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Deutsches Keich.

Berlin, 30. April. Aus Donaueschingen wird heute gemeldet: Der Kaiser begab sich am Samstag vor

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Pulverfabrik von Begbie sind nach einer Reutermeldung, I im ganzen 30 Personen getötet und 54 verletzt worden. I Die von der Regierung entsandten technischen Sachverstän- I digen sind davon überzeugt, daß die Explosion böswillig I verursacht worden, und daß der angewandte Sprengstoff I Dynatnit oder Nitroglycerin gewesen sei. Ein unterttdi^ I scher Gang, welcher von einem unbewohnten Hause bis I zu dem Orte gegraben war, wo die erste Explosion statt- I fand, ist entdeckt worden. Der Eisenbahnverkehr nach der I Delagoabai ist unterbrochen worden, um das Entkommen I Verdächtiger zu verhindern. Unter den Verhafteten be- I findet sich der Sohn der Chefs des Hauses Begbie, William I Begbie. Die für seine vorläufige Haftentlassung angebo- I tene Kaution wurde abgelehnt. Nach der Londoner I Daily Mail" ist auch der Besitzer der Fabrik Begbie, ein I Engländer, verhaftet und des Mordes angeklagt worden. I Er steht im Verdacht, selbst die Explosion der Fabrik, die | 80000 Pfund Wert hat, veranlaßt zu haben, um sich dafür I zu rächen, daß er gezwungen worden war, Munition für I den Feind seines Landes herzustellen. Einige Arbeiter I sollen eine elektrische Vorrichtung gefunden haben, mittelst I deren Nitroglycerin entzündet wurde.

Der deutsche ReichspostdampferHerzog" traf in I Lourenco Marquez am 29. d. M. mit 250 Passagieren für Transvaal ein, darunter 40 Personen des Roten | Kreuzes und dem Direktor der Dynamitfabrik Philip. I DerHerzog" hat 3000 Tonnen Fracht, darunter eine I Menge Maschinen. Der Korrespondent derDaily Mail" | fügt hinzu, das Schiff verdiene überwacht zu werden.

*

Telegramme deS Gietzeuer Anzeigers.

London, 1. Mai. AuS Thabanchu wurde Sonntag­abend 6i/t Uhr telegraphiert: Der Feind hat sich nicht weit zurückgezogen. Die Buren stehen noch in an­sehnlicher Zahl im Norden und Osten. Ihre Flanken sind durch Artillerie gedeckt. Den größeren Teil des heutigen Tags über beschossen die Engländer die Buren, während die berittene Artillerie vorrückte. General Dewet machte den Versuch, den östlichen Flügel der Engländer zu umgehen, aber die Kavallerie vereitelte den Versuch. General French führt hier den Oberbefehl.

London, 1. Mai. Aus Prätoria wird gemeldet: I General Botha ist zu seinen Truppen wieder zurück- | I gekehrt und hat den Befehl über die Burgers im Norden I des Sonntagsflusses übernommen. Als Antwort auf die I Explosion in der Geschoßfabrik in Johannesburg hat die I Transvaal-Regierung ein Dekret erlassen, in dem alle I britischen Unterthanen aufgefordert werden, I innerhalb 48 Stunden Transvaal zu verlassen.

London, 1. Mai. Die heutigen Morgenblätter drücken I ihre Verwunderung aus über die hartnäckige Ver- I teidigung der Buren bei Thabanchu. Der Nach­folger des Obersten Villebois, ebenfalls ein fran- I zösischer Offizier namens Ducaine, ist von den Englän- I dern in einem Gefecht in der Nähe von Kimberley ge- I fangen genommen worden. Ein Telegramm aus St. I Helena berichtet, daß ein gefangener Bure, der einen I Fluchtversuch unternahm, von dem Wachtposten erschossen I wurde.

London, 1. Mai. Aus Kapstadt wird berichtet, daß I sich Jameson vom Typhus erholt hat und als Par- I lamentskandidat für Kimberley in Aussicht ge- I nommen wird.

London, 1. Mai. Ein Telegramm aus Fourteen- | stream berichtet, daß die Engländer die Beschießung I der Burenstellungen fortsetzeü.

Loudon, 1. Mai.Daily MaiU' meldet aus Lissabon: I Ein Freiwilligenkorps wird augenblicklich hier ge- I bildet, welches Dienste bei den Buren nehmen wird.

