Was nun den Fall Arons im einzelnen anbetrifft, so liegen bei ihm die Dinge besonders eigenartig. Dr. Arons ist seit einer Reihe von Jahren Lehrer der Mathematik an der Berliner Hochschule; er hat in seinem Fache nichts besonders Hervorragendes geleistet, doch soll er an sich wissenschaftlich nicht untüchtig sein. Daß er im Hörsaal jemals etwas anderes, als seine Wissenschaft getrieben, ist nicht nachgewiesen und unseres Wissens nicht behauptet worden. Dagegen bekennt er sich öffentlich im Politischen Parteitreiben als Sozialdemokrat; da er in glänzenden Vermögcnsverhält- nissen leben und eine freigebige Hand haben soll, so ist er den sozialdemokratischen Führern ein recht wertvolles Mitglied, und sie haben ihm demgemäß öfters gestattet, bei politischen Wahlen zu kandidieren und öffentliche Reden zu halten, wenn auch bekannt geworden ist, daß die Aronsschen Reden und Anträge nicht immer nach dem Herzen jener sozialdemokratischen Machthaber gewesen sind. In der letzten Zeit hat man von einer öffentlichen Thätigkeit des Herrn Arons nichts mehr gehört; um so mehr mußte man von vergeblichen Versuchen der preußischen Staatsregierung hören, Dr. Arons aus der Privatdocentenstellung zu entfernen. Schließlich wurde ein eigenes Gesetz vom 17. Juni 1898 erlassen, das die preußischen Privatdozenten einem eigenen Disziplinarverfahren unterwirft, und auf Grund dieses Gesetzes ist jetzt das Verfahren gegen den Dr. Arons eingeleitet worden.
Selbstverständlich erscheint uns, daß dieses Verfahren nicht auf Grund von Thatsachen erhoben worden sein kann, die sich vor Erlaß dieses Gesetzes zugetragen haben. Vorher unterstand Dr. Arons keiner staatlichen Disziplin; er kann also jetzt nicht für etwas bestraft werden, was er vordem ohne Furcht vor Strafe thun durfte. Die Regierung hat es aber bisher unterlassen, die Thatsachen mitzuteilen, die sich seit Erlaß dieses Gesetzes vom 17. Juni 1898 zugetragen, und ein amtliches Einschreiten erforderlich gemacht haben. Die philosophische Fakultät hat in dem vom Ankläger beigebrachten Material keinen Anhalt gefunden, um das von der Staatsregierung erhobene Disziplinarverfahren zu rechtfertigen. Um so dringendere Aufgabe erscheint es uns jetzt für die Staatsregierung zu sein, der Oeffentlichkeit wenigstens einen festen Boden für die Beurteilung des weiteren Vorgehens zu geben, wenn sie nicht in den Verdacht geraten will, die unseligste Gesinnungsriecherei zu treiben. Denn die zweite Disziplinarinstanz, welche die Staatsregierung nach Blättermeldungen bereits angerufen hat, bildet das Staatsminifterium selbst, sodaß hier Ankläger und Richter in einer Behörde vereinigt sind. Die Staatsregierung hätte also doppelte Ursache, rechtzeitig dafür zu sorgen, daß die öffentliche Meinung in einer so einschneidenden Frage nicht haltlos im Finstern tappt, sondern zuverlässig und klar erkennen kann, was hier vorgeht. Will sie sich bei dem Spruch der ersten Instanz nicht beruhigen, so sollte sie ungesäumt die Gründe bekannt machen, die für sie das Judicium parium als unannehmbar hinstellen. Das Schicksal des Herrn Dr. Arons als Person ist für uns völlig nebensächlich; wir haben bisher keine Seite an ihm entdeckt, die ihn uns besonders sympathisch machen könnte. Um so wichtiger erscheint uns das sachliche Vorgehen als solches. Wir müssen erkennen, welche Politik hier mit Herrn Dr. Bosse Herr v. Miquel und seine Amtsgenossen befolgen wollen, und wir möchten vor allem den Eindruck verwischt sehen, daß hier ein Verfahren eingeschlagen ist, in dem, kurz gesagt, ein Elefant den Kampf mit einer Mücke ausgenommen hat.
