Ausgabe 
28.7.1899 Erstes Blatt
 
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neue Schärfung bekam der Gegensatz durch den Bielefelder Maurerstreik von 1897, Bodclschwingh war in seiner Eigen­schaft als Gründer einer wohlthätigen Baugesellschaft vom Streik betroffen. Er war Arbeitgeber, wenn man so sagen will. Er kannte Maurer, die für ihn gern weitergearbeitet hätten, wenn nicht Streik gewesen wäre. Fälle von Be­drohung lagen gerade ihm vor Augen. Da sah er nun den Streik nicht in seiner Bedeutung innerhalb der Arbeiter­bewegung, sondern als Hemmnis seines guten Werkes. Ein unvollendeter Bau gab Veranlassung zur Aussprache. Der Kaiser hörte aus dem Munde des Mannes, dessen Barm­herzigkeitsanstalten ihn umgaben, die Anklage gegen die Vergewaltigung. Es war nicht Stumm, nicht Bueck, nicht die Schicht, die am Zuchthausgesetz wirtschaftlich interessiert ist, die das erste wichtigste Wort in dieser Sache sprach. Es wirkte nicht, wie sonst öfter, das Schwergewicht der organisierten kapitalistischen Interessen. Ein Mann, der seit mehr als 30 Jahren nichts Anderes thut, als die Härten der kapitalistischen Gesellschaft zu lindern, wurde Ursache eines wirtschafts-politischen Vorganges, der völlig außerhalb seines eigenen Lebensgebietes liegt. Von hier aus versteht man auch das Telegramm an Hintzpeter. Der Kaiser glaubt jedenfalls noch heute, daß die Vorlage ein Stück von sozialreformerischer Fürsorge für das Volk ist. Wie anders sie wirkt und wirken wird, brauchen wir unseren Lesern nicht nochmals darzulegen. Wo aber war in der Regie- rnng der Mann, der als Sozialpolitiker gegenüber der Majestät die Begrenztheit des Bodelschwingh'schen Stand­punktes mit Entschiedenheit zur Aussprachte brachte ? Er hat gefehlt.

Zum Fall Arons bemerkt dieFrkf. Zeitung": Mehrere Blätter behaupten zu wissen, daß der Bericht des Vorwärts" über das Disziplinarverfahren gegen Arons unrichtig sei. DerVorwärts" bestreitet dies. Es ist übrigens ziemlich gleichgiltig, ob dieses oder jenes Detail so oder anders war. Von Wichtigkeit sind nur zwei Punkte. Einmal, daß die Fakultät es ablehnte, einen Lehrer seiner politischen Gesinnung wegen zu disziplinieren. Das billigt auch die Centrumskorrespondenz, welche schreibt:Dr. Arons ist Lehrer der Physik. Wie dieses Fach an sich ihm keine Gelegenheit giebt, seine politische Gesinnung auf dem Lehr­stuhl zu bethätigen, so hat Dr. Arons überhaupt nicht den Hörsaal zur sozialdemokratischen Agitation benutzt. Die Anklage richtete sich demnach, was seine Eigenschaft als Lehrer angeht, einzig gegen seine politische Gesinnung. Daß die Fakultät den Dr. Arons nur wegen seiner Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei nicht seines Amtes entheben wollte, können wir nur billigen. Die Zeiten ändern sich; es können ja nach der Zeitlage auch andere Parteien der Regierung mißliebig werden, und daher haben alle Parteien Anlaß, darauf zu halten, daß nicht der Grundsatz aufkommt, daß ein Beamter, gleichviel welcher Partei er angehört, wegen seiner politischen Gesinnung kurzer Hand seines Amtes enthoben werde." Zum anderen ist es von In­teresse, daß man immer wieder und auch in der Affaire Arons den alten Kohl von der dreimal revolutionären Sozialdemokratie aufwärmt".

