Ausgabe 
28.10.1899 Zweites Blatt
 
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Samstag den 28 Oktober

Nr. 254 Zweites B5M

Amt«- rmd Anzeigeblatt ffir den Kreis Gieren.

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Ludwig van Beethoven (1770-182T).

Gefahr nicht erkennen, die aus einem Eingreifen der Mächte droht? England selbst war ja stets der eifrigste Vertreter einer Theorie der Kompensationen, es wird nicht zürnen dürfen, wenn dieselbe Waffe, die es so oft gebraucht hat, jetzt gegen den eigenen Leib gerichtet wird und wenn außer der sentimentalen deutschen Diplomatie, die das angenehme und nützliche Amt anstrebt, den Helden von Samoa den Rücken zu decken, die gesamte europäische Diplomatie schon an der Feststellung der eigenen Forderungen thätig ist. Jeder Machtzuwachs der einen schärft den Appetit der anderen Macht, und so paradox es klingt, so ist es dennoch möglich, daß Buren und Engländer mit ihrem Blute einen russischen Hafen im persischen Golf oder im Mittelmcer be-

zwischen de» Depeschen von 1870 und den Depeschen von 1899.

Es ist ja möglich und sogar wahrscheinlich, daß die Engländer hier und da, und namentlich in der ersten Schlacht bei Glencoe" einige taktische Erfolge errungen, daß sie mit überlegenen Kräften und vor allem mit Hilfe «» stärkeren Artilleriematerials Vorteile über kleine Schare» deS Gegners errungen haben; aber selbst diese

zahlen: die Reise des Grafen Murawjew nach Spanien: und Frankreich war sicherlich keine Vergnügungstour. Und wenn England besiegt wird, oder doch in jahrelange» Kämpfen seine Kraft ausreiben muß, was dann? Außerhalb Berlins ist man keineswegs grundsätzlich gegen eineSchnapp- hahnpolitik" eingenommen. Und trotz der Kaiserreise und aller Offiziösen wird man doch auch bei uns wenigstens das natürliche Gebot nicht Preisgeben, die Engländer in ihrem eigenen Fette schmoren zu lassen. Starke Begeister­ung für den Krieg hat in England niemals bestanden, heute dürfte sie bereits so weit abgekühlt sein, daß das Queck­silber kaum noch über den Gefrierpunkt hinaus reicht.

vierltljährUch k# 2 Mark 20 P',. monatlich 75 Psz-

mit Bcingerloh».

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pftz.

HcrleljLhrl'ch.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. Oktober. Der Kaiser hörte heute vor­mittag die Vorträge des Kriegsministers v. Goßler und deS Chefs des Militärkabinetts, v. Hahnke. Um 2 Uhr hat sich der Kaiser mittelst Sonderzuges nach Blankenburg a. H. begeben.

Der neue Oberpräsident v. Bethmann- Hollweg hat sein Erscheinen in der morgigen Sitzung des hiesigen Magistrats in Aussicht g e st e l l t.

Wie derReichsanzeiger" meldet, ist der Fürst Christian Kraft zu Hohenloh e-Oehringen, Herzog von Ujest, seinem Antrag gemäß von dem Amt eines Oberst- kämmerers entbunden worden.

Zum Nachfolger des bisherigen schwedisch-norwegi­schen Gesandten am hiesigen Hofe, v. Lager heim, ist der Gesandte beim Quirinal, Freiherr v. Bildt, bestimmt.

Berlin, 26. Oktober. Staatssekretär Tirpitz wird bereits morgen früh wieder hierher zurückkehren. Wie derLokal-Anzeiger" zu berichten weiß, dürfte es sich bei den gemeinsamen Vorträgen der Staatssekretäre v. Bülow und Tirpitz beim Kaiser wenigstens in der Hauptsache um eine Besprechung der Flottenfrage gehandelt haben. In sonst wohlunterrichteten politischen Kreisen ist demselbe» Blatte zufolge die Meinung verbreitet, daß der Reichstag noch in diesem Winter in irgend einer Form mit der Flottenfrage befaßt werden soll, wenn auch vorläufig oieb leicht nur in Form einer Denkschrift über den voraussicht­lichen Mehrbedarf von Schlachtschiffen nach Erreichung be­im Flottengesetz vorgesehenen Soll-Bestandes. Es wird an­genommen, daß eine Verständigung zwischen dem Kaiser und den beiden Staatssekretären bereits erfolgt ist, und daß auch der Reichskanzler derselben beitreten wird.

Der Regierungs - Präsident von Sigmaringen, v. Oertzen, früher Staatsminister von Lippe-Detmold, ist j als Nachfolger des zur Disposition gestellten Herr« v. Colmar Meyenburg zum Regierungs-Präsidenten von Lüneburg in Aussicht genommen.

Der Magistrat hat, vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordneten, für die Ueberschwemmten i« Oesterreich 20,000 und für die Ueber schwemmte» in Bayern 30,000 Mk. bewilligt.