Deutsches Reich.
Berlin, 27. Juli. Der Kaiser trifft, von seiner Nordlandreise zurückkehrend, morgen in Bergen ein und verbleibt dort am 29. und 30. In Kiel kommt er am 1. August morgens an. Er wird erst am 4. August am Spätnachmittage in Wilhelmshöhe erwartet.
— Der Kaiser hat von Drontheim aus die preußische Gesandtschaft in Hamburg beauftragt, ihm über das Befinden des schwerkranken Bürgermeisters von Hamburg, Herrn Dr. Versmann, täglich Bericht zu erstatten. Das letztveröffentlichte Bulletin lautet: „Der Zustand ist äußerlich unverändert: doch nehmen die Kräfte langsam ab."
— Der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe begibt sich heute von Wildbad nach München und wird am 3. August in Aussee eintreffen.
Berlin, 27. Juli. In einem westfälischen Blatte werden in Bezug auf die Veränderung der Reisedispositionen des Kaisers folgende Angaben gemacht: Es schweben seit 10 Tagen Verhandlungen zwischen unserem und dem französischen Kabinett, welche eine Landung unseres Kaisers bei seiner Rückkehr von der Nordlandreise in einem französischen Hafen, Cherbourg oder Brest, vorbereiten. Diese Verhandlungen sind die Veranlassung zu den veränderten Dispositionen betreffs des Kaiserbesuches im Industriegebiete gewesen. Je nachdem sie zu einem definitiven Abschluß kommen, darnach richtet sich der Kaiserbesuch in Dortmund. Sollten sie zum Ziele führen, so dürfte die Einweihung für den 14., anderenfalls für den 11. August anberaumt werden.
Berlin, 27. Juli. Kapitän zur See Graf B a udissin ist unter Belassung in seiner Stellung als Kapitän der Kaiseryacht „Hohenzollern" zum Flügel-Adjutanten des Kaisers ernannt worden.
Berlin, 27. Juli. Die Steinmetzen waren heute in einer Zahl von 346 ausständig. An fünfzig jüngere Leute haben Berlin verlassen, um den Streikenden den Kampf hier zu erleichtern. Eine entscheidende Wendung in dieser Lohnbewegung wird morgen eintreten, weil die Bunzlauer Arbeitgeber sich im Laufe des heutigen Tages über den von den dortigen Steinmetzen aufgestellten Tarif entscheiden werden und ihr Beschluß auch für die Berliner Arbeitgeber von Einfluß ist.
Berlin, 27. Juli. Kompensationsforderungen
hat in Sachen des Mittellandkanals die Brandenburgische Landwirtschaftskammer aufzustellen beschlossen. In der betreffenden Petition an das Staatsministerium und die beiden gesetzgebenden Körperschaften soll in erster Linie eine Hebung der Wassernot im Odergebiete gefordert werden, da der Staat durch seine Wasserbauten im Interesse des Handels hauptsächlich den Notstand verschuldet habe.
Berlin, 27. Juli. Samstag, den 29. Juli können zwei alte Generale z. D. den Tag feiern, an dem sie vor 7 0 Jahren in die Armee eingetreten. Es sind dies der um die Technik der Handfeuerwaffen wohlverdiente General- Leutnant z. D. Wolff v. Ling er und der General-Major z. D. v. Blumenthal.
— Zum schwarz-roten Bündnis. Herr Dasbach hat den alten Liebknecht gereizt und dieser plaudert nun Verschiedenes über das Bündnis aus: Herr Dasbach, der streitbare Reichsbote, „Aushilfspriester" und Redakteur der „Märkischen Volkszeitung", weist mir in einem längeren Leitartikel zunächst nach — wohl um seine christliche Nächstenliebe zu bekunden —, daß ich in der Redaktion des „Vorwärts" blos noch das Gnadenbrot habe und mit einem Eckplätzchen mich begnügen muß — und bemängelt dann, was ich in meinem Artikel über die bayrischen Landtagswahlen über frühere „Kompromisse" bei Stichwahlen gesagt habe. Das treffe nicht zu. Diese Stichwahl-Kompromisse seien gegen den Willen der Parteileitung des Zentrums erfolgt. Das ist nur buchstäblich wahr, aber nicht dem Sinn nach. Die Stichwahl-Kompromisse waren in der Regel lokaler Natur und gingen von der Parteileitung nicht aus, wurden aber von ihr auch nicht mißbilligt. Und wenn Männer, wie Moufang in Mainz, ihre eigene Unterschrift zu solchen Kompromissen oder Verpflichtungen geben — und ich habe solche Briefe in Händen gehabt — so kann man nicht sagen, daß die „Parteileitung" der Sache fern stehe.