Kanalvorlage und Gemeindewahlrecht. Gleich den Vertrauensmännern der nationalliberalen Partei in Köln haben jetzt auch diejenigen in Bonn eine Erklärung beschlossen, in der es heißt: Wir halten es für notwendig, daß die Fraktion mit allen Mitteln die Erledigung der zu­erst eingebrachten Kanalvorlage vor der jüngern Gemeinde­wahlrechts-Vorlage anstrebe. Der von Anfang bestehende Verdacht, daß das Zentrum seine Stellung zu ersterer von einer ihm genehmen Erledigung der letzteren abhängig macht, ist durch die bisherige Entwickelung der Dinge für uns zur Gewißheit geworden und wird auch ernstlich von niemand mehr bestritten. Wir bedauern es deshalb lebhaft, daß die nationalliberalen Kommissionsmitglieder mit dem Zentrum auf ein Kompromiß sich eingelassen haben, welches diesen auf Verquickung beider Vorlagen gerichteten Wünschen ent­gegenkommt."

Der zweite Teil des Berichts der Kanal­kommission des Abgeordnetenhauses, für dessen endgiltige Feststellung eine Sitzung der Kommission auf den 1. August angesetzt ist, liegt gedruckt vor und ist an die Mitglieder der Kommission zur Vorprüfung versandt worden. Der 70 Druckseiten füllende Bericht enthält außer der Ein­leitung, welche kurz die Ursache der erneuten Beratung, so­wie die Namen der bei den Beratungen zugegen gewesenen Minister und Negierungs Kommissare mitteilt, 6 Teile. Die Beschlüsse, zu denen die Kommission gekommen ist, schlagen dem Abgeordnetenhause vor, 4 der Anträge der Staatsre­gierung als Material zu überweisen. Es sind dies 1. und 2. zwei Anträge Letocha Graf Strachwitz, die Staatsregierung wolle vor der Abstimmung über den Gesetzentwurf als ganzes bindende Zusagen über bestimmte, näher angeführte Kompensationen für Schlesien abgeben, 3. ein Antrag Rohde- Wachsdorf, betreffend Kompensationen für Schädigungen der Braunkohlenindustrie und der Landwirtschaft der Provinz Sachsen und 4. ein Antrag Gamp, enthaltend Kompen­sationsforderungen für die östlichen Provinzen. Der übrige Teil der Kommissionsbeschlüsse bezieht sich auf die Erledigung der Petitionen.

Unser Handel mit den Vereinigten Staaten. Vor einigen Tagen wurde die wichtige Nachricht gemeldet, daß die Vereinigten Staaten mit mehreren europäischen Ländern, darunter Frankreich, neue Handelsverträge abge­schlossen haben. Ein neues Handelsübereinkommen mit Deutschland, das den schlimmsten Zollschikanen ein Ende machen würde, für die mißachtete Meistbegünstigung, die wir einst besessen haben, einen Ersatz böte, so daß wir sehen könnten, woran wir mit Amerika eigentlich sind, soll erst noch entstehen. DemBörsen-Kourier" ist versichert worden, daß die Verhandlungen nicht schlecht stehen.Die vor- fichtigen zögernden Entschließungen in Washington uns gegenüber dürften darauf zurückzusühren sein, daß man dort

Deutschland als den gefährlichsten Konkurrenten betrachtet, bei dem man mehr wägt und besorgter erwägt, als bei an­deren." In der Thal hat sich ungeachtet aller Erschwe­rung unsere Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten nicht nur behauptet, sondern neuerdings sogar vergrößert. Nach den Berichten aus den 32 Konsulatsbezirken wäre die Aus­fuhr in dem am 30. Juni endenden Fiskaljahr 1898/99 um 9 516 304 Dollars gegen das Vorjahr gestiegen, nämlich von 74 228 487 auf 83 744 791 Dollars.

Einen Bericht über die Augsburger Unruhen hat, wie dieAugsb. Abendztg." milteilt, der Reichskanzler eingefordert. Ob für die Zwecke der Strikestatistik oder für welchen anderen Zweck, ist nicht bekannt. Die Un­ruhen werden, wie sich voraussehen ließ, vor Gericht ein ernstes Nachspiel haben. Nahezu 70 Personen befinden sich bereits in Untersuchungshaft, und noch immer finden ver­einzelte Verhaftungen statt. Gegen die Untersuchungs­gefangenen ist das Verfahren aus den §§ 115,116 und 125 des Reichsstrafgesetzbuchs: Aufruhr, Auflauf und Land­friedensbuch eingeleitet worden. Unter dem Verdacht der Aufreizung zum Hausfriedensbruch wurde auch der Vorsitzende der ausständigen Maurer in Augsburg, Maurer Mehringer, verhaftet. Die ausständigen Maurer haben erklärt, mit den Ausschreitungen nichts gemein zu haben, und haben sie verurteilt. Der Maurerausstand selber nimmt nach wie vor seinen Fortgang.

