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Wt. 252 Erstes Blatt. Donnerstag den 26 Oktober
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Die Gießener
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Fernsprecher Nr. 51.
Amtlicher Ml.
Bekanntmachung.
Der Versicherungs-Aktiengesellschaft „Vita" zu Mannheim ist die Erlaubnis zum Betriebe der Lebens-, Aussteuer- und Militärdienstversicherung im Großherzogtum Hessen seitens Großh. Ministeriums des Innern erteilt worden.
Gießen, den 22. Oktober 1899.
Großh. Kreisamt Gießen.
_________________v. Bechtold.________________
Bekanntmachung.
Die Maul- und Klauenseuche zu Mudersbach und Erda (Kreis Wetzlar) ist erloschen und die Sperrmaßregeln sind aufgehoben worden.
In Krofdorf (Kreis Wetzlar) ist in acht Stallungen die Maul und Klauenseuche ausgebrochen und Gemarkungssperre angeordnet worden.
Gießen, den 23. Oktober 1899.
Großh. Kreisamt Gießen, v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Nachdem die Maul- und Klauenseuche im diesseitigen Kreise mit Ausnahme der Gemeinden Gönnern und Königsberg erloschen ist, werden die durch meine Bekanntmachung vom 14. v. Mts. im Kreisblatt Nr. 109 verfügten Beschränkungen im Viehtransport und Viehhandel mit dem Bemerken aufgehoben, daß Vieh aus der Gemeinde Gönnern nur mit tierärztlicher Bescheinigung und aus Königsberg bis auf weiteres nicht ausgeführt werden darf. Im übrigen ist bei jedem Biehtransport eine Bescheinigung der Ortspolizeibehörde über die Seuchenfreiheit des bett. Aufkaufsortes zu erbringen.
Biedenkopf, den 12. Oktober 1899.
Der Königliche Landrat.
Bekanntmachung.
Wegen Ausbruchs des Gewölbes der Unterführung der Kreisstrahe Gießen—Klein Liudeu bei Klein-Linden wird die letztere an genannter Stelle am Donnerstag dem 2. und Freitag dem 3. November l. I für jeglichen Verkehr gesperrt.
Als Verbindungsweg zwischen Gießen und Klein-Linden dient an genannten Tagen die Klinikstraße und der entlang der Bahn an der Margarethenhütte vorbeiführende sogen. Mittelweg.
Gießen, den 24. Oktober 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Wegen Vornahme von Erdarbeiten seitens des Gas- xnb Wasserwerkes ist der Große Steinweg auf einige Tage für Fuhrwerke aller Art gesperrt.
Gießen, den 25. Oktober 1899.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
__________________Muhl.__________________
Steckbrief.
Der unten näher bezeichnete Rekrut Johavn Georg Dönges des Landwehrbezirks Gießen hat sich der Gestellung entzogen. Sämtliche Zivil- und Militärbehörden werden dienstergebenst ersucht, gefälligst auf denselben ein wachsames Auge zu haben, ihn im Ergreifungsfalle zu arretieren und nn die nächste Militärbehörde abliefern zu lassen.
Signalement. 1. Name: Johann Georg Dönges. 3. Geburtsort: Watzenborn. 3. Kreis: Gießen. 4. Geboren: 2. September 1876. 5. Größe: 1 Mtr. 62,5 Ctm. 6>. Religion: Evangelisch. 7. Stand oder Gewerbe: Tag- köhner.
Gießen, den 18. Oktober 1899.
Detring,
Oberstleutnant und Kommandeur des Landwehrbezirks Gießen.
Wir fordern hiermit sämtliche ehemaligen Militärpersonen, welche im Dienstbereich des Großh. Ortsgerichts Gießen wohnen und bei ihrem Abgang vom Militär als Invaliden «nSgeschieden oder nach der Entlastung als solche anerkannt
worden sind, auf, sich bei uns behufs Eintragens in ein Verzeichnis zu melden.
Zu demselben Behufe werden zur Meldung aufgefordert diejenigen Personen, welche als Militärinvaliden seinerzeit anerkannt wurden und auch bereits wieder aus dem Zivildienst als Pensionäre rc. abgegangen sind.
Gießen, den 9. Oktober 1899.
Großh., Ortsgericht Gießen.
Gros.
* Vom Kriegsschauplatz.
