rmf sich beruhen. Sollte sie richtig sein, so bestätigte sie blos unsere Annahme, daß die Engländer nur Schritt für Schritt zum Entsatz Kimberleys vorwärts kommen und, von den Buren stets beunruhigt, sich unter erheblichen Verlusten durchkämpfen müsien. Daß es an letzteren auch bei Honey- nest-Kloof (wenn dort ein Gefecht stattgefunden hat), nicht gefehlt hat, verrät ja die Meldung selbst dadurch, daß sie über die Verluste sich ausschweigt.
Jedenfalls ist es unsinniges Gerede, wenn es in englischen Berichten heißt, es sei für nötig befunden worden, auf Warr ent on am Vaalfluffe, ziemlich weit nördlich von Kimberley, wo die Grenzen Transvaals, des Freistaates und der Kapkolonie sich berühren, zurückzugehen, „um die Buren wieder ruhiger zu machen". Wir haben noch nichts davon gehört, daß sie beunruhigt feien, sonst würden sie nicht jeden Fuß breit Landes den unter General Methuen vordringenden Entsatztruppen mit solcher Standhaftigkeit streitig machen. Gehen sie schließlich wirklich auf Warrenton zurück, so ist das sicher in ihrem alle Möglichkeiten bedenkenden Kriegsplane vorgesehen gewesen. Aber eine Aufgabe der Belagerung Kimberleys würde erst dann nötig wenn es Lord Metheun gelungen fein würde, den Ueber- gang über den Modder River und den Riet-Fluß, die er sicher nicht mehr überbrückt finden wird, zu erzwingen.
Die mittleren Kolonnen der Engländer unter General Gatacre und General French haben noch nicht viel von sich hören lassen. Die kleinen Scharmützel, welche diese Kolonnen bisher auf ihrem Vormarsch nach dem Norden gehabt haben, dienen höchstens dazu, zu beweisen, daß äußerste Vorsicht geboten ist. Der Vormarsch ist denn auch thatsächlich wieder eingestellt worden und diese Unterbrechung hat nur bewirkt, daß die Afrikander der besetzten Landesteile sich offenbar in Scharen den Buren anschloffen. General Gatacre wird nach feiner Vereinigung mit General French über etwa 7000 Mann verfügen, die stark genug sein sollten, um den Feind zu schlagen, falls dieser ihnen den Gefallen thut, sich zum Kampf zu stellen. Vermutlich wird der Feind es aber vorziehen, die englische Mittelkolonne stets zu belästigen und zu schwächen, ohne zu ernstlichem Widerstand überzugehen. Einem so übermächtigen, aber an Kavallerie so schwachen Detachement gegenüber, wie es Gatacre befehligt, ist Der Guerillakrieg die einzig richtige Kampfweise, die zu vollständiger Aufreibung des Feindes führen könnte.
Die Buren werden überhaupt Aussicht auf Erfolge nur dann haben, wenn sie den Feind durch kleine Gefechte zu schädigen und feine Uebermacht zu verringern suchen, Entscheidungsschlachten aber, wenn nicht besonders günstige Bedingungen vorliegen, grundsätzlich vermeiden. Für eine derartige Kriegsführung sind die Buren geradezu Prädestiniert.
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London, 28. November. Einem Privattelegramm zufolge sollen die 9 Lancers, welche nach der Schlacht von Belmont den Befehl erhalten hatten, den fliehenden Feind zu verfolgen, denBurennochimmer aufdenFersen(?) sein und vorzügliche Dienste als Cclaireure thun. Das Kriegsamt weiß allerdings hiervon nichts zu melden, ebensowenig darüber, daß, wie berichtet, Lord Methuen bereits Honeynestloos genommen und zwei Millionen Patronen erbeutet haben. Man ist daher um die 9. Lanzenreiter noch sehr in Sorge. — Die englischen Truppen von Estcourt sind nach Frere gegangen, um den nach Norden marschierenden Buren den Weg abzuschneiden. Man erwartet in jener Gegend einen heftigen Kampf. — Wie offiziell gemeldet wird, verloren die Engländer in der Schlacht am 25. ds. Mts. zehn Tote, 75 Verwundete und zehn Vermißte.