Frankfurt a. M., 26. Juli. DieFranks. Ztg." meldet aus Konstantinopel: Vorgestern abend hat die Pforte ein Rundschreiben an die Mächte versandt, in welchem sie auf die Anwesenheit zahlreicher griechischer, serbischer und bulgarischer Banden in Mazedonien und Epirus hin­weist, und im voraus alle Verantwortlichkeit für Ereignisse, die sich hieraus ergeben können, ablehnt.

Ausland.

Wien, 25. Juli. Trotz der hochsommerlichen Zeit, in welche wohl mit gutem Bedacht die Thunsche Regierung ihr Vorgehen mit derNotverordnung" betreffend die neuen Verzehrs steuern verlegt hat, ist die Erregung der Bevölkerung über diesen Verfassungsbruch groß. Die Zeit wird den Beweis liefern, daß diejenigen im Irrtum waren, welche voraussagten, die Deutschen würden sich diesen Aus­gleich und die Anwendung des § 14 auf denselben ruhig gefallen lassen. Allüberall regt sich der Widerstand gegen die oktroyierten Steuererhöhungen. Der deutschen Fort­schrittspartei sind nunmehr die Reichsrats- und Landtags- abgeordneten der deutschen Volkspartei in Oberösterreich mit einer Einspruchserklärung gefolgt. In Wien, Graz, Prag, Reichenberg, sogar in Lemberg haben in den letzten Tagen Protestversammlungen stattgefunden. Die Offiziösen besaßen die eiserne Stirn, zu behaupten, außer den paar armseligen, schandenhalber gegen die eigene Ueberzeugung zusammengestoppelten Protesterklärungen der deutschoppo­sitionellen Gruppen gebe eS keine Bewegung gegen die § 14-Kundmachung. Sie verhöhnten nicht nur den Inhalt der Kundgebungen, sondern sprachen denselben auch Eindruck und Wirkung in der Bevölkerung ab. Eine Täuschung ist aber ganz unmöglich. Wohin man blickt, überall gibt es nur eine Stimmung: die der tiefsten Erbitterung. Vielleicht macht sich diese jetzt in den Hundstagen nicht so elementar Luft. Aber beim Wiederzusammeutritt des Reichsratcs werden Ministern, Staatsanwälten u. s. w. schon die Augen aufgehen darüber, welch schöne Sachen sie mit dem § 14 angerichtet haben. Sie werden dann erkennen, daß die viel­gerühmten Schleichpfade Irrwege waren und nicht die er­hoffte Rettung aus dem Labyrinth brachten, in das öster­reichische Staatskunst sich verstrickt hatte. Dabei ist Ver­sammlungsverbot, Auflösung, Konfiskation, politischer Prozeß seit einiger Zeit der wesentliche Inhalt der Tagesgeschichte Oesterreichs. Die Politik der Maßregelungen ist die denk­bar ungeschickteste. Sie verbittert nur, wirkt aber nicht. Was insbesondere die deutsche Opposition betrifft, so ist für sie jede verbotene oder aufgelöste Versammlung oder jede Beschlagnahme einer gegen den § 14 gerichteten Resolution u. s. w. nur die Aufforderung, nunmehr erst recht nicht zurückzuweichen, nicht zu schweigen, sondern um so lauter und nachdrucksvoller gegen das herrschende System zu protestieren.

