Lehrer an Gymnasien, Realschulen, Volksschulen, Aerzte, Pfarrer, Kaufleute u. s. w., Männer, die durch ihren Beruf den zu beeinflussenden Kreisen schon näherstehen, und deshalb sich dem Verständnis derselben leicht anpassen können. Nun müßte das, was in einzelnen Gemeinden geschehen, der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden, jede Schranke müßte fallen, ein Kreis von solchen sich bilden, die ein warmes Herz für unser Volk haben und von der Notwendigkeit weiter auszudehnender Volksbildung durchdrungen sind.
Wo derartige Veranstaltungen bereits vorhanden waren, müßte man weiterbauen, weitherziger und opferwilliger werden, die Wollenden nicht durch Erhebung von Eintrittsgeld abschrecken, nicht erwarten, daß die großmütig ausgestreckte Hand von allen sofort ergriffen werde, sondern das Interesse wecken, mit freundlich-liebevoller Geduld heranziehen und festhalten, fesselnd darstellen, und womöglich stets Gelegenheit zu Besprechungen des Gehörten beten. Alle Mittel der Veranschaulichung wären mit Sorgfalt anzuwenden, wie Modelle, Präparate, Skioptikon, Karten, auch deklamatorische und ähnliche Einschübe, wie sie Oberpfarrer Dr. Luther für seine „deutschen Volksabende" empsiehlt. Für Leute, die sich tagsüber müde gearbeitet haben, oder die nicht die Fähigkeit oder Gewöhnung besitzen, längeren Auseinandersetzungen zu folgen, sind solche Hilfsmittel außerordentlich erwünscht, ja notwendig. ,
Staat und Gemeinden würden im Hinblick aus den Segen ausgedehnterer Bildung für die Gesamtheit mit der Gewährung erforderlicher Mittel nicht zurückstehen. In der Stadt wird man stets geeignete Kräfte zur Verfügung haben, es gilt nur, sie heranzuziehen und für den hohen Zweck zu erwärmen; ein wohldurchdachter Plan wird den einzelnen aufeinander folgenden Darbietungen zu gründe gelegt, damit sie ein einheitliches Ganze, etnen „Kurs bilden.
Auf dem Lande sind schon seit langen Jahren einzelne Pfarrer und Lehrer thätig, um außerhalb ihres Berufes, besonders auch unter Fabrikbevölkerung, „Bildung" zu verbreiten, und durch zweckmäßige Vereinigung kann der beabsichtigte Segen einem größeren Kreis von Gemeinden zu teil werden. Es kann den einzelnen nicht schwer fallen, wenn ihnen nur der gute Wille eignet, sich in eine Materie so einzuurbeiten, daß sie dieselbe ihrem Hörerkreis faßlich darbieten. Ein bejahrter Geistlicher hat so die Bestimmungen des Gesetzes über Jnvaliditäts- und Altersversicherung, noch bevor dasselbe in Kraft trat, den Knechten seiner Gemeinde in einer Weise klargelegt, daß sie nicht in das allgemeine Raisonnement einstimmten, da sie „aufgeklärt" waren. Andere haben neben geschichtlichen und naturkundlichen besonders gesundheitliche Fragen behandelt, wie den Einfluß der Luft und des Wassers auf den menschlichen Körper, Ernährung, Blutkreislauf, die erste Hilfe in Unglücksfällen, und der Erfolg war bei vielen Hörern sicht- und fühlbar.
Doch man wird entgegnen, auf solche Weise käme wahre Bildung nicht zu stände, man enthalte das Ganze vor! Zugegeben, daß Vorträge oben geschilderter Art nicht in allen Stücken auf der Höhe der „Wissenschaft" stehen, ist das ein zu großer Schaden, so bessere man ihn aus! Es giebt doch wohl Wege, denjenigen Kräften, die sich in den unmittelbaren Dienst des „Volkes" stellen, die neuesten Forschungen, soweit sie zweckdienlich, in geeigneter Weise zugänglich zu machen. Besondere Kurse für die oben erwähnten Lehrer des Volkes, gehalten von Universitätsdozenten, und Zeitschriften, welche Material aus sachkundiger Hand darbieten, würden die Sache aufs wirksamste fördern. Die „Wissenschaft" biete das lautere Gold dar, die Hände finden sich, welche das Edelmetall in Münzen umprägen und dem Volke vermitteln, das jenes nur m dieser Gestalt zu Verwerter vermag. B. S.
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Donnerstag den 31. August
Nr. 204
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Amtlicher Teil.
Gießen, den 26. August 1899.
Betreffend: Den direkten Einkauf der Bedürfnisse der Heeres- Verwaltung an Naturalien von den Produzenten.
Das Grobherzogliche Kreisamt Gießeu
<m die Grotzh. Bürgermeiftereieu des Kreises.
