Ausgabe 
26.10.1899 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Leidenschaft überzeugend sprechen und vor uns sich ent­falten zu lassen, versteht Calderon bei seiner überwiegend reflektierenden und grübelnden Natur nicht. So haben denn jene, die ihn hier als hinter Lope und Tirso stehend ansehen mußten, ihm das romantische Schauspiel oder das vaterländisch patriotische Geschichtsstück als seine unbestrittene Domäne zuweisen wollen. Daß er in der letzteren Gattung, von Lope ganz zu schweigen, auch nicht einmal an Guillon de Castro heranreicht, wird jeder Leser von Castros präch­tigen Cidstücken, in denen noch der alte Romanzengeist weht, zugestehen. Ueberhaupt versagt Calderon immer, wo er sich über eine bestimmte Höhe erheben will. Sprichwörtlich ist die Farbenpracht und der blütevolle Reichtum seiner Diction. Sieht man genauer zu, so bemerkt man bald, daß dieser Schmuck großenteils unecht ist. Die echten Dichter greifen zu Metaphern und Bildern, weil das ein­fache Wort zu nüchtern ist, und nicht die zahlreichen Affo- ziationen und Vorstellungen, die sich in ihnen regen, er­weckt, und sie zu solchen Mitteln greifen müssen, um sie auch im Leser oder Hörer wieder aufleben zu lasten. Bei Calderon haben wir dagegen überwiegend Spiele brfl Ver­standes : da werden die Trompeten metallene Vögel, die Vögel gefiederte Trompeten genannt, wer jemand umarmen will, will der Epheu dieses Stammes sein u. s. w.

Freilich werden daneben Sterne, Strahlen und Blumen nicht gespart. Vielleicht dürfte man mit größerem Rechte sagen, daß die Diktion Calderons bei anscheinender Fülle eher den Eindruck der Dürftigkeit macht.

Während Calderons ernste Dramen unseres Erachtens an sich und namentlich auch in ihrem Verhältnis zu den Werken der ihm vorauSgehenden Meister weit überschätzt werden, werden seine Lustspiele vielleicht unterschätzt, wenigstens zeigt sich die Begabung des Dichters hier oft sehr vorteil­haft. Den geistreichen Ton gebildeter Weltleute trifft er vorzüglich, und seine Jntriguen sind in der Regel meister­haft geführt.Dame Kobold" ist das bekannteste der hier­hergehörigen Werke. Diese Lustspiele sind unzählichemale von den Franzosen auSgebeutet worden, am meisten, soviel wir wissen, von dem jüngeren Corneille.

Wenn nun aber Calderon, obwohl nicht der größte Dramatiker seines Volkes, neben Moreto allein von den Spaniern auf die deutsche Bühne gelangte und sich dort mit einigen Stücken noch immer behauptet, so dankt er dies wohl dem Umstande, daß er wie kaum ein anderer Drama­tiker theatralisch, wie Goethe es von Caldern aussagt, bretterrecht" ist.

Dem Tarler Caldeions wird meist entgegengehalten, daß er die Anschauungen der Zeit und des Landes nicht genug in Betracht ziehe. Hierauf ist zu entgegnen, daß sowohl Cervantes als Lope die Calderonschen Anschauungen über Ehre und Religion nicht teilen, und der Erstere sie bei mehreren Gelegenheiten mit aller Strenge verdammt. Auch sind nur wir in Deutschland noch rückständig mit unserem Urteil, wenn wir Wilhelm Schlegel wiederholen, der Calderon als denletzten Höhepunkt der romantischen Poesie" be­zeichnet. Rubis y Lluch, der eine sehr gute Studie über

das Gefühl der Ehre bei Calderon geschrieben, und Menen- dez y Pelayo, einer der bedeutendsten lebenden spanischen Gelehrten, der Verfasser einer geistvollen und zwar der einzigen vollständigen Geschichte der ästhetischen Theorien und einer Geschichte der Ketzer in Spanien ich nenne blos die Verfasser der zwei bedeutendsten Calderonschriften des Jubiläumsjahres decken Calderons Mängel schonungs­los auf.

Von diesen ist auchDas Leben ein Traum" nicht frei. Sie möchten wohl vor allem in den Scenen zu finden sein, wo Astalf und Estrella im Vordergrund stehen, werden jedoch durch die Bühnenbearbeitung ziemlich getilgt. Auch werden sie ausgewogen durch die Vorzüge des Stoffes, des glücklichsten, den Calderon gefunden, und die meisterhafte Behandlung der Gestalt des wilden Natursohnes Sigismund, der, zuerst der Sklave seiner Lüste, im Laufe des Stückes sich selber bemeistern lernt. Und diese Umwandlung wird dadurch bewirkt, daß man den von seiner Kindheit an im Kerker ge­haltenen Sigismund einschläfert und ihn auf einen Thron setzt, um ihn später, als er wieder entschlummert ist, in den Kerker zurückzubringen, wo er dann beim Erwachen sich wiederfindet. Calderon war gezwungen, wenn er diese« halben Wilden gerecht werden wollte, ganz von seiner ge­wöhnlichen Manier abzuweichen, was der Gestalt Sigis­munds sehr zu Gute gekommen ist und sie zu der be­deutendsten seines Theaters macht. Man darf mit Spannung der Wiedergabe durch unseren gefeierten Gast entgegensetzen.

