Ausgabe 
29.10.1899 Erstes Blatt
 
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Soldaten nnd Offiziere in der Ausübung ihrer Pflicht ge­fallen oder verwundet worden sind. Sie schließt ihre Bot­schaft, indem sie die Hoffnung ausdrückt, Gott möge die Anstrengungen der Armee unterstützen, um den Frieden wiederherzustellen und eine gute Regierung in diesem Teile ihres Reiches zu sichern und die Ehre Englands zu ver­teidigen.

z-tultrs im- Vrormyiettes.

Gießen, den 28. Oktober 1899.

** GeschichtSkalerrdei». (Nachdruck verboten.) Vor 631 Jahren, am 29. Oktober 1268, wurde Konradin Herzog von Schwaben, der letzte Hohenftaute, nebst seinem Busenfreund Friedrich von Baden auf dem Karmelitermarkt zu Neapel mit dem Beile ent­hauptet. Fern der Heimat wurden die Leichname der Getöteten in eine kleine Kapelle und später in der Kirche St Maria del Carmine beigesetzt, wo sie sich jetzt noch befinden.

** Kunfivereiu. In der Gemälde-Ausstellung im Turmhaus am Brand sind einige Gemälde von Rich. Sckolz, München, neu ausgestellt.

* Geflügelzucht-Verein. Wie uns mitgeteilt wird, hält, nachdem sich Herr Chr. Duill in der liebenswürdigsten Weise zur Hergabe der Lokalitäten bereit erklärt hat, der hiesige Geflügel- und Vogelzucht-Verein am 26., 27. und 28. Januar n. I. in den oberen Lokalitäten desWind- hofes" seine 3. allgemeine Geflügel- und Vogel- Ausstellung ab. Der Verein hat mit seinen derartigen Veranstaltungen seither entschiedenen Erfolg gehabt. Seine Bemühungen um die Hebung der Geflügelzucht haben all- seitige Anerkennung gefunden. Es steht deshalb wohl außer jedem Zweifel, daß die 3. Ausstellung, deren Leitung in tüchtigen Händen ruht, sich anerkennender Teilnahme in der Oeffentlichkeit erfreuen wird. Wir werden über den Fort­gang des Unternehmens bald weiteres berichten.

* Aus dem Theaterbureau. Wie bekannt, findet morgen Sonntag die erste Kindervorstellung:Prinzessin Marzipan", statt. Dieselbe beginnt um 4 Uhr und sind die Billets hierzu im Vorverkauf bei Herrn Challier und von 37i Uhr ab an der Kasse zu haben. Die Preise der Plätze sind aus dem Inseratenteile ersichtlich. Abends kommtIm weißen Rößl" zur Aufführung, und am nächsten Dienstag findet die Premiere der Fortsetzung desselbenAls ich wieder!am" statt. DerBerliner Börsen-Kourier" schreibt über die Erstaufführung in Berlin folgendes: DesWeißen Rößl" andere Hälfte ist gestern abend imLessingtheater" mit stürmischer Heiterkeit begrüßt worden. Das vom ersten Augenblicke an fröhlich gestimmte Publikum bereitete dem zweiten Teile der Giesekeade einen rauschenden Erfolg und rief die vergnügten Verfasser und die vergnügten Darsteller immer wieder heraus. Mehr als aller Applaus beweist das Lachen den Erfolg eines luftigen Stückes, und gelacht wurde gestern abend im Lessingtheater so viel wie beimWeißen Rößl".

* Ueber das vom Saalbauvereiu zum Konzert für den 2. November gewonnene Quartett Udel schreibt das Leipziger Tageblatt":O, das war guat!" In diese wenigen charakteristischen Worte faßt man wohl am treffendsten das einstimmige Urteil der gesamten gestern abend die weiten Räume der mächtigen Alberthalle füllenden Hörer­schaft über die ganz einzigen Darbietungen des unübertreff­lichen Udcl-Quartetts aus Wien zusammen. Das war einmal wirklicher, echter, unverfälschter Humor, dessen un­widerstehlicher Macht sich niemand zu entziehen vermochte, ein Humor, der in der Thatwie ein Gruß der holden Frühlingssonne anmutet und mit seinen Wärme und Fröh­lichkeit verbreitenden Strahlen das Dunkel so manchen menschlichen Gemütes erhellt". Wir haben Künstler und Gelehrte, die ihr ganzes Leben und Streben immer nur dem Dienste des Wahren, Heiligen, Ernsten in Kunst und Wissen­schaft geweiht haben, wir haben Leute, deren Wesen und Art, deren Begriffe und Anschauungen deutlich den Stempel der Strenge, der Würde und des Ernstes ihres Berufes, pflichtgemäßen Thätigkeit tragen, gestern abend ohne Unter­schied herzlich lachen hören und sich freuen, belustigen, er­götzen und amüsieren gesehen, und wir haben beobachtet, wie gerade sie mit am eifrigsten die Hände regten, wenn es galt, die Sänger zu lohnen für die heiteren Genüsse, die sie bereiteten, und ihnen immer neue Gaben aus dem un­

