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2.3.1900 Zweites Blatt
 
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Nr. 51 Zweites Blatt

Freitag den 2. März

1900

Meßmer Anzeiger

Heneral -"Anzeiger

Bezugspreis vierteljälirl. Mk. 2,21 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn i durch die Abholestello vierteljährl. Mk. 1,9< monatlich 65 Pfg.

Bei Postbezug Mk. 2,40 Vierteljahr! mit Bestellgeld.

Alle Anzeigen'BermittlungSstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.

W,,.h,e »en Anzeigen zu der nachmittag- für de« fstgmk t«8 erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Mtzestellungen spätesten- abend- vorher.

ErfchedU tägNch mit Ausnahme deS

Montags.

Die Gießener M«Wilie«-lttter »erden dem Anzeiger t* Wechsel mitHeff. 8e*timrr »Blätter Wr heg. Volkskunde- »Gchtl. 4 »«1 deigelegt.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kwis Giefzen.

WihWni, Expedition und Druckerei:

K4«kßraße Ar. 7.

GrÄisbeilagr«: Gießener Familienblätter, Der hessische Kandwirt, KlStter für hessfche Volkskunde.

Edreff« für Depeschen: Anzeiger Kietz«« Fernsprecher Nr. 51.

WM- Abonnements "WG auf den Gießener Anzeiger

für den Monat Mai; werden von allen Postanstalten, Zeitungsträgern und der Expedition, Schulstraße 7, sowie den Zweig- und Abholestellen, jederzeit cntgegengenommen.____________________

Amtlicher Teil.

Gießen, 22. Februar 1900.

Betr.: Den Artikel 21 deS Volksschulgesetzes.

Die

Großh. Kreis-Schulcommisfion Gießen

au die Schulvorstände des Kreises.

Wir beauftragen Sie, uns alsbald diejenigen Schüler oder Schülerinnen Ihrer Gemeindeschule anzugeben, auf welche rubr. Artikel Anwendung finden soll. Fehlberichte find nicht zu erstatten.

___________________v. Bechtold.___________________

Hroßfi Landes-Maugewerkschute Darmstadt.

Beginn des Sommersemesters am 23. April d. I. Dauer desselben 20 Wochen.

Die Schule umfaßt vier Klassen.

Das Schulgeld beträgt 60 Mark.

Programme und Anmeldeformulare sind durch die Direktion der Landes-Baugewerkschule, Darmstadt, Neckar- ftraße 3, zu erhalten.

Schluß der Anmeldefrist am 10. März.

Die Direktion.

Deutsches Reich.

Berlin, 28. Februar. Prinz Heinrich hat, wie demBerliner Tageblatt" aus Kiel telegraphiert wird, einen Erholungs-Urlaub auf die Dauer von sechs Monaten erhalten.

Wie derLokalanzeiger" berichtet, dauern die Ver­handlungen zwischen den Mehrheits-Parteien des Reichs­tages und den Vertretern der verbündetn Regierungen über die lex Heinze noch fort. Die Formulierung des so­genannten Theater-Paragraphen zur Beseitigung der von

Feuilleton.

Besteuerung der Luxusreisenden. Wie aus Bozen geschrieben wird, plant her Landesverband für Fremdenverkehr in Tirol die Einführung einer gleichmäßigen Besteuerung sämtlicher Luxusreisenden, die das Land Tirol besuchen, in der Weise, daß jeder Gast in dem Hotel oder Gasthof, wo er absteigt, eine kleine Meldetaxe zu erlegen haben wird. Selbstverständlich würden die Kurorte, in denen bereits eine Kurtaxe eingehoben wird, von dieser Be­steuerung befreit sein. Die zur Ausarbeitung eines ent­sprechenden Gesetzentwurfes notwendigen Konferenzen werden schon in den nächsten Tagen in Innsbruck stattfinden.

