Ausgabe 
25.6.1899 Zweites Blatt
 
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1890

weites Blatt

von Anzeigen zu der nachmittag- für den

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AchlMgivol!11 ^Mer tausendjährigen Tradition der christlichen Kirche Mmstratze'tL zuwMiliMft und das religiöse Gesühl der Katholiken auss 2, tweU 'sie nur in ganz engen Kreisen unserer Be- inflnOO oölki/rMg begehrt, von der überwiegenden Mehrheit aber

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Sonntag den 25. Inni

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L'chutflraße Ar. 7.

Vertzeichen nen.

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11.

Adreffe für Depeschen: Anzeiger Hictzra.

Fernsprecher Nr. 51.

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3. weil religiöse Bedenken von einem katholischen Stand­punkte auch insofern nicht entgegenstehen, als diejenigen, welche die Feuerbestattung testamentarisch oder wie sonst bestimmen, mit ihrem Katholizismus wahrscheinlich langst abgeschlossen haben und auf ein kirchliches Begräbnis ver-

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Gießener Anzeiger

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis (Skfoen.

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lichten. Würde jemand von seinem religiösen Standpunkte aus die Feuerbestattung fordern, so wäre es em Gebot der Toleranz, für die fakultative Feuerbestattung sogar direkt

Zur Lage in Frankreich.

Heute führen wir unfern Lesern das Bildnis des neuen Ministerpräsidenten Pierre Marie Waldeck-Rousseau vor.

dem Auslande zum Zweck der Feuerbestattung verbracht, in Hessen aber die betreffende Leiche nicht emgeafchert werden darf.

Der Ausschuß ist hiernach der Ansicht, daß eine Rege­lung dieser Angelegenheit unbedingt geboten erscheint; er kann es aber auch konform mit der früheren Auffassung der Kammer nur billigen, daß die Regierung di- ges-tzUch- Regelung dieser Materie unternommen hat, anstatt was nach Lage der Gesetzgebung wohl ebenfalls rechtlich und tatsächlich möglich gewesen wäre, die Angelegenheit durch der Ausschuß, in die Beratung der einzelnen Artikel der Gesetzesvorlage einzutreten.

Im einzelnen ist folgendes zu bemerken:

Der Artikel 1 läßt die Feuerbestattung unter Be­obachtung der Vorschriften des Gesetzes und, soweit sie nich

Was soll ich Ihnen noch weiter von meinen Radfah^- studien erzählen, als daß ich mich sehr dumm anstellte; ich war nämlich ungefähr drei Wochen der Schrecken der Bahn, sobald ich mich sehen ließ, verdufteten Damen und Herren, denn man wußte sehr bald, daß mit mir nicht zu spassen war, da ich alles, was mir in die Quere kam, mit

An einem schönen Morgen war alles ausnahmsweise gut gegangen, ich war nicht einmal gefallen, und so er­laubte mir denn Herr Meyer, am nächsten Tage allem auszufahren. Doch bevor er mich entließ, gab er mm noch einige gute Lehren mit auf den Weg, die ungefähr folgender­maßen lauteten: ..Fahren Sie immer rechts nehmen Sie sich vor den Pferdebahnschienm in Acht, und seien Sie vor den Hunden und Droschken auf der Hut." - ..Werde alles schon machen, Herr Meyer," antwortete ich, und ging ver­gnügt nach Hause, woselbst ich anderthalb Stunden an meinem Rade putzte, obwohl es noch ganz neu war.

Kaum war es am nächsten Morgen hell geworden, als ich mich auch schon erhob, eilig ankleidete und mein Rad auf die Straße hinunter drückte, doch, o Schmerz! es gelang mir trotz aller Mühe nicht, aufzusteigen. Was also thun? Schon wollte ich verzweifeln, als da ein Bäckermadchen des Weges kam, das ich denn auch sogleich 6at, mir einen Augenblick das Rad zu halten, damit ich aufsteigen könne. Das Fräulein war auch gerne zu dieser Gefälligkeit bereit, und so hatte ich denn glücklicherweise die erste -Schwierigkeit überwunden, und segelte frohen Mutes aus der Stadt hinaus. Doch mit des Geschickes Mächten ist kein ew ger

ip«rrlamentarisches aus Hessen.

Wer die Vorlage der Großh. Ministerien des Innern und t.'r Justiz, den Gesetzentwurf die Feuer- .. .;st jLltung b etr., sowie die Vorstellung des Vereins für Feue MkslÄtung in Offenbach a. M. unb bie Umgäbe des Heiü Wii !Landesvereins für Totenemascherung denselben GegoÄs betr., hat Abg. Metz namens des zweiten Aus- schuffiis'rj Bericht erstattet.