Niederlande. In der Dienstags-Sitzung der Haager Friedenskonferenz wurde der Schiedsgerichtsentwurf ohne Erörterung üüd ohne Abänderung endgiltig angenommen. Die amerikanischen Delegierten gaben eine Erklärung ab, nach welcher es sich von selbst verstehe, daß die Konvention für das Schiedsgericht in keinem ihrer Teile Amerika die Verpflichtung auferlege, sich in europäische Angelegenheiten einzumischen, noch Europa zwinge, sich in Fragen, die aus­schließlich Amerika betreffen, zu mischen.

Paris, 26. Juli. DemEcho de Paris" zufolge hatte Präsident Loubet eine Unterredung mit dem Präsi­denten des Kassationshofes, bei welcher Gelegenheit Loubet erklärt haben soll, der Präsioent möge ihn, Loubet, als einfachen Privatmann betrachten, und seine Meinung darüber äußern, ob er Dreyfus für schuldig oder unschuldig halte. Der Präsident erwiderte, er habe alles studiert, was auf Dreyfus Bezug habe, aber nichts entdecken können, was auf die Schuld Dreyfus' schließen ließe. Im Gegenteil, alles deute auf die Unschuld dieses Mannes hin. Der Justizminister soll eine strenge Untersuchung angeordnet haben, ob sich diese Mitteilung bewahrheitet.

Paris, 26. Juli. Das Ereignis des Tages ist die Maßregelung eines hohen Militärs wegen einer regierungs­feindlichen Kundgebung. Mittels Dekretes vom gestrigen Dienstag ist nämlich General Negrier seines Postens als Mitglied des Obersten Kriegsrats, unter Vorbehalt anderweitiger dienstlicher Verwendung enthoben worden. Halbamtlich wird über den Fall mitgeteilt: Wie verlautet, habe Negrier auf seiner letzten Besichtigungsreise an die

Korpsbesehlshaber eine Art von mündlichem Communiqu- gerichtet, in welchem er die Haltung der Regierung einer ziemlich scharfen Kritik unterzog und erklärte, die Regierung wiffe nicht die Armee zu verteidigen. Negrier habe hin- zugefügt, die Armee müsse sich bis zum Ausgang des Pro­zesses in Rennes gedulden, denn dann müsse die Armee an die Regierung die Mahnung richten, zu handeln. Im andern Falle, habe Negrier erklärt,würden wir handeln". Dieses Communique habe Negrier auf dem Instanzenwege allen Offizieren mitteilen lassen, in Bourges sei dieser Be­fehl des Generals zuerst zur Ausführung gelangt. General Gallifet habe davon Kenntnis erhalten und eine Unter­suchung angeordnet, welche für Negrier ungünstig ausge­fallen sei. Letzterer habe auf Befragen zugegeben, daß das Communiquö zum mindesten dem Sinne nach richtig wieder­gegeben sei. Daraufhin habe Gallifet die Angelegenheit dem Ministerrate unterbreitet und erklärt, nach seiner Ueberzeugung habe General Negrier sich eines schweren Vergehens gegen die Disziplin schuldig gemacht und sei über seine Befugnisse als Armee-Inspekteur hinausgegangen. Das Vorgehen Negriers steht" so schließt die halb­amtliche Notevereinzelt da, weil die übrigen Mitglieder des Obersten Kriegsrates zu wiederholten Malen sämtlich erklärt haben, daß sie beabsichtigten, sich ausschließlich der nationalen Verteidigung zu widmen und keine Politik zu treiben." DerGaulois" verzeichnet das Gerücht, daß General Nögrier an den Präsidenten Loubet ein Schreiben gerichtet habe, in welchem er diesen aufforderte, der Armee Ächtung zu verschaffen. Als daraufhin der Kriegsminister, General Gallifet, Erklärungen von ihm verlangte, habe Negrier geantwortet, daß er seine Rechte nicht überschritten und keine Erklärungen abzugeben habe.

Semlin, 26. Juli. Hier zirkulieren die abenteuerlichsten Gerüchte über die Vorgänge in Serbien. In Belgrad sollen neuerdings zahlreiche Verhaftungen vorgenommen, worden sein.