In Südafrika scheint sich das Blatt schon zu gunsten der Buren gewandt zu haben. Die englische Meldung, sie seien bei Glencoe am Montag abermals gründlich geschlagen worden und zwar in ihrer Hauptmacht unter General Joubert, ist falsch. Vielmehr dürften sie diesmal die Sieger, die Engländer die Unterlegenen sein. Man berichtet uns:
London, 24. Oktober. „Daily Telegraph" meldet aus Ladysmith von vorgestern: Die Buren greifen heute unter General Joubert und unter Präsident Krüger selbst Glencoe wiederum an. Sie sollen 9000 Mann stark sein. General Aule befehligt die britischen Truppen. Er ließ das Lager weiter zurück in eine bessere Verteidigungsstellung verlegen.
Die letztere Bemerkung soll wohl nur die Thatsache verschleiern, daß das Lager der Engländer bei Glencoe von den Buren genommen ist und daß General Aale sich weiter nach Ladysmith zu hat zurückziehen müssen. Dem entsprächen auch die folgenden Nachrichten:
Colesberg (Kap-Kolonie), 24. Oktober. Den „Times" wird von hier unter dem gestrigen Datum mitgeteilt: Die Nachricht von der Schlacht bei Glencoe ist brieflich nach Bethulie gelangt. Diese wird als glänzender Sieg der Buren dargestellt.
Paris, 24. Oktober. Der „Temps" meldet aus London: Nach Mitteilungen von Persönlichkeiten, die über die Vorgänge im Kriegsamt gut unterrichtet sind, erhielt die Kriegsverwaltung seit Samstag nähere Nachrichten über den zweiten Vorstoß der Buren bei Glencoe. Danach haben die Truppen der Buren, die sich nach dem ersten Kampfe zurückgezogen hatten, am zweiten wiederum teilgenommen. Die Engländer sollen geschlagen worden sein und derartige Verluste erlitten haben, daß das Kriegsamt Mitteilungen überGefechte, die für die Engländer günstiger seien, abwarte, bevor es Nachrichten veröffentliche. Der Kampf bei Elandslaagte habe den Zweck gehabt, die Truppen des Generals White festzuhalten, während beide Kolonnen Jouberts gegen Glencoe operierten.
Daß man in London bedenkliche Nachrichten erhalten hat, geht unzweifelhaft auch aus den an anderer Stelle mitgeteilten Aeußerungen des Schatzkanzlers Hicks Beach im englischen Unterhause hervor. Er gestand zu, daß „in den Nachrichten vom Montag etwas liege, was Sorge machen könne", und er rechnet schon mit der Möglichkeit, „daß England Unglück haben und der Krieg sich langwierig gestalten könnte". Sicherlich ist man im Auswärtigen Amte in London genau orientiert. Die Nachricht von dem englischen Sieg bei Glencoe am Freitag war innerhalb vier Stunden in der Redaktion der „Central News"; warum die Telegramme über die jüngsten Kämpfe nicht so sehr eilen, ist leicht begreiflich. Am Freitag und SamStag stiegen in London die Minenkurse erheblich, alles glaubte an eine rasche Niederwerfung der Burenstaaten, und „Finance News" machten den faulen Witz, sie vernähmen aus guter Burenquelle, Präsident Krüger habe alle Vorbereitungen zur Flucht nach Deutschland getroffen, falls die Buren eine ernste Niederlage erlitten. Heute wird man dort weit weniger zur Satire aufgelegt sein. — Auch bei Dundee, nur wenig östlich von Glencoe, dürften die Buren bei den vorangegangenen Kämpfen am Samstag glücklich gewesen fein. Wir erhalten folgende, auf dem englischen Kabel verspätete und wohl auch im englischen Sinn redigierte Depesche:
Prätoria, 21. Oktober. General Joubert telegraphierte an die Regierung: Heute früh hatte Lukas Meyer ein Gefecht bei Dundee. Er hatte durch einen Boten den Kommandanten Erasmus über den Schlachtplan verständigt, der aber nicht erschien. Die Verluste der Engländer werden für sehr groß gehalten. Auch wir haben gelitten, jedoch ist es infolge des Nebels unmöglich, alle
Einzelheiten zu erfahren. Wie es heißt, sind 20 Mann gefallen, und 25 verwundet.
Auf einen ganz anderen Teil des Kriegsschauplatzes, nach der Südgrenze des Oranjefreistaates, führt uns die nachstehende hocherfreuliche Mitteilung:
Colesberg (Kap-Kolonie), 24. Oktober. Die „Times" erfahren unter dem gestrigen Datum: Die Lage hier- selbst ist sehr ernst. Die Buren, die 350 Mann stark sind, werden durch eine Abteilung von Driekop her, drei Stunden Reitens entfernt, verstärkt werden. Eine Verteidigung ist nicht möglich. Die Stadtgarde wird sich beim Erscheinen des Feindes nach Naauw Poort zurückziehen. Seit drei Tagen exerzieren die Buren jenseits des Oranje - Flusses mit Feldgeschützen. Die bei Driekop stehende Streitmacht wird auf 1500 Mann geschätzt.