M.P.C. In den nächsten Tagen wird der Staatssekretär des Innern Graf Posadowsky seinen Sommerurlaub antreten. Der Reichskanzler läßt alle wichtigen Sachen sich dahin schicken, wo er gerade weilt, und auch der Staatssekretär des Auswärtigen, Graf Bülow arbeitet in gewohnter Weise auf dem Semmering fort. Er ist in der Lage, in kürzester Frist nach Berlin zu kommen. Das Festhalten an dem Brauch, daß immer zwei Staatssekretäre in Berlin bleiben, ist deshalb nicht so notwendig. Der Staatssekretär des Reichsjustizamts Dr. Nieberding, welcher seine Urlaubsreise zu Anfang Juli antrat, wird wahrscheinlich in der ersten Hälfte des August hierher zurückkehren, um später im Jahre, nach der Wiederübernahme der Geschäfte seitens des Grafen Posadowsky, noch einen Nachurlaub zu nehmen. Zu den entscheidenden Verhandlungen des Abgeordnetenhauses und Herrenhauses im nächsten Monat wird voraussichtlich auch der Reichskanzler und Ministerpräsident Fürst Hohenlohe nach Berlin zurückkehren.
M.P.C. In parlamentarischen Kreisen ist man geneigt, die Aussichten der Gemeindewahlreform für außerordentlich zweifelhaft zu halten. Statt mehr Anhänger scheint das zwischen Zentrum und Nationalliberalen im Prinzip abgeschlossene Kompromiß seit der Vertagung mehr Gegner gewonnen zu haben. Die Konservativen stehen ihm nach wie vor nichts weniger als sympathisch gegenüber. Selbst wenn es gelingen sollte, im Abgeordnetenhause eine Mehrheit von Stimmen auf dasselbe zu vereinen, würde sich im Herrenhause eine um so stärkere Gegnerschaft gegen dasselbe zusammenfinden. Unter diesen Umständen bricht sich vielfach die Auffassung Bahn, es werde nach der Vertagung des Abgeordnetenhauses im Schlußteil der laufenden Session überhaupt nichts weiter mehr zu stände kommen, als der Komplex von Gesetzen, welche im Zusammenhang mit der zum 1. Januar nächsten Jahres zu erwartenden Einführung des bürgerlichen Gesetzbuchs stehen. Es bricht sich auch immer mehr die Auffassung Bahn, der Aufschub der Reise des Kaisers in das westliche Industriegebiet und der Hafen-Eröffnungsfeier in Dortmund hänge damit zusammen, daß vor der Hand das Schicksal der Kanalvorlage noch ganz im Ungewissen sich befinde.
Leipzig, 27. Juli. Die Typhus-Epidemie in Löbtau scheint ihren Höhepunkt erreicht zu haben. Eine Abnahme der Neuerkrankungen ist seit gestern zu verzeichnen. Heute vormittag sind nur sieben Personen neu erkrankt. Das Zurückgehen der großen Hitze hat die Weiter-Ausdehnung der ansteckenden Seuche eingedämmt.
Ausland.
Teplitz, 27. Juli. Der Bürgermeister wies das Gesuch des Bundes der Deutschen um UebeTlassung des Konzertplatzes ab, weil nur Arier Zutritt zu den Festlichkeiten erhalten sollen.
Ischl, 27. Juli. In der Dampfweberei Wild fand mittags eine furchtbare Kessel-Explosion statt, durch welche das Gebäude teilweise zerstört wurde. Bisher sind fünf tötlich verletzte Personen aufgefunden.