Madrid, 26. Juli. Während man in Madrid, nament­lich auch ich Parlament, weiter fortfährt, die katatonischen Kundgebungen in Barcelona als bedeutungslos darzu­stellen, schildert ein in letzterer Stadt ansässiger Gewährs­mann derFranks. Ztg.", allerdings wohl selber stark von spanienfeindlichen republikanischem Eifer beseelt, die Kund­gebungen am 20. Juni als höchst bedeutsam. Große Be­geisterung für die Franzosen, erbitterter Haß gegen Spanien und die Monarchie, so muß man aus seiner Darstellung entnehmen, sind die Grundzüge der Auftritte gewesen, die sich bei und nach dem im Stadthause gegebenen Festmahle für die französischen Marineoffiziere auf der Straße bis- spät in die Nacht hinein ereignet hätten. Als Grund des Besuches der französischen Flotte, so fügt jener Bericht­erstatter hinzu, wird jetzt allgemein angenommen, daß sie nach Barcelona kam, um der öffentlichen Meinung den Puls zu fühlen. Da über kurz oder lang der Bürgerkrieg hier ausbrechen muß, die Monarchie aber nicht im stände ist,, denselben zu ihrem Vorteil auszutragen und auch das Land nicht durch eigene Kraft aus den Wirren sich heraushelsew kann, so wird eine internationale Einmischung notwendig sein, in der Frankreich durch die Einverleibung Kataloniens oder durch ein Protektorat über dieses ehemalige Fürsten­tum einen Ersatz für Elsaß-Lothringen finden könnte. Thal- fache ist, daß die öffentliche Meinung hier der Idee einer Annexion an Frankreich zujubelt. Die Einverleibungspartei,, die von Frankreich provinziale und Gemeindeautonomie er­wartet, ist in den letzten Monaten ungeheuer angeschwollen. Weil schließlich England fortwährend an den spanischen Häfen kreuzt, Ausschiffungsmanöver vornimmt, Untiefen sondiert, immer in den Balearen einige Schiffe liegen hat, großes Kriegs­material in Gibraltar aufhäuft und täglich in seinen Zei­tungen von der Aufteilung Spaniens spricht, wobei es sich nebst Portugal, über das es jetzt schon das Protektorat ausübt, Castilien, Estremadura und Andalusien annektieren möchte, so hat Frankreich jetzt eine so ungeheure Flotten­macht nach Spanien geschickt, um den Engländern zu be­deuten, daß hinter dem Berge auch Leute wohnen. So verfolgt Frankreich zwei Zwecke mit diesem Besuch: Drohung, gegen England und Sondierung der öffentlichen Stimmung, in Katalonien. Wie gesagt, ohne einen gewissen Vorbe­halt werden vorstehende Ausführungen nicht aufzunehmen sein.

Afrika. Die Präsidentschaftskrisis in Transvaal, sofern sie überhaupt ernstlich bestanden hat, dürfte jetzt bei­gelegt sein. Denn eine englische Quelle, dasReutersche Bureau", veröffentlicht folgende Depesche aus Pretoria: Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem Präsidenten Krüger und dem Volksraad sind wiederhergestellt."lieber die Stimmung in London wird berichtet, daß die englische Regierung zur Zeit nicht ohne Sorge sei; sie arbeite an einem Kompromisse zwischen Friedens- und Aktionspartei, dahingehend, durch Aufrechterhaltung des bisherigen Druckes auf Transvaal möglichst zum Milnerschen Mindestmaße zu kommen und das größtmögliche Maß weiterer Zugeständnisse zu erlangen. Man soll aber fürchten, daß bei der bevor­stehenden Kolonialdebatte im Unterhause ein solches Kom­promiß in die Brüche gehen werde und vielleicht gar das Ende desfriedlichen Druckes" herbeigeführt werde. Und so groß soll diese Sorge sein, daß die Regierung sich mit den Führern der Opposition bereits dicserhalb in Unter­handlungen eingelassen habe, um dieselben zum Verzicht auf jede störende Interpellation zu vermögen.

Lokales und Provinzielles.

Gießen, den 27. Juli 1899.

** Technische Hochschule Darmstadt. Dem Herrn Regie­rungsbaumeister Adolf Zeller zu Darmstadt wurde die venia legendi für künstlerische und technische Erläuterung- mittelalterlicher Bauwerke an der Großh. Technischen Hoch­schule erteilt.