Ausgabe 
25.8.1899 Zweites Blatt
 
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Zustande von der Arbeit zurück. Er geriet mit seinem 70jährigen Vater in Streit. Er ergriff denselben und schlug ihn mit einer Axt nieder, sodaß der Tod sofort eintrat. Der Mörder wurde verhaftet.

Gera, 23. August. Gestern nachmittag brach in Triebes ein Feuer in der Scheune des fürstlichen Rittergutes aus, welches acht Häuser sowie verschiedene Scheunen einäscherte. Das Feuer war durch spielende Kinder verursacht. Im ganzen wurden 18 Gebäude vernichtet und 5 beschädigt.

Ausland.

Wien, 23. August. Wie dieArbeiter-Zeitung" meldet, wurde der Schriftsteller Karl Wiesenthal aus Leipzig aus ganz Oesterreich ausgewiesen.

London, 23. August. Im Auswärtigen Amt wird die Situation zwischen England und Transvaal als sehr ernst bezeichnet. Der Krieg sei unvermeidlich.

Kopenhagen, 23. August. Hier sind Nachrichten von der schwedischen Nathorst-Exp edition auf Ostgrönland eingetroffen. Die Expedition hat keine Spur von Andree gefunden.

Rußland. Die vom Kaiser von Rußland befohlene Gründung der StadtDalnij" (d. i.die Weit­entfernte") an der Ta-lien wan-Bucht, dem Endpunkt der künftigen mandschurischen Eisenbahn, ist ein wichtiger Schritt zur Befestigung des russischen Einflusses im fernen Osten. Es soll dadurch die Entwicklung dieses Platzes, dem zweifellos eine bedeutende Zukunft bevorsteht (man bedenke nur, was unter ähnlichen Verhältnissen San Franzisko und Vancouver in kurzer Zeit für den Welthandel geworden sind) gleich von vornherein im russischen Interesse geregelt werden. Den Bau und den Betrieb der mandschurischen Eisenbahn wird die mit der russisch-chinesischen Bank verbundene ostchinesische Eisenbahngesellschaft leiten. Ihr ist auch der Bau und der Betrieb des neuen Hafens am Ende der Bahn übertragen, sowie ferner zur Aufgabe gemacht, in den Gewässern des Stillen Ozeans einen russischen Dampfschifffahrtsverkehr herzustellen. Durch den letzteren Schritt soll den Bestreb­ungen Japans entgegengewirkt werden, das sich schon seit einiger Zeit bemüht, den ganzen Dampsschifffahrtsverkehr, der mit dem Betriebe der sibirisch-mandschurischen Eisenbahn Zusammenhängen wird, in seine Hände zu bekommen. Um das geeignete Personal für ein so weitsichtiges Unternehmen zu erlangen, hat Rußland das Orientalische Institut in Wladiwostock gegründet, das seine Zöglinge in den Sprachen Ostasiens unterrichtet, sie mit dem Leben und den wirtschaft­lichen Verhältnissen der dortigen Völker bekannt macht, und ihnen auch die Grundzüge der politischen und kommerziellen Wissenschaften beizubringen hat. Von großer praktischer Bedeutung ist die Gewährung von freier Niederlassung und von freiem (weder durch Einfuhr- noch durch Ausfuhrzölle beschränktem) Handel in der künftigen Stadt Dalnij und ihrem Hafen, wodurch voraussichtlich beide sehr bald eine bedeutende Anziehungskraft auf Kaufleute und Unternehmer aller Nationen ausüben werden.

Mates and MomnMes.