erschöpflichen Füllhorn ihres Humors abzujubeln. Auf die Vorträge (speziell auf die Solodarbietungen des Hauptes und der Krone dieses Quartetts, des Herrn Professors Udel) einzugehen, dürfen wir uns sparen, wohl aber glauben wir, uns nicht versagen zu dürfen, im Namen aller, die das Udel Quartett gehört und schätzen gelernt haben, die stürmische Bitte um baldige Wiederkehr Herrn Professor Udel gegen­über mit aller Nachdrücklichkeit zu unterstützen.

* Kaufmännische Verein. Ueber die Vorträge der Herren Clausen und von Bronk, Berlin, schreibt die Goslarer Ztg.": Der gestrige Vortrag der Herren Clausen und von Bronk-Berlin, überFernwirkung der Elektrizität", hatte wiederum ein äußerst zahlreiches Publikum angelockt, das mit der gespanntesten Aufmerksamkeit den Ausführungen des Redners, sowie den sehr interessanten Experimenten folgte. Im ersten Teile des Vortrages wurden die ver­schiedenartigen Wirkungen der Gleich- und Wechselströme, sowie zum Schluß die geheimnisvollen Röntgenstrahlen vor­geführt, während im zweiten Teile die neueste Erfindung, die wunderbare Fernwirkung der Elektrizität, die zu den Versuchen der Telegraphie ohne Draht geführt hat, demon­striert wurden. Die Experimente gelangen sämtlich vorzüg­lich, und der erläuternde Vortrag war selbst für Laien durchaus verständlich. Es war wieder einmal ein genuß­reicher und lehrreicher Abend, den wir dem Wissenschaftlichen Verein zu danken haben.

nn. Darmstadt, 28. Oktober. Die Abreise der russi­schen Herrschaften wird jetzt nach neueren Nachrichten nach dem Todestage des Zaren Alexander III. am 3. No­vember stattfinden, da an diesem Tage noch eine große Totenfeier in der hiesigen Kapelle abgehalten werden soll. Das städtische Elektrizitätswerk ergab im verflossenen Jahre einen Ueberschuß von Mk. 81,102. Das Wasserwerk einen solchen von Mk. 49,554.

Frankfurt, 27. Oktober. In dem hiesigen Unter­suchungsgefängnis wurde dieser Tage für einen Ge­sungenen ein Brief abgegeben. Das Schreiben wurde, wie üblich, dem Untersuchungsrichter übergeben, der es las und auf Grund des Inhaltes einen Gefangenenauf­seher und -Vorführer verhaften ließ. In dem Briefe wurden dem Adressaten Vorwürfe über feine Untreue, gemacht; die Schreiberin habe ihm doch alles Mögliche zugesteckt. Der Vorführer wird beschuldigt, sowohl diesem als auch noch anderen Angeklagten geheime Mitteilungen guter Freunde, die für den Gang des Prozesses von großer Wichtigkeit waren, zugesteckt zu haben.

Eingesandt.

Gießen, 28. Oktober 1899.

An die Direktion des hiesigen Stadt-Theaters!

Verehrliche Direktion wird hiermit höflichst ersucht, Leute, die sich erlauben, bei Volksvorstellungen für später Kommende Plätze zu reservieren, etwas mehr ins Auge zu fassen, wie man am Mittwoch zu beobachten die Gelegenheit hatte. Dieser Unfug muß im Keime erstickt werden, ehe er noch mehr um sich greift.

Würde es sich überhaupt nicht empfehlen, um Ueberfüllungen vor­zubeugen, für die Folge nicht mehr Billets auszugeben, als Plätze im Saale vorhanden sind? r.

Arbeiterbewegung.

Barmen, 27. Oktober. Sämtliche Kesselschmiede und Hilfs­arbeiter der Dampfkesselfabrik Siller und Jamart haben gekündigt. Sie verlangen lOprozentige Lohnerhöhung und 50prozentigen Zuschlag für Ueberstunden.

