Ausgabe 
1.9.1900 Zweites Blatt
 
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teilt demDaily Chronicle" folgende Beobachtungen mit, die den im Parlament zur Sprache gekommenen Hospital- Skandal vollauf bestätigen:

Das Bahnhospital in Kapstadt, von dem man erwarten konnte, daß es so gut eingerichtet wäre wie ein Londoner Vorstadthospital, ist schlechter versehen als ein Feldlazarett. Ich arbeitete dort sieben Monate Die Lage, auf einem Hügel mit herrlicher Aussicht, ist sehr schön »ber kein Mensch hatte daran gedacht, das Haus zu reinigen, ehe es mit Kranken belegt wurde. Das Ergebnis war, daß man als­bald die Kranken mit Insektenpulver überschütten mußte, um Unge­ziefer einigermaßen fernzuhalten. Dieser skandalöse Zustand wurde »er Militärbehörde mehrfach mitgeteilt, sie schenkte dem aber keinerlei Beachtung. Die Zahl der Pfleger war ganz ungenügend. Wir hatten stets gegen 175 Kranke täglich diese hatte mit mir eine einzige Schwester zu besorgen! Zu jener Zeit aber waren Pflegerinnen in der Kapstadt leicht erhältlich, denn eine große Anzahl war nach Ausbruch des Krieges aus Johannesburg, Pretoria rc. dorthin gekommen und hätte jede Stellung gern angenommen. Die Behörde aber zog es vor, die Leute sterben zu lassen, anstatt das Geld für Pflegerinnen auszugeben. Das hat uns gar manchen Soldaten ge­kostet. Von Disziplin war keine Rede. Es gab eine Anzahl Mili­tärburschen, aber sie wurden nicht ordentlich geleitet. Milch war stets rar und niemals sterilisiert. Reine Wäsche mangelte, die Reinigung war ungenügend. Bettwäsche eines Typhuskranken wurde einmal durch kaltes Wasser gezogen und dann für einen Genesenden verwendet, der natürlich alsbald am Typhus starb. Bald hatten wir eine Menge TyphuSfälle in unserm schönen Hospital, da alle Einrichtungen desselben mangelhaft waren. Kein Wunder, da Gegenstände, die für Typhoide Verwendung ge­funden hattm, ohne Unterschied für irgendwelche Kranke und Ge­sunde gebraucht wurden. Die Militärärzte waren meist Leute niederer Klasse und Bildung. Sie vernachlässigten die Grundsätze der Hygiene in greulicher Weife und ebenso ihre Kranken. Dabei mißbrauchten sie ihre Autorität auf un­erhörte Art. Sie wurden niemals revidiert und konnten thun, was ste wollten. Die bürgerlichen Aerzte aus der Stadt waren gut, thaten, was in ihren Kräften stand, vermochten aber gegen so horrende Zustände nicht mit Erfolg anzukämpfen."

So schreibt die Schwägerin Chamberlains, des Ministers, der den Krieg in Südafrika hervorgerufen, aber nicht im mindesten dafür gesorgt hat, daß die Verwundeten wenigstens eine geordnete Pflege erhalten!

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Telegramm des Gießener Anzeiger-.

Wien, 31. August. Der Minister des Auswärtigen, Gras Goluchowsky, beauftragte den österreichischen Bot­schafter in London, bei der englischen Regierung energische Schritte zu thun, damit den aus Transvaal ausge­wiesenen österreichisch-ungarischen Staats-An­gehörigen voller Schadenersatz geleistet werde.

Deutsches Keich.

