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Gießener Anzeiger
General-"Unzeiger
Amts- und Anzeiseblatt ffi» den Kreis Gieren.
Feuilletsn.
Briefe aus der Htefidenz.
Originalb.richt für den „Gießener Anzeiger".
(Nachdruck verboten.)
Prinz Karneval und fein Regiment.
Darmstadt macht sich! Mainz hat einen stärkeren Einfluß im Laufe der Jahre auszuüben vermocht, als die preußische Nachbarstadt Frankfurt a. M., wo alles still md farblos bleibt und höchstens kleine Buben und Mädels in geschützten Straßen als Clowns und Colombinen herum- liufen. Bei uns dagegen hat sich „Prinz Karneval" eine reiche blühende Provinz erobert, und die Zahl seiner Unter- thanen, die sich zusehends vermehrt, fühlt sich außerordentlich wohl unter diesem milden Szepter.
v Als Bringer des Frühlings sind Ihre närrischen Hoheiten bei uns eingezogen. Hätte Herr Hofsünger Bucar, ber anfänglich für die Rolle des Prinzen auserkoren war, diese milde Witterung, bei welcher auch der empfindlichste tentor keine Erkältung zu befürchten brauchte, ahnen können - er hätte schwerlich so schnell die Anwartschaft auf em fiö hliches Regiment fahren lassen. .
Denn fröhlich und sonnig hat es sich m der That gestaltet, ein echtes Sinnbild dessen, was es von Haus aus gewiesen ist: denn Fastnacht, zurückzuführen auf das Wort ,F,asenacht (fason-umherschweisen) bedeutet Schwarmnacht unib ist ein altheidnisches Fest, das Fest des anbrechenden, beginnenden Frühlings, wo in der Natur der stampf zwischen den Mächten des Winters und Frühlings cMebt, Indem die nördlichen und südlichen Wmdstrom- mzgen um die Oberhand in dem Luftmeer zu streiten be- gimnen. Diesem Treiben des Frühlingswindes entspricht
IMHmi, Expedition und Druckerei: ^4«tstraße Ar. 7.
Adreffe für Depeschen: Anzeiger Hieß»»« Fernsprecher Nr. 51.
Gratisbeilage: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Dlätter für hessische Volkskunde.__________________
* Vom Kriegsschauplatz.
Wie wir gestern noch kurz vor Redaktionsschluß mit* leiben konnten, hat der Kampf zwischen
Cronje und Roberts
■einem tragischen Abschluß für ersteren gefunden. Der tapfere Buren-General Cronje hat bedingungslos vor der Ueber* macht der Engländer die Waffen gestreckt.
Nachdem in den letzten Tagen schon ziemlich klar geworden war, daß die Cronje zu Hilfe geschickten Verstärkungen nicht bedeutend genug waren, um den Ring, mit wel chern die englischen Truppen den tapferen Buren-General umgaben, zu sprengen, schien eine Rettung desselben aussichtslos zu sein. Hätte Cronje, nachdem er Magersfontein Massen hatte, und durch die Linien der Engländer durch - marschiert war, seine Geschütze und Vorräte im Stiche gelassen, so wäre es ihm wohl nicht schwer gefallen, sich selbst mit seinen Kampfgenossen durchzuschlagen. Nachdem aber die Engländer Zeit gewonnen hatten, alle ihre Streitkräfte hcmnzuziehen, und insbesondere eine große Masse Artillerie
unvernünftiger Weise für diesen Fehler nun Lord Roberts selbst, wenn auch nur zaghaft, verantwortlich. Daß die Dinge sich nicht ganz so glatt abspielen, wie man nach Kimberleys Entsatz unbegründeterweise annahm, das ist nicht ein Fehler des Lord Roberts und der Generäle auf den Kriegsschauplätzen, sondern das ist dem heldenhaften Widerstande Cronje s zuzuschreiben. CronjeS kleine Armee muß endlich in sich zusammenbrechen, wenn ihr nicht Hilfe kommt, und Ladysmith wird von den Buren aufgegeben werden müssen, da man den alten Kriegsplan aufgeben muß. Ladysmith wird aber dann nur sicher und ohne überflüssige Opfer entsetzt, wenn Buller vorsichtig ist. Was Cronje anbelangt, so kommt es im wesentlichen nicht darauf an, ob er überhaupt aushält, sondern ob er lange genug aushalten kann, um die Bildung eines neuen Heeres zu ermöglichen. Das dürfen wir zum Verständnis der kommenden Ereignisie nicht unberücksichtigt lassen. Gelingt ihm das — und ob ihm das gelingt oder bereits gelungen ist, daS werden wir erst im weiteren Verlaufe des Feldzuges im Oranje-Freistaate feststellen fönnen — so ist die Kriegslage für die Engländer nach wie vor eine wenig günstige, es sei denn, daß Lord Roberts dieses Heer besiegt. Cronjes Fall wird nicht den Abschluß des Kampfes bieten, ebensowenig wie der Entsatz von Ladysmith. Beide Ereignisie bilden lediglich den ersten Abschluß des ersten Teiles des Krieges."
