestrafung der Schuldigen zwar eine Hauptfrage I fei, daß es aber unnötig fei, aus ihr eine Vorbedingung I den Eintritt in die Verhandlungen mit China zu

I Loudon, 1. Oktober. Wie demDaily Mail" aus

j Schanghai gemeldet wird, weigern sich die franzö- I fischen, russischen und amerikanischen Ossi- | Zlere, sich unter den Oberbefehl des Grasen I Waldersee zu stellen, so lange noch keine kriegerischen Operationen eingeleitet sind.

Loudon, 1. Oktober. Aus Schanghai wird gemeldet, daß morgen zwei bedeutende Expeditionen von dort ab--- gehen. Man erwartet eine Reihe wichtiger Gefechte.

London, 1. Oktober. Aus Taku wird unter dem 29. September gemeldet: Li-Hung-Tschang befindet sich noch immer in Tientsin. Er ist unwohl. In einem Jnterwiew erklärte er, daß er mit allen Kräften gegen | einen Angriff aus die Befestigungen von Peitang protestieren würde. Er glaube, daß die Nnt erhand lung en zu einem guten Resultate führen würden unter der Bedingung^ daß folgende drei Punkte anerkannt würden: 1. Ernennung eines chinesischen Staatsmannes für den Posten eines Re­genten mit der Mission, die kaiserliche Autorität wieder, herzustellen, 2. Enthaltung von jeder agressiven Aktion seitens der Großmächte, 3. Entsendung einer fliegenden Kolonne nach Tsi-Nan Fu, um die Kaiserin und den Kaiser nach Peking zurückzusühren.

Washington, 1. Oktober. Die Regierung erklärt, Oesterreich und Italien allein hätten der Bülow'schen Note ohne Rückhalt zugestimmt. Die Antworten Eng­lands, Rußlands und Frankreichs seien in dem­selben Sinne abgefaßt, wie die der Vereinigten Staaten. Japan ist im Prinzip mit Deutschland einverstanden,, aber es hält ebenso wie die Vereinigten Staaten den von Deutschland vorgeschlagenen Weg für undurch­führbar.

Schanghai, 1. Oktober. Der Kaiser von China hat an den Zaren ein Schreiben gerichtet, in dem er ihm für sein Versprechen, Peking zu räumen, seinen Dank aus- spricht und um dessen Beistand im Laufe der Friedens­unterhandlungen bittet. Der Kaiser hat ferner ein Schreiben an den Mikado gerichtet, worin er sein Bedauern über die Ermordung des Sekretärs der japanischen Gesandtschaft ausspricht. Der Kaiser fügt hinzu, daß er ein feierliches Leichenbegängnis in Peking veranstalten und zu diesem Zwecke 5000 Taels zur Verfügung stellen wird.

Der Krieg irr Südafrika.

Vor wenigen Tagen versuchte ein Burenkommando unter Erasmus die Bahnstation Elandsriver öst-