Berlin, 30. August. Zur Fahnen-Nagelung und - Weihe im Zeughause versammelten sich heute dort von halb zehn Uhr an hie; Generale und Offiziere, deren Regimenter neue Feldzeichen erhielten, sowie die zur Feier befohlen waren, und nahmen ihre Stellungen in der Herrscherhalle an den Tischen ein, auf denen die Feldzeichen, unter die purpursammetne Decken gebreitet waren, armeekorpsweise lagen. Die Generalität passierte in großer Gala mit Ordensband, und zwischendurch er­folgte die Anfahrt der Prinzen und Fürsten. Es kamen Prinz Friedrich Heinrich, der Fürst zu Waldeck in der Uniform der 3. Garde-Ulanen, der junge Herzog von Al­bany, die Herzoge Adolf Friedrich und Heinrich zu Mecklen­burg, Erbprinz und Prinz Karl Anton von Hohenzolleru, Prinz Ernst von Sachsen-Altenburg, Prinz Albert von Schleswig-Holstein, Prinz Bernhard Heinrich und Prinz Ernst von Sachsen-Weimar u. a. m., ferner der Staats­sekretär des Auswärtigen Graf von Bülow, der Chef des Generalstabes Graf v. Schliessen, der Kriegsminister, die Generale des kaiserlichen Hauptquartiers u. s. w. Im offenen Wagen fuhr die Herzogin von Albany vor dem Zeughause vor, der mit dem Glockenschlag 10 Uhr der Kaiser folgte. Der Monarch in der Uniform des 1. Gardie- regiments mit dem Orangebande des Schwarzen Adler- Ordens, verließ den Wagen am linken Flügel der Leib- tompagnie des 1. Garderegiments, wo er vom komman­dierenden General des Gardekorps, v. Bock und Polach, beim Generaladjutanten v. Kessel, dem Gouverneur von Bdmsdorff und dem Kommandanten Generalmajor von Ende empfangen wurde. Den gelbsammetnen, mit schwarzen Adlern und Edelsteinen verzierten Feldmarschall­stäb in der Rechten, schritt der Kriegsherr unter den Klängen des Präsentiermarsches die Front der unter prä­sentiertem Gewehr stehenden Leibkompagnie vom linken Flügel aus ab, begrüßte am rechten Flügel den General- adjutanten v. Hahnke und erteilte dem Chef der Leib­kompagnie Hauptmann v. Leipziger einige Instruktionen, worauf er sich nach dem Zeughausportal begab, um hier die Kaiserin zu erwarten, die, ganz in Schwarz mit dem Bande des Schwärzen Adler-Ordens über der Brust, bald darauf mit dem Prinzen Joachim und der Prin­zessin Viktoria Luise erschien. Danach fuhr der Krön­st r in z und hinter diesem die Prinzen August Wilhelm und Oskar vor, alle in der Paradeuniform des 1. Garde­regiments. Die Majestäten begaben sich durch den Bor- raum mit großem Gefolge zur Herrscherhalle. Hier schritt der Kaiser auf den ersten Tisch zu, nahm vom Komman­deur der Haupttädettenanstalt den Hammer entgegen und v an d^r Kadettenfahne den ersten Nagel ein. Ein Gleiches that die Kaiserin, die den Hammer dem Kron­prinzen gab, die übrigen Prinzen u. s. w. bis zum Fahnen- unterofsizier. Nachdem dieser Teil der Feier beendet war, degab sich der Kaiser mit der Kaiserin, den Prinzen und Gefolge wieder in den Lichthof hinab, wo die kaiserlichen Herrschaften hinter der Borussia, dem Altar gegenüber Aufstellung nahmen, während sich die Generalität und Offiziere, unter ihnen auch die Militärbevollmächtiqten, die an der Nagelung der Feldzeichen des ostasiatischen Expeditions-Korps teilgenommeu hatten, im Halbkreise vor der Leibkomstagnie des 1. Garderegiments gruppierten Das Musikkorps des Kaiser Franz-Regiments intonierte die erste Strophe des Niederländischen Dankgebets, worauf Militär-Oberpfarrer Konsistorialrat W ö l f i n g , neben dem der katholische Feldprobst D. Aßmann vor dem Altar stand, die W e i h e r e b e hielt, worin er u. a. folgendes aus­führte:Wie unsere junge Marine die deutsche Flagge überall hochhält und zu hohen Ehren bringt, auch jetzt wieder draußen in Ehina, und wie auch unsere See­

bataillone inzwischen ihre Fahnen im Osten siegreich ent­faltet haben, so mögen nun auch unsere ostasiatischen Re­gimenter ihre Feldzeichen draußen entrollen und mit dem Blick auf die Fahnen sich sagen lassen: Der Reichsadler regt seine Schwingen, und der altpreußische Fahnenspruch zu seinen Häupten wird zur Losung aller deutschen Kämpfer aus Süd und Nord und West und Ost: Pro Gloria et Patria! Und endlich das geflammte Kreuz im Fahnentuch es mag uns sagen:'s i st ein Kreuzzug, 's ist ein heilger Krieg!" Nach der Rede, einem Gebet, Vaterunser und dem Segen blies die Musik das Tedeum, womit die Feier im Zeughause ihr Ende erreicht hatte. Der Kaiser, der noch einige Generale und Offiziere ange­sprochen, verließ sodann mit der Kaiserin das Zeughaus, während die Leibkomstagnie mit den Fahnen und Stan­darten nach dem Lustgarten marschierte, um von hier den Vorbeimarsch zu machen. Der Parademarsch erfolgte in der Richtung nach dem Friedrich-Denkmal, wo die Fahnen­sektion albschwenkte und die sämtlichen Feldzeichen in das Palais Kaiser Wilhelms I. unter militärischen Ehren ab­gebracht wurden.