Nachrichten aus London.
Lord Roberts telegraphiert aus Pa ar de berg von vormittags 11 Uhr: Aus den vom Nachrichtendienst gelieferten Informationen ergab sich, daß Cronjes Streitmacht immer niedergeschlagener wurde, und die Unzufriedenheit der Truppen und die Uneinigkeit der Führer rasch wuchsen. Diese Stimmung ist zweifellos durch die Enttäuschung über die Niederlage der zur Verstärkung heranziehenden Burentruppen verschärft worden. Roberts beschloß daher am 23. Februar, eine Pression auf den Feind auszuüben. Die Laufgräben wurden nachts näher an das Lager des Feindes herangeführt, und so seine Stellung immer enger eingeschlossen. Gleichzeitig beschoß Roberts das Lager heftig. Die englische Artillerie erfuhr gestern, durch das Eintreffen der aus De Aar herbeorderten vier 10-Centimetergeschütze und 6 Haubitzen eine wesentliche Verstärkung. Der Fesselballon lieferte wichtige Informationen über die Bewegungen des feindlichen Lagers. Heute früh 3 Uhr gelang es durch einen brillanten Vorstoß der britischen und kanadischen Mannschaften, eine 600 9)arb8 weiter vorgeschobene und 80 Aards von den feindlichen Laufgräben befindliche Position einzunehmen. Die hier verschanzten Truppen hielten die Stellung bis zum Morgen. Die Aktion hat verhältnismäßig geringe Opfer gekostet. Heute früh wurde durch einen Parlamentär ein von Cronje unterzeich
Amtlicher Teil.
Bekanntmachung.
betreffend Maul- und Klauenseuche.
Da die Maul- und Klauenseuche noch nicht erloschen ist, mußten mir das Verbot des Handels im Umherziehen mit Klauenvieh in gleicher Weise, wie die benachbarten Änise bis zum 31. März dss. Is. einschließlich erstrecken. Zuwiderhandlungen gegen das Verbot werden nach § 56, b unbi § 148, Ziffer 7, a. ReichSgew.-O. und § 328 Reichs- siraffgesetzbuches bestraft.
Gießen, den 28. Februar 1900.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
auf den
Gießener Anzeiger für den Monat März werden von allen Postanstalten, Zeitungsträgern und der Expedition, Schulstraße 7, sowie den Zweig- und Abholestellen, jederzeit entgegengenommen.
— man spricht von 50 Geschützen — auf die erschöpften und an Zahl viel geringeren Burentruppen mehrere Tage lang spielen zu lassen, blieb Cronje nichts anderes übrig, als sich bedingungslos zu ergeben. Es hätte keinen Sinn gehabt, seine tapfere Schar nutzlos durch die englischen Granaten und Lydditgeschosse vernichten zu lassen. Die Vermutung, daß die Engländer die Uebergabe Cronje's bei KoodooSrand Drift als Revanche für die Niederlage bei Majuba Hill ansehen, hat Bestätigung gefunden in der den „Sieg" verkündenden Depesche Roberts.
Konnte man den Entsatz Kimberleys als einen moralischen, wenn auch keinen bedeutenden moralischen Erfolg der Eng' länder bezeichnen, so ist die Gefangennahme der Armee Cronje's auch in militärischer Beziehung von großer Bedeutung. Die Tausende von Mannschaften, welche den Buren auf diese Weise verloren gehen, vermögen sie nicht wieder zu ersetzen, während die Engländer immer neue Verstärkungen heranziehen können. Ob nun die durch Truppen aus Transvaal verstärkten Buren des Oranje- Freistaates noch einen Versuch machen werden, ihre Hauptstadt Bloemfontein gegen die Engländer zu verteidigen, ist zweifelhaft, wenn auch wahrscheinlich; denn mit Bloemfontein würde zugleich die aus der Kapkolonie nach Transvaal führende Eisenbahn den Engländern in die Hände fallen. Die Staatsarchive sollen zwar schon längst nach Prätoria übergeführt worden fein, und eS hieß schon vor einiger Zeit, daß die höheren Beamten des Oranje-Freistaates sich Wohnungen in der Hauptstadt Transvaals gesichert hätten. Daß die Buren die nach Norden führende Eisenbahn zu zerstören versuchen werden, versteht sich von selbst, allein die nächste Frage ist nun, ob eS den noch in der Kapkolonie befindlichen Burentruppen geringen wird, sich nach dem Norden des Oranje-Freistaates zurückzuziehen, ehe die Engländer von der Eisenbahn bei Bloemfontein Besitz ergreifen können. Je weiter diese sich von ihrer Operationsbasis bei Modderriver, bezw. Kimberley entfernen, desto schwieriger wird die Verpflegung der Truppen. Man kann daher wohl annehmen, daß die Engländer trotz des großen Erfolges, den sie soeben errungen haben, noch einen langen und opferreichen Feldzug vor sich haben, wenn die Buren auf ihrem Entschluffe, keinen Frieden zu schließen, der ihnen nicht ihre Unabhängigkeit sichert, und es selbst auf eine Belagerung Prätorias ankommen zu lassen, noch ferner beharren. , . ,p,
In diesem Sinne spricht sich auch der milttärtsche Mitarbeiter der „Franks. Ztg." in London aus, in dem er in einem von vorgestern datierten Briefe der militärischen Presse Englands vorhält, daß sie nicht ganz gerecht gegenüber Lord Roberts sei, wenn sie ungeduldig werde. „Sie hat" den Fehler gemacht, die ersten Schritte des Lord Roberts zu überschätzen; und macht
es, daß man schwärmt und unter allerlei Vermummungen umhersturmt. Die Schweinsblasen und Paschen der Harlekins sind ein Abbild des Peitschens der Erde durch Wind und Regen, und die im Oel, also der Lichtjubstanz, gebackenen kleinen Kuchen, die vielbegehrten „Kreppeln sind wahrscheinlich aus den der Lrchtgottheit geweihten Opferkuchen entstanden.