Loudon, 1. Mai. Aus St. Helena wird gemeldet: I General Cronj e empfing die Erlaubnis dem Gottesdienste I beizuwohnen. Er wurde bei seinem Erscheinen von seinen I Mitgefangenen aufs ehrfurchtsvollste begrüßt.

Brüssel, 1. Mai. Hier wird das baldige Ende des I Krieges vorausgesehen. Falls die Washingtoner-

Reise der Burengesandtschaft fehl schlägt, soll die Gesandtschaft entschlossen sein, zum Frieden zu raten, I weil ohne eine Intervention der Großmächte der Wider- I stand nutzlos sei.

Washington, 1. Mai. Der Senat verwarf mit 29 I gegen 20 Stimmen die Annahme eines Sympathie­beschlusses zugunsten der Buren.

6 Uhr abends zur Au e r h a h n j a g d nach Sankt Georgen. An dem darauf folgenden Essen nahmen außer dem kaiser-r lichen Gefolge Prinz Max von Baden, Fürst zu Fürstender^ sowie Prinz Reuß teil. Gestern früh 3 Uhr fuhr der Kaiser abermals nach den Balzplätzen und kehrte von dort um 6 Uhr nach Donaueschingen zurück. Gegen 11 Uhr vor­mittags wohnte der Kaiser dem Gottesdienste in der evan­gelischen Stadtkirche bei und begab sich gegen 6 Uhr abendsj zur Auerhahnjagd nach Friedenweiler. Der Kaiser schenkte der Fürstin von Fürstenberg ein Armband mit sei­nem Miniaturporträt aus Elfenbein mit Brillanten und dem Fürsten seine Miniaturstatuette in Bronze in der Uniform der Gardes du corps. In St. Georgen erlegte der Kaiser einen Auerhahn. Am Montagabend wird der Kaiser abreisen. Die Ankunft des Kaisers in C r o n b e r & zupp Besuche der Kaiserin Friedrich erfolgt morgen vormittag 9 Uhr in Begleitung seines gesamten Jagd­gefolges. Falls es die Zeit erlaubt, wird die-Kaiserin ihren. Gast nach dem nahe gelegenen Landorte Kronthal ge­leiten zwecks Besichtigung der Mineralquellen sowie an^ derer Sehenswürdigkeiten.

Wie derPost" zufolge verlautet, wird der Kaiser auch in diesem Jahre einen Ausflug nach Essen unter­nehmen, um dem Geheimrat Krupp auf VillaHügel" einen etwa zweitägigen Besuch abzustatten. Der Zeitpunkt dieser Reise ist noch nicht festgesetzt, doch soll sie kurz vor Antritt der Nordlandreise erfolgen.

