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2.3.1900 Erstes Blatt
 
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Freitag den 2. März

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dauert der Krieg noch lange, so dürften wohl noch mehr Kapfreiwillige nach Ableistung ihrerDienstzeit" keim zu Muttern" wollen. 3 y 3

Der russische Staatsrat Bloch über den Trausvaalkrieg.

DerDaily Telegraph" veröffentlicht ein Interview seines Petersburger Mitarbeiters mit dem russischen Staats­rat Bloch, dem bekannten Friedensvorkämpfer. Ueber die Kriegführung in Südafrika äußerte sich Bloch folgender­maßen :

Ich muß zu meinem tiefen Bedauern wenn auch ohne Zögern gestehen, daß die tapfere britische Armee, die jetzt in Südafrika operiert, einem Problem gegenüber­steht, das weder sie selbst, noch irgend eine europäische Armee mit Erfolg lösen könnte. Die Hartnäckigkeit, mit der man dieses Problem durchaus lösen will, kann, wie mir scheint, die Lebensinteressen deS Reiches ernster schädigen, als die meisten Leute anzunehmen geneigt sind. Die mili­tärischen Schwierigkeiten sind so groß, daß alle Truppen, die jetzt in Südafrika operieren, sich als zu schwach er­weisen werden, um dauernde Erfolge zu erzielen und Pre­toria einzunehmen. Der Grund hierfür ist nicht in der Unfähigkeit der britischen Soldaten zu suchen, sondern in den Bedingungen, unter welchen der Krieg geführt werden muß. Oesterreich war vor 21 Jahren gezwungen, 260 000 Mann gegen 60 000 Bosniaken zu senden, und die Bos­niaken waren im Gegensatz zu den Buren schlecht genährt, schlecht ausgerüstet und arm, während die Oesterreicher im Gegensatz zu England ihre Hilfsmittel gleich bei der Hand hatten. Wie viel Leute braucht dann erst England, um das ganze Territorium der südafrikanischen Republiken an­zugreifen, einzunehmen und festzuhalten? Aber selbst, wenn Truppen in genügender Anzahl an die Grenze geschickt worden wären, um das Territorium anzugreifen, zweifle ich noch sehr daran, ob sie auch mit Erfolg die Eisenbahn gegen plötzliche Angriffe kleiner Abteilungen von Buren verteidigen könnten. Die Buren sind durch ihre Schnellig­keit der Bewegung fast allgegenwärtig. Und wenn einmal die Eisenbahnverbindung abgeschnitten wäre, so würde das Schwierigkeiten für die Beschaffung des Proviants, Krank­heiten und Lockerung der Disziplin unter den britischen Soldaten bedeuten. Als die Deutschen im Jahre 1870 mit Frankreich Krieg führten, da mußten sie ihre Flanke gegen die unorganisierten Scharen der Franctireurs ver­teidigen und mußten für diesen Zweck allein 150 000 Mann verwenden. Und doch war das Terrain von Frankreich keineswegs so gebirgig, wie das in Südafrika. Außerdem sind die britischen Berufssoldaten, wenn sie auch wunderbar trainiert sind, keineswegs daran gewöhnt, in unabhängigen, kleinen Gruppen zu kämpfen, und haben keine Er­fahrung in der Methode des Guerillakrieges. Man muß weiter bedenken, daß die britischen Berufssoldaten auf dem Felde kaum so abgehärtet sind, wie ihre Feinde. Sie sind an Bequemlichkeiten gewöhnt, die die Buren als höheren Luxus betrachten, und wenn das auch ein Zeichen höherer Kultur für die Briten ist, so bleibt es in Südafrika doch ein stark in Betracht kommender Nachteil. Und dann muß es noch einmal betont werden, daß die Buren selbst nach dem Einfall der Engländer in ihr Terri­torium nicht um Frieden nachsuchen werden. Ein hochorganisierter europäischer Staat würde vielleicht nachgeben; aber die Buren werden den Kampf so lange fortsetzen, bis alle ihre Hilfsmittel buchstäblich erschöpft sein werden. Wt anderen Worten: ich möchte sagen, daß Friede, soweit er von der Unterwerfung der Buren abhängt, kaum erhofft werden kann, bevor England noch ein Jahr lang große Opfer an Leuten und Geld ge­bracht haben wird. Und die Frage bleibt offen, ob der Krieg so lange dauern kann, ohne daß Verwickelungen mit dem Auslande Thür auf Thor geöffnet werden. Die aus­wärtigen Staaten werden mindestens den Versuch machen, sich auf Kosten Englands zu bereichern. Ihr könnt ganz sicher sein, daß eure Kolonieen nicht die Hauptstadt die Achillesferse sein werden, die Englands Feinde zu ver­wunden suchen werden. Das Gerede über die Möglichkeit von Angriffen auf London von feiten Frankreichs oder Deutschlands ist deshalb illusorisch. Feindliche Truppen in England zu landen, ohne sich zuerst der Herrschaft zur See bemächtigt zu haben, wäre für jede Macht ein Selbst­mord. Und wenn eine feindliche Macht sich wirklich der Herrschaft zur See bemächtigen könnte, dann wäre ein wirklicher Angriff nicht mehr notwendig, da sich die Hungers­not als ein rascherer und billigerer Bundesgenosse erweisen würde."