X, Vom Lande, 23. August. Es ist eine auffallende Erscheinung, daß trotz des überaus günstigen Erntewetters die Erntearbeiten nur sehr langsam von statten gehen. Das häufig schon überreife Getreide steht vielfach noch auf dem Halm, und an das Einfahren kann oft noch nicht gedacht werden. Fragt man nach der Ursache dieser Ver­zögerung, so erhält man als Antwort die Klage: Es fehlen unö die nötigen Arbeitskräfte 1 Manche Landwirte würden gern die höchsten Löhne zahlen, wenn nur Leute zu bekommen wären. Und wie sind die Arbeitslöhne in letzter Zeit in die Höhe gegangen! Noch vor fünf Jahren erhielt z. B. em Drescher neben der Kost 1 Mk. bis 1.20 Mk. Pro Tag, heute muß gerade das Doppelte bezahlt werden, und dabei ist die Verköstigung eine ganz andere als früher. Erwägt man weiter, welche Ansprüche jetzt die ständigen Dienstboten, Knechte und Mägde, machen, so muß man der Ansicht eines erfahrenen Landwirts beipflichten, der uns gegenüber kürzlich behauptete: Wer heute beim Betrieb der Landwirtschaft auf fremde Leute angewiesen ist, kann schwerlich nach vorwärts kommen. Den kleineren Landwirten kann nicht dringend genug angeraten werden, durch Bildung von Genossenschaften sich die Anschaffung von landwirtschaftlichen Maschinen zu ermöglichen, wie dies in manchen Gemeinden zum Vorteile der Beteiligten bereits geschehen ist. Hier und da sind bereits die Dreschmaschinen in voller Thätigkeit. Mit Aus­nahme des Roggens, der durch das Hagelwetter gelitten hat, liefern alle Getreidearten reiche Körnererträge.

* Dekanat Gießen. (Verspätet.) Am 9. Juli d. I. wurde das Jahr essest des Gießener Zweigvereins in Kirchberg in der geräumigen, schön geschmückten Kirche bei herrlichstem Wetter gefeiert, nachdem es dort vor 9 Jahren zum letzten Mal gefeiert worden war. Das Fest nahm einen würdigen, in hohem Maße befriedigenden Verlauf, Dank den Be­mühungen des Pfarrers des Kirchspiels, Herrn Pfarrer Gußmann zu Kirchberg. Den durch mehrstimmigen Gesang des Konfirmandenchors verschönten Altardienst versah der ^ktSgeistuche, die Festpredigt hielt Herr Pfarrer Schwabe aus Rodgen über das Herrenwort: Apostelg. 20, 35. Auf­merksam lauschte die Festversammlung der frischen und packenden Predigt, die rechte Begeisterung für die heilige Sache, der sie dienen wollte, erzielte. Nach einem Zwischen­gesang begrüßte Dekan Wahl die Festversammlunq, sie ermunternd, in Dankbarkeit für die Segnungen des Evan­geliums weiterhin die Hände willig aufzuthun zur Linderung der Not in den Diasporagemeinden, in denen das Reich des Herrn gebaut werden solle. Nach einer größeren Mittags­pause riefen die Glocken zu dem um 2 Uhr beginnenden noch stärker besuchten Nachmittagsgottesdienst, in welchem Herr Pfarrer Euler aus Gießen predigte über 1. Cor. 9/16.

| Auch diese Predigt war eine zu fröhlicher Gustav-Adolfs- Arbeit aufmunternde, reiche Anregung bietende. Der Nach­mittagsgottesdienst wurde wesentlich verschönert durch mehrere kunstgerecht vorgetragene Gesänge des Kirchengesangvereins zu Allendorf a. d. Lumda, den Herr Lehrer Koch daselbst leitet. Es sei auch hier letzterem und dem Verein für seine Bereitwilligkeit, beim Feste mitzuwirken, öffentlich herzlicher Dank ausgesprochen. Nach der Festpredigt wurde von dem langjährigen Sekretär, Herrn Professor D. th. Stamm aus Gießen der interessante Rechenschaftsbericht vorgetragen, ebenso ein zeitgemäßer Vortrag über die Los- von Rom- Bewegung in Oesterreich von Herrn Pfarrassistenten Dr. Heußel gehalten. Die Gesamtkollekte betrug 110 Mk., etwa 25 Mk. mehr als im Jahre 1890. Rühmend soll hervorgehoben ' werden, daß die Klasse des Herrn Lehrer Korell in Lollar 10 Mk. unter sich gesammelt hatte. Durch den Kirchen­vorstand wurden von der Festkollekte 40 Mk. der Diaspora­gemeinde in Herbstein, 40 Mk. derjenigen in Bürgel und 30 Mk. dem Zentralausschuß des Gustav-Adolf-Vereins zur Unterstützung evangelischer Gemeinden in Oesterreich über­wiesen. Mächtig angeregt für das edle Werk, das der Gustav-Adolf-Verein sich zur Aufgabe gestellt hat, schieden wir von dem an der Lahn so lieblich gelegenen Kirchberg, mit dem Wunsche, daß auch dieses Fest allen Teilnehmern möge reichen Segen gebracht haben.