(|lfeh|uii(icii

Für die Küche!

Dr. OetkerS Backpulver, Dr. Oetkers Banille-Zucker, Dr. Oetkers Puddtng-Pulver ä 10 Pfg. Millionenfach bewährte

Rezepte gratis von Gebrüder Adami. Neuner & Krumm. A. & G. Wallenfels. H. Arnold II. Gustav Walter. I. M. Schulhof.

Aug. Roll II.

Bauernbrod.

(Kornbrod) 4 Pfund 42 Pfennig bei 6698__________Bäcker KltngelhSffer.

Süßer Traubemliß

uud Ftderweißer.

Schotts Weinstube

Bahnhofstraße. 7364

Einen gut abgelagerten, mehrere Jahre alten, ganz vorzüglichen 7576

Cognac

von besten ausgezeichnetem Geschmack die Gratis-Probe überzeugt, offeriert die ganze Flasche zu Mk. X

Otto Schaaf, Sktterswkg 39.

Hräger-Schürzen Iier-Schürzen Kaus-Schürzen Schwarze Schürzen Weiße Schürzen Kinder-Schürzen m großartiger Auswahl zu sehr billigen

Preisen. 7241

C. Röhr & Co.

Neuer Feueranzünder

D. R. G. M. 96696.

Diese Anzünder vereinigen alle Vor­züge in sich, wie Zeit- und Holzersparnis, Billigkeit, Bequemlichkeit und Schnellig­keit beim Feueranmachen. ä Paket 20 Stück zu 16 Pfg. liefert 7640 Wilhelm Tchmall II., Rodheimerftr.49

Wiederverkäufer werden gesucht.

Vollständige öktten, Patent-Vittstellen von Reinhold & Westphal, stets vorrätig, polikrtk und ladücrtt Möbel jeder Art und in jeder Preislage. Uebernahme ganzer Ausstattungen. Lieferung franko jeder Bahnstation.

Möbelmagaziu

August Ossmann,

89 SelterSweg 89. 7143

Brumatalrim

Pergamentpapierstreifen und Bindfaden hierzu empfiehlt 7467

Otto Schaaf.

Lotterie

8nsKä9 WW zu Zwecken HiuKeB der Deutschen 'Qgfl Schutzgebiete Ziehung 25., 27., 28., 29., 30. Nov.

zu Berlin. <s

16 870 Geldgewinne, zahlbar ohne Abzug im Betrage von * 575,000 Hauptgewinne: Mark

100,000 50,000 25,000

1H5OOO= 15000

2110000= 20000 5000= 20000 104 1000= 10000

100 ä 500= 500001

150 4100= 15000 g 600 4 50 = 30 0001 16000»15=240000l

*h* Loose mk. 3.301 Porto und Liste 30 Pf. extra, empf. B u. versendet auch unter Näcbn. B

das General-Debit: Bankgeschäft Kj Lud. Müller&Co. j in Berlin, Breitestr. 5, n. |

Hamburg, Nürnberg, München, gj Telegr.-Adr.:6lücksmüller. gg

Weisse Reinleinen Weisse Halbleinen Weisse Baumwolltuche Weisse Damaste Weisse Piques Satin-Augusta Waschechte Bettzeuge Schiirzenzeuge Schürzendrucks Handtuchdrelle etc. Tischtücher und Servietten

billigst bei 7240 (L Röhr (t Co. Prim RchMge

paffend für Gewerbeschule und sonstige Lehranstalten,

empfiehlt billigst 7427

Adam Reinig,

SelterSweg 30. SelterSweg 89.

Kartoffeln für den Winterbedarf, feinste Speise- und Salatkartoffeln, gelbe Mäuschen, empfiehlt zu billigen Tagespreisen 7504

MerMe in fueh, und Seide von den einfachsten bis zu den elegantesten, in allen Preislagen und in größter Auswahl, Anstandsröcke in Alanett und Aiquö empfiehlt 7286

Robert Haas Nachfl.

Seltersweg 18.

IRaupen-Iielin Pergamentstreifen, Kordel erhält man in der

Löwen-Drogerie.

W. Kilbinger. 7508

Emma Seuling

Wehsteiustrahe 45.