Leipzig, 27. Oktober. Die Angestellten der Leipziger elektrischen Straßenbahn sind in den Ausstand getreten. Zur Zeit verkehren nur wenige Wagen.

Krefeld, §6. Oktober. Der nach siebzehnwöchiger Dauer been» digte Ausstand der Seidenweber des Hauses Blasberg und Gärtner ist bezeichnend für die Gedankenlosigkeit, mit der die ver­hetzten Arbeiter ihren Führern folgen. Es wurde befohlen, ihr müßt streiken, und die Arbeiter folgten dem Befehl, ohne über seine Berech­tigung irgendwie nachzudenken.Gegen das Dreistuhlsystem" war der Ruf zum Kampfe. Von einem solchenSystem" konnte aber keine Rede sein. Ein überaus befähigter Arbeiter hatte schon seit fünf Jahren drei Webstühle zu gleicher Zeit beschäftigt, ohne daß die Mitarbeiter dem fleißigen Manne den dadurch erzielten Mehrverdienst mißgönnt hätten. Erst als der Verband der Weber entstand, wurde den Arbeitern von oben herunter befohlen, dieses angebliche Dreistuhlsystem als unmoralisch anzusehen und deswegen in einen Ausstand zu treten, nachdem die Firma erklärt hatte, daß sie es fürunmoralisch" halte, einem treuen Arbeiter

dadurch, daß sie ihm einen Webstuhl entzog, einen Teil ferne# Ver­dienstes zu entziehen Und ein so sehr mit den Haaren herbeigezogene» Ausstand hat 17 Woch-n gedauert und über zahlreiche Familien Kummer und Not gebracht. Nach dem Ausbruche des Ausstandes forderten die Ar­beiter außer der Beseitigung der Arbeit auf drei Stühlen noch eine Lohn­erhöhung. Die Firma bewilligte 10% Aufschlag. Als nun vor Monats­frist der Arbeiter, der den Anlaß zum Ausstand der übrigen gegeben hatte, um des lieben Friedens willen auf den dritten Webstuhl verzichtete als somit jeder Anlaß zum Ausstande genommen war, da forderten die Führer, die die Firma mürbe zu haben glaubten, 20 Prozent Lohner­höhung. Sie hatten aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die Firma blieb fest, und so haben denn die Arbeiter endlich wahr­scheinlich hat die Verbandskaffe, die viele tausende Mark zahlen mußte, es nicht mehr aushalten können eingesehen, daß sic umsostst ge­feiert haben, und so werden sie denn morgen früh die Arbeit wieder aufnehmen. Die Bildung eines Verbandes der Färbereibesitzer im engen Anschluß an den Verband der Sammt- und Seidefämnkanten steht bevor.

Kopenhagen, 27. Oktober. Ein Arbeiter-Konflikt ist hier ausgebrochen. Sämtliche Gießer der größten Firmen der Eisenbranch« haben die Arbeit niedergelegt, weil die Entlastung eines Arbeiters, der dem Fachverein nicht angehörte, verweigert wurde Dieser Ausstand bedeutet einen offenen Bruch des kürzlich mit den Arbeitgebern ge­schloffenen Vergleiches.

Universität und Hochschute.

Darmstadt, 27. Oktober. An der Technischen Hoch­schule fungieren als Abteilungs-Vorstände für das Studienjahr 1899/1900: in der Abteilung für Architektur Prof. Wickop, für Jngenieur- wiffenschaften Prof. Landsberg, für Maschinenbau Prof. Lincke, für Elektrotechnik Prof. Dr. Wirtz, für Chemie Prof. Dr, Dieffenbach, für die allgemeine Abteilung Prof. Dr. Dingeldey. Die unlängst von der Ingenieur-Abteilung für Studierende der Hochschule ausgeschriebene Preisaufgabe mit einem ausgesetzten Preis von 190 Mk. (einschl. 40 Mk. aus der Külp-Stistung) hat zum Gegenstand die Berechnung und Entwerfung der Eisenkonstruktion eines Turmhelmes. Lösungen, die graphisch oder analytisch durchgeführt sein können, sind bis zum 1. Mai 1900 einzureichen Dr. Mamroth von Frankfurt a M. hat auf die ihm für das Fach der Volkswirtschaftslehre erteilte venia legendi ver­zichtet. Die Privatdozenten Dr. Löbell und Dr. Baur werden im laufen- Semester nicht lesen. (Darmst. Ztg.)

Ernanntr Die philosophische Fakultät der Universität Jena ernannte den Prinzen Moritz von Sachsen-Altenburg zum Ehrendoktor.