Der Kaiser hörte heute vorm ttag den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts von Hahnke und denjenigen des General a la suite Prinzen von Salm-Horstmar. Zur Frühstückstafel waren heute beim Kaiserpaare geladen: Ter Großherzog von Mecklenburg-Schjverin, der Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha, Fürst zu Waldeck, die Herzogin von Albany und der Gesandte Freiherr von Rotenhan. Am Nachmittag hörte der Kaiser die Vorträge des Chefs des Generalstabes der Armee Grafen von Schlieffen und des Staatssekretärs Grafen Bülow und gedachte später nach der Pfaueninsel zu reiten und dort mit der Kaiserin den Thee einzunehmen.

Nachträglich werden die Telegramme bekannt, die anläßlich des Regimentsfestes des in Warschau garni- foniercnben St. Petersburger Leib-Gar d e-Gr e- nadier-Regiments König Friedrich Wilhelm' III., dessen Chef der Deutsche Kaiser ist, zwischen dem Regiment und dem Kaiser, sowie dem Kronprinzen, der a la suite steht, gewechselt worden sind. Wie dieBerliner Neuesten Nachrichten" mitteilen, telegraphierte das Re­giment:

Geruhen Ew. kaiserliche und königlich^ Majestät am Tage unsres Regimentsfestes die Glückwünsche Ew. Ma­jestät russischen Leib-Garde-Grenädier-Regiments St. Petersburg entgegenzunehmen. Indem wir unserer früheren erlauchten Chefs gedenken, die dem Hause Ew. kaiserlichen und königlichen Majestät angehören, sind wir stets bereit, Ew. Majestät, unserm jetzigen Chef, zu be­weisen, daß wir dieser hohen und für uns schätzbaren Ehr ewürdig sind".

Der Kaiser antwortete:

Ich bin sehr erfreut über die Glückwünsche meiner St. Petersburger Grenadiere und danke herzlich dafür. Meine Wünsche für das Regiment sind bei seinem Fest dieselben; ich spreche sie aber heute um so freudiger aus, da unsere russischen und deutschen Kame­raden nach alter geheiligter Tradition' nach langer Zeit wiederum Schulter an Schul­ter kämpfen. Der Sieg wird uns nicht fehlen.

Wilhelm.

Der Herzog-Regent vonMecklenburg hat an die zu einer militärischen Uebung in Schwerin einge­zogenen Lehrer eine Rede gehalten, aus der dieHilfe" folgende Sätze mitteilt:

Vielfach ist in die Lehrerschaft ein schlechter Geist eingezogen; die jungen Lehrer, wenn sie vom Seminar kommen, haben sich eingebildet, hochs- gelehrt zu sein, Frechheit und Unverschämtheit in ihrer Stellung gezeigt. Das ist falsch, ich hoffe, daß Ihr das nichjt so macht. Sucht Euch Eure Stellung im Leben zu erringen durch Achtung der Vavgesetzten und Liebe der Euch anvertrauten Jugend. Nur dann werdet Ihr Euch wohl fühlen in Eurem Beruf, aber nicht durch Großspurigkeit und unverschämtes Betragen. Gerade der junge Lehrer, der etwas werden will, der ein geachteter Führer seiner Gemeinde sein will, hat die Tugenden des deutschen Soldaten zu pflegen. Ueberlegt Euch das, auf daß Ihr ein Vorbild der Kinder werdet".

Auch ein Beispiel zu dem Kapitel der Lehrerbehandlung in Mecklenburg.

