Zeuge antwortet, das oberste Fach enthielt den Mobilisierungsplan. Dreyfus war es möglich gewesen, denselben zu öffnen. Zeuge Berlin verbreitet sich weiter über seine Beziehungen zu Scheurer-Kestner, den er seit vielen Jahren kenne und der schon seit 1895 in ihm, dem Zeugen, Zweifel an der Schuld Dreyfus erwecken wollte. Zeuge erzählt, daß Scheurer-Kestner ein alter Freund der Familie Dreyfus sei. Auf Verlangen Laboris wird hier eine lange Aussage Scheurer-Kestners verlesen, der durch Krankheit am persönlichen Erscheinen verhindert ist. Die Aussage erklärt zunächst, daß Scheurer-Kestner niemals Beziehungen zur Familie Dreyfus gehabt und niemals ein einziges Mitglied der Familie Dreyfus gekannt, bis Matthieu Dreyfus zu ihm kam und bat, sich für seinen unschuldig verurteilten Bruder zu interessieren. Scheurer-Kestner erzählt, wie er nach und nach zur Gewißheit der Unschuld Dreyfus und der Schuld Esterhazys gelangt sei. Demange verlangt nochmals von dem Zeugen Berlin Aufschluß über die Erklärung, die Berlin der Familie Scheurer-Kestner gemacht habe. Berlin erklärt, er habe niemals der Familie Scheurer-Kestner verschwiegen, daß Scheurer dem Vaterlande einen ungeheueren Dienst erweisen würde, wenn es ihm gelingen würde, die Unschuld Dreyfus zu beweisen. Er, Zeuge, habe aber auch nie verschwiegen, daß er von der Schuld Dreyfus überzeugt sei. Berlin bestreilet ganz entschieden, daß Dreyfus darunter zu leiden gehabt hätte, daß er Jude war. Dreyfus sei nicht der erste jüdische Offizier im Generalstabe, er, Zeuge, habe jüdische Kameraden, die er achte. Ein jüdischer Offizier sei sein vertrauter Freund. Auf Verlangen Demanges werden nunmehr sämtliche Dienstnoten von Dreyfus verlesen, die bis zum Jahre 1893 glänzend sind. Erst im zweiten Halbjahre 1893 macht Oberst Fabre eine abfällige Bemerkung über das selbstgefällige Gebühren Dreyfus, die ihn zum Generalstabschef ungeeignet mache. Labori fragt alsdann den Zeugen Berlin, ob er sich erinnere, daß er etwa drei Wochen nach der Verurteilung des Dreyfus, mit ihm, Labori, in einer Familie gespeist und daß er damals gesagt habe, er sei einer der Urheber der Strafsache Dreyfus. Berlin bestreitet den Ausdruck Urheber, doch könne er wohl gesagt haben, er sei stolz darauf, an der Verurteilung eines Verräters mitgearbeitet zu haben. Es entspinnt sich nun eine Kontroverse zwischen Demange und Berlin, die Verteidigung von Dreyfus im Jahre 1894 betreffend. Dreyfus erhob sich sodann und erklärte: Er begreife nicht, daß man es dem Heere schuldig zu sein glaube, auf ihn fortwährend los zu hacken und ihn als schuldig hinzustellen. Er habe von der Ehre des Heeres eine andere Vorstellung. Er meine, die Ehre erfordere nicht, daß ein französischer Offizier durchaus schuldig sei. Ich liebe Frankreich. Lesen Sie, was ich auf der Teufelsinsel schrieb, in meinem Jammer, im Fieber. Lesen Sie meine damaligen Briefe und sagen Sie dann noch, daß meine Gefühle nicht die eines guten Franzosen sind. (Bewegung.)