Welches waren nun die Schwarmgeister, welche der diesjährige Kar nevalszu g entfesselte ?
In der Anordnung und Ausstaffierung der Gruppen vereinigten sich Romantik und Volkswitz. Wenn erstere namentlich in den Kostümierungen der berittenen Musik- korpc"' die mls Beduinenscheiks, rote Teufel, Militärs aus dem 17. Jahrhundert, Ritter rc. rc.erschienen, zum Ausdruck gelangte, so hatte letzterer das Wort in all den Abteilungen, welche ihre Motive aus der Lokalgeschichte des letzten Jahres schöpften. Herhalten mußten namentlich die Steuervorlagen, die durchgegangenen wie die abgefallenen. Der Darmstädter trifft immer ins Schwarze, wenn er harmlos- gutmütige Kritik an Handgreiflichem üben kann. Der ätzende Ulk der Berliner und die gewagten Spitzfindigkeiten der Franzosen sind nicht für ihn. Noch etwas möchten wir konstatieren: Daß in Darmstadt, überhaupt im Hessenlande ein so schön gewachsener Menschenschlag aufgebracht werden kann. Derartigen Umzügen erwächst daraus ein riesiger Vorteil. Es sind ja natürlich nicht alle einheimisch, die mitwirken, aber den Grundstock stellt doch die heimische Bevölkerung.
Der verstorbene Emil Rittershaus hat einmal in einem auf dem Auerbacher Schloß gehaltenen Trinkspruch gelegentlich eines Schriftstellertages gesagt: „Es blüht ein Baum im Odenwald, halb Ahorn, halb Akazie, was haben die Frauen hier zu Land' für angeborene Grazie." Das läßt sich fast auch auf die „Frauen" ausdehnen, die im „Festzuge" solche nur spielten. Alles, was im „Zuge"
unter weiblicher Flagge schritt, fuhr und mimte, ließ es in keiner Beziehung an Anstand und Haltung fehlen. Wenn hier und da eine „Maske" an Ausschreitung litt, so „fasenachtete" sie eben auf „eigene Hand", gehörte nicht zu den regulären Truppen und fiel nicht unter die Verantwortung des „Karneval-Zug-Komitees", das alles nach, besten Kräften so fein, flott und amüsant wie nur möglich eingerichtet hatte.
Du wirst mir zugeben, lieber Leser — am Fastnacht- Dienstag erlaube ich mir das vertrauliche „Du" — daß es seine Schwierigkeiten hat, die Begriffe fein, flott und amüsant unter einen Hut zu bringen, und daß man deswegen die beglückwünschen darf, deren emsigen Vorarbeiten solch harmonisches Resultat gelungen ist.
Auch nachdem der Zug sich auf dem Mathildenplatz aufgelöst, übt Prinz Karneval noch durch sein direktes und indirektes Gefolge die Herrschaft auf Straßen und Plätzen aus. Einzelne Quartiere sind besonders begünstigt, so die Ecke um den „weißen Turm" herum, Parade- und Marien- platz, sowie der Theaterplatz. An letzterem befindet sich, das Hoflager Sr. närrischen Hoheit, die mit ihrer schönheitstrahlenden Prinzessin einen geradezu blendenden Erfolg erzielt hat! Und den Marienplatz muß ein großer Teil des Publikums überschreiten, der sich zum Maskenball im Saalbau begiebt.
Was der Saalbau. nicht faßt, das befindet sich eben in den vornehmen Restaurants, den bescheidenen Wirtschaften — die gemeine Fuselkneipe, der Schrecken in norddeutschen Städten, existiert bei uns, gottlob, noch immer nicht — oder auch auf den Straßen.
Und so dauert denn Prinz Karnevals Regiment that- sächlich bis in den Mittwoch hinein, wo es durch eine pompöse „Kappenfahrt" seinen Abschluß erreichen wird.