'Wiis auf dem 25. Landtage wurde em von der ..veiM Kammer mit großer Majorität (gegen 8 Summen) äuge sWMir. nes Ersuchen an die Großh. Regierung geMiet, alsbotald dv° erforderlichen Bestimmungen zu treffen, um die .cue-uckfloiltung im Großherzogtum zu ermöglichen. Die i imeulige Regierung gab diesem Ersuchen keine

Aus »cm 27. Landtage wurde sodann am 9. ^anuar 1893» Bon 31 Abgeordneten auf dem Wege eines JinUativ- .utr.xjti nin Gesetzesentwurf die Feuerbestattung betr., der ;we>M K ammer zur Beratung und Beschlußfassung vor- .eleculüiü am 17. März 1893 in etwas modifizierter Form - oh > dir Zweiten Kammer mit allen gegen 6 Stimmen an- genowen., in der Ersten Kammer dagegen mit 12 gegen 1 G Zlimmen abgelehnt.

Aus Kem 29. Landtag endlich wurde in der Zweiten KamwM mit allen gegen drei Stimmen em Antrag an- --enoimmer, ..die Regierung um Vorlage emes Gesetzes- -NIMM,- wegen Zulassung der Feuerbestattung 'M Sinne des : Ml Iber Zweiten Kammer am 17. Marz 1893 ange- lommm Entwurfs zu ersuchen."., . r .

Die bet Centrumspartei angehorenden Mitglieder der lwcirM 8'ammer, mit Ausnahme des Abgeordneten Wolz, iiattcln biefiem Ersuchen mit folgender Motivierung roetc$'j|i ber Abgeordnete Schmitt im Ausschuß abgegeben

,In und für sich bin ich Gegner der Feuerbestattung,

Grntisbeilngein Gie^nerßamllienblütter, Der hessische Landwirt, Ktätter für hessische Volkskunde.

°°^EgLr Beerdigung gegenüber keinerlei Vorzüge hat.

$ bin aber nicht dagegen, daß die Regierung die fakuMchM»Leichenverbrennung gestattet:

' I, weil in Gotha und Heidelberg Angehörige des Groß- hcrrirow verbrannt werden und ein prinzipieller Grund nicht il 'Umsehen ist, warum das z. B. m Offenbach verboten U .^dieshalb von der Wahrung der alten christlichen Sitte nichttt Krochen werden kann, da man dann zu dem generellen $crhh jeder Feuerbestattung auch außerhalb Hessens kommen müßDl ___

an bis zu to* 1 schnell un» H

fyucfc / Briefe sc/en 1 billig & rei, n7.

Bund zu flechten. Kaum fuhr ich eine Viertelstunde, als es schrecklich zu regnen anfing. Ich zollte umkehren, konnte aber mit dem besten Willen das Rad nicht drehen, deshalb mußte ich immer geradeaus fahren, m der Hoffnung, jemand zu begegnen, der mir dasselbe anhalten wurde.

Bei meinen Bemühungen, umzudrehen, war ich aber, ohne es zu bemerken, auf den Fußweg gekommen, und da ich hier natürlich besser fuhr, als auf der Chaussee so fiel es mir garnicht ein, wieder herunterzufahren Doch ba taucht zu meinem Schrecken Plötzlich ein Feldschntze mit einem riesigen Hunde vor mtr auf, und ruft nur zu, ab- zusteiaen. Wie gerne hätte ich angehalten, aber ich konnte ja nicht, wollte ich nicht riskieren, einen Rippenbruch davon­zutragen. Der Schweiß rann mir aus allen Poren, als ich dem guten Manne zurief:So halten Sie mich

Der Wächter des Gesetzes schien dies nun als Hohn aufzufassen; denn er begann mit seinem Hunde eine förm­liche Jagd auf mich. Das verdammte Biest sprang immerzu an meinem Rade in die Höhe und drohte es umzuwerfen. Ich trat mit aller Macht in die Pedale, als ich aber um eine Ecke biegen mußte, sprang der Hund mir in ba§ Vorderrad, und ich fliege wider einen Baum, swill nndj1 an einer gerade um die Ecke kommenden Eierfrau Malten, greife fehl, fühle, daß etwas Klebriges auf mich fallt, und die Sinne vergehen mir. c <

Als ich wieder aufwachte, befand ich mich auf oer Wachtstube des 3. Polizeibezirks, wo man mir erklärte, ich hätte mich dem Beamten widersetzt, denn ich hatte nicht auf

Feuilleton.

Hedämpfte Freude.

Von Hermann Lekifck.

(Nachdruck verboten.)