* Vom Kriegsschauplatz.

Die Gefangennahme Cronjes mit allen seinen Äruppen hat in England nicht nur großen Jubel h rvor- Etmftn, sondern auch Anlaß zu kühnen Betrachtungen über eine baldige Beendigung des Krieges gegeben. Mef< Erwartungen dürften sich als ebenso trügerisch er- tnrisen, wie die Hoffnung auf der anderen Seite, daß nun lttr Augenblick für eine Intervention zugunsten der Buren gifornmen sei. Die Engländer sind entschlossen, den Frieden in Pretoria zu diktieren, während die Buren von Transvaal noch immer davon überzeugt sind, daß sie sich ihri vollständige Unabhängigkeit erkämpfen können. Aus kiksem Gegensätze scheint sich die Notwendigkeit der Fort- sitzung des Kampfes zu ergeben. Wenn man nun Mh annimmt, daß schon das bloße numerische Uebergewicht schließlich den Engländern militärisch den Sieg ver­soffen wird, so ist damit doch noch nicht gesagt, daß dieser Elsolg auch denjenigen, welche den Krieg in frevelhafter Krise herbeigeführt haben, zugute kommen wird. Jeden- fM sind die Befürchtungen, welche in dieser Beziehung mszerhalb Englands hier und da an einen Sieg der eng- lnschen Waffen geknüpft werden, sehr übertrieben, wenn nicht i.1® großen Teil unbegründet.

Die große militärische Bedeutung der Gefangen- inchme Cronjes und seiner Truppen wird allge- uria auch außerhalb Englands anerkannt, doch kann man sich «och keine sichere Vorstellung davon machen, welche Lchvvierigkeiten sich nun noch dem Vormarsche des Lord Nab'erts auf Bloemfontein entgegeustellen, da nicht geringsten Mitteilungen darüber vorliegen, wie groß ÄiZahl der Buren-Truppen ist, welche im Laufe der lqie« Woche, während Cronje die ganze englische Armee « KoodooSrand Drift festhielt, in der Nähe von Bloem- sAeiin zusammengezogen worden sind. Eine gewisse Ent- i'^sctzung dürfte den Engländern die Feststellung bereiten, H SCronje mit weniger als 4000 Mann und nur 15 Ge-

* England im Siegesjubel.

Gießen, den 1. März 1900.