Die nachstehende Bekanntmachung obigen Betreffs teilen wir Ihnen unter der Empfehlung mit, für genügende Veröffentlichung derselben in Ihren Gemeinden zu sorgen.
Ferner machen wir Ihnen zur Pflicht, die an Sie gerichtet werdenden Aufforderungen der Proviantämter wegen unmittelbarer Einlieferung von Naturalien ordnungsmäßig bekannt machen zu lassen und erbetene Auskünfte bald und eingehend zu erteilen, auch die die Ortschaften bereisenden Proviantamts-Beamten mit Rat und That in ihren Absichten, den Verkehr mit den Produzenten zu beleben, zu unterstützen.
v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Den direkten Einkauf der Bedürfnisse der Heeres Verwaltung au Naturalien von den Produzenten betr.
Die Heeres-Verwaltung ist bestrebt, die zur Füllung der Magazine erforderlichen Naturalien, als Weizen, Roggen, Hafer, Heu und Stroh, sowie auch die für die Armee-Konservenfabriken benötigten Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen, Linsen), Gemüse und Blattgewürze (Möhren, Zwiebeln, Sellerie, Petersilie, Lauch) von Produzenten zu kaufen, einerseits um denselben eine günstige Absatzgelegenheit zu schaffen und damit der Landwirtschaft zu nützen, andererfeits um die Magazine mit guter Ware zu versehen und die ankaufenden Proviantämter unabhängiger von den Händlern zu machen. Obwohl die mit diesem unmittelbaren Ankauf der Naturalien für die Produzenten verbundenen Vorteile offen zu Tage liegen, auf diese auch die Produzenten seitens der Intendanturen und Proviantämter bei jeder Gelegenheit von neuem hingewiesen werden, sollen die unmittelbaren Einlieferungen quantitativ und qualitativ noch sehr zu wünschen übrig lassen. So haben namentlich die Proviantämter Darmstadt und Mainz trotz eifriger Bemühungen bis jetzt nur geringe Erfolge erzielt, aber auch die Erfolge der Proviantämter Hanau und Frankfurt a. M. sind teilweise nicht immer befriedigend gewesen.
Volkstümliche Kochschulkurse.
In anerkennenswertem Eifer hat man in der Gegenwart viele Wege beschritten, um das Dürsten unseres Volkes, d. h. seiner mittleren und unteren Schichten, nach Aufklärung und Bildung zu befriedigen. Besonders beachtens» wert sind die sogen, volkstümlichen Hochschulkurse, über deren weitere Ausbildung im März d. Js. zu Berlin eine Konferenz deutscher Hochschullehrer tagte.
Man kommt in diesen Kreisen im allgemeinen der Sache entgegen, und ist gern bereit, die eigene Kraft zur Verfügung zu stellen, dennoch ließen sih auch Stimmen hören, welche an der Erreichung des beabsichtigten Zweckes zweifeln, und vielleicht mit vollem Recht. So bestechend nämlich der Gedanke erscheint, daß die Sonne der reinen, „exakten" Wissenschaft auch bislang Fernstehende bescheinen und erleuchten möge, so schwer ist es für jeden Kenner der in Aussicht genommenen Kreise, an thatsächliche Erfolge zu glauben. Professor Conrad-Halle äußerte sich auf erwähnter Konferenz, „es sei bedenklich, wenn Universitätslehrer unmittelbar an die Arbeit herantreten wollten, da ihnen weder die Gabe, genügend volkstümlich zu reden, besonders eigen fei, noch die Fähigkeit, breitere Massen dem Zwecke entsprechend zu organisieren." Mit anderen Worten: das „Volk" hat nicht die Fähigkeit, Vorträge der Universitätslehrer zu verstehen, alle in Frage kommenden Schichten find mehr oder minder unvermögend, der Ausdrucks- und Darstellungsweise von Dozenten der Hochschule zu folgen, und deshalb kann die beste Absicht der letzteren nicht oder nur sehr teilweise zu dem beabsichtigten Erfolge führen. Man bedarf, wie Professor Löhlein-Gießen bemerkte, verbindender Glieder. Solche sind schon seit einer langen Reihe von Jahren in einzelnen Vereinen, wie kaufmännischen, Arbeiterbildungs-, Männer-, Krieger-, Jünglings-, Jungfrauen- und ähnlichen Vereinen in Stadt und Land thätig,
Nach einer Mitteilung der Intendantur des 18. Armee- Corps au Großh. Staatsministernim liegt die Ursache außer den verschiedenen Umständen, auf welche dieser Mißerfolg zurückzuführen ist (verhältnißmäßig geringer Getreidebau, Fehlen großer landw. Betriebe, Bequemlichkeit der Besitzer, direkten Absatz ihrer Produkte zu suchen) teilweise in folgendem:
1. Die Produzenten seien, abgesehen davon, daß sie ihre Ländereien vielfach noch nicht rationell genug bewirtschaften, unreines Saatgut verwenden, Unkraut aus den Aeckern nicht beseitigen, in der Bereitung ihrer Produkte für den Verkauf auch nicht sorgsam genug; insbesondere fehle es vielfach an zeitgemäßen Reinigungsmaschinen, um das Getreide magazinfähig zu machen.