Reichhaltige Auswahl in 7181

gestrickten Knaben u. Herren- Westen (Ja dwesten), Metzger-

J. Haxikel, Kartoffelhandlung, Schloßgaffe 6. eeeeeeeeeee § Transportable 2 8 Kiunner- 8 * Heizöfen W ohne Abzugsrohr @ G für Fetroleum ® empfiehlt 7568 d ® nutt? Garantie W ® für vollständige Geruch- ® W und Gefahrlosigkeit D § Wilßekm Arbig 2 e AmMgcr, e 7 Markt 7. J

pon Polstersachen aller Art, sowie (Porto und Liste 30 Pfg mehr) m d*"kstängen von Vorhängen, > emvfieblt die G l ü ck s k o l l e k t e 1 Portieren rc. Tapezieren von Zimmern 1 Pi/dirir/l RlinhorVor und ganzen Wohnungen unter Zusicherung I IllvUdl 11 DUvUuvlkvl.

guter Arbeit und b.llmen Breiten. | Gießen, Neuen-Bäue li.

emvfieblt die Glückskollekte von

Gießen,

Tapezier, Neustadt 15, empfiehlt sich den geehrten Herrschaften im Aufarbeiten und Reuanfertigen

Westen

in allen Qualitäten von jMk. 1,25 an.

IMF* Das Stricken? von Westen, Kniewärmern, Strümpfen und Beinlängen wird billigst besorgt.

Fr. Zimmermann,

Dritte Mshifthds. Lotterie

. Ziehung

B u vom 25. bis 30. wrew* November.

Hauptgew.Mk.100000,50000, 25000 etc.

fahrt Lose ä 3,30 Mk.

Hessischer Hof.

Empfehle meinen bürgerliche« Mittagstisch zu 70 Pfg. u. höher, ff. Frankfurter und Culmbacher Bier (Petzbräu), reine Weine, sowie Pa. Apfelwein und Apfelmost.

7547 Hochachtungsvoll Willi. Fischer.

Gasglühlicht.

la. la. abgebrannte Glühkörper von größter Leuchtkraft und Brenn­dauer per Stück 35 und 40 Pfg.

Hill's Patent-Glühkörper per Stück 55 Pfg.

Telbstzüudende Glühkörper per Stück 75 Pfg.

Ferner empfehle Brenner, Schirme, Cyliuder etc., sowie

Glühlichtcylinderputzer D. R. P.

=zz Beschädigungen der Strümpfe vollständig ausgeschloffen. -

7587 Carl Aug. Faber.

in Kinderwagen.

Elegante englische Wagen mit Hellem Ledertuck-AuSschlag und Helle« Klappverdeck Mk. 15..

Desgleichen mit Randpolsterung und Feder­gestell Mk. 16..

Ieine englische Wagen

mit prima Federgestell und Hurnmireifeir, in jeder gewünschten Lackierung und Garnierung Mk. 28.

Vor Einkauf von Kinderwagen bitte mein reichhaltiges Lager zn bestchtigen.

Kein Kaufzwang. 4804

August Milbinger, Sellersveg 19.

M.O-

MW

6211

Neuester vervollständigter Placat-Fahrplan enthaltend die Fahrzeiten der auf den Stationen Giessen, Frankfurt a. M., Cassel, Marburg, Friedberg, Lollar, Fronhausen, Wetzlar, Coblenz, Deutz, Fulda, Alsfeld, Gelnhausen, Nidda, Stockheim, Gedern, Schotten, Laubach und Londorf ankommenden und abgehenden Eisenbahnzüge, sowie die Fahrzeiten der Bieberthalbahn, zum Preise von 580 Pfg- in der Expedition des Giessener Anzeigers vorräthig. Der Fahrplan kann auch durch die Austräger des Giessener Anzeigers bezogen werden.

Verantwortlicher Redakteur: H. Koeglrr. Druck und Verlag der Brühl'schen UnivcrsitätS'Buch- und Etcindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.

$°8 ,r

gnie'9tn Ichrinmden

9

2l»i

KM

M

Sihukstratzt -r.

belrrssrnd Gelande-Entei

Die Aiinigliche W »amens deSGroßherzogto -es Preuß.chess. Staats Gemäßheit der M 22 26. Juli 1884 in Gerne! von Langsdorf Antrag a fahrens bezüglich des fol borf belegenen, zur Em forbnüchen Geländes qe

1. WI, Nr. 8'

Nr. 8

2. Blut I, Nr. i Nr.!

3. Flur I, Nr.

4. aus Flur VII

5. VH

6 VU

7. Flur VII, Nr 8. aus Flur VII

ä aus Ke VIII Es wird dies mit de Macht, daß der Siiuai

M Meßbrie w» zu eutntzurudr M ?rtu^ Eisendahudire! ^"Wvrs und das Ve des vm denselben beai i. Rovewber bis II uf dem Amtsziminer >0(i jedermanns Ei ^gleich wird iU;

leistende En'scki Mission auf: W

^kkitag den

LS-'« 11

N W« m 2 »

Garung ülJf * des Tetr

3. b't h «uf ft

5. a2ie,b««9 b, u8'

. ' Jf* « h Nenn drin "egen fnnft; ,lte Per

de fe

1