Daß nach all' den schweren Schlägen, welche die eng­lischen Truppen in Südafrika bisher erlitten hatten, die Kapitulation Cronjes und seiner Armee großen Enthusias- mn8 im Vereinigten Königreiche hervorgerusen hat, ist er­klärlich. Es war die höchste Zeit, daß die Engländer in Form eines greifbaren Erfolgs eine Ermutigung erfuhren, denn trotz allem Optimismus, der jenseits des Kanals zu Hause zu sein scheint, wurden doch weite Volksschichten recht verzagt, insbesondere angesichts der großen Opfer, die bereits gebracht worden waren, und mehr noch bevor- steh<n. Nicht nur die Menschenleben beklagt der Engländer, auch die schweren materiellen Einbußen empfindet er schmerz­lich Freilich wollen die maßgebenden Parteien in London richt zugeben, daß der Krieg in Südafrika einen rein ma­teriellen Zweck hat, und mit den Goldgruben und Diamant- felbern Transvaals in engem Zusammenhänge steht, aber an dieser Thatsache zweifelt doch niemand, und deshalb ist dic Enttäuschung der Engländer über die bisherigen Miß- rrfvlge wohl zu begreifen.

London ist jetzt in voller Begeisterung, und diese letztere treibt recht unnatürlich hohe Wogen, wenn man berück- fichigt, daß einmal derSie^" nicht allzu ruhmreich ist, und daß andererseits die Kapitulation Cronjes auf den Fortgang des Feldzuges von keinem nennenswerten Einfluß sein dürfte. In diesem allgemeinen SiegeSjubel werben vomussichtlich auch diejenigen Stimmen übertönt werden, Ivelche den Augenblick für gekommen erachten, an die Ein­leitung von Friedensverhandlungen zu denken. Bisher hieß es immer, England könne nicht eher auf einen Frieden ein- gehen, bis es nicht einenErfolg" errungen hat. Dieser letztere ist ja nun da, und zu warten, bis erst alle übrigen in Südafrika kämpfenden Feldherren, insbesondere der famose Lulller, die erlittenen Scharten ausgewetzt haben, erscheint btn« doch etwas gefährlich. Vielleicht wiederholt sich der jrtzige günstige Augenblick für die Anbahnung des Friedens nicht wieder! Aber wie gesagt solche Stimmen »erben jetzt in London ungehört verhallen, man begeistert sich an den Einzelheiten über die Kapitulation Cronjes in trmangelung von weiteren Siegesnachrichten, und vergißt -ariiber, daß noch ein schweres Stück Arbeit bevorsteht bis zur völligen Niederwerfung der Burenstaaten. Wer weiß, Jb die Engländer nicht zu frühe gejubelt haben, als sie die Acdeutung der Gefangennahme Cronjes so übermäßig chinaufschraubten!

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

schützen den 40,000 Mann mit über 50 Geschützen des Lord Roberts über eine Woche Widerstand geleistet hat, und noch dazu in einer Position, welche von den Engländern selbst als eine unhaltbare bezeichnet worden ist. Die nied­rigste von englischer Seite gemachte Schätzung der Streit­kräfte Cronjes betrug 5000, meist aber nahm man in Eng­land an, daß Cronje 7000 bis 8000 Mann bei sich habe. Wenn die Engländer und Buren jetzt ihre Gefangenen austauschen wollten, so würde sich die Rechnung ziemlich ausgleichen, nur daß die Buren viel mehr gefangene Offi­ziere hergeben möchten, als die Engländer. Nach offizieller englischer Angabe befinden sich nämlich nicht weniger als 171 englische Offiziere in Gefangenschaft der Buren, während die Engländer kaum 60 Buren Offiziere, ein­schließlich der mit Cronje gefangenen 47, interniert haben. An Geschützen haben die Buren bisher 10 und die Eng­länder 16, einschließlich der 15 Kanonen Cronjes, erbeutet, Ihre schweren Geschütze, mit denen Kimberley beschossen wurde, haben die Buren rechtzeitig unter Benutzung der Bahn nordwärts in Sicherheit bringen können, und auf diesem Wege scheint sich auch der größere Teil der Truppen Cronje's zurückgezogen zu haben. Unter den gefangenen Offizieren Cronjes befinden sich auch zwei Deutsche, nämlich Major Albrecht, welcher die Artillerie des Oranje Freistaates organisiert und seit Jahren kommandiert hat, und der Leutnant O. Dewitz. v. Heister und v. Angerstein sind vermutlich Holländer.