.Hmet schon hatte ich die Leute bewundert, die wie höh mWesen durch die Straßen flogen, die Vorübergehenden so i Esilich ansehend, als wollten sie sagen: wir kommen a W Diel schneller an unser Ziel, als Ihr armselige FußijiPgier." Schon so oft hatte ich mir gedacht, was föniäiitOu doch für Reisegeld sparen, wenn du dir ein RaM.Maffen würdest. Nun hatte ich endlich Geld, ich hatte nätMh im ber Lotterie gewonnen, und jetzt kaufte ich mir ben^iruuti) sofort ein Rad, natürlich Halbrenner.

k nächsten Morgen begann ich meinen Unterricht im $Kai<«n auf der Lernbahn vor der Stadt Doch als mirik Dtrut Meyer, diesen seltenen Namen führt nämlich der LchM-Per, zum ersten Male den Gürtel umlegte, und mich au M Madkaroussel band, war meine Freude sehr rasch aebtihpitl; ich hatte nämlich immer Angst, herunterzufallen, obwiMAerr Meyer immerzu rief:fest treten",geradeaus VW, Ö,e§ kann Ihnen ja doch nichts pafsieren, Sie sind ja lMMunden." Ich dachte dabei unwillkürlich an die QeiMto ich das Schwimmen lernte, wo ich an eine Stange q-b-Wm war, und ber alte Schwimmlehrer immer uef: @räe. I5n>ei, drei",Zaft",sest treten", gerade !°, wie jeW fim Meyer.

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einzutreten.

Alle Gründe für und gegen die Feuerbestattung m Hessen sprechen auch für und gegen die Feuerbestattung außerhalb Hessens! Letztere wird nicht verhindert, deshalb soll man auch die erstere nicht ganz unmöglich wachem

Inzwischen sind der Regierung wiederholt von Privaten und Vereinen Wünsche auf gesetzliche Regelung dieses Gegen- standes zum Ausdruck gebracht worden, welchen die Regierung, wie in der Begründung zur Vorlage gesagt ist. Nicht weiter glaubt entgegentreten zu sollen, zumal seither schon An gehörige des Großherzogtums in den Krematorien außerhalb des Landes unbeanstandet bestattet worden seien und es geboten erscheine, die Voraussetzungen s°stzuseb°n, UN er welchen die Verbringung der Leichen außerhalb des Groß. Herzogtums zum Zwecke der Feuerbestattung zugelassen werden könne.

Die Regierung hat hiermit den Standpunkt der früheren Regierung, welche ein Bedürfnis für die gesetzliche Regelung des Feuerbestaltungswesens nicht anerkannte, verlassen, sie

I ist hiermit den Wünschen nicht nur ber Mehrheit der Zweiten Kammer, sondern auch weiterer B-volkerungSfretse en gegen- getommen, ein Entgegenkommen, welches der Ausschuß Mit

Pierre Marie Renö Ernest Waldeck-Rousseau ist Rücksicht aus die damit zum auSbrucE 9=6ra4te

am 2 Dezember 1846 in Nantes geboren. Seine politische nicht minder aber um deswillen sreud^st begrüß

Laufbahn begann er 1879 in Rennes als Abgeordneter, einem Rechtsznstande ein Ende gemacht^nb- ro $ Bereits zwei ^ahre spater wurde er Minister des Innern Standpunkt der Gesetzgebung aus in der doppelten Rich u g im Kabinett Gambetta und gehörte in ber gleichen Eigen- I unhaltbar erscheint, baß

scha t dem groben Kabinett Jules Ferry (21. Februar 1886 L cine an sich gesetzlich nicht verbotene Bestattungsart bis 30. Mürz 1885) an. Als 1889 der Boulangismus mit Rücksicht auf das Fehlen ber imTfentltcfeen ^nt-reffe auftrat, zog Walbeck-Rousieau sich vorn politischen Lebenforderlichen polizeilichen Vorschriften thatsachlich nicht aus- vollständig zurück und widmete sich seinem Berufe als Ad- I ^übt werden kann;

vokat, in dem er zu den gewandtesten Rednern gehörte Erst 2. ein in Hessen Verstorbener zwar Mit Zustlmmung im Dreysus-Jahr 1894 trat er wieder in das politische unb unter tatsächlicher Mithilfe hessischer Behörden nach

Leben ein indem er im Senat als Vertreter des Loire- I mm Zweck der Feuerbestattung verbracht,

Departements erschien. In den bewegten Zeilen des Dreyfushandels stellte sich Senator Waldeck-Rousseau ent­schieden auf die Seite der Dreyfus-Freunde und bekämpfte die Aenderung des Revisionsverfahrens. Bei der Prä­sidentenwahl im Januar 1895 erhielt er im ersten Wahl­gange 184 Stimmen, worauf er zu Gunsten Felix Faures zurücktrat. Waldeck-Rousseau steht noch vollständig auf dem Boden der altrepublikanischen Politik derUnion Re- publicaine" Gambettas und Jules Ferrys.