Budapest, 27. Juli. Der Minister des Innern ordnete die Disciplinar-Untersuchung an gegen den Vicegespan des Komorner Komitats wegen Folterungen, die an in Untersuchungshaft befindlichen Personen verübt wurden.
Brüssel, 27. Juli. Prinz Victor Napoleon hat seit langer Zeit ?um erstenmale sich wieder über die Er- ei-'.nisse in seinem Vaterlande geäußert und zu den Enthüllungen des „Pariser Siecle" über das angebliche bona- partistische Komplott entschieden Stellung genommen. Der Prätendent behauptet im „Petit bleu", daß der Klub Petit Chapeau keine politische Zwecke verfolge, sondern nur-Rari- täten aus den napoleonischen Zeiten zu vereinen suche. Die Kaiserin Eugenie habe geschworen, sich nie wieder in die Politik zu mischen. Graf Fleury sei kein Orleanist. Ucber die Affaire Dreyfus sagte der Prinz, er könne darüber nicht urteilen, aber die Erklärung des Präsidenten des Kassations
hofes hätte ihn bestürzt gemacht. Jedenfalls sei die Affaire so ungeschickt eingeleitet worden, daß sie leider zu bedenklichen Ereignissen führen müsse. Ein Napoleon hätte die Armee immer unterstützt.
Paris, 26. Juli. Die Maßregelung des Generals Negrier hat, privaten Meldungen zufolge, die öffentliche Meinung in Frankreich sehr erregt, und der Umstand, daß der offiziöse Draht mit weiteren Mitteilungen zurückhält, legt die Vermutung nahe, daß das Vorgehen der Regierung von der Mehrheit nicht die ungeteilte Billigung findet, die es verdient. Preßstimmen kann man übrigens entbehren^ daß die nationalistischen Blätter über die Regierung herfallen werden, während die Dreyfus-Blätter sie beglückwünschen, liegt auf der Hand. Gallifet, der Bändiger der Kommune, hat auf jeden Fall mit dieser ersten Kraftprobe dem Lande, noch mehr der Armee gezeigt, daß er als Kriegsminister die geringste Unbotmäßigkeit im Heere mit der ganzen Strenge des Gesetzes zu strafen entschlossen ist. Die bereits von der „Agence Havas" gebrachte Mitteilung, General Nögrier habe im Laufe seiner letzten Inspektionsreise an die Korpskommandanten eine Art vertraulichen Rundschreibens gerichtet, worin er die Haltung der Regierung sehr scharf kritisierte, wird durch eine Pariser Zuschrift der „Neuen Freien Presse" folgendermaßen ergänzt: Mitte Juli erfuhr die Regierung auf Umwegen, daß Oberst Bertrand vom 10. Jnfanterie-Regimente in Auxonne feine Offiziere versammelt und an sie folgende Ansprache gehalten hatte: „Meine Herren, ich habe Ihnen eine ernste Mitteilung zu machen. Angesichts der Angriffe gewisser Blätter auf die Armee haben sich die den obersten Kriegsrat bildenden Generale zusammengethan; sie haben gegenüber dieser Regierung, welche alle diese Attentate hingehen läßt, beschlossen, nur das Ende des Prozesses von Rennes abzuwarten, um bann sofort kollektiv beim Staatschef wegen der Unterdrückung, dieser Angriffe vorstellig zu werden. Thut bann die» Regierung nichts, so werden die Generale zu Thaten schreiten." Man kann sich die Verblüffung des Kabinetts denken, als ihm diese Ansprache bekannt gemacht wurde. Sofort wurde beschlossen, Bertrand mit Umgehung des dienstlichen Apparates direkt nach Paris zu zitieren, wo ihn Gallifet selbst verhörte. Bertrand gestand nach anfänglicher Verlegenheit die Richtigkeit der Mitteilung loyal ein. Da setzte ihm Gallifet folgendermaßen zu: „Wie kommt es, Oberst, daß Sie, der Sie so glänzende Ansprüche auf eine schöne Zukunft haben, sich so vergehen konnten ? Das kann unmöglich Ihre eigene Idee sein. Haben Sie auf