Wie Alexander Dumas d. I. Schriftsteller wurde.Diane de Lysdie soeben in Paris an der Comedio-Frangaise mit großem Erfolge wieder aufgeführt worden ist, war das zweite Stück, das Dumas schrieb. Es entstand im November des Jahres 1853. Der Roman, dm Dumas dem Stück zu Grunde legte, war zwei Jahre ttüher geschrieben. Bei Gelegenheit dieser in Paris Auf­sehen erregenden Neuaufführung erzählt Felix Duquesnel iv einem Pariser Blatt einige interessante Aeußerungen, die der Verfasser derKameliendame" über seine schrift­stellerische Thätigkeit im persönlichen Verkehr mit ihm ge­macht hat. Auf die Frage, wie er Schriftsteller geworden sei, ob er den inneren Drang dazu in sich verspürt habe, fing Dumas an zu lachen, mit dem herzlichen Lachen, das er seinen vertraulichen Mitteilungen vorauszuschicken pflegte.

den verbündeten Regierungen geltend gemachten Bedenken verursacht erhebliche Schwierigkeiten, mehr als ursprüng­lich angenommen wurde. Geeinigt hat man sich bisher nur über die Streichung des Arbeitgeber-Paragraphen, sowie die Hinaufsetzung der Schutzgrenze für unbescholtene Mädchen von 16 auf 18 Jahre und über die Wiederher­stellung des Paragraphen im Regierungs-Entwurf, wonach das Vermieten von Wohnungen an Prostituierte nach den gewöhnlichen Bestimmungen straflos sein soll.

Das Abgeordnetenhaus erledigte heute den Etat der Zentral-Genossenschaftskasse, desgleichen die restie- renden Teile des Justizetats und betreffend Umgestaltung des Gerichtsvollzieherwesens. Auf der morgigen Tages­ordnung steht der Eisenbahnetat.

DasBrliner Tageblatt" meldet aus London zu den K ä m p f e n v o r L a d v s m i t h : Der Eisenbahntunnel bei Amajuba ist unterminiert.

Dr. Lieber leidet, derGermania" zufolge, trotz einer langsam aber stetig fortschreitenden Besserung noch häufig unter Fieberanfällen. Selbst wenn alle Gefahr als ausgeschlossen betrachtet wird, dürsten doch immerhin noch einige Wochen vergehen, bis Dr. Lieber gesund und arbeits­fähig sein wird.

In der Budget-Kommission des. Reichstags erklärte heute ein Vertreter des Auswärtigen Amtes bei der Beratung des Etats dieses Ressorts, daß Spanien aus finanziellen Gründen seine Zölle erhöht habe, daß es aber Reklamationen entgegenkommend behandelt habe. Ferner führte Graf Bülow aus, das Auswärtige Amt sei zu der Ueberzeugung gelangt, daß eine Notwendigkeit zur Er­richtung deutscher Handelskammern im Auslande nicht vorliege. Auch sei es Thatsache, daß andere Länder mit einer ' solchen Einrichtung keine guten Erfahrungen ge­macht hätten.

Görlitz, 28. Februar. Das bereits erwartete Hoch­wasser ist eingetreten. Die Neisse ist 3.20 Meter ge­stiegen und steigt, da der Regen fortdauert, noch weiter. Aus Lauban inirb das Steigen des Queisflusses gemeldet. Das Queisthal ist bereits überschwemmt.

Fokales und Ursvinstrües.

(Anonyme Einsendungen, gleichviel welchen Inhaltes, werden grundsätzlich nicht ausgenommen.)

Gießen, den 1. März 1900.

* GeschichtSkalender. (Nachdruck verboten.) Vor 112 Jahren, em 2. März 1788, starb in feiner Vaterstadt Zürich der Dichter Salomon Gehn er. Seine in wohlklingmder Prosa geschriebenen Jtyllen sind kleine liebliche Geträlde, die sich durch Ausmalung auch des k'einsten Details auszeichnen. Seine Idyllen sind fast in alle europäischen Sprachen übersetzt worden. G. wurde am 1. April 1730 tn Zürich geboren.