Es tritt jetzt eine Pause ein. Der erste Zeuge nach der Pause ist der Colonel Gendron. Er sagt aus, er habe gehört, daß Dreyfus mit einer Madame Fery verkehrt habe. Diese Dame sei weder eine Cocotte noch eine anständige Frau gewesen. Weiter sagt Zeuge, die Offiziere des Generalstabes seien Leute, die vor Pflichteifer nicht schliefen. Zeuge Kapitän Besse sagt aus, daß er Dreyfus die Papiere über die Ostbahn gegeben habe. Dreyfus bestreitet das. Zeuge Kommandant Boullenger sagt über Indiskretionen aus. Dreyfus antwortet ausführlich in ruhiger Weise. Colonel Jeannel bekundet, daß sich Dreyfus von ihm die Dienstvorschriften geliehen habe. Die Verteidiger unterwerfen den Zeugen einem scharfen Kreuz-Verhör. Dreyfus entgegnet nach dem Verhör jedem einzelnen Zeugen in langen Widerlegungen. Zeuge Kommandant Maistre sagt aus, Dreyfus habe gute Kenntnisse über die Mobilisationspläne gehabt. Weiter protestiert Zeuge dagegen, daß im Bureau Antisemitismus geherrscht habe. Die Verhandlung wird jetzt aus morgen vertagt. Dreyfus verabschiedet sich herzlich von Demange und Labori.
Deutsches Keich.
Berlin, 22. August. Der Kaiser fährt auf der „Hohenzollern" am 18. September nach Swinemünde und von da nach Schweden. Die Rückkehr erfolgt am 28. September.
Berlin, 22. August. Der Kaiser ist Dienstag früh 7 Uhr mit Sonderzug in Begleitung des Grafen Waldersee in Nedlitz (Anhalt) eingetroffen und bei der Ankunft im Namen des Herzogs von dem Staatssekretär Di*, von Koseritz und im Namen des Kreises von dem Kreisdirektor Witting begrüßt worden. Ehrenjungfrauen überreichten Blumen. Die vor dem Bahnhofe aufgestellten Schulen und Kriegervereine des Kreises Zerbst brachten dem Kaiser stürmische Huldigungen dar. Der Kaiser fuhr in einem vierspännigen Wagen nach der F ^'erei Eichenquast, stieg hier zu Pferde und ritt nach dem Truppeu-Uebungsplatz bei Altengrabow. Die Rückreise ist für nachmittags 3 Uhr 20 Minuten über Nedlitz in Aussicht genommen.
Berlin, 22. August. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Graf v. Bülow, ist nach Berlin zurückgekehrt.
Berlin, 22. August. Kultusminister Dr. Bosse unterbricht den ihm gewährten Urlaub und trifft heute aus der Schweiz in Berlin ein.
Berlin, 22. August. Die Mitteilungen Uber die Reisepläne des Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe werden den „Berl. Neuest. Nachr." als unzutreffend bezeichnet. Der Reichskanzler werde naturgemäß zunächst die weitere Entwicklung der politischen Angelegenheiten in Berlin abwarten und erst nach Erledigung der mit diesen zusammenhängenden Geschäfte Berlin verlassen. Das Blatt glaubt, daß die Reise nach Aussee aufgegeben ist, der Kanzler vielmehr die Absicht hat, sich für einige Wochen nach Werki in Rußland
zu begeben, wohin bereits einige Mitglieder der Familie abgereist sind. — Nach demselben Blatt steht es noch nicht fest, daß morgen wirklich ein Kronrat stattfinden wird.
Berlin, 22. August. Wie die „Nat.-Ztg." meldet, überwog heute im Abgeordnetenhause die Ansicht, es werde zur Auflösung kommen, und zwar unter Rücktritt nur des Ministers v. d. Recke und einer Anzahl Veränderungen in den politischen Beamtenstellungen. Man wollte in dieser Angabe, welche auf konservative Abgeordnete zurückgeführt wurde, ein Echo der gestrigen Besprechung des Staatsministeriums finden. Es ist indes bis jetzt nach keiner Richtung eine Entscheidung erfolgt.
Berlin, 22. August. In eine allgemeine Lohnbewegung wollen die Glaser Berlins und Umgegend eintreten. Gefordert wird: Neunstündige Arbeitszeit, Stundenlohn von 50 Pfg., 60 Pfg. für Ueberstunden und 1 Mk. für Nachtarbeit.