Verschiedenes r In der von der philosophischen Fakultät Leipzig einberusenen Sitzung wurde der Direktor des deutschen Seminars, Herr Prof. Dr. phil. Sievers in Leipzig, zum Dekan für das laufende Studienjahr gewählt Das Dekanat der genannten Fakultät war ur­sprünglich Herrn Geh. Hofrat Pros. Dr. phil. Wilhelm Kirchner über­tragen worden, welcher sich jedoch durch seine spätere Wahl zum Rektor Magnifikus zur Uebernahme jenes Amtes außer Stande sah. Die ärztlichen Vorprüfungen an der Universität Leipzig nahmen gestern chren Anfang Es haben sich zu denselben im ganzen 18 Studierende gemeldet. Der Konsistorialrat D. Prof. Schultze in Rostock, früher an der Liebfrauenkirche zu Magdeburg thätig, hat am 23. d. Mts. sein 25jähriges Dozentenjubiläum begangen. Für das laufende Winte»- semester wird an der Rostocker Universität die erste Studentin in Gestalt einer zukünftigen Zahnärztin eingeschrieben werden. Das junge Mädchen hat an der Stadtschule zu Rostock das Reifezeugnis für Prima erworben.

Gerichtssaal.

Elberfeld, 26. Oktober. Der Knecht Franz Kenne vo» Braunichweia war im vorigen Jahre während feiner Mtlitärdienfd- zett wegen Majestätsbeleidigung und Ge.orsamsv >w tgerung vom Kriegsgericht zu 3 Jahre», und 1 Monat Gefängnis verurteilt worden. Als er im August vor. Js. zur Ve>büßung dieser Strafe in das hiesige Arresthaus gebracht wurde, beg'ng er bald nach feiner Einlieferung abermals eine Majeflätsbeletdigung. wegen deren die hiesige Strafkammer am 14. November vor. Js. die gegen Kenne schon verhängte Strafe auf 4 Jahre und 6 Monate Gefängnis er­höhte. Kaum war Kenne wieder in feine Zelle gebracht, so stieß er abermals eine Majcstätsbeleidtaung aus. In der Sitzung vom 1. Februar ds. Jtz., in der sich Kenne wegen der abermaligen Msjesiätsbeletdigung verantworten mußte, kam die Strafkammer zu der Ansicht, daß Kenne nicht ganz zu>echnungSfähig fein müsse. Sie ließ ihn daher in der Provinzia -Irrenanstalt in G afenberg auf seinen Geisteszustand beobachten und sprach ihn auf Grund der Beobachtung in einer fpät.ren Sitzung frei. Zugleich wm de hin­sichtlich der am 14. November ausgesprochen n Zasotzstrofe daS Wiederaufnahme-Verfahren eingeleitet, da der Direktor der Grafen­de! ger Irrenanstalt bekundete, daß Kenne nach feinen Ermittlungen und Beobachtungen geistig minder wertig fei, schon in der Schul- und während der Milttärzett an krankhaften Erregungen eelitien, die Majestätsbeleidioung in nnzurechnunasfäbigem Zustand bega-ger» bade. Jnfolged'ffen erkannte die Slra'kammer j.tzt aus Freisprechung. Zu entscheiden bleibt noch die Frage, ob Kenne die vom Kriegsg richt mit 3 Jahren und 1 Monat G.-ignts geahndete Maj stättzbeleid flung und Gehorsams» rwetgerung nicht ebenfalls in unzurechnungsfähige« Zustand begangen bat.

Breslau, 26. Oktober. Die hiesige Strafkammer ver­urteilte den Redakteur Löbe von der sozialistischen ,$ol'6troc6t* wegen Beleidigung des Dresdener Oberlai desgerichts in einem Arickel Über das Urteil im Prozeß wegen des Löbtauer LandfrtedenSbrucheS zu 2 Monaten Gefängnis.

plant der Künstler eine Tournee, die ihn an der Spitze einer eigenen Truppe auch in den Orient führen soll.