Ein Telegramm aus dem Missionshause der Pallottiner in Limburg meldet, daß die Missions­stationen der Pallottiner zu Kribi und Buambo in der Kolonie Kamerun von Bulu-Negern, wie befürchtet, zerstört und ausgeraubt sind. Die Missionare seien geflohen, einer verwundet.

Die deutsche Botschaft in Madrid hat der spanischen Regierung die Mitteilung gemacht, daß Prinz Albrecht am 4. November d. I. früh mit Gefolge an der spanischen Grenze ankommen und noch am selben Tage abends in Madrid eintreffen wird. Zu diesem Zwecke sandte, wie aus Madrid gemeldet wird, der Minister des Innern Instruktionen an alle Gouverneure, durch deren Amtsbezirke Prinz Albrecht fahren werde, damit ihn zahlreiche offizielle Kommissionen auf der Durchfahrt begrüßen. In Madrid I soll unter anderen Veranstaltungen eine große Parade statt- I finden, an der sich sämtliche Waffengattungen des spanische« I Heeres beteiligen werden.

Frankfurt a. M., 26. Oktober. Die Kaiserin Fried- I rich ist gestern abend mit großem Gefolge in eigenem I Salonwagen um 11 Uhr 08 Min. über München nach I Trient abgereist.

Karlsruhe, 26. Oktober. Wie der Hofbericht der IKarlsruherZeitung" meldet, hat der Kaiser vo» Ruß­land dem Großherzog von Baden seinen und I der Kaiserin Besuch für nächste Wvche angesagt.

Meßmer Anzeiger

Keneral-Anzeiger

Gratisbeitagen: Gießener FamÜienbtätter, Der hessische Landwirt, Mittler für hessische Doikskunde.

n, Op. 62 | Orchesters >

Dorchester /

840-1893).

1843).

-1865).

ersten Scharmützel bedeuteten, wie die Folge gelehrt hat, I einen strategischen Sieg der Buren. Treffend erinnert dieDeutsche Ztg." an die Situation vor Metz und an das | Wort des Generals v. Alvensleben, als er Bazaine bei Vionville zum Stehen zwang:Schlagen kann er mich, aber los wird er mich doch nicht." Auch wenn General von Alvensleben damals die Schlacht verloren hätte, so war doch das Ziel, Bazaine in Metz einzuschließen, erreicht. Glencoe und Elandslaagte haben es nicht verhindert, daß die britischen Truppen jetzt umzingelt und von ihren rück­wärtigen Verbindungen abgedrängt sind, und bei der er­staunlichen Energie, die in der Kriegsführung der Buren zu Tage tritt, dürfte die Entscheidung in allerkürzester Frist erfolgen.

Ja, es liegt eine seltsame Energie in diesen schlichten Leuten, die gestern noch Feldbauern und Hirten waren und heute auf das Roß steigen, die Flinte Überwerfen und den Kampf gegen einen der gewaltigsten Gegner aufnehmen. Es sind dieselben wetterharten, eisenfesten Bauerngestalten, wie sie einst in den Kämpfen der Stedinger um ihre Frei­heit rangen, bis sie bei Altenesch erlagen, dort, wo die Stedingsehre" noch heute ihr Heldentum kündet. Nur wenige entkamen, so berichtet die Chronik. Und auch jene Männer von Dithmarschen tauchen wieder herauf, die in jahrhundertelangen Kämpfen für ihre Freiheit fochten und am Dusend-Düwels-Warf bei Hemmingstedt in einer der furchtbarsten Schlachten des Mittelalters den Sieg errangen. Selbst Namen und Sprache klingen mit jenen Zeiten zu-

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Adreffe für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher Nr. 51.

* EnglischeSiege".

Gießen, 27. Oktober 1899.

ES besteht kein Zweifel, daß die Engländer, ehe noch der erste Schuß in Südafrika fiel, eine diplomatische Nieder­lage erlitten hatten, deren Wirkung noch heute unabsehbar ist, weil sie zugleich die vornehmste Ursache jener anderen Niederlagen bildet, die jetzt das englische Heer auf dem Schlachtfelde erleidet. Der Gang der Verhandlungen, die zwischen Chamberlain und Krüger gepflogen wurden, ließ keinen Zweifel an der Absicht des britischen Staatsmannes aufkommen, zwar die Entscheidung auf die Spitze des Schwerte- zu verlegen, den offiziellen Abbruch der Bezieh­ungen jedoch hinauszuzögern, bis alle verfügbaren Streit­kräfte aus dem Mutterlande und seinen Kolonien nach dem Kriegsschauplatz entsandt worden wären, auf daß das kleine Burenvolk mit erdrückender Uebermacht angegriffen und zermalmt werden könne. Chamberlain und seine Leute hatten zugleich darauf gerechnet, daß der Oranjefreistaat in kritischer Stunde unter dem Eindruck der englischen Rüstungen den Stammesgenossen des Transvaal seine Unterstützung ver­sagen und daß vielleicht auch die wilden Stämme der Ein­geborenen gegen Ohm Krüger Partei ergreifen würden. Das Rechenexempel Chamberlains ist in jeder Beziehung falsch gewesen, und geradezu grotesk ist die Aehnlichkeit, die zwischen seinem Verhalten besteht und dem Verhalten der Herren Gramont und Olivier im Jahre 1870, die ja die französische Armee gleichfalls alsarchipret ansahen und alsbald zu ihrem starren Staunen wahrnehmen mußten, I fammcn Damals wie heute ziehr das Bauernvolk Mann daß die optimistische Auffaffung des Marschalls Leboeuf in ^ann zum Kampfe, kein Greis und kein Knabe bleibt schreiendem Widerspruche stand zu den Thatsachen. Und aurücE, und wie eine Weise aus der Zeit der Patriarchen haben nicht die beiden französischen Staatsmänner darauf I ^jugt, wenn wir vernehmen, wie der alte Krüger selbst, gerechnet, daß unter dem Eindruck der Kriegsgefahr Süv- ^rste Mann des Landes, mit zehn Söhnen und fünfzig deutschland der Waffengemeinschaft mit dem Norden ent- ^fefa, urit Bruderssöhnen und Schwestersöhnen, in die