M.P.C. Berlin, 22. August. Aus dem Abgeordnetenhause wird uns geschrieben: Während Hohenlohe für die Auflösung des Abgeordnetenhauses sein soll, heißt es von Miquel dieser sei dagegen. Danach scheint es fast, als ob die Krisis sich zu einem Kampf zwischen Hohenlohe und Miquel zuspitze. Das wäre dann etwa eine Situation ähnlich derjenigen, die dazu führte, daß Caprivi und Eulenburg beide ihre Entlassung nahmen. Es kann nicht fehlen, daß alle möglichen Kombinationen verbreitet und Namen um die Wette genannt werden. Waldersee befindet sich auch wieder darunter. In Blättern, welche dem Fürsten Hohenlohe nahestehen, wird mitgeteilt, der Kaiser sei besonders deshalb außerordentlich aufgebracht, weil man ihn solange über die parlamentarische Situation im Unklaren gelassen habe. Damit würde es nicht stimmen, wenn erzählt wird, Herr Miquel habe dem Kaiser davon abgeraten, nach Dortmund zu gehen. Es hätten sich dann andere Einflüsse geltend gemacht, welche den Rat Miquels als nicht ganz richtig erscheinen ließen. Man ist sich in keiner Partei vollkommen klar darüber, was Herr v. Miquel schließlich beabsichtigte und was nicht. Jedenfalls trat ein Gegensatz zwischen ihm und dem Fürsten Hohenlohe schon im Zusammenhang mit der Dortmunder Reise des Kaisers zutage. Auch ließ sich während der letzten Beratungen über die Kanalvorlage nicht verkennen, daß nicht vollkommene Uebereinstimmung zwischen den beiden Staatsmännern über die Behandlung der Konservativen herrschte. Mehrfach hört man im Abgeordnetenhause die Meinung zum Ausdruck bringen, Herr v. Miquel sei amtsmüde und er wolle politisch sterben. Dem wird entgegengehalten, daß sich dann Herr v. Miquel bei der Kanalberatung leicht einen guten Abgang hätte verschaffen können. Denn er brauchte nur den Konservativen zu erklären, er würde es als einen Beweis des Vertrauens oder Mißtrauens ansehen, ob die Mehrheit des Hauses mindestens den Dortmund-Rhein-Kanal bewillige oder nicht. Lehnte auch danach die Mehrheit des Abgeordnetenhauses den Kanal ab, so hatte Minister v. Miquel eine Quittung in der Tasche, die nicht ohne Wert gewesen wäre nach vielen Seiten.
— Die 24. Kommission des Abgeordnetenhauses hat gegen 6 Stimmen die Gemeindewahlgesetznovelle abgelehnt. Während der Beratungen ergriff auch der Vizepräsident des Staatsministeriums Dr. v. Miquel das Wort. Er hob hervor, die Gemeinden sollten Stabilität haben und keinen stets erneuerbaren Krieg über das Wahlrecht. Durch die staatliche Gesetzgebung sei eine plutokratische Verschiebung herbeigeführt, deshalb habe der Staat die Verpflichtung, sie zu beseitigen. In einzelnen Fragen könne mau den Gemeinden Autonomie gewähren für das Wahlrecht, aber nur so, daß eine gewisse Stabilität hergestellt werde. Ein Gesetz, das im Widerspruch mit dieser Auffassung stehe, werde nicht zu stände kommen. Die heutige Verhandlung zeige, was die einzelnen Parteien wollten. Die Staatsregierung werde in der nächsten Session wieder eine Vorlage machen. Die Regierungsvorlage sei immer noch besser, als alle sonst gestellten Anträge; die Regierung werde bereit sein, dem Kompromiß Fritzen-Sattler beizutreten. Es wäre vielleicht gut gewesen, das Gesetz früher einzubringen, es hätte aber ganz gut erledigt werden können. In der nächsten Session werde die Negierung in der Lage sein, gleich bei Beginn der Session den Gesetzentwurf vorzulcgen.