Ordre gehandelt?" — „Ja wohl, mein General", erwiderte offen der Oberst. — „Und von wem?" fragte Gallifet gespannt. — „Vom General Negrier nach seiner Inspektion unseres Armeekorps", antwortete Oberst Bertrand. — Gallifet: „Wann?" — Bertrand: „Am 8. Juli". — Gallifet verlor keinen Augenblick und zitierte telegraphisch Negrier. Dieser kam. Aber statt in der Rolle des Rebellen zu bleiben, versuchte er es anfangs mit Ausflüchten, sprach von Mißverständnis, Uebertreibung rc., ohne aber den Hauptinhalt der Mitteilung zu leugnen. Da forderte ihn Gallifet auf, seine fraglichen Äußerungen schriftlich zu präzisieren. Unterdessen ward auch Bertrands vorgesetzter General Moinot-Werly zitiert, und dieser bestätigte das Geständnis Bertrands. Danach war der Vorgang folgender gewesen: General de Negrier, der anläßlich der Inspektion anfangs Juli tägliche Gespräche mit den Korpskommandanten, Divisions - Generalen, Brigadiers und Obersten hatte, benützte den Anlaß, um die Haltung der Regierung zu kritisieren, welche die Angriffe auf die Armee ungestraft lasse, und er befahl den höheren Offizieren geradezu, ihren untergebenen Offizieren kundzuthun, daß nicht nur er persönlich, sondern der ganze oberste Kriegsrat entschlossen sei, sofort nach dem Prozesse in Rennes bei dem Staatschef Schritte zu machen und zu Handlungen überzugehen. Diese Ordre wurde gewissenhaft weitergegeben, und man muß sich fragen, was wohl passiert wäre, wenn die Regierung nicht rechtzeitig eingeschritten wäre. Seither erhielt nun Kriegsminifter Gallifet auch Negriers schriftliche Erklärung. Sie wich von der bereits bekannten Version nur wenig ab, und der Ministerrat brauchte mit der Maßregelung Negriers nicht länger zu zögern. Er wurde noch gestern telegraphisch von seiner Inspektionsreise in den Vogesen abberufen und kehrte heute früh nach Paris zurück. General de Negrier ist stets ein heftiger Anti-Revisionist und einer der Einflüsterer Felix Faures gewesen. Man erzählte sich, daß er imFebruar sagte, das einzige Unrecht des GeneralsRoget sei gewesen, daß er der Aufforderung Derouledes nicht Folge leistete, lieber den Lebenslauf Negriers, der ihn zu einem Faktor stempelt, mit dem die Republik rechnen muß, berichten die Blätter: Als Soldatenkind 1839 in Belfort geboren, kämpfte Negrier bereits 1859 in Algier und Rom. Im deutsch- französischen Kriege bei St. Privat verwundet, entwich er nach der Kapitulation von Metz aus dem dortigen Hospital und trat als Major in die Nordarmee. Nachdem Negrier im Jahre 1883 zum Brigadegeneral ernannt worden war, begab er sich nach Tonkin, wo es ihm gelang, die gefürchteten Schwarzflaggen zu schlagen, sie zu vertreiben und 1884 Bai Ninch und Langson an der sogenannten chinesischen Mauer zu erobern. Allerdings wurde Negrier im folgenden Jahre von einer chinesischen Uebermacht angegriffen und, nachdem er selbst verwundet worden war, zum fluchtartigen Rückzüge aus Langson gezwungen. Diese Niederlage hatte indes seinem militärischen Renommee nicht geschadet, denn Negrier hatte mit der Okkupierung von Langson doch den Beweis erbracht, daß es möglich sei, bis an die Grenzen Chinas vorzudringen und die Schwarzflaggen zu vertreiben. Er hat damit die nachfolgende Okkupation ganz Tonkins vorbereitet. Die Republik lohnte de Negriers Dienste durch Ernennung zum Divisionsgeneral und zum Oberbefehlshaber des Korps von Tonkin. Vom Jahre 1889 bis 1893 war Nägrier Korpskommandant in Nantes und Besanson. Die letztere Stellung