Berlin, 28. November. Der „Berl. Lok.-Anz." veröffentlicht einen Brief aus Kapstadt, in welchem es heißt, daß Oberst Schiel, der in der Schlacht bei Elandslaagde durch das linke Oberbein geschossen war und die ganze nacht unter einem Mantel, den einer der Gordon-High- landers über ihn geworfen hatte, auf dem Schlachtfelde zugebracht hat, nach vierzehn Tagen ziemlich fähig war, ohne Krücken zu gehen; er klagte nur über Schmerzen im unverletzten Unterschenkel, speziell in den Sehnen; er ist ganz ergraut. Leutnant v. Albedyll wurde in derselben Schlacht schwer durch die Brust getroffen und soll im Burenlager bei Dundee liegen. Weiter wird in dem Briefe berichtet, daß man englischerkeits sehr erbittert ist, soviele Deutsche und speziell frühere Offiziere auf der Burenseite anzutreffen. Man fürchtet, daß es manchem Gefangenen schlecht ergehen wird, der früher der deutschen Armee angehörte und nachdem er nun auf der Burenseite angetroffen wurde, diplomatische Intervention unmöglich erscheint-
Loudon, 28. November. In der'Aapkolonie nimmt die Aufregung unter den Afrikandern immer mehr zu, sodaß General Jatacre die Mehrzahl seiner Truppen zur Unterdrückung der Aufständischen verwenden muß.
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Telegramme des „Gießener Anzeiger".
London, 29. November. Nach der amtlichen Vertu st-Liste bei Graspan wurden 6 Marine-Offiziere getötet. Die Landtruppen hatten 3 Offiziere verwundet, 10 Mann tot und 72 verwundet. 10 Mann werden vermißt. Mit den Vermißten der Marine-Brigade, die auf 105 Mann angegeben werden, ergiebt dies somit einen Gesamtverlust von 200 Mann. Aus dem Umstande, daß «die Verlustliste des Generals Buller auch die Gefallenen des 9. Lanzen- Reiter-Regiments erwähnt, dagegen niemand als vermißt gemeldet wird und daß ferner berichtet wird, die Lanzenreiter hätten am Sonntag an einem Rekognoszierungsritt teilgenommen, wird hier geschloffen, daß die Lanzenreiter nach Aufgabe der Verfolgung in das Lager zurückgekehrt sind, was Lord Methuen zu melden unterlassen hat.
London, 29. November. Die Überschreitung des
I Tugela-FlusseS seitens der englischen Hilfs-Armee ist I immer noch nicht erfolgt. — Das Kriegsamt veröffentlicht ein Telegramm aus Kimberley vom 28. November, worin der Oberst, welcher die Garnison von Kimberley befehligt, berichtet, daß ein Hauptmann, ein Leutnannt und 3 Mann während eines Gefechtes, welches am 23. d. M. stattgefunden hat, verwundet worden sind. Der Gesund- heitszustand der Garnison sei äußerst befriedigend. — Nach Berichten, die aus Eingeborenen-Quellen kommen, geben die Buren ihre Stellung im Süden von Kimberley auf. Ein anderes Telegramm berichtet, daß General Gatacro Bush- ! manShock mit einem Bataillon Infanterie besetzt hat. Das Gros seiner Truppen befindet sich in Putters-Kral. Der Feind zieht sich zurück.
Loudon, 29. November. Das Kriegsamt veröffentlicht eine Note, worin die Rückkehr des 9. Lanzen-Reiter- Regiments, welches als verloren betrachtet wurde, gemeldet wird. Das Kriegsamt hat zwar hierüber kein direktes Telegramm erhalten, aber es geht dies aus zwei anderen Telegrammen hervor.
Loudon, 29. November. In Fachkreisen ist man der Ansicht, daß Ladysmith den Buren in die Hände fallen werde, bevor die englischen Ersatztruppen eingetroffen sind. Die Laufgräben der Buren reichen bis 200 Mtr. an die englischen Laufgräben heran. Es soll bereits Mangel an Trinkwaffer herrschen.
London, 29. November. Aus privater Quelle wird berichtet, daß die Buren ihre frühere Taktik wieder beginnen, indem sie sich überall in der Front zurückziehen und mit den Flanken den Feind bedrohen. Die Verbindung mit Ladysmith ist noch nicht hergestellt. Es wird berichtet, daß General Buller in seinem Telegramm hierüber nichts erwähnt.
Paris, 29, November. Hier tritt mit Bestimmtheit das Gerücht auf, daß zwischen Paris und Petersburg bereits die Eventualität einer Vermittelung zwischen England und den südafrikanischen Republiken erörtert wird.
Brüssel, 29. November. Zum ersten Male seit Beginn des Krieges erhielt Br. Leids einen direkten Bericht deS Präsidenten Krüger über die Vorgänge auf dem Kriegsschauplätze bis Ende Oktober, woraus hervorgeht, daß die Lage der Buren eine sehr günstige ist. Der Bericht stellt fest, daß die Engländer dieKaf fern und Bafutos rekrutieren, welche in den Reihen der Engländer kämpften. — Dr. Leyds übersandte gestern allen europäischen Regierungen eine Protestnote gegen dieses Vorgehen der Engländer.