Am Tugela.

Nähere Nachrichten vom Tugela liegen eigentlich nicht vor. Alle einlaufenden Deveschen berichten nur über frühere Kämpfe. Hervorgehoben werden in allen Meldungen aber die großen Verluste der Engländer. Buller selbst giebt sie auf 7 Offiziere, darunter 3 Obersten, an Toten, und aus 34 verwundete Offiziere an. Die Zahl der gefallenen Sol­daten wagt er scheinbar gar nicht zu nennen, oder das Londoner Kriegsamt verheimlicht sie. Die Gefechte am Samstag und Sonntag sollen sich bereits bei Pieters, der Eisenbahnstation zwischen Colenso und Ladysmith, abgespielt haben. Ein Bericht derTimes of Natal" schließt mit den Worten:Die Arbeit, die uns bevorsteht, ist, den Hügel zwischen Pieters und Umbulwana einzunehmen; geschieht dies, so ist der Entsatz von Ladysmith gesichert.

Hier scheint der Kampf zum Stehen gekommen zu sein, wie eine Depesche aus Colenso vom Freitag bestätigt. Sie lautet:

Wir haben die Buren jetzt in die letzte Felsenreihe ge­trieben, die uns von dem Umbulwana Berg trennt. Dort jedoch hält der Feind mit unerschütterlicher Zähigkeit Stand. Unsere Aufgabe ist schon dank der Beschaffenheit des Bodens außerordentlich schwer und ge­fährlich. Eine weitere große Schwierigkeit erwächst den englischen Truppen daraus, daß unsere Front sich 4 Meilen lang über zerklüftetes, hügeliges Land erstreckt, wo man einem mit aller erdenklichen Energie kämpfenden Feinde gegenüber unausgesetzt auf Ueberraschungen und nächtliche Ueberfälle gefaßt sein muß. Der englischeVormarsch wird auch weiterhin nur sehr langsam erfolgen können.

Buller selbst scheint übrigens bestimmt anzunehmen, daß es ihm gelingen wird, Ladysmith zu entsetzen. Er hat, wie aus Laurenzo Marqes depeschiert wird, vor einigen Tagen Befehl gegeben, zwei Eisenbahnzüge in Dur­ban unter Dampf zu halten, die mit Lebensmitteln gefüllt sind, damit sofort nach Entsetzung von Ladysmith die englische Garnison dort verproviantiert werden kann.

Wenn nur diese Hoffnung Bullers nicht wieder trügt. Rücken allerdings infolge der Kapitulation Cronjes die Eng­länder unter Roberts nördlich gegen die Transvaalrepublik vor, so muß die Belagerung aufgehoben werden, da sonst die rückwärts liegenden Verbindungen der Belagerungsarmee bald gefährdet sein würden.

Sie wollen nach Hause.

Eine Exchange-Depesche aus Sterkstrom meldet, die Hälfte der ersten fünf Eskadroneg des unter dem Kapobersten Brabant gebildeten Kap-Freiwilligenkorps nahm den Abschied, nachdem die Leute die drei Monate, für die sie engagiert waren, abgedient haben. Es werden, so fügt die Depesche orakelhaft hinzu, verschiedene Gründe für den Abgang angegeben. Diese Nachricht wird nicht ver­fehlen, Aufsehen zu machen.

Die alten Reminiscenzen der Söldnerzeit, wo sich der Soldat nur auf bestimmte Zeit verpflichtete, den Kuhfuß zu tragen, leben jetzt unter den Kap freiwilligen wieder auf.

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