2. Die Produzenten machten sich von dem Einflüsse der Händler und Makler oft noch nicht frei; sie ließen sich von diesen einreden, daß sie seitens der Proviantämter unfreundlich, ja chikanös behandelt würden, daß die Abwickelung von unmittelbaren Geschäften mit denselben sehr zeitraubend sei, überhaupt sich für sie nicht eigne.
3. Selbst die landw. Genossenschaften machen, wie uns mitgeteilt wird, die Geschäfte mit den Proviantämtern vielfach nicht unmittellar, sondern durch Makler.
4. Die Bürgermeistereien zeigen angeblich nicht immer das notwendige Interesse, um in ihren Ortschaften dem Verkehr der Produzenten mit den Proviantämtern Eingang zu verschaffe!., indem sie Bekanntmachungen der Proviantämter ohne Interesse behandeln, erbetene Auskünfte unvollständig oder überhaupt nicht erteilen sollen.
Indem wir die nachstehenden Bestimmungen über den Ankauf der Naturalien seitens der Proviantämter von den Produzenten, in welchen auch die Ankäufe der Armee-Konservenfabrik in Mainz an Hülsenfrüchteu und Wurzelgemüsen berücksichtigt sind, zur allgemeinen Kenntnis bringen, empfehlen wir den Produzenten, bei Verkäufen an die Proviantämter nur reelle und gut gereinigte Ware zu liefern und hierzu nötigenfalls (vielleicht ortschaftsweise) gute Putzmühlen (Preis ca. 150 Mk.) anzuschaffen, auch sich persönlich oder durch Großh. Bürgermeisterei oder einen aus ihrer Mitte gewählten Vertrauensmann wegen Einlieferung ihrer Produkte unmittelbar an die Proviantämter zu wenden.
Darmstadt, 10. August 1899.
GroßherzoglicheObere landwirtschaftliche Behörde. Braun.
Bestimmungen für die Lieferung landwirtschaftlicher Erzeugnisse an Proviantämter.
1. Garnisonorte mit Proviantämtern.
Im Bereiche des 18. Armeekorps bestehen Proviantämter gegenwärtig in Darmstadt, Frankfurt a. M., Hanau und Mainz.
Außerdem besteht in Mainz eine Armee-Konservenfabrik.
2. Anzukaufende Naturalien.
Von den Proviantämtern werden für gewöhnlich Roggen, Hafer, Heu und Roggenstroh angekauft. Der Ankauf von Weizen, Weizenstroh, Haferstroh und sonstigen Erzeugnissen geschieht nur ausnahmsweise und wird jedesmal besonders bekannt gemacht.
Die Konservenfabrik Mainz kauft Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen, Linsen) sowie Gemüse und Blattgewürze (Möhren, Zwiebeln, Sellerie, Petersilie, Lauch (Porree).
3. Ankaufszeit.
Der Ankauf der vorbezeichneten Naturalien beginnt in der Regel gleich nach der Ernte und zwar
Heu gegen Mitte Juni,
Roggen und Roggenstroh zu Anfang August, Hafer gegen Ende August, Hülsenfrüchte Mitte September, Gemüse und Blattgewürze und zwar Zwiebeln Anfang September, Möhren, Sellerie, Petersilie und Lauch im November.
Der Ankauf der Proviantämter dauert gewöhnlich bis April des nächsten Jahres, bei Stroh auch über diesen Monat hinaus, meist das ganze Jahr hindurch.
Der Beginn des Ankaufs wird seitens der Proviantämter öffentlich (durch Zeitungen und ortsübliche Bekanntmachungen) und durch schriftliche Mitteilungen an die Kreisbehörden, Ortsvorstände und landwirtschaftlichen Verbände bekannt gegeben.
Gleiches geschieht, wenn der Ankauf beendet oder wegen Mangel an Lagerraum eingestellt werden muß.
4. Einlieferung.
Einlieferungen können au jedem Wochentage erfolgen.
Sollen größere Mengen von Getreide- oder Hülsen- früchten zur Lieferung kommen, so ist es zweckmäßig, daß dem Proviantamt (der Konservenfabrik) vorher mündlich oder fchriftlich Mitteilung über Menge und Lieferungszeit gemacht und demselben eine Durchschnittsprobe (vom Haufen