Deutsches Keich.
Berlin, 28. November. Nach einer Meldung aus Wolverton hat das deutsche Kaiserpaar sich heute morgen nach Port Victoria begeben.
— Die Wahlprüfungskommission des Reichstages hat heute die Wahl des Abgeordneten Pauli (Rp.) für gütig erklärt.
— Nach der neuen Fraktionslifte, die im Reichstage ausgegeben worden ist, zählen die Deutsch- Konservativen 52 Mitglieder, die Reichspartei 22, die Deutsch soziale Reform-Partei 10, das Centrum 106, die Polen 14,* die Nationalliberalen 47, die Freisinnige Vereinigung 13, die Deutsche freisinnige Volkspartei 28, die Deutsche Volkspartei 7, die Sozialdemokraten 57 Mitglieder, keiner Fraktion gehören 39 an. Erledigt sind zwei Mandate, nämlich Calbe-Aschersleben, nachdem dem Abgeordneten Schmidt (Soz.) durch gerichtliches Urteil das Mandat aberkannt worden, und Germersheim, wo Gander (natl.) gestorben ist. - W
— Die wirtschaftlicheVereinigung des Reichstages ist vom Vorsitzenden, Abgeordneten Rettich (kons.) zum 30. November 8 Uhr abends einberufen worden. Auf die Tagesordnung dieser Sitzung sind gesetzt worden, die Besprechung der Novelle zum Münzgesetz und die Beratung des der 15. Kommission unterbreiteten Gesetzentwurfs betr. die Schlachtvieh- und Fleischbeschauer.
— In der 14. Kommission des Reichstages wurde heute die Beratung des Telegraphengesetzes fortgesetzt. § 4 erhielt nach langer Debatte die Fassung der Regierungsvorlage. Die Abstimmung über § 6 (in voriger Sitzung ausgesetzt) wurde vertagt. Nächste Sitzung am 2totluo% I m
— Nach einem der „Voss. Ztg." aus London übermittelten Washingtoner Telegramm soll der Berliner Botschafter der Vereinigten Staaten, Mr. White, demnächst seinen Posten wegen seines vorgerückten Alters niederlegen.
Köln, 28. November. Auch die „Köln. Vztg." rechnet mit der Wahrscheinlichkeit einer Auflösung der Parlament arischenKörperschaften und fordert die Centrumsfraktion auf, entsprechende Maßregeln zu treffen.
Metz, 28. November. Pariser Blätter wird von hier gemeldet, daß englische Werber in der Umgegend von Metz arbeitslose Arbeiter für den Eintritt in die englische Armee zu gewinnen suchen.
Ausland.
Wien, 28. November. In Hoskreisen will man wiffen, daß der Kaiser bereits beschlossen habe, die Pariser Weltausstellung im nächsten Jahre zu besuchen.
Wien, 28. November. Der „Polit. Korrcsp." zufolge hat die englische Regierung auch dem Wiener Kabinett mitteilen lassen, daß England sich im Kriegszustände mit den südafrikanischen Republiken befindet.
Wien, 28. November. Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, faßte der Jungczechenklub den Beschluß, nach
I Ablehnung der Initiative zur Einberufung einer Verständigungskonferenz seitens der Ob- männer-Konfercnz der Linken, in die schärfste Obstruktion einzutreten. Br. Engel soll noch heute der parlamentari- ! scheu Kommission der Rechten hiervon offiziell Mitteilung ; machen.
Brüssel, 28. November. In Virton steht feit gestern abend die Gendarmerie-Kaserne sowie das anstoßende Krankenhaus in Flammen. Die Kranken konnten gerettet werden.
Paris, 28. November. Nach einer Meldung aus London sollen vor einigen Tagen in dortigen Gefängnissen Gefangenen Vorschläge zum Eintritt in die enelische Armee gemacht worden sein. Zahlreiche Gefangene sollen bereits das Anerbieten angenommen haben.
Marseille, 28. November. Von den 40 Verhaftungen, welche gestern unter den Mitgliedern der Camorra vorgenommen wurden, sind bis jetzt zwölf aufrecht erhalten worden. Es stehen weitere Verhaftungen bevor.
London, 28. November. 10000 Angestellte des Zeughauses von Woolwich erhielten die Mitteilung, daß die Arbeit während des Weih nachts festes nicht unterbrochen wird.
London, 28. November. Einer Petersburger Drahtung der „Daily Mail" zufolge wurde in der vorigen Woche ein neues Abkommen zwischen Rußland und Persien unterzeichnet, wonach Rußland Verlängerung seines Monopols für Eisenbahnen in Persien bis Oktober 1909 erlangt.