DieNordd. Allgem. Ztg." teilt heute abend das Programm der Feierlichkeiten anläßlich der An­wesenheit des Kaisers von Oe st erreich und der Großjährigkeitsfeier des Kronprinzen mit. Darnach wird Kaiser Franz Josef am 4. Mai in Frankfurt a. O. gegen 8 Uhr vormittags und in Berlin auf dem Potsdamer Bahnhof um 10 Uhr Vormittags eintreffen. In Frankfurt a. O. findet großer Empfang statt. Eine (Hrenkompagnie vom Leib-Grenadier-Regiment König Friedrich Wilhelm III. wird mit Fahne und Regiments- musik aus dem Bahnsteige Aufstellung nehmen. Bei der' Ankunft in Berlin wird d-er Kaiser von Oesterreich auf I dem Bahnhofe durch Kaiser Wilhelm empfangen werden. I Die hier anwesenden Prinzen des königlichen Hauses und I die § onstigen im Garoekorps dienenden und zurzeit bei I ihren Truppenteilen anwesenden Prinzen aus regierenden I deutschen Häusern, ferner das kaiserliche Hauptquartier und I die hier befindlichen Generale werden zugegen sein. Die I Leibkompagnie des ersten Garderegiments zu Fuß wird auf I dem Bahnsteige als Ehrenwache stehen. Die Leib-Eska- | dron des Regiments Gardes du Corps wird vor dem Bahn- I Hofe als Eskorte Aufstellung nehmen. Vom Potsdamer I Thor bis zum Schloß bilden Truppen der Garnisonen von I Berlin, Spandau und Charlottenburg Spalier. Die beiden I Kaiser fahren die Bellevuestraße und die Sieges-Alleee I entlang zum Brandenburger Thor, wo eine Begrüßung I durch die städtischen Behörden stattfinden wird. Alsdann I erfolgt die Weiterfahrt durch die Linden zum Königlichen I Schloß. Die im Lustgarten aufzustellende Leibbatteriedes I ersten Garde-Feld-Artilleriel-Regiments wird einen Salut I von 101 Schüssen abgeben. Am Schloß wird dann noch, I ein Vorbeimarsch der Garde-Regimenter: Kaiser Alexander, I Kaiser Franz und Königin Augusta erfolgen. Am 4. Mai> | abends halb 9 Uhr findet im Lustgarten großer Zapfen^ I streich der gesamten Spielleute und Musikkorps des ge- I samten Gardekorps statt. Am 5. Mai vormittags wird I eine Gefechtsübung mit Scharfschießen auf dem Truppen- I Übungsplätze Jüterbogk in Anwesenheit der beiden Kaiser I stattfinden. Ant 6. Mai vormittags findet die Großjährig- j keitserklärung und Eidesleistung des Kronprinzen statt. I Die Feier wird um 11 Uhr mit einem kurzen Gottes- I dienste in der hiesigen Schloßkapelle beginnen. In der I Begleitung des Kaisers werden hierzu erscheinen: die I Kaiserin, die kaiserlichen Kinder, die hier anwesenden Fürst- 1 lichkeiten, sowie die Mitglieder des Königlichen Hauses. I Außerdem werden u. a. zugegen sein: das kaiserliche Haupt- I quartier, die hier eintreffcnden Abordnungen fremdherr- I licher Regimenter und die hier anwesende Generalität. Nach I Beendigung des Gottesdienstes wird der Kronprinz den I Fahneneid leisten. Nach der Feier in der Schloßkapelle I findet im weißen Saale Gratulationscour statt. Bei Beginn j derselben wird die im Lustgarten stehende Leibbatterie des. I ersten Garde-Feld-ArtillerieMegiments einen Salut Don: I 21 Schüssen abgeben.

Aus der letzten Sitzung des Staats Mini st e- I riums erhält ein parlamentarischer Berichterstatter fol- I gende angeblich authentische Mitteilungen: Die Sitzung I hat von 3 Uhr nachmittags bis 7 Uhr abends gewährt. I Alle preußischen Staats minister, außer dem Fürsten Hohen - I lohe, Frhrn. v. Rheinbaben und Schönstedt, welch letzterer I durch den Unterstaatssekretär Dr. Nebe-Pflugstaedt ver- 1 treten war, und die Staatssekretäre bis auf Dr. Nleberdmg. waren erschienen. Auf der Tagesordnung standen die I Flotten Vorlage, das F l e r s ch be s ch a u g e s etz und I die vom Reichsrat des Innern ausgearbeitete Novellezum I Weingesetz. Nach eingehender Erörterung ent sch red

Der Krieg iu Südafrika.

Meldungen über Nachtrabsgefechte der nach Norden I abziehenden Buren sind die einzigen neuen Nachrichten, I die heute vom KriegStheater südöstlich von Bloemfontein I vorliegen. Ueber das Ergebnis dieser Kämpfe im einzelnen verlautet noch nichts. Es wird nur beispielsweise aus Maseru telegraphiert, daß am Samstag früh in der Richtung I von Thabanchu mehrere Stunden lang anhaltendes Feuer I gehört wurde, und daß die Hamilton'sche Kavallerie zehn I Meilen östlich von Thabanchu einen Kampf mit den quer- I selbem ziehenden Buren zu bestehen hatte. Die Kavallerie, I die zur Verfolgung der Burenkommandos ausgesandt wurde, I ist bereits wieder nach Bloemfontein zurückgekehrt, ohne I irgend etwas ausgerichtet zu haben. Ebenso ist einer I Meldung des Reuter'schen Bureaus zufolge die Division I Pole-Carew am Samstag wieder dort eingetroffen. Da [ gegen wollen die Engländer Thabanchu wegen seiner I strategischen Wichtigkeit weiterhin besetzt halten, namentlich | um künftigen Streifzügen der Buren entgegenzutreten. Aus aufgefangenen Briefen und anderen Quellen geht nach eng- I Uscher Angabe hervor, daß die Unterwerfung der Freistaat- I buten in zahlreichen Fällen gerade zu dem Zwecke geschah, I um jeden Augenblick die Feindseligkeiten wieder aufnehmen I und Streifzüge gegen die englischen Verbindungslinien aus- I führen zu können.