Prinz Hermann zu Solms-Braunfels, Landtagsabgeordneter des Kreises Wetzlar, ist heute nach­mittag sanft entschlafen. (Prinz Hermann Ernst Lud­wig Bernhard Wilhelm, geb. zu Düsseldorf am 8. Oktober 1845, war Major a la suite des Großherzogs von Hessen und Ritter des Johanniter-Ordens. Er hinterläßt' eine Witwe, geb. Prinzessin Elisabeth von Reuß j. L., und fünf Kinder, von denen das älteste, ein Kind aus erster Ehe, die Prinzessin Friederike, mit dem Fürsten Franz Josef von Isenburg vermählt ist. Der Verstorbene war ein Onkel des jungen regierenden Fürsten Georg Viktor und ein jüngerer Bruder des Prinz-Regenten Albrecht. D. Red.)

Wie dieKreuzztg." hört, hat der Kaiser aus Anlaß der Beendigung der Legung des neuen nordamerikanischen Kabels den Staatssekretär v. Podbielski a la suite des Ziethen-Regiments Nr. 3, dessen Komman­deur er früher gewesen ist, gestellt.

Während bisher die Regelung der Offizier­gehälter stets nur am 1. jeden Monats stattfand, wer­den in letzter Zeit die Gehälter auch Mitte des Monats neu verteilt.

Frankreich soll in diesem Jahre zum erstenmal seit dem Feldzuge 1870/71 gebeten haben, einen Offizier zu den deutschen Kaisermanövern entsenden zu dürfen.

Die aus Transvaal ausgewiesenen Deutschen haben sich beschwerdeführend an das Auswärtige Amt gewendet, dem sie ihre Klagen über die ihnen widerfahrene rücksichtslose Behandlung unterbreiteten. Bon der Regierung ist eine Untersuchung des Sachverhalts eingeleitet worden. Wie aus der Dar­stellung eines der von der Ausweisung Betroffenen her­vorgeht, richtet sich die Beschwerde der Ausgewiesenen dagegen, daß sie als am Kriege unbeteiligte Ausländer trotz abgelegten Neutralitätseids urplötzlich in Haft gesetzt und gleich darauf per Schub in der brutalsten Weise nach Europa befördert worden seien, ohne auch nur ihre Angehörigen benachrichtigen Mlönnen. Die Ausgewiesenen

führten ferner lebhafte Klage darüber, daß die d e u t s ch e n Kons ul n trotz ihres Bestürmens keinen Versuch ge­macht hätten, gleichdemfranzösischenKonsular- beamten zu ihren Gunsten zu intervenieren. In derPost" lesen wir folgendes:

Was an diesen Beschwerden begründet ist, muß die eingeleitete Un t e r su ch un g ergeben; erst nach ihrem Abschluß wird es für die Regierung möglich sein, zu erklären, ob und wegen welcher Punkte sie bei der britischen Regierung Rekurs ergreifen wird.

Das ist umzweifelhaft richtig, daß die Regierung erst die Ergebnisse der Untersuchung abwarten muß, ehe sie irgend welche Erklärungen abgiebt. Jedenfalls' aber handelt ne nicht nur im Interesse der Ausgewiesenen, sondern auch derWürdedesReichs, wenn sie die Untersuchung möglichst beschleunigt.

Ausland.

Brüssel, 30. August. DerSoir" will aus Hofkreisen erfahren haben, daß die Meldung eines englischen Blattes,. König Leopold werde im nächsten Jahre zugunsten des Prinzen Albert ab dank en, auf Wahrheit beruhe.

Rom, 30. August. Den Blättern zufolge hätten die Behörden entscheidende Beweise dafür in den Händen, daß die Ermordung des Königs Humbert auf ein Kom- plot zurückzusühren sei.

Wien, 30. August. Hier zirkulierende Gerüchte von einem angeblichen Attentats-Versuch aus den Kaiser Franz Joses in Ischl sind unbegründet.

Gras Goluchowsky wurde heute vormittag vom Könige von Rumänien in längerer Audienz empsangen. Wie versichert wird, vertritt Graf Goluchowsky im ru­mänisch-bulgarischen Konflikt den Standpunkt Rumäniens und hat dem König versichert, im Verein mit Rußland in Sofia aus diplomatischem Wege vermittelnd einzuwirken.