** Versicherungsanstalt Großherzoglum Hesien. Wie der Darmst. Ztg." von auswärts mitgeteilt wird, beschloß der Ausschuß der Versicherungsanstalt Großherzogtum Hesien in seiner jüngsten, im HotelBritannia" abgehaltenen

Er beichtete gern, und empfand dabei das eigenartige Ver­gnügen der Menschen, die von einer Gefahr sprechen, der sie entronnen sind, und die sie nicht mehr fürchten.Meine Geschichte ist einfach," berichtete er.Es gab in meiner Jugend keine Übergangsperiode. Als ich mit 18 Jahren die Bänke des Gymnasiums verließ, ausgerüstet mit den Brocken des Wissens, die man Bildung nennt, habe ich mich in voller Freiheit in der Welt umhergeschlagen, und in was für einer Welt! Uebrigens war ich ziemlich schüch­tern ich bin es auch noch und sehr bescheiden in meinen Ansprüchen; ich hatte ordnungsmäßige Anschauungen, und wenn mich mein Vater in ein Ministerium oder eine Versicherungsgesellschaft hätte eintreten lassen, wäre ich ein vortrefflicher Bureauchef geworden. Dann wäre ich heute mit Auszeichnung abgegangen, in den Ruhestand getreten, und hätte dieKameliendame" nicht geschrieben. Es sollte anders kommen! Ich habe mich blenden lassen von dem geräuschvollen Leben meiner Umgebung. Ich bin der An­steckung erlegen und habe es im Schlendrian, in Gleich­giltigkeit, Müßiggang und eher aus Nachahmungstrieb als aus besonderem Geschmack daran wie die andern gemacht . . . . Nach Verlauf von fünf oder sechs Jahren dieses ein wenig liederlichen Lebens befand ich mich an einem sehr trüben Morgen fast ohne alle Hilfsmittel, denn auf meinen Vater konnte ich nicht rechnen, er hatte immer Schulden und verbrachte sein ganzes Leben zwischen zwei Gerichts­vollziehern. Nachdem ich nun mit der Exaktheit eines rui­nierten Kaufmanns die Bilanz gezogen hatte, konstatierte ich, während mir die Schamröte ans der Stirne stand denn

Sitzung, das ehemalige Palais S. G. H. des Prinzen Heinrich von Hessen um den Preis von 425 000 Mk. käuf­lich zu erwerben. Gleichzeitig wurden für bauliche Ver­änderungen des angekauften Palais 120 000 Mk. bewilligt. Die Lungenheilanstalt in Sandbach soll noch im Laufe dieses Jahres eröffnet werden. Der Ausschuß wählte zum AnstaltSarzt den Dr. med. Lipp in Reichelsheim.

** Von hessischen Behörden werden st e ck b r i e f 1 i ch> verfolgt: Dienstknecht Philipp Gabel aus Rechtenbach wegen Urkundenfälschung von Großh. Staatsanwaltschaft Gießen; Katharina Hildebrandt aus Frankfurt a. M. wegen gewerbsmäßiger Unzucht vom Großh. Amtsanwalt Darm­stadt I; Schlossergeselle Karl Gustav Hönninger aus Bremen wegen Diebstahls von der Polizeiverwaltnug Worms; Schuhmacher Johann Klee aus Atzbach wegen Bettelns vom Großh. Amtsanwalt zu Gießen; Steinhauergehilfe Johannes Knapp aus Unter-Abtsteinach wegen Körper­verletzung von Großh. Staatsanwaltschaft Darmstadt; Fabrikarbeiter und Taglöhner Eduard Marr aus Reichen­hausen wegen Diebstahls von Großh. Staatsanwaltschaft Darmstadt; Friedrich Rauch aus Kuselt, zuletzt in Offcn- bach, wegen Betrugs vom Großh. Amtsanwalt zu Offen­bach; Knecht Theodor Röder aus Eichelhain wegen Betrugs von Großh. Staatsanwaltschaft Gießen; Kaufmann Fritz Schäfer aus Worms wegen Diebstahls von dem Polizeiamt Mainz; Hausbursche Johann Heinrich Schäfer aus Nieder­haßlau wegen Diebstahls von der Polizeiverwaltung Offen­bach; ein Unbekannter, angeblich Mfergeselle Diehl aus Wonsheim, wegen Betrugs von dem Polizeiamt Mainz; ein Unbekannter, der im Besitze von auf stud. jur. Krasftug aus Klagenfurt lautenden Legitimationspapieren ist, wegen Betrugs vom Großh. Polizeiamt Gießen; Taglöhner Hein­rich Walter aus Gimbsheim, zuletzt in Worms, wegen Sttafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Worms..