M.P.C. Die Mietspreise für Arbeiterwohnungen richten sich, wie das Verbandsorgan der deutschen Gewerkvereine: „Der Gewerkverein" nachweist, keineswegs allgemein nach dem Stand der Löhne. Aus Mitteilungen des Gewerkvereins der Maschinenbauer aus einigen Orten mit gleicher oder annähernd gleicher Lohnnotierung haben zwar die Mieten für "Wohnungen mit zwei Räumen (meist Stube und Küche) die Tendenz, mit den Löhnen zu steigen, sind aber gleichwohl bei denselben Löhnen recht verschieden. Bei mehr als zwei Räumen ist der Unterschied noch erheblicher und die Belastung des Budgets für den Arbeiter recht drückend. So geben nach Angabe der Maschinenbauer in Karlsruhe 30 Proz., in Liegnitz 33 Proz. und in Mannheim 36,5 Proz., nach Angabe der Bauhandwerker in Char- lottenburg 33 Proz. des Lohnes für Miete drauf. Eine Wohnung von drei Räumen beansprucht nach Angabe des Gewerkvereins der Maschinenbauer vom Lohne in Dresden I 25,2 Proz., in Gleiwitz 26,2 Proz., in Düsseldorf III24 Proz., in Jagen 26,3 Proz., in St. Johann fast 23 Proz., in Leopoldshall 16 Proz., in Elbing 21 Proz., in Guben 20 Proz., in Hörde 17 Proz., in Schönsee i. West-Preußen 29 Proz., in Schweidnitz über 26 Proz., in Spiprdau 20 Proz., in Lauban 17,7 Proz., in Insterburg fast 22 Proz. u. s. w. Die Maschinenbauer sind in ihrer Gesamtheit zu den bestbezahlten Arbeitern zu rechnen. Die Statistik der übrigen Gewerkvereine ergiebt, daß im allgemeinen eine Arbeiterfamilie, wenn sie mehr als zwei Wohnräume haben will, ein Fünftel bis ein Viertel des Lohnes für Miete auszugeben hat, also denselben Prozentsatz des Einkommens, den in Berlin die Einkommenklaffen bis rund 10000 Mk. etwa
aufwenden. Das ist um so drückender, je niedriger das Einkommen ist.
— Von der Zentralleitung der sozialdemokratische« Gewerkschaften wird eine spezialisierte Nachweisung veröffentlicht, wie viel Geldmittel für die Zwecke der Organisation int Jahre 1898 von den Mitgliedern der einzelnen Gewerkschaften aufgebracht und wozu sie verwandt worden sind. Diese Aufstellung ist sehr lehrreich: sie weist nach, in welchem Umfang die Sozialdemokratie von ihrer Anhängerschaft Steuern erhebt, und wie viel von diesen Arbeitergroschen unter den Händen der Agitatoren zerrinnt. Auf den Kopf haben an Gewerkschaftssteuern im Jahre 1898 bezahlt: die Bäcker 11 Mk. 16 Pfg., Bildhauer 25 Mk. 99 Pfg., Böttcher 12 Mk. 15 Pfg., Buchbinder 14 Mk. 54 Pfg., Buchdrucker 56 Mk. 21 Pfg., Formenstecher 10 Mk. 1 Psg-, Gastwirtsgehilfen 20 Mk. 79 Pfg., Graveure und Ziseleure 17 Mk. 96 Pfg., Handlungsgehilfen 14Mk. 38Pfg., Handschuhmacher 17 Mk. 94 Pfg., Hutmacher 33 Mk. 88 Pfg., Kupferschmiede 14 Mk. 81 Pfg., Lederarbeiter 12 Mk. 62 Pfg., Litographen 13 Mk. 81 Pfg., Maurer 10 Mk. 32 Pfg., Porzellanarbeiter 17 Mk. 76 Pfg., Steinarbeiter 10 Mk. 71 Pfg., Tabakarbeiter 10 Mk. 64 Pfg., Zigarrensortierer 21 Mk. 12 Pfg., Zimmerer 11 Mk. 17 Pfg. Dabei sind das nur die normalen Beiträge. Die außerordentliche« Beiträge verschiedenster Art, die manchmal diese Summen noch verdoppeln, sind nicht mit verrechnet. Dazu kommen dann noch die Aufwendungen für die politische Organisation, die im letzten Grunde von denselben Leuten getragen wird. Nach Ausweis der Jahresabrechnung der sozialdemokratischen Parteiführung für 1897/98 beliefen sich die Parteibeiträge zur selben Zeit, als jene hohen Gewerkschaftssteuern aufgebracht worden sind, in Summa auf 231 850 Mk. Die Zahlen sollten die bürgerlichen Kreise betrachten * und sich im stillen Kämmerlein fragen, was jeder für sich gethan, um seiner politischen Ueberzeugung in der Oeffentlichkeit den gehörigen Nachdruck zu verschaffen. Mit Reden allein macht die Sozialdemokratie es nicht.