Bukarest, 30. August. An mehreren Punkten der bul­garischen Grenze, namentlich in Rustschuck, ist der Ueber- tritt nach Bulgarien den Inhabern von Püffen, die von der bulgarischen Gesandtschaft ordnungsmäßig visiert sind, streng untersagt. Den Beamten der rumänischen SchiffsahrtSgesellschast in Rustschuck wurde verboten, die Pontons zu verlassen und sich in die Bureaus zu begeben, sodaß sie die Kassen und Papiere im Stiche lassen mußten. Auch in Widdin wurde die Mannschaft eines rumänischen Postfchiffes an der Landung gehindert. Der Minister des Auswärtigen beauftragte infolgedessen telegraphisch den tu* mänischen Geschäftsträger, durch eine der bulgarischen Re­gierung heute zu überreichende Note gegen die vexatori- schen Maßregeln Einspruch zu erheben, wodurch nicht nur die Rechte und Interessen Rumäniens, sondern auch die internationalen Vertragsbestimmungen über die freie Schifffahrt auf der Donau verletzt würden.

Konstantinopel, 30. August. Trotz aller Dementis von bulgarischen Rüstungen ist man hier auffallend beunruhigt. Die Bulgaren suchen die hiesige Stimmung geschickt für ihre Zwecke auSzunützen, sie fordern das Fallen- lassen des 8prozentigen Einfuhrzolles für ihren Vieh- und Mehl-Export nach der Türkei. Der gestrige Ministerrrat beschloß vorläufig die gänzliche Aushebung des Zolles sür Vieh aus Bulgarien, dessen Import sehr bedeutend ist.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 31. August 1900.

* Prüfung im Finauzfach. Am 15. November findet, wie gestern gemeldet, in Darmstadt eine Prüfung im Finanz fach statt. Die bestandene Prüfung berechtigt neben den Stellen der Steuerausseher und Pfandmeister im Staatsdienste, auch in neuerer Zeit zu einer größeren An- zahl von Stellen bei den Städten über 3000 Einwohner. Da es mit Rücksicht aus die ständigen Aenderungen der ge­setzlichen Bestimmungen schon schwierig ist, den gestellten Anforderungen zu entsprechen, so bereiten zurzeit hiesige er­fahrene Fachleute auf Grund der neuesten gesetzlichen Be­stimmungen ein vollständiges Prüfungsmaterial vor und beabsichtigen, dasselbe leihweise gegen mäßiges Honorar abzugeben. Am 1. September wird ein mündlicher Kursus beginnen, in dem die Gesetze wiederholt besprochen und er­klärt werden, sodaß den Teilnehmern zu einer gründlichen Vorbereitung Gelegenheit geboten ist.

** Die Justifikatur der Oberrechnungskammer, die ein Personal von 56 Beamten und Revisionsgehilfeu umfaßt, hat in allerjüngster Zeit drei Beamte verloren, den seit­herigen Dirigenten, RechnungSrat Eis en, durch Pensionierung, Revisor Engelbach durch Ernennung zum Sekretär der Handwerkerkammer und RechnungSrat Schaffnit durch Ableben. Der an Eisens Stelle zum Dirigenten ernannte seitherige älteste Revisionsbeamte, RechnungSrat B ecken - haub, ist am 1. Mai 1871 als Pkvbator angeftellt worden, gehörte der Justifikatur aber schon vorher während einer längeren Reihe von Jahren als RevifionSgehilfe an.

§ Butzbach, 30. August. Der kürzlich fahnenflüchtig gewordene Einjährige Eifert vom hiesigen Bataillon wurde heute abend bei Caffel festgenommen und durch einen Unteroffizier des Jnfant.-RegtS. 167 an das hiesige Garnisonkommando abgeliesert.

Schotte«, 30. August. In der Generalversammlung der Spar- und Leihkasse am 25. d. M. (Ludwigstag) wurde ein Antrag auf Erhöhung des Zinsfußes von Ein­lagen über 1000 Mk. abgelehnt. Aus dem Jahresberichte des vergangenen Jahres (67. Verwaltungsjahr) geht hervor, daß die Stiftung 109 Mitglieder zählte; das Aktienkapital betrug 634,13 Mk., die verzinslich angelegten Kapitalien betrugen an Darlehen 828 269.94 Mk., an Kaufschillingen 179 809.18 Mk.. die Einlagen 934 498.03 Mk., der Ge­samtumsatz 527 901.94 Mk., VerwaltungSkosten 3595.22 Mk.,. bet Reservefonds 93 101.92 Mk. und der Reingewinn 2300.69 3RL