Colesberg liegt an der Bahnlinie Prätoria-Port Elisabeth, Port Alfred (Südküste vom Kap) an der Grenze zwischen der Kap-Kolonie und dem Oranje-Freistaat, nördlich von .Middelburg, Naauw Poort zwischen Colesberg und Middelburg, das in der ersten Depesche aus Colesberg genannte Bethulie östlich von letzterem. Also auch hier sind die Buren in der Avance und haben beste Aussichten auf Erfolg. Die Strecke Port Elisabeth Colesberg gilt als eine der Einfallslinien der Engländer. Die Buren werden nicht verfehlen, Schienen und Bahndamm zu zerstören.
Wir verzeichnen noch folgende Meldung:
London, 23. Oktober. Die Liste der englischen Verluste in dem Kampfe bei Elandslaagte vom 21. d. M. ist nochmals amtlich revidiert worden und stellt sich nunmehr wie folgt: 5 Offiziere sind tot, 30 verwundet. Von den Mannschaften sind 37 tot und 175 verwundet, 10 werden vermißt. Der Gesamtverlust beträgt somit 257.
lieber die Lage bei Mafeking und Kimberley im Westen verlautet bis heute mittag noch nichts.
London, 24. Oktober. Aus Durban wird berichtet, daß 1500 Buren die Stadt Colenso, 10 Meilen südlich von Ladysmith, umzingelt haben. Weiteren Meldungen zufolge soll diese Stadt bereits von den Engländern geräumt worden sein, weil die englische Besatzung zu schwach gewesen, um Widerstand leisten zu können.
London, 24. Oktober. Ein Telegramm aus Ladysmith meldet, daß 9000 Buren unter General Joubert und, wie man glaubt, in Anwesenheit des Präsidenten Krüger, Glencoe angegriffen haben. Der englische General Aule hat seine Truppen zurückgezogen und in bessere Stellung gebracht.
London, 24. Oktober. Das Kriegsamt veröffentlicht ein Telegramm aus Mafeking, wonach die dortige Garnison in guter Verfassung fei.
London, 24. Oktober. „Daily Telegr." erhält ein Telegramm aus Kimberley, worin es heißt, daß dieses bi« zum 21. d. M. noch nicht angegriffen worden war.
London, 24. Oktober. Aus einigen Depeschen, welche trotz der streng gehandhabten Censur durchgegangen sind, ist zu ersehen, daß die Buren die englische Streitmacht des Generals Aull so hart bedrängten, daß dieser das Lager bei Glencoe geräumt hat, um es weiter zurück in eine bessere Verteidigungsstellung zu verlegen. — Der Oberbefehlshaber der Buren auf dem östlichen Kriegssch auplatze, General Joubert, telegraphierte an seine Negierung in Prätoria, daß Lukas Mayer am Samstag ein Gefecht bei Dundee halte. Die Verluste der Engländer würden für sehr groß gehalten. Auch die Buren hätten gelitten; es seien 10 Mann gefallen und 25 verwundet. — Aus Colesberg in der Kapkolonie wird telegraphiert, daß daselbst die Lage sehr ernst sei. Die Buren sollten durch eine Abteilung von Driekop her verstärkt werden. Verteidigung sei nicht möglich. Die Stadtgarde werde sich beim Erscheinen des Feindes nach Naauwpoort zurückziehen. Die Nachricht von der Schlacht bei Glencoe, welche brieflich nach Bethulie gelangte, ist daselbst am Gerichtshause angeschlagen und als glänzender Sieg der Buren dargestellt. — Nach Meldungen aus Prätoria spielen sich herzzerreißende Szenen bei der Einbringung der Verwundeten ab. Der Marktplatz ist mit jammernden Burenfrauen gefüllt, welche angstvoll auf Nachrichten von ihren Angehörigen warten. — In Colesberg ist ein Holländer wegen Hochverrats verhaftet worden, weil er die zu Ehren des britischen Sieges gehißten Flaggen herunterreißen wollte. — Die Buren haben die eiserne Bahnbrücke bet Washbank gesprengt. — Die Natal- regierung erließ eine Proklamation an die Ein-