sagen, daß nach den ersten Siegen zwar nicht Wilde, aber zieht, wie von den erwählten Vertretern des Volkes

doch Oesterreich und Italien sich zu einem Flankenangriff einziger zurückbleibt:Wir treten mit Beten vor Gott gegen Deutschland vereinigen würden? Die Buren haben I ^u Gerechten." Herr Chamberlain aber ist weit vom Schuß, eine recht gesunde Logik bewiesen. Als der Krieg unver- | ^in Engländer ist, der mit blutigem Hohn über meidlich wurde, da kümmerten sie sich nicht mehr um diplo- I Politik seines Landes urteilt:Wenn ein Seeräuber

matische Formalitäten, sondern sie machten den naheliegenden I ^lche Politik verfolgt mit keinem anderen Zwecke, als Kalkül, daß die Hälfte schwächer ist als das Ganze, und bem be8 I^ubens, so bestände der einzige Unterschied darin, griffen die Hälfte an. Vielleicht ging ihnen auch das Sprüch- I ber Seeräuber nicht erst betete und seine Raubgier

kitt des deutschen Kaisers durch den Kopf:Wer nur auf I hinter for heuchlerischen Maske eines Pharisäers zu

Gott vertraut und feste um sich haut ..." verbergen suchte." Und ein Engländer ist es, der sein Land

Und noch eine andere Analogie zu dem großen Kriege mit demgrauen Wolf der Nordmeere" vergleicht,dessen

springt deutlich in die Augen. Auch damals wußten die Zähne immer scharf sind, dessen Magen immer leer ist und

französischen KriegsberichteWunder viel zu sagen von der sich seit Generationen von dem Raube der Welt ge-

Heldenlobebären", hell auf loderte die Begeisterung für Lulu, mästet hat."

den jungen Mitrailleusenhelden, und die Schlacht von Saar- Gewiß, die Zukunft kann Niemand Voraussagen, und es brücken wurde eingereiht unter die großen Heldenthaten der wäre vermeffen, den Ausgang des Krieges schon jetzt fest- französischen Armee. Aber immer schweigsamer wurden die stellen zu wollen. Wohl aber kann man aus gegebenen Bulletins, immer eifriger konzentrierte man sich rückwärts, Prämissen Schlüsse ziehen, und sicherlich ist schon jetzt der «nd selbst der gläubigste Pariser glaubte nicht mehr, als er Schluß begründet, daß die Engländer, fortgeriffen durch von dem Pferde-Cotelette zum Rattenragout überging, an das Jingotum, die Kraft und Ausdauer der Buren weit die Unbesiegbarkeit dergroßen Nation". Auch von dem unterschätzt haben, und daß, selbst wenn sie schließlich den Kriegsschauplatz in Transvaal meldete der Telegraph nur Sieg erringen, sie einen ungeheueren Preis an Geld und englische Siege, und wer den Worten geduldig traute, der | Blut werden zahlen müssen. Und sollte man in London die mußte überzeugt sein, daß der Feldzug zu Ende, Ohm Krüger und seine Generale tot, verwundet oder gefangen seien und daß in wenigen Wochen der Traum von dem Neuen großen Reich in Südafrika zur Erfüllung gelangen «erde. Aber es besteht eine verzweifelte Aehnlichkeit

L. van Beethoven.

idet m Mk. 2.W (äpetmtt enhandlung von tml ChalViw Herrn Hausverwalter Stork zi eben.

mittag 11 Uhr.

7501

Herrn Challier gefälligst idet nicht statt.

»freund.

nut Heuer wieder die Bitte an ien hiesigen Kindern ohne Rück' retten, gütigst ju unterftuBtn. nehmen gerne an * » tentant Mag, ^Wer 'Hardt, Kustos Dr. Hmstr. fitz, Kaufmann*. W "