Wie bereits erwähnt, bieten die Klassiker Matkowskys Eigenart die dankbarsten Aufgaben. Hier findet er das günstigste Feld zur Bethätigung seines Charakterisierungs­vermögens. Allmählich ist aus dem jugendlichen Helden und Liebhaber wegen der zunehmenden Fülle seiner Gestalt der Held und Charakterdarsteller geworden. Der jugendliche Mortimer (Maria Stuart") ist zu Lord Leicester aufge­rückt, der Knabe Don Carlos zum reiferen Marquis Poja. Matkowskys Repertoire ist schier unbegrenzt. Es dürfte kaum eine klassische Figur seines Faches geben, die er nicht dargesteüt hätte. Und überall hat er sich mit derselben liebevollen Hingabe in seine Rollen versenkt und hat sie plastisch herausgearbeitet. Heuteliegt" ihm natürlich der Othello besser als der Romeo, der Grübler Faust besser als der Liebhaber Heinrich, Grillparzers König Ottokar besser als Phaon in derSappho". Immerhin ist beispielsweise fein Orest eine überwältigende Leistung, und mit zu den allerglänzendsien Offenbarungen seines Talents gehörte von je der Sigismund in Calderons Leben ein Traum". Unserem rührigen Theater­verein gebührt der Dank aller seiner Mitglieder für diesen ersten Abend seines Wintercyklus! Vor allem: ein tief bedeutsames tiefernstes, durch und durch klassisches Stück; sodann in der Hauptrolle selbst eine natürliche instink­tive und impulsive Elementarkraft nach Ausdruck treibend; endlich bei der späteren Selbstbestimmung, geistigen Be­

ruhigung und sittlichen Läuterung ein auch für das über- schäumende Temperament einen Matkowsky auffallend maß­volles, besonnenes, durch edle Feinheiten und ruhig große Momente künstlerisch gesegnetes Spiel so trafen günstige Vorbedingungen und Umstände gestern abend vortrefflich in eins zusammen, wurden Kongruenzen von Inhalt und Darstellung erzielt, welche in ihrer befriedigenden und ein­heitlichen Wirkung uns noch lange vorschweben werden. Die nachfolgenden Gäste des Theatervereins werden Mühe haben, den Matkowsky-Abend verblassen zu machen. Da­neben bot Matkowsky, trotz seines mit den Jahren vorge­schrittenen Embonpoints, als Sigismund eine entzückend schöne Erscheinung, wie er als Königssohn so strahlend jugendlich in den Thronsaal da hereinschritt; jetzt begreifen wir erst die Frauen! Es war endlich auch viel Ge- haltenheit und klare Würde später in seinem Spiel, nament­lich in den letzten Aufzügen; und vor Allem: man durfte hier einmal viel innere Hingabe an den künstlerischen Ernst der Aufgabe und jedes Fehlen von Virtuofenlaunen be­obachten und das war das Gute, ja das Beste der Wiedergabe des Sigismund durch Matkowsky, das war es zugleich, was uns innerlich erfreute und mit Genuß sattschauen ließ. Unsere einheimischen Kräfte treten naturgemäß hinter dem Gaste etwas zurück; das ist natürlich fein Tadel wir können ja in unseren einzelnen Berufsstellungen nicht alle gleich und im Besonderen nicht alle Koryphäen sein sondern das liegt in der Natur der Sache und der Per­sonen. Thatsächlich haben sie sich alle wacker gehalten.

Namentlich Herr Rolan als König Basilius hatte einen schweren Stand, behauptete sich aber tapfer und würdig. Das Auditorium erkannte fein Streben und seinen Erfolg wiederholt an. Fräulein Haussig als Nosaura, in männ­licher Kleidung wie als Dame gleich lieblich, verstand eS durch Gewandtheit und Sicherheit in Nolle und Haltung ein unangenehmes Distanzegefühl zwischen dem Gast und sich selbst beim Publikum nicht aufkommen zu lassen. Die Konstatierung dieser Thatsache darf uns zur Hoffnung auf weitere schöne Leistungen der Dame berechtigen. DaS gleiche gilt, natürlich nach Maßgabe des RollenumfangeS auch für Frl. Hammer, die wie wir zu unserer Freude konstatieren wieder recht gesund aussah, d. h. sofern ei* kräftiges Rot das Zeichen blühender Gesundheit ist. Die Herren Cur land (Clotald), Par en (Herzog Astolf) und Henry als Clarin standen voll in ihrer Aufgabe. Auch die Regie der Herren Helm und Kruse war vortrefflich. Nicht zum letzten freuen wir uns auch über die gute Be­setzung des HauseS. Wir loben letztere aber auch, denn die Aufführung des allegorischen, ernst moralischen und be­lehr end'eu Dramas eigentlich mehr: tiefsinnige» Spieles war in ihrer Gesamtheit eine über alle Er­wartung verständnisvolle. Darsteller wie Direktion dürfe» nach dieser ersten Aufführung für den Theaterverein ba$ Bewußtsein in sich tragen neben einem so großartig ver­anlagten Talent, wie es Maskowsky besitzt, ehrenvoll be­standen zn haben.r.

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