London, 28. November. Wie dem „Newyork Evening Journal" gemeldet wird, haben sich in der Provinz Pinar del Rio 1000 bewaffnete Cubaner versammelt und die Flagge der Empörung für die Unabhängigkeit CubaS gehißt. Allenthalben hält man im Geheimen Meetings ab, auch verschiedene Führer der Cubaner sind verschwunden. Die amerikanischen Truppen in Cuba stehen in Bereitschaft.
London, 28. November. Nach einer Meldung aus Southampton soll Jameson dort inkognito angekommen und nach London weitergereist fein.
New-Aork, 28. November. Die „World" versichert, man habe in Havanna die Urheber des Attentats gegen das amerikanische Kriegsschiff „Mainefestgenommen. Es sollen Bediente eines cubanischen Beamten sein. Dieselben sollen zur Ausführung ihrer Frevelthat 350 Ko. Schießbaumwolle verwendet haben und demnächst vor ein Gericht gestellt werden.
Lokales und UrooinMes.
Gießen, den 29. November 1899.
•* Bestätigung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 22. November den von Seiner Durchlaucht dem Fürsten zu Isenburg und Büdingen in Birstein auf die evangelische Pfarrstelle zu Sprendlingen, Dekanat Offenbach, präsentierten Pfarrer August Frey zu Hitzkirchen für diese Stelle zu bestätigen.
*’ Landtagswahl Gießen-Laud. Wie wir noch in einem Teile der Dienstags-Nummer mitteilen konnten, wurde bei der am Montag Nachmittag auf dem „Windhof" vorgenommenen Wahl eines Abgeordneten für den Landtagswahlbezirk Gießen - Land Herr Bürgermeister Leun in Großen Linden mit 21 Stimmen gewählt. Auf den Kandidaten der sozialdemokratischen Partei, Herrn Redakteur Scheidemann, fielen 15 Stimmen. Wie die „Kl. Pr." meldet, ging bereits seitens der unterlegenen Partei ein Protest gegen die Giltigkeit der Wahl ab.
** -r- Stadttheater. Einen hier fast beispiellosen Erfolg hatte am gestrigen Abend in unserem Stadttheater Herr Kgl. Hofschaufpieler E m i l R i ch a r d aus Stuttgart in feinem ersten Gastspiele „Onkel Bräsig" als Träger der Titelrolle, des Zacharias Bräsig. Diese unverwüstliche Hauptfigur der Reuterschen Gestalten hat Herr Richard in seiner Bearbeitung des Reuterschen Stoffes so köstlich ausgestaltet und naturgemäß so trefflich dargestellt, daß ein voller Erfolg nicht ausbleiben konnte. Nach jedem Akte mußte der gefeierte Gast wiederholt vor der Bühne erscheinen und lautes Bravo lohnte diese prächtige Leistung. Beschreiben läßt sich eine solche individuelle Darstellung nur sehr schwer und ist in einem kurzen Referat nicht zu bewältigen; um sie richtig und ihrem vollen Wert nach zu taxieren, muß man den Künstler sehen und selbst hören. Dazu bietet sich heute abend und am Freitag zum ketztenmale Gelegenheit. — Unter den hiesigen Künstlern stand Herr Rolan mit seiner ganz trefflichen jüdischen Maske und feinem recht „anheimelnden" Jargon mit an erster Stelle. Auch ihm wurde wiederholter Hervorruf — sogar bei offener Szene — zuteil. Herr Steinert (von Rambow) sowie Fräulein Haussig (Frau von Rambow) boten beide auf ihren verschiedenen Wegen bis zur Entwickelung, zu der sie sich wiederfinden, sehr gute und auch anerkannte Leistungen. Herr Walter als Inspektor Habermann stach natürlich gegen seinen Partner etwas ab, hielt sich aber, im Hinblick auf die Verhältnisse, in welchen der Gast zum Stück und zur Hauptrolle selbst steht, immerhin sehr wacker. Auch sonst wurde flott und mit Laune gespielt. Das Theater war gut besetzt.
*• Theaterverein. Wir machen auf die Bilder Arthur Bauers aufmerksam, die in den Schaufenstern der Herren Frees, Noll und Challier ausgestellt sind. Herr Bauer gastiert bekanntlich Dienstag den 5. Dezember in dem Schauspiel „Ewige Liebe" von H. Faber als Musikus Führing. Das beste Kostümbild steht u. a. in dem Schaufenster der Frees'schen Buchhandlung.
*• Sonntagnachmittags - Vorstellungen im Stadttheater. Vielfachen Wünschen, namentlich der außerhalb Gießens wohnenden Theaterfreunde, entsprechend, hat die Direktion beschlossen, am nächsten Sonntag, nachmittags um