§ Busenborn bei Schotten, 27. Februar. Unser Lehrer, Herr Reinhard Rau, erhielt vorige Woche ein Dekret an die mehrklassige Schule zu Heuchelheim, Kreis Gießen. Wir wünschen Herrn Rau in seinem neuen Wirkungskreise das beste Wohlergehen.

4- Crainfeld, 27. Februar. Die Erdarbeiten an dem Straßenbau CrainfeldOber-Moos haben seit einigen Wochen ihren Anfang genommen und schreiten rüstig vorwärts. Das zweite Stück geht von Bermuthshain aus.

XX Ren Ulrichstein, 1. März. Monats-Bericht der Arbeiter-Kolonie pro Februar 1900. Ende Februar 1900 befinden sich in der Kolonie stellen-, resp. arbeitslos insgesamt 64 Mann. Dieselben verteilen sich auf das Großherzogtum Hessen 12, Regierungsbezirk Kassel 7, Regierungsbezirk Wiesbaden 7, Provinz Rheiu- lande 7, Provinz Westfalen 1, Provinz Hannover 2, Pro« vinz Sachsen 2, Provinz Schlesien 3, Provinz Ostpreußen 2, Königreich Bayern 7, Königreich Württemberg 1, König­reich Sachsen 3, Großherzogtum Baden 3, thüringisch

vor Schulden habe ich immer ein Grauen verspürt daß meine Passiva 50 000 Frcs. überstiegen. Heute ist das nichts. Alles ist relativ; aber in jenen Tagen unter LouiS- Philippe war es enorm. So saß ich denn einsam auf einem Stuhl aus Strohgeflecht vor einem blanken Holztisch in einem schlecht möblierten Zimmer. Vor acht Tagen hatte man mich gepfändet. In der Schublade des Tisches lag ein Hause von Stempelpapieren und ein Heft mit weißem Papier, und, da ich kein anderes Handwerk hatte und nicht wußte, was ich thun sollte,machte" ich Sitteratur!" Das erste, was Dumas schrieb, der RomanDie Kamelien­dame", hatte großen Erfolg; aber das genügte nicht, um ihn aus der Verlegenheit zu ziehen. Er dramatisierte ihn zur Zerstreuung und auf den Rat eines alten Freundes". In acht Tagen waren die ersten beiden Akte fertig, und ich lernte bann die Wahrheit des berühmten Axioms kennen, das allen vom Theater nur zu wohl bekannt ist:Die Schwierigkeit ist nicht die, ein Stück zu schreiben, sondern es aufführen zu lassen." Drei Jahre spater wurdeDie Kameliendame" aufgeführt, die Dumas reich machte. Der Erfolg derDiane de Lys, die im Jahre 1853 aufgeführt wurde, war etwas geteilt. Aber die ,chronique scandaleuse1 konnte hier ihr Spiel treiben und trug nur dazu bei, Dumas noch mehr in Mode zu bringen. Allerhand Gerüchte waren im Umlauf über das persönliche Abenteuer Dumas', das. dem Stücke zu Grund liegen sollte, und man forschte dem weiter nach, trotzdem der wirkliche Roman schon über vier Jahre alt war. Man erzählte, daß Diane die Frau eines russischen Grandseigneur sei und daß dieser sie gewaltsam