General French sandte zwei Kavallerie-Brigaden! mit dem Auftrage aus, von einander unabhängig einen I Aufklärungsritt um die östlich von Thabanchu gelegenen I Hügel auszuführen. Derselbe ergab, daß die Buren die | Hügel noch mit starker Macht besetzt halten;! offenbar bilden sie nur einen Nachtrab, da sie über keine | Transportwagen verfügen.

In nächster Zeit rechnet Lord Roberts auf einen ent- | scheidenden Zusammenstoß mit den Buren. Das geht aus | einer Reuternachricht aus Kapstadt hervor: Um für alle | Fälle Vorkehrungen zu treffen, sind Befehle gegeben worden, I alle Krankenhäuser zu räumen. Die derzeitigen I Insassen werden, sobald es ihr Zustand zuläßt, auf die I Hospitalschiffe gebracht werden.

Gegen die durch p o r tu g i e si s ch es Ge b i e t v o n Beira hervorrückenden Engländer ist nach einer Stan­dard-Meldung aus Durban der BureN-Kommandant Clare- port auf dem Marsche von den Biggarsbergen nach Ma - f e k i n g, um dem von Beira her kommenden englischen General Carrington entgegen zu treten. Den portu-. giesischen Neutralitätsbruch verurteilt die offiziöse Peters­burgerNowojeWremja" in scharfen Ausdrücken. Das Blatt weich'. auf die in dem Vertrage von 1891 enthaltene Bestimmung hin, nach welcher englischen Truppen der Durchmarsch durch portugiesisches Gebiet nur zur Vertei­digung von Rhodesia gestattet ist. Die Truppen Carring- | tons dürften sich mithin nur defensiv verhalten, andern- j Salls läge ein Vertragsbruch vor, ebenso wie bei einem! etwaigen Einmarsch in Transvaal. Aus demselben Grunde fei es ausgeschlossen, daß die Truppen den Entsatz Mafe- kings versuchten. .

Die Belagerung von Mafeking dauerte am 11. April volle sechs Monate. Ueber die Feier dieses Tages berichtet dieTimes" aus Mafeking vom 12. April: Die Buren feierten diesen Tag, indem sie heftig auf die Stadt feuerten Es wurde viel Materialschaden angerichtet, doch ist kein Verlust an Menschenleben zu beklagen. Auch Tags darauf setzten die Buren die Beschießung fort. Dann ver­suchten sie über die eingeborenen Vorposten herzufallen, welche das weidende Vieh bewachten. Die Eingeborenen warfen aber die angreifenden Buren zurück, nachdem sie sich bis auf eine Entfernung von 500 Yards genähert hatten. , ,

Die Stärke der Burentruppen betrug nach in Bloemfontein eingettoffenen, von feiten der Buren­regierung veröffentlichten Verlustlisten int Dezember v. I. 54 800 Mann, abgesehen von 5000 Aufständischen. Am, 13. März 1900 zählten die Burentruppen angeblich nur noch 26 500 Mann. Die Verluste der Buren bis zum 13. März stellten sich auf 6500 Gefangene, 8000 Tote und Verwundete. Es ist unaufgettärt, was aus den anderen fehlenden 14 000 Mann geworden ist. In dem amtlichen Berichte der Buren wird behauptet, diese seien nach ihrer Heimat zurückgekehrt. .

Unter den englischen Gefangenen in Pre­toria sind bedenkliche Krankheiten ausgebrochen.

Ueber Missethaten gegen Burenfrauen be­richtet dieTimes" aus Bloemfontein vom 27. April. Es haben sich mehrere Fälle ereignet, daß Kafferndienev holländische Frauen überfielen, die auf den Farmen ohne Schutz zurückgeblieben waren. Diese Verbrecher wurden^ wenn man ihrer habhaft werden konnte, sofort hmge-. richtet. , . .

Bei der Explosion in Johannesburg m der