— Beh andlung beschädigter Münzen. Es wird amtlich bekannt gegeben, daß gelegentlich der Einziehung der silbernen Zwanzigpfennigstücke die Wahrnehmung gemacht worden sei, daß seitens der Kassen Stücke, welche mit geringen Beschädigungen behaftet waren oder Einbiegungen zeigten, nach Zerschneiden dem Einzahler zurückgegeben oder überhaupt zurückgewiesen wurden. Ein solche- Verfahren wird als den in Betracht kommenden gesetzliche« Bestimmungen nicht entsprechend bezeichnet. Abgesehen von den Falschslücken wird in diesen Bestimmungen unterschieden zwischen abgenutzten Münzen, welche zum vollen Werte anzunehmen sind, und den gewaltsam beschädigten Münzen, welche durch Zerschlagen oder Einschneiden für den Umlauf unbrauchbar zu machen und alsdann dem Einzahler zurückzugeben sind. Hiernach ist die Zurückweisung beschädigter Münzen unstatthaft. Es kann sich nur darum handeln, diese Münzen entweder anzunehmen, oder sie, wenn eine gewaltsame Beschädigung stattgefunden hat, nach vorgängiger Unbrauchbarmachung zurückzugeben. Ob die letztere Voraussetzung zutrifft, ist im einzelnen Falle zu prüfen. Die silbernen Zwanzigpfennigstücke unterliegen einer raschen Abnutzung und sind bei der Dünne der Münzplättchen in erhöhtem Maße der Gefahr ausgesetzt, bei dem Umlauf von Hand zu Hand beschädigt, insbesondere verbogen zu werden. Die Rücksicht auf die technischen Mängel der Münzgattung war für die beschlossene Einziehung derselben überhaupt maßgebend. Beschädigungen sind daher nicht ohne weiteres als gewaltsame im Sinne der gedachten Bestimmungen anzusehen, sondern werden häufig unter den Begriff der Abnutzung fallen. Eine gewaltsame Beschädigung wird nur dann anzunehmen sein, wenn sie als solche aus ihrer Beschaffenheit auf zweifelsfreie Weise erkennbar ist, z. B. wen« die Münze durchlöchert, durchschnitten ist oder wenn erhebliche Münzteile fehlen.
Frankfurt a. M., 22. August. Die „Franks. Zeitung" meldet aus Konstantinopel: Der Sultan hat Antho- pulos Pascha, der bald nach London zurückkehrt, beauftragt, beim englischen Auswärtigen Amte Schritte zu thun Wege« der Grundlage des französisch-englischen Uebereinkommens über das südtripolitanische Hinterland. — Der Sultan beabsichtigt, neben dem Iildiz-Palast ein neues Palais mit 80,000 Pfund Sterling Kostenaufwand zu bauen. — Die Dacht „Snltani" wird. anfangs September nach Antivari sich begeben, gutem Vernehme« nach, «m den Kronprinzen und die Kronprinzessin vo» Montenegro als Gäste des Sultans hierher abzuholen. Einer anderen Version zufolge wird es sich um den bevorstehenden Besuch des Fürsten von Montenegro selbst handeln.
Frankfurt a. M., 22. August. Die „Franks. Ztg." meldet aus Paris: Es ist nicht richtig, daß der österreich- ungarische Botschafter, Graf Wolkenstein, seinen Urlaub unterbricht, um nach Paris zurückzukehren. Auch Oberst Schneider soll nur zu einem kurzen Aufenthalt hier sein, um nach Beendigung seiner Kur in Ems nach der Schweiz zu reifen. Darauf, daß Schneider oder die österreichische Botschaft über die bisherigen Dementis an den „Figarohinausgehen, ist also schwer zu rechnen. — In der Rue Chabrol dauert die Belagerung Guorins ohne besondere Anteilnahme des Publikums fort. Mit Gusrin sind nur noch zwölf Genossen eingeschlossen. Nachdem ihm Nahrung und Wasser abgeschnitten, sowie die Abflußkanäle des Hausegestaut sind, soll der hygienische Zustand des Innern jammervoll sein, sodaß die baldige freiwillige Uebergabe erwartet wird.
Köln, 22. August. Von zuverlässiger Seite verlautet aus Petersburg, daß im Südosten Rußlands, im Gouvernement Samara, die sibirische Pest ausgebroche» sei. Auf telegraphische Requisition hin wurden mehrere Regimenter Soldaten dorthin entsandt, um die Stadt Zaryzin abzusperren. Den russischen Zeitungen wurde strengstes Stillschweigen auferlegt.