tt Lich, 23. August. Nächsten Sonntag wird hier das seit einigen Jahren an Stelle des Sedanfest veran­staltete Jugend fest als Volksfest, womit Jugendsviele verbunden werden, gefeiert. In dieser Weise wurde es zum erstenmal seit einer Reihe von Jahren im vorigen Jahre abgehalten und fand ungeteilten Beifall. Hoffentlich ver­läuft es auch heuer zu jedermanns Zufriedenheit. Dem Dieb, welcher am verflossenen Sonntag hier einbrach, sollen ungefähr 50 Mk. zur Beute gefallen sein. Zwei Herren, welche ihn um 5«/2 Uhr aus der alten Post kommen sahen, ohne etwas dabei zu argwöhnen, haben jetzt bezeugt, daß die Personalbeschreibung des Gießener Polizeiberichts auf den Einbrecher stimmt.

PC. Groß-Umstadt, 24. August. Die Gewerbeaus­stellung hier (vom 30. Juli bis 17. September), welche gestern ihren 4. Sonntag erlebte, erfreut sich fortgesetzt eines starken, immer wachsenden Besuches von allen Seiten unserer Provinz und darüber hinaus. Man schätzt eher zu niedrig als zu hoch, wenn man die Zahl derer, welche am vergangenen Sonntag sich zur Besichtigung der Ausstellung eingefunden hatten, mit rund 6000 angiebt. 47 Vereine (darunter einige Schulen) haben bis jetzt, in den 3 Wochen seit Eröffnung, die Ausstellung geschlossen besucht. Das beste untrüglichste Zeugnis für die Ausstellung ist die That- sache, daß die meisten Besucher zum zweiten und auch zum drittenmal zur eingehenden Besichtigung wiederkommen, und daß viele Vereine ihr wiederholtes Erscheinen beim ersten Besuch angekündigt haben. Freie Rückfahrt auf allen Eisenbahnstrecken erleichtern den Besuch, und die Konzerte verschönern die Ruhepausen, die man sich zwischen den Be­sichtigungen der einzelnen Teile der Ausstellung gönnen muß.

A Mainz, 23. August. Der in weiten Kreisen be­kannte hiesige Großviehhändler Heinrich H e itz er, einer der bedeutendsten Armeelieferanten in den Kriegen von 1866 und 1870, ist verflossene Nacht im Alter von 77 Jahren verschieden.

Mainz, 22. August. Im Stadthaus tagte heute Nach­mittag die Kommission für die Guten berg feier. Ober­bürgermeister Dr. Gaßner teilte folgendes mit: In erster Linie sind wir mit der wissenschaftlichen Festschrift tüchtig vorangeschritten. Durch eine vollständige Sammlung und kritische Sichtung des vorhandenen Urkundenmaterials, sowie durch Erwerbung bisher unbekannter Urkunden wird unsere Kenntnis von Gutenberg und seiner Erfindung wesentlich bereichert und umgestaltet und nach den verschiedensten Seiten eine sichere Grundlage geschaffen. Ich glaube sagen zu dürfen, daß die Schrift des großen Meisters und der Feier würdig sei und für alle Zeiten auf dem Gebiete der Gutenbergforschung eine ganz hervorragende Stelle ein­nehmen wird. Auch die lokale, mehr populäre Festschrift wird interessante Beiträge bringen. Etwa 180 hervorragende Männer aller Kreise und der verschiedensten Nationen geben ihr Interesse für die Feier durch einen jetzt hinauszusenden­den Aufruf öffentlich kund. Sie fordern die Welt auf, Gutenberg und seiner Kunst zu huldigen. Mainz muß nun­mehr die Feier in die Hand nehmen, Mainz in seiner Ge­samtheit. Das Programm zur Feier soll folgendes sein: Erster Tag, Sonntag 24. Juni 1900: 1) Festakt und akademische Feier in der Stadthalle. Vortrag einer eigens für den Zweck gedichteten und komponierten Cantate. Dann Huldigung am Denkmal. Nachmittags Festbankett in der Stadthalle, abends großer Fackelzug der Mainzer Bürger­schaft zum Gutenberg-Denkmal, Illumination der Stadt. Zweiter Tag. Montag, den 25. Juni 1900: Volksfest. Im Anschluß an die Feier werden verschiedene Körperschaften ihre nächstjährige Versammlung in unserer Stadt abhalten. Mit der Feier sind verbunden: die Gründung eines Guten­berg-Museums ; eine Ausstellung, die in den Fachkreisen mit Recht erwartet und auch für weitere Kreise einen Anziehungs­punkt besonderer Art bilden wird. Sie soll umfassen: Er­zeugnisse der Druckkunst aller Zeiten und aller Länder, die Entwickelung der Technik der Buchdruckerkunst aus ihren Anfängen bis zum heutigen Tage in Modellen und Maschinen im Betrieb. Frkf. Ztg.

A Aus dem Großherzogtum Hessen, 23. August. Zur Gründung einer Gewerkschaft christlicher Bauhandwerker Hessens findet kommenden Sonntag in Dieburg eine Versammlung der Bauhandwerker und verwandter Be­rufsgenossen statt.

*t Der Bau der hessischen Cpileptischeuanstalt zu Nieder- Ramstadt schreitet fort; freilich konnte erst Anfang Juli mit Bauen begonnen werden, jedoch kommt bis zum Winter der Rohbau unter Dach. Die Kosten desselben betragen

75,000 Mk., wovon durch die bisherigen Sammlungen 46,000 Mk. bar vorhanden sind; zur Aufbringung des Nestes ist für diesen Herbst wiederum eine Landeshauskollekte von Großh. Regierung bewilligt worden. Da bei der früheren Kollekte für Nieder-Ramstadt durch zeitliches Zusammen­treffen mit den Sammlungen für Bethel bei Bielefeld viele Unannehmlichkeiten entstanden, und unsere hessische Anstalt nur Kinder und Jugendliche aufnehmen wird, während die erwachsenen Fallsüchtigen weiterhin nach Bethel verbracht werden müssen, so haben die Vorstände der beiden Anstalten vereinbart, daß diesmal nur eine, gemeinsame Samm­lung stattfindet, deren Ertrag dann zwischen Bethel und Nieder-Ramstadt geteilt wird. Wohl ist dieses Zusammen­legen zweier Kollekten ein Wagnis, aber das Interesse für unsere Epileptischen ist so groß, daß wiederum reichlich gegeben werden wird. Eltern, die sich gesunder Kinder er­freuen und schon einmal einen Fallsüchtigen in seinem Elend gesehen haben, müffen eben ein Dankopfer dafür darbringen, daß sie von solchem Herzeleid verschont wurden.

Vermischtes.

* Frankfurt a. M., 22. August. Ein 19 Jahre altes Mädchen, das am Freitag Abend in der Kaiserstraße, un- fern der Elbestraße, von einem Trambahnwagen verkehrt ab sprang, mit dem Hinterkopf aufschlug und bewußtlos in das städtische Krankenhaus verbracht wurde, ist dort, ohne wieder zum Bewußtsein zu gelangen, gestorben. Es hatte eine schwere Gehirnerschütterung erlitten. Zur Warnung!

* Munster, 22. August. Der verstorbene Verlags­buchhändler Eduard Hüffer vermachte für die Armen und gemeinnützige Zwecke in Münster 160,000 Mk,

* Mannheim, 21. August. Heute nach 3 Uhr ertönten Alarmsignale. Es brannte der Dachstuhl der Ed. Laden- burg'schen Villa, dessen Besitzer mit seiner Gemahlin eben m der Sommerfrische verweilt. Den vereinten Bemühungen beider Wehren gelang es nach einstündiger Arbeit, des Feuers Herr zu werden und dasselbe auf den Dachstuhl zu beschränken, jedoch dürfte das Haus durch die in die Lohe gesandten Wassermassen schwer gelitten haben.

* Lausanne, 22. August. Die Leiche des am Sonntag Abend durch Sturz vom Dampfschiffe verunglückten Leutnants v. Ramm wurde 200 Meter vom Hafen von Evian auf­gefunden. Die Leiche Bergmanns wird noch gesucht.

* Aus Heidelberg, 19. August, schreibt man denM. N. N.": Heute vormittag wurde im hiesigen Friedhöfe die irdische Hülle des berühmten Chemikers Geh. Rat Professor Robert Wilhelm Bunsen, Exzellenz, zur Erde bestattet. An der Trauerfeierlichkeit in der Friedhofkapelle nahmen u. A. die Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, die Mitglieder des akademischen Lehrkörpers unserer Hoch­schule, die Studentenschaft sowie die Verwandten und zahl­reiche Freunde und Bekannte des Verstorbenen teil. Die geistlichen Funktionen versah Stadtpfarrer D. Hönig, der in warm empfundener Rede die trefflichen Eigenschaften des Verblichenen schilderte. Der Großherzog und die Groß­herzogin von Baden hatten Oberschulrat Arnsperger (Karls­ruhe) als Vertreter entsandt, der im Auftrage höchst der­selben einen prächtigen Kranz niederlegte. Ansprachen hielten ferner der Prorektor der hiesigen Universität Prof. Dr. Osthoff, der Dekan der naturwissenschaftlich-mathemati- schen Fakultät Geh. Hofrat Dr. Pfitzer, der Vorstand des chemischen Universitätslaboratoriums Geh. Rat. Professor Dr. Curtius, als Vertreter der Stadt Bürgermeister Dr. Walz und im Namen der Studentenschaft der Vorsitzende der Ferienkommifsion stud. jur. Klingel, welche sämtlich Kränze niederlegten. Außerdem widmeten Kränze die Universität Freiburg, die technische Hochschule in Karlsruhe, die Deutsche chemische Gesellschaft, der Verein deutscher Chemiker sowie viele andere wissenschaftliche Korporationen und Gesell­schaften.

* Goethe-Feier in Weimar. Während die Deutsche Goethe-Gesellschaft in Verbindung mit dem Freien deutschen Hochstift in Frankfurt a. M. die Feier von Goethes 1 50jährigem Geburtstag zu begehen sich anschickt, hat der Gemeinderat der Stadt Weimar für den 28. August d. I. eine besondere Bürgerfeier in Aussicht ge­nommen, die am Abend des genannten Tages im festlich geschmückten und erleuchteten Garten der Armbrust-Schützen- gesellschast begangen werden soll. Im Mittelpunkte der Feier wird die Festrede stehen. Für Ausschmückung des Rathausbalkons, den Goethes Kolossalbüste zieren soll, und für Dekoration des Goethe-Brunnens auf dem Frauenplatz neben dem Goethe-Nationalmuseum sowie für Niederlegung eines Lorberkranzes am Fuße des Goethe-Schiller-Denkmals hat der Gemeinderat 350 Mk. bewilligt, ebenso die Summe von 300 Mk. für das in Straßburg zu errichtende Denkmal des jungen Goethe. Außerdem findet aus Anordnung des Kultusministeriums Festakt in den höheren Schulen des Landes statt.

* Goethe auf der Frankfurter Festungsmauer. Ein Frankfurter Leser schreibt derFranks. Ztg.": Eine be­liebte und mehrfach wiederholte Promenade des Knaben Goethe war, auf dem Gange der alten Festungsmauer seiner Vaterstadt herumzuspazieren um von hier neugierige Blicke auf die Stadl, hauptsächlich aber auf die jetzt ver­schwundenen kleinen Häuser der ebenfalls nicht mehr vor­handenen Zwingergaffe zu werfen. Von der Festungsmauer selbst, die im Jahre 1552 der Belagerung der protestantischen Fürsten widerstanden, ist ein größeres Stück des Unter­baues an der Nordseite des Senckenbergischen Stiftgartens heute noch sichtbar, während von dem Oberbau, auf dem sich der erwähnte Gang befand, der zum Schutze gegen feindliche Geschosse aus Bogen, Armbrüsten und Handfeuer­waffen überdeckt war, nichts mehr vorhanden ist. Trotzdem können wir uns ein Bild dieses Wehrganges machen, wenn wir die überdeckte Galerie am Südthor des Eschenheimer